_a_ Zwei Protoplasmazellen, _b_ eine solche, deren äusserste Schicht

dichter geworden ist _c_ zwei solche Zellen, in deren Inhalte die

Bildung von Zellkernen vor sich geht.]

[Illustration: Fig. 53.

_a_ Eine von einer Membran eingeschlossene Zelle, _b_ zwei Zellen mit

Zellkern und den Anfängen (Protoplasmawänden) zu Tochterzellen, _c_

zwei gleiche zusammenhängende Zellen _nn_ wässerige Plasmatropfen, _d_

Zelle mit Stärkemehlkörperchen.]

Die ~Zelle~ ist ein bläschenartiges Gebilde, in ihrem ersten Urzustande

eine Protoplasmazelle, eine nach aussen begrenzte Portion Plasma oder

Protoplasma, Bildungsstoff, welcher sich in seiner Lebensthätigkeit

zunächst mit einer Hautschicht, der Zellenmembran, umgiebt und meist

auch in seinem Innern die Bildung der Anfänge von Tochter- und

Enkelzellen, den Zellkernen und den in diesen lagernden Kernkörperchen

ermöglicht. Der Inhalt der lebenden, sich entwickelnden Zelle, deren

Gestalt eine sehr verschiedene sein kann, ist theils mehr oder weniger

flüssig, theils auch fest. In der von einer Membran eingeschlossenen

Pflanzenzelle findet sich als Wandbeleg dieser Membran eine dichtere,

oft erhaltende Plasmaschicht (Primordialschlauch) und in dem von

letzterer eingeschlossenen Flüssigkeit ein oder mehrere Zellkerne. Das

Plasma, der Inhalt der lebenden Zelle, ist nicht structurlos, sondern

organisirt, was sich durch die Bewegung, durch die Strömungen in dem

flüssigen Theile des Plasma zu erkennen giebt. Bei den trocknen oder

abgestorbenen organischen Körpern kommt natürlich die lebende Zelle

nicht mehr in Betracht, sondern die todte, nicht vegetirende, trockne,

mehr oder weniger feste Zelle.

Die Membran und der Kern der thierischen Zelle bestehen aus

Eiweisskörpern verschiedener Art, denn die Membran wird z. B. von

verdünnten Säuren (wie verdünnter Essigsäure) leicht aufgelöst,

der Kern aber nicht. Der Zelleninhalt besteht theilweise aus

Eiweisskörpern in verschiedenen Modificationen, theils in gelöster,

theils weicher, theils fester Form. In der Muskelzelle nennt man

die Eiweissmodification ~Syntonin~, in den rothen Blutkörperchen

~Globulin~, in den Zellen der Schleimdrüsen ~Mucin~, in denen der

Milchdrüse ~Kaseïn~, in den Drüsenzellen der Magenschleimhaut ~Pepsin~

etc. Ein Hauptbestandtheil des Zelleninhaltes ist das Wasser, dann

kommen darin vor: Fetttröpfchen, mineralische Bestandtheile, ferner

auch Pigmente (Haematin, Haemoglobin, Melanin etc.).

Die Pflanzenzelle gleicht in ihrer Constitution der Thierzelle und

nur die ältere Pflanzenzelle ist noch von der oben bemerkten, aus

~Cellulose~ bestehenden, gewöhnlich polygonalen Membran, der Zellhaut,

eingeschlossen. Die äussere Hülle enthält hier also keinen Stickstoff

und wird durch Jod und Schwefelsäure blau gefärbt, während eine

zuweilen vorkommende entsprechende Hülle an der thierischen Zelle durch

genanntes Reagens gelb oder braun gefärbt wird.

Mehl. Stärke.

$Mehl.$ Die Art des Mehles ist durch die Form der ~Stärkemehlkörner~,

welche in jeder Getreidefrucht als Zelleninhalt auftreten, zu erkennen.

