=Weil= die Verdunstung des Wassers um so schneller erfolgt und darum

auch eine um so stärkere Abkühlung der Thermometerkugel und ein um so

stärkeres Sinken des befeuchteten Thermometers bewirkt, je trockener

die Luft ist. Aus dem verschiedenen Stande des trocknen und des

angefeuchteten Thermometers kann man also auf den Feuchtigkeitsgehalt

der Luft schließen. Beide Thermometer stehen gleich hoch und zeigen

dann zugleich die Temperatur des Thaupunktes (Frage 323) an, wenn

die Luft ganz mit Dämpfen gesättigt ist, also keine Verdunstung mehr

stattfinden kann. Eine solche Verbindung eines trocknen und eines

angefeuchteten Thermometers nennt man deshalb _Psychrometer_.

=314. Warum= kann man in einem kleinen Glaskolben, den man unten mit

etwas Watte umwickelt, auf die man von Zeit zu Zeit Schwefeläther

tröpfelt, Wasser in Eis verwandeln, wenn man das Kölbchen rasch hin und

her bewegt?

=Weil= der Schwefeläther bekanntlich sehr schnell verdunstet, und diese

Verdunstung noch durch die beständige Bewegung beschleunigt wird, bei

jeder Verdunstung aber Wärme gebunden und also der Umgebung entzogen

wird. Diese Wärme kann aber hier nur dem Wasser in dem Glaskölbchen

entzogen werden, und dies muß daher, wenn die Verdunstungskälte groß

genug war, gefrieren. Hat man einen Draht in das Wasser gestellt, so

findet man ihn beim Herausnehmen mit feinen Eisnadeln bedeckt.

=315. Warum= gefriert Wasser in einem kleinen Schälchen unter der

Glocke einer Luftpumpe, wenn man ein anderes kleines Schälchen mit

Schwefeläther darüber stellt?

=Weil= die Verdunstung des Schwefeläthers, die schon in der

gewöhnlichen atmosphärischen Luft ziemlich stark ist, durch

das fortwährende Auspumpen der bereits gebildeten Aetherdämpfe

außerordentlich befördert wird, dadurch aber auch weit mehr Wärme

gebunden oder eine weit größere Verdunstungskälte erzeugt werden muß,

die das Wasser sehr schnell in Eis verwandelt.

=316. Warum= kann man mitten im heißen Sommer mit Hülfe künstlicher

Eismaschinen große Massen von Eis erzeugen?

=Weil= in solchen Eismaschinen zuvor stark verdichtetes Ammoniak einer

sehr lebhaften Verdunstung unterworfen wird und dabei große Mengen von

Wärme bindet, die es dem Wasser, das sich in demselben Raum mit ihm

befindet, entzieht. Das Ammoniakgas besitzt nämlich die Eigenschaft,

von kaltem Wasser in großen Mengen verschluckt zu werden, während

warmes Wasser nur geringe Mengen davon festhalten kann. Erhitzt man

daher in einem verschlossenen Gefäße gewöhnliches Ammoniakwasser

(sogenannten Salmiakspiritus), so wird das Ammoniakgas frei, und da

sich beständig neue Gasmengen entwickeln, die nicht entweichen können,

so entsteht allmählich ein ungeheurer Druck im Innern des Gefäßes. Läßt

man dieses stark zusammengepreßte Gas dann in ein von kaltem Wasser

umgebenes Kühlrohr einströmen, so wird es darin sogar flüssig. Läßt man

dieses flüssige Ammoniak nun in einen geräumigen Behälter ausströmen,

so verdampft es, und kommt diesem Dampfe zugleich ein feiner Regen

kühlen Wassers entgegen, so wird das Gas mit großer Begierde von dem

Wasser verschluckt, der dadurch entstehende luftverdünnte Raum aber

zugleich die Veranlassung immer neuer und schnellerer Verdunstung des

Ammoniaks. Die durch diese Verdunstung bewirkte Kälte oder vielmehr

Wärmeentziehung ist die Ursache des Gefrierens des Wassers in den

in diesem Raume aufgestellten Gefäßen. In ähnlicher Weise wird auch

das Kohlensäuregas, nachdem es zuvor durch starken Druck in eine

Flüssigkeit verwandelt worden, beim Ausströmen an die Luft in Folge der

heftigen Verdunstung in einen schneeähnlichen festen Körper verwandelt.

