=204. Warum= springt aus einer sogenannten Knallbüchse, einem

gewöhnlichen Spielzeuge für Kinder, ein an dem einen Ende in derselben

befindlicher Pfropfen mit einem heftigen Knalle heraus, sobald man an

dem anderen Ende den genau anschließenden Stempel der Knallbüchse, oder

durch denselben einen zweiten dicht anschließenden Pfropfen in dieselbe

hineintreibt?

=Weil= die Luft zwischen dem luftdicht schließenden Stempel und dem

ebenso luftdicht schließenden Pfropfen durch den hineingetriebenen

Stempel so sehr verdichtet wird, daß sie sich wieder mit der äußeren

Luft in Gleichgewicht zu setzen sucht, und daher in ihrem Bestreben,

sich in einen größeren Raum auszudehnen, den Pfropfen mit Gewalt und

unter heftigem Knalle heraustreibt.

=205. Warum= wird eine Kugel aus einer sogenannten Windbüchse mit

solcher Gewalt fortgetrieben, daß selbst Menschen dadurch getödtet

werden können?

=Weil= in dem hinteren metallenen Behälter der Windbüchse, der die Form

eines Flintenkolbens besitzt, zuvor mit Hülfe einer Druckpumpe die Luft

sehr stark zusammengepreßt ist und daher sich mit einer sehr großen

Spannkraft auszudehnen strebt. Wenn nun ein Ventil, vor dem die Kugel

unmittelbar liegt, geöffnet wird, so stürzt die Luft, ihrer großen

Spannkraft wegen, heraus und schleudert die Kugel mit großer Heftigkeit

fort. Ein bedeutender Knall kann dabei nicht erfolgen, weil bei der

Windbüchse vor und hinter der Kugel während des Abschießens verdichtete

Luft vorhanden ist, während beim Feuergewehr durch die Abkühlung der

Pulvergase sich ein sehr stark luftverdünnter Raum bildet, in welchen

die umgebende atmosphärische Luft mit großer Heftigkeit stürzt, wodurch

eben der Knall entsteht.

[Illustration: Fig. 43.]

=206. Warum= springt aus dem sogenannten _Heronsballe_ Wasser heraus,

wenn man zuvor Luft hineingeblasen hat?

=Weil=, wenn der Glaskolben oder die Glaskugel, woraus der Heronsball

besteht, soweit mit Wasser angefüllt ist, daß die luftdicht in den

oberen Theil derselben eingekittete gläserne Röhre mit ihrem unteren

Ende unter Wasser steht, die hineingeblasene Luft durch das Wasser in

dem Gefäße empor steigt, sich in den über dem Wasser befindlichen,

mit Luft erfüllten Raum begiebt und dadurch diese Luft verdichtet, so

daß diese innere Luft nunmehr eine größere Dichtigkeit und Spannkraft

besitzt als die äußere, und mit so großer Heftigkeit auf die Oberfläche

des Wassers drückt, daß dasselbe durch die Röhre in einem Strahl

herausgetrieben wird. Dies wird so lange geschehen, bis die innere Luft

sich in einen größeren Raum wieder ausgedehnt hat, und dadurch das

Gleichgewicht zwischen der äußeren und inneren Luft wieder hergestellt

worden ist. -- Der Heronsball hat seinen Namen von dem griechischen

Gelehrten _Heron_, der um das Jahr 250 v. Chr. zu Alexandrien lebte und

bereits die Erscheinungen des Hebers kannte und den Windkessel erfand.

[Illustration: Fig. 44.]

=207. Warum= spritzt das Wasser bei einer Feuerspritze in einem

ununterbrochenen Strahle haushoch empor?

=Weil= die Luft in dem sogenannten Windkessel, durch den Druck des

Wassers, welches mit Hülfe zweier Druckpumpen in den Windkessel

getrieben wird, gewaltsam zusammengepreßt, das Wasser in das nahe am

Boden mündende Steigrohr hineintreibt. Da aber dieses Steigrohr anfangs

gleichfalls durch einen Hahn verschlossen ist, das Wasser also durch

dieses auch nicht entweichen kann, so wird die Luft in dem oberen

Theile des Windkessels durch das neu eintretende Wasser mehr und mehr

zusammengedrückt und erreicht endlich eine solche Spannkraft, daß, wenn

der Hahn geöffnet wird, sie das Wasser in einem hohen Strahle durch

das Steigrohr und den Spritzenschlauch hinaustreibt. Die Feuerspritze

besteht also eigentlich aus einem großen Heronsball, in welchen zwei

Druckpumpen abwechselnd das Wasser hineintreiben.

