Theilbarkeit ist diejenige Eigenschaft der Körper, vermöge

Anmerkungen zur Transkription

Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text

ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua gesetzter Text ist

~so markiert~. Im Original fetter Text ist =so dargestellt=.

Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des

Buches.

Otto Ule's

WARUM UND WEIL.

Fragen und Antworten

aus den wichtigsten Gebieten

der gesammten Naturlehre.

Für Lehrer und Lernende in Schule und Haus methodisch

zusammengestellt.

Physikalischer Theil.

Von

~Dr.~ =Otto Ule=.

Mit 110 in den Text eingedruckten Holzschnitten.

Vierte Auflage,

nach dem Tode des Verfassers sorgfältig durchgesehen

von

F. Langhoff,

Direktor der Königl. Gewerbeschule zu Potsdam.

[Illustration]

Berlin, 1877.

Verlag von Karl J. Klemann.

Uebersetzung in fremde Sprachen bleibt vorbehalten.

Buchdruckerei von Gustav Schade (Otto Francke) in Berlin.

Vorwort.

Warum? Das ist die stehende Frage im Kindesmunde, die Eltern und

Lehrern so viel Noth macht, und die man leider so häufig mit der

Antwort zurückweist: Das verstehst Du noch nicht! oder: Das wirst

Du später lernen! Es ist keineswegs, wie man meint, die Frage

bloßer Neugier, sondern die Aeußerung des im Kinde erwachenden

Schlußvermögens. Es ist die Frage, in welcher sich zuerst das Verlangen

kundgiebt, die Gründe dessen zu erfahren, was man sieht und hört.

Es ist aber auch nicht bloß eine kindliche Frage, sondern die Frage

eines Jeden, der von den Erscheinungen zum Gesetze fortzuschreiten

verlangt. Darum tritt sie auch nirgends so häufig und so berechtigt

auf, als in derjenigen Wissenschaft, die es vorzugsweise mit den uns

umgebenden Naturerscheinungen und mit der Erkenntniß ihres gesetzlichen

Zusammenhanges zu thun hat: in der Naturlehre oder Physik. Die Physik

besteht geradezu aus lauter »Warum«'s und »Weil«'s. Darum ist auch

nirgends die Methode des Unterrichts so bestimmt vorgeschrieben, so

gleichsam durch die Sache selbst gegeben, als hier. Wenn mit Recht

darüber geklagt wird, daß der physikalische Unterricht in unseren

Schulen zu wenig leiste, so liegt das einfach an der Verleugnung

dieser naturgemäßen Methode. Man bleibt entweder bei dem bloßen

Anschauungsunterricht stehen, der hier, wo es sich um einen inneren

ursächlichen Zusammenhang handelt, völlig unfruchtbar bleiben muß;

oder man geht gleich von den Gesetzen aus und sucht die Erscheinungen,

statt sie zu erklären, nach der Schablone eines Systems zu ordnen.

Man schafft in dem letzteren Falle nur ein Gedächtnißwerk, das in der

Seele unverarbeitet bleibt und schwerlich befähigt, für jedes später

auftauchende »Warum« auch sein »Weil« zu finden. Diese Erwägungen

waren es, die mich zur Abfassung des vorliegenden Buches bestimmten.

Ich habe darin eine Anzahl physikalischer »Warum«'s und »Weil«'s

zusammengestellt, die den Lehrer beim Unterricht, wie denjenigen, der

darauf angewiesen ist, sein eigener Lehrer aus Büchern zu werden,

in den Stand setzen sollen, von den bekannten Erscheinungen aus zur

Erkenntniß der wichtigsten Gesetze der Physik zu gelangen. Ich habe

dabei vorzugsweise auf solche Erscheinungen Rücksicht genommen, mit

denen der Lernende bereits völlig vertraut ist, oder die ihm mit

Leichtigkeit ohne Hülfe besonders kostspieliger Apparate vorgeführt

werden können. Selbstverständlich muß es immerhin dem Lehrer überlassen

bleiben, je nach der Fassungskraft seiner Schüler, eine Auswahl unter

den vorgeführten Fragen zu treffen. Ebenso wird es jedem Lehrer leicht

sein, durch die Erscheinungen selbst, die er dem Lernenden vor Augen

führt, noch andere vermittelnde oder weitergehende Fragen wach zu

rufen. Wer dann, sei es als Lehrer oder als Lernender, das Bedürfniß

eines eingehenderen und umfassenderen Studiums der Physik empfindet,

den glaube ich auf meine (bei _Ernst Keil_ in Leipzig erschienene)

»populäre Naturlehre« verweisen zu dürfen.

Die großen Erfindungen der Gegenwart, die so tief in das Leben der

Völker eingreifen, haben die Aufmerksamkeit auf die physikalische

Wissenschaft, aus der sie hervorgingen, mehr als je zuvor gelenkt. Es

ist kaum noch möglich, ohne Schaden und ohne Schande mit ihren Lehren

völlig unbekannt zu bleiben. Selbst die Unterrichtsbehörden wagen

nicht länger, dem physikalischen Unterricht seine gebührende Stellung

in der Volksschule vorzuenthalten. Einem so anerkannten Bedürfniß

gegenüber, glaubte ich, werde jeder Beitrag zu einer Erleichterung

der physikalischen Belehrung willkommen sein, wenn er auch sonst

nicht gerade Neues biete. Insbesondere hoffte ich mit dieser Schrift

manchem Lehrer einen Dienst zu erweisen, indem ich ihn der Mühe und

Schwierigkeit überhob, selbst die geeigneten Naturerscheinungen

aufsuchen zu müssen, aus denen in methodischer Ordnung die wichtigsten

Gesetze abgeleitet werden können. Ich hoffte aber auch den auf

Selbstunterricht Angewiesenen mir zu Dank zu verpflichten, indem

ich den von Zeit zu Zeit in ihm auftauchenden, aber vom Geräusch

des Geschäftslebens übertäubten Fragen einen Ausdruck gab und ihm

vielleicht dazu verhalf, sich besser als bisher in den ihn täglich

umgebenden Erscheinungen zurecht zu finden und in ihren ursächlichen

Zusammenhang einzudringen.

_Halle a. S._, den 21. November 1867.

~Dr.~ Otto Ule.

Vorwort zur vierten Auflage.

Der hochgeachtete Verfasser des vorliegenden, originellen, vom großen

Publikum nach seinem Werthe und seiner Bedeutung richtig geschätzten,

mit freudigem Dank entgegengenommenen physikalischen Fragebüchleins

ist leider durch ein herbes Mißgeschick am 6. August 1876 aus diesem

Leben abberufen worden; sein Name und seine Werke werden fortleben,

weil beide an eine hervorragend befähigte edle Persönlichkeit sich

knüpfen. --

Auf Wunsch des Herrn Verlegers habe ich nach dem Tode des Verfassers

es unternommen, die vierte Auflage des physikalischen Theils von Ule's

»Warum und Weil« zu bearbeiten. Fragen und Antworten waren indeß

selbstverständlich so correct, daß ich wenig oder gar nichts daran

zu ändern hatte; ich kann nur sagen, daß ich das Buch bei genauer

Durchsicht lieb gewonnen und in seiner Bedeutung als Volks- und

Schulbuch schätzen gelernt habe. Nichtsdestoweniger haben sich Stellen

gefunden, wo ich auf Grund neuerer Forschungen Aenderungen und Zusätze

vornehmen konnte. Zu einer wesentlichen Vermehrung des Stoffs schien

mir ein Bedürfniß nicht vorhanden zu sein, und so möge denn diese

vierte Auflage die alten Freunde sich erhalten und neue sich erwerben.

