=50. Warum= ist die Oberfläche des Quecksilbers in einem Glase
kugelförmig erhaben oder convex?
=Weil= die Cohäsionskraft des Quecksilbers stärker ist als seine
Adhäsion gegen die Wände des Glases, seine Theilchen daher der ersten
Kraft folgen und sich, ähnlich wie bei dem Tropfen, nach der Mitte zu
anhäufen und so eine kugelförmig erhabene Oberfläche bilden.
=51. Warum= ist die Oberfläche des Quecksilbers in einem zinnernen
Becher concav?
=Weil= die Adhäsionskraft zwischen dem Quecksilber und dem Zinn stärker
ist als die Cohäsion des Quecksilbers, so daß die zunächst liegenden
Theilchen desselben die Cohäsion überwinden und sich an den Wänden des
Bechers hinaufziehen.
=52. Warum= ist die Oberfläche des Wassers in einem Glase convex, wenn
man dasselbe inwendig mit Talg bestreicht und dann noch mit Hexenmehl
belegt?
=Weil= die Adhäsionskraft zwischen dem Wasser und dem Glase durch das
Hexenmehl verhindert ist zu wirken, und darum die Cohäsion des Wassers
in voller Kraft bleibt und seine Theilchen zwingt, sich gegen die Mitte
anzuhäufen.
=53. Warum= ist die Oberfläche des Wassers in einem bis an den Rand
vollgefüllten Glase convex?
=Weil= die Adhäsionskraft zwischen Glas und Wasser hier nicht mehr
wirken kann, da über der Wasserfläche kein Glas mehr vorhanden ist, so
daß also die Wassertheilchen ganz ungehindert der Cohäsionskraft folgen
und sich gegen die Mitte anhäufen können.
[Illustration: Fig. 4.]
=54. Warum= steigt in den Haarröhrchen, wenn sie senkrecht in Wasser
getaucht werden, das Wasser in die Höhe?
=Weil= das in ein solches Haarröhrchen eingedrungene Wasser zunächst
von der innern Wand des Röhrchens angezogen und an ihr emporgehoben
wird, so daß es ursprünglich zwar eine concave Oberfläche hat, die sich
aber, da wegen der durch die Enge der Röhren veranlaßten Annäherung
der kleinsten Theilchen des Wassers die Cohäsionskraft des letzteren
ungehindert wirken kann, wieder ausfüllt und dadurch eben (horizontal)
wird, worauf die Adhäsionskraft des Glases wieder eine concave und die
Cohäsionskraft wieder eine ebene Fläche herstellt und so fort, bis das
Gleichgewicht zwischen der gehobenen Wassersäule und den anziehenden
Kräften hergestellt ist. Je enger ein solches Röhrchen ist, desto höher
muß nothwendig das Wasser in demselben steigen, da die Cohäsionskraft
um eben so viel stärker wirken kann.
[Illustration: Fig. 5.]
=55. Warum= steht das Quecksilber in den Haarröhrchen nicht höher,
sondern sogar bedeutend tiefer als in dem Gefäße mit Quecksilber, in
welches man sie gestellt hat?
=Weil= die Adhäsionskraft zwischen dem Quecksilber und dem Glase so
schwach ist, daß sie durch die Cohäsionskraft des Quecksilbers völlig
aufgehoben wird, so daß diese Cohäsion die Quecksilbertheilchen
hindert, in das enge Röhrchen einzudringen.
=56. Warum= steigt das Wasser zwischen zwei mit ihren Flächen an
einander gelegten Glastafeln höher auf, als es in dem Gefäße steht, in
das man sie gestellt hat?
=Weil= auch in diesem Falle die Adhäsion zwischen Glas und Wasser die
nächsten Wassertheilchen an dem Glase emporzieht, und das Bestreben der
Cohäsion, die entstandene Vertiefung der Oberfläche auszugleichen, das
Nachfolgen weiterer Wassertheilchen veranlaßt.
=57. Warum= wird Löschpapier, das man in Wasser taucht, auch an
denjenigen Stellen nach und nach feucht, die sich außerhalb des Wassers
befinden?