=317. Warum= kann das Niederschlagen des Rauches bei stiller Luft als

Vorbote von Regenwetter gelten?

=Weil= die unverbrannten Kohlentheilchen, die mit dem Rauch

emporsteigen, die Eigenschaft haben, Wasserdampf einzusaugen. Wenn

also viel Wasserdampf in der Luft über dem Schornstein vorhanden ist,

so nehmen ihn die Kohlentheilchen auf, verdichten ihn in sich, werden

dadurch schwerer und fallen so zu Boden; auch steigt der Rauch in der

warmen und feuchten Luft der Regen bringenden Süd-West- und Westwinde

nicht so schnell und lebhaft empor als in der Luft der dichteren

Nord-, Nordost- und Ostwinde. Auch manche Salze haben die Eigenschaft,

Wasserdampf aus der Luft aufzunehmen. Pottasche zerfließt in Folge

dessen; Kochsalz wird nur sehr feucht.

=318. Warum= dehnen sich manche Körper, namentlich Haare und

Darmsaiten, in feuchter Luft aus?

=Weil= diese Körper eine große Neigung besitzen, Wasserdampf aus der

Luft einzusaugen und in ihren Poren zu verdichten, womit natürlich

eine Vergrößerung ihres Volumens verbunden sein muß. Man nennt solche

Körper hygroskopische. Besonders ausgezeichnet durch diese Eigenschaft

sind Haare, Darmsaiten und Fischbein. Daß die Haare sich bei feuchtem

Wetter verlängern, wissen diejenigen Damen, welche Locken tragen.

Da aber solche Körper die Feuchtigkeit der Luft anzeigen, ehe sie

noch auf andere Weise erkennbar wird, so benutzt man sie auch zu

Feuchtigkeitsmessern oder Hygrometern. Ein solches Instrument ist das

bekannte Wetterhäuschen, das man oft als Wetterprophet an den Fenstern

anbringt. In demselben ist an einer Darmsaite ein Stäbchen aufgehängt,

auf dessen einer Seite ein Mann mit einer Gießkanne, auf dessen anderer

Seite eine Frau mit einem Regenschirm steht. Bei feuchtem Wetter dreht

sich die Saite auf, verlängert sich und bringt die Frau zum Vorschein.

Bei trockner Luft dreht sich die Saite wieder zusammen, und nun tritt

der Mann aus der Thür des Häuschens. Auch die lange, schraubenartig

gewundene Granne der Frucht des Reiherschnabels (~Erodium~) ist

sehr empfindlich gegen Feuchtigkeit. Befestigt man dieselbe in dem

Mittelpunkte eines Kreises, so dreht sie sich, indem sie sich bei

feuchter Luft mehr aufwickelt, bei trockner Luft mehr zusammenzieht.

=319. Warum= werden unsere Kleider feucht, wenn wir an schönen

Frühlings- oder Herbstabenden spazieren gehen?

=Weil= die in der Luft enthaltenen Wasserdämpfe in Folge der am Abend

eintretenden starken Abkühlung der Luft sich wieder verdichten und nun

in sehr feinen Tropfen auf unsere Kleider niederschlagen.

=320. Warum= müssen Röhren, durch welche Wasserdämpfe an irgend einen

Ort geleitet werden sollen, aus schlechten Wärmeleitern bestehen und am

besten helle und polirte Oberflächen haben?

=Weil= gute Wärmeleiter den Wasserdämpfen zu viel Wärme durch Leitung,

rauhe und dunkle Röhren aber zu viel Wärme durch Strahlung entziehen

und die Temperatur der Dämpfe daher so weit erniedrigen würden, daß

ein Theil derselben gar nicht mehr als Dampf bestehen könnte, sondern,

ehe er noch an den Ort seiner Bestimmung gelangt wäre, in die tropfbar

flüssige Form zurückkehren müßte. Will man dagegen durch Dampf

heizen, so muß man ihn umgekehrt durch Röhren leiten, die aus guten

Wärmeleitern bestehen und rauhe und dunkle Oberflächen haben. Denn in

diesem Falle soll eben die Wärme dem Dampfe möglichst schnell entzogen

werden, um dem Raume, durch den er geleitet wird, zu Gute zu kommen.