=208. Warum= steigen kleine, aus Goldschlägerhaut oder aus Collodium

verfertigte Ballons in die Höhe, wenn sie mit Leuchtgas oder mit

Wasserstoffgas gefüllt sind?

=Weil= jeder in der Luft befindliche Körper so viel an Gewicht

verliert, als die durch ihn verdrängte Luftmasse wiegt, ein Körper

also, der, wie das Wasserstoffgas, viel weniger wiegt, als die gleiche

Raummenge Luft, die durch ihn verdrängt wird, ebenso in der Luft

schwimmen muß, wie ein Stück Holz oder eine lufterfüllte Blase im

Wasser schwimmt. Wasserstoff ist 14½mal leichter als atmosphärische

Luft, Leuchtgas 2½mal so leicht. Ein mit solchem Gase gefüllter

Ballon muß so hoch steigen, bis die Luft, in welche er gelangt,

ebenfalls nicht dichter ist als das Gas, welches ihn erfüllt. Ein

mit Wasserstoffgas gefüllter Ballon steigt darum höher als ein mit

Leuchtgas gefüllter.

=209. Warum= steigt ein Luftballon, unter dessen unterer Oeffnung man

ein Stroh- oder Spiritusfeuer angezündet hat?

=Weil= die Luft im Innern des Ballons durch das Feuer erwärmt und

ausgedehnt wird, diese ausgedehnte und verdünnte Luft aber leichter

ist, als die den Ballon umgebende atmosphärische Luft, so daß die den

Ballon erfüllende Luft sammt der taffetnen Hülle und selbst sammt der

darangehängten Gondel und den etwa darin befindlichen Personen weniger

wiegt als die Luftmenge, welche er aus der Stelle drängt. Den ersten

solcher mit erwärmter Luft gefüllten Luftballons ließen die Gebrüder

_Montgolfier_ am 5. Juni 1783 zu Annonai in Frankreich steigen. Den

ersten mit Wasserstoffgas gefüllten Luftballon ließ _Charles_ am

27. August 1783 zu Paris aufsteigen. Man nennt deshalb auch die mit

erwärmter Luft gefüllten Ballons Montgolfieren, die mit Wasserstoff

gefüllten Charlieren. Der Erste, der es wagte, mit einem Luftballon

aufzusteigen, war _Pilâtre de Rozier_, der schon am 15. October 1783

mit Hülfe einer Montgolfiere sich bis zu 26 Meter Höhe erhob. Die

größte Höhe wurde wohl von dem berühmten Physiker _Gay-Lussac_, der

sich im Jahre 1804 bis zu 6550 Meter, und von dem neueren Luftschiffer

_Green_, der sich bis zu 8460 Meter erhob, erreicht. Neuerdings sollen

sogar Höhen von 10--11000 Metern erreicht worden sein (Glaisher und

Coxwell am 17. Juli 1862).

Chemische und physiologische Wirkungen der Luft.

Die atmosphärische Luft, welche uns umgiebt, ist im

Wesentlichen ein Gemenge von zwei verschiedenen Luftarten, die

man Sauerstoff und Stickstoff nennt, und zwar besteht sie zu

4/5 aus Stickstoff und zu 1/5 aus Sauerstoff. Genauer sind in

je 100 Litern Luft 79 Liter Stickstoff und 21 Liter Sauerstoff

enthalten. Außerdem befinden sich aber auch in der Atmosphäre

stets eine gewisse Menge Wasserdampf und eine geringe Menge

Kohlensäure, die sich durch die Verbrennung aus Kohle und

Sauerstoff, durch Athmung und den Verwesungsprozeß bildet.

