Das $Haar$ der $Thiere$ zeigt einen von dem Menschenhaar wesentlich

verschiedenen Bau, auch die Verschiedenheit des von verschiedenen

Körpertheilen desselben Thieres entnommenen Haares ist eine sehr

grosse. Eine Eigenthümlichkeit des Thierpelzes ist die Zusammensetzung

aus den eigentlichen Haaren, Oberhaaren, und dem Flaum oder Unterhaar.

Letzteres ist zart und oft 100mal dünner als das Oberhaar. Die in den

folgenden Figuren dargestellten dünneren Theile gehören dem Unterhaar

(Grundwolle) an. Sämmtlich in 300m. Vergr.

[Illustration: Fig. 116.

$Hund (Prairienhund).$

Links Flaumhaar.]

[Illustration: Fig. 117.

$Zobel.$

Links Flaumhaar.]

[Illustration: Fig. 118.

$Virginische Otter.$

Links Flaumhaar.]

[Illustration: Fig. 119.

$Nerz.$

Links Flaumhaar.]

~Steinmarderpelzhaar~ ist dem Zobelhaar sehr ähnlich, nur ist die

Markröhre dunkler und die Seitenzacken treten stärker hervor.

~Baummarderhaar~ ist dem Nerzhaar sehr ähnlich.

[Illustration: Fig. 120.

$Hamster.$

In der Mitte Flaumhaar.]

[Illustration: Fig. 121.

$Kaninchen.$

Links Flaumhaar.]

[Illustration: Fig. 122.

$Katze.$

Links Flaumhaar.]

[Illustration: Fig. 123.

$Bisam.$

Links Flaumhaar.]

[Illustration: Fig. 124.

$Fuchs.$

Links Flaumhaar (Grundwolle).]

Gewürze.

Die mikroskopische Untersuchung erstreckt sich hauptsächlich auf

die gepulverten oder gemahlenen Gewürze, welche häufig verfälscht

mit den Pulvern aus Brot, Semmel, Eicheln, Hülsenfruchtsamen,

Mahagoniholz, Zuckerkistenholz und dergleichen angetroffen werden.

Behufs der mikroskopischen Untersuchung eines gepulverten Gewürzes

ist das Pulver, wenn es ein gröbliches ist, in einem porzellanenen

Mörser zu einem höchst feinen Pulver zu zerreiben, in einem Gläschen

mit der verdünnten Glycerinflüssigkeit (S. 55) zu mischen und von

der Mischung tropfenweise auf Objectgläsern zu vertheilen. Circa

0,5 _g_ oder eine Messerspitze des Gewürzpulvers ist hier mehr denn

ausreichend. Die Untersuchung wird zuerst bei 100-150facher, dann

folgend bei 200-300facher Vergrösserung ausgeführt. Um sich vor Irrthum

zu bewahren, möge der Anfänger in mikroskopischen Untersuchungen

gleichzeitig mit reinem gutem Gewürz experimentiren. Wäre Pfefferpulver

zu untersuchen, so zerreibe man circa 3 Pfefferkörner zu feinem Pulver

und betrachte dieses unter dem Mikroskop, um von den Formelementen

des Pfeffers ein Bild zu erlangen. Die Abbildungen sind nie mit der

Accuratesse ausgeführt, um dem Anfänger in der Beurtheilung des

Befundes volle Sicherheit zu bieten.

$Pfeffer$ ist das am stärksten consumirte Gewürz. Er ist die

Beerenfrucht eines in Ostindien einheimischen Kletterstrauches. Der

sogenannte ~schwarze Pfeffer~ ist die nicht völlig reife und an der

Sonne und in Oefen getrocknete, der ~weisse Pfeffer~ die reife, nach

dem Einweichen in Meer- oder Kalkwasser von der äusseren Fruchthaut

befreite Frucht. Ersterer hat einen schärferen brennenderen Geschmack

als letzterer.

