=Weil= die hoch über das Gebäude emporragende eiserne Auffangestange

des Blitzableiters, vermöge der bekannten Wirkung der Spitzen, der

electrischen Wolke beständig die entgegengesetzte Electricität des

Erdbodens zuleitet und dadurch ihre Electricität entweder aufhebt oder

doch sehr verringert. Selbst wenn die aus der Spitze ausströmende

Electricität nicht im Stande ist, das Einschlagen des Blitzes aus der

zu schnell sich nähernden Wolke zu hindern, so wird doch der Blitz

vorzugsweise die hohe Stange des Blitzableiters treffen und, da diese

außerhalb am Gebäude herunter in den feuchten Erdboden geführt ist,

seinen Weg diesen guten Leiter entlang nehmen und das Gebäude selbst

unberührt lassen. Allerdings schützt der Blitzableiter ein Gebäude

ringsum nur etwa auf eine Entfernung, welche der doppelten Höhe der

Auffangestange über die höchsten Theile des Hauses gleich ist. Erfinder

des Blitzableiters ist der berühmte Amerikaner _Franklin_, der auch

zuerst durch einen mit Hülfe eines aufsteigenden Papierdrachens

angestellten Versuch im Juni 1752 die electrische Natur des Gewitters

nachwies.

=428. Warum= vernimmt man beim Einschlagen des Blitzes in der Nähe nur

einen einfachen Donnerschlag ohne nachfolgendes Rollen?

=Weil= der Donner nur durch die Schwingungen der vom Blitz

durchbrochenen und erschütterten Luftmassen entsteht, diese

Luftschwingungen aber, wenn die Wolke sich nahe über uns befindet,

sämmtlich fast in dem gleichen Augenblick unser Ohr treffen müssen,

während, wenn der Blitz von Wolke zu Wolke, von Wasserbläschen zu

Wasserbläschen überspringt, also einen weiten Weg durchläuft, die durch

die einzelnen überspringenden Blitze erzeugten Luftschwingungen erst

allmählich je nach der Entfernung in unser Ohr kommen und darum als

eine Reihe von Donnerschlägen, als ein Rollen empfunden werden.

=429. Warum= beschreibt der Blitz gewöhnlich eine Zickzacklinie?

=Weil= der Blitz, indem er von Wasserbläschen zu Wasserbläschen

überspringt, beständig durch plötzliche Erhitzung die Luft aus der

Stelle treibt und darum vor sich her verdichtet, die dichtere Luft aber

die Electricität nun weniger gut leitet, und der Blitz so veranlaßt

wird, immer wieder vom graden Wege abzugehen und sich seitwärts in

weniger dichter, also besser leitender Luft einen Ausweg zu suchen.

=430. Warum= ziehen die meisten Gewitter bei uns gegen den Wind?

=Weil= die meisten Gewitter bei uns entstehen, wenn in unserer

Atmosphäre ein herrschender Aequatorialstrom von unten her durch die

schwerere kältere Luft eines Polarstromes verdrängt wird, also wenn die

Windfahne sich von West durch Nordwest nach Nord dreht. Die Gewitter

ziehen daher mit nördlichem Winde auf, nachdem vorher südliche Winde

geweht hatten. Sie machen uns dadurch den eingetretenen Windwechsel

erkennbar, der eine Ursache, aber nicht eine Folge der Gewitter ist.

Solche Gewitter kühlen auch das Wetter ab, weil die kälteren Nordwinde

mit ihnen zur Herrschaft gelangen.

=431. Warum= sieht man bisweilen während eines Gewitters die Spitzen

von hohen Gegenständen, namentlich von Thürmen, Schiffsmasten, hohen

Bäumen, leuchten?

