Die mikroskopische Untersuchung hat nur beim gemahlenen Kaffee einen

Zweck. Man zerreibt eine kleine Menge zu einem höchst feinen Pulver

und prüft es unter dem Objectiv. Dann extrahirt man dieses Pulver mit

Aether, zur Entfernung des Fettes, und nach der optischen Prüfung

extrahirt man auch noch mit Wasser oder verdünntem Spiritus und prüft

wiederum, gleichzeitig parallele Experimente mit echtem gutem Kaffee

vornehmend. Waren an der Kaffeebohne, in der Samenspalte, noch Reste

der Samenhaut, so wird man in dem feinen Pulver des gebrannten Kaffees

auch gelbliche dickwandige spindelförmige, mit zahlreichen Porenkanälen

versehene Steinzellen wahrnehmen. Zuweilen sind diese Zellen nur in

einigen wenigen Exemplaren vertreten. Das Gewebe des Eiweisskörpers

ist in grösster Menge vertreten. Die Zellen derselben sind vieleckig,

dickwandig und reichliche Porenkanäle zeigend. Die Zellen enthalten

formlose Eiweissmassen, Stärkemehl, Glykose, Kaffeegerbsäure,

Oeltröpfchen. Das Stärkemehl ist in nur höchst geringer Menge

vertreten. Wenn man das Object mit Jodlösung befeuchtet, so färbt sich

das Stärkemehl dunkelblau, während Zellgewebe und Eiweiss gelblich,

die Fetttröpfchen dunkler gelb oder grünlich erscheinen. Macht man

gleichzeitig optische Versuche mit echtem Kaffeepulver, so erlangt man

auch sofort Anhaltspunkte zur Erkennung von Gewebeelementen, die nicht

dem Kaffee angehören.

[Illustration: Fig. 147.

$Kaffee und Cichorienkaffee.$

_a_ reiner Kaffee, _b_ Cichorienkaffee. 100-120fache Vergr.]

Verfälschungen des gemahlenen gebrannten Kaffees sind Cichorien,

geröstete Getreidekörner, geröstete Eicheln, geröstete Bohnen. Auch

werden Feigenkaffee, geröstete Mandeln, Braunkohle u. dgl. angegeben.

~Cichorienkaffee~, geröstete zu einem höchstfeinen Pulver zermahlene

Wurzeln der cultivirten Cichorienpflanze (_Cichorium intybus_).

Diese Wurzel enthält Zucker in bedeutend grösserer Menge als die der

wildwachsenden Pflanze. Die im Handel vorkommende Waare enthält

auch andere geröstete Wurzeln z. B. der Runkelrübe, Mohrrübe, und

etwas geröstete Getreidesamen. Als Verfälschung sind diese Substanzen

nicht aufzufassen, denn gerade diese Stoffe in ihrer Mischung liefern

eine Waare, welche dem Consumenten besonders gefällt. Man hat daher

unter dem Namen Cichorienkaffee in heutiger Zeit nicht allein die

geröstete Cichorienwurzel, sondern ein Kaffeesurrogat zu verstehen.

Der gewöhnliche Mann fordert zwar beim Kaufmann Cichorien, er erhält

aber ein Packet, auf welchem sich der Name Kaffeesurrogat verzeichnet

findet. Wenn hier an dieser Stelle die Bilder einiger Gewebeelemente

vorgelegt sind, so geschah dies nur für den Fall, dass reiner

Cichorienkaffee optisch zu prüfen sei.

[Illustration: Fig. 148.

$Cichorienwurzel.$

_h_ Holzgewebe, _hp_ Zellen des Holzparenchyms, _sb_ Siebröhren.]

[Illustration: Fig. 149.

$Cichorienwurzel.$

_ng_ Netzgefässe.]

[Illustration: Fig. 150.

$Cichorienwurzel.$

_m_ Milchsaftgefässe, gewöhnlich netzartig verzweigt.]

Die Netzgefässe (Fig. 149 _m_) fehlen auch nicht in dem gerösteten

gemahlenen ~Getreidesamen~, bei welchem besonders Stärkemehl in

Betracht kommt, ferner auch nicht in dem sogenannten ~Mandelkaffee~

(die gerösteten und gemahlenen Erdmandeln, die Knollen von _Cyperus

esculentus_).

