zu messen. Die gebräuchlichsten sind die ~Glasmikrometer~, Plangläser,
auf welchen sich mittelst des Diamantes die Maasstheilungen ausgeführt
befinden. Das Millimeter oder die Linie (der kleinste Theil eines
Zolles) ist darauf in 10, 100, 1000 und mehr Theile getheilt.
Uebersichtlicher ist die Theilung, in welcher man durch vorspringende
Striche eine Markirung findet (Fig. 22). Bei anderen Glasmikrometern
durchkreuzen sich die Theilstriche rechtwinkelig, so dass sie Quadrate
bilden. Diese Mikrometer können zum Messen, aber auch zur Zählung der
Objecte, welche ein bestimmter Raum Sehfeldes fasst, gebraucht werden.
Wie schwierig genaue Mikrometer dieser Art herzustellen sind, kann man
aus der Kleinheit der Maasstheilungen entnehmen. Es giebt daher billige
und theure Mikrometer. Die Ocularmikrometer sind weit billiger als die
Objectglasmikrometer.
Um grosse Zahlen der Mikrometermessungen zu vermeiden, hat man nach
_Harting’s_ Vorschlage eine mikroskopische Einheit angenommen und
als solche 0,001 d. i. 1/1000 Millimeter gesetzt, welche Einheit mit
~Mikromillimeter~ oder Millimillimeter (_mmm_ oder µ) auch _Mikron_
oder _Mikrum_ (im Plural _Mikra_) bezeichnet wird. Beim Ankauf eines
Glasmikrometers hat man sich immer nach der Einheit der Theilung zu
erkundigen, denn _Harting’s_ Vorschlag hat nicht allgemeinen Anklang
gefunden.
1 Millimeter (_mm_) oder 1000 Mikromillimeter oder Mikra (1000 _mmm_
oder 1000 µ) sind gleich 0,4433 Linien Pariser Maasses.
Für den gewöhnlichen Gebrauch hat man ein Mikrometer in Vertretung
eines einfachen Objectglases, ~Objectglasmikrometer~, auf dessen
Maasstheilung man das zu messende Object legt, um beides zugleich
durch das Mikroskop zu betrachten. Die Objecte dürfen dann
wenigstens nicht kleiner sein, als die kleinste Maasstheilung der
Mikrometerscala. Die Theilstriche darauf müssen auch in sehr geringen
mikroskopischen Entfernungen von einander liegen. Es ist besonders
bei den stärkeren Vergrösserungen sehr schwierig, das Object mit den
etwas tiefer liegenden Strichen zugleich zu sehen, auch sind diese
Objectglasmikrometer sehr der Abnutzung ausgesetzt.
Dergleichen Mängel treffen beim ~Ocularmikrometer~ nicht zu, daher
dieses den Vorzug erhalten hat. Es liegt auf der Blendung im Ocular,
zwischen Ocularlinse und Collectiv. Da es daselbst nur mit der
geringen Vergrösserung der Ocularlinse gesehen wird, so können seine
Theilstriche weiter von einander liegen und die Maasstheilungen selbst
bis zu 1/5000 Millimeter gebracht werden. Das Ocularmikrometer hat, wie
leicht einzusehen ist, eine relative Geltung, je nach der Stärke des
in Anwendung gebrachten Objectivs und der Tubuslänge, durch welche die
Grösse des Bildes bestimmt wird. Es muss daher die Maassbestimmung der
Theilung für jedes Linsensystem voraus erforscht werden und zwar durch
Vergleichung mit einem Objectglasmikrometer oder mit einem Object von
gekannter Grösse. Gewissenhafte Optiker geben dem Ocularmikrometer eine
Tabelle bei, welche das Maass desselben, je nach seiner Verwendung mit
diesem oder jenem Ocular angiebt. Will man etwa seinem Mikroskope ein
Ocularmikrometer beilegen, so muss dem Optikus das Ocular eingehändigt
werden, damit er den Umfang des Ocularmikrometerglases der Weite des
Ocularrohres anpassen kann.
Die sehr theuren ~Objecttisch-Schraubenmikrometer~ und
~Ocular-Schraubenmikrometer~ finden sich nur an den grössten und
theuersten Mikroskopen.
[Illustration: Fig. 23.
