Sehfelde vergrössert zum Vorschein kommen und bei der Beobachtung sehr
störend wirken. Diese Staubtheile sieht man sofort am besten, wenn
man durch das gegen das Licht gehaltene Objectiv und zwar von seiner
unteren Seite (der Flachseite der Linse) aus blickt. Man schraubt es
dann aus einander und reinigt die Gläser mit einem trocknen Pinsel.
Sind keine besonderen Staubdeckel für die Objective vorhanden, so
schliesse man ihre Oeffnung mit einem reinen glatten Korke.
Das Auge soll man durch langes Sehen in das Mikroskop nicht zu sehr
ermüden, sondern öfter ausruhen lassen. Gut ist es, das eine und das
andere Auge abwechselnd in dem Hineinsehen zu üben und dadurch beide
Augen an die Anstrengung zu gewöhnen. Ferner ist es auch weniger
angreifend, wenn man das eine Auge offen hält, während das andere
in das Instrument sieht. Man versuche sich daran zu gewöhnen. Ein
gesundes Auge wird durch mikroskopische Uebungen weder geschwächt,
noch in seinem optischen Vermögen gestört, sondern nur ermüdet. Hütet
man das Auge vor dem Einflüsse zu grellen Lichtes bei Beleuchtung der
Objecte und gönnt man ihm öftere Ruhe, so wird es sogar für seine
mikroskopischen Arbeiten gestärkt. Der Gebrauch des Mikroskops ist
weder dem Weitsichtigen noch dem Kurzsichtigen untersagt, der letztere
ist sogar vor allen Anderen für mikroskopische Arbeiten befähigt,
diejenigen jedoch, welche an Congestionen nach dem Kopfe leiden, dürfen
sich auf angestrengte mikroskopische Arbeiten nie einlassen.
Männer in den mittleren Jahren und ältere empfinden das Unbequeme und
Lästige, anhaltend stehend mit abwärts geneigtem Halse und Kopfe oder
wohl gar mit gekrümmtem Nacken am Mikroskop zu arbeiten. Wenn an dem
Mikroskop die Vorrichtung zum Umlegen fehlt, so stelle man es auf einen
genügend niedrigen Tisch, vor welchem man wenigstens sitzend in das
Instrument blicken kann.
Darstellung mikroskopischer Objecte.
Hierüber lassen sich in kleinem Rahmen schon wegen der Mannigfaltigkeit
der Körper und wegen der Verschiedenheit der Zwecke, wozu die Objecte
dienen, keine ausführlichen Anweisungen geben. Wer darüber mehreres
nachlesen will, dem empfehle ich die in der Vorrede erwähnten Werke
über das Mikroskop. Gewöhnlich eignet sich der Anfänger durch die
Uebung die nöthige Technik und Umsicht an, oft schneller als durch
Belehrung aus den Büchern.
[Illustration: Fig. 46.
$Valentin’sches Doppelmesser.$]
[Illustration: Fig. 47.
$Lancettförmiges Messer.$ 1/2 Grösse.]
Flüssigkeiten bedürfen selten einer besonderen Behandlung. Von
grösseren Körpern macht man sehr feine Schnittchen. Hierin liegt
eigentlich die Kunst, dem Auge den innern Bau oder die organische
Zusammensetzung der Objecte sichtbar zu machen. Das Object, was
nicht genügende Durchsichtigkeit bietet, ist für ein Mikroskop nicht
geeignet. Die Lichtstrahlen müssen von dem Objecte nothwendig zu dem
Auge des Beobachters dringen. Sind die Körper hart und spröde, so
weicht man sie in kaltem oder heissem Wasser, Spiritus, Glycerin,
verdünnter Aetzlauge etc., je nachdem dies zulässig ist, ein, um sie
weich zu machen. Dann schneidet man feine Schnittchen davon ab. Als
Theilungs- und Schneideinstrument gebraucht man ~Doppelmesser~ (von
_Valentin_, _Gerber_, _Harting_), ~Doppellancetten~, ~Doppelmeissel~.