~Geröstete Eicheln~, ~Eichelkaffee~, verrathen sich durch ihre mehr

oder weniger länglichrunden oder nierenförmigen Stärkemehlkörnchen mit

einer länglichen Kernspalte oder Kernhöhle. Diese Stärkemehlkörnchen

haben einige Aehnlichkeit mit denen unserer Hülsenfrüchte, sie sind

aber nur halb so lang. Ihre Länge beträgt 0,025-0,035 _mm_. Mit

verdünnter Eisenchloridlösung färbt sich das Eichelpulver wegen

Gerbstoffgehalt dunkelblau.

[Illustration: Fig. 151.

$Stärkemehlkörnchen der Eichel.$

_a_ 120mal _b_ 200mal

vergrössert.

]

~Feigenkaffee~ nennt man die gerösteten und zu einer gröblichen Masse

oder Pulver zerstampften Feigen. Hier machen sich unter dem Mikroskop

grosse Parenchymzellen mit Krystalldrusen (Kalkoxalat), ferner die

kleinen Steinzellengruppen des Samens, auch einzelne Haargebilde der

Oberhaut der Feige und gabelästige Milchgefässe bemerkbar.

[Illustration: Fig. 152.

$Feigenkaffee.$

_st_ Steinzellen der Samen, _k_ Krystallzellen, Parenchymzellen mit

Krystallen, _h_ Haargebilde, _o_ Zellen der Oberhaut.]

Blut.

~Blut~. Das normale Blut besteht aus einer farblosen wässerigen

Flüssigkeit und darin schwimmenden zellenähnlichen rothen und auch

farblosen (weissen) Körperchen, den sogenannten Blutkörperchen. Diese

werden von einigen für Zellen, von anderen für keine Zellen gehalten,

obgleich ihnen alle die Eigenschaften angehören, welche an der lebenden

Zelle angetroffen werden. Die rothen im Blute des Menschen in grösster

Menge vertretenen Blutkörperchen oder Blutzellen erscheinen unter dem

Mikroskop als kreisrunde, etwas biconcave, durchsichtige, farblose

oder gelbliche Scheiben mit klar hervortretendem Kugelschatten, die

unter Einfluss des Wassers die Gestalt hyaliner sphärischer Bläschen

annehmen. Sie zeigen sich oft geldrollenähnlich an einander gereiht

(Fig. 154). Lässt man Glaubersalz zwischen Objectglas und Deckglas

treten, so tritt eine Contraction der Blutkörperchen ein, der Schatten

tritt näher an die Ränder der Scheiben, die Ränder gestalten sich

allmählich verzerrt, eckig, zerrissen, gezackt, gekerbt.

[Illustration: Fig. 153.

$Blutkörperchen$,

1200mal vergr. _a_ auf der Kante stehend, _b_ flach liegend.]

[Illustration: Fig. 154.

$Blutkörperchen$,

freiliegend u. geldrollenähnlich aneinanderhängend, 500mal vergr.]

[Illustration: Fig. 155.

$Rothe Blutzellen.$

200malige Vergrösserung. _a_ Im frischen Blute, _b_ nach der Einwirkung

des Wassers, _c_ im eingetrockneten Blute.]

[Illustration: Fig. 156.

$Blutzellen.$

800-900malige Vergr. _b_ Rothe Blutzellen, _b_ eine rothe Blutzelle

im Verticaldurchschnitt _c_ rothe Blutzellen im Wasser macerirt, _d_

weisse Blutzellen, e eine solche mit einer Fettgranulation beladen,

_f_ solche nach der Einwirkung des Wassers, _g_ eine solche nach der

Einwirkung der Essigsäure.]

Die ~weissen Blutkörperchen~, farblose Blutzellen, Lymphkörperchen,

werden stets nur in wenigen Exemplaren im normalen Blute angetroffen,

höchstens 5 unter 1000 rothen Blutzellen. Sie sind ungefähr 1/3

grösser als die rothen, und zeigen bei starker Vergrösserung eine zart

granulirte Oberfläche und derselben entsprechend eine feincrenulirte

Contour.

Wenn man einen Tropfen Blut auf einem Objectglase einige Minuten sich

selbst überlässt, so schrumpfen die Blutkörperchen ein und man trifft

sie dann meist zackig gerändert. Geschieht die Eintrocknung schnell

durch warme Luft oder unter der Luftpumpe, so behalten sie dagegen

meist ihre Form.

