beim Austritt aus derselben eine Brechung erleiden und zwar eine
solche, daß alle mit der Achse der Linse (d. h. mit der durch ihre
Mitte gehenden, senkrecht auf ihre gekrümmten Flächen gerichteten
Linie) parallel eintretenden Lichtstrahlen nach ihrem Austritt
in einen Punkt vereinigt werden. Da mit den Lichtstrahlen aber
auch die Wärmestrahlen diese Brechung erleiden, so wird in jenem
Vereinigungspunkt eine solche Hitze erzeugt, daß brennbare Körper
entzündet werden. Man nennt darum auch diesen Punkt den Brennpunkt und
seinen Abstand von der Linse die Brennweite. Da umgekehrt die aus dem
Brennpunkte kommenden Lichtstrahlen durch die Linse so gebrochen werden
müssen, daß sie nach ihrem Austritt sämmtlich in paralleler Richtung
fortgehen, so wendet man solche Linsen auch statt der Hohlspiegel,
namentlich auf Leuchtthürmen, an, um das von einer im Brennpunkt
stehenden Lampe kommende Licht nach einer Richtung hin zusammen zu
halten.
[Illustration: Fig. 79.]
=375. Warum= sieht man von einem Gegenstande, den man durch eine
erhabene Linse oder ein Brennglas betrachtet, ein entfernteres und
zugleich vergrößertes Bild?
=Weil= die Lichtstrahlen, die von einem leuchtenden Punkte kommen, bei
ihrem Durchgange durch eine erhabene Linse einander genähert werden,
für das Auge also aus einer weiteren Entfernung zu kommen scheinen
müssen, da das Auge das Bild des Punktes dahin versetzt, wo sich die zu
ihm gelangenden Strahlen vereinigen. Zugleich muß aber auch das Bild
des ganzen Gegenstandes dem Auge vergrößert erscheinen, weil die von
seinen äußersten Punkten kommenden Lichtstrahlen durch die Brechung
ebenfalls genähert werden, also einen größeren Winkel mit einander
bilden und darum auch dem gesehenen Bilde einen größeren Durchmesser
geben. Diese Vergrößerung findet indeß nur statt, wenn der Gegenstand
sich der Linse sehr nahe befindet, und zwar innerhalb der Brennweite
derselben. Ist er weiter entfernt, so vereinigen sich seine Strahlen
jenseits der Linse und erzeugen dort ein Bild.
[Illustration: Fig. 80.]
=376. Warum= wird von einem entfernten Gegenstande durch eine erhabene
Glaslinse ein verkleinertes und verkehrtes Bild erzeugt, wenn man auf
der anderen Seite der Linse ein Blatt Papier entgegenhält?
=Weil= die von einem entfernten Punkte kommenden Lichtstrahlen bei
ihrem Durchgange durch die Linse einander genähert werden und daher in
geringerer Entfernung hinter der Linse zur Vereinigung kommen, dadurch
aber ein Bild des Gegenstandes erzeugen, das um so kleiner sein muß, je
weiter der Gegenstand entfernt ist, und je näher am Brennpunkte darum
das Bild erzeugt wird. Da die von den oberen Theilen des Gegenstandes
kommenden Strahlen durch die Linse nach unten, die von den unteren
kommenden Strahlen nach oben abgelenkt werden, so muß dies Bild ein
verkehrtes sein. Dies Bild ist aber ein wirkliches, auf einem Blatt
Papier sichtbar zu machendes, nicht blos ein solches, das das Auge sich
erzeugt, indem es die Lichtstrahlen rückwärts bis zu ihrer Vereinigung
verfolgt.
[Illustration: Fig. 81.]
=377. Warum= erscheinen, durch ein Hohlglas betrachtet, alle
Gegenstände zwar aufrecht, aber verkleinert und genähert?