=Weil= die Poren des Löschpapiers gleichsam nur eine unzählige Menge
unregelmäßig zusammengehäufter Haarröhrchen sind, und die Flüssigkeit
daher in diesen ebenso wie in den Haarröhrchen aufsteigen muß. Dasselbe
findet auch bei andern porösen Körpern statt, bei Zucker, Holz,
Sandstein; auch ein Haufen Sand oder Asche wird auf einem feuchten
Boden sehr bald bis zum Gipfel von Feuchtigkeit durchdrungen.
=58. Warum= bleiben Stahlwaaren, in Kohlenpulver verpackt, blank, und
warum werden Eier und Fleisch durch Kohlenpulver frisch erhalten?
=Weil= das Kohlenpulver eine außerordentliche Porosität besitzt, und
seine feinen Haarröhrchen alle Feuchtigkeit aufsaugen und sie so
verhindern, die Stahlwaaren oder Eier zu verderben.
=59. Warum= brennt eine Lampe fort, wenn auch nur wenig Oel in dem
Behälter vorhanden ist?
=Weil= auch der Docht der Lampe eine Menge feiner Haarröhrchen enthält,
durch welche sich das Oel hinaufzieht und so der Flamme die zum Brennen
nöthige Nahrung darbietet. Da nun die Wirkung der Haarröhrchenanziehung
eine ununterbrochene ist, so steigt auch das in dem Oelbehälter
befindliche Oel unausgesetzt aufwärts, bis es gänzlich verzehrt ist.
=60. Warum= verkürzen sich die Stricke, wenn sie naß werden?
=Weil= die Hanffasern in ihren Haarröhrchen die Feuchtigkeit aufsaugen
und dadurch anschwellen, die dicker werdenden Fäden aber nun sich
zurückdrehen. Die Kraft, welche durch diese Verkürzung der Stricke
ausgeübt wird, ist so außerordentlich groß, daß in Rom ein Obelisk von
9000 Centner Gewicht, den man mit allen Maschinen nicht aufzurichten
vermocht hatte, allein durch die feucht gewordenen Taue, die ihn
hielten, emporgezogen wurde.
=61. Warum= kann man sich mit einem seidenen Taschentuch nicht so gut
den Schweiß trocknen als mit einem leinenen?
=Weil= die Seidenfaser zwar auch Haarröhrchen besitzt, diese aber wegen
der geringen Adhäsion, die zwischen Seide und Wasser besteht, nur wenig
Feuchtigkeit aufsaugen. Baumwollene Taschentücher nehmen den Schweiß
noch besser auf als leinene.
=62. Warum= läßt sich Quecksilber in Beuteln aus Flor forttragen, ohne
daß es durch die von den Fäden gebildeten Zwischenräume hindurchfällt?
=Weil= die Cohäsionskraft des Quecksilbers stärker wirkt als die
Adhäsionskraft der Fäden, und sich daher das Quecksilber nicht an die
Fäden des Flors anlegt, sondern, durch die Cohäsion zusammengehalten,
als ganze Masse von den Fäden des Flors getragen wird. Berührt man aber
mit der unteren Seite des Flors einen Quecksilberspiegel, so fließt
das Quecksilber sofort durch den Flor, weil nun die Cohäsion durch die
Anziehung des Quecksilberspiegels überwunden wird.
[Illustration: Fig. 6.]
=63. Warum= fahren zwei Korkkügelchen, welche auf Wasser schwimmen,
sobald sie einander nahe kommen, auf einmal schnell an einander?
=Weil= an dem Umfange beider Korkkügelchen in Folge der Adhäsion das
Wasser etwas höher steht, als die übrige Oberfläche des Wassers, und
zwischen den Kügelchen daher, wenn sie sich einander nähern, eine hohle
Wasserfläche entsteht, so daß die Wassertheilchen, indem sie diese
vermöge ihrer Anziehung auszufüllen suchen, zusammenfließen und die
Kügelchen mit sich fortreißen. Ein Korkkügelchen und ein Wachskügelchen
aber, die man auf dem Wasser schwimmen läßt, ziehen einander nicht an,
sondern stoßen sich ab, weil das Wachskügelchen, das bekanntlich vom
Wasser nicht benetzt wird, von einer Senkung des Wassers umgeben ist
und daher bei der Annäherung an das Korkkügelchen von der erhöhten
Wasserumgebung des Letzteren wie auf einer schiefen Ebene herabrollt.