=321. Warum= beschlagen unsere Fensterscheiben, wenn die Luft draußen

sich abkühlt?

=Weil= die in unserer Zimmerluft beständig enthaltenen Wasserdämpfe,

wenn sie mit den durch die äußere Luft abgekühlten Fensterscheiben

in Berührung kommen, selbst so weit abgekühlt werden, daß sie in

den tropfbaren Zustand zurückkehren und sich an die Fensterscheiben

absetzen.

=322. Warum= belegen sich beim Winterfroste die Fensterscheiben,

vornehmlich bewohnter Zimmer, mit Eis?

=Weil= die in bewohnten Zimmern reichlich vorhandenen Wasserdämpfe

in Berührung mit den von außen erkalteten Fensterscheiben verdichtet

werden und sich in tropfbarer Form darauf niederschlagen, sofort aber

auch gefrieren müssen, wenn die Temperatur der Fensterscheiben unter

dem Gefrierpunkt ist.

=323. Warum= sind die Pflanzen besonders nach schönen Frühlings- oder

Herbstnächten am Morgen mit Wassertropfen bedeckt?

=Weil= der Erdboden in der Nacht sich in Folge der Wärmestrahlung

stark abkühlt, dadurch aber auch die dem Erdboden nahen Luftschichten

abgekühlt und damit unfähig werden müssen, die Wasserdämpfe, mit

denen sie gemischt sind, luftförmig zu erhalten. Die Wasserdämpfe

verdichten sich daher und scheiden sich in Form von Tropfen an den

Gegenständen ab. Da aber das Strahlungsvermögen dieser Gegenstände

ein sehr verschiedenes und darum auch ihre Abkühlung eine ungleiche

ist, besonders rauhe Gegenstände ihre Wärme schneller ausstrahlen

als glatte, so scheiden sich auch die verdichteten Wasserdämpfe in

verschiedenem Maße an ihnen ab. Pflanzen, besonders die Spitzen der

Blätter und Halme, erkalten mehr als Erde und Steine, diese wieder

mehr als Metalle; daher finden sich besonders Gras und Blätter am

Morgen mit Wassertropfen bedeckt. Diesen nächtlichen Niederschlag des

Wasserdampfes der Luft nennt man Thau. Die Stärke desselben ist nicht

bloß abhängig von dem Grade der Temperaturerniedigung, sondern auch von

dem Wasserdampfgehalt der Luft. Denn die Verdichtung des Wasserdampfes

beginnt erst bei derjenigen Temperatur, für welche die Luft mit

dem vorhandenen Wasserdampf gerade gesättigt ist. Diese Temperatur

nennt man den Thaupunkt. Dieser liegt aber um so tiefer, je weniger

Wasserdampf die Luft enthält. Den Thaupunkt kann man bestimmen, wenn

man ein Thermometer in ein Glas mit Wasser stellt und dann allmählich

so lange kaltes Wasser zugießt, bis die Außenseite des Glases mit einem

feinen Thau beschlägt. Die Temperatur, bei welcher dies geschieht, ist

der Thaupunkt. Ist die Luftwärme etwa 16° und erfolgt das Beschlagen

des Glases bei 10°, so muß die Luft auch bis auf 10° erkalten, wenn

eine Thaubildung eintreten soll.

=324. Warum= fällt bei bewölktem Himmel kein Thau?

=Weil= die Wolken eine Rückstrahlung der Wärme veranlassen und dadurch

die Abkühlung des Bodens verhindern. Darum pflegt es auch unter

laubreichen Bäumen und unter Zelten selbst in heiteren sehr thaureichen

Nächten nicht zu thauen.

=325. Warum= bemerkt man nach schönen, aber sehr windigen Nächten

keinen Thau?

