wird, heißt Barometer, wohl auch im gemeinen Leben Wetterglas.
Es besteht in einer gläsernen Röhre, deren oberes Ende
zugeschmolzen ist, während das untere Ende derselben gewöhnlich
umgebogen ist und in ein kugelförmiges oder birnförmiges Gefäß
ausläuft, welches offen ist. Diese Röhre, welche etwas über 28
Zoll oder 760 Millimeter lang sein muß, wird mit Quecksilber
angefüllt, nachdem jedoch so viel als möglich zuvor die
Luft daraus entfernt worden ist. Ebenso müssen zuvor alle
Lufttheilchen aus dem Quecksilber durch Kochen ausgetrieben
werden. Doch muß man bei diesem Auskochen vorsichtig zu
Werke gehen, daß nicht etwa die Glasröhre zerbricht und das
Quecksilber in das Feuer läuft, da die dann entstehenden
Quecksilberdämpfe giftig und beim Einathmen lebensgefährlich
sind. -- Da der Druck der Luft sehr veränderlich, bald größer,
bald geringer ist, so wird auch die Höhe der Quecksilbersäule
in dem längeren Schenkel der Röhre bald höher, bald niedriger
sein. Man kann daher schließen: je höher die Quecksilbersäule
in dem längeren Schenkel steht, desto größer muß der Druck
der Luft sein; je niedriger dagegen die Quecksilbersäule in
dem längeren Schenkel steht, desto geringer muß der Druck
der Luft sein. Je höher ferner die Quecksilbersäule in dem
längeren Schenkel steht, desto weniger Quecksilber ist in dem
kugelförmigen Gefäße des kleinen Schenkels; dagegen ist desto
mehr Quecksilber darin, je niedriger die Quecksilbersäule in
dem längeren Schenkel steht. Auch muß man bedenken, daß das
Quecksilber in dem unteren Stücke des längeren Schenkels,
welches dem kleineren Schenkel der Röhre gleich ist, durch das
in dem letzteren Schenkel befindliche Quecksilber getragen
wird, und daß daher die Quecksilbersäule, welche durch den
Luftdruck gehalten wird, erst von diesem Theile des längeren
Schenkels anfängt. An dem oberen Ende des längeren Schenkels
ist eine Skala angebracht, an der man beobachten kann, wie weit
das Quecksilber gestiegen oder gefallen ist. Dieses Instrument
heißt darum auch Wetterglas, weil es zugleich bevorstehende
Aenderungen des Wetters andeutet. Der Grund davon liegt darin,
daß die mit Feuchtigkeit erfüllte warme, also leichtere Luft
einen geringeren Druck ausübt, als völlig trockne und kalte,
also schwerere Luft; weswegen im ersteren Falle das Barometer
fällt, während es im letzteren steigt. Dazu kommt, daß der
Wechsel der Luftströmung gewöhnlich in den oberen Regionen
früher als in den unteren eintritt, und indem derselbe den
Luftdruck vermehrt oder vermindert, das Barometer schon steigt
oder fällt, ehe noch die Drehung der Windfahne eine Aenderung
des in den unteren Regionen herrschenden Windes angezeigt hat
und ein Witterungswechsel eingetreten ist. Das Steigen des
Quecksilbers im Barometer zeigt daher in der Regel schönes
Wetter an, während das Fallen desselben Regenwetter ankündigt.
-- Der Druck der Luft wurde zuerst von _Torricelli_, einem
Schüler _Galilei's_, im Jahre 1643 entdeckt und durch einen
Versuch nachgewiesen, aus welchem sich später das Barometer
entwickelte.
=172. Warum= fällt das Quecksilber in dem Barometer, das wir beim
Ersteigen eines Berges bei uns führen?
=Weil=, je weiter wir uns von dem Meeresspiegel entfernen, oder je
höher wir steigen, eine desto kürzere und darum leichtere Luftsäule
auf das Quecksilber des Barometers drückt und dieses daher, seiner
Schwerkraft folgend, etwas herabsinken muß. Auf dem Brocken steht die
Quecksilbersäule im Barometer nur 640 Millimeter, auf dem Montblanc
sogar nur 330 Millimeter hoch, während sie am Meeresspiegel 760
Millimeter hoch steht. Man kann daher auch das Barometer benutzen, um
Bergeshöhen zu messen. Jeder Millimeter, um den das Barometer fällt,
entspricht in den unteren Regionen einer Höhe von 10½ Meter.