$Objectglas.$]
$Objectgläser$ oder ~Objectträger~ sind länglich viereckige, circa 2
Centim. breite, 6 Centim. lange, ebene Tafeln von farblosem Glase,
welche bei Anwendungen von Cylinderblendungen circa 1 Millimeter
dick sein sollen. Gebraucht man viele derselben, so kann man sie sich
selbst aus dünnem Spiegelglase oder farblosem Fensterglase schneiden.
Auf das Objectglas wird das Untersuchungsobject gelegt und so auf den
Objecttisch geschoben, dass letzteres sich mit dem Objectiv und dem
Loche im Objecttische in derselben Richtung befindet. Wenig zweckmässig
sind Objectgläser mit einer concaven Vertiefung.
[Illustration: Fig. 24.
$Viereckiges Rundes
Deckglas.$
]
$Deckgläschen$ oder ~Deckplättchen~ nennt man die dünnen Glastafeln
in quadratischer, rechteckiger und Scheiben-Form, welche man auf das
Object legt. Dies ist besonders nöthig, wenn das Object in Wasser,
einer sauren oder alkalischen Flüssigkeit etc. liegt. Die Deckgläschen
sind ein Schutz des Objectivs gegen Dämpfe, welche die Flüssigkeit
ausdunstet, oder gegen ein Benetzen mit der Flüssigkeit, welches
beim Einstellen des Objects nur zu leicht geschehen würde. Dann
platten die Deckgläser die Oberfläche des Objectes ab und erleichtern
daher die Beobachtung, besonders bei sehr starken Vergrösserungen,
wo die Theile der Oberfläche des Objectes möglichst in einer Ebene
liegen müssen. Endlich verhindert das Deckgläschen die Verdunstung
der Flüssigkeit, worin das Object liegt. Bei den schwächeren und
mittleren Vergrösserungen genügt als Deckglas ein dünnes farbloses
Fenster- oder Spiegelglas (sogenanntes Belgisches Glas), auch selbst
ein dünnes Objectglas, für die stärkeren Vergrösserungen ist jedoch
ein sehr dünnes (0,2 bis 0,15 Millimeter dickes) Glas nothwendig.
Diese dünnen Deckgläser kauft man von den Optikern (1 Dutzend zu 0,5
Mark). Die dafür früher gebräuchlichen Glimmerblättchen werden selten
noch gebraucht. Da das Deckglas nicht ohne Einfluss auf die Schärfe
des Bildes ist, so findet man bei den grösseren Mikroskopen für
jedes Linsensystem ein besonderes nach der Dicke bestimmtes Deckglas
ausgewählt. Im Allgemeinen ist für die stärkste Vergrösserung auch das
dünnste unter den Deckgläsern auszuwählen, denn in diesem Falle muss
das Objectiv dem Object äusserst nahe gerückt sein, und ein dickes
Deckglas würde dies verhindern.
Bei den stärksten Vergrösserungen, bei welchen auch keine corrodirenden
Stoffe mit dem Objecte in Berührung gebracht werden, bedient man sich
häufig, das Bild deutlicher zu machen, des $Immersionsverfahrens$,
indem man das Deckgläschen mit Object mit einigen Tropfen destillirten
Wassers oder einer vorräthigen Mischung aus gleichen Theilen
Glycerin und Wasser übergiesst und das Mikroskop einstellt, so
dass das Objectiv mit dem Deckglase durch eine Flüssigkeitsschicht
verbunden ist. Dadurch wird die vielfache Brechung der Lichtstrahlen
zwischen Object und Objectiv auf das geringste Maass zurückgeführt.
Ohne jene Flüssigkeitsschicht werden die Lichtstrahlen zuerst von
der Flüssigkeit, welche das Object bedeckt, dann wieder von dem
Deckglase und endlich von der Luftschicht über dem Deckglase, also
mehrmals, und wegen Verschiedenheit der Medien auch verschieden
gebrochen. Die Objective, welche die Beschaffenheit haben, dass man
sie unbeschadet ihrer Fassung in die wässerige Flüssigkeit eintauchen
kann, nennt man ~Immersionslinsen~ oder ~Stipplinsen~. Bei theuren
Mikroskopen hat das Objectiv mit Immersionslinse gleichzeitig
eine ~Correctionseinrichtung~, so dass man die Linsen, woraus es
zusammengesetzt ist, etwas von einander entfernen oder gegen einander
nähern kann, um sie ohne und mit Immersion zu benutzen.