Die selbstständige Bearbeitung des chemischen Theils habe ich

gleichfalls übernommen, und wird derselbe, wenn nicht unvorhergesehene

Störungen eintreten, Ende dieses Jahres dem Publikum übergeben werden

können.

_Potsdam_, den 25. Mai 1877.

F. Langhoff.

Einleitung.

Die _Physik_ oder _Naturlehre_ ist die Lehre von den

_Naturerscheinungen_ oder von den Veränderungen in der Körperwelt und

deren Zuständen, so weit sie nicht die innere stoffliche Natur der

Körper betreffen. Man kann aber auch die Physik als die Lehre von den

_Bewegungen_ bezeichnen, da sich alle Naturerscheinungen auf Bewegungen

zurückführen lassen, die freilich selbst nicht immer wahrnehmbar sind,

sondern erst durch ihre Wirkungen erkannt werden können.

Aufgabe der Physik ist, die Naturerscheinungen zu _erklären_, d. h. sie

auf allgemeine Naturgesetze und Naturkräfte zurückzuführen.

_Naturgesetz_ ist der einfache Ausdruck für die allgemeinen

Bedingungen, unter welchen eine Naturerscheinung erfahrungsmäßig

erfolgen muß. _Naturkraft_ ist der Ausdruck für die letzte, keineswegs

immer bekannte Ursache, auf welche eine Naturerscheinung zurückgeführt

werden kann. Ein Naturgesetz, das sich nur auf eine beschränkte Anzahl

von Erfahrungen stützt und die Nothwendigkeit einer Erscheinung nur für

gewisse Umstände ausdrückt, ist nur eine vermuthete Wahrheit oder eine

_Hypothese_.

Allgemeine Eigenschaften der Körper.

Allgemeine Eigenschaften der Körper nennt man diejenigen Eigenschaften,

welche durch den Begriff der Körperlichkeit oder Raumerfüllung bedingt

sind und daher allen Körpern unter allen Umständen gemeinsam zukommen.

Ausdehnung.

Jeder Körper nimmt einen Raum ein oder ist _ausgedehnt_. Die Größe des

von einem Körper eingenommenen Raumes nennt man sein _Volumen_ oder

seinen _Rauminhalt_, die Gesammtheit der körperlichen Theile, welche

diesen Raum erfüllen, seine _Masse_, die Art seiner Begrenzung seine

_Gestalt_. Ist die Gestalt eine regelmäßige, von lauter ebenen Flächen

begrenzte, so nennt man den Körper einen _Krystall_.

Die Ausdehnung eines Körpers wird nach drei Dimensionen gemessen,

nach Länge, Breite und Höhe oder Dicke. Das Längenmaß oder die

Einheit bei Vergleichung verschiedener Längen wurde früher gewöhnlich

vom menschlichen Körper hergenommen. Fuß, Elle, Spanne, Schritt

waren solche Maße, die aber in den verschiedenen Ländern von sehr

verschiedener Länge waren. Jetzt dient ziemlich allgemein bei allen

gebildeten Nationen als Längenmaß das zur Zeit der französischen

Revolution im Jahre 1793 vom Nationalconvent eingeführte _Meter_,

welches dem zehnmillionsten Theile des Erdquadranten gleich ist. Seine

decimalen Theile heißen Decimeter, Centimeter, Millimeter, seine

decimalen Vielfache Dekameter, Hektometer, Kilometer. Ein Meter ist

= 3,1862 alte preußische Fuß. Flächen werden durch das Quadratmeter,

Körper oder Hohlräume durch das Kubikmeter und dessen decimale Theile

und Vielfache gemessen. Ein Kubikdecimeter wird auch ein Liter genannt.

Die Länge der Chausseen, Eisenbahnen und Kanäle wird nach Kilometern

gemessen; 7½ Kilometer bilden eine deutsche oder geographische Meile.

Die Grundstücke in den Städten werden nach Quadratmetern gemessen und

verkauft, früher nach Quadratruthen; 1 Quadratmeter hat 10,15 alte

preußische Quadratfuß; die Quadratruthe enthält 14,18 Quadratmeter.

Acker, Wiesen und Waldflächen wurden früher nach Magdeburger Morgen

berechnet, heute nach _Hektaren_; eine Hektare ist in runder Zahl 4

Morgen groß (genau 3,9166). Ein Are ist gleich 100 Quadratmeter oder

rund 7 Quadratruthen, 1 Hektare gleich 100 Are. Holz, Wasser, Leuchtgas

und andere umfangreiche Materialien berechnet man nach Kubikmetern,

wovon jeder einzelne 32,34 alte preußische Kubikfuße enthält.

Undurchdringlichkeit.

Undurchdringlichkeit ist diejenige allgemeine Eigenschaft der

Körper, vermöge deren in dem Raume, in welchem sich schon ein

Körper befindet, nicht zugleich noch ein anderer Körper sein

kann. So kann ein Raum, welcher Luft enthält, nicht zugleich

auch Wasser enthalten. Soll daher ein Körper in den Raum eines

andern treten, so muß er denselben zuvor daraus verdrängen.

Diese Undurchdringlichkeit ist es besonders, durch welche wir

von dem Vorhandensein der Körper außer uns belehrt werden, da

dieselben auch dem Eindringen unseres eignen Körpers, etwa

unseres tastenden Fingers, Widerstand entgegensetzen.

=1. Warum= fließt ein bis an den Rand mit Wasser gefülltes Glas über,

wenn man den Finger oder einen andern Gegenstand hineintaucht?

=Weil= der Finger keineswegs das Wasser durchdringt, sondern es nur

zwingt aus dem Raume zu entweichen, den er selbst einnehmen will. Die

Menge des überfließenden Wassers mißt darum genau denselben Rauminhalt

oder das Volumen des eingetauchten Körpers. Dies gilt auch für

pulverförmige Körper, wie Sand etc.

[Illustration: Fig. 1.]

=2. Warum= dringt das Wasser nur wenig in ein leeres Glas ein, das

man lothrecht auf eine Wasserfläche aufsetzt und dann in das Wasser

niederdrückt?

=Weil= die in dem Glase enthaltene Luft in dem Raume, den sie einnimmt,

nicht zugleich einen andern Körper zulassen kann, ohne daraus verdrängt

zu werden. Ein anderer Raum, in den sie übergehen könnte, ist aber

nicht vorhanden, und sie muß daher ihren Raum beibehalten und das

Wasser verhindern, in denselben einzudringen. Ein Stückchen Kork,

das unter einem solchen Glase auf dem Wasser schwimmt, geht mit dem

Glase bis zum Boden des Gefäßes hinab und steigt beim Herausziehen des

Glases wieder empor, ohne daß es benetzt wird. Wenn man das Glas unter

das Wasser drückt, so dringt allerdings etwas Wasser in das Glas ein,

aber nicht weil die Luft darin vernichtet ist, sondern weil sie etwas

zusammengedrückt ist.

