~Diatomaceen~ sind einzellige Algen. Sie liefern verschiedene

mikroskopische Probeobjecte. Ihnen fehlt das Chlorophyll, dagegen tritt

in ihrem Cytioplasma ein gelblicher oder bräunlicher Farbstoff auf, der

grün wird, wenn sie absterben oder wenn man sie mit Säuren behandelt.

Sie schwimmen entweder frei im Wasser oder sind einem Polster oder

einem Stengel aufgewachsen oder in Schleim verschiedener Form

gebettet, in und ausser dem Wasser. Die Zellen sind zweiklappig und

symmetrisch gestaltet, die Klappen durch eine in Salpetersäure lösliche

Zellsubstanz zusammengeleimt. Die Membran (Cytioderm) der Diatomaceen

besteht nicht aus Cellulose, wie bei den meisten anderen Algen, sondern

aus ~Kieselerde~, die weder durch Fäulniss noch durch Glühhitze

zerstörbar ist. Die Gestalt dieser Kieselpanzer ist sehr verschieden,

rund, scheibenförmig, walzenförmig, prismatisch, viereckig,

nachenförmig, keilförmig etc., oft mit symmetrisch geordneten

Verdickungen, wodurch der Panzer mit mannigfaltigen Zeichnungen geziert

erscheint.

[Illustration: Fig. 183.

_a_ Achnanthes exilis, _b_ Diatomella, _c_ Gomphonema, _d_ Diatoma

vulgare.]

Einigen Familien dieser Algen, wie den Naviculaceen und Synedreen, ist

eine scheinbare freiwillige Bewegung eigen. Sie schwimmen im Wasser

mit zitternder Bewegung vor- und rückwärts, stossen sie hierbei aber

auf ein Hinderniss, so ziehen sie sich ein oder zurück und versuchen

wiederholt auf’s Neue, die Richtung um einen sehr spitzen Winkel

verändernd, vorwärts zu dringen, und kehren, ohne sich umzudrehen,

ganz und gar zurück, wenn das Hinderniss dasselbe bleibt. Diese

eigenthümliche Bewegung gab Grund, sie für Infusionsthiere zu halten.

Aus den Kieselpanzern dieser Algen bestehen sogar grosse Strecken der

Lüneburger Haide. Das schwedische Bergmehl, welches mit Brod gemischt

in Hungerjahren genossen wurde, sind Kieselpanzer abgestorbener

Diatomaceen. Man findet diese Algen fast in allen natürlichen

Wässern oder als Schmarotzer auf Wasserpflanzen oder in eine braune

Schleimmasse eingebettet als feuchten Ueberzug der Felsen. Häufig

trifft man sie in solchen Mengen, dass man sie für Schlamm hält.

Milch.

~Milch~ von Kühen. Sie ist die bekannte emulsionsartige Flüssigkeit,

welche verschiedene Salze, Milchzucker, Kaseïn enthält und in

welcher Fett (Butter) in Gestalt sehr kleiner, unter dem Mikroskope

scharf begrenzter, homogener, durchsichtiger Kügelchen schwimmt.

Jedes Fettkügelchen ist mit einer Kaseïnhülle umgeben, welche das

Zusammenfliessen des Fettes verhindert. Unter dem Mikroskope erscheint

die Milch als eine klare Flüssigkeit mit jenen darin suspendirten

Fettkügelchen (Fig. 184).

[Illustration: Fig. 184.

$Milch$

bei 500maliger Vergrösserung.]

[Illustration: Fig. 185.

$Zum Theil entrahmte Kuhmilch$, 500mal vergrössert.]

[Illustration: Fig. 186.

$Sahne.$

500mal vergrössert.]

In der Ruhe scheidet sich die Milch in zwei Schichten, in eine untere

fettarme und in eine obere fettreiche, gewöhnlich Rahm oder Sahne

genannt. Die von dem Rahme gesonderte, sogenannte ~abgenommene~ Milch

zeigt unter dem Objective weit weniger Fettkügelchen und diese sind

meist klein. Es treten also die grösseren Fettkügelchen beim ruhigen

Stehen der Milch zuerst an die Oberfläche derselben. Der Milchrahm

bietet daher dem Auge sehr grosse Fettkügelchen.

