Der Optiker ~Wasserlein~ in Berlin liefert zu diesem Zwecke

Instrumente, welche als Mikroskop und als Saccharimeter verwendbar

sind. Ein solches Instrument ist in der Abbildung Fig. 39

vergegenwärtigt und wird in folgender Weise gehandhabt. Nachdem die

Cylinderblende aus dem Objecttisch (_t_) herausgenommen und dafür der

Polarisator eingesetzt ist, entfernt man das Mikroskoprohr sammt Ocular

und Objectiv und setzt in den Tubus (_r_) das Saccharimeterrohr (_sr_)

so ein, dass es mit seinem unteren Ende auf dem Polarisator (_p_) dicht

aufsteht. Das Saccharimeterrohr hat an seinem oberen Ende seitlich

eine im rechten Winkel angesetzte feststehende metallene Halbscheibe

(_sk_), auf welcher sich die Skala befindet, die in ihrer Mitte 0° und

sowohl nach rechts und links 30 Grade zählt. Hierauf setzt man den

Analysator (_~aa~_) auf, sieht in das Instrument hinein und stellt den

Spiegel (_s_) in derselben Weise wie für mikroskopische Betrachtungen,

setzt dann den am Analysator sitzenden Nonius (_n_) unter Drehung

des Analysators so ein, dass die mittlere Theilung des Nonius genau

mit dem 0° der Skala zusammenfällt, und dreht den Polarisator

nach rechts oder links um seine Axe, bis das Auge den sogenannten

neutralen Punkt erreicht, an welchem beide Hälften des Gesichtsfeldes

gleichmässig intensiv und gleichfarbig (z. B. blau) erscheinen. Ist

das Polarisations-Instrument in dieser Weise eingestellt, nimmt

man den Analysator ab, schiebt in das Saccharimeterrohr den mit

klarer Zuckerlösung oder geklärtem Harne total gefüllten (20 Ctm.

langen) Glascylinder (_g_) ein und setzt den Analysator wiederum so

auf, dass der mittelste Theilstrich des Nonius mit dem 0° der Skala

zusammenfällt. Der Analysator wird nun nach rechts oder links um seine

Axe gedreht (bei diabetischem Harne nach rechts) bis das Auge wiederum

den neutralen Punkt, d. h. die vorhin erreichte gleiche Intensität und

Färbung auf beiden Hälften des Gesichtsfeldes, beobachtet. Der Nonius

wird nun eine andere Stellung zur Skala haben und sein mittelster

Theilstrich zeigt direct den Grad an, dessen Zahl den Procentsatz

Zucker in der angewendeten Lösung angiebt. Die Beobachtung geschieht am

besten bei dem Licht einer Petroleumflamme. Der Glascylinder (_g_) muss

total gefüllt sein, so dass nach dem Verschluss mit dem Deckel oder

Kopfe (_k_) sich auch nicht das geringste Luftbläschen darin vorfindet.

Zur Verhütung dieser Luftblase macht man den Glascylinder übervoll,

bevor der Deckel aufgeschraubt wird. Damit das Ueberlaufende alsbald

aufgesogen werde, hält man den Glascylinder mit Fliesspapier umwickelt.

Behufs nöthiger Klärung der zuckerhaltigen Flüssigkeit versetzt und

schüttelt man diese mit frisch gefälltem Thonerdehydrat, welches noch

etwas feucht ist, oder etwas Bleiessig und filtrirt alsdann, ein

Erwärmen möglichst vermeidend.

[Illustration: Fig. 39.

$Mikroskop in ein saccharimetrisches Instrument verwandelt.$

(Nach ~Wasserlein~.)]

Die Skala, hier nicht in 360, sondern in 180 Grade getheilt, zeigt den

Glykose- oder Traubenzuckergehalt direct an. Rohrzucker hat ein anderes

Drehungsvermögen. Es verhält sich dieses zu dem der Glykose wie 75:100.

Ankauf und Prüfung eines Mikroskops.