=3. Warum= kann eine Taucherglocke bis auf den Grund des Meeres

gelassen werden, ohne sich ganz mit Wasser anzufüllen?

=Weil= ebenfalls die in ihr enthaltene Luft als ein Körper dem

eindringenden Wasser Widerstand leistet, und obwohl sie durch dasselbe

etwas zusammengedrückt, d. h. auf einen kleineren Raum beschränkt wird,

doch nicht völlig verdrängt werden kann, da kein Raum vorhanden ist,

der die ausgetriebene Luft aufnehmen könnte. Diese Zusammendrückung

der Luft empfindet der Taucher an dem unangenehmen Druck auf die

Athmungsorgane, die Blutgefäße und das Trommelfell im Ohre.

=4. Warum= läuft Wasser, das in einen den Hals einer leeren Flasche

luftdicht schließenden Trichter gegossen wird, nicht in die Flasche

hinein?

=Weil= die in der Flasche enthaltene Luft, die in keinen andern Raum

entweichen kann, dem Wasser den Eingang verwehrt. Kann die Luft

entweichen, wie es der Fall ist, wenn der Trichter lose in den Hals der

Flasche gefügt wird, so läuft das Wasser hinein.

=5. Warum= pfeifen aus Gewehren oder Kanonen abgeschossene Kugeln auf

ihrem Wege durch die Luft?

=Weil= die Luft beim Eindringen derselben in den Raum, den sie

einnimmt, nach allen Seiten ausweicht, und da die Kugeln mit

außerordentlicher Geschwindigkeit und Kraft sich fortbewegen, durch

das schnelle und gewaltsam erzwungene Ausweichen der Luft eine heftige

Erschütterung derselben bewirkt wird, die sich bis zu unserm Ohre

fortpflanzt und hier als ein Pfeifen empfunden wird. Dies erklärt

uns auch das Knallen einer sehr schnell durch die Luft geschwungenen

Peitsche.

Porosität.

Porosität ist diejenige allgemeine Eigenschaft aller Körper,

vermöge deren die Theile eines Körpers nicht den ganzen Raum,

den er einnimmt, ausfüllen, sondern Räume zwischen sich lassen,

die oft mit andern Körpern, wie Luft, Wasser und dergleichen,

angefüllt sind. Oft sind diese Zwischenräume dem Auge nicht

sichtbar; bei einigen Körpern können sie aber doch mit bloßen

Augen wahrgenommen werden, z. B. bei dem Schwamme. Dichte

Körper sind daher solche, welche kleine, hingegen lockere oder

poröse solche, welche große Poren haben. Zu ersterer Art von

Körpern gehören die Metalle, zu letzterer Kork, Schwamm, Holz,

Papier u. s. w.

=6. Warum= ist ein trockener Schwamm so klein, während er, in Wasser

getaucht, bedeutend anschwillt?

=Weil= der Schwamm außerordentlich große Poren oder Höhlungen

enthält, die im trocknen Zustande zusammenfallen, während sie von dem

eindringenden Wasser erfüllt und ihre Wände weiter auseinander gerückt

werden.

=7. Warum= wird frisch aufgetragene Schrift nicht ausgelöscht, wenn man

ein Löschblatt darauf legt?

=Weil= die flüssige Dinte in die Poren des Löschpapiers, da dasselbe

sehr porös ist, sogleich eindringen kann, und auf diese Weise der

Schrift die überflüssige Dinte entzogen wird, während bei einem

weniger porösen Papiere oder einem solchen, dessen Poren durch einen

Leimüberzug verschlossen oder gar von Oel erfüllt sind, wenn man es auf

die Schrift legen wollte, dieses Eindringen verhindert werden und die

überflüssige Dinte daher sowohl auf dem beschriebenen als dem darauf

gelegten Papiere sich ausbreiten würde.

=8. Warum= steigen aus frischem Brunnenwasser, wenn es erwärmt wird,

Luftblasen auf, die sich an den inneren Wänden eines Glases oft als

perlartige Bläschen ansetzen?

=Weil= auch das Wasser Poren oder Zwischenräume enthält, die von Luft

erfüllt sind, diese Luft aber, wenn sie erwärmt wird, sich in einen

größeren Raum auszudehnen strebt, und da sie die Poren selbst nicht

erweitern kann, diese verläßt und sich nach der Oberfläche des Wassers

empordrängt. Dabei vereinigen sich mehrere der benachbarten kleinen

Luftbläschen und bilden so die größeren, uns sichtbar werdenden Perlen.

Dasselbe findet auch statt, wenn man den gewöhnlich auf der Oberfläche

des Wassers ruhenden Druck der Luft verringert, wie dies unter der

Glocke einer Luftpumpe durch die Verdünnung der Luft geschieht.

=9. Warum= schnappen Goldfischchen so ängstlich nach Luft, wenn das

Wasser in dem gläsernen Behälter seit längerer Zeit nicht erneut wurde?

=Weil= in dem Wasser Luft enthalten ist, welche für die Athmung der

Fische unentbehrlich ist, und weil diese Luft endlich verbraucht wird,

wenn man sie nicht auf andere Weise ersetzt. Man braucht dazu nicht

gerade das Wasser zu erneuern, sondern kann auch Luft von unten durch

ein Gebläse in das Wasser hineinpressen, oder sie durch einen kleinen

Springbrunnen zuführen, dessen herabfallende Tröpfchen hinreichend Luft

mit sich fortreißen, oder endlich Pflanzen in das Wasser setzen, die

durch ihre Lebensthätigkeit grade diejenige Luft ausscheiden, welche

für die Athmung der Thiere nothwendig ist.

=10. Warum= quellen oft Thüren, Tischplatten oder andere hölzerne

Geräthschaften bei feuchtem Wetter oder in feuchten Zimmern auf, so daß

die Thüren nicht schließen und die Tischplatten sich werfen?

=Weil= die Wände der Poren des Holzes, wenn dasselbe ganz trocken ist,

zusammenfallen und sich einander nähern, aber bei eindringender Nässe,

welche durch feuchtes Wetter oder ein feuchtes Zimmer dargeboten wird,

sich wieder erweitern und auf diese Weise auch das Holz auseinander

dehnen.

=11. Warum= wird die Wäsche, welche wir am Körper tragen, schmutzig,

ungeachtet sie durch darüber gezogene Kleidungsstücke gegen das

Schmutzigwerden von außen geschützt ist?

=Weil= die Gewebe unsres Körpers, wie alle thierischen Gewebe, Poren

haben, durch welche Flüssigkeiten und Gase von innen nach außen

dringen, die sich dann in den Geweben unsrer Wäsche verdichten und hier

die durch die äußere Kleidung eindringenden Staubtheilchen festhalten.

