=Weil= das Wasser, wenn es sich bis zu 3° R. abgekühlt hat, seine

größte Dichtigkeit besitzt, also am schwersten ist, bei weiterer

Abkühlung daher leichter wird, so daß sich das kältere Wasser an die

Oberfläche lagert und gefriert und nun eine schützende Eisdecke über

dem Wasser bildet, welche ein zu weites Eindringen der Kälte in die

Tiefe verhindert. Besäße das Wasser diese Eigenthümlichkeit nicht,

nähme seine Dichtigkeit vielmehr bis zum Gefrierpunkte zu, so würden

allerdings diese Gewässer völlig ausfrieren. Es würde dann die oberste

abgekühlte und schwerer gewordene Wasserschicht zu Boden sinken, und

dieses Auf- und Absteigen des Wassers würde fortdauern, bis die ganze

Wassermasse auf den Gefrierpunkt erkaltet wäre. So hat aber dieses Auf-

und Niedersteigen des Wassers bereits ein Ende, sobald die Wassermasse

auf 3° R. erkaltet ist, und das Gefrieren kann daher nur an der

Oberfläche stattfinden.

=285. Warum= laufen Gefäße über, die mit einer Flüssigkeit bis nahe an

den Rand gefüllt sind, sobald sie erwärmt werden?

=Weil= die Flüssigkeit in Folge der Wärme sich ausdehnt und, da das

Gefäß ihr nicht gestattet, einen größeren Raum einzunehmen, über den

Rand desselben hinausgetrieben wird. Nimmt man das Gefäß vom Feuer, so

sinkt die sich abkühlende Flüssigkeit wieder, weil sie sich in einen

kleineren Raum zusammenzieht.

=286. Warum= steigt das Thermometer in der Wärme und fällt in der Kälte?

=Weil= das in der Röhre des Thermometers enthaltene Quecksilber,

wie jeder andere Körper, sich bei zunehmender Wärme ausdehnt, bei

abnehmender Wärme zusammenzieht und daher im ersteren Falle einen

größeren, im letzteren einen kleineren Raum einnimmt. Wenn aber das

Quecksilber in der Wärme einen größeren Raum einnimmt, so muß es auch

in einer engen Röhre höher stehen. Andere Flüssigkeiten thun zwar

dasselbe, doch ist ihre Ausdehnung bei verschiedenen Temperaturgraden

nicht eine so gleichmäßige, wie die des Quecksilbers.

=287. Warum= springen Kastanien, wenn man sie nicht vorher

aufgeschlitzt hat, mit einem heftigen Knalle auf, sobald sie auf

glühende Kohlen oder heiße Asche gelegt werden?

=Weil= die unter der Schale eingesperrte Luft, durch die Hitze

ausgedehnt, sich einen Ausgang zu bahnen strebt und daher die Schale,

die sie daran hindert, gewaltsam sprengt. War dagegen die Schale vorher

aufgeschlitzt, so kann die ausgedehnte Luft ungehindert entweichen.

=288. Warum= springen Feuerfunken mit heftigem Knistern von brennenden

Holzscheiten weg?

=Weil= die in den Poren des Holzes enthaltene Luft, durch die Hitze

stark ausgedehnt, mit Heftigkeit herausdringt und Theilchen des Holzes,

die ihr den Weg versperren, fortschleudert.

=289. Warum= schwillt eine fest zugebundene, jedoch äußerst schlaffe

und viele Falten enthaltende Blase auf und wird ganz straff, wenn wir

sie auf einen warmen Ofen legen?

=Weil= die in der Blase enthaltene Luft durch die Wärme des Ofens

so stark ausgedehnt wird, daß sie den ganzen, ihr durch die

zusammengebundene Blase gebotenen Raum auszufüllen sucht. Die Blase muß

darum dem durch die ausgedehnte Luft ausgeübten Drucke nachgeben und

sich ausspannen.

=290. Warum= haftet ein Trinkglas mit gut geschliffenem Rande, das man

eine Zeit lang über eine Lichtflamme gehalten und dann schnell mit der

Oeffnung auf die Hand gestellt hat, so fest auf derselben, daß es sich

nur mit Mühe wieder abreißen läßt?

