sehr elastische Körper aber eine heftigere Erschütterung der Theilchen
und weitere Schwingungen zulassen, als weniger elastische, und in
dichteren Körpern mehr Masse in Schwingungen versetzt wird, als in
weniger dichten. Von der Erschütterung der Theilchen eines Körpers
hängt aber die Erschütterung der Luft und von dieser die Wirkung auf
unser Gehörorgan ab. Sehr weiche Körper, namentlich Flüssigkeiten, sind
darum nicht geeignet, einen Schall zu erzeugen.
=232. Warum= sieht man aus einiger Entfernung die Axt des Holzhauers
früher niederfallen, als man den Schlag hört?
=Weil=, wie jede Bewegung eine gewisse Zeit erfordert, so auch eine
gewisse Zeit vergehen muß, ehe der Schall von seinem Entstehungsorte
durch die Luft sich bis zu unserm Ohre fortpflanzt. In der Luft
beträgt die Geschwindigkeit, mit welcher sich der Schall fortpflanzt,
ungefähr 1060 Fuß oder 333 Meter in der Secunde. Aus der Zeit, welche
zwischen dem Lichtblitz beim Abschießen einer Kanone und dem Eintreffen
des Schalles, oder zwischen Blitz und Donner bei einem Gewitter
verstreicht, kann man auf die Entfernung der Kanone oder des Gewitters
schließen.
=233. Warum= hört man das Läuten der Glocken oder andere Arten des
Schalles in gleicher Entfernung, bald stärker, bald schwächer?
=Weil= die Luft bald mehr, bald weniger geeignet ist, die
Erschütterungen fortzupflanzen, da sie bald eine größere, bald eine
geringere Dichtigkeit und Elasticität besitzt. Je dichter die Luft
ist, desto besser leitet sie den Schall. In der dünnen Luft hoher
Alpengipfel hört man darum den Knall einer Pistole kaum stärker
als einen kräftigen Handschlag. Im Winter, wo die Luft kälter und
darum auch dichter ist, hört man den Schall stärker und in weiterer
Entfernung als im Sommer. Im Sommer wirkt zugleich der Pflanzenwuchs
der Verbreitung der Schallwellen hemmend entgegen. In der Nacht wird
ein Schall deutlicher vernommen als am Tage, nicht bloß, weil am Tage
noch ein mannigfach verworrenes Geräusch die Empfindlichkeit des Ohres
abstumpft, sondern auch weil am Tage das Aufsteigen der wärmeren Luft
der Verbreitung der Schallwellen hinderlich wird. Ein der Richtung
der sich fortpflanzenden Schallwellen entgegen wehender Wind hält sie
ebenfalls auf, während ein in derselben Richtung wehender Wind die
Geschwindigkeit der Schallfortpflanzung vergrößert. Regentropfen und
Schneeflocken unterbrechen und stören vielfach die Schallwellen, und
man vernimmt darum bei Regen und Schneefall das Läuten einer Glocke
nicht, das man bei heiterem Wetter sehr deutlich hört.
=234. Warum= hört man entfernten Kanonendonner besser, wenn man das Ohr
auf die Erde legt?
=Weil= der Erdboden den Schall mit größerer Geschwindigkeit
fortpflanzt, als die Luft. Ueberhaupt leiten die meisten festen Körper
und selbst Flüssigkeiten den Schall mit größerer Geschwindigkeit
fort, als die Luft. So ist die Geschwindigkeit des Schalles in Eisen
16-2/3, in Tannenholz 18, in Wasser 4½mal so groß als in der Luft.