Die meisten dieser Flüssigkeiten werden in unsrer Haut durch besondere

Drüsenorgane, die Schweiß- und Talgdrüsen, abgesondert, deren Ausgänge

man uneigentlich Poren nennt. Diese Poren sind so zahlreich, daß man an

manchen Stellen, z. B. in der Hohlhand 400 zählt und ihre Gesammtzahl

auf der Haut eines Erwachsenen auf 2381000 schätzt.

=12. Warum= kann man Quecksilber durch einen ledernen Beutel

hindurchdrücken?

=Weil= das Leder zahlreiche Poren hat und das Quecksilber, wie das

Wasser, wegen seiner flüssigen Beschaffenheit, der Gewalt des Druckes

nur dadurch ausweichen kann, daß es sich durch die Poren des ledernen

Beutels hindurchdrängt. Man kann auch selbst durch Buchsbaumholz

Quecksilber treiben, wenn man ein kleines Gefäß von Buchsbaumholz an

eine lange Glasröhre kittet und diese dann mit Quecksilber füllt. Ist

die Röhre lang genug, so reicht schon der eigene Druck des Quecksilbers

aus, dasselbe als feinen Regen durch das Holz zu treiben. Aber sogar

durch Gold und andere Metalle kann man Flüssigkeiten hindurchpressen.

Wenn man eine mit Wasser gefüllte Kugel aus dünnem Golde einem

starken Druck aussetzt, so dringt das Wasser in zarten Thautröpfchen

hindurch[1]. Auch das Gold hat also Poren, obgleich es für eines der

dichtesten Metalle gilt. Am wenigsten porös scheint das Glas zu sein,

da es auch beim stärksten Drucke weder Wasser noch Luft durchläßt.

[1] Dieser Versuch wurde zuerst im Jahre 1661 in Florenz

ausgeführt.

=13. Warum= ist es gut, Fässer, in welchen Bier aufbewahrt werden soll,

im Innern mit Pech zu überziehen?

=Weil= die in dem Bier enthaltene und sich beständig neu entwickelnde

Kohlensäure sonst durch die Poren des Holzes, auch des dicksten

Eichenholzes, entweichen und das Bier dadurch schal werden würde, das

Pech aber als ein sehr wenig poröser Körper die Kohlensäure an diesem

Entweichen verhindert.

=14. Warum= wird ein Bogen Papier, der auf ein Reißbrett gespannt

werden soll, zuvor befeuchtet?

=Weil= die in die Poren des Papiers eindringende Flüssigkeit ihm eine

größere Ausdehnung nach allen Seiten giebt, während das Papier nach

dem Abtrocknen auf dem Reißbrette zu seiner ursprünglichen Größe

zurückkehrt und daher sehr glatt auf dem Brett ausgespannt bleibt, was

der Zweck des Befeuchtens ist.

=15. Warum= laufen hölzerne Gefäße, die völlig ausgetrocknet sind, wenn

Wasser in dieselben gegossen wird?

=Weil= die Zwischenräume zwischen den Dauben sich erweitert haben,

indem beim völligen Austrocknen die Poren des Holzes enger werden

und die Dauben sich daher zusammenziehen. Wird dagegen Wasser in die

Gefäße gegossen, so werden die Poren wieder damit angefüllt, erweitern

sich daher wieder, und die Dauben dehnen sich nun wieder der Breite

nach aus, so daß die Zwischenräume zwischen ihnen verschwinden und die

Gefäße aufhören müssen zu laufen.

=16. Warum= kann ein Felsenstück durch dünne Keile aus gut gedörrtem

Holze, welche man in Oeffnungen desselben getrieben hat, gespalten

werden, wenn man die Keile öfter mit Wasser begießt?

=Weil= das Wasser, wenn es in die in Folge des Austrocknens verengten

Poren des Holzes eindringt, diese erweitert und dadurch das ganze

Holz seiner Dicke nach ausdehnt, so daß es in seinem Bestreben, einen

größeren Raum einzunehmen, eine gewaltige Kraft erlangt, die selbst ein

Felsenstück auseinander zu treiben im Stande ist.

=17. Warum= krümmt sich Holz, dessen eine Seite naß gemacht ist,

während die andere Seite über Feuer gehalten wird?

=Weil= die Poren des Holzes auf derjenigen Seite, auf welcher die Hitze

wirkt, sich durch Austrocknen verengen und die Theilchen des Holzes

daher hier näher zusammenrücken, während auf der andern Seite die Poren

wegen der Feuchtigkeit, die sie aufnehmen, sich erweitern und daher

auch die Holztheilchen weiter auseinander treiben. Die Folge davon ist,

daß sich das Holz nach derjenigen Seite zu krümmt, welche der Hitze

ausgesetzt war. Dies geschieht z. B. bei Faßdauben, welche dadurch ihre

gekrümmte Gestalt erhalten.

=18. Warum= läßt sich ein Faß auseinander sprengen, wenn es mit

trockenen Erbsen angefüllt wird und diese dann mit Wasser begossen

werden?

=Weil= die Erbsen das Wasser in ihre Poren aufnehmen und dadurch an

Umfang zunehmen. Da dies bei jeder einzelnen der Fall ist, so muß die

ganze Menge der Erbsen einen beträchtlich größeren Raum als vorher

einnehmen. Ist nun das Faß fest zugemacht, so verschaffen sich die

aufgequollenen Erbsen den erforderlichen Raum dadurch, daß sie dasselbe

auseinander sprengen, da im Innern des Fasses selbst dieser Raum nicht

vorhanden ist.

=19. Warum= erhält man, wenn man eine Kanne Weingeist und eine Kanne

Wasser zusammen in ein Gefäß gießt, weniger als zwei Kannen Flüssigkeit?

=Weil= auch die Flüssigkeiten Poren enthalten, und jede Flüssigkeit in

die Poren der andern eindringt, so daß sie nun vereinigt weniger Raum

einnehmen als vorher von einander abgesondert. Aehnliches zeigt sich

auch bei Metallen, wenn sie zusammengeschmolzen werden. So nimmt das

Messing einen geringeren Raum ein, als das Kupfer und das Zink, aus

deren Zusammenschmelzung es entstand. Daß Metalle Poren haben, geht

schon daraus hervor, daß sie durch Hämmern, Prägen etc. verdichtet

werden können.

Theilbarkeit.

Theilbarkeit ist diejenige Eigenschaft der Körper, vermöge

deren sich dieselben in kleinere Theile zerlegen lassen. Für

unsere beschränkten Sinne und unsere ebenso beschränkten

Werkzeuge hat diese Theilbarkeit indeß ihre Grenze. Einen

besonders hohen Grad der Theilbarkeit zeigen manche Metalle.