=Weil= durch ein Hohlglas, d. h. eine nach beiden Seiten hohlgekrümmte
Linse, die von einem leuchtenden Punkte kommenden Lichtstrahlen so
gebrochen werden, daß sie noch weiter auseinandergehen, als vor ihrer
Brechung, so daß das Auge also ihre Vereinigung und damit den Ort
ihres Ursprungs näher suchen muß, als der wirklich leuchtende Punkt
sich befindet, und der Gegenstand selbst ihm darum auch kleiner
erscheinen muß, als er in Wirklichkeit ist.
[Illustration: Fig. 82.]
=378. Warum= bedienen sich angehende Maler gern einer ~Camera obscura~
(Fig. 82), um Landschaften zu zeichnen?
=Weil= durch die erhabene Glaslinse dieses Apparates von entfernten
Gegenständen, also von einer Landschaft, in der Nähe des Brennpunktes
der Linse ein kleines Bild erzeugt wird, das auf einen unter 45°
geneigten Spiegel fällt und von diesem vollkommen treu auf eine
mattgeschliffene Glasplatte zurückgeworfen wird, auf welcher sich
die Umrisse desselben leicht nachzeichnen lassen. Die inneren Wände
des Kastens sind geschwärzt, und die Oeffnung über der Glasscheibe
ist durch einen Deckel vor dem Eindringen fremden, störenden Lichtes
geschützt. Man nennt deshalb den Apparat ~Camera obscura~ oder
Dunkelkammer. Er dient auch dem Photographen, um Bilder auf Platten
zu erzeugen, die für die chemischen Wirkungen des Lichts empfindlich
gemacht sind, und auf denen sie dann durch ein chemisches Verfahren
dauernd gemacht werden. Die ~Camera obscura~ ist schon im Jahre 1558
von dem Italiener _Porta_ erfunden.
[Illustration: Fig. 83.]
=379. Warum= erscheint uns ein Gegenstand um so kleiner, je entfernter
er ist?
=Weil= wir die Größe eines Gegenstandes nach der Größe seines
Gesichtswinkels, d. h. desjenigen Winkels beurtheilen, welchen die
von den beiden äußersten Grenzpunkten eines Gegenstandes kommenden
Strahlen im Auge bilden. Dieser Gesichtswinkel hängt aber nicht blos
von der wirklichen Größe des Gegenstandes, sondern auch von seiner
Entfernung ab; er ist um so kleiner, je entfernter der Gegenstand ist.
Deshalb kann auch ein großer, aber ferner Gegenstand (~cd~) durch einen
kleinen, aber nahen (~ab~) völlig verdeckt werden. Mit der Hand können
wir einen entfernten Baum, sogar ganze Weltkörper, wie die Fixsterne,
verdecken.
=380. Warum= scheinen uns im Winter in einer Schneelandschaft ferne
Gegenstände näher zu sein als im Sommer?
=Weil= die hellere Beleuchtung in Folge der starken Zurückstrahlung
des Lichtes durch den Schnee uns über die Entfernung täuscht. Unser
Urtheil über Entfernungen wird nämlich besonders durch die Helligkeit
und Deutlichkeit des gesehenen Gegenstandes bestimmt. Darum halten wir
auch eine entfernte Feuersbrunst in der Nacht leicht für zu nahe; denn
das Feuer leuchtet in der Nacht stärker als am Tage.
=381. Warum= erscheint uns das Himmelsgewölbe gleichsam wie
herabgedrückt?
=Weil= die über uns befindlichen Luftschichten durchsichtiger und
heller sind, als die am Horizonte, und weil zugleich zwischen Himmel
und Erde nichts ist, wonach sich die Entfernung abmessen ließe. Unser
Urtheil über Entfernungen wird nämlich auch durch die zwischen uns und
dem Gegenstande befindlichen Dinge bestimmt. Auf einer baumlosen Ebene
erscheinen uns alle Gegenstände näher, als auf einer unebenen, hier
und da mit Bäumen und Häusern besetzten oder von Hügeln und Wäldern
unterbrochenen Fläche. Auch Höhen pflegen wir deshalb zu niedrig zu
schätzen.
=382. Warum= erscheinen uns Sonne und Mond bei ihrem Auf- und
Untergange größer als sonst?