Alle Verbrennung besteht nämlich in der Verbindung brennbarer

Körper mit Sauerstoff. Zum Zustandekommen einer Verbrennung ist

gewöhnlich eine gewisse Wärme nöthig. Jede lebhafte Verbrennung

ist mit Wärme- und Lichtentwicklung verbunden. Der Sauerstoff

ist aber nicht blos nothwendig zur Erhaltung der Verbrennung,

sondern auch zur Unterhaltung der Athmung. Das athmende Thier

und der athmende Mensch nehmen Sauerstoff in ihre Lungen auf.

Dieser Sauerstoff kommt hier mit dem Blute in Berührung und

verbindet sich zum Theil mit dem Kohlenstoff desselben zur

Kohlensäure, die dann ausgeathmet wird. Der Sauerstoff wird

deshalb auch Lebensluft genannt im Gegensatz zur Stickluft

oder dem Stickstoffgas, in welchem kein Thier athmen oder

leben kann. Daß die großen Mengen von Kohlensäure, welche

durch Verbrennung und Athmung beständig erzeugt werden, die

atmosphärische Luft nicht verderben, sogar ihren Gehalt an

Kohlensäure überhaupt nicht vermehren, liegt größtentheils

daran, daß die Pflanzen die Kohlensäure aufnehmen und dafür

unter dem Einfluß des Lichtes Sauerstoff aushauchen.

=210. Warum= kann eine Kerze nicht fortbrennen, die man unter die

Glocke einer Luftpumpe bringt, wenn man die Luft aus der Glocke

auspumpt?

=Weil= nach dem Auspumpen der Luft in der Glocke überhaupt keine

Luft, also auch kein Sauerstoff mehr vorhanden ist, mit welchem ein

brennbarer Körper sich verbinden könnte, alle Verbrennung aber, also

auch die der Kerze, nur in einer Verbindung mit Sauerstoff besteht.

=211. Warum= bedecken sich kupferne Dächer und Statuen aus Bronce im

Laufe der Jahre mit einem grünen Ueberzuge?

=Weil= die in der Luft enthaltene Kohlensäure, ferner der Sauerstoff

und Wasserdampf derselben, ein großes Vereinigungsbestreben (chemische

Affinität) zu fast allen Metallen haben. Das Dach und die Statue

bedecken sich deßhalb allmählich mit einer dünnen Schicht von

kohlensaurem Kupfer, welche man mit dem Namen »grüne Patina« bezeichnet.

=212. Warum= erlischt ein Licht, das wir auf einem Korkstückchen auf

Wasser schwimmen lassen, sehr bald, wenn wir eine Glasglocke so darüber

stellen, daß das Wasser ringsum den Eintritt der Luft verhindert?

=Weil= das brennende Licht sehr bald den in dem abgeschlossenen

Raume vorhandenen Sauerstoff verzehrt, neue Luft und also auch neuer

Sauerstoff aber durch das Wasser nicht hinzutreten kann, und die Flamme

daher endlich keine Nahrung mehr findet. Nach dem Erlöschen des Lichtes

steigt das Wasser in der Glasglocke etwas in die Höhe, steht also darin

etwas höher als außerhalb, weil die durch das Verbrennen erzeugte

Kohlensäure zum Theil von dem Wasser verschluckt wird, und das Wasser

nun die Stelle des von der Flamme verzehrten Sauerstoffs einnehmen muß.

Allerdings ist noch Luft in der Glasglocke vorhanden, aber diese Luft

ist Stickstoff, der die Flamme nicht zu ernähren vermag.

=213. Warum= raucht eine Lampe, wenn man den Cylinder abnimmt, und ein

Ofen, wenn er keinen Zug hat?

=Weil= in beiden Fällen nicht Sauerstoff genug der Flamme zugeführt

wird, der Kohlenstoff daher nicht vollständig verbrennen kann und

sich nun unverbrannt ausscheidet. Der Rauch ist nichts anders als ein

Gemisch der durch die unvollständige Verbrennung erzeugten Luftarten

mit unverbranntem Kohlenstoff.

=214. Warum= kann in einem Keller, in welchem sich Wein im Zustande der

Gährung befindet, kein Licht fortbrennen?