Wenn man eine Taschenuhr auf das Ende eines sehr langen Balkens legt,
so kann man das Ticken derselben noch hören, wenn man das Ohr an das
andere Ende des Balkens anlegt. Dagegen wird die Fortpflanzung des
Schalles durch ungleichartige und vielfach unterbrochene Körper stark
gestört. Namentlich lockere Körper, wie Tuch, Pelz, Wolle, Baumwolle,
Federn, Sägespähne, sind zur Fortleitung des Schalles wenig geeignet
und schwächen ihn beträchtlich, weil in ihnen der Schall beständig
aus einer festeren Schicht in eine eingeschlossene Luftschicht und
umgekehrt übergehen muß und dabei jedesmal gestört wird. Mit Champagner
oder Selterwasser gefüllte Gläser klingen daher nicht. Durch wollene
Decken oder Strohmatten, die man vor Fenster und Thüren hängt, kann man
das Geräusch der Straße von einem Zimmer fern halten.
=235. Warum= hallen einzelne Silben oder auch wohl ganze Wörter
zuweilen mehrfach wieder, wenn sie einer Felswand oder der Mauer eines
Gebäudes gegenüber in einer gewissen Entfernung laut ausgesprochen
werden?
=Weil= die durch das Aussprechen der Silben oder Wörter verursachten
Erschütterungen oder Schallwellen der Luft, wenn sie in ihrem
Fortschreiten gegen die Felswand oder Mauer treffen, von dieser
zurückgeworfen werden und daher den Schall nach derselben Gegend
wieder hinsenden, woher er kam, gerade wie ein elastischer Ball von
einer Wand zurückprallt. Da unser Ohr in einer Secunde höchstens 9--10
Silben zu unterscheiden vermag, in 1/10 Secunde der Schall aber 33-1/3
Meter durchläuft, hin und zurück also nur 16-2/3 Meter durchlaufen
kann, so muß eine Wand mindestens 16-2/3 Meter von uns entfernt sein,
wenn wir den Nachhall einer ausgesprochenen Silbe oder ihr Echo noch
deutlich unterscheiden sollen. In einem kleineren Raume, etwa zwischen
den Wänden eines Zimmers, verschmilzt der Nachhall mit dem Schall
und verstärkt diesen nur. Soll der Nachhall von 2, 3 und mehr Silben
deutlich vernommen werden, so muß die den Schall zurückwerfende Wand
2, 3 oder mehrmal 16-2/3 Meter von uns entfernt sein. Soll eine Silbe
oder ein Schall überhaupt mehrfach wiederhallen, also ein mehrmaliges
Echo stattfinden, so muß die Zurückwerfung durch mehrere Wände
geschehen, die entweder gleichlaufend sich gegenüberstehen oder an
einander anstoßen. Dies ist z. B. an dem Lurleyfelsen bei Oberwesel am
Rhein, bei den Adersbacher Felsen in Böhmen und auf dem Königsplatz in
Kassel der Fall. Eines der berühmtesten Echos ist das beim Schlosse
Simonetta bei Mailand, das den Schall eines Pistolenschusses 40--50mal
wiederholt. Bei Musiksälen, Theatern etc. ist es eine der schwierigsten
Aufgaben der Baukunst, den störenden Nachhall zu beseitigen; das
geeignetste Mittel dazu scheint die möglichst reiche Gliederung der
Wände zu sein.
[Illustration: Fig. 46.]
=236. Warum= kann man sich noch auf sehr weite Entfernungen vernehmlich
machen, wenn man in ein Sprachrohr hineinspricht oder ruft?
=Weil= wegen der kegelförmigen Gestalt des Sprachrohrs die gegen die
inneren Wände desselben treffenden Schallwellen, nachdem sie mehrmals
zurückgeworfen worden sind, endlich fast alle eine und dieselbe
Richtung erhalten und, indem sie fast gleichlaufend austreten, auf
dem langen Wege durch die freie Luft zusammengehalten werden. Ein
Höhrrohr ist ein umgekehrtes kleines Sprachrohr, dessen Trichter eine
große Menge von Schallwellen aufnimmt, die in dem engeren Schallrohr
zusammengedrängt werden und so verdichtet in das Ohr gelangen, auf
welches sie darum einen stärkeren Eindruck machen. Da der Schall
überhaupt nur wenig von seiner Stärke einbüßt, wenn er sich in einer
begrenzten Luftmasse ausbreitet, so können auch sogenannte Schall-
oder Communicationsröhren, d. h. beliebig lange, 4--5 Centimeter weite
Blech- oder Kautschukröhren, in die man hineinspricht, dazu dienen,
sich auf größere Entfernungen verständlich zu machen. Man findet darum
solche Röhren in Fabriken oft durch mehrere Stockwerke hindurch. Aus
demselben Grunde pflanzen auch Kamine, Gasleitungen, Heizungsröhren den
Schall in auffallender Weise fort, und in Gefängnissen sind sie oft zu
Verständigungen unter den Gefangenen benutzt worden.