Wer sich ein Mikroskop anschaffen will und davon keine Kenntniss hat,

möge sich einem Kenner oder einem renommirten Mikroskopenverfertiger

anvertrauen und diesen mit den Arbeiten, welche er mit dem Mikroskop

vorzunehmen gedenkt, sowie auch mit dem dafür verwendbaren Geldquantum

bekannt machen. Wer genöthigt ist, viel mit dem Mikroskop zu arbeiten,

soll nie das billige Instrument kaufen, denn er zersplittert damit

das Geld, welches er später dennoch für ein gutes Mikroskop verwenden

muss[3]. Demjenigen, welcher ein Mikroskop selbst kaufen will und

keine genügende Kenntniss von diesem Instrumente hat, gebe ich den

Rath, sich vorher eine halbe Stunde mit einem guten und theuren

Mikroskop und besonders mit den schwächeren Vergrösserungen desselben

zu beschäftigen, um dann sich aus den billigen Mikroskopen das ihm am

besten scheinende herauszusuchen. Optiker, welche selbst Mikroskope

bauen, haben gewisse Nummern für ihre Instrumente, die sie möglichst

genau arbeiten und über deren Leistungen sie Rechenschaft geben können.

Das gute Instrument soll man nie bei einem unbekannten Optiker, der

keine Mikroskope baut, suchen, überhaupt lege man kein Gewicht auf

marktschreierische Anpreisungen, sie mögen herkommen, von wo sie

wollen, denn die Optiker, welche nur gute Mikroskope aus der Hand

geben, haben sich bis jetzt jeder Marktschreierei sorgsam enthalten.

Für den gewöhnlichen Gebrauch und für gröbere Untersuchungsobjecte, wie

Trichinen, Durchschnitte von Pflanzentheilen etc., mögen die kleinen,

fabrikmässig construirten Mikroskope (sogenannte Dutzendmikroskope)

ausreichen, wenn sie achromatisch sind, niemals aber sind diese

Instrumente zum Studium und zur Prüfung feinerer und zarter Objecte,

wie sie in forensischen Fällen vorkommen, verwendbar. Objective für

mehr als 300malige Vergrösserungen sind hier gemeiniglich nur lockende,

aber völlig werthlose Zugaben. Der Nichtkenner lässt sich nämlich

leicht durch die hohe Zahl der Vergrösserung, welche das Instrument

bieten soll, zum Kauf verleiten, es liegt jedoch nicht der Werth in

dieser Zahl, sondern in der ~Schärfe~ und ~Deutlichkeit~ des Bildes,

welches es hervorbringt. Ein Mikroskop mit einer 200mal vergrössernden

Kraft bietet oft mehr als ein anderes mit 600maliger Vergrösserung. Was

nützt ein stark vergrössertes Bild, was die feineren Details oder die

wesentlichen Merkmale eines Objects undeutlich entwickelt? Dagegen ist

ein scharfes Bild der kleineren Vergrösserung weit unterrichtender. Für

Aerzte, Apotheker, Thierärzte, Schullehrer, Botaniker genügen 40- bis

350fache Linearvergrösserungen mit scharfen Bildern in allen ihnen etwa

vorkommenden Fällen. Ist an dem Mikroskop die Vorrichtung zur schiefen

Beleuchtung angebracht, so ist es um so brauchbarer. Der Naturforscher

gebraucht natürlich häufig sehr hohe Vergrösserungen, dazu Mikrometer,

_Nicol_’sche Prismen, Zeichnenprisma und anderes Beiwerk, welches Alles

für Nichtnaturforscher meist entbehrlich ist.

Ob ein Mikroskop scharfe Bilder liefert, lässt sich am besten durch

Vergleich mit einem guten Mikroskope erkennen. Die auflösende oder

resolvirende (penetrirende) Kraft oder das optische Vermögen[4] eines

Mikroskops wird durch gewisse ~Probeobjecte~ (Testobjecte) geprüft.

Seit den letzten 20 Jahren sind die Mikroskope so vervollkommnet

worden, dass die früheren gebräuchlichen Probeobjecte jetzt nicht mehr

gelten. Dagegen ist der Satz stehen geblieben:

„$Je schwächer$ ~die Vergrösserung eines Probeobjectes zu sein braucht,

um dessen feinere Details erkennen zu lassen, um so~ $besser$ ~ist das

Mikroskop~.“

Unkundige pflegen, wenn sie sich nach der Güte eines Mikroskops

erkundigen, nur zu fragen: wie hoch seine vergrössernde Kraft gehe.