Bei den bekannten Goldfäden, die zu Spitzengeweben benutzt

werden, und die aus einer vergoldeten Silberstange ausgezogen

worden sind, beträgt die Dicke des Goldüberzugs nur den

345000sten Theil einer Linie oder den 153000sten Theil

eines Millimeters. Die feinste _künstliche_ Theilung haben

_Fraunhofer_ und _Nobert_ ausgeführt, indem sie auf einem

Glastäfelchen die pariser Linie in 5000, selbst bis in 8000

gleiche Theile theilten. Die feinsten Theilungen vollzieht

aber die _Natur_, die selbst Thiere geschaffen hat, von denen

225 Millionen auf einen Kubikcentimeter gehen, und die doch

noch ihre Organe haben. Besonders interessant und wichtig

sind die Kieselpanzer der Diatomaceen, z. B. von ~Pleurosigma

angulatum~, ~Amphipleura pellucida~; dieselben zeigen parallele

Streifungen von solcher Feinheit, daß je 2 benachbarte

Streifen bis zu 1/5000 Millimeter von einander entfernt sind!

Diese mikroskopisch kleinen Thierchen mit ihrer scharfen und

feinen Zeichnung dienen als sogenannte Probeobjekte für die

Werthbestimmung der Mikroskope.

=20. Warum= kann man mit einigen Pfunden Kreide eine ganze Wand

anstreichen?

=Weil= die Kreide durch Zermahlen außerordentlich fein zertheilt

werden kann, die durch Wasser in einen Brei verwandelte Kreide sich

wieder in einzelne Tropfen theilt, und jeder Tropfen sich wieder über

eine große Fläche ausbreiten läßt, das Wasser aber endlich bei der

Verdunstung in so kleine Theilchen übergeht, daß sie von der Luft

unsichtbar hinweggenommen werden und nur die feinvertheilte Kreide auf

der Wandfläche zurücklassen.

=21. Warum= läßt sich vermittelst eines Körnchens Karmin eine ganze

Tonne Wasser roth färben?

=Weil= sich der Karmin im Wasser in eine ungeheure Menge kleiner

Theilchen wegen seiner großen Theilbarkeit trennt, so daß jedes

kleinste Theilchen Wasser ein solches Karmintheilchen in sich aufnimmt

und dadurch ein rothes Aussehen erhält. Ein Körnchen Karmin färbt

mehr als 100000 Wassertropfen. Ebenso ist in der schwarzen Dinte der

Farbestoff nicht in einem aufgelösten Zustande enthalten, sondern er

befindet sich blos sehr fein vertheilt in der Flüssigkeit.

=22. Warum= verbreitet sich der Geruch einer einzigen Räucherkerze

durch einen großen Saal?

=Weil= bei dem Verbrennen der Räucherkerze die riechenden Theilchen in

einem höchst fein zertheilten Zustande alle Räume des großen Saales

erfüllen. Noch theilbarer ist der Moschus, von dem ein Körnchen

jahrelang ein Zimmer mit seinem Geruche erfüllen kann. Aller Geruch

beruht auf der feinen Vertheilung von Riechstoffen. Meilenweit

verräth sich daher die Nähe der Gewürzinseln dem Seefahrer durch die

Riechstoffe, mit denen sie die Luft erfüllen.

Cohäsion.

Cohäsion ist der Zusammenhang der einzelnen Theile eines

Körpers, und die Kraft, durch welche sie zusammengehalten

werden oder einander anziehen, ist die Cohäsionskraft. Sollen

Theile eines Körpers von dem Ganzen oder unter sich getrennt

werden, so muß diese Cohäsionskraft überwunden werden, und

der größere oder geringere Widerstand, welchen sie dabei

leisten, ist daher das Maß ihrer Cohäsionskraft. In Betreff

des Widerstandes, welchen die Körper der Trennung ihrer Theile

entgegensetzen, zeigen sie ein sehr verschiedenes Verhalten.

Bei manchen Körpern hängen sie mit solcher Kraft zusammen, daß

sie sich nur schwer von einander trennen oder über einander

verschieben lassen. Bei diesen Körpern vereinigen sich auch

nach erfolgter Trennung die Theile nicht wieder zu einem

Ganzen; die Cohäsionskraft wirkt also hier in unmeßbar kleiner

Entfernung. Diese Körper nennt man _feste_ Körper. Bei andern

lassen sich die Theile sehr leicht von einander trennen und

über einander verschieben, und sie vereinigen sich auch nach

geschehener Trennung, wenn man sie zusammenbringt, wieder zu

einer zusammenhängenden Masse. Diese nennt man _flüssige_

Körper. Von diesen aber bilden wieder die einen, wenn sie

sich selbst überlassen sind, kleine kugelförmige Massen

oder Tropfen, während die andern das Bestreben zeigen, sich

nach allen Seiten auszudehnen. Die ersteren heißen deshalb

_tropfbare_ Flüssigkeiten, die letzteren _ausdehnsame_ oder

_luftförmige_ Körper. Diese drei Zustände der Festigkeit,

Tropfbarkeit und Ausdehnsamkeit oder Luftförmigkeit nennt man

_Aggregatzustände_ der Körper.

Die Kraft, mit welcher die Theilchen der Körper zusammenhängen,

ist theils von der Art ihres Nebeneinanderseins, theils von

der Wärme abhängig, und zwar von der letztern in der Weise,

daß sie um so schwächer erscheint, je größer die Wärme ist.

Ein und derselbe Körper kann daher auch unter verschiedenen

Wärmeverhältnissen alle drei Aggregatzustände durchlaufen, z.

B. das flüssige Wasser auch als festes Eis und als luftförmiger

Dampf erscheinen.

Der Widerstand, welchen die festen Körper der Lostrennung

einzelner Theile entgegenstellen, wird _Härte_ genannt. Der

Mineraloge _Mohs_ bildete 10 Härtestufen und bestimmte für jede

Stufe ein die Härte dieser Stufe besitzendes Mineral. Talk,

Steinsalz, Kalkspath, Flußspath, Apatit, Feldspath, Quarz,

Topas, Korund und Diamant repräsentiren diese 10 Härtestufen,

und zwar besitzt der Diamant die Härte 10, Talk die Härte 1;

der Diamant ist also der härteste unter allen festen Körpern.

Unter den Metallen ist Stahl das härteste; es erreicht die

Härtestufe 7, Blei das weichste mit der Härtestufe 1.

=23. Warum= haften die Bruchstücke einer zerbrochenen Siegellackstange

nicht wieder fest an einander, wenn man sie auch noch so genau in die

frühere Lage bringt, und warum vereinigen sich diese Bruchstücke doch

wieder so leicht mit einander, wenn man sie an ihren Enden schmilzt?

=Weil= die Cohäsionskraft, die allein den festen Zusammenhang der

einzelnen Theile eines Körpers bedingt, nur in unmeßbar kleiner

Entfernung wirkt, und wir natürlich die Bruchstücke eines festen

Körpers nicht in so nahe Berührung bringen können, während zwischen

Flüssigkeiten eine solche Berührung sehr leicht herzustellen ist.

=24. Warum= muß man Flüssigkeiten in Gefäßen bewahren?