Es kommen hier die auf den Seiten 77, 78, 79 und 80 angeführten Angaben

und Abbildungen in Betracht. Es ist jedoch nicht zu übersehen, dass

die Trennung des Getreidesamens verschiedener Art sowohl auf der

Dreschtenne wie auf dem Mühlstein keine so sorgfältige zu sein pflegt,

dass in einem Weizenmehl sich einige wenige Roggenmehlstärkekörnchen,

im Roggenmehle einige Stärkemehlkörnchen des Weizens, der Gerste

und des Hafers nicht auffinden lassen sollten. Wo eine Verfälschung

oder Unterschiebung eines fremden Mehles zu constatiren ist, muss

also auch auf die Zahl der fraglichen Stärkemehlkörnchen Rücksicht

genommen werden. In den Fällen, in welchen im Mehle fremde, nicht

stärkemehlhaltige Substanzen aufzusuchen sind, mischt man das Mehl mit

Jodlösung (S. 64), welche das Stärkemehl blau oder violett tingirt,

die fremden Stoffe aber gewöhnlich nur mit der Farbe der Jodlösung

versieht. Dies letztere geschieht natürlich auch mit den leicht

erkennbaren Trümmern des Gewebes der Getreidefrucht.

$Stärke.$ Im Handel sind die gangbarsten Stärkesorten: Weizenstärke

(gewöhnlich nur mit Stärke bezeichnet), Kartoffelstärke, Maisstärke

und in neuerer Zeit auch Reisstärke. ~Verfälschungen~ der

~Weizenstärke~ bestehen in Kartoffelstärke und auch wohl weissen

mineralischen Stoffen, deren Partikel unter dem Mikroskop entweder

eine krystallinische oder doch eine solche Form zeigen, welche mit dem

Stärkemehlkörnchen keine Aehnlichkeit haben und durch Jodwasser nicht

blau gefärbt werden. Die ~Verfälschungen~ der ~Kartoffelstärke~ sind

meist mineralische Stoffe, auf welche das vorstehend bemerkte ebenfalls

Anwendung findet.

Das Stärkemehlkörnchen, eine Secretionszelle, besteht aus

concentrischen, über einander gelagerten Schichten, welche unter dem

Mikroskop mehr oder weniger zu erkennen sind. Das Wachsen der Körnchen

geht von innen nach aussen vor sich, und die Ernährung geschieht

vermittelst einer trichterförmigen Vertiefung, welche man ~Kern~,

~Nabel~, Vacuole nennt. Das Sichtbarwerden der Details wird befördert

durch Befeuchten mit Jodwasser (l Th. Jodtinktur und 60 Th. Wasser)

oder der Jodlösung, durch Aufquellen in warmem Wasser oder Branntwein.

[Illustration: Fig. 54.

$Kartoffelstärkemehlkörnchen.$

200mal vergrössert.]

[Illustration: Fig. 55.

_v_ Nabel oder Vacuole. 350mal vergr.]

~Kartoffelstärkemehlkörnchen~ sind von verschiedener Grösse und

abgerundeter Gestalt, meist der Birnengestalt nahe kommend. Die

concentrische Schichtung ist an den zarten Linien leicht erkennbar,

welche schalenförmig einen (oder zwei) gewöhnlich am schmäleren Theile

liegenden Nabel umlaufen. Länge der Körnchen 0,06-0,1 _mm_.

[Illustration: Fig. 56.

$Roggenstärkemehlkörnchen.$

200mal vergrössert.]

~Roggenstärkemehlkörnchen~ sind verschieden gross, oval und rund,

und viele der grösseren Körnchen zeigen einen 1- bis 4mal linear-

oder kreuzförmig gestreiften Nabel. Durchmesser der Grosskörnchen

0,040-0,055 _mm_.

[Illustration: Fig. 57.

$Weizenstärkemehlkörnchen.$

250-300mal vergrössert.]

An den ~Weizenstärkemehlkörnchen~ ist der Nabel undeutlich und bei

200facher Vergrösserung als eine punktförmige Vertiefung zu erkennen.

Sie sind von zweierlei Grösse, rund oder etwas länglich-rund, im

Allgemeinen aber etwas kleiner als die Roggenstärkemehlkörnchen.