=237. Warum= wird der Ton einer Stimmgabel auffallend stärker, wenn man
sie auf irgend einen festen Körper, z. B. auf eine Tischplatte aufsetzt?
=Weil= ein fester Körper, wie die Tischplatte, besonders wenn er in
unmittelbarer Berührung mit dem schallenden Körper steht, selbst in
ähnliche Schwingungen geräth und diese dann auch der Luft mittheilt,
dadurch also den Ton des schallenden Körpers verstärkt. Auf diesem
Mitschwingen oder Mittönen beruht auch der Resonanzboden des Klaviers,
der Violine u. s. w.
[Illustration:
~a~) Ohrmuschel.
~b~) Gehörgang.
~c~) Trommelfell.
~d~) }
~e~) } Gehörknöchelchen.
~f~) }
~g~) Vorhof.
~h~) Bogengänge.
~i~) Schnecke.
Fig. 47.]
=238. Warum= können taubgeborne oder an gewissen Krankheiten des Ohres
leidende Personen nicht hören?
=Weil= die durch das Sprechen erschütterte Luft zwar ebenfalls diese
Erschütterungen bis zu ihrem Ohre fortpflanzt, sie hier aber wegen des
krankhaften Zustandes des Ohres dem Gehörnerv nicht mehr mitgetheilt
werden können. Dies ist besonders der Fall, wenn der Gehörnerv selbst
unempfindlich ist, oder wenn das sogenannte Labyrinth fehlt, durch
dessen Flüssigkeit die Schallschwingungen dem Gehörnerv mitgetheilt
werden. Unser Ohr ist ein sehr künstlich gebauter Apparat zur Aufnahme
von Schallschwingungen. Das äußere Ohr sammelt und leitet mittelst
der durch vielfache Windungen eine große Oberfläche darbietenden
Ohrmuschel (~a~) die Schallschwingungen in den Gehörgang (~b~), einen
etwa 1 Zoll langen Kanal im Schläfenbein. Der Gehörgang ist hinten
durch das Trommelfell (~c~) geschlossen, mit welchem das mittlere
Ohr oder die Paukenhöhle beginnt, die durch die Eustachische Röhre
mit der Rachenhöhle, also auch mit der äußeren Luft in Verbindung
steht. In der Paukenhöhle liegen die Gehörknöchelchen, durch welche
die Schallschwingungen, welche mittelst des Trommelfells denselben
mitgetheilt werden, nach den Gesetzen der Resonanz eine größere Stärke
erhalten. Durch den Verlust des Trommelfells und der Knöchelchen ist
darum das Gehör nicht aufgehoben, sondern nur bedeutend geschwächt. Die
Paukenhöhle ist von dem inneren Ohre, dem sogenannten Labyrinth, einer
Höhlung im Felsenbein, durch eine knöcherne Scheidewand getrennt, in
welcher zwei mit Haut überzogene Oeffnungen, das runde und das ovale
Fensterchen, eine Verbindung mit der Paukenhöhle herstellen. Durch
das ovale Fensterchen theilen sich die Schallschwingungen dem Wasser
mit, welches das ganze Labyrinth erfüllt, und das sich schwingend
vor- und zurückbewegen kann, weil das runde Fensterchen, mit welchem
das Labyrinth endigt, auszuweichen vermag. Das Labyrinth selbst
besteht wieder aus dem Vorhof (~g~), den drei Bogengängen (~h~) und
der Schnecke (~i~), in denen sich die Zweige des Gehörnervs mannigfach
verbreiten. In der Erkrankung dieses Theils liegt also die größte
Gefahr für die Empfindlichkeit des Gehörs.
