=Weil= nicht blos der Boden und die Seitenwände eines Gefäßes, sondern

auch jede Stelle im Innern der Flüssigkeit einen Druck erleidet

und zwar einen Druck, welcher dem Gewichte der darüber stehenden

Flüssigkeitssäule gleich ist. Jeder Körper, der an Stelle der

Flüssigkeitstheilchen einen Raum im Innern der Flüssigkeit einnimmt,

erleidet also denselben Druck, und dieser wird in einer Meerestiefe

von 400 Metern, wenn man das Gewicht eines Kubikdecimeters Wasser zu

2 Pfund annimmt, auf jeden Quadratmeter Fläche 800000 Pfund betragen.

Natürlich kann eine Flasche einem solchen Drucke nicht widerstehen,

sondern wird entweder zerdrückt, oder es wird der Pfropfen, durch den

sie verschlossen ist, in dieselbe hineingetrieben. Wegen dieses Druckes

können auch Thiere in großen Meerestiefen nicht mehr leben.

[Illustration: Fig. 34.]

=141. Warum= kann man vermittelst einer hydraulischen Presse bei

Anwendung einer sehr mäßigen Kraft einen ungeheuren Druck ausüben?

=Weil= sich der Druck, der hier auf eine Flüssigkeitssäule von geringem

Durchmesser ausgeübt wird, durch eine communicirende Röhre auf eine

Flüssigkeitssäule von sehr bedeutendem Querschnitt fortpflanzt und

die Oberfläche derselben nun einen Druck erleidet, der gerade so groß

ist, als ob jeder Theil derselben dem ursprünglichen Druck ausgesetzt

gewesen wäre. Diese hydraulische Presse (Fig. 34) besteht nämlich aus

zwei Cylindern von sehr verschiedenen Querschnitten, welche durch ein

Rohr mit einander verbunden sind, und in welchen sich Kolben auf und

nieder bewegen lassen. Der kleinere Cylinder hat die Einrichtung einer

Druckpumpe, und durch das Spiel seines Kolbens wird Wasser in den

hohlen Raum des andern Cylinders getrieben, das nun hier den Kolben

desselben in die Höhe schiebt. In demselben Verhältniß, in welchem der

Querschnitt des Druckkolbens von der untern Fläche des Preßkolbens

übertroffen wird, in demselben Verhältniß wird auch die Kraft, mit

welcher man den Druckkolben niederdrückt, von der Kraft übertroffen,

mit welcher der Preßkolben gehoben wird. Beträgt z. B. der Querschnitt

des Druckkolbens 1 □Centimeter, der des Preßkolbens 100 □Centimeter,

und wendet man zum Niederdrücken des Druckkolbens eine Kraft von 50

Pfund an, so wird zunächst der Druck, den der Druckkolben erfährt, da

er durch Vermittelung eines Hebels ausgeübt wird, beispielsweise um das

6fache vermehrt, und die Fläche des Preßkolbens erleidet also einen

Druck von 100 × 300 Pfund oder 30000 Pfund. Bekanntlich werden solche

Pressen besonders zum Pressen von Tuch und Papier, zum Auspressen

von Oelsamen und zum Heben und Fortschieben großer Lasten angewandt.

(Hydraulische Aufzüge!)

=142. Warum= sinken manche Körper im Wasser unter, während andere auf

demselben schwimmen und nur mit Gewalt in dasselbe hineingedrückt

werden können?

=Weil= ein Körper im Wasser nur dann dem Drucke des Wassers das

Gleichgewicht halten kann, wenn sein Gewicht dem einer Wassermenge von

gleichem Rauminhalt oder Volumen gleich ist. Körper, deren Gewicht

größer ist, als das Gewicht des gleichen Volumens Wasser, oder die

specifisch schwerer sind als das Wasser, müssen untersinken, da der

Gegendruck des Wassers ihnen nicht widerstehen kann. Körper aber, deren

Gewicht geringer ist, als das der gleichen Raummenge Wasser, oder die

specifisch leichter sind, schwimmen auf demselben, weil ihr Druck

geringer ist als der Gegendruck des Wassers.