$Schwarzer Pfeffer.$ Der zu einem feinen Pulver zerriebene Pfeffer

bietet dem Auge mehrere charakteristische Formelemente seiner

Gewebeschichten. -- 1) Oelzellen oder Harzzellen, rundliche, kugelige

oder mehr oder weniger eckige Zellen in mässiger Menge, angehörend

dem Parenchym des Fruchtgehäuses und dem Eiweisskörper. Sie enthalten

ein farbloses flüchtiges Oel und ein Weichharz, welche den Geschmack

des Pfeffers bedingen. -- 2) Steinzellen aus dem Theile, welcher

zunächst unter der äusseren Fruchthaut liegt. -- 3) Unregelmässig

geformte, meist vielkantige Zellen des Eiweisskörpers, angefüllt

entweder mit formlosen homogenen Stärkekleistermassen, oder -- 4) mit

umränderten Stärkemehlkörnchen. Diese sind äusserst klein, rundlich

oder vielkantig, zu 2, 3 und mehr reihenweise aneinander liegend oder

zu rundlichen Ballen gehäuft. Bei starker Vergrösserung lassen viele

dieser Stärkemehlkörnchen eine tiefe Kernhöhle (Nabel) erkennen. -- 5)

Spiralgefässe. -- 6) Krystalle, jedoch nur wenige, wahrscheinlich aus

Piperin bestehend.

[Illustration: Fig. 125.

$Schwarzer Pfeffer.$

Feines Pulver aus Pfefferfrüchten, welche schwerer als Wasser sind und

darin untersinken.

300malige Vergr.]

[Illustration: Fig. 126.

$Schwarzer Pfeffer.$

Pulver aus Pfefferfrüchten, welche leichter und schwerer als Wasser

sind.

_o_ Oelzellen, _st_ Steinzellen, _e_ Zellen mit Kleistermassen aus

dem Eiweisskörper, _a_ Stärkemehl, _sp_ Spiralgefässe, _k_ Krystalle.

150-200mal vergr.]

[Illustration: Fig. 127.

$Stärkemehlkörnchen des Pfeffers.$

500mal vergr.]

Als Verfälschungen des gemahlenen Pfeffers sind Eicheln, getrocknete

Kartoffeln, Rapskuchen (Presskuchen aus der Darstellung des Rüböls)

vorgekommen. Die Stärkemehlkörnchen der Eicheln und Kartoffeln sind

leicht an ihrer Form zu erkennen. Die Rapskuchen zeigen Partien

Steinzellengewebe, dessen Zellen 5-6eckig, sehr dickwandig und

rothbraun erscheinen.

$Weisser Pfeffer.$ Der zu einem feinen Pulver zerriebene weisse Pfeffer

bietet dem Auge ähnliche Formelemente wie der schwarze Pfeffer, nur

fehlen die Steinzellen, die Trümmer der äussersten Fruchthaut und

des Parenchyms des Fruchtgehäuses. Vorwiegend und in grösserer Menge

vertreten als im schwarzen Pfeffer sind die Zellen des Eiweisskörpers

mit den Kleistermassen und den Stärkemehlkörnchen.

[Illustration: Fig. 128.

$Weisser Pfeffer.$

Feines Pulver. 150-200mal vergr.]

$Piment$, ~Nelkenpfeffer~, ~Englisch-Gewürz~, ~Neugewürz~, ist die

vor der völligen Reife gesammelte und getrocknete Frucht eines in

Westindien, besonders auf Jamaica cultivirten kleinen Baumes (daher

auch der Name Jamaicapfeffer). In ein feines Pulver verwandelt lässt er

unter dem Mikroskop erkennen: -- 1) einfache, sehr kleine Härchen, auf

der Oberhaut der Frucht befindlich. -- 2) Grosse bräunliche Oelzellen,

aus dem Fruchtgehäuse und der Umgebung des Keimes. Im Fruchtgehäuse

stehen sie dicht gedrängt und bilden die halbkugelig hervortretenden

Warzen der Oberfläche der ganzen Frucht. Die äusserste Fruchthaut

zeigt auch deutlich Spaltöffnungen. -- 3) Dickwandige Steinzellen,

viele mit verzweigten Porenkanälen. -- 4) Spiralgefässtrümmer. -- 5)

Stärkemehlkörnchen. -- 6) Zellen mit dunkelrothem Farbstoff. -- 7) Nur

bisweilen rhomboëdrische Kalkoxalatkrystalle.