Für den gewöhnlichen Gebrauch reichen ein oder zwei scharfe,
~lancettförmige Messer~, ein solches mit dicker und ein solches mit
dünnerer Klinge aus. Im Nothfall versieht ein Rasiermesser denselben
Dienst. Nothwendig gebraucht man zwei Präparirnadeln, Nadeln aus
Stahl mit eckigem Handgriff (Fig. 48), eine ~krumme Scheere~, eine
~Pincette~, einige grössere und kleinere ~Haarpinsel~. Zum Zerschneiden
harter Körper zu sehr dünnen Schnitten wendet man eine Uhrfeder an,
welche wie eine Säge aufgespannt ist.
[Illustration: Fig. 48.
$Präparirnadel.$]
[Illustration: Fig. 49.
$Krumme Scheere.$]
Das Messer (auch das Doppelmesser), womit man eine feine Schnitte
eines weichen Körpers machen will, wird zu diesem Behufe vorher mit
Wasser befeuchtet. Die Schnitte, welche sich beim Schneiden auf die
Klinge des Messers schiebt, nimmt man mit einer Nadel, besser, wenn sie
sehr zart ist, mit einem Pinsel auf und trägt sie auf das Objectglas.
Kommt es nicht auf die Erhaltung der Gestalt des Objectes an, wie bei
der Fleischfaser zur Untersuchung auf Trichinen, so macht man die
Schnitte bequemer mit der krummen Scheere, legt sie mittelst einer
Nadel auf das Objectglas und zerfasert oder breitet sie daselbst mit
Hilfe der Präparirnadeln aus. Als Unterlage beim Schneiden mit dem
Messer dient ein glattes Stück Korkholz (ein grosser Korkpfropfen)
oder eine Scheibe aus Knochen. Das Reinigen oder Auswaschen zarter
weicher Objecte (um sie z. B. von Salzen, Stärkemehl, Harz, Fett etc.
zu befreien), vollführt man mittelst eines weichen Pinsels, der nach
Art des Wegzuwaschenden mit Wasser, Spiritus, Aether etc. getränkt
ist. Ueberflüssige Flüssigkeit wird von dem Objectglase mittelst eines
Streifens Fliesspapiers oder einer kleinen Pipette weggenommen.
Sind die Körper zu klein, um daraus Schnitten zu machen, so mischt man
sie entweder mit einer Mischung aus gleichen Theilen feingepulvertem
Gummi Arabicum und Wasser und lässt die Masse trocknen, oder man
klebt den sehr dünnen Körper (wie Haare, Borsten) mit Gummischleim
auf Korkholz auf. Das der Schnitte anhaftende Gummi wird mit Wasser
weggewaschen. Weiche animalische und vegetabilische Theile trocknet
man bis zu einem gewissen Grade, macht dann Schnitten davon und weicht
diese in Wasser wieder auf.
Um einen animalischen weichen Körper starrer für den Schnitt zu machen,
legt man ihn in Spiritus, anfangs in schwachen, später in stärkeren.
Ein Erhärtungsmittel für animalische Theile ist eine dünne Lösung von
Chromsäure, essigsaurem Kali, besonders aber von Chlorcalcium.
Harte Pflanzentheile erweicht man durch Kochen mit Wasser oder durch
Einweichen in schwacher Kalilauge oder filtrirter Pottaschenlösung.
Von harten Mineralsubstanzen in Stücken, welche Ueberreste organischer
Wesen enthalten, kratzt man kleine Partikel ab oder pulvert sie. Werden
dadurch jene Ueberreste in zerbrochener Form erhalten, so kann man die
Substanz in eine kochend heisse Glaubersalzlösung werfen und darin
erkalten lassen. Wenn sie ein poröses Gefüge hat, so wird sie auf diese
Weise mürbe.
Will man die Erscheinungen beobachten, welche chemische Agentien
auf Objecte ausüben, so pflegt man die Lösung des Reagens mittelst
eines Glasstabes an den Rand des Deckglases zu tragen, damit es durch
Capillarität zwischen Deckglas und Objectglas eindringt. Soll das
Reagens langsam zum Object treten, so verbindet man einen Tropfen des
Reagens _r_ (Fig. 50) mit dem Object _o_ unter dem Deckglase durch
einen leinenen oder baumwollenen Faden.
[Illustration: Fig. 50.]
Als Färbesubstanzen für Objecte eignen sich Lösungen von den
verschiedenen Anilinfarbstoffen in Weingeist oder in jenem S. 55
erwähnten verdünnten Glycerin; blauer Karmin, gelöst in verdünntem
Glycerin; oxalsaure Lösungen des Berlinerblau; rother Karmin, gelöst
in verdünntem Salmiakgeist; eine Tinktur aus rothem Sandelholz und
glycerinhaltigem Spiritus.