Dies ist leicht erklärlich, weil sie glauben, dass man die winzigen

Objecte nur bei sehr starker Vergrösserung erkennen könne, und sie

von der optischen Construction und der Bestimmung eines Mikroskopes

eine unvollkommene oder unrichtige Vorstellung haben. Würde man ihnen

zwei Mikroskope, ein solches mit geringen Vergrösserungen und sehr

scharfen Bildern und ein solches mit sehr starken Vergrösserungen

zur Disposition stellen, sie würden sehr bald das letztere bei Seite

werfen. Durch die in neuerer Zeit vorgeschrittenen Verbesserungen der

Aberrationen und die grösseren Oeffnungen der Objective haben unsere

jetzigen Mikroskope die älteren durchweg überflügelt, so dass ältere zu

300 Rmk. den neueren zu 100 bis 120 Rmk. kaum gleich kommen.

Wie man weiss, tragen die Flügel der Schmetterlinge und die Haut

vieler anderer Insekten kleine Schüppchen. Auf den Schüppchen der

Schmetterlinge sieht man bei einer gewissen Vergrösserung Längsstreifen

und bei einer gewissen noch stärkeren Vergrösserung auch Querstreifen,

welche die Längsstreifen verbinden, und wenn die Vergrösserung

zu einem hohen Grade gebracht wird, so lösen sich bei einigen

Schmetterlingsschuppen diese Längs- und Querstreifen in Kügelchen auf,

welche in geordneten Reihen stehen.

[Illustration: Fig. 40.

_a_ $Schuppe von Hipparchia Janira$, 60mal vergrössert,

_b_ ein Theil derselben bei 200mal. Vergröss.,

_c_ die Querstreifung bei 600mal. Vergrösserung.

]

[Illustration: Fig. 41.

_a_ $Pleurosigma angulatum$,

_b_ die Felder desselben bei 300facher Vergr.,

_c_ dieselben bei sehr starker Vergrösserung.

]

Gewöhnlich legt der Optikus seinem Mikroskope mittleren Werthes die

Schuppen der _Hipparchia Janira_ als Probeobject bei, und er beweist

die Güte des Mikroskops damit, wenn die Längsstreifen bei einer 60- bis

80fachen Vergrösserung, bei einer 180- bis 200maligen Vergrösserung

auch die Querstreifen entwickelt werden. Für die grösseren Mikroskope

wählt man jetzt häufig Diatomeen, unter denen _Pleurosigma angulatum_

und _Navicula Hippocampus angulata_ schwer zu entwickeln sind.

Anfangs erscheint die Schale glatt und ohne Zeichnung, bei starker

Vergrösserung (300- bis 350facher) und schiefer Beleuchtung werden

quer und theils schiefe, sich kreuzende Linien sichtbar, welche

bei der stärksten Vergrösserung und schiefer Beleuchtung sich zu

zusammenhängenden 6eckigen Feldern mit heller Umwallung auflösen. Das

schwierigste Probeobject bietet _Surirella Gemma_. Diese Diatomee

bildet eine elliptische Scheibe mit gröberen sichtbaren parallelen

Querleisten, welche von einem in der Mitte liegenden Kiele ausgehend

in die Peripherie verlaufen. Zwischen diesen Querleisten, und zwar

diesen parallel, erblickt man bei stärkerer Vergrösserung feine Linien.

Vermag das Mikroskop endlich die diese feinen Querlinien wellig

durchschneidenden Längslinien zu entwickeln, so dass sich gleichsam

ein Korbgeflecht dem Auge darbietet, dann kann man in der That mit

der Leistung des Mikroskops zufrieden sein. Aehnlich steht es mit

einem anderen Probeobject, der _Grammatophora subtilissima_, an deren

Kieselpanzer bei schiefer Beleuchtung sich Querlinien entwickeln lassen.

[Illustration: Fig. 42.