=Weil= sie in Folge der Schwächung ihres Lichtes durch die dichteren
Luftschichten der unteren Atmosphäre weniger hell als in größerer Höhe
erscheinen, und weil wir zugleich bei ihrem Auf- und Untergange die
zwischen ihnen und uns befindlichen vielen Gegenstände auf dem Erdboden
wahrnehmen, und wir dadurch verleitet werden, sie für entfernter und
darum für größer zu halten als sonst.
=383. Warum= sehen wir mit beiden Augen die Gegenstände nicht doppelt?
=Weil= jedes Auge einen leuchtenden Punkt an dem Orte sucht, auf
welchen die Richtung der von dem leuchtenden Punkte kommenden Strahlen
hinweist, beide Augen aber das Bild des gesehenen Gegenstandes auf
ähnlich gelegenen Stellen der empfindlichen Nervenhaut des Auges oder
der Netzhaut empfangen, beide Eindrücke darum auch als ähnliche oder
gleiche empfunden werden müssen. Fällt das Bild eines Gegenstandes
nicht in beiden Augen auf ähnliche Stellen der Netzhaut, in dem einen
etwa auf die linke, in dem andern auf die rechte Seite derselben, so
sind auch die Eindrücke desselben Körpers auf beide Augen verschieden,
und wir sehen denselben doppelt. Davon kann man sich leicht überzeugen,
wenn man zwei Finger aufrecht in einiger Entfernung hinter einander
vor das Gesicht hält. Richtet man dann beide Augen aufmerksam auf den
nächsten Finger, so fällt sein Bild in beiden Augen auf die Mitte der
Netzhaut, und man sieht ihn einfach; das Bild des entfernten Fingers
aber liegt in dem rechten Auge links, in dem linken rechts von der
Mitte der Netzhaut, und man sieht ihn daher doppelt. Fixirt man
umgekehrt den entfernten Finger, so erscheint dieser einfach und der
nähere doppelt.
=384. Warum= erblickt man einen leuchtenden Kreis, wenn man eine
glühende Kohle im Dunkeln schnell im Kreise herumschwingt?
=Weil= ein auf die Netzhaut gemachter Lichteindruck nicht plötzlich
aufhört, sondern noch einige Zeit fortdauert, ehe er ganz erlischt,
mehrere Lichteindrücke daher, die so schnell auf einander folgen, daß
der vorangehende noch fortdauert, wenn der nachfolgende hinzukommt, in
eine einzige Wahrnehmung zusammenfließen und von dem Auge gleichzeitig
empfunden werden müssen.
[Illustration: Fig. 84.
~a~) Harte Haut; ~b~) durchsichtige Hornhaut; ~c~) Aderhaut;
~d~) Netzhaut; ~e~) wässerige Feuchtigkeit; ~f~) Linse; ~g~)
Glasfeuchtigkeit.]
=385. Warum= sieht ein gesundes Auge nahe und ferne Gegenstände gleich
deutlich?
