=Weil= bei so geformten Magneten die beiden Pole sich neben einander

befinden und darum mit vereinter Kraft auf ein Stück weiches Eisen

wirken, das man an diese Pole anlegt. An dieses weiche Eisen oder den

sogenannten _Anker_ kann man Gewichte anhängen und danach die Tragkraft

des Magneten bemessen. Noch mehr kann man die Wirkung verstärken,

wenn man mehrere Magnete mit ihren gleichnamigen Polen aufeinander

legt und durch eine Hülse verbindet. Jeder einzelne Magnet wirkt dann

vertheilend auf die anderen. Alle zusammen besitzen darum eine größere

Tragkraft als alle einzelnen.

[Illustration: Fig. 100.]

=410. Warum= neigt sich eine in ihrem Schwerpunkt aufgehängte

horizontal schwebende Stahlnadel, wenn sie magnetisirt worden ist,

sofort mit dem einen Ende gegen den Boden?

=Weil= die Erde selbst ein großer Magnet ist und gegen ihren Nordpol

Südmagnetismus, gegen ihren Südpol Nordmagnetismus besitzt, der

Südmagnetismus der Erde aber den Nordpol der Magnetnadel anziehen muß.

Diejenigen Punkte der Erde, an welchen sich die Magnetnadel genau

senkrecht stellt, nennt man ihre magnetischen Pole. Sie fallen nicht

mit den geographischen Polen zusammen. Der magnetische Nordpol liegt

vielmehr im Norden Amerika's auf Boothia Felix unter 73° 35´ n. Br.

und 95° 39´ w. L. von Greenwich, der magnetische Südpol im südlichen

Eismeer, etwa unter 72° 35´ s. Br. und 152° 30´ ö. L. von Greenwich.

Den ersteren fand Capitän _James Roß_ im Jahre 1831, dem letzteren

näherte er sich im Jahre 1841 bis auf wenige Grade. Je mehr man sich

von diesen Polen entfernt, um so weniger neigt sich die Magnetnadel,

weil sie um so weniger angezogen wird. Da die magnetischen Pole nicht

mit den geographischen zusammenfallen, so weist die Magnetnadel auch

nicht überall auf den Nordpol hin, hat vielmehr an verschiedenen

Orten der Erde eine verschiedene Abweichung von dieser Richtung. Wenn

man sich daher der Magnetnadel in dem Compaß oder der Boussole zur

Auffindung der Himmelsgegenden bedienen will, so muß man die Größe

dieser Abweichung oder Declination für jeden Ort kennen. Bei uns

beträgt diese Abweichung gegenwärtig etwa 12° nach Westen. Sie ist

aber auch mit der Zeit veränderlich. Für Berlin war sie im Jahre 1717

10½° westlich, 1785 und 1805 18°, 1836 nur 17°, ist also gegenwärtig

wieder in Abnahme begriffen. Auch die Neigung der Magnetnadel gegen den

Horizont oder die Inclination ist an den verschiedenen Orten der Erde

eine sehr verschiedene. In Berlin bildet sie einen Winkel von 67° mit

dem Horizont. Im Jahre 1805 betrug die Neigung der Nadel für Berlin

sogar 69° 53´; sie ist also gegenwärtig gleichfalls in der Abnahme

begriffen. Der Gebrauch des Compaß ist den Chinesen wahrscheinlich

schon anderthalb Jahrtausende früher bekannt gewesen, als den

europäischen Völkern, die ihn erst im 13. Jahrhundert aus dem Orient

kennen lernten.

=411. Warum= finden sich in Schlosser- und Schmiedewerkstätten häufig

stählerne Werkzeuge, welche Eisenfeilspähne anziehen?

=Weil= Stahl- und Eisenstäbe, wenn sie senkrecht oder vielmehr in

einer Richtung aufgehängt oder aufgestellt sind, welche der Neigung

einer freibeweglichen Magnetnadel entspricht, durch den Einfluß des

Erdmagnetismus zu Magneten werden. Für gewöhnlich verlieren sie

zwar diese magnetische Eigenschaft in anderer Lage wieder; durch

heftige Erschütterungen aber, namentlich Hammerschläge, werden sie zu

bleibenden Magneten gemacht.

=412. Warum= werden Papierschnitzel von einem Glasstab oder einer

Siegellackstange, die man mit einem wollenen Lappen oder einem

Katzenfell gerieben hat, angezogen?