=Weil= sich bei der Gährung dieselbe Luftart entwickelt, die auch bei

der Verbrennung des Kohlenstoffs entsteht, und weil diese Luftart,

die sogenannte Kohlensäure, nicht fähig ist, diese Verbrennung zu

unterhalten.

=215. Warum= wird ein Feuer durch Wind noch mehr angefacht?

=Weil= der Wind als bewegte Luft dem Feuer beständig neuen Sauerstoff

zuführt und dieses dadurch immer neue Nahrung gewinnt, während im

ruhigen Zustande die Luft in der Umgebung des Feuers allmählich

ihres Sauerstoffs beraubt wird und daher zur Unterhaltung des Feuers

nicht mehr beitragen kann. Das Fortbrennen des Feuers wird daher nur

ermöglicht durch ein beständiges Zuströmen frischer Luft, welche an die

Stelle der verbrauchten tritt.

=216. Warum= wird ein Feuer durch Blasen angefacht?

=Weil= der durch das Blasen dem Feuer zugeführte dichtere Luftstrom

mehr Sauerstoff enthält, als gewöhnliche atmosphärische Luft, und daher

auch das Verbrennen noch mehr befördert, so daß die Flamme dadurch

lebhafter wird.

=217. Warum= erhöht ein Strom kalter Luft, besonders aus einem

Blasebalge, auf weißglühendes Eisen gerichtet, die Hitze desselben so,

daß es zu schmelzen beginnt?

=Weil= durch den Blasebalg die ohnehin schon dichtere kalte Luft sehr

zusammengepreßt wird und wegen ihrer großen Dichtigkeit daher auch eine

sehr große Menge Sauerstoff dem glühenden Eisen zuführt, so daß dies

durch die Hitze der lebhafteren Verbrennung zum Schmelzen gebracht wird.

=218. Warum= erlischt das Feuer in einem Schornsteine sogleich, wenn

derselbe oben durch einen nassen Sack zugedeckt wird?

=Weil= zum Verbrennen durchaus Luft erforderlich ist, welche Sauerstoff

enthält, wie die atmosphärische Luft. Da sich nun der Sauerstoff der

Luft beim Verbrennen beständig mit dem verbrennenden Körper verbindet,

so muß zur Unterhaltung des Feuers immerfort neue Luft hinzutreten.

Bei Zudeckung des Schornsteins vermag aber die verdorbene Luft nach

oben nicht zu entweichen und daher auch von unten nicht frische Luft

zuzuströmen; dem Feuer fehlt es also endlich an Nahrung, und es

erlischt.

=219. Warum= erlischt das Feuer in einem Schornsteine, wenn man im

unteren Theile desselben Schwefel verbrennt?

=Weil= bei der Verbrennung des Schwefels eine Luftart, die sogenannte

schweflige Säure, erzeugt wird, die natürlich selbst nicht mehr die

Verbrennung unterhalten kann, die aber vermöge ihrer großen Schwere

den unteren Theil des Schornsteins erfüllt und daher keine neue

atmosphärische Luft von unten hinzutreten läßt, welche der Flamme neue

Nahrung zuführen könnte. Da aber auch von oben keine frische Luft

zutreten kann, weil dort die durch die Verbrennung ihres Sauerstoffs

beraubte und durch die Wärme ausgedehnte Luft gewaltsam ausströmt, so

muß das Feuer im Schornstein, seiner Nahrung völlig beraubt, allmählich

erlöschen.

=220. Warum= erlischt das Feuer bisweilen in einem brennenden Zimmer

von selbst, wenn Thüren und Fenster desselben dicht verschlossen

gehalten werden?

=Weil=, obgleich die äußere Luft wegen der Ritzen in den Thüren

und Fenstern zwar einigen Zutritt zu dem Zimmer hat, doch bei

verschlossenen Thüren und Fenstern nicht genug frische Luft eindringen

kann, um die Verbrennung auf die Dauer zu unterhalten. Soll ein Feuer

fortbrennen, so muß die dasselbe umgebende Luft, welche bereits ihren

Sauerstoff an die Flamme abgegeben hat und daher zum Verbrennen nicht

mehr tauglich ist, beständig durch frisch zuströmende sauerstoffhaltige

Luft ersetzt werden. Soll aber ein Feuer erlöschen, so muß man dasselbe

gegen das Hinzutreten frischer Luft absperren. Brennende Keller löscht

man daher am besten, indem man ihre Oeffnungen durch nasse Säcke oder

nassen Sand oder selbst Mist verschließt. Brennendes Fett oder Oel

wird durch Ueberdecken mit einem festen Körper, selbst mit Sägespähnen

gelöscht.