=Weil= die in Folge der Einwirkung electrischer Wolken an der

Oberfläche der Erde angehäufte Electricität aus solchen hervorragenden,

in Spitzen auslaufenden Gegenständen fortwährend ausströmt und dann in

der Dunkelheit als Lichtbüschel erscheint. Man nennt diese Erscheinung

das _St. Elmsfeuer_ und beobachtet sie häufiger bei heftigen Stürmen

und Wintergewittern als bei Sommergewittern. Sie zeigt sich auf freiem

Felde oft auch an Gesträuch, an den Ohren und Mähnen der Pferde, selbst

an den Fingerspitzen.

Als _Wetterleuchten_ bezeichnen wir den aufflackernden, oft sehr

hellen Lichtschein, der ohne allen Donner besonders an heißen

Sommerabenden, selbst ohne vorangegangenes Gewitter und oft an ganz

wolkenfreiem Horizont erscheint. Es mag zum Theil von Gewittern

herrühren, die allzu entfernt sind, als daß wir den Donner zu vernehmen

vermöchten, zum Theil aber auch durch den Widerschein solcher Blitze

am Himmel entstehen, welche von Wolken unter dem Horizont ausgehen.

Bisweilen dürfte aber diese Erklärung nicht ausreichen, und an das

freiwillige Ausströmen der Electricität aus starken geladenen Wolken

zu denken sein, wie es auch beim stark geladenen Conductor einer

Electrisirmaschine erfolgt, wenn kein leitender Gegenstand innerhalb

der Schlagweite vorhanden ist.

Das _Nordlicht_ oder vielmehr _Polarlicht_, weil es auch in

Südpolarländern am südlichen Horizonte auftritt, ist eine besonders

in Polargegenden häufige Lichterscheinung, die mit dem Ausströmen der

Electricität im Dunkeln einige Aehnlichkeit hat und unzweifelhaft

mit dem Erdmagnetismus in Verbindung steht, da sie unregelmäßige

Schwankungen oder Störungen der Magnetnadel oft auf weite Strecken

hin und schon am Tage vor ihrer Sichtbarkeit bewirkt. Das Nordlicht

erscheint am Himmel als ein hellleuchtender, ein dunkleres Segment

umschließender, weißer Lichtbogen, dessen Mittelpunkt ungefähr im

magnetischen Meridian liegt. Von dem hellen Lichtbogen, der abwechselnd

auch in gelbe, rothe und violette Farben spielt, fahren von Zeit zu

Zeit nach allen Richtungen weiße und rothe Lichtbüschel aus, die sich

bis zum Zenith und über dasselbe hinaus erstrecken und mit dunkeln

Streifen wechseln, bisweilen sich auch im Zenith zur sogenannten

Krone vereinigen. Als Ursache des Nordlichts nimmt man die Erzeugung

von electrischen Strömen in Folge der Achsendrehung der gleichsam

einen großen Magneten darstellenden Erde an, wie sie bei rotirenden

künstlichen Magneten von _Faraday_ nachgewiesen wurde.

=432. Warum= empfindet man einen sauren oder laugenhaften Geschmack,

wenn man die Zungenspitze zwischen einen blanken Kupferstreifen und

einen blanken Zinkstreifen bringt und dann beide Metallstreifen

außerhalb vor dem Munde in Berührung mit einander setzt?