=Weil= das Auge die Eigenschaft besitzt, seine Gestalt zu ändern und
der Entfernung der Gegenstände anzupassen, d. h. sich so einzurichten,
daß sowohl die von nahen als die von fernen Gegenständen kommenden
Lichtstrahlen sich genau auf der empfindlichen Netzhaut vereinigen
und also ein deutliches Bild erzeugen. Das Auge besteht nämlich
aus mehreren durchsichtigen Häuten und Flüssigkeiten. Der ganze
kugelförmige Augapfel ist äußerlich von einer harten Hornhaut umgeben,
die nur in ihrem vorderen Theile durchsichtig ist. Ein durchsichtiger,
linsenförmiger, d. h. nach beiden Seiten erhaben gekrümmter Körper,
die sogenannte Krystalllinse, theilt das Innere des Augapfels in
zwei Kammern. Die Innenwand der hinteren Kammer ist von der Aderhaut
und darüber von der Netzhaut bekleidet, in welcher sich der Sehnerv
ausbreitet. Den inneren Raum dieser Kammer erfüllt die durchsichtige
Glasfeuchtigkeit, den der vorderen die ebenso durchsichtige wässerige
Feuchtigkeit. Durch diese Häute und Flüssigkeiten -- die vordere stark
gekrümmte Hornhaut, die wässerige Feuchtigkeit, die Krystalllinse
und die Glasfeuchtigkeit -- müssen alle Lichtstrahlen hindurchgehen,
ehe sie von den Nerven der Netzhaut empfunden werden. Bei diesem
Durchgange erleiden sie natürlich eine Brechung und werden zu einem
kleinen Bilde vereinigt. Dieses Bild kann aber nur deutlich sein,
wenn es auf der Netzhaut entsteht. Nun wissen wir, daß die durch ein
erhabenes Linsenglas -- wie das Auge und namentlich die Krystalllinse
desselben im Wesentlichen ist -- entworfenen Bilder keinesweges alle
die gleiche Entfernung von der Linse haben. Das Bild eines entfernten
Gegenstandes entsteht vielmehr der Linse sehr nahe, während das Bild
eines nahen Gegenstandes weiter von ihr entfernt erscheint. Durch die
Krystalllinse würden daher nur in einer bestimmten Entfernung vom Auge
befindliche Körper genau auf der Netzhaut abgebildet werden, die Bilder
entfernterer Gegenstände aber vor die Netzhaut, die Bilder näherer
Gegenstände hinter die Netzhaut fallen und daher auch kein deutliches
Sehen möglich machen. Die Eigenschaft des Auges, sich der Entfernung
der Gegenstände anzupassen, beruht also auf einer Formveränderung
seiner brechenden Bestandtheile. Bei Betrachtung naher Gegenstände
wölbt es sich mehr und entfernt dadurch zugleich die Krystalllinse mehr
von der Netzhaut, so daß die Bilder nicht mehr hinter, sondern auf die
Netzhaut fallen. Bei Betrachtung ferner Gegenstände verflacht sich das
Auge und nähert die Linse der Netzhaut, so daß die Bilder nicht vor,
sondern auf die Netzhaut fallen. So ist in beiden Fällen ein deutliches
Sehen möglich.
[Illustration: Fig. 85.]
=386. Warum= sehen weitsichtige Personen ohne Brille nahe Gegenstände
sehr undeutlich?
=Weil= ihre Augen in Folge des Alters oder der Gewöhnung die Fähigkeit
verloren haben, sich für ein Sehen in der Nähe passend zu ändern,
die von nahen Gegenständen kommenden Lichtstrahlen darum durch ihre
Krystalllinse nicht stark genug gebrochen werden und deshalb schon
vor ihrer Vereinigung auf die Netzhaut treffen, hier also von jedem
Punkte des Gegenstandes ein Bild erzeugen, das nicht wieder ein Punkt,
sondern ein kleiner Kreis ist, der mit eben solchen benachbarten
Kreisen verschwimmt und so eine Undeutlichkeit des Gesammtbildes des
Gegenstandes veranlaßt. Weitsichtige können sich daher beim Sehen naher
Gegenstände nur durch eine Brille helfen, und zwar durch eine solche
mit erhabenen Gläsern, die eine stärkere Brechung der Lichtstrahlen und
eine frühere Annäherung derselben bewirken, so daß ihre Vereinigung
auf der Netzhaut geschieht und hier deutliche Bilder erzeugt werden.
[Illustration: Fig. 86.]
=387. Warum= sehen manche Menschen entfernte Gegenstände nicht oder
sehr undeutlich, während sie doch gut in der Nähe sehen?
=Weil= die Augen solcher Menschen, die man Kurzsichtige nennt, durch
Gewöhnung die Fähigkeit verloren haben, sich für ein Sehen in die Ferne
einzurichten, und ihre Krystalllinse und Hornhaut zu stark gekrümmt
ist, so daß die hindurchgehenden Lichtstrahlen ferner Gegenstände
zu stark gebrochen werden, sich bereits vor der Netzhaut vereinigen
und auf diese erst wieder auseinandergehend auffallen, so daß auf
derselben wieder die Bilder von Punkten nicht als Punkte, sondern als
Kreise erscheinen. Ein deutliches Sehen in die Ferne wird solchen
Kurzsichtigen nur durch Brillen mit Hohlgläsern möglich, durch welche
ein Auseinanderlaufen der Lichtstrahlen bewirkt wird, so daß die zu
starke Brechung in der Krystalllinse nun ihre Vereinigung auf der
Netzhaut nicht mehr verhindern kann.