=221. Warum= sterben Thiere in einem luftleeren Raume?

=Weil= zur Erhaltung ihres Lebens durchaus das Einathmen

sauerstoffhaltiger Luft erforderlich ist und es in einem luftleeren

Raume, da überhaupt keine Luft vorhanden ist, natürlich auch an dem

nothwendigen Sauerstoff fehlt. Die Thiere kommen um, gerade wie ein

Feuer erlischt, dem die zur Unterhaltung des Verbrennens erforderliche

sauerstoffhaltige Luft nicht zugeführt wird. Wo daher kein Licht

brennen kann, da kann auch kein Thier leben, mag nun der Grund darin

liegen, daß die anwesende Luft keinen Sauerstoff enthält, oder daß

überhaupt gar keine Luft vorhanden ist.

=222. Warum= muß eine auf den Grund des Meeres gelassene Taucherglocke

von Zeit zu Zeit wieder heraufgezogen werden, damit der darin

befindliche Mensch fortleben kann?

=Weil= die in der Taucherglocke enthaltene atmosphärische Luft durch

das Athmen denjenigen Bestandtheil verliert, welcher allein zum

Fortbestehen des Lebens nothwendig ist, nämlich den Sauerstoff, der

übrig bleibende Theil, der Stickstoff, aber so wenig wie die von dem

Menschen ausgeathmete Luft, die Kohlensäure, zum Einathmen tauglich

ist. Bei den neueren Tauchapparaten pflegt man deshalb den darin am

Meeresgrunde arbeitenden Menschen durch Druckpumpen in Schläuchen

beständig frische Luft zuzuführen.

=223. Warum= sterben oft viele Menschen, wenn eine große Menge

derselben in einem engen, verschlossenen Raume zusammengesperrt wird?

=Weil= die von den Menschen eingeathmete Luft ihren Sauerstoff in den

Lungen an das Blut abgiebt, beim Ausathmen dagegen nur Kohlensäure

und Stickstoff von den Lungen wieder ausgestoßen werden, diese beiden

Luftarten aber nicht zur Athmung und zur weiteren Unterhaltung des

Lebens tauglich sind. Befinden sich daher viele Menschen in einem

engen, abgeschlossenen Raume, so wird der Sauerstoff der Luft, da keine

frische Luft zutreten kann, sehr bald durch das Athmen erschöpft, und

die Menschen müssen ersticken aus Mangel an sauerstoffhaltiger Luft.

=224. Warum= ist es lebensgefährlich, sich in Keller zu wagen, worin

Wein oder Bier sich im Zustande der Gährung befinden?

=Weil= die beim Gähren sich entwickelnde Luftart, die Kohlensäure,

nicht zum Athmen tauglich ist und daher, wenn sie eingeathmet wird, die

Lebensthätigkeit, welche eine beständige Verjüngung des Blutes durch

Sauerstoff erfordert, nicht mehr zu erhalten vermag.

=225. Warum= kommen oft Menschen um, die in lange verschlossen gewesene

Bergwerksgruben, Brunnen oder Kloaken hinabsteigen?

=Weil= in solchen Oertlichkeiten sich Luftarten entwickeln, die

nicht zum Einathmen tauglich und für die Lungen oft geradezu giftig

sind. In Brunnen und Bergwerken ist es gewöhnlich die Kohlensäure,

die sich dort erzeugt und wegen ihrer großen specifischen Schwere

am Boden lagert. In Abtrittsgruben und Kloaken ist es das noch

gefährlichere Schwefelwasserstoffgas, welches die Erstickung bewirkt.