[Illustration: Fig. 157.

$Blutkörperchen$

in langsam eingetrocknetem Blute, 600mal vergr.]

[Illustration: Fig. 158.

$Blutkörperchen$

in schnell eingetrocknetem Blute, 600mal vergr.]

Wie Glaubersalz zerstören andere Salzlösungen, schwache Säuren

und schwache alkalische Laugen die Blutkörperchen, dagegen nicht

concentrirte Aetzlaugen. Eingetrocknete Blutkörperchen schwellen in

letzteren an und werden dadurch wieder sichtbar. In einem dünnen

Scheibchen geronnenen Blutes findet man die Blutkörperchen in der

faserig erscheinenden Fibrinschicht gebettet.

[Illustration: Fig. 159.

$Blutkörperchen$

im geronnenen Blute. 600mal vergr.]

[Illustration: Fig. 160.

$Blutkörperchen$

der Vögel. Vergr.]

Die Blutkörperchen sind bei den Säugethieren meist rund, beim Menschen

kreisrund und etwas biconcav, bei den anderen Säugethieren, besonders

den Wiederkäuern sind sie meist kleiner (beim Kameel, Dromedar, Lama

grösser und elliptisch-biconvex). Die Blutkörperchen der Vögel sind

länglich-oval, in der Mitte etwas erhaben; die der Fische und Amphibien

ebenfalls länglich oder elliptisch, flach oder etwas convex, die der

letzteren aber sehr gross.

Der durchschnittliche Durchmesser der Blutkörperscheibchen beträgt beim:

Menschen 0,0074-0,0080 _mm_.

Schwein 0,0060-0,0065 „

Rind 0,0054-0,0060 „

Schaf 0,0040-0,0048 „

Hasen 0,0065-0,0070 „

Pferd 0,0050-0,0055 „

Hund 0,0070-0,0075 „

Huhn 0,0070-0,0081 „ in der Breite

„ 0,0120-0,0135 „ in der Länge.

Bei der Untersuchung einer Substanz, welche man für Blut hält, pflegt

man zuerst ihr Verhalten gegen Wasser zu prüfen.

Man bedeckt z. B. die Substanz mit 1-2 Tropfen Wasser. Ist sie

eingetrocknetes Blut, so wird sie je nach ihrem Alter früher oder

später an ihrer Oberfläche etwas aufquellen und sich das Wasser anfangs

gelb, dann rothgelb, endlich dunkelroth färben. Lässt man dann den

Tropfen abfliessen, so wird sich bei Musterung der benetzt gewesenen

Stelle mit einem Vergrösserungsglase das netzartige Geflecht des

Fibrins erkennen lassen. Betupft man dasselbe mit einer verdünnten

Jodjodkaliumlösung, so wird es sich dunkelbraun färben.

Steht eine reichliche Menge der blutähnlichen Substanz zu Gebote,

so giebt man eine senfkorn- bis linsengrosse Menge in einen

Reagircylinder, übergiesst sie mit einigen Cubikcentimetern

destillirtem Wasser, und mischt sie so einige Zeit unter nur sehr

sanftem Schütteln. Nachdem sich das Wasser gefärbt hat, wird es schon

nach sehr sanftem Schütteln an seinem Niveau einen Schaum bilden. Diese

Eigenthümlichkeit des bluthaltigen Wassers nennt man ~Spumescenz~.

Diese lässt sich selbst an einem Tropfen der Flüssigkeit auf dem

Objectglase beobachten, wenn man das Deckgläschen wiederholt hebt und

abwärts drückt.

Die vorstehend erhaltene wässrige Blutlösung im Tageslichte beobachtet

zeigt ~Dichroïsmus~, d. h. im durchfallenden Lichte erscheint sie

gelbroth oder roth, im reflectirten Lichte grünlich oder grün.

Die Grundlage der rothen Farbe des Blutes ist mit ~Haemoglobin~

bezeichnet worden. Dieses Haemoglobin besteht aus einer eiweissartigen

Substanz und ~Haematin~, einem eisenhaltigen Farbstoff. Wirken auf

diese Verbindung Alkalien oder Säuren ein, so wird sie zersetzt und

der Blutfarbstoff, das Haematin frei gemacht und unter gewissen

Verhältnissen in Krystalle verwandelt. Deshalb nannte man diesen

Blutfarbstoff früher ~Haematokrystallin~.