=Weil= der Siegellack und der Glasstab durch das Reiben electrisch

werden. Eigentlich können alle Körper durch Reiben electrisch gemacht

werden, aber sie verlieren ihre Electricität sofort wieder, da die

Hand, mit welcher man sie hält, dieselbe ableitet. Versieht man aber

einen Metallstab mit einer Handhabe von Glas oder Harz, so wird er

wirklich durch Reiben electrisch und zieht Papierschnitzel an.

Schon die alten Griechen kannten diese electrische Anziehung wenigstens

an einem Körper, dem Bernstein, und von der griechischen Benennung

desselben, Electron, ist auch der Name Electricität abgeleitet worden.

Erst um das Jahr 1600 wurde die electrische Anziehung auch anderer

Körper von dem Engländer _Gilbert_ entdeckt.

=413. Warum= verliert eine durch Reiben electrisch gemachte

Siegellackstange allmählich ihre ganze Electricität, wenn man ihr

wiederholt ein an einem leinenen Faden hängendes Korkkügelchen nähert,

obgleich das Korkkügelchen nach der Entfernung keine electrische

Eigenschaft zeigt?

=Weil= das Korkkügelchen allerdings jedesmal, wenn es die

Siegellackstange berührt, Electricität von derselben annimmt, diese

aber durch den Faden in die Hand und den menschlichen Körper und

endlich in den Erdboden abgeleitet wird. Daß das Korkkügelchen nach

der Entfernung von der Siegellackstange immer wieder unelectrisch

geworden ist, geht schon daraus hervor, daß es immer wieder von

derselben angezogen wird. Der leinene Faden ist also ein guter Leiter

der Electricität, ebenso der menschliche Körper und der Erdboden;

ein Metallfaden würde ein noch besserer Leiter sein. Der Unterschied

zwischen guten und schlechten Leitern der Electricität oder zwischen

electrischen Leitern und Nichtleitern wurde zuerst von dem Engländer

_Gray_ 1729 erkannt.

=414. Warum= wird ein an einem seidenen Faden aufgehängtes

Korkkügelchen zuerst von einer geriebenen Siegellackstange angezogen,

nach der Berührung mit derselben aber abgestoßen?

=Weil= dem Korkkügelchen bei Berührung mit der electrisirten

Siegellackstange die Electricität derselben mitgetheilt und diese

durch den seidenen Faden, der ein Nichtleiter der Electricität ist,

nicht abgeleitet wird, die beiden gleich electrischen Körper aber

einander abstoßen müssen. Berührt man aber nach jeder Abstoßung das

Korkkügelchen mit dem Finger, so wird seine Electricität abgeleitet,

und es kann als unelectrisch von der Siegellackstange wieder angezogen

werden.

=415. Warum= hüpfen kleine leichte Markkügelchen (am besten aus dem

Mark der Sonnenblume gemacht) auf einem Tische auf und nieder, wenn man

ein durch Erwärmung und Reiben mit Gummi electrisch gemachtes Stück

Papier darüber hält?

=Weil= die Kügelchen zuerst als unelectrisch von dem Papier angezogen,

dann, an demselben electrisch geworden, wieder abgestoßen werden, auf

die Tischplatte fallen, hier die Electricität durch Ableitung verlieren

und wieder angezogen werden. Auch feiner Sand geräth in eine solche

Bewegung, wenn man das geriebene Papierblatt darüber hält, und erzeugt

beim Anschlagen an das Papier ein Geräusch wie feiner Regen.

=416. Warum= verlieren zwei Korkkügelchen, von denen das eine durch

eine geriebene Siegellackstange, das andere durch einen geriebenen

Glasstab electrisirt ist, ihre Electricität vollständig, sobald man sie

mit einander in Berührung bringt?

=Weil= die beiden Korkkügelchen entgegengesetzte Electricitäten

besitzen, das eine durch die Siegellackstange Harzelectricität oder

negative, das andere durch den Glasstab Glaselectricität oder positive

Electricität angenommen hat, und diese beiden Electricitäten bei der

Berührung der beiden Korkkügelchen sich mit einander vereinigen

und einander in ihren Wirkungen aufheben. Sie erscheinen darum

nach der Berührung als nichtelectrische Körper. Das Vorhandensein

entgegengesetzter Electricitäten wurde zuerst von dem Franzosen _du

Fay_ im Jahre 1733 entdeckt.

[Illustration: Fig. 101.]