=Weil= durch die Hitze der Lichtflamme die in dem Glase befindliche

Luft ausgedehnt und zum Theil ausgetrieben, die darin zurückgebliebene

Luft daher sehr verdünnt ist, so daß der Druck der äußeren dichteren

Luft auf das Glas nun stärker ist als der Gegendruck der inneren

Luft. Da die Hand den Zutritt der äußeren Luft verhindert, so muß man

diesen ganzen äußeren Luftdruck überwinden, um das Glas loszureißen.

In ähnlicher Weise werden auch die Schröpfköpfe (gewöhnlich kleine

Glasglocken) über einer Flamme erwärmt und dann schnell auf die Haut

gestülpt, damit, wenn die verdünnte Luft in ihnen erkaltet und sich

zusammenzieht, ein leerer Raum entsteht und in Folge dessen das Blut

aus den zuvor in die Haut gemachten Einschnitten gesogen wird.

=291. Warum= steigt der Rauch eines angezündeten Feuers in die Höhe?

=Weil= die das Feuer umgebende Luft durch die Hitze ausgedehnt und

verdünnt wird und daher wegen ihrer größeren Leichtigkeit aufwärts

steigt, wobei sie den Rauch mit sich fortreißt, obgleich derselbe

Bestandtheile enthält, wie die feinen Kohlentheilchen, die specifisch

schwerer sind als die Luft.

=292. Warum= ist es an der Decke eines geheizten Zimmers immer wärmer,

als auf dem Fußboden desselben?

=Weil= die erwärmte Luft zugleich ausgedehnt und darum specifisch

leichter geworden ist als die kältere und darum dichtere Luft, sich

deshalb auch über derselben lagern und so den oberen Theil des Zimmers

einnehmen muß, während die kältere Luft den unteren Raum erfüllt. Zwei

verschieden warme, also verschieden dichte Luftschichten verhalten sich

ebenso wie zwei Flüssigkeiten von verschiedenem specifischen Gewicht,

die man in ein Gefäß zusammenschüttet; die leichtere Luftschicht lagert

sich über der schwereren.

[Illustration: Fig. 52.]

=293. Warum= dreht sich eine kleine aus Papier verfertigte Schlange,

wenn man sie auf die Spitze eines Drahtes oder einer Stricknadel hängt,

die unten in ein Brettchen oder einen Kork befestigt ist, und sie dann

in die Nähe des geheizten Ofens oder über eine Lichtflamme hält?

=Weil= die Luft in der Nähe des Ofens oder der Lichtflamme durch

die Wärme ausgedehnt wird und darum beständig emporsteigt, dieser

aufsteigende Luftstrom aber auf die leicht bewegliche Papierschlange

stößt und sie nun ebenso in eine drehende Bewegung versetzt, wie der

Wind die Windmühlenflügel dreht.

[Illustration: Fig. 53.]

=294. Warum= brennt eine Lampe besser, wenn sie mit einem Cylinder

versehen ist, als ohne einen solchen?

=Weil= durch die in dem Cylinder aufsteigende erwärmte Luft ein Luftzug

entsteht, durch welchen der Flamme von unten her beständig neue kalte

Luft zugeführt wird, welche durch ihren Sauerstoff die Verbrennung

fördert. Die in dem Cylinder enthaltene erwärmte und darum ausgedehnte

Luft bildet nämlich eine Luftsäule von geringerem specifischem

Gewicht, die aber äußerlich ringsum von einer gleichhohen Luftsäule

umgeben ist, welche wegen ihrer niedrigeren Temperatur ein größeres

specifisches Gewicht hat. Wegen der allseitigen Fortpflanzung des

Luftdrucks übt diese äußere Luftsäule von unten her einen Druck auf

die im Cylinder befindliche Luft aus, strömt unten ein und treibt die

erwärmte Luft in die Höhe. Je höher der Cylinder, desto größer ist

auch der Druck der äußeren Luftsäule und desto lebhafter der Luftzug.