Als eine sehr geeignete Flüssigkeit, die rothen Blutzellen von

eingetrocknetem Blute oder Blutflecken behufs der mikroskopischen

Untersuchung aufzunehmen, und das Haematin aus seiner Eiweissverbindung

abzuscheiden, ist nach _Roussin_ ein Gemisch aus 3 Th. Glycerin, 1 Th.

concentrirter Schwefelsäure und 35 Th. Wasser.

Es soll sich der Blutfarbstoff der Säugethiere (nicht der Vögel) an

und für sich in Krystalle verwandeln lassen und er dabei verschiedene

je nach Art der Thiere aber ziemlich bestimmte Formen annehmen. Die

prismatische Krystallform soll beim Menschen und vielen Säugethieren,

die tetraëdrische beim Meerschweinchen und der Maus, hexagonale

Tafeln bei dem Eichhörnchen, die Rhomboëderform beim Hamster etc.

vorwalten. Zur Darstellung dieser Krystalle soll man nach _Funke_ einen

Tropfen Blut auf das Objectglas bringen und, nachdem er 3-4 Minuten

an der Luft gestanden hat, mit einem Tropfen Wasser versetzen. Nach

mehrmaligem Anhauchen legt man ein Deckgläschen darauf und stellt

das Ganze an einen hellen Ort zur Verdunstung. Gut soll es sein,

die Fläche des Objectglases, worauf der Tropfen Blut gegeben wird,

vorher mit Seidenzeug recht tüchtig zu reiben. Die Krystallbildung

gelingt übrigens in dieser Weise nicht leicht und ist es nothwendig,

gleichzeitig 2-3 Objecte herzustellen.

[Illustration: Fig. 161.

$Formen der Haematinkrystalle$, vergr.]

Wichtig für die Untersuchung der Blutflecke ist die Darstellung der

~Teichmann’schen Häminkrystalle~. Das Haematin hat nämlich eine grosse

Verwandtschaft zur Salzsäure, und diese Verbindung hat eine vorwiegende

Neigung zu krystallisiren. Diese Teichmann’schen Häminkrystalle sind

Haematinhydrochloratkrystalle. Zu ihrer Darstellung aus Blutflecken

wird die wässrige, nicht zu dünne Blutlösung (2-3 Cubikcentimeter)

mit einigen Tropfen Eisessig und einer sehr geringen Menge (circa

1 Ctgr.) Kochsalz versetzt. Werden dann einige Tropfen der Lösung

auf einem Objectglase an einem lauwarmen Orte abgedunstet, so

beobachtet man unter dem Mikroskop die braunrothen bis schwarzbraunen

Haematinhydrochloratkrystalle in Form rhombischer Nadeln und Täfelchen.

Man kann auch die trockne, pulverig zerriebene blutähnliche Masse nach

Zusatz einer unbedeutenden Menge Kochsalz mit Aetherweingeist, welcher

mit wenigen Tropfen Eisessig versetzt ist, extrahiren und diese durch

Glaswolle filtrirte Lösung verdunsten lassen, um dieselben Krystalle zu

erlangen. Der Kochsalzzusatz ist nur ein Ersatz des im Blute von Hause

aus vorhandenen Chlorids, im Falle die Blutsubstanz der Einwirkung von

Wasser ausgesetzt war.

[Illustration: Fig. 162.

$Haematinhydrochloratkrystalle. Teichmann’sche Haeminkrystalle.$

350-400malige Vergr.]