[Illustration: Fig. 7.]
=64. Warum= bewegen sich kleine Körper, wie z. B. Holzspänchen,
Korkkügelchen und dergleichen, wenn sie sich der Wand des Gefäßes
nähern, schneller nach derselben zu, als sie sich in der Mitte des
Gefäßes bewegten?
=Weil= vermöge der Adhäsion das Wasser sowohl an der Wand des Gesäßes
als an dem Umfange der kleinen schwimmenden Körperchen höher steht, als
die Oberfläche des übrigen Wassers in dem Gefäße, so daß sich zwischen
der Wand und dem Kügelchen bei der Annäherung desselben eine hohle
Fläche bildet, zu deren Ausfüllung die Wassertheilchen zusammenfließen
und dabei das Kügelchen mit sich fortreißen.
Trägheit.
In der Natur kann keine Veränderung in dem Zustande der
Dinge vorgehen, ohne daß sie durch eine besondere Ursache
oder Kraft veranlaßt wird. Diese Eigenschaft der Körper, den
Zustand, in welchem sie sich gerade befinden, unverändert
beizubehalten, oder vielmehr ihr Unvermögen, den Zustand der
Ruhe oder Bewegung von selbst zu verändern, bezeichnet man
als Beharrungsvermögen oder Trägheit. Ist ein Körper in Ruhe,
so ist eine Kraft nöthig, um ihn in Bewegung zu setzen; ist
er in Bewegung, so ist eine Kraft nöthig, um ihn zur Ruhe zu
bringen. Ein Körper, der einmal in Bewegung ist, wird ohne
Einwirkung äußerer Kräfte seine Bewegung mit unveränderter
Geschwindigkeit und in unveränderter Richtung fortsetzen, bis
sie durch äußere Hindernisse aufgehoben wird. Solche äußere
Hindernisse der Bewegung sind insbesondere die Schwere des sich
bewegenden Körpers, die Reibung an der Fläche, auf welcher er
sich bewegt, der Widerstand der Luft und der Stoß gegen ihm
entgegenstehende oder sich ihm entgegen bewegende andere Körper.
=65. Warum= wird mit der größten Anstrengung ein sehr schwer beladener,
ruhig stehender Wagen von den Pferden fortgezogen, während er, einmal
in Bewegung gesetzt, mit viel geringerer Anstrengung fortbewegt wird?
=Weil= zunächst die Trägheit der Last und des Wagens überwunden werden
muß, während später, wenn der Wagen einmal in Bewegung ist, die Pferde
nichts weiter zu thun haben, als die seiner Bewegung entgegenstehenden
Hindernisse zu überwinden, namentlich die Reibung auf dem unebenen
Boden.
=66. Warum= bleibt die Betriebswelle einer Dampfmaschine noch in
Bewegung, wenn dem Dampfe der Zugang in den Dampfcylinder bereits
abgeschnitten ist?
=Weil= das Schwungrad der Maschine, in welchem eine bedeutende
lebendige Kraft gleichsam aufgespeichert liegt, seine Bewegung noch
fortsetzt und ebenso die mit demselben fest verbundene Betriebswelle.
Die Bewegung dauert so lange fort, bis die Kraft des Schwungrades durch
die entgegenwirkenden Reibungswiderstände vernichtet ist.
=67. Warum= bekommen Personen, die sich in einem schnell fahrenden
Wagen befinden, wenn dieser plötzlich anhält, einen Ruck vorwärts?
=Weil= sie in der ihnen vom Wagen mitgetheilten Bewegung auch dann noch
beharren, wenn der Wagen still steht. Sie würden sogar noch weiter
vorwärts geworfen werden, wenn nicht die Reibung auf dem Wagensitze
und die Muskelkraft ihrer Beine, auf die sie ihren Körper zum Theil
stützen, diese vorwärtsgehende Bewegung hemmte. In einem ruhenden Wagen
sitzende Personen dagegen werden, wenn die Pferde plötzlich anziehen,
rückwärts geworfen, weil sie an dem Orte zu beharren streben, an
welchem sie waren.