=Weil= zwei verschiedene Metalle bei gegenseitiger Berührung einander

electrisch erregen, und diese Electricität, wenn sie auch so schwach

ist, daß sie sonst nicht bemerkt werden kann, doch wenigstens durch

ihre Wirkung auf die Geschmacksnerven sich bemerklich macht. Der

Geschmack ist sauer, wenn das Kupfer auf der Zunge liegt, laugenhaft,

wenn das Kupfer unter der Zunge liegt. Auch auf die Gesichtsnerven

macht die Electricität einen Eindruck. Legt man einen Kupferstreifen

an das rechte, einen Zinkstreifen an das linke Zahnfleisch der oberen

Kinnlade, und bringt man dann die vorderen Enden der Metallstreifen

mit einander in Berührung, so empfindet man vor den Augen einen

vorübergehenden Lichtschimmer. Man nennt diese durch Berührung

verschiedener Metalle erzeugte Electricität Berührungs- oder

galvanische Electricität. Daß wirklich Electricität dabei im Spiele

ist, kann man erkennen, wenn man zwei mit isolirenden Glasgriffen

versehene Metallplatten, die eine aus Kupfer, die andere aus Zink, mit

ihren geschliffenen Flächen aufeinander legt und nach der Trennung jede

derselben am Condensator prüft. Das Auseinanderfahren der Goldblättchen

beweist dann ihre electrische Eigenschaft. Diese Berührungselectricität

wurde zuerst von _Galvani_ in Bologna im Jahre 1786 entdeckt, aber erst

von _Volta_ in Pavia im Jahre 1800 richtig erkannt.

[Illustration: Fig. 107.]

=433. Warum= erhält man eine weit stärkere electrische Wirkung, wenn

man eine Kupfer- und eine Zinkplatte, ohne daß sie einander berühren,

in eine gesäuerte Flüssigkeit taucht und dann an ihren hervorragenden

Enden durch einen Metalldraht leitend verbindet, als wenn man sie

trocken an einander legt?

[Illustration: Fig. 108.]

=Weil= die Metalle in Berührung mit Flüssigkeiten, namentlich

gesäuerten, kräftiger electrisch erregt werden, als bei gegenseitiger

Berührung. Taucht man eine Zinkplatte in eine gesäuerte Flüssigkeit,

so wird das Zink negativ, die Flüssigkeit positiv electrisch. Taucht

man auch eine Kupferplatte ein, so nimmt diese als guter Leiter

die positive Electricität der Flüssigkeit auf, und verbindet man

beide Platten durch einen Kupferdraht, so erfolgt durch diesen die

Wiedervereinigung der getrennten Electricitäten. Da aber das Zink mit

der Flüssigkeit in Berührung bleibt, so werden beide in demselben

Augenblicke wieder electrisch, die positive Electricität strömt wieder

vom Kupfer zum Zink. So besteht eine immerwährende Erregung und

Ausgleichung der Electricitäten, und dadurch unterscheidet sich diese

galvanische Electricität wesentlich von der Reibungselectricität, bei

welcher immer nur augenblickliche Ausgleichungen möglich sind. Man

nennt daher auch diese fortdauernde Bewegung einen electrischen Strom

und sagt, daß der positive Strom vom Kupfer zum Zink gerichtet sei.

Die Einrichtung selbst nennt man eine einfache galvanische Kette,

oder ein galvanisches Element (Fig. 107). Man kann aber auch mehrere

solcher Elemente zusammensetzen, indem man die Zinkplatte des ersten

Elements mit der Kupferplatte des zweiten, die Zinkplatte des zweiten

Elements mit der Kupferplatte des dritten etc. durch einen Kupferdraht

leitend verbindet. Eine solche zusammengesetzte Kette nennt man eine

galvanische _Batterie_. Die äußersten unverbundenen Glieder derselben

heißen ihre Pole und zwar die äußerste Kupferplatte der positive Pol,

die äußerste Zinkplatte der negative Pol. Verbindet man diese Pole

durch einen Leitungsdraht, so geht der (positive) electrische Strom vom

Kupfer zum Zink. Man nennt in diesem Falle die Kette _geschlossen_,

während sie _geöffnet_ heißt, wenn kein Leitungsdraht die Pole

verbindet. Die einfachste und älteste Form einer galvanischen Batterie

ist die voltaische Säule (Fig. 108), die aus übereinandergeschichteten

Zink- und Kupferplatten besteht, welche durch angefeuchtete Tuch- oder

Pappscheiben von einander getrennt sind. Sie wurde zuerst von _Volta_

in Pavia im Jahre 1800 construirt.

=434. Warum= verlieren solche galvanische Ketten sehr bald ihre

Wirksamkeit?