=Weil= bei windigem Wetter fortwährend die an den Gegenständen

erkalteten Luftschichten wieder entführt und durch wärmere ersetzt

werden, die den Gegenständen wieder Wärme mittheilen, so daß diese

nicht bis zum Thaupunkt erkältet werden können.

=326. Warum= werden Felder und Wiesen in schönen Herbstnächten oft mit

Reif bedeckt?

=Weil= durch die starke Wärmeausstrahlung in den längerwerdenden

Nächten des Spätherbstes oft die Temperatur des Erdbodens bis unter den

Gefrierpunkt erniedrigt wird, und die sich verdichtenden Wasserdämpfe

sich daher nicht als kleine Wassertropfen, sondern nur als Eis an den

erkalteten Gegenständen absetzen können. Reif ist gefrorener Thau und

besteht aus feinen Eisnadeln.

=327. Warum= sieht man in der Kälte den ausgehauchten Athem?

=Weil= dem durch das Athmen ausgestoßenen Wasserdampf durch die äußere

kalte Luft Wärme entzogen und der Wasserdampf dadurch verdichtet wird.

Wasserdampf an sich ist völlig durchsichtig, also unsichtbar; er wird

erst sichtbar, wenn er anfängt wieder flüssig zu werden. Er erscheint

dann als Nebel.

=328. Warum= bilden sich besonders im Herbst und Winter so oft Nebel?

=Weil= von den länger warm bleibenden Wasserflächen und aus dem

feuchten Erdboden dann noch beständig Dämpfe aufsteigen, welche

aber die kältere oder wasserdampfreichere Atmosphäre nicht mehr

aufzunehmen vermag, und die sich daher nun verdichten müssen. Dieser

sich verdichtende Wasserdampf nimmt zuerst die Gestalt außerordentlich

kleiner hohler Wasserbläschen an, die an einander gehäuft nicht

mehr durchsichtig sind, wie fein gemahlenes Glas auch nicht mehr

durchsichtig ist. Die Wasserbläschen des Nebels werden eine Zeit lang

von der Luft getragen, sinken dann aber nieder. Fallen sie auf wärmeres

Erdreich oder Wasser -- wie ja im Herbst und zu Zeiten im Winter

Erdreich und Wasser wärmer zu sein pflegen als die Luft, -- so steigen

sie wieder als Dampf auf und verdichten sich wieder zu Nebel. Auf

diesem Wechsel von Vergehen und Entstehen beruht die anhaltende Dauer

mancher Herbst- und Winternebel.

[Illustration: Fig. 54.]

=329. Warum= entsteht aus den Wolken Regen?

=Weil= die Wolken nichts anderes als Nebel in höheren Luftschichten

sind, und weil, wenn sie sich in tiefere Luftschichten herabsenken,

die bereits mit Wasserdampf fast gesättigt sind, oder wenn sie mit

kälteren Luftschichten in Berührung kommen, ihre Wasserbläschen

zusammenfließen, schwerer werden und nun in Tropfengestalt herabfallen.

Die Tropfen sind um so kleiner, je näher die Wolken der Erde sind,

um so größer, aus je größeren Höhen sie fallen, da sie auf ihrem

Wege, vermöge ihrer niedrigen Temperatur, die Wasserdünste der

Luftschichten verdichten, durch welche sie hindurchfallen, und sich

dadurch vergrößern. In Luftschichten, deren Temperatur unter dem

Gefrierpunkt liegt, verwandeln sich die verdichteten Wasserdünste nicht

in Tropfen, sondern in feine Eisnadeln, die sich zu Schneeflocken (Fig.