=417. Warum= werden überhaupt nichtelectrische Körper von electrischen

angezogen und zwar schon aus beträchtlicher Entfernung?

=Weil= die in jedem Körper von Natur vorhandenen beiden

entgegengesetzten Electricitäten, die sich aber in gebundenem

Zustande befinden und darum unwirksam sind, durch die Annäherung

eines electrischen Körpers getrennt oder vertheilt werden, und der

electrische Körper nun die ungleichartige Electricität des nicht

electrischen anzieht, um sich mit ihr auszugleichen. Ist eine

Siegellackstange durch Reiben electrisch gemacht, so enthält sie

_freie_ negative Electricität. Nähert man ihr ein an einem Seidenfaden

aufgehängtes Korkkügelchen, so werden in letzterem die bisher

_gebundenen_ Electricitäten vertheilt, und die positive begiebt sich

auf die der Siegellackstange zugewandte Seite, die negative auf die

entgegengesetzte. Berührt das Korkkügelchen die Siegellackstange,

so vereinigen sich die beiden entgegengesetzten Electricitäten, und

es bleibt nur freie negative Electricität in dem Kügelchen zurück.

Berührt man vorher das Kügelchen mit dem Finger, so wird die negative

Electricität abgeleitet, und die zurückbleibende positive Electricität

des Kügelchens strebt um so heftiger sich mit der negativen der

Siegellackstange zu vereinigen; das Kügelchen wird aber nach dieser

Vereinigung wieder unelectrisch. Alle electrische Anziehung beruht

also nur auf dem Bestreben entgegengesetzter Electricitäten, sich

auszugleichen. Dieses Bestreben nennt man auch electrische _Spannung_.

=418. Warum= sehen wir bisweilen, namentlich im Dunkeln, Funken

überspringen, wenn wir den Fingerknöchel einer stark geriebenen

Siegellackstange nähern?

=Weil=, wenn die electrische Spannung so groß ist, daß die

entgegengesetzten Electricitäten, um sich zu vereinigen, die zwischen

ihnen befindliche Luftschicht durchbrechen, ihre Vereinigung von einer

Wärme- und Lichtentwicklung begleitet ist, welche die Erscheinung eines

Funkens bewirkt. Der electrische Funke ist daher immer das Zeichen

einer _wirklichen_ Ausgleichung der getrennten Electricitäten, während

Anziehung und Abstoßung nur ein _Streben_ zur Ausgleichung bezeichnen.

[Illustration: Fig. 102.]

=419. Warum= kann man kleine Electricitätsmengen, die sich durch

gewöhnliche Anziehungserscheinungen nicht mehr verrathen, doch noch mit

Hülfe eines sogenannten Electroskops erkennen? (Fig. 102.)

=Weil= bei Annäherung eines electrischen Körpers an die Kugel eines

Electroskops die Electricität in dieser und in den durch einen Draht

damit verbundenen beiden Strohhälmchen oder Goldblättchen vertheilt

wird, die gleichnamige Electricität daher in die äußersten Spitzen der

feinen Blättchen flieht, und diese nun in Folge der abstoßenden Wirkung

auseinander fahren müssen. Um jeden störenden Luftzug fern zu halten,

sind die Blättchen gewöhnlich in ein Glas eingeschlossen. Man kann das

Electroskop auch benutzen, um die Art der Electricität zu erkennen,

welche ein Körper besitzt. Berührt man nämlich die Kugel desselben

mit einem Körper, dessen electrischen Zustand man genau kennt, z. B.

mit einer geriebenen Harzstange, so behält das Electroskop auch nach

Entfernung dieses Körpers die ihm mitgetheilte Electricität. Nähert man

dann der Kugel einen Körper, dessen electrischen Zustand man prüfen

will, so werden die Blättchen noch weiter auseinanderfahren, wenn der

zu prüfende Körper die gleiche Electricität, sich aber nähern oder

gänzlich zusammenfallen, wenn er die entgegengesetzte Electricität

besitzt.

[Illustration: Fig. 103.]

=420. Warum= kann man einem Electrophor, wenn er einmal electrisch

gemacht ist, noch nach Wochen und Monaten Funken entziehen?