Durchmesser der grossen Weizenstärkemehlkörnchen 0,035 bis 0,040 _mm_.

[Illustration: Fig. 58.

$Gerstenstärkemehlkörnchen.$

300mal vergrössert. 500mal vergrössert.

]

~Gerstenstärkemehlkörnchen~ sind meist weniger gerundet, und einige

zeigen schwache Längs- und Querrisse, andere haben eine längliche Form.

Durchmesser der Grosskörnchen 0,023-0,026 _mm_.

[Illustration: Fig. 59.

$Haferstärkemehlkörnchen.$

200mal vergrössert. 400mal vergrössert. Zusammengesetzte

Haferstärkemehlkörnchen.

]

~Haferstärkemehlkörnchen~ haben theils eine Apfelkern-, theils

Birnenform, wenige sind rund. Durchmesser der Körnchen 0,004-0,005.

Die Haferstärke besteht aus zusammengesetzten und einfachen Körnchen.

Die zusammengesetzten haben einen Durchmesser von 0,020-0,045 _mm_.

[Illustration: Fig. 60.

$Buchweizenstärkemehlkörnchen.$

200mal vergrössert. 400mal vergrössert.

]

~Buchweizenstärkemehlkörnchen~ sind klein und haben eine vieleckige

Form. Durchmesser 0,015-0,023 _mm_.

[Illustration: Fig. 61.

$Maisstärkemehlkörnchen.$

200mal vergrössert. 400mal vergrössert.

]

~Maisstärkemehlkörnchen~ sind klein und abgerundet vieleckig, mit

sichtbarem, querrissigem oder stark vertieftem Nabel. Durchmesser

0,013-0,023 _mm_.

[Illustration: Fig. 62.

$Reisstärkemehlkörnchen, zusammenhängend und einzeln.$

300mal vergrössert.]

~Reisstärkemehlkörnchen~ sind sehr klein und scharfkantig-vieleckig,

zuweilen noch in rundlichen Massen dicht zusammenhängend. Durchmesser

0,006-0,007 _mm_.

[Illustration: Fig. 63.

$Bohnenstärkemehlkörnchen.$

200mal vergrössert. 400mal vergrössert.

]

~Stärkemehlkörnchen~ der ~Hülsenfrüchte~ sind meist oval oder

nierenförmig, wenige sind kugelig. Die meisten haben einen länglichen

oder auch wohl sternförmigen Sprung oder Nabel.

[Illustration: Fig. 64.

$Erbsenstärkemehlkörnchen.$

200mal vergrössert.]

[Illustration: Fig. 65.

$Linsenstärkemehlkörnchen.$

200mal vergrössert

_a_ Linsenhülsenreste.

]

[Illustration: Fig. 66.

$Zellentrümmer der Hülsenfrüchte$,

ungefähr 100mal vergrössert.]

Neben den Stärkemehlkörnchen findet man im Mehle, besonders in dem

Mehle der Hülsenfrüchte, ~Kleberkörnchen~, welche sehr kleinen

Körperchen jedoch erst bei circa 80facher Vergrösserung sichtbar sind

und bei 400-600facher Vergrösserung ihre grubig-runzelige Oberfläche

erkennen lassen.

[Illustration: Fig. 67.

$Kleberkörnchen.$

100mal vergrössert. 600mal vergrössert.

]

Sie sind theils dicht, theils hohl und enthalten oft krystallisirte

Körper. Sie werden durch Jod nicht blau, sondern gelb gefärbt.

Besondere, als Verunreinigungen im Getreidemehl vorkommende Gebilde.

Im Getreidemehl können vorkommen: Mutterkornmehl (_Claviceps purpurea_

Tulasne); ferner die ~Sporen~ des Flug- oder Russbrandes (_Ustilago

Carbo_ Tulasne oder _Uredo segetum_), des Schmierbrandes, Weizenbrandes

oder Steinbrandes (_Tilletia Caries_ Tulasne oder _Uredo sitophila_).