[Illustration: Fig. 187.

$Colostrum.$

500mal vergrössert.]

Die dickliche gelbliche Milch, welche jedes Säugethier (also auch

die Kuh) einige Tage vor und in den ersten Tagen nach dem Gebären

giebt, heisst _Colostrum_, ~Colostrummilch~. Sie ist von fadem

Geschmacke, enthält Eiweiss, weniger Kaseïn und Milchzucker, besonders

aber die Colostrumkugeln, nämlich die mit Fett erfüllten Zellen

der Milchdrüsenschleimhaut. Unter dem Mikroskop erscheinen die

Fettkügelchen der Colostrummilch gewöhnlich weniger scharf begrenzt,

von sehr verschiedener Grösse, in Gruppen darin herumschwimmend,

und daneben findet man einzelne grosse, nicht völlig kugelrunde,

trübe Buttermassen mit körniger Oberfläche, jene Colostrumkügelchen.

Diese sammeln sich beim Stehen der Milch an deren Oberfläche und

bilden eine dunkelgelbe Rahmschicht. Diese Colostrummilch hat

meist eine blassgelbliche oder gelbe Farbe. Sie ist zwar keine

gesundheitsschädliche, denn sie äussert nur eine den Stuhlgang gelind

vermehrende Wirkung, sie ist aber für den Genuss der Menschen nicht

geeignet und wegen ihrer Farbe nicht appetitlich.

Die Milch und Sahne wird (nach Angabe einiger Schriftsteller) zuweilen

mit der von Blut und Häuten befreiten Gehirnsubstanz der Schafe

gemischt, um ihre Consistenz zu vermehren. Eine solche Milch hat

einen hellgrauen Farbenton und setzt beim Stehen an die Gefässwandung

eine feine weisse kleinkörnige Masse ab, welche feine Fäden von der

Zellsubstanz des Gehirns enthält. Unter dem Mikroskope erkennt man

die Gehirnsubstanz an den warzig erweiterten, oft perlschnurartigen

Nervenprimitivfasern, an den Resten von Capillargefässen, welche

gefässartig verzweigte, aus strukturloser Membran bestehende Gebilde

darstellen, an denen sich ovale Kerne befinden, die nach Zusatz von

Essigsäure mehr hervortreten.

[Illustration: Fig. 188.

$Milch mit Gehirnsubstanz.$

500mal vergrössert.]

[Illustration: Fig. 189.

$Milch aus einem mit Eiter-absonderndem Ausschlage behafteten Euter.$

_a_ Fettkügelchen, _b_ Eiter.]

In Folge exsudater Processe im Euter oder in Folge einiger epidemischer

Rinderkrankheiten findet man in der Milch ~Eiter~. Die Eiterkörperchen

sind den Butterkügelchen ähnlich, aber im Umfange etwas grösser,

matt granulirt und enthalten einen Kern, oder sie bilden granulirte

Körperchen mit unregelmässigem Rande, löslich in Aetznatronlauge,

unlöslich in Aether. Bei Eiterausschlägen soll die Milch mikroskopisch

kleine maulbeerähnliche Kügelchen enthalten, aus Schleim und Eiter

bestehend. Eine eiterhaltige Milch ist als eine gesundheitsschädliche

zu beurtheilen.

Butter.

~Butter~. Tafelbutter oder Marktbutter in einer Menge, welche einer

halben Linse gleich kommt, zwischen Objectglas und Deckglas zu einer

dünnen Schicht auseinandergedrückt, ergiebt sich bei 200-300facher

Vergrösserung als ein Conglomerat rundlicher und runder Tröpfchen von

verschiedener Grösse, untermischt mit kleinen Kochsalzkrystallen.

[Illustration: Fig. 190.

$Markt-$ oder $Tafelbutter$ bei 200-300facher Vergrösserung.]

Die sogenannte Schmelz- oder Schmalzbutter, Dauerbutter, welche behufs

Befreiung von den Milchbestandtheilen eine Schmelzung erfahren hat,

ebenso die mit Talg gefälschte und geschmolzen gewesene Butter liefern

unter dem Mikroskop nicht diese Tropfenform, welche bei der sogenannten

Kunstbutter jedoch mehr oder weniger ausgeprägt ist.

Harn. Urin.