=Weil= in dem Electrophor die beiden entgegengesetzten Electricitäten

gebunden sind und daher nicht fortströmen können, aber sofort wieder

frei werden, wenn man den Deckel desselben aufhebt. Der von _Volta_

in Padua im Jahre 1775 erfundene Electrophor (Fig. 103) besteht

nämlich aus einem Harzkuchen (~b~), der in eine metallene Form (~c~)

gegossen ist, und einem metallenen Deckel (~a~), der mit nichtleitenden

seidenen Schnüren, oder einem nichtleitenden gläsernen Handgriff

versehen ist. Durch Schlagen mit einem Fuchsschwanz oder Katzenpelz

wird der Harzkuchen negativ electrisch. Setzt man dann vermittelst

eines nichtleitenden Handgriffs den Deckel darauf, so wird in diesem

eine electrische Vertheilung bewirkt, die positive Electricität

von der negativen des Harzkuchens angezogen oder gebunden, die

negative abgestoßen und an der oberen Fläche des Deckels angehäuft.

Berührt man den Deckel daher mit einem Finger, so wird alle negative

Electricität daraus abgeleitet, und der Deckel enthält nur noch

positive Electricität, die aber durch die negative des Harzkuchens

gebunden ist. Hebt man dann den Deckel ab, so wird seine positive

Electricität frei. Berührt man dann gleichzeitig mit einem Finger den

Deckel, mit einem andern Finger den Harzkuchen, so verbinden sich beide

freie Electricitäten wieder, und man sieht einen Funken überspringen

und empfindet zugleich einen Schlag in den Fingern. So lange also der

Deckel auf dem Harzkuchen liegt, sind die Electricitäten gebunden, und

sie werden erst frei, wenn man den Deckel aufhebt, gleichviel nach

welcher Zeitdauer es geschieht.

[Illustration: Fig. 104.]

=421. Warum= fühlt man eine so heftige Erschütterung, wenn man eine mit

Electricität geladene sogenannte _electrische Flasche_ oder _Leydener

Flasche_ in die Hand nimmt und mit der anderen Hand den Kopf derselben

berührt?

[Illustration: Fig. 105.]

=Weil= in einer solchen Flasche bedeutende Mengen entgegengesetzter

Electricitäten angehäuft sind, die einander gebunden halten, so

lange sie durch das Glas getrennt sind, die sich aber mit großer

Heftigkeit vereinigen, sobald sie den Weg durch einen gutleitenden

Körper nehmen können, und wenn dies der menschliche Körper ist, eine

heftige Nervenerschütterung in demselben veranlassen müssen. Eine

electrische Flasche (Fig. 104) ist ein gewöhnliches cylinderförmiges

Glas, das außen und innen mit Zinnfolie (Stanniol) belegt ist, doch so,

daß oben ein Rand von 2--4 Centimeter Breite freibleibt. Zur inneren

Belegung führt ein Metallstab, der oben in eine Kugel endet. Man

ladet diese Flasche mit Electricität, indem man sie in die eine Hand

nimmt, mit der anderen den Deckel des Electrophors aufhebt, nachdem

man ihn zuvor mit dem Finger berührt hat, ihn dem Knopf der Flasche

nähert und einen Funken überspringen läßt, dann den Electrophordeckel

wieder auf den Harzkuchen legt, wieder mit dem Finger berührt, wieder

aufhebt und dem Knopf der Flasche nähert. Bei jedesmaliger Berührung

des Knopfes wird durch den Electrophordeckel der inneren Belegung der

Flasche positive Electricität mitgetheilt, die dann durch das Glas

vertheilend auf die Electricitäten in der äußeren Belegung wirkt, die

negative Electricität anzieht, die positive abstößt. Hält man die

Flasche in der Hand, berührt man also die äußere Belegung, so wird

alle positive Electricität aus derselben in den Erdboden abgeleitet.