=239. Warum= giebt eine dickere Violinsaite einen tieferen Ton als eine
dünnere, und warum giebt dieselbe Saite einen höheren Ton, wenn sie
stärker gespannt wird, oder wenn man sie verkürzt?
=Weil= die Höhe eines Tones von der Zahl der Schallwellen abhängt,
welche in einer Secunde in unser Ohr gelangen und von demselben
empfunden werden, der Ton einer Saite also um so höher ist, je
schneller sie schwingt, oder je mehr Schwingungen sie in derselben
Zeit macht, eine Saite aber um so mehr Schwingungen macht, je dünner,
je kürzer oder je mehr angespannt sie ist. Eine Saite, welche die
Octave giebt, macht doppelt so viele Schwingungen in der Secunde,
als eine Saite, welche den Grundton giebt. Im Allgemeinen beginnt
unsere Tonempfindung erst bei 30 bis 40 Schwingungen in der Secunde
und hört bei 5000, höchstens 9000 Schwingungen auf; besonders geübte
und feinfühlende Ohren hören nach _Helmholtz_ noch Töne von 76000
Schwingungen in der Sekunde. In der Musik kommt es aber weniger auf
die absolute Höhe der Töne als auf ihre Verhältnisse oder Intervalle
an. Die einfachsten Intervalle bilden diejenigen Töne, welche 2, 3, 4,
5 ... mal so viel Schwingungen machen, als ein anderer Ton, den man
den Grundton nennt, also die harmonischen Obertöne des Grundtons. Die
nächsteinfachen Verhältnisse sind die von 3 : 2 und von 5 : 4, und
solche Töne, welche 3/2 oder 5/4 mal so viel Schwingungen machen, als
der Grundton, nennt man die Quinte und die Terz des Grundtons. Auch
die Töne, welche 4/3 und 5/3 mal so viel Schwingungen als der Grundton
enthalten, die Quarte und die Sexte, klingen noch befriedigend mit
dem Grundton zusammen. Solche Töne, welche zusammen einen angenehmen
Eindruck auf das Gehör machen, nennt man consonirend, und ihren
Zusammenklang selbst Consonanz. Töne, deren Schwingungszahlenverhältniß
zum Grundton nicht mehr einfach ist, bilden Dissonanzen.
=240. Warum= giebt eine längere Pfeife einen tieferen Ton als eine
kürzere?
=Weil= es in jeder Pfeife die durch das Einströmen eines schmalen
Luftstroms hervorgebrachte schwingende Bewegung der eingeschlossenen
Luftsäule ist, welche den Ton erzeugt, und weil die Höhe dieses Tones
von der Zahl der in einer Secunde gemachten Schwingungen abhängt, diese
aber im umgekehrten Verhältniß zur Länge der Pfeife steht. Wenn, wie
bei der Flöte, die Wände einer Pfeife mit Oeffnungen versehen sind,
welche geöffnet und geschlossen werden können, so ist die erste nicht
geschlossene Oeffnung als das Ende der Pfeife anzusehen und die Höhe
des Tones dem Abstande der Oeffnung vom Mundloch entsprechend. Man
begreift daher, wie sich durch Oeffnen und Schließen der Seitenlöcher
der Ton erhöhen und erniedrigen läßt.
[Illustration: Fig. 48.]
=241. Warum= kann man eine ausgeschnittene Gänsegurgel noch zum Tönen
bringen, wenn man hineinbläst?
=Weil= das in der Gurgel liegende Stimmorgan der Gans, wie der meisten
Thiere und auch des Menschen, eigentlich eine Pfeife ist, in welcher
der Ton durch die Schwingungen zweier elastischer Bänder erzeugt wird,
die zwischen sich nur eine schmale Spalte, die Stimmritze, für den
durchgehenden Luftstrom freilassen. Das Stimmorgan hat die meiste
Aehnlichkeit mit einer sogenannten Zungenpfeife, wie wir sie in der
Kindertrompete kennen, bei welcher der eingeblasene Luftstrom ein
elastisches Blättchen in Bewegung setzt, welches seine schwingende
Bewegung dann der in der Pfeife eingeschlossenen Luftsäule mittheilt.
