=Weil= durch das Auspumpen der Luft die Luft unter der Glocke verdünnt

und dadurch auch der Luftdruck vermindert wird, welcher auf dem Wasser

ruht, so daß die Dämpfe, die sich im Innern desselben bilden, einer

geringeren Spannkraft bedürfen, um diesem Luftdruck zu widerstehen, um

also die Erscheinung hervorzurufen, die wir Sieden nennen. Da aber die

Spannkraft des Dampfes von der Temperatur abhängt, so reicht auch eine

geringere Temperatur hin, um das Wasser unter der Glocke der Luftpumpe

zum Sieden zu bringen.

=340. Warum= siedet Schwefeläther schon bei gewöhnlicher Temperatur,

ja sogar bei 0 Grad unter der Glocke der Luftpumpe, nachdem die Luft

ausgepumpt worden ist?

=Weil= der Schwefeläther schon bei gewöhnlichem Luftdruck einen sehr

niedrigen Siedepunkt hat, nämlich bereits bei 28½° R. siedet, seine

Dämpfe also bei derselben Temperatur eine größere Spannkraft haben

müssen, als die des Wassers, im luftleeren Raume daher auch eine weit

niedrigere Temperatur hinreicht, damit seine Dämpfe den äußeren Druck

überwinden und so die Erscheinung des Siedens herbeiführen.

[Illustration: Fig. 56.]

=341. Warum= kann man Wasser in dem sogenannten Wasserhammer oder

Pulshammer (Fig. 56) durch die bloße Wärme der Hand zum Sieden bringen?

=Weil= das durch die Hand erwärmte Glas hinreichend genug Wärme an

das in dem Pulshammer befindliche Wasser abgiebt, um dasselbe in dem

luftleeren Raume, der sich darüber befindet, zum Sieden zu bringen.

Der Pulshammer besteht nämlich aus zwei durch eine Röhre verbundenen

gläsernen Kugeln, in deren einer Wasser vor dem Zuschmelzen des ganzen

Apparates bis zum Sieden erhitzt war. Das Innere des Pulshammers

enthält also nur Wasserdampf, und der Druck desselben auf das Wasser

ist bei gewöhnlicher Temperatur ein so geringer, daß schon die

geringste Erwärmung des Wassers hinreicht, Dämpfe zu erzeugen, deren

Spannkraft diesen Druck überwindet.

=342. Warum= siedet Wasser auf hohen Bergen bei einem geringeren

Wärmegrad als in der Ebene?

=Weil= auf hohen Bergen der Luftdruck ein weit niedrigerer ist als in

der Ebene, die Wasserdämpfe daher auch einer geringeren Spannkraft

bedürfen, um diesen Druck zu besiegen, und um diese geringere

Spannkraft hervorzubringen, wieder eine geringere Wärme nöthig ist. Auf

der Hochebene von Quito in Südamerika kocht daher das Wasser schon bei

72° R., auf dem Montblanc sogar bei 68° R. Auf solchen hohen Bergen

kann man daher auch Fleisch in offenen Gefäßen nicht weich kochen.

-- Man kann diese verschiedenen Siedetemperaturen des Wassers auch

benutzen, um die Höhen der Berge zu messen.

=343. Warum= wird der Deckel eines am Feuer stehenden Gefäßes, in dem

sich siedendes Wasser befindet, mit einiger Gewalt in die Höhe gehoben

oder abgeworfen?

=Weil= die sich beim Sieden entwickelnden Wasserdämpfe vermöge ihrer

Spannkraft einen bedeutenden Druck nach allen Seiten hin ausüben,

dieser Druck aber zunächst nur gegen den Deckel wirksam werden kann,

der von oben her der Ausdehnung der Dämpfe Widerstand leistet. Wäre der

Deckel fest verschlossen, so würde die mit der Temperatur wachsende

Spannkraft der Wasserdämpfe endlich das ganze Gefäß zersprengen.

[Illustration: Fig. 57.]

=344. Warum= wird der luftdicht schließende Kolben in einem Glasgefäß,

das etwas Wasser enthält, gewaltsam in die Höhe getrieben, wenn man

dies Wasser über einer Lampe erhitzt, und warum wird dieser Kolben von

selbst wieder abwärts getrieben, sobald man das Gefäß in kaltes Wasser

taucht?