=173. Warum= fällt das Quecksilber im Barometer bei feuchtem Wetter?
=Weil= die Luft um so stärkeren Druck ausübt und um so elastischer
ist, je vollkommener luftartig die mit ihr gemischten Dünste sind, der
Luftdruck dagegen um so geringer, die Luft um so weniger elastisch
ist, je mehr wässriger Natur ihre Dünste werden, wie es bei feuchtem
Wetter der Fall ist. Der geringere Luftdruck bewirkt daher, daß die
Quecksilbersäule im Barometer bei feuchtem Wetter fällt.
=174. Warum= steigt das Wasser in Pumpen nicht höher als 32 Fuß oder 10
Meter empor?
=Weil= durch den Druck der äußeren Luft, welcher das Wasser in den
luftleeren Raum der Pumpenröhre hineindrängt, nur eine Wassersäule
gehoben werden kann, die dem Drucke der Luft das Gleichgewicht hält.
Das ist aber eine Wassersäule von 32 Fuß oder 10 Meter Höhe. Von dem
14mal schwereren Quecksilber vermag darum nur eine Säule von dem 14ten
Theile dieser Höhe, also von 28 Zoll oder 760 Millimeter Höhe, durch
den Druck der atmosphärischen Luft getragen zu werden.
=175. Warum= behält eine mit Wasser angefüllte Flasche, die man blos
mit der Mündung in's Wasser taucht, während der übrige Theil derselben
über die Oberfläche desselben hervorragt, ihr ganzes darin befindliches
Wasser?
=Weil= der Druck der atmosphärischen Luft auf die Oberfläche des
Wassers, in das man die Mündung der Flasche getaucht hat, so groß ist,
daß das in der Flasche befindliche Wasser durch diesen Druck getragen
wird; der Druck der atmosphärischen Luft vermag ja sogar, wie wir
gesehen haben, eine Wassersäule von 32 Fuß oder 10 Meter Höhe zu tragen.
[Illustration: Fig. 36.]
=176. Warum= bleibt das Wasser in einem Glase, auf dessen Rand man ein
Stück steifes Papier drückt, wenn man die eine Hand auf das Papier
legt, das Glas mit der andern umdreht, und darauf die auf das Papier
gelegte Hand wegzieht?
=Weil= der Druck der atmosphärischen Luft das im Glase befindliche
Wasser trägt, dem Drucke der Luft von unten aber kein Luftdruck auf
die Oberfläche des Wassers entgegenwirkt, wodurch der Druck von unten
aufgehoben würde. Das Papierblatt dient nur dazu, zu verhindern, daß
das Wasser und die drückende Luft sich gegenseitig ausweichen, die Luft
in dem Wasser emporsteigen und das Wasser an Stelle der ausweichenden
Luft herabsinken kann. Zieht man daher das Papier unter dem Glase
hinweg, so stürzt das Wasser sogleich wegen des geringen Zusammenhanges
seiner Theilchen heraus.
=177. Warum= läuft keine Flüssigkeit aus einem Fasse beim Oeffnen des
Hahnes heraus, wenn das Spundloch oben durch den Spund verschlossen ist?
=Weil= der Druck der Luft auf die Oeffnung des Hahnes das Herausströmen
der Flüssigkeit hindert, so lange der Verschluß des oberen Spundlochs
der Luft nicht gestattet, auf die Oberfläche der Flüssigkeit zu drücken
und dadurch den unteren Luftdruck aufzuheben. Würde dagegen das
Spundloch geöffnet, so würde die Flüssigkeit zum Hahne herausströmen,
da in diesem Falle die Luft von oben eben so stark drückte als von
unten.
[Illustration: Fig. 37.]
=178. Warum= strömt Wasser aus einem Brunnen heraus, wenn wir pumpen?
=Weil= durch das Herausziehen der Pumpenstange ein luftleerer Raum
in dem unteren Theile der Brunnenröhre zwischen dem Kolben an der
Stange und der Wasserfläche entsteht, und daher durch den Druck der
Luft auf die Oberfläche des Wassers Letzteres in die Brunnenröhre
hineingetrieben wird, indem es das unten befindliche Ventil öffnet.