$Surirella Gemma$,

circa 400mal vergrössert.

]

[Illustration: Fig. 43.

$Ein Theil der Surirella Gemma$

bei 1000-1200facher Vergrösserung.

]

Gebrauch des Mikroskops.

Wer sich in den Besitz eines Mikroskops gesetzt hat, ohne vordem je

damit beschäftigt gewesen zu sein, muss sich in das Wesen seines

Instrumentes einstudiren. Die erste Uebung ist, die dem Instrumente

beigegebenen Probeobjecte durch alle Vergrösserungen, bei hellem und

bei schwachem Tageslichte, bei schiefer Beleuchtung, bei Lampenlicht

zu betrachten, um über den Werth der verschiedenen Lichteinflüsse

eine Einsicht zu gewinnen. Dann nehme man Fasern der Baumwolle, der

Wolle, der Seide, der Leinwand, Haare, lege sie auf das Objectglas und

betrachte sie trocken in allen Vergrösserungen und bei centrischer und

schiefer Beleuchtung. Hierauf befeuchte man diese Objecte mit Wasser

und betrachte sie auf’s Neue. In gleicher Weise versuche man sich

an Stärkemehlkörnern der verschiedensten Art. Nach solchen Uebungen

gewinnt man sehr bald eine gewisse Gewandtheit mit dem Instrument

umzugehen, und man lernt es in seinen Leistungen kennen.

Vor Allem ist es wichtig, den richtigen Grad der Beleuchtung zu finden.

Anfänger haben grosse Neigung, das grellste Licht aufzusuchen, und

ahnen nicht, wie sehr sie das Auge dadurch belästigen und ermüden.

Im Allgemeinen stellt man das (gute) Mikroskop 2 bis 3 Schritt vom

Fenster auf, selbst wenn auch der Himmel mit Wolken bedeckt ist. Liegt

die Sonne auf dem Fenster, so stellt man das Mikroskop noch einige

Schritte weiter zurück, doch immer so, dass das grelle Sonnenlicht

nicht darauf fällt. Die Objecttischseite oder die vordere Seite des

Mikroskops wird dem Fenster zugekehrt. Bei Benutzung des Lampenlichtes

stellt man die Flamme ungefähr 1 Meter entfernt von dem Mikroskope

auf. Man schraubt nun eines der Objective mit geringerer Vergrösserung

an den Tubus, setzt das entsprechende Ocular auf und stellt den Tubus

so hoch über den Objecttisch, dass zwischen Objectiv und Objecttisch

circa ein freier Raum von 2 Fingerbreiten oder 3,5 Centim. bleibt. Nun

sucht man das Licht. Man dreht und stellt, während man in das Ocular

hineinsieht, den Spiegel so lange gegen das Tageslicht, bis sich dem

Auge ein helles Sehfeld darbietet. Hierauf legt man das Objectglas

mit dem in der Mitte liegenden Object trocken und frei oder mit einem

Tropfen Wasser gemischt und mit einem Deckglase bedeckt über das Loch

des Objecttisches, so dass sich das Object perpendiculär unter dem

Objectiv befindet. Dann schiebt man, unter Hineinblicken in das Ocular,

den Tubus gegen das Object sanft abwärts, bis sich von diesem ein

undeutliches Bild erkennen lässt. Nach dieser groben Einstellung geht

man zur feineren über und hebt oder senkt, an der Mikrometerschraube

drehend, den Objecttisch, bis man ein klares und scharfes Bild des

Objectes erblickt. Nach der Beschauung dieses kleineren Bildes

schreitet man zu einer stärkeren Vergrösserung, welcher man auch noch

eine schiefe Beleuchtung zugiebt. Bei den stärksten Vergrösserungen

benutzt man Drehscheibe oder Blendcylinder. Bei Anwendung der schiefen

Beleuchtung wird die Blendvorrichtung bei Seite gestellt. Bei der

Einstellung des Objectes ist zu bemerken, dass die schwachen Objective

weiter entfernt von dem Objecte stehen müssen als stark vergrössernde,

welche das Deckglas oft fast berühren und wegen ihrer kurzen Brennweite

sehr dünne Deckgläser erfordern. Für Benutzung der am stärksten

vergrössernden Objective giebt es besonders dünne Deckgläser, welche

man von den Optikern bezieht.