Was der Cylinder bei den Lampen, ist der Schornstein bei unsern Oefen

und Feuerungen aller Art. Große Feuerungen in Fabriken brauchen

darum auch sehr hohe Schornsteine. Zu weite Schornsteine bringen

nicht hinreichenden Zug hervor, da die große, von ihnen umschlossene

Luftmasse zu schwach erwärmt wird und darum der Unterschied zwischen

ihrem specifischen Gewicht und dem der äußeren Luft zu unbedeutend ist.

Zu enge Schornsteine haben den Nachtheil, daß die hindurchziehende

Luftmasse nicht hinreicht zur Unterhaltung des Feuers.

=295. Warum= wird die Flamme eines brennenden Lichtes, welches man oben

an die geöffnete Thür eines geheizten Zimmers hält, lebhaft nach außen

geblasen, während sie nach innen hineingeweht wird, wenn man das Licht

unten nahe am Fußboden an die geöffnete Thür bringt?

=Weil= bei geöffneter Thür die äußere kalte und darum dichtere Luft

vermöge ihres größeren specifischen Gewichts unten in den erwärmten

Raum eintritt, sich darin bis zur gegenüberliegenden Wand ausbreitet

und dadurch einen Theil der erwärmten, also ausgedehnten und darum

leichteren Zimmerluft emportreibt und längs der Decke zur oberen

Thüröffnung hinausschiebt. In jedem geheizten Zimmer, in welches durch

irgend eine Oeffnung von außen her die kältere Luft eintreten kann,

findet also ein beständiger Kreislauf der Luft statt, indem die Luft

unten der erwärmten Stelle zuströmt, oben von ihr hinwegzieht. Dieser

Kreislauf ist für bewohnte Räume sehr wichtig, da er einen beständigen

Ersatz der verbrauchten und für die Athmung untauglich gewordenen Luft

durch frische bewirkt.

=296. Warum= weht an Meeresküsten regelmäßig am Tage der Wind vom Meere

her, in der Nacht dagegen vom Lande gegen das Meer hin?

=Weil= das Land am Tage stärker erwärmt wird als das Meer, die stärker

erwärmte Luft über dem Lande daher aufwärts steigt, und die kühlere,

dichtere Seeluft nun nach dem Lande strömen muß, um das Gleichgewicht

herzustellen; während in der Nacht das Land sich vermöge seiner

stärkeren Ausstrahlung schneller abkühlt als das Meer, und die Luft

daher umgekehrt über dem Meere wärmer und leichter ist und in Folge

dessen aufsteigt, die kältere und schwerere Landluft aber nun dem Meere

zuströmen muß. Einen ähnlichen Wechsel der Luftströmungen beobachtet

man auch in den meisten Gebirgsgegenden, namentlich am Ausgange großer

Thäler. Die Sonne erwärmt nämlich am Tage die Berge mehr als die

Ebenen, in welche die Thäler münden, und die erwärmte Luft steigt auf,

während die kühlere Luft aus der Ebene einströmt. In der Nacht dagegen

kühlen sich die Berge stärker ab als die Ebenen, und die kältere Luft

strömt von den Bergen herab. Auf solchen Unterschieden der Erwärmung

beruht auch das Entstehen der Winde im Großen. Die in den Polargegenden

erkaltete schwere Luft strömt gegen die erwärmten Gegenden des

Aequators hin, während die erwärmte Luft von hier aufsteigt und

gegen die Pole hinströmt. Dabei verändert die Umdrehung der Erde

ihre Richtung; die kalten Polarströme bleiben etwas nach Westen

zurück, während die warmen Aequatorialströme nach Osten voraneilen.

Jene verursachen die bekannten Nordost- und Südostpassate, diese die

Südwest- und Nordwestwinde.

=297. Warum= kocht das Wasser in einem Topfe leichter, wenn man ihn

_über_ ein Feuer stellt, als wenn man ihn _an_ ein Feuer stellt?

=Weil= das Wasser als schlechter Wärmeleiter nur langsam die Wärme von

Theilchen zu Theilchen mittheilen kann, in einem Topfe, der am Feuer

steht, daher das Wasser am Boden noch lau geblieben sein kann, während

es an der Oberfläche fast kocht. Wenn aber das Wasser von unten her

erwärmt wird, so steigen die erwärmten und darum leichter gewordenen

Wassertheilchen aufwärts, während die kälteren und schwereren

hinabsinken und nun gleichfalls erwärmt werden können. Es entsteht

daher eine Kreisbewegung der Flüssigkeit, welche die gleichmäßige

Erwärmung der ganzen Wassermasse herbeiführt.