=68. Warum= schlagen Kanonen- oder Flintenkugeln, die aus großer
Nähe durch eine Fensterscheibe hindurchgeschossen werden, nur ein
kreisrundes Loch in das Glas von fast demselben Durchmesser wie die
Kugel, ohne die Fensterscheibe zu zersplittern?
=Weil=, wenn Theile eines Körpers durch eine heftige, ungemein schnell
wirkende Kraft aus dem Zustande der Ruhe in den der Bewegung versetzt
werden, wie dies bei einer aus der Nähe abgeschossenen Flinten-
oder Kanonenkugel geschieht, die übrigen Theile des Körpers nicht
nur in Ruhe bleiben, sondern auch vermöge ihrer Trägheit ohne alle
Beschädigung für sie den Zusammenhang aufgeben, in dem sie mit den
losgerissenen Theilen standen. Bei einem langsameren Schlage der Kugel
gegen eine Fensterscheibe würde auch die Umgebung zertrümmert werden,
da die Bewegung dann Zeit hätte, sich von den getroffenen Theilen auch
den benachbarten mitzutheilen.
=69. Warum= muß man aus einem in schneller Bewegung befindlichen Wagen
oder Fuhrwerke mit dem Gesicht nach den Pferden gewendet hinausspringen?
=Weil= beim Berühren des Erdbodens mit den Füßen der Oberkörper nach
vorn fällt und man _sieht_, wohin man fällt; man hat die Arme zur Hülfe
frei. Springt man verkehrt, so fällt man rücklings leicht auf den
Hinterkopf, was sehr gefährliche Wirkungen, selbst den Tod, zur Folge
haben kann. Springt man richtig und neigt dabei den Oberkörper leicht
nach hinten, so, steht man beim Berühren des Erdbodens mit den Füßen
senkrecht, und die Gefahr ist in der Hauptsache vermieden.
=70. Warum= fällt ein Geldstück, welches auf einem Kartenblatt genau
über der Mündung einer Flasche liegt, in diese hinein, wenn man mit dem
Finger das Kartenblatt rasch in horizontaler Richtung fortschnellt?
=Weil= das Geldstück wegen seines Beharrungsvermögens an der Bewegung
des Kartenblattes keinen Theil nimmt, wenn die Bewegung schnell und
heftig genug ist, um die Reibung, vermöge deren das Geldstück sonst an
dem Kartenblatt haftet, zu überwinden. Wird daher das Kartenblatt nur
langsam weggeführt, so bleibt das Geldstück darauf liegen.
=71. Warum= kann man einen Mauerstein in der Hand zerschlagen, ohne den
Schlag des Hammers sehr zu empfinden?
=Weil= die durch den Schlag des Hammers bewirkte Erschütterung sich
nur den der getroffenen Stelle zunächstliegenden Theilen mittheilt, die
übrigen Theile des Steins aber in ihrer Ruhe beharren, und so auch die
Hand darunter von ihnen nicht erschüttert wird. Deshalb ist es auch
kein großes Kunststück, wenn ein sogenannter Herkules auf einem Ambos,
der auf seiner Brust liegt, hämmern läßt, wenn die Schläge nur schnell
geführt werden, und der Hammer immer schnell wieder zurückgezogen wird.
=72. Warum= ist es so gefährlich, in den Lauf eines geladenen Gewehres
Sand gerathen zu lassen?
=Weil= das beim Losschießen sich durch die Explosion des Pulvers
entwickelnde Gas sich viel zu schnell ausdehnt, als daß sich die
Bewegung der untersten Sandtheile den oberen mittheilen könnte, und
das in seiner Ausdehnung gehemmte Gas daher den Lauf sprengt. Deshalb
braucht man beim Sprengen von Felsen auch nur das Pulver im Bohrloch
mit lockerem Sand zu bedecken, und doch wirkt die Gewalt der Explosion
nach allen Seiten hin.