An finsteren Tagen und des Abends ist man genöthigt, bei der Lampe zu

arbeiten. Da das grelle Licht der Lampe das Auge sehr angreift und

gewöhnlich nicht die für die Beobachtung brauchbaren Bilder liefert, so

soll man es auf irgend eine Weise schwächen. Entweder wendet man nur

den ebenen Spiegel zur Beleuchtung des Objectes an, wenn ein solcher

an dem Mikroskop vorhanden ist, oder man stellt die Lampe 0,6-1,0

Meter entfernt, oder man stellt zwischen Mikroskop und Lampe eine

bläuliche Glasscheibe oder eine Glastafel auf, welche durch Abreiben

mit feuchtem Schmirgel matt gemacht ist. Ein Stück dünne alte Leinwand,

dünnes paraffinirtes[5] Velinpapier erfüllen denselben Zweck. Bei wenig

durchsichtigen Objecten versucht man indess die Beleuchtung durch

directes Lampenlicht. Beobachtungen mit polarisirtem Licht erfordern

immer eine möglichst helle Beleuchtung und können bei Lampenlicht

vorgenommen werden. Bei Gebrauch der stark-vergrössernden Objective hat

man stets, wie schon früher angegeben ist, ein dunkleres Sehfeld.

Undurchsichtige Objecte werden von oben beleuchtet, entweder durch

die für diesen Zweck vor das Mikroskop zu stellende oder über dem

Objecttisch und seitlich daran vorhandene planconvexe Beleuchtungslinse

mit grosser Brennweite oder durch ein Prisma. Die geeignetste

Beleuchtungsvorrichtung ist hier der Lieberkühn’sche Spiegel, ein

Hohlspiegel, welcher an das untere Ende des Objectivs angesetzt wird;

man trifft ihn jedoch sehr selten an.

Das Object, welches man beobachten will, darf nicht zu gross und

nicht zu dick sein, sondern klein und möglichst dünn. Dann soll

man auch nicht zu viel des Gegenstandes, wie pulverige Körper oder

Flüssigkeiten, auf das Objectglas bringen, sondern nur einige wenige

Körner oder einen Tropfen. Will man das Object, wie es gewöhnlich

geschieht, in Wasser, Glycerin etc. betrachten, so nimmt man mittelst

eines Glas- oder Holzstabes einen Tropfen der Flüssigkeit auf,

überträgt diesen Tropfen auf das Objectglas, wo sich bereits etwas des

pulverförmigen Körpers befindet, und mischt durch Rühren mit dem Stabe.

Nachdem das Deckglas darüber gelegt ist, bringt man das Object unter

das Objectiv. Chemische Flüssigkeiten (Reagentien), wie Salmiakgeist,

alkalische Laugen, Säuren, Jodwasser etc. werden auf dieselbe Weise wie

das Wasser mittelst eines Glasstabes auf das Objectglas übertragen,

oder man lässt den Tropfen am Rande des Deckgläschens abfliessen und

von hier aus sich mit der Flüssigkeit unter dem Deckglase vermischen.

Statt des Wassers zum Benetzen der Objecte ist ~verdünntes Glycerin~,

eine Mischung aus 70 Th. ~Glycerin~, 15 Th. 90proc. ~Weingeist~ und

15 Th. ~Wasser~, zu empfehlen. Man hält dieselbe in einer kleinen

Flasche, welche mit einem Korke, durch welchen ein Glasstab gesteckt

wird, verschlossen ist. Mit dem Glasstabe nimmt man die Flüssigkeit

tropfenweise heraus, um sie auf das Objectglas zu übertragen. Diese

Flüssigkeit erhält sich dauernd klar und trocknet nicht ein. Man kann

daher die damit genässten Objecte mehrere Tage reserviren, um sie

wiederholt unter dem Objective zu mustern.