Ist ein Object nun passend vorbereitet für die Beobachtung, so wird es
mit einem Deckgläschen bedeckt. Dadurch wird das Object vor äusseren
Zufälligkeiten geschützt, die Flüssigkeiten können weniger verdunsten
und, was die Hauptsache ist, das Object wird dadurch in eine ebene
Fläche gebracht. Das Maass des Druckes, unter welchem das Deckglas
aufgelegt wird, hängt von der natürlichen Beschaffenheit des Objectes
ab. Die Vorrichtungen zur Erzeugung eines constanten Druckes sind schon
Seite 31 angegeben. Sie werden angewendet, wenn ein gleichmässiger
Druck zwischen Daumen und Zeigefinger nicht ausreicht. In manchen
Fällen wird man bei Flüssigkeiten und pulpösen Substanzen das Deckglas
sanft hin- und herschiebend auf das Object drücken, um eine recht dünne
Flüssigkeitsschicht zu erzeugen und die Adhäsion des Deckglases an
das Objectglas zu vermehren, oder kleine Thierchen in ihren Bewegungen
zu hindern, oder hohle Körper von nicht hohlen zu unterscheiden. Bei
Untersuchung kleiner Wesen (Infusorien, Algen) legt man ein kleines
Papierschnitzel oder einen Seidenfaden unter das Deckglas, um den
Druck auf das Object nicht zu weit zu führen. Dasselbe muss geschehen,
wenn man die Bewegung der Säfte in zarten Pflanzentheilen (wie in
den Wurzelhaaren von _Hydrocharis Morsus ranae L._, den Haaren von
_Urtica_ etc.), welche mit Wasser unter das Mikroskop gebracht werden,
beobachten will.
Zarte sehr durchsichtige Objecte, welche das Licht zu wenig brechen,
werden durch Färbung sichtbar gemacht und je nach ihrer natürlichen
Beschaffenheit wendet man dünne Lösungen von Jod, Chromsäure,
Eisenchlorid in Wasser an. Zur Darstellung der Jodlösung mischt man 1
bis 2 Tropfen Jodtinktur mit circa 150 Tropfen Wasser oder der bereits
früher erwähnten Mischung aus 70 Theilen reinem Glycerin, 15 Theilen
Weingeist und 15 Theilen Wasser. Um eine stärkere Färbung zu erzeugen,
mischt man 2 bis 4 Tropfen Jodtinktur mit 50 Tropfen Wasser und 50
Tropfen Weingeist. Um die Structur zarter und sehr durchsichtiger
Objecte sichtbar zu machen, weicht man das Object einige Zeit in
Farbstofflösungen, wie sie auf der vorhergehenden Seite angegeben sind,
ein.
Aufbewahrung mikroskopischer Objecte.
Eine sehr wesentliche Angelegenheit des Mikroskopikers ist die,
die Präparate in ihrem natürlichen Zustande aufzubewahren. Die
Vorbereitungen und Vorsichtsmaassregeln hierzu sind natürlich je
nach der Beschaffenheit der Objecte sehr verschiedene und sind auch
abhängig von den Erfahrungen des Mikroskopikers. Daher können hier nur
Andeutungen gegeben werden.
Eine Menge Objecte werden trocken aufbewahrt, wie Salzniederschläge,
Kieselpanzer, Haare, Fischschuppen, Insektenschuppen, Gespinstfasern.
Auf das Object legt man ein dünnes Deckgläschen und verklebt dieses und
das Objectglas mit einem Streifen bunten Papiers, welcher in der Mitte,
wo das Object liegt, durchbrochen (ausgelocht) ist. Als Klebemittel
gebraucht man einen dicken Schleim aus arabischem Gummi. Während des
Verklebens hält man das Deckglas gegen das Object etwas angedrückt. Auf
das Papier schreibe man den Namen des Objectes.
Trockene vegetabilische und animalische Objecte, welche noch einen
solchen Feuchtigkeitsgrad besitzen, dass sie der Erzeugung von
Algen oder Parasiten ausgesetzt sind, bringt man auf das Objectglas
und bedeckt sie mit einem Tropfen einer Flüssigkeit aus 1 Th.
venetianischem Terpentin und 100 Th. französischem Terpentinöl. Nachdem
der Tropfen Flüssigkeit an einem staubfreien Orte abgedunstet ist, legt
man das Deckglas auf und verklebt.