=143. Warum= tritt das Oel, auf welches man Wasser oder eine andere

Flüssigkeit gießt, auf die Oberfläche des Wassers oder der Flüssigkeit

und schwimmt oben auf?

=Weil= Oel weniger wiegt als eine gleich große Menge Wasser, oder mit

anderen Worten, weil Oel ein geringeres specifisches Gewicht hat als

Wasser, und daher das auf das Oel gegossene Wasser, weil es von dem

Oele nicht getragen werden kann, auf den Boden des Gefäßes sinken

muß. Es folgt zugleich daraus, daß, wenn mehrere Flüssigkeiten, z. B.

drei, zusammengegossen würden, die specifisch schwerste zu unterst,

die specifisch leichteste oben auf, die Flüssigkeit von mittlerem

specifischen Gewichte aber sich in der Mitte zwischen Beiden lagern

würde.

=144. Warum= schwimmt eine dünne hohle Metallkugel auf dem Wasser?

=Weil= ein Volumen Wasser, das dem Inhalte der Kugel gleich kommt,

mehr wiegt als die hohle Metallkugel, und sie daher nur so weit in

das Wasser einsinken kann, bis das Gewicht des dadurch aus der Stelle

getriebenen Wassers dem der Metallkugel gleich ist. Würde dagegen die

Metallkugel zusammengedrückt, so würde sie, da sie nun einen bedeutend

kleinern Raum einnähme, und das Metall selbst specifisch schwerer ist

als das Wasser, sogleich im Wasser untersinken.

=145. Warum= sinken Glasflaschen, die mit Wasser angefüllt sind, im

Wasser unter?

=Weil= sie in diesem Falle specifisch schwerer als das Wasser sind,

da zwar das Wasser im Wasser nicht wiegt, das Glas aber, woraus die

Flaschen bestehen, specifisch schwerer als Wasser ist. Leere Flaschen

schwimmen nur deshalb auf dem Wasser, weil sie mit Luft gefüllt

sind, und ein ihrem Umfange gleiches Volumen Wasser schwerer ist

als die Glasmasse der Flaschen und die von ihnen Umschlossene Luft

zusammengenommen.

=146. Warum= kommen Ertrunkene, die einige Tage unter dem Wasser

gelegen haben, auf die Oberfläche desselben?

=Weil= während dieser Zeit wegen eintretender Fäulniß ihr Körper

aufschwillt und, da dieses Aufschwellen nur von Luftarten herrührt,

welche sich durch die Verwesung entwickeln, an specifischem Gewichte

abnimmt. Im lebenden Zustande ist aber schon der Körper der meisten

Menschen etwas leichter als das Wasser, und nur beim Ertrinken ist er

in Folge des eingedrungenen Wassers etwas schwerer geworden. Durch die

in seinem Innern entwickelten Luftarten muß er daher wieder leichter

geworden sein als das Wasser und deswegen auf die Oberfläche gehoben

werden.

=147. Warum= schwimmt das Eis auf dem Wasser?

=Weil= das Eis specifisch leichter als das Wasser ist und daher in

demselben nicht untersinken kann. Das Wasser hat nämlich die besondere

Eigenthümlichkeit, daß es beim Festwerden oder Erstarren, statt, wie

die meisten anderen Körper, sich zusammenzuziehen und dichter zu

werden, sich ausdehnt. Eine bestimmte Menge Wasser nimmt als Eis einen

um 1/13 größeren Raum ein. Eis ist also specifisch leichter als Wasser.

=148. Warum= schwimmen Schiffe mit Lasten, die so schwer sind, daß sie,

für sich allein in das Wasser geworfen, sogleich untersinken würden,

auf demselben?