[Illustration: Fig. 129.

$Piment, in feines Pulver verwandelt.$

_o_ Oelzellen, _st_ Steinzellen, _sp_ Spiralgefässe, _a_ Stärkemehl.]

Da Piment Gerbstoff enthält, so nehmen die Gewebselemente mit stark

verdünnter Lösung des Eisenchlorids (Ferrichlorids) befeuchtet eine

indigblaue Farbe an.

$Gewürznelken$ (_Caryophylli_) sind die getrockneten Blüthenknospen des

Gewürznelkenbaumes, welcher auf den Molukken einheimisch ist, aber auf

anderen Inseln Ostindiens und in Westindien cultivirt wird.

Bei der Prüfung des Gewürznelkenpulvers unter dem Mikroskope vermisst

man Stärkemehlkörnchen und dickwandige Gewebezellen. Eine zarte

Querschnitte durch den Unterkelch einer Gewürznelke ist in folgender

Abbildung (Fig. 130) bei 120maliger Vergr. vergegenwärtigt.

Zu der mikroskopischen Untersuchung des Gewürznelkenpulvers verwendet

man zunächst das nur mit verdünntem Glycerin gemischte Pulver, dann

aber auch zur besseren Examination der Zellen und Gefässe eine Portion

des Pulvers, welche mit verdünnter Aetzlauge geschüttelt, in einem

Filter gesammelt, mit Wasser abgewaschen und mit Glycerin gemischt ist.

[Illustration: Fig. 130.

$Zarte Querschnitte aus dem Unterkelch der Gewürznelke.$

_d_ Gefässbündel, _v_ centrale Gefässbündelgruppe, _f_ lockeres

Zellgewebe.]

Es lassen sich folgende Formelemente wahrnehmen: -- 1) Oelzellen,

unter der kleinzelligen Oberhaut liegend. -- 2) Bastzellen, meist

spindelförmige. -- 3) Spiralgefässe, zum Theil in einem kleinzelligen

Parenchym, dessen Zellen Krystallgruppen (Krystalldrusen) enthalten. --

4) Pollenkörner (Blüthenstaubzellen). Diese erscheinen dreiseitig oder

dreikantig und sind dreiporig. -- 5) Spaltöffnungen (mit den beiden

Schliesszellen).

[Illustration: Fig. 131.

$Gewürznelken.$

Formelemente des Gewebes: _k_ Zellen mit Krystallen

(Kalkoxalatkrystalldrusen), _f_ Bastfaser, _o_ Oelzellen, _sp_

Spaltöffnungen, _b_ Pollenkörner. Circa 250mal vergr. _h_ Querschnitt

eines Holzbündels 50mal vergr. _st_ Treppengefäss aus den

Nelkenstielen.]

Das Gewürznelkenpulver mit verdünnter Lösung des Eisenchlorids

(Ferrichlorid) befeuchtet färbt sich blauviolett wegen des Gehaltes

an Gerbstoff. Diese Reaction erfolgt nicht oder ist gering, wenn eine

gepulverte, bereits extrahirte Waare vorliegt.

[Illustration: Fig. 132.

$Stärkemehl der Eicheln.$

_a_ 120mal, _b_ 250mal vergr.]

[Illustration: Fig. 133.

$Steinzelle aus den Nelkenstielen.$

_t_ Hohlraum, _p_ Porenkanal. 250mal. Vergr.]