Sehr viele Objecte, deren natürlicher Zustand von einem starken
Feuchtigkeitsgrade abhängt, müssen in einer Flüssigkeit bewahrt
werden, welche der Selbstentmischung nicht unterliegt, auf das Gefüge
des Objectes nicht auflösend wirkt und der Bildung von Pilzen und
Algen zuwider ist. Eine solche Flüssigkeit ist zunächst eine mit
wenig Carbolsäure versetzte und dann filtrirte Lösung des reinen
Chlorcalciums in der 5- bis 6fachen Menge verdünntem Glycerin, oder
eine Lösung von 1 Th. hellem Leim in 2 Th. verdünnter Essigsäure.
Zur Aufbewahrung in der Chlorcalciumlösung eignen sich die meisten
animalischen Substanzen, wie Infusorien, Milben, Würmer, Zellsubstanz,
Gehirn, Rückenmark, Haare, Schuppen etc., ferner ein sehr grosser Theil
vegetabilischer Substanzen, jedoch darf man hier nicht übersehen,
dass die Lösung die Stärkemehlkörner anschwellt und durchsichtiger
macht. Sollen diese also ihre natürliche Form bewahren, so darf die
Chlorcalciumlösung nicht angewendet werden, dagegen aber verdünntes
Glycerin (Mischung I).
Als geeignete Flüssigkeiten für thierische und vegetabilische Objecte,
welche sehr leicht der Vermoderung oder Fäulniss unterliegen, oder
welche im feuchten Zustande aufbewahrt werden, sind folgende Mischungen
oder Lösungen zu empfehlen:
I. II. III.
Glycerin 70 Glycerin 100 Glycerin 100
Spiritus 15 Spiritus 50 dest. Wasser 80
dest. Wasser 15 dest. Wasser 50 Sublimat 1
Carbolsäure 3
IV. V. VI.
Glycerin 50 Glycerin 100 Glycerin 100
Chlorcalcium 20 Kochsalz 10 dest. Wasser 100
dest. Wasser 100 essigs. Alaunerde 5 Salzsäure 5
Spiritus 30 dest. Wasser 50 Sublimat 1
Diese nach Gewichtstheilen ausgeführten Mischungen werden entweder
durch Filtration oder durch Absetzenlassen in verschlossenen Gefässen
oder durch Klarabgiessen gereinigt.
Die Objecte lässt man mehrere Stunden und länger in einer dieser
Flüssigkeiten liegen, damit sie sich damit gehörig vollsaugen, oder
man legt sie auf den Objectträger und giebt einen Tropfen der mit
gleichviel Spiritus gemischten Flüssigkeit darauf. Dies wiederholt
man nach dem Abdunsten, bis das Object genügend getränkt erscheint.
Thierische Substanzen, welche leicht faulen, erfordern beispielsweise
die Mischung II., Blutkörperchen die Mischung III., gefärbte
animalische Körper die Mischung V., kleine Thiere, Algen etc. die
Mischung IV., die meisten Pflanzenpräparate die Mischung II. und IV.,
Stärkemehlkörner die Mischung I.
Färbungen mit Chromsäure sind bei Gebrauch dieser Mischungen nicht
anwendbar, dagegen verträgt sich die Chromsäure mit wässriger
Chlorcalciumlösung. Zur Färbung der Stärkemehle bedient man sich des
Jodwassers oder einer
~Jodlösung~, dargestellt aus 2 Th. Jod, 3 Th. Jodkalium, 70 Th.
Glycerin, 15 Th. Wasser und 15 Th. Spiritus.
Flüssigkeiten und Mischungen zur Conservirung mikroskopischer Objecte
sind mehrere gerühmt: _Dane_ empfiehlt ein Gemisch aus 4 Th. Glycerin,
2 Th. dest. Wasser, 1 Th. Gelatine; _Beale_ eine Verbindung des
Glycerins mit Leim (das Gemisch wird vor der Anwendung erwärmt).
_Farrants_ gebraucht eine Mischung aus gleichen Theilen arab. Gummi,
Glycerin und einer gesättigten wässrigen Lösung von arseniger Säure.