Bei dem Stimmorgan des Menschen bildet die Lunge nur den Blasebalg,
die Luftröhre das Windrohr, während der Kehlkopf das eigentliche
Instrument ist, das in seinem obersten Theile die tönende Zunge
enthält, und Rachen und Mund nur als Schallbecher dienen. Der Kehlkopf
besteht aus dem obersten Ringe der Luftröhre oder dem Ringknorpel, dem
Schildknorpel oder Adamsapfel und den zwei durch Muskeln beweglichen
Gießkannenknorpeln. Die Schleimhaut der Luftröhre geht in dem Kehlkopf
in ein sehr elastisches Gewebe über, das von der Vorderkante des
Schildknorpels sich in zwei halbkreisförmigen Abtheilungen, die man
Stimmbänder nennt, nach hinten zu den Gießkannenknorpeln zieht.
Bei gewöhnlichem Athmen liegen diese beiden Häute schlaff über
einander und schließen den Zwischenraum, so daß das Athmen nur durch
eine schmale Fortsetzung dieses Zwischenraums zwischen den zwei
Gießkannenknorpeln, die Athemritze, geschieht. Bei der Tonbildung
dagegen schließt sich die Athemritze, die Stimmbänder werden straff
gespannt und ihre Ränder liegen fest aneinander, so daß nur ein feiner,
grader Spalt, die Stimmritze, übrig bleibt. Indem der Luftstrom durch
diese hindurchgeht, versetzt er die Stimmbänder in Schwingungen, welche
sich auf die Luftsäule in der Rachen- und Mundhöhle übertragen. Die
Höhe des Tons hängt also hauptsächlich von der Spannung und der Länge
der Stimmbänder ab.
Von der Wärme.
Unter Wärme verstehen wir bald das Gefühl, welches wir bei der
Berührung gewisser Körper empfinden, bald die Ursache dieses
Gefühles oder den Zustand der Körper selbst, welche diese
Empfindung in uns hervorrufen. Gewöhnlich spricht man von der
Wärme, wie von einem Stoffe, der von den Körpern ausströmt,
fortgeleitet wird, die Körper durchdringt etc., und früher hat
man auch wirklich einen solchen Wärmestoff angenommen, der
freilich keine einzige Eigenschaft des Stoffes, namentlich
keine Schwere besitzt. Das Wesen der Wärme kann man daher
nur in einer Bewegung sehen, und zwar in einer schwingenden
oder Wellenbewegung. Nur darüber streitet man noch, ob sie
eine Bewegung der kleinsten Körpertheilchen selbst, oder eine
Bewegung eines feinen, alle Körper durchdringenden Stoffes,
des sogenannten Aethers sei. Die wichtigsten Quellen der
Wärme sind die Sonnenstrahlen, Reibung, Druck und chemische
Prozesse, namentlich die Verbrennung; ferner Elektricität und
Magnetismus. Kälte ist nur Mangel an Wärme. Die Temperatur
eines Körpers ist der Grad seiner Erwärmung.
=242. Warum= springen Funken ab, wenn man mit einem Stahl an einen
Feuerstein schlägt?
=Weil= durch das heftige Anschlagen des Stahles gegen den harten
Feuerstein kleine Stahlstückchen abspringen, die in Folge der durch
die Reibung erzeugten Hitze glühend werden und, wenn sie auf Schwamm
oder Zunder fallen, diesen entzünden. Wenn man die Funken auf weißes
Papier fallen läßt und sie dann durch ein Vergrößerungsglas betrachtet,
kann man deutlich die geschmolzenen Stahlstückchen erkennen. Auch vom
eisernen Huf eines auf gepflasterter Straße galoppirenden Pferdes sieht
man Abends glühende Theilchen umhersprühen. Wenn man zwei Kieselsteine
heftig an einander schlägt, werden ebenfalls glühende Steinstückchen
losgerissen. Ueberhaupt wird durch Reibung und starken Druck Wärme
erzeugt. Ein Hammer erwärmt sich bei längerem Gebrauch, und der Schmied
kann einen Nagel durch geschicktes Hämmern glühend machen.