Auch fauliges, selbst altes eingetrocknetes Blut liefert diese

Krystalle. _Brücke_ giebt folgende Anweisung zur Untersuchung der

Blutflecke. Die Flüssigkeit, welche man durch kaltes Ausziehen mit

destillirtem Wasser aus dem Blutfleck gewonnen hat, lässt man, mit

einem sehr kleinen Körnchen Kochsalz versetzt, in einem Uhrglase unter

der Luftpumpe oder über Schwefelsäure verdunsten oder an freier Luft

eintrocknen. Dann durchmustert man das Uhrglas unter dem Objectiv, ob

sich nicht etwa Krystalle darauf befinden, die den Haeminkrystallen

ähnlich sind und damit verwechselt werden können. Hierauf übertropft

man den Boden des Uhrglases mit Eisessig und verdampft denselben

an einem warmen Orte von 50-80° C. Nun giebt man einen Tropfen

destillirtes Wasser auf das Uhrglas, nimmt damit den Rückstand auf

und bringt die Mischung auf Objectgläsern unter das Mikroskop. Ein

bohnengrosser Blutfleck liefert viele tausende dieser kleinen, gelben

bis braunrothen Haeminkrystalle in Form von rhombischen Tafeln

und Säulen, oft sich kreuzend über einander lagernd. Sie sind in

Essigsäure, Salzsäure, Weingeist, Wasser unlöslich, dagegen löslich

in Aetzalkalien und concentrirter Schwefelsäure. Im Uebrigen gelangt

man rascher zum Ziele, wenn man das mit dem Blutflecke bedeckte

ausgeschnittene Stück Zeug oder das mit dem Fleck bedeckte Scheibchen

Holz, oder die von einer Metallplatte abgekratzte blutfleckenartige

Masse in einem Probircylinder mit Eisessig aufkocht, heiss und rasch

filtrirt und die Flüssigkeit in einem flachen Glasschälchen an einem

warmen Orte eintrocknet. Bei frischem Blute ist der Zusatz von Kochsalz

gerade nicht nothwendig.

Schleim. Eiter.

~Schleim~, das Absonderungsprodukt der thierischen Schleimhäute (z. B.

der Speichel), ist eine durchscheinende oder durchsichtige dickflüssige

Masse mit darin befindlichen Epithelialzellen (den Zellen der

äussersten Schicht der Schleimhaut). Jene dickflüssige Masse besteht

aus den ~Schleimkörperchen~. Diese erscheinen unter dem Objectiv als

runde, stark granulirte, farblose, einzelne oder an einander hängende,

Gruppen und Flächen ausfüllende Körperchen, welche einen und mehrere

Kerne enthalten.

[Illustration: Fig. 163.

$Schleimkörperchen.$

200mal vergr.]

~Eiter. Eiterkörperchen~ sind schwierig von den Schleimkörperchen

zu unterscheiden. Bei einiger Uebung in der optischen Musterung

von Schleim und Eiter erlangt man sehr bald in der Bestimmung und

Unterscheidung der Schleim- und Eiterkörperchen Sicherheit. Die

~Eiterkörperchen~ erscheinen unter dem Mikroskop wie runde, matt

granulirte Zellen mit einem Kern, der häufig 2-, 3- bis 4mal gespalten

ist oder eine längliche oder eine hufeisenförmige Gestalt hat. Die

Umrisse (Contouren) sind öfter matt als scharf hervortretend. Unter

Einwirkung verdünnter Essigsäure quellen die Eiterkörperchen auf,

ihr granulirtes Ansehen verschwindet, sie werden hyalin und die

vorerwähnten Kerne treten sichtbarer hervor.

[Illustration: Fig. 164.

$Eiterzellen.$

circa 400mal vergr., _a_ Eiterzellen, _b_ dieselben nach Einwirkung der

Essigsäure, _c_ freie, aus den Zellen getretene, in Theilung begriffene

Kerne der Eiterzellen.]

[Illustration: Fig. 165.

_sg_ Schleimgerinnsel, _s_ in stärkerer Vergr., _e_ Eiterkörperchen,

_p_ Gährpilze, circa 150mal vergr.]

Lymphkörperchen.

~Lymph~- oder ~Chyluskörperchen~ bilden matt granulirte Zellen, welche

durch verdünnte Essigsäure in ihre sie constituirenden Theile zerlegt

werden.

[Illustration: Fig. 166.

Lymphkörperchen, _a_ dieselben in Essig macerirt]

[Illustration: Fig. 167.

_a_ Lymphkörperchen aus der Lymphdrüse eines Säugethieres, _b_

dieselben in verdünnter Essigsäure macerirt. 400mal. Vergr.]

~Sputum~ an Lungen-Tuberculosis (Lungenschwindsucht) leidender

Menschen. Dieser Auswurf enthält neben Schleimkörperchen und

Epithelialzellen Eiter, mehr oder weniger rothe Blutkörperchen und dann

eigenthümliche elastische Fasern von dunkler Farbe, der Lungensubstanz

angehörend.