Die _Goadby_’sche Flüssigkeit (_conserving liquor_) wird bereitet aus
Kochsalz 60 Gm., Alaun 30 Gm., Sublimat 0,13 Gm., kochendem destill.
Wasser 1300 Gm. und durch Filtration (sehr zu empfehlen). _Pacini_
empfiehlt 2 Flüssigkeiten. I. Sublimat 1 Th., reines Chlornatrium
2 Th., Glycerin 13 Th., destill. Wasser 113 Th. II. Sublimat 1 Th.,
Essigsäure 2 Th., Glycerin 43 Th., dest. Wasser 215 Th.
Mitunter werden trockene Objecte (wie Theile von Insekten, Sporen,
Pollen) in Canadabalsam, eine Terpentinart, die sich auch durch einen
klaren venedischen Terpentin ersetzen lässt, eingelegt. Ist der
Terpentin zu dick, so verdünnt man ihn mit etwas Terpentinöl bis zur
Dickflüssigkeit.
Die Färbung der Objecte bietet manche Vortheile, indem einzelne
Theile derselben sich mit dem Farbstoff verbinden und dadurch für das
Auge schärfer hervortreten. Geeignete Farbstoffe sind Indigocarmin
(in Wasser klar löslicher), Anilinpigmente, Blauholztinctur. 1 Th.
Indigocarmin wird in 100 Th. destill. Wasser und 8 Th. Spiritus, 1 Th.
Anilinpigmente (Rosanilin) in einer Mischung von 100 Th. Spiritus und
100 Th. Wasser gelöst. Die Blauholz- (Campecheholz-) Tinktur wird aus
1 Th. des kleingeschnittenen Blauholzes, 20 Th. Spiritus und 30 Th.
Wasser unter Maceration dargestellt. Jede dieser Pigmentlösungen muss
durch Papier filtrirt sein. Davon setzt man zu je 100 Th. der oben
angegebenen 6 Objectflüssigkeiten 3-5 Th. In letzterer Mischung kann
das Objectstück eingeweicht werden, um es dann in der nicht gefärbten
Flüssigkeit unter das Deckglas zu bringen. Um Objecte oder die Umrisse
einzelner Theile derselben schwarz zu tingiren, befeuchtet man sie mit
Höllensteinlösung (1 Th. Höllenstein in 30 Th. destill. Wasser), wäscht
sie nach Verlauf einer halben bis ganzen Stunde mit destillirtem Wasser
ab und bringt sie mit den Flüssigkeiten I. oder II. unter das Deckglas.
Die Flüssigkeiten III.-VI. sind hier nicht verwendbar.
Die Bedeckung mit Deckglas geschieht in folgender Weise. Das reine
trockne Deckglas erfasst man an einer der Ecken mit einer sich selbst
schliessenden Pincette, bestreicht den Rand der Fläche, welche dem
Objecte zugewendet werden soll, in einer Breite von 2 bis 3 mm
mit einem der unten erwähnten Lacke I. und II., legt hierauf das
Deckglas auf das mit einem Tröpfchen der Conservationsflüssigkeit
bedeckte Object, fasst Deckglas und Objectträger zwischen Daumen und
Zeigefinger der linken Hand, ohne jedoch zu drücken, trocknet den Rand
des Deckglases und die daran stossende Umgebung auf dem Objectträger
mit Fliesspapier ab und umzieht mittelst Pinsels den äusseren Rand
des Deckglases mit einem breiten Striche Lack I. oder II., so dass
der Strich in seiner Breite zur Hälfte auf dem Deckglase, zur Hälfte
auf dem Objectträger ruht. Der Strich, welcher sehr schnell trocknet,
wird sofort noch einmal mit Lack überzogen. Nach einigen Stunden
giebt man einen dritten Ueberzug. Zuletzt giebt man einen Ueberzug
mit dem Lack III. Bei jedem neuen Lacküberzuge streicht man um eine
Zwirnsfadenbreite über die Grenze des trocknen Anstrichs hinweg.