=Weil= die Cohäsionskraft in Flüssigkeiten sehr schwach ist und

schon die Schwere hinreicht, den Zusammenhang ihrer Theile aufzuheben

und sie zum Auseinanderfließen zu veranlassen. Nur bei sehr kleinen

Flüssigkeitsmassen, die sich bei der Verdichtung von Dämpfen bilden,

ist die innere Zusammenhangskraft stark genug, die Schwere zu

überwinden. Solche kleine Massen, in denen die Theilchen nur durch

innere Kraft zusammengehalten werden, nehmen daher Kugelgestalt an

und bilden Tropfen. So fällt der Regen in Tropfen; so ist aber auch

die Erde, die ihre Kugelgestalt nur ihrem früheren flüssigen Zustande

verdankt, in Wahrheit ein Tropfen im Weltraum.

=25. Warum= läßt sich Holz nur der Länge nach spalten?

=Weil= die Theilchen des Holzes in der Längsrichtung der Fasern

dichter an einander gelagert sind und die Cohäsionskraft daher

zwischen ihnen weit kräftiger wirkt, als in jeder andern Richtung. Den

allergrößten Widerstand werden die Holztheilchen darum einer Trennung

entgegensetzen, welche diese Fasern der Länge nach zerreißen will. Der

Quere nach vermag man das Holz daher nur zu durchsägen.

=26. Warum= zerspringt ein Glastropfen, den man heißflüssig in kaltes

Wasser fallen ließ, wenn man nach dem Erkalten auch nur die Spitze des

daran befindlichen Glasfadens abbricht, förmlich zu Pulver?

=Weil= die Theilchen des Glases sich wegen der allzuraschen Abkühlung

nicht naturgemäß anordnen und lagern konnten, die äußern namentlich

einander nicht so nahe kommen konnten als die inneren, die länger im

Zustande des Flüssigseins blieben, und weil deshalb eine unnatürliche

Spannung zwischen den inneren und äußeren Theilchen besteht, die eine

Zertrümmerung des ganzen Glastropfens herbeiführen muß, sobald nur die

äußerste, allein noch den Zusammenhang haltende Oberflächenschicht

desselben irgendwo unterbrochen wird.

=27. Warum= ist ein gezogener Metalldraht fester als ein gegossener

Metallfaden?

=Weil= die Cohäsionskraft um so kräftiger wirkt, je mehr die Theilchen

eines Körpers einander genähert werden. Wenn aber, wie es beim

Drahtziehen geschieht, ein Metall gezwungen wird, durch sehr enge

Oeffnungen hindurchzugehen, so werden seine Theilchen namentlich an

der Oberfläche einander gewaltsam genähert. Ganz dasselbe ist auch

beim Hämmern und Walzen der Fall, und geschmiedetes Eisen ist daher

fast 3mal so fest als gegossenes, gewalztes Silber doppelt so fest als

gewöhnliches. Auch ein Zwirnsfaden wird durch Bestreichen mit Wachs

fester, weil er eine dichtere Oberfläche erhält.

=28. Warum= halten Stricke, die aus feineren Fäden bestehen, besser als

solche, die aus gröberen Fäden zusammengedreht sind?

=Weil= in solchen feinen Fäden die Theilchen viel näher aneinander

liegen, als sie in groben Fäden durch Drehen einander genähert werden

können. Darum halten auch getheerte Stricke weniger fest, weil die

einzelnen Fäden wegen des dazwischen befindlichen Theers einander nicht

mehr so nahe sind als vorher.

=29. Warum= wendet man bei Hängebrücken lieber Drahtseile als gegossene

oder selbst geschmiedete Eisenstangen an?

=Weil= Eisendraht wegen seiner dichteren Oberfläche eine viel größere

Festigkeit besitzt als gegossenes oder geschmiedetes Eisen, und man den

Stangen daher eine viel größere Dicke geben müßte, als den aus Drähten

geflochtenen Seilen. Statt der 4 kaum 30 Centimeter dicken Seile,

welche die 256 Meter lange Riesenbrücke über den Niagara tragen, würden

wenigstens 8 ebenso starke Ketten aus Eisenstäben erforderlich sein.

Auch die Natur verfährt ähnlich, wo es auf große Festigkeit ankommt.

Der zarte Faden, an welchem die schwere Kreuzspinne herabhängt, würde

nicht die Haltbarkeit besitzen, wenn er nicht aus einer ungeheuren

Anzahl von äußerst dünnen Fäden zusammengesetzt wäre, welche die

Spinne, indem sie sie aus ihren Spinnwarzen herauszieht, mit ihren

Hinterfüßen zusammenklebt.

=30. Warum= erhalten Tücher und Zeuge durch das Walken eine so

bedeutende Festigkeit?

=Weil= durch das Walken die Fäden und Fasern der Zeuge einander mehr

genähert werden und die Cohäsionskraft zwischen ihnen um so stärker zu

wirken und das Ganze um so besser zusammen zu halten vermag.

=31. Warum= bildet Oel größere Tropfen als Wasser?

=Weil= die Theilchen des Oels eine stärkere Zusammenhangskraft besitzen

als die des Wassers und darum einen kräftigeren Widerstand gegen den

Einfluß der Schwerkraft leisten, die das Auseinanderfließen der Tropfen

bewirkt.

=32. Warum= schwimmen Nähnadeln, besonders gebrauchte, also etwas

fettige, die man behutsam auf die Oberfläche eines ruhigen Wassers

legt, auf demselben, ohne unterzugehen?

=Weil= die schwächer wirkende Schwerkraft der Nadel durch die stärker

wirkenden Cohäsionskräfte der Wassertheilchen aufgehoben wird, und

sie daher nicht den Zusammenhang der Wassertheilchen zu unterbrechen

vermag. Die Nadel wird darum von dem Wasser getragen und macht nur

eine kleine Vertiefung in seine Oberfläche, zum Beweis, daß ihre

Schwere allerdings noch wirksam ist, aber nur auf die zunächst darunter

liegenden Theilchen wirkt und zwar auch nicht stark genug, um sie von

einander zu trennen. Aus demselben Grunde können Wasserspinnen und

Wasserkäfer über die Oberfläche des Wassers laufen, ohne einzusinken.

Ueberhaupt haben gerade an der Oberfläche einer Flüssigkeit die

Theilchen ein stärkeres Bestreben zusammenzuhalten, als in ihrem

Innern, weil sie dort nur von unten und von der Seite gezogen werden,

während im Innern die Anziehung von allen Richtungen her wirkt. Deshalb

kann man in ein bis zum Rande gefülltes Trinkglas mit einiger Vorsicht

noch so viel Flüssigkeit nachgießen, daß sie eine Art runder Kappe

bildet.

=33. Warum= empfindet man einen fast ebenso heftigen Schmerz, wenn man

mit der flachen Hand auf eine Wasserfläche schlägt, als wenn sie einen

festen Körper getroffen hätte, während man keine solche Empfindung hat,

wenn man die Hand langsam in das Wasser hineintaucht?