[Illustration: Fig. 68.

_ab_ $Ein Theil der Schnittfläche aus dem Spermogoniumlager des

Mutterkornpilzes.$

(vergr.)

_a_ Hyphen; _b_ Keimhaut (_hymenium_) mit Spermatien oder Stylosporen;

_c_ Spermatien; _d_ Keimschläuche treibende Spermatien (sämmtlich

vergr.).]

Der $Mutterkornpilz$ wuchert auf verschiedenen Gramineen, besonders

auf Aehren des Roggens. Dieser Kernpilz durchläuft drei wesentlich

unterschiedene Entwickelungsstadien. Im ~ersten~ Stadium tritt er

zur Zeit der Roggenblüthe als sogenannter ~Honigthau~ auf, nämlich

als ein zäher gelblicher süsser Schleim von unangenehmem Geruche.

In diesem Honigthau beobachtet man unter dem Mikroskop unzählige

Spermatien (Stylosporen). Er ist eine Absonderung eines Mycelium

(Trieblagers), dessen Hyphen (Fäden, Flocken) den unteren Theil des

jugendlichen Fruchtknotens der Getreideblüthe allseitig durchziehen.

Dieser Fruchtknotenkörper zeigt innen Lücken und aussen verschieden

gewundene Falten und Vertiefungen, ein Spermogoniumlager darstellend.

Aus der zelligen Schlauchschicht oder Keimhaut, welche jene Falten

und Vertiefungen auskleidet, erheben sich gedrängt stehende

basidienähnliche Schläuche, an deren Spitze sich eine Kette kleiner

länglich-ovaler Zellen, Spermatien oder Stylosporen, abschnüren.

Mycelium und Spermatien erscheinen nach dem Austrocknen der klebrigen

Flüssigkeit wie ein weisses, den Fruchtknoten bedeckendes Pilzgewebe.

Das ~zweite~ Entwickelungsstadium des Mutterkornpilzes liefert in

einem sterilen Stroma das in den Apotheken gebräuchliche und allgemein

bekannte Mutterkorn, dessen Genuss im Getreidemehle oder im Brote

Ursache der sogenannten Kribbelkrankheit sein soll.

[Illustration: Fig. 69.

$Mutterkornpilz im 2. Entwickelungsstadium.$

1. Roggenfrucht von Hyphen des Mutterkornpilzes durchsetzt

und ein Mycelium bildend (Verticaldurchschnitt, 1-1/2fache

Linearvergrösserung). _a_ Ansatz des sterilen Fruchtlagers

(Sclerotium).

2. Aehrentheil des Roggens mit einem Mutterkorn (Sclerotiumstroma).

Natürliche Grösse.

3. Verticaldurchschnitt (4fache Linearvergrösserung) des sterilen

Fruchtlagers oder Sclerotiumstroma (_e_), als Mütze das

Spermogonium tragend.

4. Dasselbe mehr entwickelt, _g_ Sclerotium, _b_ Sphacelia-Lager.

Verticaldurchschnitt (1-1/2fache Linearvergrösserung).

]

Der Fruchtknoten ist bis zur Spitze von dem Mycelium total zerstört und

durchbrochen. In seinem Grunde entsteht nun aber durch Anschwellung

und Verdichtung der Mycelienfäden ein innen weisslicher, aussen

dunkel violetter Kern, ein steriles Fruchtlager, welches, aus den

Spelzen der Aehre hervorwachsend, an seiner Spitze das vertrocknende

Spermogonium, sowie Ueberreste der Fruchtknotenspitze wie ein Mützchen

trägt. Das sogenannte Mutterkorn ist also ein Pilzfruchtlager,

ein Sclerotiumstroma. Das schmutziggelbe vertrocknete Spermogonium

(Mützchen) fällt beim Rütteln leicht ab.