In vielen Fällen ist das Einlegen der Objecte in flüssigen Leim
anwendbar. Dieser ist besonders bequem, da er sehr durchsichtig ist,
den Raum zwischen Deckglas und Objectglas gut füllt und das, was davon
beim Druck des Deckglases über den Rand dieses letzteren heraustritt,
schnell trocknet und hart wird. Dieser Rand wird mit einem ähnlichen
Leim, der mit Chromgrün, Chromgelb, Schwarz etc. präparirt und gemischt
ist, eingefasst. Ist diese Einfassung völlig trocken, so lackirt man
sie mit Lack III. oder besser mit dem Universallack (IV.).
[Illustration: Fig. 51.
$Objecthalter$ (2/3 Grösse).]
Bei der Darstellung mehrerer Objecte ist das Halten zwischen den
Fingern sehr lästig und zeitraubend. Bequem sind dann die Objecthalter,
von welchen man mehrere neben einander auf ein circa 8 Ctm. breites
Brett mittelst Siegellacks aufgesetzt hat. Ein Objecthalter besteht aus
2 Korken (Fig. 51, _a_ u. _b_), welche durch einen zweischenkeligen
messingenen Draht gegen einander gedrückt werden. Der Kork _a_ ist
mit Siegellack auf das Brett _d_ gesetzt. Die Löcher in den Korken,
in welche man den Draht steckt, sind durch eine glühende Stricknadel
vorgebohrt. Durch den Kork _a_ geht der Draht in der ganzen Länge des
Durchmessers des Korkes, in den Kork _b_ reicht er nur zu 2/3 der
Länge desselben. Der Kork _b_ wird nach der Grösse der Deckgläser
gewählt und ist an der Fläche, mit welcher er auf dem Kork _a_ steht,
etwas ausgebuchtet, so dass er nur mit seinem Rande auf das Deckglas
drückt, die Mitte des Deckglases also geringeren Druck erfährt. Die
Darstellung dieser Vorrichtung ist keine schwierige. Jeder, wer
derselben bedarf, kann sie sich selbst besorgen.
Indem man den Kork _b_ sanft hebt, schiebt man das Object darunter,
versieht es daselbst mit der Leim- oder Lackfassung etc.
~Flüssiger Leim~. 10 Th. heller, klarer Tischlerleim werden in 10 Th.
kochendem Wasser gelöst und noch heiss mit 10-12 Th. concentrirtem
Essig (_Acidum aceticum dilutum_ der Apotheken), sowie einigen Tropfen
Carbolsäure versetzt. Sollte er nach dem Erkalten gelatiniren, so
macht man ihn durch Erwärmen wieder flüssig und setzt noch 1 bis
2 Th. oder soviel concentrirten Essig hinzu, bis er nach dem Erkalten
flüssig bleibt. Der hellere Tischlerleim ist der sogenannten Gelatine
vorzuziehen.
~Schwarzer Lack~ I. Nimm 1 Th. Leinölfirniss und 10 Th.
Bernsteinkolophon (_Colophonium Succini_). In einem porcellanenen oder
irdenen Töpfchen schmilzt man beides zusammen. Man nimmt das Gefäss
vom Feuer oder von der Lampe weg und lässt es etwas abkühlen. Hierauf
giesst man (vom Feuer entfernt) unter Umrühren mit einem eisernen
Spatel in sehr kleinen Portionen nach und nach 15 Th. französisches
Terpentinöl und nach einer Stunde, wo die Mischung ziemlich abgekühlt
ist, 10 Th. Benzin hinzu. Das Ganze bringt man in eine trockene
Flasche, worin sich 10 Th. zerstossenes Judenpech (reiner Asphalt)
befinden. Man pfropft zu, stellt es einige Tage bei Seite und schüttelt
öfter um. Ist der Lack zu dickflüssig, so verdünnt man ihn mit
Terpentinöl. Statt dieses Lackes kann man auch gewöhnlichen ~Eisenlack~
anwenden.
~Weisser Lack~ II. Mastix 10 Th., Dammar 4 Th., Sandarak 4 Th.,
sämmtlich zerstossen, vened. Terpentin 1 Th., 20 Th. französ.
Terpentinöl und 10 Th. Benzin werden in einer Flasche mehrere Tage
öfter umgeschüttelt und hierauf die Lösung, nachdem die Flasche gut
zugepfropft ist, zum Absetzen bei Seite gestellt. Der später klar
abgegossene oder filtrirte Lack wird theils zum Gebrauch in einem
Mörser mit trocknem Permanentweiss zusammengerieben, theils, wie er
ist, aufbewahrt. Er giebt einen guten Glanz und besitzt viel Zähigkeit.