Wird daher die Pumpenstange wieder hinuntergedrückt, so kann, da das
untere Ventil durch den Druck wieder verschlossen wird, das in die
Röhre eingedrungene Wasser nicht wieder auf diesem Wege entweichen; es
ist daher genöthigt, das Ventil des Kolbens zu öffnen und so zu der
Seitenröhre des Brunnens auszuströmen.
=179. Warum= können wir in beengender Kleidung nicht recht kräftig
Athem holen?
=Weil= wir beim Athmen nur dadurch Luft in unsere Lungen bringen, daß
wir den Brustkasten mit Hülfe der Brustmuskeln erweitern und dadurch
einen luftverdünnten Raum in den Lungen herstellen, in welchen die
äußere Luft hineinströmt. Beim Ausathmen verengen wir den Brustkasten
und drücken die Lungen zusammen, so daß die verdichtete Luft durch
die Luftröhre nach außen tritt. Bei enger Kleidung sind aber unsere
Brustmuskeln verhindert, den Brustkasten gehörig zu erweitern. Da
nun von der Athmung die Versorgung unseres Körpers mit ernährendem
Blute abhängt, so begreift man wohl, wie schädlich beengende Kleider,
namentlich Schnürleiber für die Gesundheit sein müssen.
=180. Warum= fließt beim Trinken die Flüssigkeit in unsern Mund hinein?
=Weil= die Luft auf die Oberfläche des Getränkes drückt, während durch
Erweiterung des Brustkastens und der Lungen in diesen und in unserer
Mundhöhle ein luftverdünnter Raum gebildet wird. Es wirkt daher dem
äußern auf die Oberfläche des Getränkes wirkenden Luftdrucke kein
jenem das Gleichgewicht haltender Druck der inneren verdünnten Luft
entgegen, so daß durch den äußeren Luftdruck das Getränk in unsern
Mund hineingetrieben wird.
[Illustration: Fig. 38.]
=181. Warum= kann man mit einem Stechheber Wein aus einem Fasse heben?
=Weil= der Stechheber, wenn er in das Faß getaucht wird, sich zwar mit
Wein füllt, so lange die obere Oeffnung frei ist, der Luftdruck also
oben und unten gleichmäßig wirkt, der Wein dagegen nicht ausfließen
kann, wenn man den Stechheber herausnimmt, nachdem man die obere
Oeffnung desselben mit dem Finger verschlossen hat. In dem letzteren
Falle ist nämlich der Luftdruck von oben her nicht vorhanden, und die
Luft trägt daher die Flüssigkeitssäule in dem Stechheber, auf die sie
nur von unten drückt.
[Illustration: Fig. 39.]
=182. Warum= kann man vermittelst eines Hebers Flüssigkeiten aus einem
Gefäß in ein anderes überfüllen?
=Weil=, während der kürzere Schenkel des Hebers sich in der Flüssigkeit
befindet und aus dem längeren mit dem Munde die Luft zum Theil
herausgezogen wird, ein luftverdünnter Raum im Heber entsteht, in
welchen der Druck der Luft auf die Oberfläche der Flüssigkeit Letztere
hineintreibt, worauf dann die Flüssigkeit in dem längeren Schenkel
herabfällt und nach Belieben in ein Gefäß hineingelassen werden kann.
Jedoch darf der kürzere Schenkel des Hebers nicht über 32 Fuß oder
10 Meter lang sein, da der Druck der atmosphärischen Luft nur eine
Wassersäule von dieser Höhe trägt. Auch muß der kürzere Schenkel des
Hebers sich in der Flüssigkeit selbst, nicht blos im Gefäße befinden.
=183. Warum= fühlt der Mensch den Druck nicht, welchen die umgebende
Luft auf ihn äußert?
=Weil= dieser Druck von allen Seiten gleichförmig ist und ihm
das Gleichgewicht durch die in den Höhlen unseres Körpers
befindliche Luft gehalten wird, die sich vermöge ihrer Elasticität
mit ebenso großer Kraft auszudehnen strebt, als sie durch die
äußere Luft zusammengedrückt wird. Der Druck der Luft beträgt auf
jeden Quadratcentimeter ungefähr 2-1/15 Pfund, da so viel eine
Quecksilbersäule von 760 Millimeter Höhe und 1 Quadratcentimeter
Grundfläche, die einer Luftsäule von derselben Grundfläche das
Gleichgewicht hält, wiegt. Der ganze Luftdruck beträgt daher bei
einem erwachsenen Menschen, welcher eine Oberfläche von ungefähr 1½
Quadratmeter dem Drucke der Luft darbietet, über 30000 Pfund. Drückte
die Luft auf den Menschen nur von _einer_ Seite, so würde es für ihn
unmöglich sein, sich nach dieser Seite hin zu bewegen.