=Weil= ein Volumen Wasser, das dem Umfange oder Volumen eines Schiffes

gleich kommt, mehr wiegt als das Schiff mit allen darin befindlichen

Lasten, da die große Menge der Luft, welche die Wände des Schiffes

umschließen, wegen der großen specifischen Leichtigkeit derselben das

Gewicht der schwereren Lasten mehr als ausgleicht. Der Druck, den das

Schiff vermöge seiner Schwere auf das Wasser ausübt, vermag daher nicht

den Gegendruck des Wassers völlig aufzuheben; das Schiff sinkt deshalb

nur so weit in das Wasser ein, bis es eine seinem Gewichte gleiche

Menge Wasser aus der Stelle getrieben hat.

=149. Warum= schwimmen Menschen ohne alle Anstrengung auf dem Wasser,

wenn sie unter den Armen über der Brust große mit Luft gefüllte Blasen

befestigen?

=Weil= diese mit Luft angefüllten Blasen, welche bei weitem specifisch

leichter als das Wasser sind, bewirken, daß der ganze Umfang des

Menschen und der Blasen zusammengenommen weniger wiegt, als eine

Wassermenge von gleichem Umfange; so daß der Mensch also nicht

untersinken kann, sondern auf der Oberfläche des Wassers bleibt. Gürtel

oder Jacken aus Kork bewirken dasselbe.

=150. Warum= fällt auf den Boden der Gefäße, worin manche Flüssigkeiten

enthalten sind, ein Satz nieder, wenn man sie einige Zeit ruhig stehen

läßt?

=Weil= die in der Flüssigkeit enthaltenen kleinen festen Körperchen

ungeachtet ihrer Kleinheit ein größeres specifisches Gewicht haben als

das Wasser, und daher der Schwerkraft folgend zu Boden sinken, wenn

nicht der Druck des Wassers durch einen hinzutretenden anderweitigen

Druck vermehrt wird, der die kleinen Körperchen schwimmend erhält.

Ein solcher anderweitiger Druck wird aber durch Schütteln, Kochen

und überhaupt durch jede innere Bewegung der Wassermasse verursacht,

da die kleinen Körperchen vermöge ihrer Kleinheit von den bewegten

Wassertheilchen mit fortgerissen und so am Untersinken verhindert

werden.

=151. Warum= tauchen manche Körper, die auf dem Wasser schwimmen,

tiefer ein als andere, Eichenholz z. B. tiefer als Fichtenholz?

=Weil= die einen ein größeres specifisches Gewicht als die anderen

haben, schwerere Körper aber bei gleichem Raumumfang eine größere

Menge Wasser aus der Stelle treiben müssen, wenn ihrem Drucke das

Gleichgewicht gehalten werden soll. Ein auf dem Wasser schwimmender

Körper taucht nämlich stets so tief ein, daß das Gewicht des durch den

eingetauchten Theil verdrängten Wassers genau dem ganzen Gewichte des

Körpers gleich ist.

=152. Warum= sinken Schiffe im Flußwasser tiefer ein, als im Meerwasser?

=Weil= das Meerwasser wegen seines Salzgehaltes specifisch schwerer als

das Flußwasser ist. Da nun feste Körper, die auf dem Wasser schwimmen,

immer so viel Wasser aus der Stelle treiben, als sie selbst wiegen,

so braucht natürlich nur eine geringere Menge von Meerwasser aus der

Stelle verdrängt zu werden als von Flußwasser, um doch das gleiche

Gewicht zu erhalten. Wird aber weniger Wasser aus der Stelle getrieben,

so kann das Schiff auch nicht so tief einsinken, als in dem Falle, wenn

eine größere Menge Wasser aus der Stelle getrieben wird.

=153. Warum= schwimmt ein Hühnerei in starkem Salzwasser, während es in

süßem Wasser untersinkt?