=Weil= sowohl die Platten als die Säuren chemische Veränderungen

erleiden, welche die electrische Bewegung schwächen. Dauernde oder

constante galvanische Ketten erhält man, wenn man die beiden Metalle in

verschiedene Flüssigkeiten taucht, die nur durch eine poröse Wand von

einander getrennt sind, also einander berühren und darum gleichfalls

electrisch erregen. Zu den wirksamsten solcher Ketten gehören die

_Grove_'sche und die _Bunsen_'sche. Erstere besteht aus Zink und

Platina. Das Platinablech befindet sich in einer mit Salpetersäure

gefüllten Thonzelle, die Zinkplatte in einem größeren, mit verdünnter

Schwefelsäure gefüllten Gefäß. In dieses letztere wird die poröse

Thonzelle getaucht, so daß also die beiden Säuren nur durch die poröse

Scheidewand getrennt sind. Bei der _Bunsen_'schen Batterie wird statt

des Platina's ein massiver Kohlencylinder angewandt. In neuerer

Zeit hat auch die _Smee_'sche Kette eine sehr verbreitete Anwendung

gefunden. Sie besteht aus Zink, Silber und verdünnter Schwefelsäure.

Das Silberblech ist aber mit einem Ueberzug von sehr fein zertheiltem

Platin, sogenanntem Platinmohr, versehen, welcher den Zweck hat, das

die Wirkung schwächende Anhängen der sich bildenden Wasserstoffbläschen

zu verhindern, indem er demselben feine Spitzen darbietet. Um beide

Seiten der Silberplatte wirksam zu machen, ist jeder Seite derselben

eine Zinkplatte gegenübergestellt; beide Zinkplatten sind aber unter

sich zu einem Element verbunden. Solche constante Ketten bringen sehr

kräftige Wirkungen hervor, die im Allgemeinen denjenigen gleichen,

welche der Funken der electrischen Flasche erzeugt. Besonders stark

sind ihre Licht- und Wärmewirkungen.

=435. Warum= kann man aus großer Entfernung eine Mine entzünden, wenn

man von dem einen Pole einer galvanischen Batterie einen Leitungsdraht

bis zum Pulver leitet und hier durch einen sehr feinen Eisendraht

mit einem zweiten Leitungsdraht verbindet, der zum anderen Pole der

Batterie zurückkehrt?

=Weil= in demselben Augenblicke, in welchem der zweite Leitungsdraht

den Pol der Batterie berührt, die Kette geschlossen ist, der

electrische Strom daher den ganzen Leitungsdraht durchläuft und den

eingeschalteten dünnen Eisendraht glühend macht, so daß dieser das

Pulver entzündet. Die Länge des Weges ist für den Strom kein Hinderniß,

da er die größten Strecken in fast unmeßbarer Zeit durchläuft.

=436. Warum= wird ein Eisenstab, den man in eine Auflösung von

Kupfervitriol eintaucht, sehr bald mit metallischem Kupfer überzogen,

wenn man gleichzeitig einen Kupferstab eintaucht und durch Drähte den

letzteren mit dem positiven, den Eisenstab mit dem negativen Pole einer

galvanischen Kette verbindet?

=Weil= der electrische Strom, welcher durch die beiden Metalle in

Berührung mit der Flüssigkeit erregt wird, den Kupfervitriol chemisch

zersetzt und metallisches Kupfer daraus abscheidet, welches sich an

dem negativen Pole, also an dem Eisen absetzt. Auf dieser Zersetzung

metallischer Salzlösungen durch den electrischen Strom beruht die

_Galvanoplastik_, d. h. die Kunst, plastische Gegenstände, wie

Münzen, Gypsabdrücke, Holzschnitte, Kupferstiche etc., in Kupfer

treu nachzubilden. Gewöhnlich bedient man sich dazu eines weiten

Glasgefäßes, in welches vermittelst eines Drahtringes ein kurzer, unten

nur durch eine Thierblase geschlossener Glascylinder eingehängt wird.