In manchen Fällen muss das Deckglas mehr oder weniger stark auf das
Object gedrückt werden, um die Oberfläche desselben zu ebenen oder
das Object selbst zu einer dünnen Schicht auseinander zu drücken
und in dieser gedrückten Lage unter dem Objective zu beobachten. Zu
diesem Zwecke hat man $Compressorien$ oder ~Quetscher~, mit welchen
man vermöge einer geringen Hebelkraft Deckglas und Objectivglas gegen
einander drückt, oder welche aus zwei Ringen bestehen, deren jeder
ein Planglas fasst, von welchem das untere als Objectträger, das
obere als Deckglas in Anwendung kommt. Fig. 25 ist eine Zeichnung
des _Schiek_’schen Compressorium. Es ist aus Metall gearbeitet. Eine
Platte hat in ihrer Mitte ein Loch, in welches ein Ring mit einem
flachen Glase eingesetzt ist. Dieses Planglas vertritt die Stelle eines
Objectträgers. Ueber der Platte ist ein um einen Stift beweglicher
Arm mit einer in seiner Mitte befindlichen ringförmigen Erweiterung,
in welcher das in einem beweglichen Ring gefasste Deckglas liegt.
Vermittelst des rechts in der Abbildung befindlichen Schraubengetriebes
wird der Arm gegen die Platte oder vielmehr das Deckglas gegen den
Objectträger gedrückt.
[Illustration: Fig. 25.
$Schiek’sches Compressorium.$]
Ein billiges Compressorium ist das _Hager_’sche, bestehend aus zwei
metallenen Rahmen mit Schrauben (Fig. 26). Diese Vorrichtung erlaubt an
jeder Stelle der beiden sich deckenden Objectgläser, zwischen welchen
sich das weiche Object, z. B. Fleischpartikel, befinden, einen Druck
auszuüben. Aehnliche Quetschvorrichtungen, welche nur an die Enden der
beiden Objectgläser angesetzt werden können, sind nicht praktisch, denn
in Folge der Elasticität des Glases ist die Quetschung der in der Mitte
der beiden Gläser liegenden Objecte eine nicht genügende.
[Illustration: Fig. 26.
$Ein Quetschrahmen des Hager’schen Compressorium.$
_ac_ Rahmen, _b_ Quetschbalken mit der Schraube _d_.]
[Illustration: Fig. 27.
$Das Hager’sche Compressorium in seiner Anwendung.$
_o_ Object.]
Für die Untersuchung des Schweinefleisches empfiehlt sich das
_Hager_’sche Compressor-Mikroskop, welches weiter unten durch Abbildung
vergegenwärtigt ist.
Bei vielen mikroskopischen Untersuchungen kann man auch wohl ohne
diese Quetschvorrichtungen zum Ziele gelangen. Dadurch, dass man das
Deckglas mittelst der Finger gegen Object und Objectträger drückt,
kann man sich allerdings helfen, doch nach dem Aufhören des Druckes
löst sich das Deckglas oft wieder ab, und zwischen dieses und Object
tritt eine Luftschicht, die sehr störend für die Beobachtung ist. Ein
bequemes Hilfsmittel, den Druck permanent zu machen, erhält man in
einem solchen Falle, wenn man auf beiden Seiten des Objectes (natürlich
in einiger Entfernung von diesem) etwas weichgeknetetes Harzpflaster
(_Ceratum Resinae Pini Burgundicae_[1]) oder eine Mischung aus Wachs
und Terpentin, die klebend wirkt, anbringt.
[Illustration: Fig. 28.
$Klemmfeder auf dem Objecttisch.$]
Um das Object unter dem Objective unverrückt zu erhalten, findet man
häufig auf dem Objecttische zwei einfache messingene $Klemmfedern$
oder ~Federklammern~ (_k_) befestigt, welche auf das Objectglas (_o_)
gehoben dieses gegen den Objecttisch (_t_) drücken. Diese Federklammern
dürfen natürlich da nicht fehlen, wo das Mikroskop zum Ueberlegen
eingerichtet ist, um sitzend in dasselbe zu sehen. Im Uebrigen haben
sie häufig eine solche Einfügung und Länge, dass man sie auch an Stelle
des Compressoriums benutzt.