Die Verfälschung des Gewürznelkenpulvers mit dem Pulver der

Gewürznelkenstiele (Blüthenstiele) war vor Jahren eine sehr

häufige, mit gerösteten Eicheln eine gewöhnliche. In dem Pulver der

Gewürznelkenstiele sind vorwiegend sehr dickwandige Zellen, Steinzellen

mit dickschichtiger Wandung, stärkere und bedeutend grössere Holzbündel

und Bastbündel, treppenförmige Gefässe mit weiterem Lumen und nur

wenige Oelzellen vertreten. Eichelnpulver verräth sich durch das darin

befindliche Stärkemehl, dessen Körner dem Stärkemehl der Hülsenfrüchte

sehr ähnlich, aber von geringerer Grösse sind und einen langen

Kernhöhlenspalt (Nabel) zeigen. (Vrgl. auch unter Kaffee.)

$Zimmt.$ Im Handel unterscheidet man Ceylonzimmt oder echten Zimmt und

Zimmtkassie oder Kaneel. Der gemahlene Zimmt oder Zimmtpulver wird nur

aus der Zimmtkassie hergestellt.

~Zimmtkassie~, ~Kaneel~, ~Chinesischer Zimmt~, gewöhnlich nur mit

Zimmt bezeichnet, ist der Bast der Aeste des Zimmtbaumes, welcher im

südlichen China und Cochinchina einheimisch, aber in verschiedenen

Theilen Ostindiens cultivirt wird.

[Illustration: Fig. 134.

$Formelemente des Gewebes der Zimmtkassie.$

_s_ Steinzellen, _st_ Stärkemehlführende Steinzellen, _b_ Bartzellen,

_bp_ Stärkemehlführende Bastzellen, _o_ Oelzellen. 150-200mal. Vergr.]

Behufs der mikroskopischen Prüfung des Zimmtpulvers ist eine kleine

Portion mehrere Stunden in verdünntem Glycerin einzuweichen. Es

bietet dem Auge folgende hauptsächliche Formelemente: -- 1) dünne

spindelförmige, meist glatte Bastfassern (circa 0,05 _mm_ lang). Sie

sind so verdickt, dass der Innenraum wie eine linienförmige Spalte

erscheint. -- 2) Dickwandige Zellen des Bastparenchyms, Stärkemehl

führend. -- 3) Steinzellen mit und ohne Stärkemehl. -- 4) Oelzellen.

-- 5) Schleimzellen. -- 6) Stärkemehlkörnchen (0,01-0,018 _mm_ im

Durchmesser) finden sich in rothbrauner Masse eingebettet in allen

Parenchymzellen, in vielen Steinzellen. -- 7) Wenige, sehr kleine

prismatische Kalkoxalatkrystalle (aus den Markstrahlzellen).

Der ~Ceylonzimmt~ enthält sehr grosse (bis zu 0,1 _mm_ grosse)

starkverdickte Steinzellen, dünnere (0,02-0,025 _mm_), Bastzellen,

wenige und kleinere Stärkemehlkörnchen und eine mehr braungelbe Masse

in den Parenchymzellen. Die kleinen Kalkoxalatprismen fehlen ganz.

Ceylonzimmt ist die theuerste Zimmtsorte.

Die ~Holzkassie~, Malabarzimmt, _Cassia lignea_, ist die Rinde der

Aeste eines dem Ceylonzimmtbaume verwandten Baumes. Bisweilen fehlt

darin das Stärkemehl. Sie wird zur Verfälschung des Zimmtkassien-

und Ceylonzimmtpulvers gebraucht. Die Gewebeelemente haben viele

Aehnlichkeit mit denen des Ceylonzimmts. Der Geschmack der Holzkassie

ist schwach zimmtartig und sehr schleimig, der Geruch sehr schwach

zimmtartig.