[Illustration: Fig. 87.]
=388. Warum= werden uns durch eine Lupe oder ein Mikroskop Gegenstände
deutlich sichtbar gemacht, die wir ihrer Kleinheit wegen mit bloßen
Augen nicht sehen können?
[Illustration: Fig. 88.]
=Weil= die Lupe uns gestattet, den kleinen Gegenstand in großer Nähe zu
betrachten, dieser aber um so größer erscheint, je näher er dem Auge,
und je größer sein Sehwinkel ist. Das Auge vermag nämlich nicht in
beliebiger Nähe deutlich zu sehen. Die geringste Weite des deutlichen
Sehens beträgt für ein gesundes Auge etwa 21 Centimeter; von näher
gebrachten Gegenständen vermögen sich die Strahlen nicht mehr auf der
Netzhaut zu einem deutlichen Bilde zu vereinigen. Die Lupe ist nun
eine erhabene Linse, welche von einem Gegenstande, der sich innerhalb
ihrer Brennweite, d. h. zwischen ihr und dem Brennpunkt befindet, ein
entferntes Bild erzeugt (Fig. 87). Hält man daher eine solche Lupe
vor das Auge, so kann man es einrichten, daß das Bild des dahinter
befindlichen Gegenstandes genau in der Weite des deutlichen Sehens
erscheint. Je kleiner die Brennweite der Linse ist, desto näher muß
der kleine Gegenstand derselben gebracht werden, wenn sein Bild in
derselben Entfernung erscheinen soll. Je näher aber der Gegenstand dem
Auge rückt, um so größer wird sein Sehwinkel, und um so mehr erscheint
er vergrößert. Eine erhabene Linse vergrößert daher um so mehr, je
kleiner ihre Brennweite ist. Eine Lupe vergrößert überhaupt so viel
mal, als ihre Brennweite in der Sehweite des Auges enthalten ist. Bei
dem zusammengesetzten Mikroskop (Fig. 88) wird das von einer Linse (der
Objektiv-Linse, ~AB~) in der Nähe des Auges erzeugte Bild (~b~) durch
eine zweite Linse (das Ocular, ~CD~) betrachtet, und der Gegenstand
erscheint daher noch stärker vergrößert, weil schon das Bild, welches
man durch die Lupe betrachtet, vergrößert ist. Das Mikroskop wurde
zu Anfang des 17. Jahrhunderts von dem Holländer _Zacharias Janssen_
erfunden.
=389. Warum= sieht man durch ein Fernrohr Sterne am Himmel, wo das
bloße Auge kaum einen Lichtschimmer gewahrt?
=Weil= die von dem fernen Stern kommenden Lichtstrahlen, die durch
Zerstreuung für das bloße Auge zu sehr geschwächt sind, in dem Fernrohr
durch eine convexe Linse gesammelt werden, und das dadurch erzeugte
Bild des Sternes dann durch eine zweite Convexlinse für das Auge in
die deutliche Sehweite gerückt wird. Jedes Fernrohr besteht also aus
zwei Linsen, der Objectivlinse, welche das Bild des fernen Gegenstandes
erzeugt, und der Ocularlinse, durch welche das Auge das Bild in der
deutlichen Sehweite betrachtet. Die Vergrößerung, welche ein Fernrohr
bewirkt, ist um so stärker, je größer die Brennweite des Objectivs und
je kleiner die des Oculars ist. Statt der convexen Ocularlinse kann
man auch eine biconcave oder auf beiden Seiten hohl geschliffene Linse
anwenden. Statt der Objectivlinsen, die sich von bedeutender Größe,
wie sie zu starken Vergrößerungen erforderlich sind, nicht leicht
fehlerfrei herstellen lassen, kann man auch große metallene Hohlspiegel
benutzen. Die mit Linsen versehenen Fernröhre nennt man dioptrische,
die mit Spiegeln versehenen katoptrische oder Spiegelteleskope. Man
unterscheidet daher:
[Illustration: Fig. 89.]