=73. Warum= müssen dauerhafte Brücken eine große Masse haben?
=Weil= eine um so größere Kraft dazu gehört, einen Körper in Bewegung
zu setzen, je größer seine Masse ist. Die mit großer Geschwindigkeit
über eine Brücke fahrenden, oder mit einer schweren Last sich über
dieselbe bewegenden Wagen vermögen nur den Stellen der Brücke, auf
welchen sie fahren, eine Erschütterung mitzutheilen, die aber durch
den Widerstand einer bedeutenden Menge ruhender Theile, welche der
Bewegung widerstehen, bald aufhört weiter fortgepflanzt zu werden
und daher eine große Menge von Theilen der Brücke nicht erreicht.
Starke Erschütterungen bringen freilich Wirkungen hervor, die der
Dauerhaftigkeit einer Brücke sehr nachtheilig sind.
=74. Warum= kann man den lose gewordenen Stiel eines Hammers oder einer
Axt dadurch wieder befestigen, daß man denselben umgekehrt gegen einen
harten Gegenstand aufstößt?
=Weil= durch den heftigen Stoß nur die Bewegung des Hammers, nicht aber
die des losen Eisenstücks plötzlich gehemmt wird, so daß also der Stiel
weiter in das hinabgleitende Eisenstück eindringt.
=75. Warum= kann man eine verstopfte Röhre oft dadurch wieder öffnen,
daß man gewaltsam an das eine Ende derselben schlägt?
=Weil= die durch das heftige Schlagen an die Röhre bewirkte
Erschütterung derselben sich dem sie verstopfenden Körper mittheilt und
ihn aus dem Zustande der Ruhe in den der Bewegung versetzt, wodurch er
allmählich bis an die Oeffnung der Röhre gebracht wird. Dies wird um so
eher geschehen können, wenn es nicht _ein_ Körper ist, sondern mehrere,
die sich zusammengehäuft haben.
Elasticität.
Nicht nur als Ganzes wollen die Körper ihren Zustand
beibehalten, sondern auch ihre einzelnen Theile widerstreben
einer Veränderung ihrer Lage. Diejenige Eigenschaft eines
Körpers, vermöge welcher seine Theile, wenn sie aus ihrer
Lage gebracht sind, genau wieder in dieselbe zurückkehren,
sobald die störende Kraft zu wirken aufgehört hat, nennt man
Elasticität. Vollkommen findet diese Rückkehr der Theilchen
in ihre frühere Lage nur dann statt, wenn ihre Verschiebung
gewisse Grenzen nicht überschritten hat. Solche Körper,
welche diese Eigenschaft in hohem Grade besitzen, wie Stahl,
Elfenbein, Gummi, nennt man elastische; solche, welche diese
Eigenschaft gar nicht, oder in kaum merkbarem Grade besitzen,
wie Blei, Wachs, Thon, nennt man unelastische Körper. Solche
Körper, bei denen eine größere Kraft nöthig ist, um überhaupt
eine Verschiebung der Theilchen hervorzubringen, wie Stahl und
Elfenbein, heißen hart; solche, bei denen eine geringe Kraft
die Verschiebung bewirkt, wie Gummi oder Thon, heißen weiche
Körper; solche, die -- sobald die Verschiebung ihrer Theilchen
die Elasticitätsgrenze überschritten hat, -- ihren Zusammenhang
verlieren und zerbrechen, wie das Glas, werden spröde genannt;
solche endlich, deren Theilchen jenseits der Elasticitätsgrenze
nur eine andere Lage annehmen, ohne den Zusammenhang zu
verlieren, wie Metalle, heißen dehnbar.
=76. Warum= wird ein von einer Armbrust geschossener Bolzen bis zu
ansehnlicher Entfernung fortgetrieben?
=Weil= die stark ausgedehnte elastische Schnur, deren Kraft durch das
gekrümmte elastische Holz, an dessen beiden Enden die Schnur befestigt
ist, noch verstärkt wird, sobald sie durch den Drücker frei gemacht
wird, mit aller Kraft in ihre vorige Lage wieder zurücktritt und daher
auf ihrem Wege den unmittelbar vor ihr liegenden Bolzen mit großer
Gewalt forttreibt.