In Folge der dem Glase adhärirenden Luft, welche von einer wässrigen

Flüssigkeit nicht gelöst wird, bilden sich zwischen Objectglas und

Deckgläschen Luftbläschen, welche man sich hüten muss, für ein

mikroskopisches Object zu halten. Sie lassen sich an ihrer Scheiben-

oder vielmehr Kugelform, ihrer völligen Durchsichtigkeit und dem

gleichmässigen dunklen breiten, scharf begrenzten Rande erkennen.

Dieser Rand findet sich auch an anderen Lufträumen in der Flüssigkeit,

welche nicht Luftbläschen sind. Die Luftbläschen entstehen spärlich bei

Anwendung jenes verdünnten Glycerins oder einer Mischung aus Glycerin

und Spiritus. Analog den Luftbläschen bieten hohle, röhrenförmige,

mit Luft gefüllte, durchsichtige Objecttheile dunkele scharfbegrenzte

bandartige Ränder, welche einen hellen Streifen einfassen.

[Illustration: Fig. 44.

$Vergrösserte Luftbläschen$

in einer Flüssigkeit auf dem Objectglase.

]

[Illustration: Fig. 45.

$Eine Röhre als mikroskopisches Object.$]

Die Dicke der Schicht, welche das Object bildet, ist für das

unbewaffnete Auge oft verschwindend klein, nicht aber für das in

das Mikroskop schauende, besonders bei den mittleren und stärkeren

Vergrösserungen. Nur die Ebene des Objectes, in welchem der Brennpunkt

des Objectivs liegt, sehen wir in dem mikroskopischen Bilde, was in

anderen Ebenen liegt entweder nicht oder undeutlich und verschwommen.

Hebt oder senkt man daher den Objecttisch durch die Mikrometerschraube

oder, was dasselbe sagt, verlegt man den Brennpunkt des Objectivs in

eine andere Ebene des Objects, so erhält man das Bild dieser Ebene.

Besteht das Object z. B. in einem Gemisch aus Wasser und pulverigen

Substanzen von verschiedener Eigenschwere, so kann man sehr wohl drei

verschiedene Bilder erlangen und zwar von der oberen, der mittleren und

der untersten Schicht, aus welcher das Object besteht. In dem Bilde der

untersten Schicht wird man die Substanzen erblicken, welche schwerer

als Wasser sind, in der obersten diejenigen, welche leichter als Wasser

sind. Hieraus folgt auch die Erklärung, warum das mikroskopische Bild

im Allgemeinen nur die Flächenausdehnung des Objectes wiedergiebt,

nicht aber die Dicke desselben.

Das mit Wasser oder einer anderen Flüssigkeit gemischte Object zeigt

häufig Bewegungserscheinungen, wenn es unter dem Objectiv beobachtet

wird. Die Ursache ist zunächst das Bestreben der Flüssigkeit, sich

in’s Gleichgewicht zu setzen, was um so eher herbeigeführt wird, wenn

der Tisch, worauf das Mikroskop steht, eine wagerechte Stellung hat.

Dann sieht man häufig aber auch, nachdem die Flüssigkeit längst in das

Gleichgewicht gekommen ist, die mikroskopischen Theile in tanzender

(_Brown_’s ~Molekularbewegung~) oder nach verschiedener Richtung

stattfindender Bewegung (~Molekularattractionsbewegung~), welche keinen

andern Grund zu haben scheint, als die gegenseitige Annäherung mehrerer

Korkstücken, welche in einem Gefässe auf der Wasserfläche schwimmen.

Ferner muss ein schraubenförmig gewundenes Object, welches sich

vorwärts und zugleich um seine Axe dreht, den täuschenden Schein einer

Schlangenbewegung zeigen. Diese Erscheinung beobachtet man an mehreren

Species der Algen aus der Familie der Oscillariaceen (_Vibrio_,

_Spirochaeta_, _Spirulina_, _Spirillum_ etc.).

Diese Bewegungserscheinungen sind erwähnt, um den Anfänger in

mikroskopischen Beobachtungen vor der Annahme freiwilliger Bewegungen

oder thierischen Lebens an sonst todten Körpern zu warnen. Wirkliche

Bewegungen infusorischer Thierchen, z. B. des Räderthierchens,

die ~Flimmerbewegung~ (Bewegung von Härchen, Fäden, Wimpern) an

mikroskopisch kleinen Thierchen lassen sich leicht erkennen. _Jevons_

bezeichnet jene Bewegungen mit ~Pedesis~.