In dem größeren Gefäße befindet sich die Kupfervitriollösung, in dem

kleineren verdünnte Schwefelsäure. Dann wird ein starker Zinkstreifen

mit einem Kupferstreifen zusammengelöthet und so gebogen, daß der

Zinkstreifen in das engere Gefäß hinabhängt, während der Kupferstreifen

in das weitere, mit der Vitriollösung gefüllte taucht und grade unter

dem Boden des engeren Gefäßes eine wagerechte Fläche bildet, auf welche

die in Kupfer nachzubildende Form gelegt werden kann. Diese Form

verschafft man sich durch einen Abguß in Wachs oder Stearin, dessen

Oberfläche man dann mit feinem Graphit- oder Broncepulver bepinselt und

dadurch leitend macht. Der Strom, der hier zwischen Zink und Kupfer

durch beide Flüssigkeiten erregt wird, ist nur schwach, genügt aber,

die Vitriollösung zu zersetzen und im Laufe einiger Tage den Abdruck

mit einer dicken Kupferschicht zu überziehen, welche genau der Form des

Abdrucks entspricht. Auch die galvanische Vergoldung und Versilberung

geschieht in ähnlicher Weise. Die Galvanoplastik wurde von _Jacobi_ in

Dorpat und von _Spencer_ in England im Jahre 1838 fast gleichzeitig

erfunden.

=437. Warum= wird Eisen durch einen Zinküberzug vor dem Rosten bewahrt?

=Weil= Zink und Eisen eine galvanische Kette bilden, in welcher Zink

das positive, Eisen das negative Metall darstellt. Wenn durch diese

galvanische Kette in Berührung mit Feuchtigkeit das Wasser zersetzt

wird, so scheidet sich der Sauerstoff desselben stets am positiven

Pole, also hier am Zink, aus, während das Eisen davon befreit bleibt.

Da aber dieser Sauerstoff die Ursache des Rostens des Eisens ist, so

muß das Eisen in Gegenwart von Zink rein bleiben. In Verbindung mit

Kupfer würde das Entgegengesetzte stattfinden; das Eisen würde dann

das positive Metall sein, und an diesem also der Sauerstoff sich

ausscheiden. Daher rosten eiserne Nägel in kupfernen Bedachungen sehr

leicht.

=438. Warum= wird eine Magnetnadel in der Nähe electrischer Ströme zur

Ortsbestimmung unbrauchbar?

=Weil= eine frei bewegliche Magnetnadel durch einen electrischen Strom

aus ihrer Nordrichtung abgelenkt wird, und zwar nach Osten, wenn der

Strom über der Nadel von Norden nach Süden, -- nach Westen, wenn er

unter der Nadel von Norden nach Süden geht; ebenso nach Westen, wenn

der Strom über der Nadel von Süden nach Norden, -- nach Osten, wenn

er unter der Nadel von Süden nach Norden geht. Denkt man sich in den

vom electrischen Strome durchlaufenen Leitungsdraht eine menschliche

Figur so eingeschaltet, daß der positive Strom von den Füßen nach dem

Kopfe geht, und das Gesicht der Figur nach der Nadel gewendet ist,

so wird die Magnetnadel immer so abgelenkt, daß ihr Nordende sich

nach links, ihr Südende nach rechts wendet. Diese Ablenkung ist so

empfindlich, daß man sie benutzt, um sehr schwache electrische Ströme

nachzuweisen. Man verstärkt zu dem Zwecke die Wirkung des Stromes auf

die Magnetnadel, indem man den Leitungsdraht in vielen Windungen über

und unter der Nadel herumführt. Man nennt eine solche Vorrichtung

einen _Multiplicator_. Die Einwirkung des electrischen Stromes auf

die Magnetnadel wurde von _Oersted_ in Kopenhagen im Jahre 1820

entdeckt, und noch in demselben Jahre erfand _Schweigger_ in Halle den

Multiplicator.

[Illustration: Fig. 109.]

=439. Warum= erhält ein Stab aus weichem, nicht magnetischem Eisen die

Eigenschaft Eisen anzuziehen, wenn man einen mit Seide übersponnenen

Kupferdraht um denselben windet, und die Enden des Drahts mit den Polen

einer galvanischen Kette verbindet?