Das ~dritte~ und letzte Entwickelungsstadium tritt ausserhalb des

Bereiches der Getreideähre ein, wenn nämlich das Sclerotiumstroma im

Herbst oder Frühjahr auf feuchten Boden gelangt. Nach Verlauf mehrerer

Wochen löst sich die violette Oberflächenschicht des Stroma hier

und da in Läppchen ab, welche sich umlegen, und an den entblössten

Stellen entspriessen kleine weisse Knöpfchen, welche sich anfangs

graugelb, dann schmutzig-violett färben und zu dünnen glänzenden,

blass-violetten, 3-4 Ctm. langen Stielchen, 1-, seltener 2warzige

Knöpfchen an der Spitze tragend, auswachsen. Knöpfchen nebst Stielchen

repräsentiren die Pilzfrucht, den Kernpilz.

[Illustration: Fig. 70.

$Mutterkornpilz im 3. Entwickelungsstadium.$

1. Sclerotium mit Pilzfrüchten (natürliche Grösse). _s_ fruchtbares

Sclerotiumlager, _c_ Früchte des Mutterkornpilzes (fruchtbares

Pilzlager).

2. Ein Fruchtknöpfchen vergrössert im Verticaldurchschnitt,

Fruchtbehälter Perithecien (_p_) zeigend.

3. Zwei Perithecien stark vergrössert, 8sporige Sporenschläuche

enthaltend. _a_ noch geschlossene Perithecie, _b_ geöffnete

Perithecie, Sporen auswerfend.

]

Jene Knöpfchen oder fertilen Fruchtlager sind dicht von Wärzchen

bedeckt und enthalten unter jedem Wärzchen einen eiförmigen

Fruchtbehälter (Perithecie), welcher mit zahlreichen, gegen den

Scheitel convergirenden, linienförmigen, 8sporigen Schläuchen

(Sporenschläuchen) gefüllt ist. Bei der Reife öffnet sich jede

Perithecie mit einem Loche inmitten des deckenden Wärzchens. Aus

dem oberen Ende des Sporenschlauches treten die fadenförmigen

Sporen in Bündeln zusammenhängend aus und schieben sich durch die

Perithecienöffnung nach aussen. Nach _Flückiger_’s Angabe kann ein

Sclerotium 20-30 Kernpilzchen tragen, welche mehr denn eine Million

Sporen entwickeln. Wie nothwendig die Einsammlung und Vertilgung des

Mutterkorns (des Sclerotiumstroma) für die Landwirthschaft ist, wird

durch _Flückiger_’s Forschung angedeutet.

Das ~Mutterkorn~ des Weizens ist etwas kürzer und dicker.

[Illustration: Fig. 71.

_R_ $Roggenmehl$, _r_ Gewebetrümmer.

_M_ $Mutterkorn$, _c_ Oeltropfen, _f_ Fäden (Hyphen), _sp_ Spermatien,

_k_ Zellengewebe. 150fache Linear-Vergrösserung.]

Die ~Erkennung~ des Mutterkornes (des Sclerotiumstroma) im feineren

Mehle mittelst Mikroskops bietet keine Schwierigkeit. In ein

Fläschchen giebt man eine Messerspitze des Mehles und Wasser oder

verdünntes Glycerin nebst etwas der oben S. 65 erwähnten Jodlösung,

schüttelt gut durcheinander und bringt einige Tropfen der Mischung

auf das Objectglas. Die Stärkemehlkörnchen sind violett oder blau

gefärbt, dagegen zeigen die Theile des Mutterkornes nur die Jodfarbe.

Von letzterem sind die Menge Oeltröpfchen, Fäden und Gewebemassen, hier

und da mit schwarzem Rande, von der dunkelen äusseren Hautschicht des

Mutterkornes herrührend, beachtenswerth. Wenige und vereinzelte Theile

des Mutterkorns werden auch in einem guten Mehle nicht selten sein,

sind jedoch in gesundheitspolizeilicher Hinsicht nicht von Belang.

Im groben Mehle ist die Erkennung des Mutterkornes wegen Gegenwart

einer grösseren Menge Gewebselementen der Getreidefrucht schwieriger.