=Weil= die durch die Wärme sich entwickelnden Dämpfe wegen ihrer

Spannkraft sich ausdehnen und den Kolben, der sie abschließt, aufwärts

treiben, durch die Abkühlung im kalten Wasser aber sich wieder

verdichten, dadurch einen luftverdünnten Raum erzeugen und nun dem

äußeren Luftdruck, der auf die obere Seite des Kolbens wirkt, keinen

Widerstand mehr entgegensetzen können, so daß dieser den Kolben wieder

abwärts treibt.

=345. Warum= kann man mit Hülfe des Wasserdampfes große Maschinen in

Bewegung setzen?

=Weil= eingeschlossener Wasserdampf eine sehr bedeutende Spannkraft

besitzt, die dadurch wirksam gemacht werden kann, daß man auf der

anderen Seite des Körpers, welchen der Dampf in Bewegung setzen soll,

einen luftverdünnten oder luftleeren Raum herstellt.

Die einfachste Einrichtung einer Dampfmaschine wurde schon im Jahre

1690 von _Papin_ in Marburg ersonnen und entsprach im Wesentlichen

der oben (Fr. 344) besprochenen Vorrichtung, bei welcher Wasser in

einem Glasgefäß abwechselnd erhitzt und wieder abgekühlt wird. Dieser

Gedanke kam jedoch nie zur Ausführung. Wirklich hergestellt wurde die

erste Dampfmaschine von dem Engländer _Thomas Savery_ im Jahre 1698.

Dieser vermied den von _Papin_ vorgeschlagenen Kolben und suchte das

Wasser selbst durch Dampf zu heben. Seine Maschine bestand daher

aus einem Dampfkessel, in welchem der Dampf hergestellt wurde, und

einem zum Theil mit Wasser gefüllten Behälter, in welchen der Dampf

einströmte. Mit diesem Behälter stand ein Saugrohr in Verbindung,

welches in das Wasser hinabreichte, das gehoben werden sollte, während

an der entgegengesetzten Seite sich ein Steigrohr befand, um das

Wasser aufwärts zu führen. Beide Röhren waren mit Ventilen versehen.

Sobald der Dampf in den Behälter einströmte, wurde durch den Druck

desselben das Ventil der Saugröhre geschlossen und das im Behälter

befindliche Wasser durch das Steigrohr hinaufgetrieben. Wurde dann

der Behälter durch darüber fließendes kaltes Wasser abgekühlt, so

verdichtete sich der Dampf, es entstand ein luftleerer Raum, und

während der Druck des Wassers das Ventil des Steigrohrs schloß, wurde

durch den Druck der Atmosphäre das Wasser durch das Saugrohr in den

Behälter emporgetrieben. Die große Spannung des Dampfes aber, welche

diese Maschine erforderte, und der dadurch bedingte Aufwand von

Brennmaterial ließen diese Maschine wenig in Gebrauch kommen, und schon

nach einigen Jahren (1705) wurde sie durch die glänzende Erfindung

zweier Handwerker, des Schlossers _Newcomen_ und des Glasers _Cowley_,

gänzlich verdrängt. Diese kehrten zu dem _Papin_'schen Gedanken der

Anwendung eines Kolbens zurück, ließen aber den Dampf nicht in dem

Cylinder selbst, sondern in einem besondern Dampfkessel erzeugen, und

die Verdichtung der Dämpfe nicht durch Abkühlung der Wände von außen,

sondern durch Einspritzen kalten Wassers bewirken. Die _Newcomen_'sche

Maschine besteht daher aus einem Dampfkessel, in welchem der Dampf

erzeugt wird, und einem durch ein enges Rohr damit verbundenen

Cylinder, in welchem sich ein Kolben luftdicht auf und nieder bewegt.