=Weil= der weiche Eisenstab wirklich durch den ihn umkreisenden

electrischen Strom in einen Magneten verwandelt wird. Man nennt diesen

Magneten einen _Electromagneten_. Durch sehr kräftige electrische

Ströme kann man daher auch sehr kräftige Electromagnete erzeugen,

die mehrere Centner zu tragen vermögen. Weiches Eisen wird aber nur

vorübergehend durch den electrischen Strom magnetisch gemacht; es

verliert seinen Magnetismus, sobald der electrische Strom aufhört. Ein

Stahlstab aber behält seinen Magnetismus dauernd.

=440. Warum= stellt sich bei den electrischen Telegraphen der Zeiger

auf der entfernten Station immer genau auf denselben Buchstaben, auf

welchen der Zeiger der Anfangsstation gerückt wird?

=Weil= durch die Bewegung des Zeigers auf der ersten Station bei

Berührung eines Buchstaben zugleich eine galvanische Kette geschlossen

und also ein electrischer Strom durch den langen Leitungsdraht zur

entfernten Station geführt wird, hier aber dieser Strom einen kleinen

Electromagneten magnetisch macht und ihn dadurch veranlaßt, einen

Anker anzuziehen und durch diesen wieder einen kleinen Hebel zu

bewegen, der endlich in ein Zahnrad eingreift und dies sammt dem daran

befindlichen Zeiger um einen Zahn forttreibt. Sobald der Zeiger auf der

ersten Station den Buchstaben oder vielmehr den damit in Verbindung

stehenden kleinen Stift verläßt, wird die galvanische Kette geöffnet,

der electrische Strom also unterbrochen, und der Electromagnet auf der

anderen Station seines Magnetismus beraubt, so daß der Anker wieder

fällt, und das Zahnrad mit dem Zeiger still steht. Das Wesen des

electrischen Telegraphen beruht also einmal auf der außerordentlichen

Geschwindigkeit des electrischen Stromes, die auf 150000 bis 450000

Kilometer in der Secunde geschätzt wird; dann auf der Leitungsfähigkeit

der Metalle und des Erdbodens, da der Strom von der einen Station zur

zweiten durch einen Kupfer- oder starken Eisendraht geleitet wird,

von jeder der beiden Stationen aber in die Erde als Leiter abströmt;

endlich auf der Möglichkeit, in jeder Entfernung vermittelst des durch

eine Drahtspirale geleiteten electrischen Stromes ein Eisenstück nach

Belieben magnetisch zu machen und ihm diese Eigenschaft wieder beliebig

zu nehmen.

[Illustration: Fig. 110.]

Je nach der Art, in welcher die Zeichen gegeben werden, unterscheidet

man _Nadel-Telegraphen_, _Zeiger-Telegraphen_, _Druck-_ oder

_Schreib-Telegraphen_ und _Copir-Telegraphen_. Der oben beschriebene

ist der _Zeiger-Telegraph_. Bei dem _Nadel-Telegraphen_ werden die

Zeichen zum Theil durch die Bewegungen einer oder zweier Magnetnadeln

gegeben, die an ihrem Ende mit einem Stifte versehen sind, der in einen

Farbennapf taucht und auf einem vorübergleitenden Papiere die Spuren

der Nadelbewegung als schwarze Punkte hinterläßt. Durch bestimmte

Gruppen dieser Punkte werden die verschiedenen Buchstaben bezeichnet;