~Harn.~ Der Harn, besonders der des kranken Menschen, bietet mehrere

Bestandtheile, welche sich durch das Mikroskop erkennen und bestimmen

lassen. Sowohl ein Tropfen des klar abgegossenen Harns, sowie eine

entsprechende Quantität des etwaigen Bodensatzes (Harnsediments) werden

gesondert der mikroskopischen Betrachtung unterworfen.

[Illustration: Fig. 191.

_a_ $Eiterzellen,$ _b_ dieselben mit verdünnter Essigsäure behandelt,

_c_ $Schleimkörperchen.$]

[Illustration: Fig. 192.

$Zellen der Harnblasenschleimhaut,$ stark vergrössert.]

[Illustration: Fig. 193.

$Epithelialzellen aus den Nierenbecken, Ureteren, Kelchen.$ Vergr.]

An organischen Stoffen können sich im Harne finden:

a. Schleimgerinnsel bildet Streifen, aus reihenförmig geordneten,

äusserst kleinen Körnchen zusammengesetzt. Es darf nicht mit den

Harncylindern verwechselt werden.

b. Schleimkörperchen. Vergl. S. 141.

c. Blutkörperchen. Vergl. S. 134.

d. Eiterkörperchen oder Eiterzellen. Vergl. S. 141.

e. Harncylinder und Epithelialzellen. In Folge krankhafter

Beschaffenheit der harnleitenden Gänge findet man im Harn

Beimengungen von Gewebetheilen, wie Zellen, (Pflasterepithelien) der

Harnblasenschleimhaut, Epithelialzellen aus den Nierenbecken, den

Ureteren und den Kelchen, endlich sogenannte Harncylinder, nämlich

Stücke des Epithelialüberzuges aus den Bellini’schen Röhrchen in Form

cylindrischer Schläuche.

[Illustration: Fig. 194.

_a_, _b_ $Harncylinder;$ _c_, _d_, _d_ $Epithelialhäutchen$ aus den

Bellini’schen Röhren mit Blutkörperchen.]

f. Spermatozoën. Vergl. S. 158.

g. Krebsmaterie neben Eiterkörperchen, verschieden gestaltete

Degenerationsgebilde mit Zellen mehr oder weniger bedeckt.

[Illustration: Fig. 195.

$Krebsartige Absonderungen und Gebilde.$ Vergr.]

[Illustration: Fig. 196.

$Gährpilzchen.$ Vergr.]

h. Gährpilze. Vergl. S. 143.

i. Vibrionen. Vergl. S. 146.

An krystallisirten Stoffen können vorhanden sein:

Das Sediment des Harns wird allein und dann mit Salzsäure angesäuert

auf das Objectglas gegeben oder man lässt Harn auf dem Objectglase

verdunsten.

a. Hippursäure bildet, aus kaltem Harne allmählich ausgeschieden,

halbdurchsichtige rhombische, vierseitige Prismen und Säulen (mit der

Grundform des Rhombenoctaëders), an den Enden in 2 oder 4 Flächen

auslaufend.

b. Harnsäure nimmt verschiedene Formen an. Sie bildet bald rhombische,

glatte, durchsichtige, oft orange, bräunlich oder gelb gefärbte Tafeln,

bald mit abgerundeten stumpfen Winkeln, bald mit spindelförmigen

Verlängerungen. Aus der alkalischen Lösung mittelst Salzsäure auf dem

Objectglase abgeschieden bildet sie mitunter Dumb-bells (kurze Stränge

mit pilzhutförmig erweiterten Enden). Bald nimmt die Harnsäure die Form

von Wetzsteinen an, bald vereinigt sie ihre Prismen zu besenähnlichen

Büscheln, von denen gemeinlich je zwei mit ihrer Basis zusammenhängen.

[Illustration: Fig. 197.

$Hippursäure.$]

[Illustration: Fig. 198.

$Harnsäurekrystallformen.$]

c. Saures harnsaures Natron bildet unregelmässige Gruppen kleiner

grützlicher Körnchen.

[Illustration: Fig. 199.

$Saures harnsaures Natron.$]

[Illustration: Fig. 200.