=243. Warum= müssen die Achsen der Wagenräder geschmiert werden?
=Weil= bei der Umdrehung der Räder um die Achsen eine heftige Reibung
stattfindet und durch diese Reibung bedeutende Wärme erzeugt werden
würde, die sich bis zur Entzündung der Achsen steigern könnte, wenn die
Reibung nicht durch eine dazwischen gebrachte Flüssigkeit, namentlich
ein geschmeidiges Oel oder Fett, vermindert würde.
=244. Warum= verbrennt man sich die Hände, wenn man sich schnell an
einem Seile herabläßt?
=Weil= beim schnellen Herabgleiten an einem Seile eine heftige Reibung
zwischen den Händen und dem Seile stattfindet, und durch diese Reibung
Wärme erzeugt wird, die sich zu einem solchen Grade steigern kann, daß
sie nicht blos die Empfindung des Verbrennens, sondern auch wirkliche
Brandwunden an den Händen verursacht. Die Reibung und die dadurch
erzeugte Erwärmung ist um so heftiger, je schneller das Herabgleiten
geschieht, und je größer die Strecke ist, durch die man sich herabläßt.
=245. Warum= wird frisch gebrannter Kalk heiß, wenn man ihn beim
Löschen mit Wasser besprengt?
=Weil= das Wasser sich mit dem Kalk zu einem neuen Körper, dem
gelöschten Kalk, chemisch verbindet, und diese chemische Verbindung
Wärme erzeugt. Daß der Kalk das Wasser aufgenommen hat, läßt sich
durch seine Gewichtszunahme beweisen. Das Wasser ist dabei zugleich
verdichtet und fest geworden; denn der neue Körper ist staubig trocken.
Daß auch bei andern chemischen Verbindungen Wärme erzeugt wird, kann
man erfahren, wenn man Schwefelsäure mit Wasser mischt. Darum darf man,
wenn man sich mit Schwefelsäure beschüttet hat, dieselbe nicht sogleich
mit Wasser abwaschen, sondern muß sie vorher mit Wolle oder Papier
abtrocknen. Auch unsere eigene Körperwärme ist ein Erzeugniß chemischer
Prozesse, die durch unsere Athmung vermittelt werden. Jede Verbrennung,
die Hauptquelle unserer künstlichen Wärme, ist ein chemischer Prozeß.
=246. Warum= geräth feuchtes Heu häufig in Brand?
=Weil= in solchen feuchten Pflanzenstoffen allmählich eine Gährung
eintritt, welche die Pflanzenstoffe in eine schwarze, kohlenreiche
Masse verwandelt, in Folge dieser Gährung und Fäulniß aber diese Stoffe
sich erhitzen und dabei zugleich eine Menge von Kohlenwasserstoffgas
entwickeln, das in der porösen Masse sehr verdichtet wird. Da nun
Heu und ähnliche Pflanzenstoffe zugleich sehr schlechte Wärmeleiter
sind, d. h. die erzeugte Wärme nicht leicht abgeben, so kann sich
diese in ihrem Innern bis zu einem Grade steigern, bei welchem die
Entzündung der Stoffe möglich ist. Kann endlich frische Luft, also
Sauerstoff, hinzutreten, so muß die Entzündung erfolgen, da die
beiden Bedingungen der Verbrennung erfüllt sind: die zur Entzündung
erforderliche Temperatur und der freie Zutritt sauerstoffhaltiger
Luft. Wie feuchtes Heu, so können sich auch feuchte Sägespäne, Kleie,
Getreide, Dünger von selbst entzünden. Große Massen von gemahlenem
Kaffee und Cichorien, wenn sie dicht verpackt sind, ebenso große Massen
gepulverter Kohle, sind feuergefährlich, weil sie ihrer Porosität wegen
Luftarten einsaugen und in sich verdichten, durch diese Verdichtung
aber Wärme erzeugt wird. Fest zusammengepackte gefettete Wolle, fettige
Putzlappen, gepreßte wollene Tücher, die noch nicht durch das Walken
ihres Fettes beraubt sind, gefirnißte, fest auf einander gelegte Zeuge
erhitzen sich gleichfalls, da sie beim Trocknen Sauerstoff aufnehmen
und in sich verdichten.