54) zusammensetzen. Die besonders im Frühling fallenden Graupelkörner

entstehen wohl in ähnlicher Weise wie der Schnee und bestehen nur aus

fest zusammengeballten Eisnadeln. Ueber die Entstehung des Hagels

ist man noch nicht völlig im Klaren. Die beste Erklärung scheint

diejenige zu sein, welche _Nöllner_ gegeben hat. Danach können die

Nebelbläschen, welche Wolken bilden, bis unter den Gefrierpunkt

erkalten, ohne daß ein Erstarren derselben eintritt, wie Aehnliches vom

tropfbar flüssigen Wasser nachgewiesen ist. Das Gefrieren erfolgt erst,

aber dann auch plötzlich und in großem Umfange, wenn die erkalteten

Bläschen heftig erschüttert werden. Befindet sich also eine so tief

erkaltete Wolkenschicht in der Luft, und fallen auf diese aus einer

höheren Wolkenschicht Graupelkörner, so schlägt sich auf ihnen der

Bläschendampf als Wasser nieder, das augenblicklich gefriert. Auf diese

Weise wird allerdings die oft so massenhafte Eisbildung in ganz kurzer

Zeit begreiflich.

Das Ansehen der Wolken selbst ist, je nachdem sie höher oder tiefer

schweben, mehr oder weniger dicht sind, und je nach ihrer Beleuchtung

sehr mannigfaltig. Man unterscheidet Federwolken, die sich besonders

zuerst nach vollkommen heiterem Wetter am blauen Himmel bilden,

Schichtwolken, die sich in wagerechten Streifen über den Himmel ziehen

und vorzugsweise schön bei Sonnenuntergang erscheinen, Haufenwolken,

die sich namentlich im Sommer zeigen, und Regenwolken, die aus

Haufenwolken entstehen, aber unregelmäßige Formen annehmen und große

Dichtigkeit erlangen.

=330. Warum= sehen wir bisweilen bei völlig heiterem Himmel und ruhiger

Luft sich plötzlich Wolken bilden und ein andres Mal wieder die Wolken

ebenso plötzlich verschwinden?

=Weil= die Luft zwar Wasserdämpfe genug aufgelöst enthalten kann, die

sich aber bei der herrschenden Temperatur nicht verdichten können,

bei einer plötzlich eintretenden Abkühlung der Luft jedoch, etwa in

Folge einer kälteren Luftströmung, sich plötzlich zu Wasserbläschen

verdichten und Wolken bilden müssen; während andererseits eine

vorhandene Wolke, wenn sie sich etwa in eine wärmere Luftschicht

hinabläßt, oder wenn ein wärmerer Luftstrom sie trifft, sich wieder

in unsichtbaren Wasserdampf auflösen muß. Das Vermögen der Luft,

Wasserdämpfe in sich aufzunehmen -- ihr Sättigungsvermögen -- ändert

sich je mit ihrer Temperatur.

=331. Warum= kocht Wasser und jede andere Flüssigkeit ein, wenn man sie

längere Zeit kochen läßt?

=Weil= das Wasser und überhaupt jede Flüssigkeit beim Kochen sich in

Dampf verwandelt, und dieser Dampf vermöge seines geringen specifischen

Gewichts in die Luft aufsteigt und sich mit ihr vermischt, die

Flüssigkeit also durch dieses beständige Entweichen ihrer Theile in

Luftgestalt endlich völlig verschwinden muß. Sie existirt zwar noch,

aber nicht mehr als Flüssigkeit und nicht mehr in dem Gefäße. War

aber mit dem Wasser ein anderer Körper vermischt oder vielmehr darin

aufgelöst, wie etwa Salz, der nicht in Dampf übergehen kann, so bleibt

dieser nach dem Kochen zurück.

=332. Warum= siedet Wasser erst bei einer Temperatur von 80° R.?