=Weil= starkes Salzwasser specifisch schwerer als ein Hühnerei, süßes

Wasser aber specifisch leichter als dasselbe ist, der Druck daher, den

das Hühnerei auf das Salzwasser ausübt, durch den Gegendruck desselben

überwältigt wird, so daß es nicht untersinken kann. Im süßen Wasser

dagegen kann das Ei seiner Schwerkraft ungehindert folgen und sinkt

deswegen zu Boden, indem sein Druck den Gegendruck des süßen Wassers

überwindet. Es ergiebt sich zugleich hieraus, daß Salzwasser specifisch

schwerer als süßes Wasser sein muß.

=154. Warum= steigt das Wasser in einem Gefäße, wenn ein Pfund

Eisen hineingethan wird, höher, als wenn ein Pfund Blei in dasselbe

hineingelegt wird?

=Weil= ein Pfund Eisen einen größeren Raumumfang oder ein größeres

Volumen hat als ein Pfund Blei, und es daher auch mehr Wasser aus der

Stelle treiben muß als das Blei, das Wasser also im ersteren Falle im

Gefäße höher steigen muß als im letzteren.

=155. Warum= ist der Branntwein desto besser, je tiefer die

Branntweinwage in denselben einsinkt, während das Bier desto besser

ist, je weniger tief die Bierwage in dasselbe einsinkt?

=Weil= der Branntwein desto besser ist, je geringeres specifisches

Gewicht er hat, was dann der Fall ist, wenn er mehr specifisch

leichteren Alkohol und weniger specifisch schwereres Wasser enthält;

weil das Bier aber desto besser ist, je größer sein specifisches

Gewicht ist, was dann stattfindet, wenn dasselbe mit mehr Malz bereitet

wurde, also mehr Gummi und Zucker enthält. Ein fester Körper sinkt

aber um so tiefer in eine Flüssigkeit ein, je geringer das specifische

Gewicht derselben ist.

=156. Warum= ist das Gewicht der Körper im Wasser leichter als

außerhalb desselben?

=Weil= alle Körper im Wasser so viel an Gewicht verlieren, als das

Wasser wiegt, welches sie aus der Stelle treiben, oder mit andern

Worten, so viel als das Wasser wiegt, dessen Menge hinreichen würde,

den Raum dieser Körper einzunehmen. Man bezeichnet dieses Gesetz mit

dem Namen des Archimedischen Prinzips, weil es von _Archimedes_ in

Sicilien (220 vor Christo) zuerst angewandt sein soll.

=157. Warum= vermag ein Hund einen untergesunkenen Menschen wieder auf

die Oberfläche des Wassers zurückzubringen und ihn im Wasser bis an das

Ufer zu schleppen?

=Weil= der Mensch, wie jeder andere Körper, im Wasser an seinem

Gewichte verliert, und zwar so viel, als ein seinem Körperumfange

gleiches Volumen Wasser wiegt. Da der Mensch aber meist sogar etwas

specifisch leichter, selten wenig specifisch schwerer als das Wasser

ist, so bleibt von seinem Gewichte im Wasser auch im ungünstigsten

Falle nur so wenig übrig, daß ein Hund es leicht tragen und aus der

Tiefe emporziehen kann.

=158. Warum= kann ein Hund einen schweren Stein wohl vom Grunde des

Wassers heraufholen, muß ihn aber über der Oberfläche fallen lassen?

=Weil= der Stein im Wasser so viel weniger wiegt, als das Gewicht des

von ihm verdrängten Wassers beträgt, er außerhalb desselben aber wieder

mit seinem ganzen Gewichte drückt.

=159. Warum= vermag man einen in Wasser getauchten Eimer mit dem

kleinen Finger bis an die Oberfläche des Wassers zu ziehen?

=Weil= ein mit Wasser angefüllter Eimer im Wasser noch leichter ist,

als ein leerer Eimer außerhalb desselben, da das Gewicht des im Eimer

befindlichen Wassers durch den Gegendruck des umgebenden Wassers

aufgehoben wird, also nur noch das Gewicht des Holzes übrig bleibt,

welches aber bekanntlich geringer ist, als das des Wassers und daher

vom Wasser getragen wird. Der gefüllte Eimer bietet daher im Wasser gar

keine Last dar, und es ist beim Aufziehen desselben nur der Widerstand

der darüber befindlichen Wassertheilchen zu überwinden.