Sobald der Dampf in diesen Cylinder eingetreten ist und den Kolben

aufwärts getrieben hat, wird durch einen Hahn die Verbindung mit dem

Kessel geschlossen und ein zweiter Hahn geöffnet, durch welchen ein

Strahl kalten Wassers in den Cylinder eingespritzt wird. Die Dämpfe

werden dadurch verdichtet, und der von außen auf den Kolben wirkende

Druck der atmosphärischen Luft treibt ihn nun nieder. Um den Auf- und

Niedergang des Kolbens in den Auf- Und Niedergang einer Pumpenstange

zu verwandeln, ist der Kolben mittelst einer Kette an den Arm eines

Balanciers gehängt, der auf einer Mauer ruht, und an dessen anderm

Arme ebenfalls mittelst einer Kette die Pumpenstange hängt. Durch den

Niedergang des Kolbens wird die Pumpenstange gehoben, während sie beim

Aufgange des Kolbens durch ihr eigenes Gewicht wieder niedergezogen

wird. Die Regulirung der Hähne wurde durch die sinnreiche Erfindung

eines Knaben, Namens _Potter_, im Jahre 1713 vermittelst einfacher

Hebelvorrichtungen ebenfalls dem Balancier übertragen.

[Illustration: Fig. 58.]

Bei solchen Maschinen, wie die _Newcomen_'sche, spielt der Dampf

nur eine untergeordnete Rolle. Die eigentliche bewegende Kraft ist

der Luftdruck, der den Kolben niederdrückt und die Pumpenstange

emportreibt. Man nennt sie deshalb auch _atmosphärische_ Maschinen,

und weil sie nur während des Kolbenniederganges eine Arbeit verrichten,

_einfach wirkende_ Maschinen. Erst mehr als ein halbes Jahrhundert

später beginnt die Entwicklung der Dampfmaschine zu ihrer heutigen

glänzenden Höhe durch den Mechaniker _James Watt_ in Glasgow. Schon

im Jahre 1765 beseitigte er den bisherigen Uebelstand eines zu großen

Dampfverbrauchs dadurch, daß er die Verdichtung des Dampfes nicht mehr

in dem Dampfcylinder selbst, sondern in einem besonderen Raume, dem

Condensator, geschehen ließ, der mit dem Dampfcylinder durch ein mit

einem Hahne versehenes Rohr beliebig in Verbindung gesetzt werden

kann. Die wichtigste Verbesserung aber begann er mit dem Jahre 1769,

indem er den Niedergang des Kolbens nicht mehr durch den äußeren

Luftdruck bewirken, sondern die ganze Thätigkeit der Maschine durch

die Spannkraft des Dampfes hervorbringen ließ. Er verwandelte also

die atmosphärische Maschine in eine wirkliche Dampfmaschine und die

einfach wirkende in die _doppelt wirkende_, d. h. beim Aufgang wie beim

Niedergang des Kolbens Arbeit leistende Maschine. Diese Verbesserung

ist darum so wichtig, weil sie erst die Dampfmaschine für alle die

mannigfachen und kunstreichen Arbeiten befähigt hat, die wir sie heute

verrichten sehen.

[Illustration: Fig. 59.]

[Illustration: Fig. 60.]

Um die Aufwärtsbewegung des Kolbens durch den Dampfdruck bewirken zu

lassen, wurde zunächst der Dampfcylinder auch oben geschlossen und dann

eine Einrichtung geschaffen, die es möglich machte, den Cylinderraum

oberhalb wie unterhalb des Kolbens abwechselnd mit dem Dampfkessel

und mit dem Condensator in Verbindung zu setzen. Diese Einrichtung

war der sogenannte Vierwegehahn, d. h. ein Hahn mit zwei von einander

unabhängigen Durchbohrungen, durch welche er von vier an ihm mündenden

Röhren abwechselnd je zwei mit einander in Verbindung setzen kann.

Jetzt dient statt desselben das Schieberventil (Fig. 59 u. 60). Es ist

ein viereckiger Kasten, in welchen der Dampf aus dem Kessel zunächst

eintreten muß, und in welchen zugleich die Kanäle münden, die den

Dampf einerseits zum Condensator, andererseits zum obern und untern

Cylinderraum leiten sollen. In diesem Kasten bewegt sich ein Schieber

auf und nieder, welcher so eingerichtet ist, daß er abwechselnd den

zum obern und dann wieder den zum untern Cylinderraum führenden Kanal

absperrt und dafür den Weg zum Condensator frei läßt. Hat also der

Kolben seine höchste Stellung erlangt, so treten die Dämpfe aus dem

Kessel durch den Kasten in den obern Cylinderraum ein und treiben den

Kolben abwärts (Fig. 59). Gleichzeitig ist den Dämpfen des unteren

Raumes durch das Rohr ~a~ der Weg in den Condensator geöffnet, in

welchem sie verdichtet werden. Ist der Kolben unten angelangt, so

treten in Folge der veränderten Schieberstellung die Dämpfe aus dem

Kessel in den Raum unter dem Kolben und treiben diesen aufwärts (Fig.