andererseits genügt auch schon das abwechselnde Ausschlagen der

Magnetnadel nach links und rechts, um eine Zeichensprache daraus zu

bilden. Der seit 1866 in regelmäßigem Betriebe befindliche atlantische

Telegraph ist gleichfalls ein Nadel-Telegraph. Der _Schreib-_ oder

_Druck-Telegraph_ (Fig. 110) bewirkt das Aufschreiben der aus der Ferne

mitgetheilten Zeichen in noch vollkommnerer Weise. Derselbe besteht in

der Hauptsache aus einem aufrechtstehenden, kräftigen Electromagneten,

an dessen Anker das Ende eines Hebels befestigt ist, dessen anderes

Ende einen kleinen stumpfen Stahlstift trägt. Sobald dieser Hebel

durch den Electromagneten angezogen wird, drückt sein Stahlstift auf

einen Streifen Papier, welcher durch ein Räderwerk gleichmäßig unter

einer Walze hingezogen wird. Wird der Strom unterbrochen, so hört

auch die Anziehung des Electromagneten auf, und eine Feder zieht

dann den Hebelarm und den Stahlstift von dem Papiere wieder zurück.

Je nachdem der Strom also für einen Augenblick oder für längere Zeit

geschlossen ist, entstehen eingedrückte Punkte oder Striche auf dem

Papier und durch die verschiedenen Verbindungen dieser Punkte und

Striche lassen sich dann alle Buchstaben des Alphabets darstellen.

Bei dem _Copir-Telegraphen_ wird sogar die Handschrift selbst wieder

gegeben und es können selbst ganze Zeichnungen und Situations-Pläne

telegraphirt werden. Man benutzt nämlich hierbei die farbigen

Niederschläge, welche gewisse chemische Substanzen bei der Zersetzung

durch den electrischen Strom geben. Eine rotirende Walze wird mit

einem in dieser Weise chemisch präparirten Papier bedeckt. Wird nun

während der Umdrehung der Walze vermittelst einer Feder ein Stift

beständig gegen das Papier gedrückt, so beschreibt dieser Stift, so

lange ein electrischer Strom durch ihn hindurch zur Walze geht, auf dem

Papier einen farbigen, braunen oder blauen Strich. Läßt man zugleich

die Walze nach jeder Umdrehung sich etwa um ½ Millimeter seitwärts

verschieben, so wird das ganze Papier allmählich mit schraffirten

Linien bedeckt. Jede Unterbrechung des Stromes hat natürlich auch

eine Lücke in diesen Linien zur Folge, und wenn diese Unterbrechungen

der Form von Buchstaben entsprechen, so erhält man eine weiße Schrift

auf schraffirtem Grunde. Um solche Unterbrechungen zu bewirken, stellt

man auf der Station, von welcher die Mittheilung ausgeht, eine völlig

gleiche und sich gleichbewegende Walze auf, deren Achse mit der

Batterie verbunden ist. Ueber diese Walze aber legt man ein Papier,

auf welches die Depesche mit firnißhaltiger Schwärze gedruckt oder

geschrieben ist. Die Spitze des einen Leitungsdrahts ruht ebenso auf

diesem Papier, wie die Spitze des anderen auf dem chemischen Papiere

der andern Station, so daß der electrische Strom durch beide Papiere

gehen muß. Der Firniß aber unterbricht als Nichtleiter den Strom, so

oft der Draht während der Umdrehung der Walze auf ein Schriftzeichen

trifft. Drehen sich also beide Walzen mit gleicher Geschwindigkeit, so

müssen, da auch die Unterbrechungen des Stromes auf beiden Stationen

gleichzeitig geschehen, die Lücken auf dem chemischen Papiere dieselbe

Schrift bilden, welche mit der firnißhaltigen Schwärze auf das Blatt

der entfernten Station geschrieben war.

Auf einer ganz ähnlichen Einrichtung, wie die electrischen Telegraphen,

beruhen auch die _electrischen Uhren_, bei welchen durch die

Pendelschläge einer Normaluhr ein electrischer Strom geöffnet und

geschlossen und dadurch der Anker eines Electromagneten in Bewegung

gesetzt wird, der dann in das Getriebe einer Uhr eingreift und dieses

in Bewegung setzt.

Warum und Weil. Physikalischer Teil. Fragen und Antworten aus den wichtigsten Gebieten der gesammten Naturlehre. · 第 17 / 18 段