=77. Warum= bekommt eine Billardkugel, welche auf eine recht eben
und glatt geschliffene Marmortafel herabfällt, die man an einer
Oellampe schwarz anlaufen ließ, einen ziemlich großen schwarzen Fleck,
während sie an der aufstoßenden Stelle nur einen Fleck von der Größe
eines Stecknadelknopfes bekommt, wenn man sie mit der Hand auf die
Marmorplatte stößt?
=Weil= die Kugel, wenn sie auf die Marmorplatte herabfällt, wegen der
Gewalt des Stoßes an der auffallenden Stelle platt gedrückt wird, und
mit dieser ganzen Fläche die Platte berührt, nachher jedoch wegen ihrer
Elasticität sogleich wieder in ihre runde Gestalt zurückkehrt. Wird
dagegen die Kugel blos mit der Hand auf die Platte gedrückt, ist also
keine Kraft vorhanden, welche die Lage der Theilchen verschiebt, so
berührt sie dieselbe blos in einem einzigen Punkt und zeigt sich daher
auch nur an diesem schwarz.
=78. Warum= springt eine mit Luft angefüllte Schweinsblase, welche man
mit Gewalt etwas platt drückt, sogleich wieder in ihre vorige Gestalt
zurück, sobald man zu drücken aufhört?
=Weil= die darin enthaltene Luft dem Drucke zwar nachgiebt und sich
in einen engeren Raum zusammenzieht, sobald aber der Druck nachläßt,
vermöge ihrer Elasticität wieder in den Raum zurückkehrt, den sie
vorher einnahm, und daher die zusammengedrückte Blase wieder ausspannt.
=79. Warum= fliegt ein Gummiball, mit einer Ballkeule geschlagen,
weiter als ein unelastischer Stein?
=Weil= die von dem Schlage getroffenen Theile des elastischen Balles
soweit nachgeben, bis die Rückwirkung der Elasticität der stoßenden
Kraft gleich ist, der Ball also durch das Zurückspringen der gewichenen
Theile in ihre ursprüngliche Lage den ganzen Stoß erhält, während
bei dem unelastischen Steine die Wirkung des Stoßes sich nicht allen
Theilen mittheilt, ein großer Theil der Wirkung des Stoßes also an der
Ballkeule verloren geht.
Schwerkraft.
Alle Körper auf der Erde sind schwer, d. h. sie werden von der
Erde angezogen oder haben das Bestreben, sich dem Mittelpunkte
der Erde zu nähern, und fallen, wenn sie nicht durch eine
andere Kraft daran gehindert werden. Eine Wirkung dieser
Anziehungskraft der Erde, die man ihre Schwerkraft nennt, ist
der Druck, welchen jeder Körper auf eine Unterlage, die ihn am
Fallen hindert, also etwa auf unsere Hand, wenn wir ihn in der
Hand halten, ausübt, und diesen Druck nennt man das Gewicht
des Körpers. Die Gewichte verschiedener Körper vergleichen,
heißt sie _wägen_. Als Einheit für diese Vergleichung dient
jetzt allgemein das Gewicht eines Kubikcentimeters destillirten
Wassers oder das Gramm; die decimalen Theile desselben
heißen Decigramm, Centigramm, Milligramm (1/1000 Gramm), die
decimalen Vielfachen sind Dekagramm, Hektogramm, Kilogramm. Ein
Kilogramm, kurz 1 Kilo, ist gleich 2 Pfund, 50 Kilo bilden 1
Centner.
=80. Warum= ist ein auf dem Tische liegender großer Quecksilbertropfen
nie ganz kugelrund?
=Weil= bei einem großen Quecksilbertropfen der Cohäsionskraft, --
welche seine Theilchen zusammenhält und, da sie von allen Seiten
gleichmäßig wirkt, sie zwingt, die Kugelgestalt anzunehmen, -- die
Schwerkraft entgegenwirkt und jene zwar nicht völlig aufhebt, aber
doch schwächt, so daß die Theilchen, ohne sich zu trennen, dem Zuge
der Schwere nach unten folgend, von der Kugelgestalt abweichen
müssen. Bei größeren Flüssigkeitsmassen bewirkt diese Schwere das
Auseinanderfließen zur Ebene.