60), während die Dämpfe oberhalb des Kolbens zum Condensator entweichen.

Die Bewegung des Kolbens wird nun durch die Kolbenstange auf den

Balancier übertragen. Da aber die auf- und niedergehende Kolbenstange

eine senkrechte gradlinige Bewegung hat, während das Ende des

Balanciers, wie das Ende eines Wagebalkens, offenbar einen Kreisbogen

beschreibt, so ist die Kolbenstange nicht unmittelbar an den Balancier,

sondern erst vermittelst des sogenannten _Watt_'schen Parallelogramms

befestigt. Dieses besteht aus zwei gleich langen Stangen, die am

Balancier aufgehängt und unten durch eine dritte Stange verbunden sind,

und zwar so, daß sie sich sämmtlich an ihren Verbindungsstellen um

Charniere drehen können. An der vom Ende des Balanciers herabhängenden

Stange ist unten, gleichfalls drehbar, die Kolbenstange befestigt,

während eine vierte, am Maschinengestell befestigte Stange mit der

zweiten vom Balancier herabhängenden Stange verbunden ist. Wird nun der

Balancier durch den auf- und niedergehenden Kolben in Bewegung gesetzt,

so verschieben sich die das Parallelogramm bildenden Stangen so gegen

einander, daß der Endpunkt desselben, an welchem die Kolbenstange

befestigt ist, sich in grader Linie auf- und abwärts bewegt.

Um die hin- und herschwingende Bewegung dieses Balanciers in die

rotirende Bewegung einer Welle zu verwandeln, wandte _Watt_ den

einfachen, vom Spinnrad und Schleifstein her Jedem bekannten

Mechanismus der Kurbel und Treibstange an. Die Treibstange oder, wie

sie bei der Dampfmaschine heißt, die Pleuelstange ~P~ (Fig. 58) ist am

Ende des Balanciers drehbar aufgehängt und umfaßt mit ihrem untern

Ende den Zapfen der Kurbel, die an der zu drehenden Welle befestigt

ist. Die Drehung der Welle kann zunächst freilich keine gleichförmige

sein. Schon die Ungleichheiten in der Bewegung des Kolbens, wie in der

Wirkung des Dampfdrucks, bedingen eine ungleichförmige Geschwindigkeit,

und noch mehr bedingt diese die Stellung der Treibstange zur Kurbel

selbst. So oft nämlich die Kurbel ihren höchsten oder tiefsten Stand

erreicht, fällt ihre Richtung mit der Treibstange zusammen, und diese

kann natürlich in solchen Augenblicken gar nicht auf die Umdrehung der

Kurbel wirken. Daß die Maschine in diesen sogenannten todten Punkten

der Kurbel nicht zum Stillstehen kommt, liegt nur an der Trägheit,

welche die einzelnen Maschinentheile ihre Bewegung fortsetzen läßt. In

einer Vermehrung dieser Trägheit fand darum auch _Watt_ das Mittel, die

Ungleichheiten in der Bewegung der Maschine auszugleichen. Dies Mittel

besteht in dem Schwungrade, einem großen Rade von bedeutendem Gewicht,

das auf der Kurbelwelle befestigt ist und mit dieser sich umdreht, um

vermöge seiner Trägheit gleichsam in Momenten des Ueberflusses Arbeit

aufzusammeln und sie in Momenten des Mangels wieder abzugeben.

[Illustration: Fig. 61.]