In Steinkohlengruben entwickelt sich oft auch das sogenannte Grubengas

oder Kohlenwasserstoffgas, das ebensowenig für die Athmung tauglich

ist, das sich aber auch sehr leicht an der Lampe des Bergmanns

entzündet und dadurch furchtbare Explosionen veranlaßt. Um sich vor

der Gefahr des Erstickens in Brunnen, Kellern und Abtrittsgruben zu

schützen, ist es nothwendig, daß man vor dem Hinabsteigen sich von dem

Vorhandensein schädlicher Gase überzeugt. Man lasse daher eine an einer

Leine befestigte Laterne hinab, in welcher ein Licht brennt. Verlöscht

dieses, so sind sicher Luftarten vorhanden, die auch für die Athmung

schädlich sind. Um dann die Luft in diesen Räumen zu reinigen, kann

man hineinschießen oder brennende Strohbündel hineinwerfen und dadurch

eine Bewegung der Luft hervorrufen. Noch besser aber ist es, Chlorkalk

oder gebrannten Kalk oder Lappen, die mit Kalkmilch oder Salmiakgeist

getränkt sind, hinabzuwerfen, weil dadurch die schädlichen Luftarten

zerstört oder, indem sie sich mit dem Kalk oder Salmiakgeist verbinden,

unschädlich gemacht werden.

=226. Warum= kommen sehr oft Menschen um, die sich in einer geheizten

Stube schlafen legen, wenn sie nach dem Abbrennen des Feuers die

Ofenklappe zu früh zugedreht haben?

=Weil= die glimmenden Kohlen, wenn die Luft von ihnen abgesperrt ist,

nicht mehr genug Sauerstoff finden, um vollkommen zu verbrennen, und

dann eine eigenthümliche Luftart entwickeln, die man im gemeinen Leben

als Kohlendampf bezeichnet, die aber im Wesentlichen eine Verbindung

der Kohle mit einer geringeren Menge von Sauerstoff ist, als in der

Kohlensäure vorhanden ist. Diese Luftart oder das Kohlenoxydgas kann

nun nicht mehr durch den Schornstein entweichen, dringt daher in das

Zimmer und wird von der schlafenden Person eingeathmet. Sie wirkt

aber, eingeathmet, in den Lungen giftig und todbringend. Dasselbe

giftige Gas entsteht auch in Kohlenbecken, weil die über den glimmenden

Kohlen liegende Asche den Zutritt der Luft erschwert. Es ist daher auch

gefährlich, Kohlenbecken in Zimmern, namentlich während der Nacht,

stehen zu lassen.

Vom Schalle.

Schall ist die Wirkung der Erschütterung der Theilchen

eines Körpers, welche sich durch die Luft unserem Hörorgan

mittheilt. Die Bewegung, auf welcher der Schall beruht, ist

eine eigenthümlich zitternde oder schwingende. Man kann diese

Schwingungen bisweilen sehen und fühlen. Man sieht sie in

dem Schwirren einer tönenden Saite oder in dem Hüpfen des

Sandes auf dem Resonanzboden eines Klaviers, während dies

gespielt wird. Man fühlt sie, wenn man an eine etwas große

Glocke schlägt und dann leise die Fingerspitze an ihren Rand

legt; man fühlt dann deutlich, daß der entstandene Schall von

einem inneren Erzittern der äußerlich ganz in Ruhe bleibenden

Glocke begleitet ist. Daß aber auch in der Luft solche

Schwingungen stattfinden, davon überzeugt uns das Zerspringen

der Fensterscheiben durch den Knall einer in der Nähe

losgeschossenen Kanone, sowie das Erzittern der Fenster und der

Thüren während eines heftigen Donnerschlages. Je nachdem der

Schall auf einer einmaligen, plötzlichen, oder auf einer sich

wiederholenden und andauernden Erschütterung beruht, und je

nachdem die Schallschwingungen regelmäßig oder unregelmäßig,

gleichartig oder ungleichartig auf einander folgen,

unterscheiden wir zwischen einem Knall, einem Geräusch, einem

Ton oder Klang. Eine einmalige, sehr heftige Erschütterung

der Luft, der keine andere nachfolgt, ist ein Knall. Viele,

aber ungleichartig und unregelmäßig auf einander folgende

Schallschwingungen erzeugen ein Geräusch oder einen Lärm,

und zwar je nach der Empfindung unseres Ohres ein Rauschen,

Brausen, Rollen, Klirren, Knarren, Rasseln etc. Gleichartige

Schwingungen, die mit einer gewissen Regelmäßigkeit und mit

einer bestimmten Geschwindigkeit einander folgen, empfinden wir

als Ton oder Klang.