=160. Warum= erhält sich der Mensch auf der Oberfläche des Wassers,

wenn er mit den Händen oder Füßen gewisse Bewegungen macht, d. h.

schwimmt?

=Weil= durch die künstlichen Schwimmbewegungen, die in einem Stoß der

Füße und der flachen Hände gegen das Wasser bestehen, ein hinreichender

Gegendruck gegen das Wasser geübt wird, um den schon an sich das Wasser

gar nicht oder wenig an specifischer Schwere übertreffenden Körper

am Tiefersinken zu verhindern. Da die meisten Menschen 1/9 bis 1/10

leichter als Flußwasser zu sein pflegen, so können sie auch ruhig auf

dem Rücken im Wasser liegend, mit über dem Kopf zusammengeschlagenen

Armen und gespreizten Beinen, ohne die geringste Bewegung sich auf

der Oberfläche des Wassers erhalten. In jeder andern Lage würde

freilich das Gesicht unter das Wasser tauchen und dadurch die Athmung

verhindert werden, wenn nicht durch die Schwimmbewegungen der Kopf

wieder darüber gehoben würde. Beine, Arme und Kopf haben das größte

Gewicht unter allen Körpertheilen, wie überhaupt die Knochenmasse das

Gewicht vermehrt, während die Fettmasse es vermindert; weshalb auch

fette Menschen leichter schwimmen als magere. Das geringste Gewicht

hat die Brust wegen der Höhlung, die sie umschließt. Jedes Ein- und

Ausathmen ist mit einer abwechselnden Erweiterung und Verengung der

Brusthöhle verbunden und bedingt darum auch ein abwechselndes Heben

und Sinken des Körpers im Wasser. Die meisten Menschen würden, wenn

sie in das Wasser fallen, nur bis zur Nase einsinken und darum durch

Zurücklegen des Kopfes leicht im Stande sein, Mund und Nase über dem

Wasser zu erhalten, wenn sie nicht in besinnungsloser Angst gewöhnlich

selbst ihre Rettung dadurch vereitelten, daß sie die Arme über das

Wasser emporstrecken und so den Kopf zwingen, zur Wiederherstellung des

Gleichgewichts unterzutauchen.

=161. Warum= können die Fische sich nach Belieben im Wasser auf- und

abwärts bewegen?

=Weil= sie im Innern ihres Leibes eine lufterfüllte Schwimmblase haben,

welche sie durch eine Rippenbewegung willkürlich zusammendrücken oder

erweitern können. Durch Zusammendrücken der Schwimmblase erlangen sie

aber ein größeres specifisches Gewicht und bewegen sich darum abwärts.

Durch Erweiterung der Schwimmblase werden sie specifisch leichter und

bewegen sich deshalb aufwärts. Die Flossen des Fisches unterstützen

diese Bewegung noch, indem sie mit ihren breiten Flächen den Fisch

gleichsam nach oben oder unten oder seitwärts fortschnellen.

Gleichgewicht und Bewegung luftförmiger Körper.

Die Luft hat die allgemeinen Eigenschaften aller Körper. Sie

nimmt für sich einen Raum ein und behauptet denselben, so lange

sie nicht entweichen kann. Sie ist daher ein Körper, obgleich

sie ihrer Durchsichtigkeit wegen von unseren Augen nicht

wahrgenommen wird. Als Körper ist sie auch schwer und übt auf

andere Körper einen Druck aus, der sogar unter Umständen sehr

bedeutend werden kann.