=Weil= bei einem plötzlichen Schlage auf das Wasser die Wassertheilchen

nicht Zeit haben, auszuweichen, sondern vielmehr eine der

Flächenausdehnung der Hand entsprechende Wassermasse hinuntergedrückt

wird. Da nun die unteren Wassertheilchen nicht einzeln, sondern

gleichfalls in Masse widerstehen, indem auf sie der Druck gleichzeitig

und mit gleicher Stärke erfolgt, so müssen die Wassertheilchen der

Oberfläche dem weitern Eindringen der Hand eben denselben Widerstand

entgegensetzen, wie ein fester Körper, auf den man mit der Hand

schlägt. Taucht man dagegen die Hand langsam in das Wasser, so haben

die darunter liegenden Wassertheile Zeit, zur Seite auszuweichen, um

dadurch der eindringenden flachen Hand Platz zu machen.

Adhäsion.

Adhäsion ist die zwischen den Oberflächen verschiedener Körper

wirkende Anziehung, vermöge welcher Körper aneinander haften.

Sie wirkt stets nur bei unmittelbarer Berührung oder doch nur

in sehr kleinen Entfernungen. Die Kraft aber, mit welcher ein

Körper an einem andern anhängt, ist nicht blos von der Stärke

der Adhäsionskraft, sondern auch von dem Verhältniß derselben

zur Cohäsionskraft des einen wie des andern Körpers abhängig.

-- Die Zahl der Adhäsionserscheinungen ist sehr groß; es

haften (adhäriren) feste Körper an festen, flüssige an festen,

luftförmige an festen, flüssige an flüssigen und luftförmige

an flüssigen. Das Adhäriren der Gase an anderen Körpern wird

leicht übersehen, ist aber nichtsdestoweniger von großer

Bedeutung. Man bezeichnet das Haften der Gase und Dämpfe an

anderen Stoffen, namentlich an pulverförmigen und flüssigen,

auch mit dem Worte _Absorption der Gase_.

=34. Warum= lassen sich zwei glatt geschliffene Metallplatten, welche

man über einanderlegt und fest zusammendrückt, nur schwer wieder von

einander trennen?

=Weil= wegen der glatten Flächen die Theilchen beider Platten einander

so nahe berühren, daß ihre gegenseitige Anziehung oder Adhäsion in

Wirksamkeit treten kann. Eine Kupfer- und eine Silberplatte, die man

über einander legt, lassen sich durch Walzen so innig mit einander

vereinigen, daß sie ein untrennbares Ganzes bilden. Darauf beruht das

Plattiren unedler Metalle. Spiegelplatten, mit ihren polirten Flächen

auf einander gelegt, haften oft so fest aneinander, daß sie nicht mehr

ohne Gefahr des Zerbrechens getrennt werden können. Verhindert man aber

durch einen noch so dünnen Körper, etwa ein zwischengelegtes zartes

Papier, die unmittelbare Berührung der Theilchen, so verschwindet die

Adhäsion, und die Platten haften nicht aneinander.

=35. Warum= lassen sich zwei Glastafeln, die vorher befeuchtet und dann

auf einander gelegt wurden, nur äußerst schwer wieder von einander

trennen?

=Weil= die zwar mit bloßen Augen nicht bemerkbaren, doch

dessenungeachtet noch vorhandenen Vertiefungen der Glasplatten von der

Flüssigkeit ausgefüllt werden und dadurch eine Berührung der Theilchen

und eine anziehende Wirkung derselben auf einander möglich machen. Die

Adhäsionskraft wirkt dabei zunächst auf die Flüssigkeitstheilchen und

durch diese auf die Glastheilchen.

=36. Warum= hält zusammengekleistertes oder geleimtes Papier so fest

zusammen?

=Weil= die durch den Kleister oder den Leim ausgeglichenen Unebenheiten

des Papiers der Wirkung der Adhäsion kein Hinderniß mehr entgegensetzen

und ihr vielmehr gestatten, zunächst auf den Kleister und durch

diesen auf die Papiertheilchen zu wirken, und zwar um so mehr, als

durch Verdunstung die Feuchtigkeit ausgetrieben wird, und in Folge

dessen die Poren des Kleisters sich zusammenziehen und dadurch auch

die Papierflächen einander noch näher bringen. Natürlich wirkt auch

die Cohäsion zwischen den Theilchen des Leims mit, und bei schlechtem

Leim haften deshalb die geleimten Flächen nach dem Trocknen desselben

nicht mehr fest. Auf derselben Wirkung der Adhäsion beruht auch das

Kitten, Löthen, Verzinnen, Vergolden, selbst das Anstreichen, Malen und

Schreiben, sowie das Haften des Staubes an den Wänden und der Decke des

Zimmers. Wenn man eine Glasplatte mit Leim bestreicht, so wirkt oft die

Adhäsion so stark, daß Stücke aus dem Glase herausgerissen werden, wenn

der Leim beim Austrocknen sich zusammenzieht.

=37. Warum= wird die Hand naß, wenn man sie in Wasser taucht?

=Weil= die zwischen dem Wasser und der Hand wirkende Adhäsionskraft

stärker ist, als die Cohäsion des Wassers, und die Theilchen des

Wassers daher stärker von der Hand angezogen werden, als sie einander

selbst anziehen.

=38. Warum= hängt sich Quecksilber nicht an die Hand an, wenn man sie

in dasselbe taucht?

=Weil= die Cohäsionskraft des Quecksilbers stärker ist, als die

zwischen dem Quecksilber und der Hand wirkende Adhäsion, und die

Theilchen des Quecksilbers daher einander stärker anziehen, als sie

von der hineingetauchten Hand angezogen werden. Dagegen legt sich

Quecksilber an Zinn an, weil die Adhäsionskraft zwischen Quecksilber

und Zinn die Cohäsion des Quecksilbers überwiegt.

=39. Warum= zieht man die Hand trocken aus dem Wasser, wenn man

dieselbe vorher in Bärlappsamen, Hexenmehl genannt (die staubartigen

Keimkörner des Bärlapps oder Lycopodium's), eingetaucht hatte?

=Weil= der Bärlappsamen die Berührung zwischen der Hand und dem

Wasser verhindert und dadurch die Adhäsionskraft Beider nicht zur

Wirkung kommen läßt, so daß die Anziehung der Wassertheilchen unter

sich ungeschwächt bleibt. Die Adhäsionskraft zwischen dem Wasser

und dem Bärlappsamen ist aber viel zu gering, um eine Trennung der

Wassertheilchen durch Aufhebung ihrer Cohäsion zu bewirken.

=40. Warum= wird ein mit Fett bestrichener Glasstab vom Wasser nicht

benetzt?

=Weil= zwischen Wasser und Fett keine merkliche Anziehung besteht, und

die dünne Fettschicht die Anziehung zwischen dem Glas und dem Wasser

verhindert, so daß die Cohäsion das Wasser zusammenhält.

=41. Warum= läuft ein Theil des Wassers, welches aus einem Gefäße

ausgegossen wird, sehr oft an den äußeren Wänden des Gefäßes herab?