Weitere Verfälschungen des Zimmtkassienpulvers sind die Pulver aus

Mahagoni- und Zuckerkistenholz, verschiedener Baumrinden, Eicheln, Brot

etc. Verdünnte Eisenchloridlösung färbt die Zimmtkassie nur dunkler bis

rothbraun, nicht aber violett, blau oder grün.

$Ingwer$ ist der geschälte oder ungeschälte, getrocknete Wurzelstock

der im tropischen Asien einheimischen Ingwerpflanze. Es kommen im

Handel vor: ungeschälter, geschälter und gebleichter Ingwer.

Der gepulverte Ingwer ist vor der mikroskopischen Untersuchung

in verdünntem Glycerin einzuweichen. Die Formelemente des Gewebes

sind: -- 1) Oelzellen. -- 2) Gerundete Harzzellen. -- 3) Vieleckige

Parenchymzellen mit Stärkemehl angefüllt. -- 4) Gefässbündel aus

dünnwandigen Faserzellen, dickwandigen, eine weite Höhlung zeigenden,

bastartigen Holzfasern und Treppengefässen bestehend. -- 5)

Stärkemehlkörnchen. Diese sind flach, eiförmig oder länglich (0,02-0,04

_mm_ lang), concentrische Schichtung zeigend.

[Illustration: Fig. 135.

$Formelemente aus dem Gewebe des Ingwers.$

_h_ Harzzellen, _o_ Oelzelle, _sp_ Holzbündel, _a_ Stärkemehl. 120mal

vergr.]

Verfälschungen des gemahlenen Ingwers sind: Eicheln, Rapskuchen,

Brot, Curcuma (Gelbwurzel). Letztere verräth sich durch ihren Gehalt

an gelbem Farbstoff, welcher durch Borax und Alkalien leicht erkannt

werden kann.

[Illustration: Fig. 136.

$Stärkemehlkörnchen des Ingwers.$

400malige Vergr.]

$Muskatnuss$ ist der Samen aus der Frucht des auf den Molukken

einheimischen, auf den Bandainseln cultivirten Muskatnussbaumes: Das

Pulver zeigt vieleckige, dünnwandige, mit Stärkemehlkörnchen erfüllte

Zellen. Die Stärkemehlkörnchen sind hier und da in einer fettigen

rothbraunen Masse eingebettet. Die Stärkemehlkörnchen sind zu 2, 3,

4 und mehr, meist regelmässig zusammengesetzt, das Theilkörnchen

zeigt eine rundliche oder eckige Kernhöhle. In den meisten der

Stärkemehl führenden Zellen findet sich von Stärkemehlkörnchen

umlagert ein krystallförmiger rhomboëdrisch oder kubisch gestalteter

Körper (Krystalloid). Auch beobachtet man hier und da prismatische

Fettkrystalle. Nach der Befeuchtung mit Jodlösung erscheinen die

Stärkemehlkörnchen blau, die Krystallkörper dunkelroth.

[Illustration: Fig. 137.

$Pulver von Muskatblüthe und Muskatnuss.$

_Mac_ Muskatblüthe, Macis. _Musk. N._ Muskatnuss. _a_ Zelle mit

Krystalloid und Stärkemehl.

120mal. Vergr.]

$Muskatblüthe$, ~Macis~, ist der fleischige Samenmantel aus der Frucht

des Muskatnussbaumes. Das Pulver zeigt unter dem Mikroskop gerundete

oder kantige Zellen, neben kugeligen, eiförmigen oder kantigen

Oelzellen (0,04-0,08 _mm_ im Durchmesser). Stärkemehl fehlt. Jodlösung

färbt gelbroth, rothbraun und purpurroth. Beimischungen Stärkemehl

enthaltender Stoffe sind daher leicht zu erkennen. Siehe Fig. 137.

[Illustration: Fig. 138.

$Curcumapulver.$

_b_ Kleistermassen, _h_ Harzzellen (100mal vergr.), _a_

Stärkemehlkörner (300mal vergr.)]