Die Veränderung der Aggregatzustände der Körper durch die Wärme.

Eine wichtige Wirkung der Wärme ist die Veränderung der

Aggregatzustände der Körper. Feste Körper werden durch die

Wärme in flüssige, flüssige Körper in luftförmige verwandelt.

Das Uebergehen aus dem festen in den flüssigen Zustand nennt

man Schmelzen, das Uebergehen aus dem flüssigen in den

luftförmigen Zustand Sieden oder Kochen. Diese Uebergänge

finden bei jedem Körper bei ganz bestimmten Temperaturen

statt, die man ihren Schmelzpunkt und ihren Siedepunkt nennt.

Wenn man einen schmelzbaren Körper erhitzt, so steigt seine

Temperatur so lange, bis er seinen Schmelzpunkt erreicht

hat; dann aber bleibt dieselbe unverändert, bis er ganz

flüssig geworden ist. Weil nun die während des Schmelzens

zuströmende Wärme keine Temperaturerhöhung bewirkt, so sagt

man: diese Wärme wird _gebunden_. Wenn der flüssige Körper in

Folge der Temperaturerniedrigung wieder fest wird, so wird

die beim Flüssigwerden gebundene Wärme wieder _frei_. Auch

beim Sieden wird Wärme gebunden, die bei der Rückkehr in den

flüssigen Zustand wieder frei wird. Wenn eine Flüssigkeit in

den luftförmigen Zustand übergeht, so bildet sie den _Dampf_.

Die Dampfbildung findet aber nicht allein bei der Temperatur

des Siedepunktes statt, welche allerdings nothwendig ist,

wenn die ganze Masse einer Flüssigkeit bis in ihr Inneres

luftförmig werden soll, sondern sie geht an der mit der Luft

in Berührung stehenden Oberfläche auch bei jeder Temperatur

vor sich. Eine solche Dampfbildung bei niedriger Temperatur

nennt man _Verdunstung_. Der Dampf hat, wie jede Luftart, das

Bestreben, sich auszudehnen, und dieses Bestreben nennt man

seine Spannkraft oder Expansion. Die Spannkraft des Dampfes ist

um so größer, je größer seine Dichtigkeit ist, oder je stärker

er bei derselben Dichtigkeit erwärmt wird.

=298. Warum= kann man Blei über einer Lampe schmelzen, Eisen aber nicht?

=Weil= jeder Körper, um zu schmelzen, d. h. um aus dem festen in den

flüssigen Zustand überzugehen, einer ganz bestimmten Temperatur bedarf,

das Eisen aber eine weit höhere Temperatur, nämlich mindestens 1200°

R., erfordert als das Blei, das schon bei 267° R. schmilzt. Die Flamme

einer Lampe vermag aber eine so hohe Temperatur, die dem Schmelzpunkte

des Eisens entspricht, nicht zu gewähren, da die darin stattfindende

Verbrennung nicht bedeutend genug ist, und überdies die umgebende Luft

einen großen Theil der Wärme entführt. -- Jedes Metall hat seinen

bestimmten Schmelzpunkt; das Kupfer schmilzt bei 840°, das Silber

bei 800°, das Zinn bei 188° R. Es giebt sogar eine Metallmischung,

aus 2 Theilen Wismuth, 1 Theil Blei und 1 Theil Zinn bereitet, die

schon unter der Temperatur des siedenden Wassers, nämlich bei 75° R.

schmilzt. Manche Körper sind schon bei sehr niederen Temperaturen

flüssig, der Schwefel bei 88°, das Wachs bei 49°, das Eis bei 0°,

und Terpentinöl kann sogar bis -8°, Quecksilber bis -31° R. erkältet

werden, ohne den flüssigen Zustand zu verlieren.

=299. Warum= bleibt im Frühjahr die Luft kühl, so lange noch Eis und

Schnee schmelzen?