1) das astronomische oder _Kepler_'sche Fernrohr (Fig. 89) mit
zwei convexen Linsen, von welchem sich das terrestrische, zur
Betrachtung irdischer Gegenstände bestimmte Fernrohr nur durch
eine _dritte_ Convexlinse unterscheidet, die zwischen Ocular und
Objectiv eingeschoben ist, um das im astronomischen Fernrohr verkehrt
erscheinende Bild in die natürliche Lage umzukehren;
[Illustration: Fig. 90.]
2) das holländische oder _Galilei_'sche Fernrohr (Fig. 90) mit convexer
Objectiv- und concaver Ocularlinse;
[Illustration: Fig. 91.]
3) das Spiegelteleskop, in welchem das durch den Hohlspiegel erzeugte
Bild von einem kleinen Planspiegel aufgefangen und durch die --
entweder, wie bei dem _Newton_'schen Teleskop (Fig. 91), in einer
Seitenöffnung des Rohrs, oder, wie bei dem _Gregory_'schen, in der
Mitte des Hohlspiegels selbst befindliche -- Ocularlinse betrachtet
wird. Bei dem großen _Herschel_'schen Teleskop, dessen Spiegel 1¼
Meter Durchmesser und 12½ Meter Brennweite hatte, und das eine
7000malige Vergrößerung zuließ, wurde das vom Hohlspiegel erzeugte Bild
unmittelbar durch das Ocular betrachtet. Das berühmte Teleskop des Lord
_Rosse_ bei Dublin hat sogar einen Spiegel von 1-7/8 Meter Durchmesser
und 15½ Meter Brennweite.
Das Fernrohr wurde um das Jahr 1603 von dem Holländer _Hans Lippershey_
und kurz darauf (1610) von _Galilei_ erfunden. Das erste astronomische
Fernrohr wurde von _Kepler_ 1611 construirt. Das erste Spiegelteleskop
rührt von _James Gregory_ in England (1663) her.
[Illustration: Fig. 92.]
=390. Warum= sehen wir nur mit beiden Augen die Dinge als wirkliche
Körper, und warum können wir das täuschendste Bild doch von einem
Körper unterscheiden?
=Weil= wir von einem Körper in jedem Auge ein anderes Netzhautbild
erhalten, mit dem linken Auge nämlich mehr von den linksliegenden
Theilen desselben, mit dem rechten mehr von den rechtsliegenden sehen,
unser Urtheil sich aber auf die Zusammenfassung dieser verschiedenen
gleichzeitigen Eindrücke stützt, wenn es die Vorstellung der
Körperlichkeit gewinnt. Auch das beste Gemälde kann immer nur den
Eindruck einer Fläche gewähren. In dem Stereoskop ist dagegen der
natürliche Vorgang des Sehens nachgeahmt. Zwei von etwas verschiedenen
Standpunkten aufgenommene Zeichnungen oder Photographien eines
Gegenstandes oder einer Landschaft werden neben einander gelegt und
durch Linsengläser betrachtet, die so angebracht sind, daß sich ihre
Achsen in der deutlichen Sehweite schneiden, und die beiden Ansichten
des Gegenstandes für beide Augen darum zusammenfallen. Bei unserem
gewöhnlichen Stereoskop (Fig. 92) sind die Gläser, durch welche die
beiden Augen blicken, die keilförmigen Hälften einer durchgeschnittenen
Sammellinse. Tritt ein Lichtstrahl ~aa´~ in eines dieser Gläser ein,
so wird er gebrochen und gelangt in der Richtung ~a´´ L~ in das Auge,
das darum auch den Gegenstand der Lichtempfindung, den Punkt ~a~, in
die Verlängerung dieser Richtung, in die Linie ~LL´~, verlegt. Dasselbe
gilt auch für den vom Punkte ~b~ ausgehenden Lichtstrahl, dessen Bild
vom andern Auge in der Richtung ~RR´~ gesehen wird. Die Bilder der
Punkte ~a~ und ~b~ werden also zugleich in den Linien ~LL´~ und ~RR´~
gesehen und fallen darum in ihrem Schnittpunkte ~c~ zusammen. Sind nun
~a~ und ~b~ zwei um die natürliche Entfernung der Augen von einander
abstehende Punkte zweier gleichen Zeichnungen, so wird dies auch von
allen ähnlichen Punktpaaren, also von den ganzen Zeichnungen gelten,
und auch diese müssen zusammenfallen. Auch die inneren Flächen ~G~ und
_G´_ der Seitenwände des Stereoskops werden dabei nach ~s~ und ~s´~
verschoben, und ebenso wird die Fläche ~r~ der Scheidewand bei ~r´~,
die Fläche ~l~ bei ~l´~ gesehen, so daß also ~r´~ mit ~s~ und ~l´~ mit
~s´~ zusammenfallen.