=247. Warum= wird durch den Hauch aus dem Munde oder durch den Wind ein
Licht ausgelöscht?
=Weil= der brennende Theil des Lichtes durch den daran streichenden
kalten Luftstrom bis unter diejenige Temperatur abgekühlt wird, bei
welcher das Verbrennen allein noch möglich ist. Denn zum Verbrennen
eines Körpers gehört nicht nur ein freier Zutritt der Luft, sondern
auch ein gewisser Grad der Temperatur, der bei den verschiedenen
Körpern sehr verschieden, bei einigen, wie beim Phosphor, sehr niedrig,
bei andern, wie bei Holz, Kohlen, Coaks und den meisten Schwermetallen,
aber sehr hoch ist.
=248. Warum= haben metallene Thee- und Kaffeekannen gewöhnlich hölzerne
Handgriffe?
=Weil= das Metall ein zu guter Wärmeleiter ist und daher die Wärme
einer in das Gefäß gebrachten heißen Flüssigkeit sehr schnell und in
hohem Grade annimmt, während das Holz, als schlechter Wärmeleiter, die
Wärme nur in geringem Grade und sehr langsam annimmt, so daß uns ein
hölzerner Handgriff gestattet, die mit heißer Flüssigkeit gefüllte
Theekanne in die Hand zu nehmen. -- Man nennt nämlich diejenigen
Körper, welche die Wärme sehr gut aufnehmen und schnell fortleiten,
gute Wärmeleiter, die entgegengesetzten schlechte Wärmeleiter. Die
besten Wärmeleiter sind die Metalle, die schlechtesten Luft, Asche,
Federn, Wolle, überhaupt Haare.
=249. Warum= kann man einen Draht nicht lange in die Lichtflamme
halten, ohne sich zu verbrennen, während man doch einen Fidibus ohne
Gefahr bis an die Finger abbrennen lassen kann?
=Weil= das Metall ein sehr guter Wärmeleiter ist, und die durch die
Flamme erhitzten Theilchen des Drahtes daher ihre Wärme sehr bald den
nächsten, sie berührenden Theilchen mittheilen, so daß diese Wärme sehr
schnell bis zu dem in unserer Hand befindlichen Ende gelangt; während
in dem Papier, als einem sehr schlechten Wärmeleiter, die Wärme sich
sehr langsam von Theilchen zu Theilchen verbreitet, so daß sie noch
nicht zu unserer Hand gelangt ist, wenn die Flamme schon nahe daran ist.
=250. Warum= verbrennt man sich leicht die Hand, wenn man dieselbe an
eine Säge hält, mit der soeben längere Zeit gesägt worden ist?
=Weil= durch die starke Reibung beim Sägen eine bedeutende Wärmemenge
erzeugt wird, das Holz aber ein schlechter, das Metall dagegen ein
guter Wärmeleiter ist, und letzteres daher den größten Theil der
erzeugten Wärme in sich aufnimmt. Aehnliches findet überall statt, wo
ein metallener Gegenstand an einem hölzernen oder überhaupt an einem
schlechten Wärmeleiter gerieben wird. Wenn man eine Kupfermünze auf
dem Fußboden oder auf einem Stück Tuch reibt, so wird sie so heiß, daß
man die Finger wegziehen muß, während der Fußboden oder das Tuch nicht
merklich erhitzt ist.
=251. Warum= kann man, wenn man sich die Hand mit Asche bestreut, eine
glühende Kohle hineinlegen, ohne daß man sich verbrennt?