$Saures harnsaures Ammon.$]

d. Saures harnsaures Ammon in Form kleiner, runder, mit Spitzen

besetzter, vereinzelter oder in Gruppen zusammenliegender Körperchen.

[Illustration: Fig. 201.

$Phosphorsaure Ammon-Magnesia.$]

[Illustration: Fig. 202.

$Oxalsaure Kalkerde.$]

e. Phosphorsaure Ammon-Magnesia (Tripelphosphat) gewöhnlich in

rhombischen, sargdeckelähnlichen Krystallen, welche sich durch ihre

leichte Löslichkeit in verdünnter Essigsäure von der oxalsauren

Kalkerde unterscheiden.

f. Oxalsaure Kalkerde in Gestalt kleiner durchsichtiger

quadratoctaëdrischer Krystalle, den Briefcouverten ähnlich oder

sanduhrförmig.

g. Harnstoff mit Chlornatrium giebt Krystalle, an welchen die Kreuzform

vorherrschend ist.

[Illustration: Fig. 203.

$Harnstoff$ mit Chlornatrium verbunden.]

[Illustration: Fig. 204.

$Harnsediment$ bei 200-300facher Vergrösserung.

_h_ Harnsäure, _u_ saure Urate des Ammons und Natrons, _o_ Kalkoxalat,

_p_ Doppelphosphat, phosphorsaure Ammon-Magnesia, _e_ Epithelialzellen

und Harncylinder, _f_ Fermentkörperchen, _ei_ Eiterkörperchen.]

Samenfäden. Flimmerzellen. Cercomonaden.

~Samenfäden~, ~Spermatozoën~, Zoospermien, sind Zellengebilde. Sie

zeigen bei starker Vergrösserung einen ovalen abgeplatteten Körper

mit einem langen, feinen, fadenförmigen Schwanze. Die Bewegungen der

lebenden scheinen unter dem Mikroskope ungemein schnell und lebhaft.

[Illustration: Fig. 205.

$Spermatozoën.$

_a_ auf dem Rande stehend, _b_ auf der platten Seite liegend, an

letzterer in der Mitte eine kleine Vertiefung. 1200mal vergr.]

In der Wirklichkeit ist die Bewegung natürlich nur eine langsame,

denn jede Bewegung erscheint durch starke Objective gesteigert. Beim

Absterben legt sich der fadenartige Schwanz meist ösenförmig oder

spiralig an den ovalen Körper.

[Illustration: Fig. 206.

$Flimmerzellen$

verschiedener Form. Vergr.]

Die Zoospermien sind keine Thiere, wie man sonst wegen ihrer

lebhaften Bewegungen glaubte, sondern sie sind analoge Gebilde wie

die Flimmerzellen der Schleimhäute und entstehen jedenfalls aus

den Kernen jener eigenthümlichen Bildungszellen, welche während

der Geschlechtsreife durch Umwandlung des Drüsenepithelium der

Samenkanälchen gebildet werden. Wie die Flimmerzellen eine lebendige

Bewegung der Fäden und Härchen (Flimmerbewegung, Wimperbewegung) unter

dem Mikroskope erkennen lassen, so auch die Samenfäden. Die Bewegung

wird durch sehr verdünnte Aetzkalilauge oder verdünnte Zuckerlösung

gesteigert, eine kürzlich zur Ruhe gekommene dadurch oft wieder erweckt.

Im frischen Sperma findet man ferner vereinzelte, hyaline, farblose,

kugelförmige, mattgranulirte Körper, ~Spermakörperchen~ genannt.

[Illustration: Fig. 207.

$Spermakörperchen.$ Vergr.]