=Weil= die ausgegossenen Wassertheilchen, welche an den äußern

Wänden des Gefäßes zunächst herausfallen, durch dieselben angezogen

werden und daher ihre Bewegung nach abwärts an den äußeren Wänden

desselben fortsetzen. Will man dies vermeiden, so muß die Flüssigkeit

so ausgegossen werden, daß alle Theile derselben weit genug von den

äußeren Wänden entfernt herabfallen, so daß die Adhäsion nicht mehr

darauf wirken kann. Um dies zu erleichtern, werden an den Gefäßen oft

Ausgußschnäbel angebracht; auch legt man runde Glasstäbe an den Rand

der Gefäße und Ausgußschnäbel und gießt an ihnen herab die Flüssigkeit

aus. Bei Gläsern und Flaschen _ohne_ Ausgußschnäbel erreicht man diesen

Zweck dadurch, daß man die Ränder dieser Gefäße mit Fett bestreicht

und so die Anziehung zwischen den Wänden und der Flüssigkeit aufhebt.

Quecksilber kann man aus gläsernen und porzellanenen Gefäßen auch

_ohne_ Ausgußschnabel ausgießen, da keine Adhäsion zwischen Glas und

Quecksilber besteht.

=42. Warum= fließt ein Tropfen Wasser, den man auf einen Tisch fallen

läßt, so auseinander, daß er platt wird?

=Weil= der Tisch gleichfalls die Theilchen des Wassers stärker anzieht,

als sie einander selbst zusammenhalten. Ist dagegen der Tisch mit

Bärlappsamen bestreut, so rollt ein darauf fallender Tropfen kugelrund

darauf hin, weil die Berührung zwischen den Wassertheilchen und der

Tischplatte jetzt verhindert ist.

=43. Warum= rollt ein Tropfen Quecksilber, der auf einen Tisch fällt,

kugelrund darauf hin, ohne platt zu werden wie ein Tropfen Wasser?

=Weil= die Theilchen des Quecksilbers stärkere Anziehung gegen einander

als gegen den Tisch haben und, da diese nach allen Seiten gleichmäßig

wirkt, die runde Gestalt des Tropfens behaupten müssen.

=44. Warum= bleibt ein auf ein Brett gefallener kleiner Wassertropfen

bei Umkehrung des Brettes an demselben hängen?

=Weil= die Adhäsionskraft, mit welcher der Tropfen an dem Brette

haftet, stärker ist als die Schwerkraft, welche ihn nach unten und von

dem Brette hinweg zu ziehen strebt.

=45. Warum= fällt ein auf ein Brett gefallener Quecksilbertropfen bei

Umwendung des Brettes herunter?

=Weil= zwischen dem Quecksilber und dem Holze keine merkliche

Adhäsionskraft besteht, und die Schwerkraft daher nicht gehindert wird,

den Tropfen vom Brette loszureißen und zum Falle zu bringen.

=46. Warum= bleibt ein kleiner Quecksilbertropfen auf einer Zinnplatte

hängen, wenn man sie umkehrt?

=Weil= die Adhäsionskraft zwischen Zinn und Quecksilber stärker

wirkt, als die Schwerkraft. Ist der Tropfen zu groß, so bleibt an der

Zinnplatte nach dem Umkehren so viel von dem Tropfen hängen, als die

vereinte Wirkung der Adhäsionskraft und der in den kleinsten Theilchen

des Quecksilbers wirkenden Cohäsionskraft zu tragen vermag; das Uebrige

folgt der Schwerkraft und fällt daher ab. Ebenso ist es auch bei einem

zu großen Wassertropfen auf einem Brette.

=47. Warum= bleiben weit mehr Wassertheilchen an einem Seile hängen,

wenn man es sehr schnell aus dem Wasser herauszieht, als bei einem

langsamen Herausziehen?

=Weil= bei einem langsamen Herausziehen des Seiles aus dem Wasser die

Theile desselben langsamer sich von dem Wasser entfernen und daher die

Cohäsionskräfte des Wassers wegen der längeren Dauer der Berührung

mit den verschiedenen Theilchen des Seiles das Uebergewicht über die

Adhäsionskräfte des Seiles gewinnen und die Wassertheilchen dadurch

festhalten, während bei schnellerem Herausziehen des Seiles wegen

der schnelleren Entfernung desselben von den Wassertheilchen die

Adhäsionskräfte des Seiles das Uebergewicht über die Cohäsionskräfte

des Wassers erhalten.

=48. Warum= werden Figuren, die wir mit dem Finger auf eine

Fensterscheibe zeichnen, wenn wir darauf hauchen, sichtbar?

=Weil= unsere Finger beständig mit einer äußerst feinen Fettschicht

bedeckt sind, die vermöge der Adhäsion an den Stellen des Glases, über

welche wir hinfahren, haften bleibt, und dadurch die Feuchtigkeit des

Hauchs verhindert, sich hier niederzuschlagen. Daß aber auch das Glas

selbst gewöhnlich mit einer feinen Schicht und zwar von verdichteten

Dünsten oder Gasen bedeckt ist, die in Folge der Adhäsionskraft, die

zwischen dem Glase und diesen Luftarten wirksam ist, angezogen und

festgehalten werden, können wir sehen, wenn wir eine Glasscheibe

mit einem Papier, in welches wir eine Figur ausgeschnitten haben,

bedecken, dann darauf hauchen, und wenn wir das Papier weggenommen

haben und der Hauch von dem Glase verschwunden ist, abermals darauf

hauchen. Es erscheint dann der Hauch nur auf den Stellen, welche vom

Papier unbedeckt gewesen waren, und wir sehen also die ausgeschnittene

Figur auf dem Glase. Beim Verdunsten des zuerst niedergeschlagenen

Hauches war nämlich die verdichtete Gasschicht an diesen Stellen mit

hinweggenommen worden, und auf dem reinen Glase konnte sich daher

der Hauch leichter niederschlagen, als auf dem bereits mit einer

Dunstschicht bedeckten.

Haarröhrchenanziehung.

Haarröhrchen sind kleine Röhren, die so enge sind, daß man nur

ein Haar hindurchziehen kann. Wenn man sie in Flüssigkeiten

taucht, so zeigen sich verschiedene Erscheinungen, je

nachdem ihre Wände von der Flüssigkeit benetzt werden oder

nicht, je nachdem also die Adhäsion zwischen der Flüssigkeit

und den Röhrenwänden, oder die Cohäsion der Flüssigkeit

überwiegt. In dem ersteren Falle steht die Flüssigkeit in den

Röhren stets höher, in dem letzteren Falle stets tiefer als

außerhalb. Die Benetzung findet nur statt, wenn die Anziehung

des festen Körpers gegen den flüssigen die Anziehung der

Flüssigkeitstheilchen untereinander überwiegt.

[Illustration: Fig. 2.]

=49. Warum= ist die Oberfläche des Wassers in einem Glase hohl oder

concav?

=Weil= die Adhäsionskraft zwischen den Wänden des Glases und dem Wasser

stärker ist als die Cohäsionskraft des Wassers, diese Adhäsionskraft

aber nur auf die zunächst liegenden Wassertheilchen wirken kann, so daß

nur diese sich an den Wänden heraufziehen, während in der Mitte die

Oberfläche des Wassers vertieft bleibt.

Warum und Weil. Physikalischer Teil. Fragen und Antworten aus den wichtigsten Gebieten der gesammten Naturlehre. · 第 1 / 18 段