[Illustration: Fig. 168.

$Auswurf tuberculöser Lungenmasse.$ Circa 300malige Vergr. _a_

Eiterkörperchen, _b_ Epithelialzellen, _c_ Blutkörperchen, _d_

Tuberkelfasern.]

Gährpilze.

[Illustration: Fig. 169.

$Gährpilz$, _Cryptococcus cerevisiae_, _a_ 150-200mal vergr. _b_

750-900mal vergr.]

~Gährpilz~, Hefenzelle, _Cryptococcus cerevisiae_, _Saccharomyces

cerevisiae Meyen_. Der Gährpilz ist eine einzellige Alge, ein

Hauptbestandtheil der Bierhefe. Er findet sich im Brote, im gährenden

Harn und als ein pflanzlicher Parasit häufig in dem Magen, Munde etc.

des Menschen. Er entsteht da, wo Zucker durch Gährung zersetzt wird,

und vermehrt sich durch Theilung und Knospung. Er hat rundliche und

ovale Formen, ist durchsichtig und farblos.

Sarcinien.

~Magensarcinie~, _Merismopedia (Sarcinia) ventriculi_, ist eine

Alge, zur Familie der Chroococcaceen und der Ordnung der Cystiphoren

gehörend, bestehend aus Zellen, welche einschichtig zu einer

tafelförmigen Gruppe verbunden sind. Das Cytioderm ist fest, schleimig,

häufig weisslich-grau oder gelblich, das Cytioplasma bläulich. Diese

Alge theilt sich meist quadratisch oder zu vier in einem Quadrate

stehenden Zellen. Sie findet sich im Magen, ist jedoch ohne alle

pathologische Bedeutung. Ein etwas grösseres Format ist _Merismopedia

punctata Meyen (M. Kuetzingii)_ mit schwach begrenztem, fast farblosem

Trieblager und blass grünspanfarbigem Cytioplasma. Sie wird in Tümpeln

und Seen mit stehendem Wasser angetroffen.

[Illustration: Fig. 170.

$Merismopedia ventriculi$

aus einer erbrochenen Masse, 450mal vergr.]

[Illustration: Fig. 171.

$Merismopedia punctata,$

800mal vergr.]

Die sehr kleine _Merismopedia urinae_ kommt in der menschlichen

Harnblase, _M. renis_ in der Niere vor.

Kopfgrind. Favuspilz.

~Favuspilz~, _Achorion Schoenleinii_, ist die Ursache des Kopfgrindes.

Dieser pflanzliche Parasit dringt in die feinsten Risse der Haut,

in die Haarbälge, erzeugt Entzündung und Eiterung der Kopfhaut und

zerstört, indem er seine feinen Myceliumfäden zwischen und in die

Fasern, woraus das Haar besteht, einschiebt, das Haar.

[Illustration: Fig. 172.

$Favuspilz,$

an der Wurzel und dem unteren Theile des Haares sitzend. 300mal vergr.]

Soorpilz, Zungenbelegpilz, Vibrionen, Oscillarien.

[Illustration: Fig. 173.

$Soorpilz$, stark vergr., nach _Robin_.

_a_ Epithelialzellen der Mundschleimhaut, bedeckt mit dem Rasen des

Soorpilzes _b_ und den Sporen desselben _c_.]

~Soorpilz~, Aphthenpilz, _Oidium albicans_, ist ein als Parasit

häufig vorkommender Fadenpilz, welcher die bei kleinen Kindern

vorkommenden sogenannten „Schwämmchen“ bildet. Er besteht aus Sporen

und Myceliumfäden, die zwischen und unter dem Epithel der Schleimhaut

wuchern und dasselbe zur Abstossung bringen. Er giebt der Schleimhaut

das Ansehen, als wäre sie mit Käseflocken bedeckt. Verwechselt kann

dieses Gebilde nicht werden mit _Leptothrix buccalis Robin_, einer

parasitischen Alge, welche sich auf jeder Zunge, zwischen allen

Zähnen findet und aus weit feineren stabförmigen, wenig oder nicht

gebogenen und wenig verästelten Fäden besteht. Diese Alge gehört zu den

Oscillariaceen, einer Familie, welche fadenförmig und mit einer eigenen

Bewegung begabt ist, von welcher jedoch die Leptothricheen selten eine

und dann nur langsam oscillirende Bewegung zeigen. Dagegen haben die

Species der Oscillarieen und Spirillineen, zwei andere Unterfamilien

der Oscillariaceen, eine sehr lebendige (oscillirende, kriechende

oder spiralige) Bewegung, so dass man sie früher für Thiere hielt.