Der Gesundheit nachtheilige Mengen Mutterkorn im Brote und im Mehle

sind nur auf chemischen Wege zu bestimmen. Es ist in Deutschland

allgemein Gebrauch, das Mutterkorn auf der Dreschtenne von der

Getreidefrucht zu sondern, was bis auf wenige Mutterkorntrümmer

auch gelingt. Aus einem Sacke gut durchmischtem Korn von einem

Kleinbauer entnommen, wurde 1 Kil. genau untersucht und daraus 0,3

_g_ Mutterkorntrümmer gesammelt, gewiss eine Menge, von welcher ein

Nachtheil für die Gesundheit nicht zu erwarten ist, selbst wenn sie

3mal mehr betrüge.

Die Theile des Mutterkornpilzes aus dessen dritter Entwickelungsperiode

kommen nicht im Mehle, also auch nicht im Brote vor.

Ein Mehl, bis zu 5 Procent mit Mutterkornmehl verunreinigt, giebt

beim Zusammenmischen mit Aetzlauge einen Häringsgeruch. Zur weiteren

Prüfung extrahirt man das Mehl mit sehr starkem Weingeist und vermischt

den Rückstand mit verdünnter Schwefelsäure. Es stellt sich eine rothe

Färbung der Mischung ein, wenn Mutterkorn gegenwärtig war, oder man

extrahirt das Brot oder Mehl mit einer doppelten Menge Aether, welcher

mit 3 Procent verd. Schwefelsäure versetzt ist und schüttelt den Auszug

mit concentrirter Natronbicarbonatlösung aus. Es färbt sich der Aether

violett, schon wenn 1/5-1/10 Procent Mutterkorn gegenwärtig war.

Man kann auch die Portion Mehl für das Objectglas mit etwas starkem

Spiritus, dem man auf 30 Tropfen 2-3 Tropfen verdünnte Schwefelsäure

zugesetzt hat, mischen und davon unter das Objectiv bringen. Man sieht

dann aus den Mutterkorntheilen sofort eine rothe Färbung hervorgehen

(die Kleberzellen färben sich später roth).

Der $Flugbrand$ oder ~Russbrand~ wird öfter bei Hafer und Gerste

angetroffen, seltener im Weizen. Neben den Sporen dieses Staubpilzes,

welche eine dunkelbraune Farbe haben und deren jede einen deutlichen

Kern zeigt, findet man auch Fädchen (Mycelien).

[Illustration: Fig. 72.

$Mycelium des Flugbrandes$

in einem Getreidestengel, ca. 200mal vergr.]

[Illustration: Fig. 73.

$Flugbrandsporen$

mit den Fäden des Mycelium, ca. 200mal vergr.]

[Illustration: Fig. 74.

$Flugbrandsporen.$

400mal vergr.]

[Illustration: Fig. 75.

_b_ $Keimschlauchtreibende Flugbrandspore.$

500mal vergr.]

Die Keimschläuche der am Getreidesamen hängenden Sporen dringen in den

Keim des Samens, entwickeln hier ein Mycelium, welches mit der Pflanze

fortwächst, in die Fruchtkörner der Aehre endlich eintritt und hier

Sporen bildet.

Der $Schmierbrand$ oder ~Weizenbrand~ ist ein schmieriges schwarzes,

nach Häringslake riechendes Pulver, womit das Weizenkorn statt des

Mehles angefüllt ist. Die Sporen dieses Staubpilzes (_Tilletia Caries_)

sind mehr eiförmig und mit kleinen Stacheln oder Borsten besetzt. Ihr

Keimschlauch entwickelt an seiner Spitze einen Wirtel von circa 10

Sporidien, deren je zwei durch ein Querband zu einem umgekehrten ∀

verbunden sind. Diese Sporidien fallen ab und treiben Keimschläuche

und secundäre Sporidien, welche wieder der Ausgangspunkt eines neuen

Myceliums werden.

[Illustration: Fig. 76.

$Alte Schmierbrandsporen.$

700mal vergr.]

[Illustration: Fig. 77.