Die Aufsuchung der Spermatozoën in Flecken der Wäsche geschieht in der

Art, dass man ein kleines Stückchen des Zeuges ausschneidet, in einem

Uhrglase mit mehreren Tropfen Wasser aufweicht und nach 1 bis 2 Stunden

mit einem Glasstabe sanft hin und her bewegt. Von dem Wasser bringt

man dann ein Tröpfchen auf das Objectglas, ebenso auch einen Tropfen

von der aus dem Zeuge gedrückten Flüssigkeit. Bei Untersuchung älterer

Flecke schneidet man ein Stück des mit dem Fleck bedeckten Gewebes aus

und theilt es mit der Scheere in drei Theile. Den Theil _a_ weicht man,

je nach dem Alter des Fleckes 1-3 Stunden in kaltem Wasser ein, den

Theil _b_ dagegen in verdünnter wässriger Pikrinsäurelösung und den

Theil _c_ zuerst in Pikrinsäurelösung und nach Verlauf einer halben

Stunde in kaltem reinem Wasser. Von jedem dieser Theile des befleckten

Gewebes trennt man behutsam einzelne Fädchen und mustert diese unter

dem Objectiv bei circa 300-, 500-, 800-maliger Vergrösserung. Durch die

Pikrinsäure wird das Samenfädchen gelb gefärbt, auch der Samenschleim,

nicht aber die Leinenfaser, von welcher adhärirende Pikrinsäure sich

durch Wasser beseitigen lässt. Die von einem Gewebe gesammelten

Spermatozoën haben meist ihre Schwänze verloren und ist dann die

Identität des schwanzlosen Spermakörperchens festzustellen. Eine

Verwechselung mit Cercomonadenkörperchen wäre möglich.

[Illustration: Fig. 208.

Durch vorsichtige Waschung der einen Tag alten Flecke in einem Hemde

einer gewaltsam Deflorirten Gesammeltes circa 400fach vergr. _h_

Schamhaare _b_ Blutkörperchen, _s_ Schleimkörperchen, _e_ Eiterzellen,

_p_ Pflasterepithelialzellen, _l_ Leinenfaser.]

~Cercomonaden~, ~geschwänzte Monaden~, finden sich in thierischen

Absonderungen. Die Intestinal-Schwanzmonade des Menschen (_Cercomonas

intestinalis_) ist von verschiedener Grösse und körperlicher

Ausbildung. Die Länge ihres Körpers ohne Schwanz schwankt zwischen

0,005 bis 0,01 _mm_. Die Bewegungen dieser Gebilde sind sehr lebendige

und schnelle in bogig gekrümmten Touren. Sie finden sich in den

schleimigen und flüssigen Dejecten des Darmkanals bei Diarrhöe, Cholera

etc.

[Illustration: Fig. 209.

$Cercomonas intestinalis.$

500-600fache Vergrösserung.]

[Illustration: Fig. 210.

$Trichomonas vaginalis.$

500-600fache Vergrösserung.]

~Vaginal-Monade~ (_Trichomonas vaginalis_) ein in dem Vaginalschleime

häufig vorkommendes Gebilde, welches von einigen für eine Art

Flimmerzelle gehalten wird. Sie ist von verschiedener Grösse, an dem

einen Ende ihres Körpers mit 1-2-3 peitschenförmigen, sehr beweglichen

Anhängen versehen. Der am andern Ende befindliche Ansatz bildet einen

unbeweglichen Fortsatz des Körpers. Letzterer hat eine Länge von

0,008-0,018 _mm_.

Parasiten des thierischen Körpers.

$Haarsackmilbe$ (_Demodex folliculorum_) (Fig. 210), eine Milbe

niederer Ordnung und Parasit (Epizoë) der menschlichen Haut, 1842 von

_Simon_ entdeckt. Streicht man mit einem stumpfen Messer aus Holz

oder Knochen unter mässigem Drucke über die Haut an Nase, Stirn,

Wangen, Brust etc., so drückt man dabei aus den Ausführungsgängen

der Talgdrüsen jene Milbe heraus, die auch in den Haarbälgen

(zwischen Haarschaft und Wurzelscheide) wohnt. Das auf die angegebene

Weise zusammengeschabte wird mit etwas Wasser auf das Objectglas

gebracht. Diese Milbe ist 1/6 bis 1/4 _mm_ lang, borsten- und

haarlos und hat einen kleinen Saugrüssel mit zwei unter diesen

befindlichen Haftzangen. Das jüngere Thier hat 2 Paar, das ältere

4 Paar stummelförmige Beine. Diese Parasiten sitzen im Innern der

Talgdrüsen und Haarbälge mit dem Kopf nach innen, mit dem Hintertheile

nach aussen. In ihrem Wohnsitze legen sie auch ihre Eier. Sie sind

gemeiniglich ein Bild vom Ernährungszustande des Menschen, auf welchem

sie leben, denn sie sind dick und rund bei gesunden wohlgenährten, und

schmal und mager bei mageren Menschen.