Endlich blieb zur Vervollkommnung der Dampfmaschine noch übrig,

auch die Unregelmäßigkeiten zu beseitigen, welche theils durch

Aenderungen in der Dampfspannung in Folge von Unregelmäßigkeiten in

der Unterhaltung des Feuers und Zufuhr des Wassers, theils durch

Veränderungen der Widerstände, welche der Kolbendruck überwinden soll,

um mancherlei Arbeiten zu verrichten, veranlaßt werden. Vermittelst

einer überaus sinnreichen Einrichtung, der sogenannten Drosselklappe,

in Verbindung mit dem Centrifugal-Regulator (Fig. 61), wird auch diese

Aufgabe von der Maschine selbst gelöst. Die Drosselklappe ist eine

gewöhnliche Klappe (~K~), die in dem Rohre, das den Dampf vom Kessel

zum Cylinder führt, angebracht ist. Ist sie völlig geöffnet, so strömt

der Dampf ungehindert in den Cylinder; je mehr sie geschlossen wird,

desto mehr wird auch die Menge des einströmenden Dampfes vermindert.

Die Regulirung dieser Klappe ist dem Centrifugal-Regulator übertragen.

Er besteht aus zwei durch eine Welle (~A~) gesteckten und um einen

Zapfen (~C~) drehbaren Hebeln (~B~), die unten mit metallenen Kugeln

(~D~) von bedeutendem Gewichte beschwert sind. Mit diesen sind an

ihren oberen Enden, um Zapfen drehbar, zwei kleinere Stangen (~E~)

verbunden, die oben an einer Hülse (~F~) befestigt sind, welche an

der Axe der Welle auf und nieder gleiten kann. Sobald die Welle rasch

gedreht wird, fahren die schweren Kugeln vermöge ihrer Centrifugalkraft

auseinander und ziehen dadurch die Hülse herab. An dieser Hülse aber

ist ein zweiarmiger Hebel (~G~) befestigt, welcher durch eine Stange

(~I~) den kleinen Hebel bewegt, der die Drosselklappe dreht. Durch

das Herabgleiten der Hülse wird also die Drosselklappe mehr und mehr

geschlossen. Bewegt sich die Welle dagegen langsamer, so sinken die

Kugeln etwas herab, rücken dadurch die Hülse mehr hinauf, und der von

dieser abhängige Hebel öffnet die Klappe mehr. Man sieht also, daß, so

oft sich der Gang der Maschine aus irgend einer Ursache beschleunigt,

sei es, weil die von ihr zu überwindenden Widerstände abnehmen, oder

weil die Dampfspannung im Kessel wächst, die Kugeln des Regulators

auseinander fahren, die Drosselklappe mehr zudrehen und dadurch den

Dampfzufluß _vermindern_; daß aber, so oft die Geschwindigkeit der

Maschine aus andern Gründen sich verlangsamt, die zusammenfallenden

Kugeln des Regulators die Drosselklappe mehr öffnen und dadurch den

Dampfzufluß _vermehren_.

So ist die Dampfmaschine das wunderbare Werk geworden, als das sie

heute dasteht. Sie verrichtet nicht allein die ihr aufgetragene

mannigfaltige Arbeit, sondern regelt auch selbst ihren Gang als ihr

eigener Wärter. Sie bewegt selbst durch Hebelstangen die Steuerung,

d. h. sie öffnet und schließt die Ventile, welche den Dampf in die

Räume des Cylinders vertheilen und zum Condensator leiten. Sie bewegt

selbst die Pumpen, die Kaltwasserpumpe sowohl, welche dem Condensator

das zur Verdichtung der Dämpfe nöthige kalte Wasser zuführt, als die

sogenannte Luft- oder Warmwasserpumpe, welche das condensirte Wasser

und die in dem Condensator sich anhäufende Luft entfernt, als endlich

die Speisepumpe, welche den Kessel mit frischem Wasser versorgt.

[Illustration: Fig. 62.]

=346. Warum= hat die Locomotive weder Balancier noch Schwungrad, wie

andere Dampfmaschinen?

=Weil= die Locomotive (Fig. 62) einerseits eine sogenannte

Hochdruckmaschine ist, d. h. mit Dämpfen von hoher Spannung arbeitet,

deshalb aber schon der gewöhnliche Druck der Atmosphäre auf der einen

Seite des Kolbens einen genügenden Unterschied der beiderseitigen

Druckkräfte zuläßt, eine Condensirung der Dämpfe also und eine

Regelung der dadurch bedingten Pumpen und Ventile durch den Balancier

überflüssig wird, und weil andrerseits die Locomotive auch eine

gekuppelte Maschine ist, d. h. aus zwei so mit einander verbundenen

Maschinen besteht, daß die Kurbeln derselben einander unterstützen und

zur Gleichförmigkeit der Bewegung eines Schwungrades nicht bedürfen.