Von den festen und flüssigen Körpern unterscheidet sich

die Luft wesentlich durch das Bestreben ihrer Theilchen,

sich immer weiter von einander zu entfernen oder einander

abzustoßen. Die Luft kann daher niemals, wie ein flüssiger

Körper, einen abgeschlossenen Raum nur theilweis erfüllen,

sondern dehnt sich aus, wenn der Raum erweitert wird, und

zieht sich zusammen, wenn der Raum verengt wird. Dieselbe

Luftmenge kann daher jeden, den größten wie den kleinsten Raum

ganz erfüllen. Ist sie zusammengedrückt worden, so nimmt sie,

sobald der Druck aufhört, den vorigen Raum wieder ein. Dieses

wichtige Ausdehnungsvermögen der Luft, das man auch Spannkraft

oder Elasticität nennt, bewirkt manche Abweichungen von den

Gesetzen des Gleichgewichts und der Bewegung, welche für feste

und flüssige Körper gelten. Es giebt mehrere Luftarten, die

sich sowohl durch Dichtigkeit, Farbe, Geruch, als durch ihr

Verhalten gegen andere Körper unterscheiden. Die atmosphärische

Luft, welche uns umgiebt, ist im Wesentlichen ein Gemenge

von zwei Luftarten, die man Sauerstoff und Stickstoff nennt;

verhältnißmäßig geringe Mengen von Wasserdampf und Kohlensäure

gehören indeß gleichfalls zu den nothwendigen Bestandtheilen

unserer Atmosphäre.

=162. Warum= haben wir, wenn wir die flache Hand hin und her bewegen,

das Gefühl eines Windes?

=Weil= wir durch die Hin- und Herbewegung der Hand einen Körper,

welcher uns allenthalben umgiebt, in Bewegung setzen und aus seinem

Raume verdrängen. Dieser Körper ist die Luft, und das Gefühl des Windes

rührt von der bewegten Luft her; denn Wind ist nichts anderes als

bewegte Luft.

=163. Warum= wird ein größeres Stück Papier, das wir an dem einen Ende

anfassen, wenn wir es schnell seiner Fläche nach vorwärts bewegen,

zumal im Anfange der Bewegung sich an dem anderen nicht festgehaltenen

Ende zurückschlagen?

=Weil= die uns umgebende Luft an dem andern nicht festgehaltenen Ende

dem Papier einen Widerstand entgegensetzt, der dasselbe in seiner

Bewegung hindert. Da es aber mit dem vorwärts bewegten festgehaltenen

Ende im Zusammenhange steht, so muß es der Bewegung desselben zwar

folgen, vermag es aber erst etwas später zu thun, nachdem es die

widerstehende Luft aus ihrer Stelle verdrängt hat.

=164. Warum= füllt sich ein Trinkglas, das wir umgestülpt in's Wasser

eintauchen und darin niederdrücken, nicht mit Wasser?

=Weil= Luft in dem Glase vorhanden ist, welche das Wasser nicht

eindringen läßt. Wäre in dem Glase durchaus kein Körper enthalten,

so müßte das Wasser in dem Glase so hoch steigen, als es außerhalb

desselben steht. Da dies nicht der Fall ist, so muß ein Körper darin

vorhanden sein, der die allgemeine Eigenschaft aller Körper, die wir

Undurchdringlichkeit nennen, besitzt, und dieser Körper ist die Luft.

=165. Warum= lassen sich mit Luft gefüllte Blasen, wenn sie gut

zugebunden sind, mit der größten Mühe nur wenig zusammendrücken?

=Weil= die darin enthaltene Luft dem äußern Druck einen um so

kräftigeren Widerstand entgegensetzt, als sie keinen Raum findet,

wohin sie entweichen kann. Nur wenn der äußere Druck stärker ist,

als der Druck der inneren Luft, wird sie in einen kleineren Raum

zusammengedrängt, nimmt jedoch sofort den vorigen größeren Raum wieder

ein, sobald der Druck nachläßt. Der heftige Widerstand, den wir beim

Drücken auf die zugebundene Blase fühlen, ist ein weiterer Beweis für

die Körperlichkeit der Luft, die wir freilich nicht sehen, wenn wir die

Blase öffnen.

=166. Warum= fühlen wir, wenn wir ein umgestürztes Glas in das Wasser

tauchen, einen gewissen Widerstand?