$Curcuma$, ~Gelbwurz~, der in künstlicher Wärme getrocknete Wurzelstock

der in Ostindien und dem südlichen und östlichen Asien einheimischen

_Curcuma longa_, Gelbwurzlilie. Das Pulver der Curcuma ist zuweilen

ein Verfälschungsmittel der Gewürze und Bestandtheil des vom gemeinen

Manne mit Safran benannten Safransurrogats für den Gebrauch in der

Küche. Es zeigt unter dem Mikroskop mit verdünntem Glycerin befeuchtet,

dieses gelb färbend, kugelige eiförmige oder längliche gelbgrünliche,

durch Jodlösung sich blau färbende Massen (Stärkekleistermassen),

Stärkemehlkörnchen besonderer Form, gelbe Harzzellen, Trümmer von

Treppengefässen. Obgleich das Curcumamehl eine billige Waare ist, so

wird es nicht selten mit Stoffen verfälscht, welche eine andere oder

abweichende Form der Stärkemehlkörnchen aufweisen.

$Rothes Santelholz$, ~rother Santel~, das Holz des in Ostindien

einheimischen Santelbaumes, _Pterocarpus santalinus_. Das Pulver

dieses Holzes ist nicht selten verfälscht oder es dient als ein

unschuldiges Färbemittel einiger Genussmittel, auch ist es ein

Bestandtheil des Safransurrogates, des in der gewöhnlichen Küche

gebrauchten Safrans. Unter dem Mikroskope in verdünntem Glycerin,

welches sich weinroth färbt, eingeweicht zeigt es -- 1) mit zierlichen

Tüpfeln versehene Holzgefässe, -- 2) bastartige Holzfasern, -- 3)

getüpfelte Holzparenchymzellen, -- 4) kleine Zellen, einen einfachen

Kalkoxalatkrystall enthaltend, -- 5) Farbstoffmassen und vereinzelte

Stärkemehlkörnchen. Weingeist löst den Farbstoff mit rother,

Aetzkalilauge mit violetter Farbe.

[Illustration: Fig. 139.

$Gepulvertes rothes Santelholz$.

_h_ Holzzellen, _gh_ getüpfelte Holzparenchymzellen, _hh_

Holzparenchymzellen mit umhöften Tüpfeln, _m_ Zellen aus den

Markstrahlen, _k_ Krystallzellen mit einfachem Kalkoxalatkrystall.

(Circa 120malige Vergr.)]

Senf. Mostrich.

Speisesenfpulver und Mostrich sind für den Gebrauch in der Küche

und auf dem Tische entsprechend und dem Geschmack convenirend

zusammengesetzte Genussmittel, in welchen schwarzer und auch gelber

Senfsamen die den Geschmack bedingenden Substanzen sind.

Das ~Senfmehl von Sarepta~ ist das Pulver der Samen von _Sinapis

juncea_ und entspricht in seinen mikroskopischen Theilen ganz unserem

gelben oder weissen Senfe. Das sogenannte ~Englische Senfmehl~ ist

gewöhnlich nur ein pulveriges Gemisch aus 1 Th. schwarzem Senf, 8 Th.

gelbem Senf und 1-3 Th. Getreidemehl.

Eine mikroskopische Untersuchung beider Genussmittel könnte nur den

Zweck haben, darin Substanzen zu bestimmen, welche den Nahrungs- und

Genussmitteln nicht angehören und genossen nachtheilige Wirkungen

haben und endlich die Gegenwart des Pulvers der Senfsamen zu erkennen,

wenn etwa der Geschmack diesen nothwendigen Umstand bezweifeln lässt.