=227. Warum= vernehmen wir einen Schall, wenn wir mit einem Stocke

gegen einen Stein schlagen?

=Weil= durch das Anschlagen des Stockes gegen den Stein zunächst die

Theile desselben, welche der Schlag trifft, heftig erschüttert werden,

und diese Erschütterung den nächsten Theilchen mitgetheilt wird und

so fort. Da nun der Körper von Luft umgeben ist, so werden auch die

dem erschütterten Körper zunächst liegenden Lufttheilchen gleichfalls

erschüttert, und diese Erschütterung pflanzt sich immer weiter fort,

bis sie diejenigen Lufttheilchen erreicht, die unsern Gehörwerkzeugen

zunächst sind, und in diesen daher die Empfindung des Schalles erregt.

[Illustration: Fig. 45.]

=228. Warum= vernehmen wir einen Knall, wenn wir mit einer Peitsche

heftig durch die Luft fahren?

=Weil= durch die heftige Bewegung der Peitsche eine Menge Luft

plötzlich aus ihrer Lage gedrängt wird, und in Folge dessen abwechselnd

verdichtete und verdünnte Luftschichten entstehen, ähnlich wie in einer

größeren Wassermasse, in welcher wir eine kleine Menge Wasser plötzlich

aus ihrer Lage drängen, indem wir z. B. einen Stein hineinwerfen,

abwechselnde Wasserberge und Wasserthäler entstehen. Der Stein

drängt nämlich das Wasser nach allen Seiten, und da das Wasser nicht

zusammendrückbar ist, so muß rings um den Stein sich eine Erhöhung

bilden. Diese fließt nach außen und nach innen ab, und die abfließende

Wassermenge veranlaßt auf der zunächstliegenden Fläche die Entstehung

einer neuen ringförmigen Erhöhung und scheint so nach außen, sich

immer mehr erweiternd, fortzuschreiten. Ein ähnlicher Vorgang muß auch

in der Luft eintreten, wenn der Schlag der Peitsche die plötzliche

Verschiebung einer Luftmenge bewirkt, nur mit dem Unterschiede, daß

die Luft zusammendrückbar ist und daher, statt der Wellenberge und

Wellenthäler, sich ringsum kugelförmig verbreitende verdichtete und

verdünnte Luftschichten entstehen müssen.

=229. Warum= hört man den Wecker eines Uhrwerks unter der Glocke einer

Luftpumpe nicht mehr, wenn die Luft ausgepumpt ist?

=Weil= die Schwingungen der Weckerglocke durch die Luft fortgepflanzt

und unserem Ohre mitgetheilt werden müssen, wenn wir sie als Schall

empfinden sollen. Wenn aber die Luft fehlt, so können die Schwingungen

sich auch nicht von dem schallenden Körper weiter verbreiten.

=230. Warum= hören wir einen Schall in der Nähe stärker als in der

Ferne?

=Weil= die Schallwellen sich wie Hohlkugeln um den schallenden Körper

ausbreiten, jede Bewegung aber an Stärke in demselben Verhältniß

abnehmen muß, in welchem die Fläche wächst, über welche sie sich

ausbreitet. Eine Schallwelle breitet sich in der doppelten Entfernung

auf eine 4mal so große Fläche aus, und die Erschütterung, die

sie bewirkt, kann nur noch ¼ so stark sein, als in der einfachen

Entfernung. Von der Stärke der Erschütterung hängt aber die Wirkung des

Schalles auf unser Gehörorgan ab; wir hören darum den Schall in der

doppelten Entfernung auch nur ¼mal so stark.

=231. Warum= geben einige Körper beim Anschlagen einen stärkeren Schall

als andere?

Warum und Weil. Physikalischer Teil. Fragen und Antworten aus den wichtigsten Gebieten der gesammten Naturlehre. · 第 7 / 18 段