[Illustration: Fig. 93.]
Es bedarf auch nicht immer des Stereoskops, um durch zwei für jedes
der beiden Augen besonders entworfene Zeichnungen den Eindruck der
Körperlichkeit zu gewinnen. Bei kleinen Zeichnungen gelingt dies schon
mit den bloßen Augen. Man bringe z. B. die beistehenden, den beiden
Augen entsprechenden Zeichnungen eines Würfels (Fig. 93) in die Weite
des deutlichen Sehens und richte dann fest und ruhig den Blick auf
dieselben oder noch besser auf den sie trennenden Zwischenraum, und man
wird die Bilder bald zusammenrücken sehen und den Anblick des Körpers
erhalten. Noch leichter gelingt es, wenn man einen Pappstreifen oder
ein Brett senkrecht zwischen die Zeichnungen setzt und so mit jedem
Auge nur eine Zeichnung fixirt.
Das Stereoskop ist von dem Engländer _Wheatstone_ im Jahre 1838
erfunden und von _Brewster_ verbessert worden.
Die Farben.
Wie wir Schallwellen von verschiedener Geschwindigkeit als
verschiedene Töne empfinden, so empfinden wir Lichtwellen von
verschiedener Geschwindigkeit als Farben. Die am schnellsten
schwingenden Lichtwellen erscheinen uns als violette Strahlen,
die am langsamsten schwingenden als rothe Strahlen. Die
Schnelligkeit der Schwingungen, auf welchen das Licht beruht,
ist aber eine bei weitem größere, als die Schnelligkeit der
Schallschwingungen. Während der tiefste hörbare Ton etwa
8, der höchste 24000 Doppel-Schwingungen (oder 16 resp.
48000 einfachen Schwingungen) in der Secunde entspricht,
wird das rothe Licht durch Schwingungen erzeugt, deren 450
Billionen in der Secunde erfolgen, das violette Licht sogar
durch 800 Billionen Schwingungen in der Secunde. Wegen der
verschiedenen Schwingungsgeschwindigkeit müssen daher auch
die verschiedenfarbigen Lichtstrahlen verschieden gebrochen
werden. Die rascher schwingenden, also die violetten Strahlen
müssen beim Durchgange durch brechende Mittel mehr abgelenkt
werden, als die langsamer schwingenden, also die rothen
Strahlen. Deswegen kann das weiße Sonnenlicht, welches alle
verschiedenfarbigen Strahlen gemischt enthält, durch Brechung
in seine einzelnen Farben zerlegt werden.
[Illustration: Fig. 94.]
=391. Warum= sehen wir ein prachtvolles buntes Farbenbild, wenn die
Sonne durch ein Glas Wasser hindurchscheint, oder noch besser, wenn wir
das Sonnenlicht durch ein dreiseitiges Glasprisma hindurchgehen lassen,
besonders in einem dunkeln Zimmer, in welches nur wenige Sonnenstrahlen
durch eine kleine Oeffnung eintreten können?