Man unterscheidet nämlich Niederdruck- und Hochdruckmaschinen, d.

h. solche, bei welchen Dämpfe angewandt werden, deren Spannung die

der gewöhnlichen atmosphärischen Luft nur um weniges, höchstens das

1¼--1½fache übertrifft, und solche, bei denen die Dampfspannung

das 3--6fache des gewöhnlichen Atmosphärendrucks beträgt. Bei der

Niederdruckmaschine läßt sich der Dampf nur dadurch wirksam machen, daß

man auf der entgegengesetzten Seite des Kolbens einen luftverdünnten

Raum erzeugt, also die Dämpfe verdichtet. Bei der Hochdruckmaschine

ist diese Dampfverdichtung nicht nöthig, darum kann der ganze Bau

ein viel einfacherer sein. Die Pleuelstange wird hier unmittelbar

mit der Kolbenstange verbunden, und die gradlinige Bewegung der

letzteren einfach durch zwei Leisten, die sogenannten Gradführungen,

bewirkt, zwischen denen die Kolbenstange hin und her gleitet. Die

Bewegung der einzigen Pumpe, die noch erforderlich ist, der

Speisepumpe, und der wenigen Ventile, nämlich des Schieberventils und

der Drosselklappe, geht unmittelbar von der Kurbelwelle aus und wird

durch excentrische Scheiben vermittelt, die an der Welle befestigt

sind. Bei gekuppelten Maschinen, wie sie die Locomotive gleichfalls

darstellt, sind überdies zwei Maschinen so mit einander verbunden,

daß sie auf eine gemeinschaftliche Kurbelwelle wirken und zwar in der

Weise, daß die beiden Kurbeln einen rechten Winkel mit einander bilden,

daß also jedesmal, wenn die eine Kurbel sich in einem ihrer todten

Punkte befindet, die andere gleichzeitig in ihre günstigste Stellung

eingetreten ist. Zur Ueberwindung der todten Punkte bedarf es also hier

eines Schwungrades nicht.

Die erste Hochdruckmaschine ist von _Oliver Evans_ in Philadelphia

hergestellt worden, der sie bereits im Jahre 1800 zur Bewegung eines

Wagens benutzte. Die erste Locomotive wurde von dem englischen

Ingenieur _George Stephenson_ im Jahre 1814 gebaut.

Die Schiffsmaschine ist eine gekuppelte Niederdruckmaschine. Das erste

mit Schaufelrädern versehene Dampfschiff wurde von _Robert Fulton_ in

Newyork im Jahre 1807, das erste Schraubendampfschiff von _Ericson_ und

_Smith_ im Jahre 1839 in Amerika gebaut.

=347. Warum= muß der Kessel einer Dampfmaschine mit einem

Sicherheitsventil versehen sein?

=Weil= in dem völlig verschlossenen Kessel die Dämpfe sich anhäufen

und dadurch eine so bedeutende Spannkraft erlangen würden, daß sie den

Kessel gewaltsam zersprengen müßten, was durch das Sicherheitsventil

verhindert wird, da dieses sich bei einem bestimmten Drucke der Dämpfe

öffnet und diese so lange ausströmen läßt, bis derjenige Druck wieder

hergestellt ist, bei welchem man eine Gefahr des Zerspringens nicht

mehr zu fürchten hat.

Das Licht.

Wenn wir die Gegenstände sehen, so beruht dies auf einer

Empfindung gewisser Nerven unserer Sehwerkzeuge oder Augen.