=184. Warum= spritzt oft aus den Poren unserer Haut, besonders aus
Lippen und Nasenöffnungen, Blut heraus, wenn wir sehr hohe Berge
erstiegen haben?
=Weil= die Luftsäule, welche auf unsern Körper drückt, auf den Bergen
nicht so hoch ist, wie in der Ebene, und daher einen geringeren Druck
auf denselben ausübt, wodurch aber auch der Gegendruck vermindert
wird, welcher bisher der dichten Luft im Innern unseres Körpers das
Gleichgewicht hielt. Diese innere Luft dehnt sich daher gewaltsam
aus und sprengt die kleinen Blutgefäße, aus denen nun das Blut
hervorspritzt.
=185. Warum= ermüden Reisende auf hohen Bergen und selbst bei
Wanderungen über sehr hochgelegene Ebenen leichter als in der Tiefebene?
=Weil= wir beim Gehen nicht das ganze Gewicht unserer Arme und Beine
zu heben haben, sondern die atmosphärische Luft sie uns tragen
hilft, diese aber auf hohen Bergen viel weniger dicht ist und darum
auch viel weniger zu tragen vermag als unten in der Ebene. Die Arm-
und Beinknochen befinden sich nämlich mit ihren halbkugelförmig
abgerundeten Enden (Köpfen) in ebenso ausgetieften Höhlungen
(Pfannen) anderer Knochen; der Zwischenraum zwischen ihnen ist
aber äußerlich durch mehrere luftdicht anschließende Häute von der
atmosphärischen Luft abgesperrt, so daß diese die Gliedmaßen an den
Körper andrückt. Wenn man daher an einem menschlichen Leichnam alle
Muskeln durchschneidet, welche das Gelenk am Becken umgeben, so fällt
das herabhängende Bein doch nicht ab. Sobald man aber die Pfanne des
Beckenknochens durchbohrt, so daß die äußere Luft in den inneren
Zwischenraum dringen kann, fällt das Bein sofort ab.
=186. Warum= fühlen wir oft bei übermäßiger Hitze, oder kurz vor
heftigen Stürmen, solche Schwere, Müdigkeit und Unbehaglichkeit in den
Gliedern?
=Weil= die durch Wärme oder andere Ursachen stark verdünnte und darum
leichtere Luft, zumal wenn sie mit Feuchtigkeit erfüllt ist, nicht in
der gewöhnlichen Stärke auf uns drückt und darum die in unserm Körper
befindliche Luft nicht im Gleichgewicht erhält, letztere daher, indem
sie bei ihrem Bestreben, sich auszudehnen, einen Druck auf Gefäße und
Nerven ausübt, unserer Empfindung Unannehmlichkeiten verursacht.
=187. Warum= strömt aus einer gut zugestöpselten, mit Luft in der Ebene
angefüllten Flasche die Luft mit einiger Heftigkeit aus, wenn wir sie
auf einem sehr hohen Berge öffnen?
=Weil= die untere Luft, welche die ganze darüber stehende Luftsäule zu
tragen hat, eine größere Dichtigkeit besitzt, als die obere, und darum
auch einen größeren Druck als diese ausübt. Daher strömt die erstere so
lange aus, bis das Gleichgewicht mit der letzteren hergestellt ist.
=188. Warum= zerbrechen zuweilen flache mit Flechtwerk bedeckte
Glasflaschen, deren sich Reisende zu bedienen pflegen, während aus
denselben getrunken wird?
=Weil= die mit Flüssigkeit zuvor angefüllte Flasche, sobald ein Theil
ihres Inhalts durch das Trinken daraus entfernt wird, am untern Theile
einen luftleeren Raum darbietet, und daher dem Drucke der äußern Luft
auf die flachen Seiten des Glases kein Druck von innen das Gegengewicht
hält, so daß das schwache Glas dem äußeren Drucke nachgiebt und
zerbricht.
[Illustration: Fig. 40.]