=Weil= beim Schmelzen des Eises, wie beim Schmelzen jedes Körpers

überhaupt, Wärme verbraucht oder gebunden wird, diese Wärme aber der

Luft entzogen werden muß, deren Temperatur dadurch erniedrigt wird. Daß

beim Schmelzen Wärme gebunden wird, davon kann man sich überzeugen,

wenn man neben einander auf einen heißen Ofen einen Topf mit 1 Pfund

Schnee und einen anderen mit 1 Pfund Schneewasser von 0° Temperatur

stellt. Sobald der Schnee vollständig geschmolzen ist, wird man die

Temperatur des entstandenen Wassers nur zu 0° finden, während in dem

anderen Topfe das Wasser sich in derselben Zeit auf 64° R. erhöht hat.

Da aber beide Töpfe die Wärme vom Ofen empfangen haben, so müssen die

in dem einen Topfe fehlenden 64° Wärme in dem Schneewasser stecken,

also von dem schmelzenden Schnee verschluckt oder gebunden worden sein.

=300. Warum= gefriert im warmen Zimmer ein zinnerner Teller an den

Tisch fest, wenn man Wasser auf den Tisch gießt, den Teller darauf

setzt und Schnee oder gestoßenes Eis mit Kochsalz gemischt auf den

Teller legt?

=Weil= durch den schmelzenden Schnee auch das Kochsalz gelöst oder in

den flüssigen Zustand übergeführt wird, das Kochsalz aber, wie jeder

Körper, wenn er aus dem festen in den flüssigen Zustand übergeht,

Wärme dazu verbraucht, die er, wie man sagt, bindet, und die er seiner

Umgebung entziehen muß. Da nun der zinnerne Teller ein sehr guter

Wärmeleiter ist, so erstreckt sich diese Wärmeentziehung auch auf das

Wasser unter dem Teller. Durch die Wärmeentziehung wird aber Kälte

hervorgebracht, und in Folge dieser Kälte gefriert das Wasser unter

dem Teller. Eine noch weit stärkere Kälte als durch diese Mischung

von Salz und Schnee kann man durch eine Mischung von 6 Theilen

Glaubersalz und 4 Theilen Salzsäure, oder von 5 Theilen Salmiak, 5

Theilen Salpeter und 10 Theilen Wasser bewirken. Eine außerordentliche

Temperaturerniedrigung bis zu -24° R. kann man durch eine Mischung von

Schnee mit verdünnter Schwefelsäure erreichen, auch durch Mischen von 3

Theilen krystallisirtem Chlorcalcium und 2 Theilen Schnee oder Eis.

=301. Warum= pflegt im Winter die Kälte bei Schneefall gelinder zu

werden?

=Weil= bei der Schneebildung, also bei dem Uebergange des in der Luft

enthaltenen Wassers in den festen Zustand, wie beim Uebergange jedes

flüssigen Körpers in den festen Zustand, diejenige Wärmemenge wieder

frei wird, welche beim Schmelzen des festen Körpers gebunden wurde.

Deshalb kann man auch wohl zarte Pflanzen gegen Nachtfröste schützen,

wenn man Wasser in flachen Gefäßen in ihre Nähe stellt und gefrieren

läßt. Die beim Gefrieren des Wassers frei werdende Wärme schützt die

Pflanzen.

=302. Warum= thauen gefrorene Kartoffeln auf, wenn man sie in kaltes

Wasser legt?

=Weil= das Wasser, auch wenn es eiskalt ist, noch Wärme abgeben muß,

um zu gefrieren, und die beim Gefrieren des Wassers frei werdende

Wärme von den Kartoffeln aufgenommen wird und das Aufthauen derselben

bewirkt. Ebenso thaut auch eine Flasche mit gefrorenem Wein auf, wenn

man sie in eiskaltes Wasser stellt, während sich die Flasche äußerlich

mit Eis überzieht. Hier kommt noch dazu, daß der Wein eines noch viel

höheren Kältegrades zum Gefrieren bedarf, als das Wasser, und daher dem

Wasser noch weit mehr Wärme entzieht.