Wiederholt man das Verfahren, so sammelt sich in der äußeren Belegung

negative Electricität an, die sich aber nicht entfernen kann, weil

sie durch die positive Electricität der inneren Belegung gebunden

wird. Berührt man aber mit der einen Hand die äußere Belegung, mit der

anderen den Knopf, der mit der inneren Belegung in Verbindung steht,

so stellt man eine leitende Verbindung zwischen beiden Belegungen

her, und die beiden Electricitäten können sich dann vereinigen, indem

sie ihren Weg durch den menschlichen Körper nehmen. Es können auch

mehrere Personen eine solche leitende Verbindung herstellen, wenn

dieselben einander an den Händen anfassen, die erste dann die äußere

Belegung der Flasche und die letzte den Knopf derselben berührt. Sie

empfinden dann alle zugleich die Erschütterung oder den electrischen

Schlag. Dieser Schlag kann noch mehr verstärkt werden, wenn man

mehrere electrische Flaschen so mit einander verbindet, daß ihre

äußeren Belegungen durch die Stanniolbelegung des Brettes, auf dem sie

stehen, in leitender Verbindung mit einander sind, während zugleich

ihre inneren Belegungen durch einen von Knopf zu Knopf gehenden

Draht in Zusammenhang stehen. Man nennt eine solche Einrichtung eine

_electrische Batterie_. Will man eine Flasche oder eine Batterie

entladen, ohne den Erschütterungsschlag zu empfinden, so bedient

man sich dazu eines sogenannten _Ausladers_ (Fig. 105), d. h. eines

gebogenen Drahtes, der an beiden Enden in Metallkugeln ausläuft und

in der Mitte mit einem gläsernen, also nichtleitenden Griff versehen

ist. Die beiden Electricitäten nehmen dann ihren Weg durch diesen

Draht, ohne den menschlichen Körper zu berühren. -- Die Wirkung des

electrischen Schlages ist bei starken Batterien so groß, daß feine

Goldblättchen oder dünne Metalldrähte, durch welche man den Schlag

hindurchleitet, geschmolzen oder verflüchtigt, dünne Brettchen oder

Glasscheiben durchbohrt, leicht brennbare Körper entzündet werden. Die

ersten Versuche mit der electrischen Flasche wurden von dem Domherrn v.

_Kleist_ in Kammin in Pommern im Jahre 1745 und ein halbes Jahr später

von _Cunaeus_ in Leyden angestellt. Man nennt deshalb die Flasche auch

bald Kleist'sche, bald Leydener Flasche.

[Illustration: Fig. 106.]

=422. Warum= ist ein sogenannter Condensator für schwache

Electricitäten noch viel empfindlicher, als ein gewöhnliches

Electroskop? (Fig. 106.)

=Weil= der Condensator statt der Kugel des Electroskops mit einer

sorgfältig abgeschliffenen Metallplatte versehen ist, die oben mit

einer ganz dünnen Firnißschicht überzogen ist, und wenn nun eine zweite

ähnliche, aber mit gläsernem Griff versehene Platte, die zuvor mit dem

zu prüfenden schwachelectrischen Körper berührt wurde, darauf gesetzt

wird, die dieser mitgetheilte Electricität die entgegengesetzte in der

unteren Platte anziehen, diese aber wieder anziehend und bindend auf

die Electricität der oberen Platte wirken muß, dadurch aber weit mehr

Electricität aus dem berührenden Körper in die Platte übergeht, als

sonst geschehen würde. Es geschieht also beim Condensator ganz dasselbe

wie bei der Leydener Flasche, da die trennende Firnißschicht hier die

Stelle des Glases vertritt. Der Condensator wurde von _Volta_ im Jahre

1782 erfunden.

=423. Warum= erhält man weit kräftigere Funken, wenn man den Finger

dem Conductor einer Electrisirmaschine, als wenn man ihn der Scheibe

derselben nähert?

=Weil= die gläserne Scheibe der Electrisirmaschine als schlechter

Leiter die Electricität nur von der nächsten Stelle abgiebt, während

der metallische Conductor als guter Leiter alle in ihm vorhandene

Electricität auf einmal abgiebt. Eine Electrisirmaschine besteht

gewöhnlich aus einem gläsernen Cylinder oder besser einer runden

Scheibe aus starkem Spiegelglas, die durch eine Kurbel um eine Achse

gedreht wird und sich dabei an dem sogenannten Reibzeug reibt, das aus

zwei Lederkissen besteht, die mit einem Amalgam von Zinn, Zink und

Quecksilber bestrichen sind. Der Conductor ist eine hohle Messingkugel,

welche auf einem gläsernen Fuße steht, und ist dazu bestimmt,

vermittelst besonderer mit Spitzen versehener Saugarme die in der

Glasscheibe durch Reiben erzeugte positive Electricität aufzunehmen.

Auch am Reibzeuge befindet sich gewöhnlich ein Conductor, welcher die

negative Electricität desselben aufnimmt. Natürlich muß man die eine

Electricität in den Boden ableiten, wenn man die andere im Conductor

sammeln will. Nähert man dem Conductor einen anderen leitenden Körper,

so springen Funken über, die bei großen Maschinen mehrere Zoll lang

sein können. Ebenso kann man aber auch die Electricität des Conductors

auf eine Leydener Flasche überführen und diese dadurch laden. --

Die ersten wirklichen Electrisirmaschinen mit Reiber, Reibzeug und

Conductor wurden um das Jahr 1744 von den deutschen Physikern _Hausen_

und _Winkler_ in Leipzig, _Bose_ in Wittenberg u. A. angefertigt.