Sie scheinen jedoch nur den Uebergang zu diesen zu bilden. Zu den

Spirillineen gehören die Vibrionen, welche in cylindrischer und fadiger

Form, frei oder in ihren natürlichen Schleim gehüllt, unter dem

Mikroskop eine sehr lebhafte Bewegung zeigen. Sie findet man besonders

da, wo eine Milchsäure- oder eine Buttersäuregährung stattfindet, in

dem Schleim an den Zähnen, zwischen den Zehen der Füsse, zuweilen im

Harn. _Spirillum volutans_ ist schlangenförmig und spiralig gewunden

und gegliedert.

[Illustration: Fig. 174.

$Soorpilz. Oidium albicans.$

Vergr.]

[Illustration: Fig. 175.

$Leptothrix buccalis. Zungenbelegpilz.$

Vergr.]

[Illustration: Fig. 176.

$Vibrio lineola$ (links), obere 50mal, untere 300mal vergr.

$Vibrio bacillus$ (rechts), 750mal vergr.]

[Illustration: Fig. 177.

$Spirillum volutans,$

750mal vergr.]

[Illustration: Fig. 178.

_a_ $Beggiatoa alba$, _b_ $Beggiatoa nivea$. Vergr.]

[Illustration: Fig. 179.

$Oscillaria viridis.$

_a_ ein Glied von vorne gesehen. Vergr.]

[Illustration: Fig. 180.

$Chamaesiphon incrustans.$

_a_ 200fach vergr. _b_ 1200fach vergr.]

Von den Oscillarieen bewohnt die Gattung _Beggiatoa_ viele Thermen und

natürliche Schwefelwässer. Sie hat eine oscillirende Bewegung, ist

haarförmig, sehr dünn, sehr durchsichtig und starr. _Beggiatoa alba_

ist in einen weissen Schleim gehüllt und bildet lange Fadenfortsätze

mit granulirtem Cytioplasma. _B. nivea_ ist durchsichtig und zeigt eine

dunkle Gliederung. Die Gattung _Oscillaria_ ist mit einer dreifachen

Bewegung begabt, gegliedert, entweder von Mutterschleim umhüllt

oder eingeschlossen von einer engen röhrenförmigen, an beiden Enden

offenen Scheide. Die Glieder sind von vorne gesehen scheibenförmig

und mit punktförmigen peripherisch ständigen Knötchen versehen. Eine

parasitische Oscillariee ist _Chamaesiphon incrustans_, eine sehr

kleine circa 0,01 _mm_ lange, dicht zusammengedrängt stehende Alge mit

undeutlichen Gliedern, aber deutlichen Endgliedern und sehr zarten

Scheiden. Sie bewohnt andere Algen, diese incrustirend.

Interessante Algen sind die Spermosireen durch ihren

rosenkranzähnlichen Bau. Die Gattung _Anabaena_ hat kugelige oder

elliptische Glieder und goldgelbe oder braungelbe Sporen. _Anabaena

circinalis_ findet man in stehenden Wässern.

[Illustration: Fig. 181.

$Anabaena circinalis.$

Vergr.]

[Illustration: Fig. 182.

_a_ $Microcystis violacea$, _b_ $Anacystis marginata.$ Vergr.]

Von der Algenfamilie der Chroococcaceen möge noch erwähnt sein

_Microcystis_, welche aus sphärischen, dicht zusammengedrängten und

von einer Mutterhülle eingeschlossenen Zellen besteht. _Microcystis

(Gloeocapsa) violacea_ hat eine violette Färbung. Sie bewohnt

die Fensterscheiben und Mauern feuchter Keller. Die zu derselben

Familie gehörende _Anacystis_, welche schwimmend in stehendem Wasser

angetroffen wird, besteht aus zahlreichen sphärischen, in Schleim

nistenden, mit einer gemeinsamen mehrschichtigen Decke umhüllten Zellen.

Diatomaceen.

Das Mikroskop und seine Anwendung Ein Leitfaden bei mikroskopischen Untersuchungen · 第 8 / 11 段