Beide, sowohl das Speisesenfpulver (Mostrichpulver) wie der Mostrich,

sind zusammengesetzte Genussmittel, welche den Zwecken der Verwendung

in der Küche und auf dem Tische, sowie den Ansprüchen des Geschmackes

entsprechen sollen. Zur Erreichung dieser Zwecke ist die Vermischung

des Pulvers von schwarzem und gelbem Senfsamen mit Salz, Gewürzen,

Mehl, Essig, Wein, Zucker und anderen Genussmitteln nothwendig, und

können solche Beimischungen nie als ungehörige oder als Fälschungen

angesehen werden, und das um so weniger, als man den Werth der

Senfpräparate nach der äusseren Beschaffenheit und dem Geschmack

beurtheilt und eine einfache Mischung von reinem Pulver des schwarzen

oder gelben Senfes mit Wasser, Wein, Essig dem Geschmacke nicht genügt,

selbst die Mischung nur mit schwarzem Senfsamen den Giften beizuzählen

wäre.

[Illustration: Fig. 140.

$Pulver des schwarzen und weissen Senfsamens.$

_s_ Schwarzer Senf, _w_ weisser oder gelber Senf, _st_ Steinzellen,

_kl_ Kleberzellen, _k_ Keimzellen _ep_ Epidermalgewebe, _o_

Oeltröpfchen.]

Auch eine Beimischung von gemahlenem Rübsen- oder Rapssamen an Stelle

des weissen Senfsamens, wenn sie überhaupt vorkommen sollte, ist

keine Verfälschung, da dadurch das Angenehme des Geschmacks eher

gehoben als herabgedrückt wird. Wäre der Rübsensamen geschält, so ist

er auch gar nicht nachzuweisen.

[Illustration: Fig. 141.

$Pulver des Rapskuchens.$

_st_ Steinzellen, _kg_ Keimgewebe, _kl_ Kleberzellen, _o_ Oeltröpfchen.]

Ein wesentliches Erkennungszeichen der Samenpulver des schwarzen

Senfes und des Rübsens unter dem Mikroskop sind die Gewebetrümmer der

äusseren dunkelroth-braunen Samenhaut. Die Steinzellen derselben sind

beim Rübsensamen grösser und auch etwas abweichend geformt als beim

schwarzen Senf, und farblos beim gelben Senf.

Cacao. Chocolade.

~Cacaomasse~ oder ~präparirter Cacao~ gehört zu den einfachen

Genussmitteln und besteht aus den Cacaosamen, welcher schwach geröstet,

dann von der Samenschale befreit und in der Wärme in eine zwischen den

Fingern oder auf der Zunge unfühlbaren Masse übergeführt sind. Diese

Masse soll nichts enthalten, was nicht Cacaosamen ist. Vorkommende

Verfälschungen oder Gewicht vermehrende Stoffe dieser Masse sind:

schwach geröstete Eicheln, Getreidemehl, Maismehl, Hülsenfrüchte,

Stärke, Brot u. dgl.

Behufs der mikroskopischen Prüfung wird etwas der Masse fein zerrieben,

ein Theil davon mit verdünntem Glycerin gemischt, ein anderer Theil mit

Wasser längere Zeit geschüttelt, auf einem Filter gesammelt und dann

geprüft.

Cacao hat verschiedene Gewebeelemente, welche sich von denen der

Verfälschungsmittel wesentlich unterscheiden. Zunächst sind zu erwähnen

die verlängerten, cylindrischen, keulenförmigen oder spindelförmigen,

an ihrem einen Ende oft getheilte, durch Querscheidewände, hin und

wieder auch durch Längsscheidewände geschichtete Schläuche oder

sogenannte _Mitscherlich_’sche Körperchen, dann die in Fett gelagerte,

zusammengesetzte, sehr minutiöse Stärkemehlkörnchen führenden braunen

vieleckigen Zellen der Keimlappen und die denselben untermischten oder

in Reihen gestellten Zellen, einen rothbraunen Farbstoff enthaltend.

[Illustration: Fig. 142.

$Cacao.$

_m_ Schläuche der inneren Samenhaut, die sogenannten Mitscherlich’schen

Körperchen, _k_ Theobrominkrystalle (120-150fache Vergr.).]