Ein für manche Mikroskopiker, die nicht Zeichner sind, wichtiger
Nebenapparat eines Mikroskops ist ein $Zeichnenprisma$, eine
Vorrichtung, um das mikroskopische Bild auf einem Blatte Papier neben
dem Mikroskope zu entwerfen, und dort seine Umrisse mit der Spitze
eines Bleies zu umziehen. Die gebräuchlichsten Vorrichtungen sind
die Zeichnenprismen von _Nachet_, von _Nobert_, von _Oberhäuser_.
Zur Erklärung der Zeichnenvorrichtungen diene Folgendes: Stände die
Glasplatte _~gl~_ in einem Winkel von 45° zur Axe des Auges, so würden
die Strahlen des Objectes _o_, welche mit der Glasplatte gleichfalls
einen Winkel von 45° bilden, in der Richtung nach dem Auge reflectirt
werden und dieses würde das Bild des Objectes also in einer Richtung
sehen, welche mit der Richtung des Objectes einen rechten Winkel
bildet. Ist _m_ (Fig. 29) das Mikroskoprohr und _~pp~_ ein Blatt
Papier, so wird das Auge, weil die Durchsichtigkeit der Glasplatte
_~gl~_ es gestattet, das Bild in _o′_ auf dem Papier wahrnehmen. Man
sagt in diesem Falle, das Bild wird ~projicirt~. Bringt man aber in
derselben Höhe der Glasplatte _~gl~_ ein Glasprisma _P_ an (Fig. 30),
und _o_ sei das Object unter dem Objective des senkrecht stehenden
Mikroskops, _~gl~_ die in einem Winkel von 45° zur Axe des Auges
gestellte Glasplatte über dem Ocular, so sieht man das Bild in _o′_ auf
_~pp~_ projicirt, indem Object und das projicirte Bild in demselben
Gesichtsfelde wahrgenommen werden. Hierauf beruhen die erwähnten
Zeichnenprismen, von welchen das in nachstehender Fig. 31 abgebildete
_Nachet_’sche das gebräuchlichste ist. An dieser Vorrichtung ist an
Stelle der Glastafel _~gl~_ (Fig. 30) ein Prisma gelegt, und das
andere Prisma ist um seine Axe beweglich, um die reflectirende Fläche
desselben unter verschiedene Winkel zu stellen. Der Gebrauch der
Vorrichtung ergiebt sich von selbst, sobald man sie mittelst des Ringes
auf das Ocular aufgesetzt hat.
[Illustration: Fig. 29.]
[Illustration: Fig. 30.]
[Illustration: Fig. 31.
$Nachet’s Zeichnenprisma.$]
Wer einige Uebung nicht scheut und es gelernt hat, mit dem einen Auge
in das Mikroskop zu sehen und das andere dabei geöffnet zu halten, kann
sich eine Camera lucida dadurch ersetzen, wenn er mit dem linken Auge
in das Mikroskop und zugleich mit dem rechten Auge auf ein neben dem
Mikroskop liegendes Stück schwach gelblichen, grünlichen oder schwach
beschatteten weissen Papiers blickt. Er findet dann nach einigen
Augenblicken das Gesichtsfeld und Papier auf einander projicirt,
und kann die Umrisse des Bildes auf dem Papiere mit Blei umziehen.
Natürlich ist hier eine öftere Uebung die beste Lehrmeisterin.
[Illustration: Fig. 32.
$Kleines zusammengesetztes Mikroskop$ (1/3 Grösse).
_o_ Ocular, _r_ Tubus, _ob_ Objectiv, _t_ Objecttisch, _b_
Blendscheibe, _s_ Spiegel, _f_ Fuss, _m_ Mikrometerschraube.]
Nachdem die Theile, aus welchem ein Mikroskop construirt wird,
besprochen und nach ihren Zwecken erklärt sind, mögen hier die
Abbildungen zweier Mikroskope (Fig. 32 und 33) aus der Werkstatt
der Optiker _Franz Schmidt_ und _Haensch_ in Berlin, einen Platz
finden. Das Modell des Mikroskops Fig. 32 entspricht dem kleinen
_Schiek_’schen. Es hat einen schweren Metallfuss, das Uebrige daran ist
aus Messing sauber gearbeitet, die Linsen sind achromatisch, die Bilder
scharf, das Lichtfeld hell, überhaupt sind die optischen Verhältnisse
daran äusserst correct. Die grobe Einstellung wird durch Auf- und
Abwärtsschieben des Rohres oder Tubus in der Hülse, die feinere durch
die unten links befindliche Mikrometerschraube, welche den Objecttisch
in eine schiefe Ebene legt, bewerkstelligt. Als Blendvorrichtung
befindet sich eine Drehscheibe unter dem Objecttische. Es kommen jetzt
Mikroskope ähnlicher Form und Construction aus verschiedenen optischen
Werkstätten zu Preisen von 30-50 Mark in den Handel. Gewähren sie
Vergrösserungen bis zum 350fachen, so reichen sie auch für den Gebrauch
der Handelschemiker, Apotheker, Lehrer völlig aus.