=81. Warum= wird eine Schnur, an der ein Bleigewicht hängt, straff
gezogen?
=Weil= das Bleigewicht, wie jeder andere Körper, durch die Schwerkraft
nach dem Mittelpunkte der Erde gezogen wird, die Schnur jedoch dasselbe
hindert, diesem Bestreben zu folgen, so daß es nur mit der Kraft, die
seinem Drucke oder Gewichte gleich ist, die Schnur straff zu spannen
vermag. Dadurch bezeichnet es aber zugleich die Richtung, in welcher
die Schwerkraft wirkt, und in welcher daher auch Mauern, die nicht
fallen sollen, aufgerichtet werden müssen. Darauf beruht der Gebrauch
des Bleiloths der Maurer. Diese Richtung des Bleiloths nennt man die
senk- oder lothrechte oder auch verticale.
=82. Warum= fällt ein Stein, den wir in der Hand halten, sobald wir ihn
loslassen, auf die Erde?
=Weil= unsere Hand für den Stein nur das Hinderniß war, dem Zuge der
Schwerkraft zu folgen, und er nach Beseitigung des Hindernisses nun
von der Wirkung dieser Kraft so lange getrieben wird, bis er auf dem
Erdboden abermals einen Widerstand findet. Je tiefer er fällt, um so
schneller wird seine Bewegung, da die Schwerkraft nicht _einmal_,
sondern beständig in jedem Augenblick auf ihn wirkt und daher mit jedem
Augenblick seine Bewegung beschleunigt.
=83. Warum= schießen Wagen von einer Anhöhe mit solcher Geschwindigkeit
herab, wenn sie nicht gehemmt werden?
=Weil= auf der schiefen Ebene, wie sie eine solche Anhöhe darstellt,
ein Körper nur zum Theil gegen das Herabfallen geschützt ist, und es
nur einer geringen Kraft bedarf, um den Widerstand zu überwinden, durch
den er vom Herabfallen abgehalten wird. Wenn daher auch die Pferde den
einmal in Bewegung gesetzten Wagen nicht weiter zögen, so würde er
schon durch die eigene Schwerkraft herabgetrieben werden, und zwar mit
zunehmender Geschwindigkeit. Daher müssen die Pferde, sobald der Wagen
auf einer abschüssigen Ebene in Bewegung gesetzt ist, statt ihn zu
ziehen, ihn vielmehr mit aller Kraft zurückhalten.
=84. Warum= fallen leichte Körper, wie Flaumfedern, Papierstückchen u.
s. w. so langsam zur Erde?
=Weil= die auch bei diesen Körpern wirkende Schwerkraft sie zwar nach
der Erde herabtreibt, der Druck aber, den sie wegen der geringen Menge
von materiellen Theilchen ausüben, die in einen für ihre Schwere
ziemlich großen Raum ausgedehnt sind, durch den Gegendruck der Luft,
durch welche sie fallen, zum Theil aufgehoben wird. Die Schwerkraft
wirkt daher nicht mit voller Stärke. Im luftleeren Raume dagegen fallen
alle Körper, Blei wie Federn, gleich schnell.
=85. Warum= drückt ein in eine Wagschale gelegtes Gewicht dieselbe
nieder?
=Weil= das Gewicht vermöge seiner Schwerkraft einen der Menge seiner
materiellen Theilchen entsprechenden Druck auf die Wagschale ausübt,
die es hindert, dem Gesetze der Schwere zu folgen. Es muß daher durch
diesen Druck die Wagschale so weit herabsinken, bis sie unterstützt
wird. Legt man dagegen in die andere Wagschale einen Körper, der eben
so schwer ist, als das Gewicht, so treten die beiden Wagschalen wieder
ins Gleichgewicht.
=86. Warum= wiegt ein Maaß Quecksilber viel mehr als ein Maaß Wasser
und ein Kubikcentimeter Blei mehr als ein Kubikcentimeter Holz?