=Weil= die Wasserdämpfe, welche sich zwar auch bei niedrigerer

Temperatur entwickeln, dem Drucke der äußeren atmosphärischen Luft

erst dann widerstehen können, wenn sie eine Spannkraft erlangt haben,

welche derjenigen der atmosphärischen Luft gleich ist, was erst bei

einer Temperatur von 80° R. geschieht. Wenn man daher Wasser über einem

Feuer erhitzt, so entwickeln sich sehr bald, namentlich am Boden,

kleine Dampfbläschen, die aber unter dem Drucke des Wassers und dem

auf diesem lastenden Drucke der Atmosphäre sich wieder verdichten und

tropfbar flüssig werden. Erst bei 80° R. haben die sich im Innern des

Wassers entwickelnden Dämpfe eine Spannkraft erlangt, welche dem Drucke

der Umgebung das Gleichgewicht hält. Die Spannkraft des beim Sieden

des Wassers, wie überhaupt beim Sieden jeder Flüssigkeit entstehenden

Dampfes ist also genau dem Drucke der Atmosphäre gleich oder vermag

eine Quecksilbersäule von 760 Millimeter Höhe zu tragen. Verdunstung

und Sieden unterscheiden sich dadurch, daß bei der Verdunstung an

der Oberfläche einer Flüssigkeit sich Dämpfe von geringer Spannkraft

bilden, die sich unmittelbar mit der Luft vermischen, während bei dem

Sieden Dämpfe von großer Spannkraft im Innern der Flüssigkeit entstehen.

=333. Warum= kann Wasser in einem bleiernen oder zinnernen Gefäße zum

Sieden gebracht werden, ohne daß das Metall zum Schmelzen kommt?

=Weil= das Gefäß die vom Feuer ihm mitgetheilte Wärme an das darin

befindliche Wasser abgiebt, dieses aber nie eine höhere Temperatur als

80° R. annehmen kann, alle übrige Wärme, die es empfängt, vielmehr zu

seiner Verwandlung in Dampf verwendet. Das Gefäß kann also selbst auch

keine höhere Temperatur als 80° annehmen, so lange noch Wasser darin

ist, das ihm seine überschüssige Wärme abnimmt. Es kann darum auch

nicht schmelzen, da der Schmelzpunkt des Zinnes erst bei 188°, der des

Bleies sogar bei 267° R. liegt. Aus demselben Grunde kann man sogar

Wasser in einem kleinen Gefäße aus Papier über einer Lichtflamme zum

Sieden bringen, ohne daß das Papier anbrennt. Das Papier ist zwar ein

schlechter Wärmeleiter, aber wenn es hinreichend dünn ist, leitet es

doch schnell genug die von der Flamme empfangene Wärme in das Wasser

über, so daß seine Temperatur nicht über 80° R. steigen kann, eine

Temperatur, bei der es sich noch nicht entzündet.

=334. Warum= verdampfen Wassertropfen, die man auf eine rothglühende

Metallplatte fallen läßt, nicht, sondern sammeln sich wie Quecksilber

auf Glas und gerathen in eine drehende Bewegung, ohne zu kochen?

=Weil= das glühende Metall vom Wasser nicht benetzt wird, Vielmehr

eine Dampfschicht die gegenseitige Berührung beider verhindert, so

daß auch ein merklicher Uebergang der Wärme vom Metall zum Wasser

nicht stattfinden kann. Erst bei abnehmender Hitze stellt sich die

Berührung wieder her, und darum erfolgt dann eine plötzliche heftige

Dampfbildung. Man nennt diese Erscheinung den _Leidenfrost_'schen

Tropfen, weil sie zuerst von _Leidenfrost_ im Jahre 1756 beobachtet

wurde. Daß die Flüssigkeit bei dieser Erscheinung die Tropfenform

annimmt, erklärt sich daraus, daß durch die hohe Temperatur die

Adhäsion vernichtet ist und die Cohäsion der Flüssigkeit daher zur

vollen Wirkung kommt. Auch große Flüssigkeitsmassen kann man in

diesen Zustand versetzen, den man deshalb auch den sphäroidalen

nennt. Sie verdampfen nicht, sondern behaupten eine Temperatur, die

etwas unter ihrem Siedepunkte liegt. Läßt man flüssige schweflige

Säure, deren Siedepunkt 10° unter Null liegt, in eine glühende Schale

tropfen, und fügt dann einige Tropfen Wasser hinzu, so gefriert dies

augenblicklich zu Eis. Mit diesen Erscheinungen hängt wohl auch die

merkwürdige Thatsache zusammen, daß Arbeiter in Gießereien ihre Hand

in geschmolzenes Eisen tauchen können, ohne sie zu verbrennen. Eine

Dampfschicht, welche durch die Feuchtigkeit der Haut gebildet wird,

verhindert die unmittelbare Berührung mit dem geschmolzenen Metall und

darum auch den Uebergang der Wärme.