[Illustration: Fig. 143.

$Cacao.$

_s_ Stärkemehl führende, _f_ Farbstoff führende Zellen der Keimlappen

(150fache Vergrösserung).]

Unter dem Mikroskop sieht man auch Fett in kugeligen Massen, zuweilen

jedoch nicht immer, kleine farblose prismatische Krystalle.

[Illustration: Fig. 144.

$Cacaomasse.$

_k_ Cacaostärkemehl, _m_ Mitscherlich’sche Körperchen.]

Der Farbstoff wird durch verdünnte Schwefelsäure mit blutrother, durch

Essigsäure mit violetter Farbe gelöst. Verdünnte Eisenchloridlösung

tingirt blau, was auf eine gerbstoffartige Substanz deutet.

Die Stärkemehlkörnchen des Cacao sind, wie bereits bemerkt ist,

zusammengesetzte, im Uebrigen sehr klein (0,005-0,008 _mm_) im

Durchmesser.

~Chocolade~ ist ein zusammengesetztes Genussmittel, welches einen

angenehmen Geschmack haben und in kochendem Wasser oder kochender Milch

zertheilt ein angenehm schmeckendes, aber auch schleimiges Getränk

liefern soll, in welchem die Partikel der Cacaomasse in Suspension

erhalten bleiben. Um nun letzteres zu erzielen, ist ein Zusatz eines

stärkemehlhaltigen Genussmittels nothwendig. Die Chocolade kommt in

verschiedenen Sorten in den Handel. Die theuren Sorten bestehen zumeist

nur aus gleichen Theilen Cacaomasse und Zucker nebst verschiedenem

Gewürz. Die geringeren und billigen Sorten enthalten ausser den

genannten Stoffen geröstetes Getreidemehl oder Stärkemehl, Maismehl,

Reismehl etc. Werden diese Sorten in der Küche zum Getränk gemacht,

so bedürfen sie keines Mehl- oder Stärkemehlzusatzes, welcher bei

den theuren Sorten nicht umgangen werden kann. Diese Erinnerung ist

gemacht, um zu warnen, den Gehalt der Chocolade an fremden Stärkemehl

als eine Verfälschung aufzufassen. Chocolade ist eben Cacaomasse,

welche sich zur bündigen Darstellung des Chocoladengetränkes eignet.

Will man Chocolade mikroskopisch untersuchen, so wird sie kalt

zerrieben, zuerst zur Beseitigung des Fettes mit Aether, dann zur

Beseitigung des Zuckers mit lauwarmem (30-35°) Wasser ausgezogen und

nun das in Aether und Wasser unlösliche unter das Objectiv gebracht.

Das ~holländische Cacaopulver~ ist das feine Pulver der mit Soda

behandelten Cacaosamen. Es zeigt einige Gewebeelemente des Cacaosamens

in zerstörter Form.

~Chocoladenmehl, Chocoladenpulver~. Mit diesen Namen wird ein Surrogat

der Chocolade bezeichnet. Es ist ein sehr billiges Pulver, welches

in kochendes Wasser oder kochende Milch eingerührt, sofort ein dem

Chocoladengetränk ähnlich schmeckendes und aussehendes Getränk oder

Suppe liefern soll. Es besteht aus 10 Proc. Cacaomasse, 19 Proc.

geröstetem oder auch nicht geröstetem Getreidemehl, 70 Proc. Zucker und

1-2 Proc. rothem armenischem Bolus.

Kaffee.

[Illustration: Fig. 145.

$Spindelförmige Steinzellen der Samenhaut des Kaffeesamens.$]

[Illustration: Fig. 146.

$Ein Stück des Gewebes aus dem Samenkörper des Kaffees.$]

Das Mikroskop und seine Anwendung Ein Leitfaden bei mikroskopischen Untersuchungen · 第 7 / 11 段