Mit dem Maasse der Vergrösserung wächst scheinbar auch die

Schnelligkeit der Bewegung. Würde ein kleines Object, z. B. ein Vibrio,

bei 500facher Linearvergrösserung den Raum des Gesichtsfeldes in einer

halben Secunde durchschwimmen, so ist man verleitet anzunehmen, dass

es sich fast pfeilschnell fortbewege, während es in Wirklichkeit in

derselben Zeit kaum 1 Millimeter weitergerückt ist. Scheinbar hat

es in einer Secunde den Weg von 500 Millimetern zurückgelegt. Die

Schnelligkeit der Bewegungen ist also hier wohl nach Zeit und Raum zu

bemessen.

Erwähnung verdienen die sogenannten _Mouches volantes_ oder _Scotomata_

(das Mückensehen) in Form rundlicher oder perlschnurähnlicher oder

schlingenförmiger Bilder, welche im Sehfelde schweben oder darüber

hinwegfliegen. Sie entstehen durch das Auge selbst und zwar theils

durch die schleimigen Absonderungen der Meibom’schen Drüsen, theils

durch runde kleine Körperchen im hinteren Theile des Glaskörpers des

Auges. Diese _Mouches volantes_ geben keine Ursache der Besorgniss ab.

Werden sie sehr lästig, so unterbricht man das Sehen in das Ocular auf

einige Augenblicke.

Mit den ~chemischen~ Flüssigkeiten muss man vorsichtig umgehen, weil

sie, in Berührung mit den Metalltheilen des Instruments gebracht, diese

leicht angreifen und verderben. Die Säuren und Laugen greifen sogar

das Flintglas der Objective an. Wenn man also mit Reagentien arbeitet,

so soll dies nie ohne Deckglas geschehen. Wäre das Objectiv damit

verunreinigt, so ist es sofort mit reinem Wasser abzuspülen.

Wer viel und oft mit dem Mikroskope arbeiten muss und des Aus- und

Einpackens desselben überhoben sein will, wird gut thun, es unter einer

Glasglocke aufgestellt zur Hand zu halten, und zwar an einem trockenen

Orte im Wohnzimmer. Das Mikroskop, welches aus einem kalten Zimmer

herbeigeholt ist, kann nicht sofort gebraucht werden, denn Objectivglas

und Ocularglas würden mit Feuchtigkeit beschlagen, letzteres durch die

Ausdünstung des Mundes und des Auges. Man muss dann warten, bis es die

mittlere Temperatur angenommen hat. An einen warmen Ort darf man es

auch nicht stellen, denn die Kitt- und Canadabalsamverbindung an den

Linsen würde leiden. Orte, an welchen Schwefelwasserstoffentwickelungen

stattfinden, wie in chemischen Laboratorien, sind keine

Aufbewahrungsorte, denn dieses Gas ist nicht ohne Einfluss auf den

Bleigehalt der Linsen, auch schwärzt es die Metallfassung.

Die Linsen werden, wenn sie bestäubt sind, mit einem weichen trockenen

Haarpinsel oder durch sanftes Reiben mit feiner alter weicher Leinwand

oder weichem Handschuhleder klar gemacht. Das Stativ darf weder durch

scharfe Putzsubstanzen, Wiener Kalk, Kreide etc., noch durch Abreiben

mit Spiritus gereinigt werden. Damit würde der Lack, mit welchem die

Metalltheile überzogen sind, verloren gehen. Die Reinigung geschieht

mit trockener, sehr weicher, feiner alter Leinwand und, wenn es nöthig

ist, unter Anfeuchten mit etwas Wasser. Man reibt damit nach dem

Striche des Lackanstriches; nicht quer darüber hinweg. Wer diesen Rath

nicht befolgt, raubt seinem Instrument das elegante Aussehen.

Das Mikroskop und seine Anwendung Ein Leitfaden bei mikroskopischen Untersuchungen · 第 3 / 11 段