=335. Warum= kann man Zinn in einem Gefäß mit Wasser über dem stärksten

Feuer nicht schmelzen?

=Weil= das Wasser beim Kochen alle ihm vom Feuer zugeführte Wärme zur

Dampfbildung verwendet und daher selbst keine höhere Temperatur als

die von 80° R. annimmt, weshalb aber auch das Zinn in dem kochenden

Wasser nicht über 80° R. erhitzt werden und somit auch nicht

seinen Schmelzpunkt, der erst bei 188° R. liegt, erreichen kann. Es

giebt freilich, wie bereits erwähnt (Fr. 298), Metallgemische oder

Metalllegirungen, die schon im siedenden Wasser schmelzen, weil ihr

Schmelzpunkt noch unter dem Siedepunkte des Wassers liegt.

=336. Warum= werden sehr fette oder in Fett gekochte Speisen schneller

weich als sehr magere und im bloßen Wasser gekochte?

=Weil= Fette einen weit höheren Siedepunkt als das Wasser haben und

daher auch eine weit höhere Temperatur annehmen können, so daß auch

die Speisen, die in ihnen gekocht werden, eine größere Wärmemenge

empfangen. Sehr mageres Fleisch, wie Wildfleisch, wird darum auch beim

Braten langsamer gar als sehr fettes Fleisch.

=337. Warum= wird sehr dünner und schlechter Branntwein durch

Destilliren stärker?

=Weil= der Weingeist (Spiritus) oder Alkohol schon bei einer

niedrigeren Temperatur flüchtig oder in Dampf verwandelt wird als das

Wasser, das Destilliren aber darin besteht, daß man den aus Wasser

und Weingeist bestehenden Branntwein erst in Dampf verwandelt und

die Dämpfe dann durch Abkühlung wieder zu tropfbarer Flüssigkeit

verdichtet. Bei der Destillation wird also mehr Weingeist als Wasser

flüchtig, und die verdichtete Flüssigkeit muß dann auch mehr Weingeist

als vorher enthalten. Der Gehalt an Weingeist aber bestimmt die Stärke

des Branntweines.

[Illustration: Fig. 55.]

=338. Warum= kann man in einem _Papin_'schen Topfe (Fig. 55) selbst

Knochen zu einem Brei zerkochen?

=Weil= in einem solchen Topfe, dessen Deckel luftdicht festgeschraubt

ist, die Dämpfe nicht entweichen können und durch ihren heftigen Druck

auf das Wasser den Siedepunkt desselben bedeutend erhöhen, so daß das

kochende Wasser in dem Topfe eine weit höhere Temperatur annimmt, als

das an der Luft unter dem gewöhnlichen Druck der Atmosphäre kochende.

Wenn die eingeschlossenen Dämpfe nämlich weiter erhitzt werden, so

wächst ihr Bestreben, sich auszudehnen, oder ihre Spannkraft, immer

mehr. Sie üben darum nach allen Seiten, also auch auf das Wasser

einen hohen Druck aus und machen dadurch das weitere Aufsteigen von

Dampfblasen, also das weitere Sieden unmöglich, bis die Temperatur

des Wassers selbst so hoch gesteigert ist, daß die sich entwickelnden

Dämpfe dieselbe Spannkraft haben, wie die bereits vorhandenen, welche

den Druck ausüben. Wegen des heftigen Druckes der gespannten Dämpfe

in einem solchen Topfe muß derselbe auch sehr starke Wände aus Eisen

oder Messing haben, und zugleich der Deckel mit einem sogenannten

Sicherheitsventil versehen sein, welches die Dämpfe bei einem gewissen

Grade der Spannung öffnen, und durch welches sie dann entweichen

können. Sonst würde man Gefahr laufen, daß der Topf durch den innern

Druck gewaltsam zersprengt wird.

=339. Warum= kommt warmes Wasser, das unter die Glocke der Luftpumpe

gebracht wird, bei fortgesetztem Auspumpen der Luft in's Sieden?

Warum und Weil. Physikalischer Teil. Fragen und Antworten aus den wichtigsten Gebieten der gesammten Naturlehre. · 第 11 / 18 段