=303. Warum= trocknet feuchte Wäsche an der Luft?

=Weil= das Wasser, welches in der feuchten Wäsche vertheilt ist,

mit der Luft in Berührung verdunstet, die feuchtgewordene Luft aber

beständig durch neue trockne Luftschichten ersetzt wird, und daher

immer neue Luft mit dem verdunstenden Wasser in Berührung kommt. Da

dieser Wechsel der Luftschichten am schnellsten bei bewegter Luft

geschieht, so trocknet Wäsche auch im Winde am schnellsten.

=304. Warum= hängt man die Wäsche zum Trocknen auf?

=Weil= die Verdunstung nur an der Oberfläche vor sich geht, also um so

schneller erfolgen muß, eine je größere Oberfläche der Luft dargeboten

wird. Zusammengelegte Wäsche kann nur sehr langsam trocknen, weil die

Feuchtigkeit erst allmählich an die Oberfläche treten kann, nachdem an

dieser die vorhandene Feuchtigkeit verdunstet ist.

=305. Warum= trocknet die Wäsche an feuchten Herbsttagen oft gar nicht?

=Weil= an solchen Tagen die Luft selbst schon Wasserdampf enthält und

zwar bisweilen so viel, daß sie keinen mehr aufnehmen kann. Die Luft

kann nämlich bei einer bestimmten Temperatur nur eine ganz bestimmte

Menge von Wasserdampf in sich aufnehmen. Enthält sie diese Menge, so

ist sie gesättigt. In trockner Luft trocknet daher die Wäsche auch

besser als in feuchter. Ebenso trocknet sie auch besser in warmer Luft

als in kalter, da die warme Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann als

die kalte, also nicht so schnell gesättigt wird. Daß aber selbst bei

großer Kälte noch eine Verdunstung stattfindet, sehen wir daran, daß

Wäsche auch bei Frost trocknet, namentlich, wenn die Luft zugleich sehr

trocken ist.

=306. Warum= wird die Luft an heißen Sommertagen durch Regen abgekühlt?

=Weil= die Regentropfen in der warmen Luft, besonders aber an dem

warmen Erdboden und den warmen Gegenständen, mit denen sie in Berührung

kommen, verdunsten, bei dieser Verdunstung aber Wärme binden und diese

Wärme nun der umgebenden Luft entziehen, die dadurch abgekühlt wird.

=307. Warum= wird das Feuer durch Wasser gelöscht?

=Weil= das Wasser in der Hitze des Feuers verdampft, dabei aber Wärme

bindet und diese dem brennenden Körper entzieht, dessen Temperatur

dadurch bis zu einem Grade erniedrigt wird, bei welchem eine

Verbrennung nicht mehr fortbestehen kann.

=308. Warum= brennt nasses Holz schwerer und giebt auch beim Verbrennen

weniger Wärme als trockenes?

=Weil= die Feuchtigkeit des nassen Holzes in Folge der Erhitzung in

Dampf verwandelt wird, dabei aber ein Theil der Wärme, welche zur

Entzündung des Holzes dienen soll, verbraucht wird, indem diese von dem

Dampfe, in welchen die Flüssigkeit sich verwandelt, gebunden wird. Das

Holz kann erst dann anbrennen, wenn keine Verdampfung mehr stattfindet,

und die ganze Wärme zu seiner Entzündung verwandt wird. Nasses Holz

erfordert also einen höheren Hitzegrad, um auf diejenige Temperatur zu

gelangen, bei welcher eine Verbrennung möglich ist. Nasses Holz giebt

auch beim Verbrennen weniger Wärme als trockenes, weil auch während des

Verbrennens beständig Feuchtigkeit verdampft und die dazu erforderliche

Wärme der das Feuer umgebenden Luft entzogen wird.

=309. Warum= kann man im heißesten Sommer Flaschen Wein dadurch kühl

erhalten, daß man nasse Tücher darum schlägt?

=Weil= die Feuchtigkeit der nassen Tücher in der Hitze verdunstet und

zu diesem Uebergang in die Dampfform einer gewissen Wärmemenge bedarf,

die sie ihrer nächsten Umgebung, also der Flasche und durch diese

auch dem Wein entzieht. Man muß freilich die Tücher immer wieder aufs

Neue befeuchten, wenn das Wasser aus ihnen verdunstet ist, damit die

Verdunstung und die damit verbundene Abkühlung beständig fortdauert.