=424. Warum= kann man aus dem Körper eines Menschen, der auf einem

sogenannten _Isolirschemel_, d. h. einem Schemel mit gläsernen Beinen,

steht und zugleich den Conductor einer in Thätigkeit gesetzten

Electrisirmaschine berührt, Funken ziehen?

=Weil= die gläsernen Füße jede Ableitung der aus dem Conductor in den

menschlichen Körper überströmenden Electricität verhindern, dieser

also gleichsam zu einem Theile des Conductors gemacht wird und alle

Eigenschaften desselben theilen muß.

=425. Warum= kann man einem Conductor keine Funken mehr entlocken, wenn

man eine metallische Spitze daran angebracht hat?

=Weil= alle Theile einer und derselben Electricität sich nach dem

Gesetze der Abstoßung von einander zu entfernen streben, alle in den

Conductor übergehende Electricität daher sich in der Spitze anzuhäufen

strebt und, da ihr die Luft hier nur einen geringen Widerstand leistet,

in diese ausströmt. Man kann dieses Ausströmen der Electricität

empfinden, wenn man die flache Hand über die Spitze hält; sie erzeugt

nämlich hier, indem sie die umgebende Luft abstößt, einen Luftzug, den

sogenannten electrischen Wind. Im Dunkeln sieht man sie auch in Form

eines Strahlenbüschels ausströmen, doch nur, wenn die ausströmende

Electricität positiv ist, dagegen in Form eines kleinen leuchtenden

Sterns, wenn sie negativ ist. Wegen dieses Ausströmens der Electricität

muß man bei der Electrisirmaschine Alles vermeiden, was dasselbe

begünstigt, also Spitzen und scharfe Kanten, sowie eine Umgebung

feuchter Luft. Daher dürfen nicht zu viele Menschen bei Versuchen mit

der Electrisirmaschine anwesend sein. Am trockensten pflegt die Luft im

Winter in geheizten Zimmern zu sein.

=426. Warum= ist es gefährlich, sich während eines Gewitters unter

einen hohen Baum zu stellen?

=Weil= das Gewitter eine electrische Erscheinung im Großen ist,

die gewöhnlich auf einer Ausgleichung mit entgegengesetzten

Electricitäten geladener Wolken beruht, bei welcher bisweilen aber

auch eine Ausgleichung zwischen der Electricität einer Wolke und

der entgegengesetzten des Erdbodens und zwar vorzugsweise der der

Wolke zunächst gelegenen, also höchsten Gegenstände des Erdbodens

stattfindet, die man Einschlagen nennt, und die oft mit furchtbaren

Zerstörungen verbunden ist. Wenn nämlich eine mit positiver

Electricität geladene Wolke sich gegen den Erdboden herabgesenkt hat,

so strömt die entgegengesetzte Electricität nach dem Gesetze der

Vertheilung in die der Wolke am nächsten gelegenen Gegenstände, und

beide Electricitäten vereinigen sich endlich in dem einschlagenden

Blitze, indem sie den Zwischenraum der Luft durchbrechen. Natürlich

folgt die irdische Electricität, wenn sie der Wolke, um sich mit

ihrer entgegengesetzten Electricität zu vereinigen, entgegenströmt,

vorzugsweise den guten Leitern, zu denen besonders Metalle, Wasser,

feuchter Boden, aber auch saftreiche Bäume gehören. Nichtleiter,

die sie auf ihrem Wege findet, werden gewaltsam durchbrochen und

zerschmettert. Da das Holz des Baumes nur ein mittelmäßiger Leiter ist,

so wird auch der Baum meist vom Blitze zerschmettert. Metalle, durch

welche die Entladung hindurchgeht, werden oft geschmolzen, leicht

brennbare Körper entzündet, Thiere und Menschen getödtet oder gelähmt.

=427. Warum= schützen Blitzableiter auf Gebäuden vor den gefährlichen

Wirkungen des Blitzes?

Warum und Weil. Physikalischer Teil. Fragen und Antworten aus den wichtigsten Gebieten der gesammten Naturlehre. · 第 16 / 18 段