[Illustration: Fig. 211.

$Haarsackmilbe,$

120mal vergr.]

Im Uebrigen sind sie ohne Nachtheil.

Die $Krätzmilbe$, _Sarcoptes hominis_, _Sarcoptes scabiei_, hat einen

breiten, länglich runden, 1/3 bis 1/2 _mm_ langen, mit Haaren und

Borsten besetzten Körper. Sie ist die Milbe, welche die Symptome der

Krätze verursacht und nicht mit der Haarsackmilbe zu verwechseln.

Diese Milbe bohrt sich 3-4 _mm_ tief in schiefer Richtung in die Haut

und legt im Grunde dieser Höhlung ihre Eier. In Folge des dadurch

verursachten Reizes entzündet sich der Eingang dieser Höhlung und es

entsteht eine Pustel (Krätzpustel) und eine Entzündung der Haut. Daher

das Hautjucken Krätzkranker. Die Heilung kann auch nur durch Tödtung

der Milbe und ihrer Eier erreicht werden. In neuerer Zeit hat man den

Perubalsam und Storax als vorzügliches Krätzmittel erkannt.

[Illustration: Fig. 212.

$Krätzmilbe$

bei circa 150facher Vergrösserung.]

$Trichinen.$ Die ~Trichine~, _Trichina spiralis_, ein lebendig

gebärender Rundwurm mit Gehirn und vollkommenem Verdauungsapparat, ein

Eingeweidewurm warmblütiger Thiere. Vor circa 30 Jahren zuerst von

einem englischen Arzte _Hilton_ entdeckt, ist die Natur dieses Thieres

seit den letzten 15 Jahren sorgfältig studirt worden, seit welcher Zeit

die Gesundheitsschädlichkeit des Genusses trichinigen Fleisches erkannt

wurde.

[Illustration: Fig. 213.

$Fleischfasern mit wandernden Trichinen und einer sich einkapselnden

Trichine.$

_f_ Fettbläschen, _p_ Miescher’sche Körperchen.]

Lebenslauf und Entwickelung der Trichine im lebenden Thierkörper

sind folgender Art: die mit dem Fleische genossenen Muskeltrichinen

verbleiben im Darmkanal und bilden sich daselbst in wenigen Tagen

zu geschlechtsreifen Trichinen, Darmtrichinen, aus, es findet die

Begattung zwischen männlichen und weiblichen Trichinen statt, in 7 bis

10 Tagen erzeugen die Weibchen lebendige Junge (Embryonen), welche in

die Muskeln überwandern, daselbst wachsen, sich nach längerer Zeit

dort spiralig einrollen und innerhalb der Fleischfaser einkapseln.

Mit der Zeit verkreidet sich die Kapselhülle und die Muskeltrichine

verharrt in dieser Lage (also ohne sich zu vermehren), so lange bis

sie durch Zufall in die Verdauungswege eines anderen Thieres gelangt,

wo sie sich in dem Darmkanale zur Darmtrichine ausbildet. Nachdem die

Darmtrichine ihre Brut, die sie aus vielen hunderten Eiern erzeugt,

abgesetzt hat, geht sie unter.

Die weibliche Darmtrichine hat eine Länge von 1 bis 3 _mm_, die

männliche von 0,8 bis 1,5 _mm_, die Embryonen von 0,08 bis 0,13 _mm_,

die Muskeltrichine von 0,7 bis 1 _mm_.

Die Wanderung der Embryonen in die Muskeln, mag sie auf dem Wege der

Blut- und Lymphgefässe oder durch Durchbohrung der Darmwände geschehen,

ist eine unausgesetzte, bis ein Hinderniss entgegensteht. Ein solches

Hinderniss bilden die sehnigen Ansätze der Muskeln, durch welche diese

an die Knochen angeheftet sind. Hier kommen die wandernden Trichinen

meist zur Ruhe und lagern sich zur Einkapselung. Um die sehnigen

Ansätze herum findet man daher die meisten Trichinen.

[Illustration: Fig. 214.

$Weibliche Trichine$,

200mal vergr.]

[Illustration: Fig. 215.