=Weil= die in dem Glase eingesperrte Luft, durch das entgegenstehende

Wasser zusammengedrückt, vermöge ihrer Spannkraft wieder in einen

größeren Raum sich auszubreiten strebt und daher dem auf das Glas mit

der Hand verursachten Drucke einen andern auf die innere Bodenfläche

ausgeübten Druck entgegenstellt, der das Glas nach entgegengesetzter

Richtung treibt.

=167. Warum= werden Windmühlen durch den Wind in Bewegung gesetzt?

=Weil= der Wind, welcher nichts anderes als bewegte Luft ist, einen

Stoß auf die Flächen des Flügels ausübt, welcher gerade so wirkt wie

der Stoß des Wassers, wenn es auf die Schaufeln eines Mühlrades fällt.

Bei ganz ruhiger Luft können sich daher die Windmühlen nicht bewegen.

=168. Warum= drehen bei den Feuerwerken die Feuerräder sich um?

=Weil= die durch Verbrennung des Pulversatzes sich bildenden erhitzten

und darum stark ausgedehnten Luftarten, indem sie mit Heftigkeit

aus dem vorderen Theile der Hülse, welche das Pulver einschließt,

ausströmen, rückwärts einen heftigen Druck auf diese Hülse ausüben

und sie, da sie an einer drehbaren Scheibe befestigt ist, nach der

entgegengesetzten Richtung sich zu drehen zwingen. Der Stoß der

ausströmenden Luftarten oder Gase auf die vorn in Ruhe befindliche

und dem Beharrungsgesetze unterworfene Luft unterstützt die Bewegung

nach rückwärts. Die Erscheinung ist dieselbe wie die des Segner'schen

Wasserrades (Fr. 138), nur daß dort ausströmendes Wasser, hier

ausströmende Luft den Rückstoß bewirkt.

=169. Warum= steigen Raketen in die Höhe?

=Weil= die nach unten ausströmenden erhitzten Luftarten oder Gase

durch ihre Rückwirkung die Rakete aufwärts treiben. Der lange Stab,

welcher an der Rakete befestigt ist, bewirkt durch sein Gewicht, daß

die Mündung der Rakete immer nach unten gerichtet ist, die Ausströmung

der Gase also auch immer nach unten geschieht, der Druck derselben aber

nach oben wirkt.

=170. Warum= springen Kanonen beim Abfeuern zurück?

=Weil= die durch Entzündung des Schießpulvers entwickelten Gase wegen

ihrer Elasticität einen Druck nach allen Seiten hin üben, und dieser

Druck, so lange noch die Kugel im Rohre ist, von allen Seiten durch

den entgegengesetzten gleichen Druck aufgehoben wird, sobald die Kugel

aber das Rohr verlassen hat, von der Mündung des Rohres her kein Druck

mehr erfolgen kann, der einseitige Druck auf den hintern Verschluß des

Rohres also als Rückstoß übrig bleibt. Dieser Rückschlag kann sehr

bedeutend sein, trotzdem der Stoß durch die große Masse der Kanone

vertheilt wird.

=171. Warum= schlägt ein gewöhnliches Steinschloß- oder

Percussionsgewehr, das beim Losdrücken an die Backe gehalten wird, mit

einiger Heftigkeit an die Backe an?

=Weil= der Druck der sich mit Heftigkeit ausdehnenden, durch

Verbrennung des Pulvers entwickelten Luft von der Seite, wo sich das

Zündloch befindet, keinen Gegendruck mehr erhält, und deshalb als

einseitiger Stoß nach der entgegengesetzten Seite wirksam werden muß.

Bei Hinterladungsgewehren kann daher kein Anschlagen zur Seite, sondern

nur ein Rückstoß stattfinden.

Druck und Schwere der Luft.

[Illustration: Fig. 35.]

Warum und Weil. Physikalischer Teil. Fragen und Antworten aus den wichtigsten Gebieten der gesammten Naturlehre. · 第 5 / 18 段