=189. Warum= werden zwei hohle Halbkugeln, die an einander passen und
luftdicht oder hermetisch verschlossen sind, wenn vermittelst einer
Luftpumpe die Luft aus dem hohlen Raume derselben entfernt wird, so
fest an einander gedrückt, daß kein Mensch im Stande ist, sie zu
trennen?
=Weil= die äußere Luft mit ihrem ganzen Gewichte auf die Halbkugeln
drückt, während keine innere Luft diesem Drucke das Gegengewicht hält.
Da der Druck der äußeren Luft auf jeden Quadratcentimeter 2-1/15 Pfund
beträgt, so muß der auf die ganze Oberfläche der Kugel ausgeübte
Druck, selbst bei einem nicht bedeutenden Umfange derselben, bis auf
mehrere Centner steigen. Läßt man durch eine kleine Oeffnung Luft
hineindringen, so wird der Gegendruck von innen wieder hergestellt,
und die Halbkugeln lassen sich mit Leichtigkeit von einander trennen.
Diese Halbkugeln werden auch die Magdeburger Halbkugeln genannt, weil
_Otto von Guericke_, Bürgermeister von Magdeburg, sie im Jahre 1654
zuerst anwandte, um auf dem Reichstage zu Regensburg vor dem Kaiser und
den Reichsfürsten die Wirkungen der von ihm im Jahre 1650 erfundenen
Luftpumpe zu zeigen; 16 Pferde waren erst im Stande, die Halbkugeln
auseinander zu reißen, die nur eine Magdeburger Elle im Durchmesser
hatten. Der Druck der Luft, welcher sie zusammenpreßte, kam etwa dem
Gewichte von 6800 Pfund gleich.
=190. Warum= schwillt eine Blase, in der eine kleine Menge Luft
enthalten ist, in einem dicht verschlossenen, durch die Luftpumpe
luftleer gemachten Raume an?
=Weil= zugleich mit der Dichtigkeit der die Blase umgebenden Luft beim
Auspumpen sich auch der Druck auf die Blase von Außen vermindert, und
daher die innere Luft, durch keinen Gegendruck mehr gehindert, die
Blase auftreibt, indem sich diese innere Luft in einen größeren Raum
auszudehnen strebt.
=191. Warum= zerbricht eine zugestöpselte, mit Luft angefüllte Flasche
von dünnem Glase in einem luftleeren Raume?
=Weil= durch das Auspumpen der Luft der Gegendruck aufgehoben ist,
den die äußere Luft dem Drucke der in der Flasche enthaltenen Luft
entgegensetzt, und letztere daher, indem sie sich weiter auszudehnen
strebt, das Glas auseinander treibt.
=192. Warum= entledigt sich ein Ei, in das man an seinem spitzen Ende
ein kleines Loch macht, seines Inhalts, wenn es mit dem spitzen Ende
nach unten in einen luftverdünnten Raum gebracht wird?
=Weil= das Ei an seinem oberen runden Ende zwischen der Schaale und
der lederartigen Haut etwas Luft enthält, bei Verdünnung der äußeren
Luft daher die sich ausdehnende innere Luft den Inhalt des Eies durch
die Oeffnung hinaustreibt. Bringt man das Ei wieder in die gewöhnliche
atmosphärische Luft, so treibt der Druck derselben den Inhalt wieder
zurück.
=193. Warum= erhält ein eingeschrumpfter Apfel im luftleeren Raume
wieder die Rundung und Glätte des frischen?
=Weil=, bei aufgehobenem Gegendruck der äußeren Luft, die innere, unter
der Schale des Apfels befindliche Luft sich ausdehnt und daher die
Schale auftreibt, so daß die eingeschrumpfte Gestalt des Apfels sich
wieder in eine volle verwandelt.
=194. Warum= schwillt ein Frosch an, wenn er sich unter einer gläsernen
Glocke befindet, aus der man die Luft zum Theil ausgepumpt hat?
=Weil= beim Mangel an äußerer Luft, die auf die Oberfläche des Frosches
drückt, die zwischen den Häuten des Frosches befindliche Luft sich
ausdehnt und die Häute auseinander treibt, indem der äußere Gegendruck,
welcher dem inneren Drucke das Gegengewicht hielt, bei der Entfernung
der äußeren Luft aufgehört hat. Der Frosch kehrt erst wieder nach
Zulassung der Luft in seine vorige Gestalt zurück.
[Illustration: Fig. 41.]