$Haken am After der männlichen Trichine.$]

Die Darmtrichinen sind meist gestreckt, nach dem Kopfende zu (_k_,

siehe vorstehende Fig. 213) bedeutend dünner, mit etwas spitz

zulaufendem Kopfe; nach dem Hinterende (_a_) nehmen sie an Dicke zu,

mit stumpf abgerundeter Endigung. Die Männchen haben am Hinterende 2

Haken oder Zapfen (Fig. 214) neben der Oeffnung der Kloake. Die äussere

Decke des Wurmkörpers besteht aus einer sehr durchsichtigen glatten

feinen strukturlosen Haut (Chitinhaut), mit nichts besetzt und nur

sehr leicht geringelt. Unter dieser Decke liegt der Hautschlauch, aus

einer sehr dünnen muskulösen Haut bestehend, auf deren innerer Seite

eine dichte Schicht fein gekörnter rundlicher Zellen als Auskleidung

der Körperhöhle befindlich ist. In der Länge des Hautschlauches

verläuft ein aus Zellen zusammengefügtes Band, welches sich vom

Kopfende nach dem Hinterende und von hier auf der anderen Seite nach

dem Kopfende zurück erstreckt. Im Innern des vorderen oder dünneren

Theiles des Körpers liegt der Munddarm, welcher sich nach hinten

allmählich erweitert und bei stärkerer Verdickung der Wandung deutliche

Zellen zeigt. Am Uebergange dieses Theiles in den zweiten Theil des

Körpers erblickt man um das Darmrohr eine dunkle mit Kernkörperchen

gefüllte Masse, die sich weiterhin in den Darm fortsetzt, welcher am

hinteren Ende endlich seinen Ausgang hat. Mit der zunehmenden Dicke

des Wurmes nehmen die Darmzellen an Grösse zu und liegen dicht an der

Wandung des Hautschlauches. Der hintere Theil des Körpers enthält

ausserdem die Zeugungsapparate. Bei dem Weibchen erstreckt sich der

Geburtsweg bis innerhalb des ersten Drittels der Körperlänge und hat

hier, also am Vordertheile des Körpers, seitlich seinen Ausgang.

[Illustration: Fig. 216.

$Eingekapselte Trichine.$]

Die Kapsel oder Cyste der Muskeltrichine (Fig. 215) hat eine ovale

Form. In ihrem weiteren Theile liegt die Trichine spiralig eingerollt.

Unter dem Mikroskop erscheint die Kapsel, wenn ihre Verkreidung noch

nicht vorgeschritten ist, hell und durchsichtig, und man kann darin

den Wurm deutlich sehen. An jedem Ende des Ovals findet sich ein

stumpfer, etwas dunklerer Ansatz, so dass die Kapsel mit den Umrissen

eines menschlichen Auges Aehnlichkeit hat. Hat die Ablagerung von

Knochenerde an der Kapselhülle zugenommen, so erscheint die Kapsel

unter dem Mikroskop bei durchfallendem Lichte dunkel und sie ist

nicht mehr durchsichtig. Häufig sind dann die Ansätze der Kapsel von

kleinen Fettzellchen umlagert. Legt man ein dünnes Stück Fleisch mit

verkreideten Kapseln in mässig verdünnte Essigsäure oder Salzsäure,

so erfolgt die Lösung der Kalkschale und die Kapsel wird wieder

durchsichtig.

[Illustration: Fig. 217.

$Fleischfaser mit älteren und jüngeren Trichineneinkapselungen.$]

Die Trichine könnte mit blossen Augen sicher erkannt werden, wäre

sie nicht zu durchsichtig. Die verkreideten Kapseln lassen sich

bei auffallendem Lichte, weil sie weisslich sind, mit blossen Augen

erkennen.

Von den Muskeln, welche die Trichinen vorzugsweise aufsuchen, sind

zu nennen: das Zwerchfell, die Augenmuskeln, die Nackenmuskeln, die

Muskeln der Bauchwand, die Muskeln des Hintertheils. Proben aus diesen

Theilen, besonders aus der Gegend der Sehnenanheftung entnommen, also

mit fünf Fleischproben, kann der mikroskopischen Fleischschau genügt

werden.

Das Mikroskop und seine Anwendung Ein Leitfaden bei mikroskopischen Untersuchungen · 第 9 / 11 段