Noch stärker ist die Abkühlung, welche verdunstender Aether bewirkt.

Gießt man auf die mit Baumwolle umwickelte Kugel eines Thermometers

Aether, so sinkt das Quecksilber darin von +12° auf -12° R.

=310. Warum= erhalten sich Flüssigkeiten in porösen Gefäßen selbst im

heißesten Sommer sehr kühl?

=Weil= die Flüssigkeit, welche durch die Poren des Gefäßes dringt, die

äußere Oberfläche desselben beständig feucht erhält, diese Feuchtigkeit

aber in der äußeren warmen Luft beständig verdunstet, und, indem sie

dabei Wärme verbraucht, die sie der Flüssigkeit im Gefäße entzieht,

diese von allen Seiten beständig abkühlt. In Spanien und andern heißen

Ländern bedient man sich der sogenannten Alcarazza's zur Kühlung des

Wassers. Es sind dies sehr poröse Thongefäße, die mit Wasser gefüllt,

dem freien Luftzug ausgesetzt, aufgehängt werden.

=311. Warum= kann der Mensch einen bedeutenden Hitzegrad aushalten?

=Weil= der Mensch bei großer Hitze am ganzen Körper mit Schweiß bedeckt

wird, welcher aus den Poren seiner Haut hervordringt, dieser Schweiß

aber in Folge der großen Wärme verdunstet und bei dieser Verdunstung

bedeutende Wärmemengen bindet, die er der Haut entzieht. Durch diese

Wärmeentziehung wird aber eine Abkühlung der Haut bewirkt. Daher

empfinden wir die Hitze weit weniger unangenehm und drückend in sehr

trockener Luft, als in sehr feuchter, weil die letztere schon so viel

Wasserdampf enthält, daß sie keinen neuen mehr aufnehmen kann, dadurch

aber die rasche Verdunstung des Schweißes verhindert und uns so des

Gefühls der Abkühlung beraubt.

=312. Warum= hat man selbst an heißen Tagen, wenn man aus dem Bade

steigt, ein so auffallendes Gefühl von Kälte?

=Weil= das dem Körper anhängende Wasser sogleich zu verdunsten beginnt

und, da es dabei Wärme bindet, diese Wärme dem Körper entzieht. Da

aber wegen der Vertheilung des Wassers über eine so große Fläche diese

Verdunstung mit großer Schnelligkeit erfolgt, so hat der Körper nicht

Zeit, von innen heraus die der Haut entzogene Wärme wieder zu ersetzen.

=313. Warum= erkältet man sich leicht, wenn man seine naß gewordenen

Kleider anbehält?

=Weil= die Feuchtigkeit der Kleider, um in Dampf verwandelt zu

werden, sehr viel Wärme aufnehmen muß und diese dem menschlichen

Körper entzieht. Man empfindet diesen Wärmeverlust zunächst als

Kälte; er hat aber oft weit nachtheiligere Folgen durch die Störungen

der Hautthätigkeit, die er veranlaßt, und die zu Entzündungs- und

anderen Krankheiten führen können. Man kann sich vor der Erkältung

in naß gewordenen Kleidern, die man nicht ablegen kann, nur dadurch

einigermaßen schützen, daß man sich recht lebhaft bewegt, damit durch

den in Folge der Anstrengung erzeugten Ueberschuß von Wärme der durch

die Verdunstung erlittene Verlust an Körperwärme wieder ersetzt wird.

=313~a~.= Warum kann man den Feuchtigkeitsgehalt der Luft aus

dem Unterschied im Stande zweier Thermometer erkennen, wenn die

Quecksilberkugel des einen mit Musselin umwickelt ist, der in ein

darunter stehendes Gefäß mit Wasser taucht und dadurch beständig feucht

erhalten wird?

Warum und Weil. Physikalischer Teil. Fragen und Antworten aus den wichtigsten Gebieten der gesammten Naturlehre. · 第 10 / 18 段