=195. Warum= wird eine gläserne Glocke, die man auf den Teller einer
Luftpumpe setzt, wenn man nur ein wenig von der darin enthaltenen Luft
auspumpt, so fest an den Teller angedrückt, daß man durchaus nicht im
Stande ist, sie wegzunehmen?
=Weil= die äußere Luft auf den oberen Theil der Glocke drückt und zwar
mit der Kraft einer Quecksilbersäule von 760 Millimeter Höhe, deren
Grundfläche dem Umfang der Glocke gleich ist, oder was einerlei ist,
mit der Kraft einer Wassersäule von 10 Meter Höhe und der gleichen
Grundfläche, während keine oder doch nur eine sehr verdünnte Luft von
innen dem äußeren Drucke das Gleichgewicht halten kann. Die Folge wird
also sein, daß die Glocke mit einer dem Gewichte der Quecksilbersäule
gleichen Kraft auf den Teller der Luftpumpe aufgedrückt wird, so
daß man sie nicht davon wegnehmen kann. Bei einer Glocke von nur 15
Centimeter Durchmesser würde der Druck der Luft 365 Pfund betragen.
=196. Warum= wird, wenn man einen oben und unten offenen Cylinder oben
mit einer genau anschließenden Blase bedeckt, die man an den Cylinder
fest bindet, und ihn mit dem unteren Ende auf den Teller der Luftpumpe
stellt, sobald man nur ein wenig Luft aus dem Cylinder ausgepumpt hat,
sogleich die darüber gedeckte Blase zersprengt?
=Weil=, wie im vorigen Falle, nach Entfernung der Luft aus dem Cylinder
die äußere Luft mit der eben angegebenen Kraft auf die Blase drückt,
welche den Cylinder oben verschließt, die Blase aber diesem Drucke
nicht widerstehen kann (da von innen kein Luftdruck dem äußeren
entgegenwirkt und ihn aufhebt) und daher zerspringt. Daß eine gläserne
Glocke den Druck aushalten kann, hat seinen Grund in dem gewölbten
Baue des oberen Theiles derselben, der ein Zersprengen derselben
unmöglich macht. Gebrauchte man dagegen ein Glas mit flachem Boden, so
würde dieser, wenn er nicht sehr stark wäre, auch durch den Luftdruck
zersprengt werden.
=197. Warum= kann der Heber im luftleeren Raume nicht fließen?
=Weil= in einem Raume, in welchem keine Luft sich befindet, auch kein
Druck auf die Oberfläche der Flüssigkeit stattfinden kann, durch den
dieselbe in den Heber hineingetrieben würde. In der gewöhnlichen uns
umgebenden Luft ist dieser Druck, wie wir gesehen haben, gleich dem
Gewicht einer Wassersäule von 10 Meter Höhe und einer der Oberfläche,
auf welche die Luft drückt, gleichen Grundfläche. Auch in einem
luftverdünnten Raume kann daher dieser Druck schon so gering sein, daß
er das Wasser nicht in den Heber treibt, dieser also nicht fließt.
=198. Warum= verlieren Selterswasser, Bier und Champagner ihren
angenehmen Geschmack, wenn sie unter die Glocke der Luftpumpe gebracht
werden, und dann die Luft aus der Glocke ausgepumpt wird?
=Weil= das, was diesen Getränken den angenehmen Geschmack ertheilt,
die Kohlensäure oder das kohlensaure Gas, in dem luftverdünnten Raume
der Glocke aus ihnen entweicht und aufsteigt, da kein Druck der
atmosphärischen Luft dem Drucke dieser Gasart mehr das Gleichgewicht
hält. Diese Getränke müssen daher durch den Verlust dieses Gases
den angenehmen Geschmack verlieren. In dem Champagner und Bier wird
dieses Gas durch Gährung erzeugt, dem Selterswasser aber wird es durch
den gewaltigen Druck einverleibt, den die Gesteinschichten ausüben,
welche das Wasser unter der Erde durchdringen muß, um als Quelle an
die Oberfläche zu treten. Bei künstlichen Selters- und Sodawassern
wird das kohlensaure Gas durch künstlichen Druck entweder vermittelst
einer Druckpumpe oder durch den eigenen Druck des Gases in einem
abgeschlossenen Raume mit dem Wasser vermischt.
=199. Warum= fallen in einem gläsernen, hohen Cylinder, aus welchem die
Luft ausgepumpt wurde, ein Geldstück und eine Flaumfeder mit gleicher
Geschwindigkeit herab?