Die Ursache dieser Empfindung aber nennen wir Licht. Nach der

älteren Ansicht besteht dies Licht aus einer sehr feinen

Materie, einem Lichtstoff, der von den leuchtenden Körpern

ausgesendet wird und die Augennerven trifft. Dieser Stoff soll

unwägbar sein, überhaupt aller wesentlichen Eigenschaften

der Körperlichkeit entbehren und nur durch seine Wirkung

wahrnehmbar sein. Nach der jetzt allgemein geltenden Ansicht

beruht das Licht auf einer wellenförmigen oder schwingenden

Bewegung, welche, ähnlich der Bewegung des Schalles und der

Wärme, von dem leuchtenden Körper ausgeht und, sich durch unser

Auge dem Sehnerv mittheilend, hier die Empfindung des Sehens

bewirkt. Als Träger dieser Bewegung nimmt man einen äußerst

feinen elastischen Stoff -- den Aether -- an, der den ganzen

Weltraum und alle Körper durchdringt.

Quellen des Lichtes sind alle selbstleuchtenden Körper,

insbesondere die Sonne und die Fixsterne, ferner glühende und

verbrennende Körper, wie die Flammen unserer Kerzen und Lampen,

endlich einige sogenannte phosphorescirende Körper, namentlich

faulende Thier- und Pflanzenstoffe, aber auch lebende Thiere,

wie die Johanniswürmchen und die kleinen, das Meeresleuchten

veranlassenden Seethierchen. Eine besondere Quelle des Lichtes

werden wir in der Electricität kennen lernen. Sternschnuppen

und Feuerkugeln sind höchst wahrscheinlich kleine Weltkörper,

welche wie die Planeten um die Sonne kreisen und, in den

Anziehungskreis der Erde gerathen, herabfallen. Sie sind

an sich dunkel, wie die Planeten und Kometen, und erglühen

erst in Folge des Widerstandes, den sie in der Erdatmosphäre

erfahren. Für ihre Weltkörper-Natur spricht das Herabfallen von

Meteorsteinen beim Zerplatzen von Feuerkugeln, und besonders

die periodische Wiederkehr von Sternschnuppenschwärmen in den

Nächten vom 10. August und vom 12. bis 14. November.

Irrlichter sind kleine Flämmchen, die bisweilen in sumpfigen

Gegenden erscheinen, die aber noch viel zu wenig beobachtet

sind, um über ihr Wesen völlig entscheiden zu können. Man hält

sie für ein phosphorhaltiges Wasserstoffgas, das als Flamme

verbrennt, sobald es aus dem Wasser aufsteigend in die Luft

übergeht.

Das Licht, das von einem leuchtenden Punkte ausgeht, verbreitet

sich nach allen Richtungen und zwar in graden Linien. Diese

graden Lichtlinien nennen wir Lichtstrahlen. Das Licht pflanzt

sich mit außerordentlicher Geschwindigkeit fort, indem es

in einer Sekunde 40,257 geogr. Meilen (= 300000 Kilom.)

zurücklegt. Es durchläuft also den Raum von der Sonne zur Erde

(fast 150 Mill. Kilom.) in 8 Minuten 13 Sekunden, und seine

Geschwindigkeit übertrifft die des Schalles um das 900000fache.

Treffen Lichtstrahlen auf ihrem Wege auf nicht leuchtende oder

dunkle Körper, so werden sie entweder _zurückgeworfen_ oder

_durchgelassen_. Dunkle Körper werden uns dadurch sichtbar,

daß die von ihnen zurückgeworfenen Lichtstrahlen in unser Auge

gelangen. Läßt ein Körper mehr oder weniger Licht durch sich

hindurchgehen, so nennen wir ihn _durchsichtig_ oder auch

nur _durchscheinend_. Läßt er gar kein Licht durch, wirft er

vielmehr alles Licht zurück, so heißt er _undurchsichtig_.

Wenn Lichtstrahlen aus einem durchsichtigen Körper in einen

andern übergehen, der aber eine andere Dichtigkeit besitzt,

so werden sie von ihrem Wege abgelenkt oder, wie man sagt,

_gebrochen_. Ebenso werden Lichtstrahlen von ihrem gradlinigen

Wege abgelenkt, wenn sie an den Rändern von undurchsichtigen

Körpern vorübergehen. Man nennt diese Ablenkung die _Beugung_

des Lichts.

Warum und Weil. Physikalischer Teil. Fragen und Antworten aus den wichtigsten Gebieten der gesammten Naturlehre. · 第 12 / 18 段