Ist er zu dünn, so darf man nur das Gefäss, worin er ist, einen Tag
geöffnet stehen lassen.
~Glanzfirniss~ III. Sandarak 12 Th., Mastix 6 Th. werden etwas
zerstossen in eine trockene Flasche geschüttet, dazu Copaivabalsam
2 Th., venedischer Terpentin 3 Th., französisches Terpentinöl 4 Th.,
und wasserfreier Spiritus 36 Th. gegeben. Man stellt die zugepfropfte
Flasche 8 Tage bei Seite, schüttelt dabei öfters um und lässt dann den
Lack einige Wochen klar absetzen. Als Lack für Messingtheile an dem
Mikroskop mischt man gleiche Theile dieses Glanzfirnisses und einer
filtrirten Lösung von 5 Th. gutem Schellack und 2 Th. Drachenblut in
45 Th. wasserfreiem Spiritus.
~Universallack~ IV. 15 Th. guter Schellack, 3 Th. Mastix und 90 Th.
käuflicher wasserfreier Spiritus werden in eine zu verstopfende Flasche
gegeben und unter öfterem Umschütteln so lange bei Seite gestellt, bis
Lösung erfolgt ist. Der Lack wird nach mehrtägigem ruhigem Stehen klar
abgegossen. Nimmt man zur Erzeugung eines farblosen Lackes weissen
Schellack, so ist noch ein Zusatz von 1 Th. venedischem Terpentin
erforderlich.
Mikroskopische Objecte.
Wenngleich die bildliche Darstellung mikroskopischer Objecte durch
Holzschnitt sehr viel zu wünschen übrig lässt, so reicht sie dennoch
für den anfangenden Mikroskopiker aus, ihm eine Vorstellung von
den Objecten zu geben, sie zu erkennen, zu unterscheiden und sie
aufzusuchen. Sie sind jedenfalls die erste und beste Anleitung, den
Anfänger in das mikroskopische Studium einzuführen.
Für das Erkennen der Objecte aus dem Thier- und Pflanzenreiche ist die
Bekanntschaft mit der ~Zelle~ ein vornehmliches Erforderniss; daher
möge eine kurze Erklärung des Wesens und des Baues der Zelle hier einen
Platz finden.
Die $~Zelle~$ allein ist das Material, aus welchem Leben zu Stande
kommt, sie ist daher das Element des Lebens, und jeder pflanzliche und
thierische Organismus nimmt von einer einfachen Zelle seinen Anfang.
Jede Zelle ist eine Lebenseinheit und jeder organisirte Körper besteht
aus so vielen Lebenseinheiten, als er Zellen besitzt, die in ihrem
ungelösten Zusammenwirken das Leben des Ganzen darstellen. Daher ist
das Leben eines thierischen und pflanzlichen Körpers die Summe der
Lebenserscheinungen aller Zellen, aus denen er zusammengesetzt ist.
Die allen Zellen angehörenden Lebenserscheinungen sind vegetativ
und bezwecken die Ernährung oder Erhaltung und die Vermehrung
oder Reproduction. Die Zelle ist also zugleich Vegetations- und
Reproductionsorgan.
_Schleiden_ war es zuerst, der die Bausteine kennen lernte, aus denen
die Pflanze ihren Leib bildet, und zwar die ~Zellen~. Er zeigte zuerst
das Wachsthum der kleinen Zellenblase auf und um den sie erzeugenden
Zellkern, ihre verschiedenen Formen und Gruppirungen, ihre Umwandlung
in Fasern und Gefässe. Die an der Pflanze erforschte Zelle hielt man
für ein Eigenthum der Pflanzenwelt. Da trat _Henle_ (1837) den Beweis
an, dass die Zelle das Lebenselement der ganzen organisirten Natur sei,
indem er die Oberhaut des Menschen als ein Complex von Zellen erkannte,
welche selbstständig und ohne Einfluss der Blutgefässe wachsen. _Th.
Schwann_ endlich wies (1839) die Uebereinstimmung der „Thiere und
Pflanzen“ im Aufbau ihres Körpers aus Zellen und im Wachsthum dieser
Zellen mit aller Gewissheit nach.
[Illustration: Fig. 52.