$Schmierbrand oder Weizenbrand.$

_a_ Sporen (300mal vergr.). _b_ Spore mit Keimschlauch und

Sporidienwirtel (600mal vergr.). _c_ Eine Doppelsporidie, secundäre

Sporidien (_d_) treibend.]

Arrow-Root.

~Arrow-Root~, ~Marantastärke~ oder ~Pfeilwurzelmehl~, welches von

vielen wegen seiner leichteren Verdaulichkeit und Nahrhaftigkeit

(?) unseren inländischen Stärkemehlarten vorgezogen, besondere

den an Diarrhöe leidenden kleinen Kindern gereicht wird, kommt in

verschiedenen Sorten, oft auch mit Reismehl oder Kartoffelstärke

verfälscht in den Handel.

[Illustration: Fig. 78.

$Bermuda-Arrow-Root. Marantastärkemehl.$

400mal vergr.]

[Illustration: Fig. 79.

$Brasilian-Arrow-Root. Kassavastärkemehl.$

400mal vergr.]

[Illustration: Fig. 80.

$Bombay- oder Malabar-Arrow-Root.

Curcuma-Arrow-Root.$

400mal vergr.

]

[Illustration: Fig. 81.

_TS_ $Tahiti- oder Tacca-Arrow-Root.$

400mal vergr.

_RS_ $Reisstärkemehl.$ 400mal vergr.]

Das beste Arrow-Root ist die ~Bermudasorte~ oder das eigentliche

Marantastärkemehl, geringer schätzt man die Brasilianische Waare,

Tapioka oder Kassavastärke, dann das Bombay-Arrow-Root oder Tikmehl

und das Tahiti- oder Tacca-Arrow-Root. Mit 100 Th. kochendem Wasser

geben diese Stärkemehle einen dickflüssigen, nicht gallertartigen,

durchscheinenden Schleim.

Die Körnchen des Marantastärkemehls, sowohl der Bermuda- wie

Brasilian-Sorte, sind im Ganzen kleiner als die der Kartoffelstärke,

welche am häufigsten als Verfälschung angetroffen wird. Bei letzteren

sind die Schichten scharf hervortretend, daher auffallend sichtbar,

bei ersteren dagegen sehr zart und daher weniger sichtbar. Statt des

punktförmigen Nabels oder Kernes des Kartoffelstärkekörnchen zeigt

sich an dem Körnchen der Marantastärke eine kurze, selten 3- bis

4strahlige Querspalte oder eine kleine runde schattige Vertiefung,

meist in der Mitte oder dem stumpferen Ende zu, während der Nabel bei

den Körnchen der Kartoffelstärke fast immer am spitzeren Ende liegt.

Die concentrischen Schichten an den Körnchen der Bombay-Sorte sind

gleichfalls zarter wie an denen der Kartoffelstärke. Die Form ist auch

eine verschiedene. Die Reisstärkemehlkörnchen (Fig. 62) sind an ihrer

eckigen und kantigen Form und an ihrer geringeren Grösse leicht zu

erkennen.

[Illustration: Fig. 82.

$Stärkemehlkörnchen des echten Sago.$

250mal vergr.]

Der ~ostindische Sago~ ist das in der Wärme in kleine Kugeln geformte

Mark der Sagopalme. Behufs der Prüfung unter dem Mikroskop werden

einige Kügelchen des Sago zu Pulver gerieben und dieses einige Stunden

in kaltem Wasser geweicht. Dadurch schwellen die Stärkemehlkörnchen an

und wird ihre Structur restituirt.

Gretreiderost.

[Illustration: Fig. 83.

$Grasrost.$

_u_ Uredospore im Verticaldurchschnitt. 400mal vergr. _t_

Teleutosporen. 400mal vergr.]

[Illustration: Fig. 84.

$Keimende Teleutospore$

mit einem Promycelium, welches Sporidien _sp_ abschnürt. 400mal vergr.]

Das Mikroskop und seine Anwendung Ein Leitfaden bei mikroskopischen Untersuchungen · 第 5 / 11 段