=Weil= bei allen Körpern, sie mögen von einer Art sein, von welcher
sie wollen, die Schwerkraft, welche sie nach dem Mittelpunkte der
Erde zieht, völlig gleich ist, folglich auch die Geschwindigkeit
der Bewegung, in welche sie durch diese Kraft versetzt werden,
völlig die gleiche sein muß. Wenn nun aber der Erfahrung zufolge
unter gewöhnlichen Verhältnissen ein Geldstück und eine Flaumfeder
mit ungleicher Geschwindigkeit, und zwar das erstere geschwinder,
die letztere langsamer, zur Erde fallen, so liegt der Grund in der
umgebenden Luft, welche durch ihren Widerstand die Flaumfeder nur
langsam auf die Erde fallen läßt. Da nun unter einer ausgepumpten
Glocke keine Luft vorhanden ist, so kann sie die Flaumfeder nicht
hindern, mit gleicher Geschwindigkeit wie das Geldstück herabzufallen.
=200. Warum= haben die Körper im luftleeren Raume ein (freilich nur
sehr wenig) größeres Gewicht als im lufterfüllten?
=Weil= die Körper im lufterfüllten Raume so viel an Gewicht verlieren,
als die Luft wiegt, welche den Raum, den die Körper einnehmen, erfüllen
würde, da ebensoviel von dem Gewichte des Körpers, als die von ihm aus
der Stelle getriebene Luft wiegt, von der umgebenden Luft getragen
wird. Haben daher die Körper eine sehr geringe Dichtigkeit, so ist
dieser Gewichtsverlust sehr bemerkbar, während derselbe bei Körpern
von größerer Dichtigkeit im Verhältniß zur Schwere derselben nur sehr
gering sein kann. Daher muß ein Pfund Wolle im lufterfüllten Raume
merklich mehr an Gewicht verlieren, als ein Pfund Eisen, da Ersteres
einen viel größeren Raum einnimmt als Letzteres.
=201. Warum= spritzt, wenn Wein durch einen Trichter in eine Flasche
gegossen wird, derselbe zuweilen heraus, ohne die Flasche anzufüllen?
=Weil= die in der Flasche enthaltene Luft, wenn der Trichter genau
in den Hals der Flasche paßt und daher keinen Ausweg läßt, durch den
diese Luft entweichen kann, durch den bereits hineingegossenen Wein in
einen kleineren Raum zusammengedrängt wird, daher vermöge der durch
ihre größere Dichtigkeit vermehrten Spannkraft sich durch die Mündung
des Trichters drängt und auf diese Weise die in demselben enthaltene
Flüssigkeit heraustreibt.
=202. Warum= berstet oft die Eisdecke eines Gewässers in kalten Wintern
mit einem sehr starken Knalle?
=Weil= die zwischen dem Eise und dem Wasser enthaltene atmosphärische
Luft, durch die zunehmende Dicke des Eises zusammengedrückt, zuletzt
eine solche Dichtigkeit erhält und vermöge derselben einen solchen
Druck auf das darüber befindliche Eis ausübt, daß Letzteres endlich
der Gewalt weichen muß und berstet. Da dies nicht ohne heftige
Erschütterung der das Eis umgebenden äußeren Luft geschehen kann, so
erfolgt ein Knall, wie dies auch beim Losschießen eines Gewehres oder
einer Kanone der Fall ist.
=203. Warum= bläst oft der Wind mit solcher Heftigkeit, daß er Bäume
ausreißt und Häuser abdeckt?
=Weil= die Luft, namentlich in Folge verschiedener Erwärmung, oft an
einem Theile der Erdoberfläche von anderer Dichtigkeit ist als an dem
anderen, die dichtere Luft daher vermöge ihrer größeren Spannkraft in
die minder dichte Luft hineinströmt und zwar bisweilen mit solcher
Heftigkeit, daß sie ihren Weg durch große Verwüstungen bezeichnet. Der
Wind ist also nur eine Bewegung der Luft in Folge eines verschiedenen
Druckes der Luft in verschiedenen Gegenden, und der größere Druck ist
es, welcher einen Stoß auf die der Bewegung Widerstand leistenden
Gegenstände ausübt und sie zu Boden wirft oder mit fortreißt.
[Illustration: Fig. 42.]