Ein nicht unwesentlicher Uebelstand ist, wie auch weiter unten noch
erwähnt wird, dass man die Mikroskope stehend mit gekrümmtem Nacken
gebrauchen muss. Durch einen hohen Stuhl, auf dem der Beobachter sitzt,
und durch einen niederen Standpunkt, welchen man dem Mikroskope giebt,
kann die Arbeit allerdings viel erleichtert werden, jedoch ist wohl
einzusehen, dass ein Mikroskop noch weit bequemer zu handhaben ist,
wenn man in gewohnter sitzender Stellung damit arbeiten kann. Ein
Instrument zum Ueberlegen, um damit in gewöhnlicher sitzender Stellung
zu arbeiten, ist das Mikroskop No. 4 der erwähnten Firma (siehe die
Fig. 33 auf Seite 38). Dieses gehört nun schon zu den vollständigeren
Mikroskopen (Preis 195 Rmk.) und hat eine solche Einrichtung, dass es
mit den meisten etwa nöthig werdenden Hilfsapparaten, wie Polarisation,
Zeichnenprisma etc. ohne Weiteres nachträglich versehen werden kann.
Der Objecttisch ist um seine Axe drehbar, eine ganz vorzügliche
Vorrichtung für schiefe Beleuchtung. Die grobe Einstellung geschieht
durch Verschieben des Tubus in der Hülse, die feinere mittelst
Cylinders und Mikrometerschraube am Tubus. Als Blendvorrichtung ist
eine Cylinderblende vorhanden, die durch den unter dem Objecttisch
befindlichen Schlitten seitlich entfernt wird, wenn eine schiefe
Beleuchtung in Anwendung kommt. 3 Oculare und 4 Linsensysteme gewähren
in ihrer Combination 20- bis 750malige Vergrösserungen.
[Illustration: Fig. 33.
$Zusammengesetztes Mikroskop zum Ueberlegen.$
_o_ Ocular, _r_ Tubus, _ob_ Objectiv, _t_ Objecttisch, _b_
Blendcylinder, _s_ Spiegel, _f_ Fuss, _m_ Mikrometerschraube.]
Viele der aus Frankreich zu uns kommenden Mikroskope haben noch einen
Trommelfuss, d. h. das selbständige Stativ, welches bei den deutschen
Mikroskopen Fuss, Tisch und Tubus verbindet, ist bei den französischen
durch eine cylindrische Trommel aus Blech ersetzt, welche für den
Zutritt des Lichtes zum Spiegel einen freien Ausschnitt hat. Die obere
Fläche der Trommel bildet den Tisch und ist durch einen schmalen
Blechfortsatz fest mit dem Tubus verbunden. Diese Art nennt man
gewöhnlich ~Trommelmikroskope~.
[Illustration: Fig. 34.
$Taschenmikroskop im Etui.$]
~Taschenmikroskope~ (französischen Fabrikats) sind seit circa 10 Jahren
gleichfalls in den Handel gekommen, zu Preisen von 12-27 Rmk., ohne
dass jedoch bei diesem verschiedenen Preise in dem optischen Werthe
eine bemerkenswerthe Verschiedenheit zu erkennen wäre. Das sauber
gearbeitete Etui (_~de~_, Fig. 34) ist 12 Ctm. lang, 3,5 Ctm. hoch.
Darin liegt fest das kleine Mikroskop, an welchem nichts weiter fehlt,
als die feinere Einstellungsvorrichtung. Die Einstellung geschieht
durch Verschiebung des Tubus, sie ist übrigens leicht und bietet keine
Schwierigkeit. Durch ein am unteren Ende des Stativs (_g_) befindliches
Gelenk lässt sich das Mikroskop niederlegen und der Fuss (_f_) dem
Stative parallel stellen. Der in einer Gabel hängende Spiegel (_s_) ist
concav und um seine Axe drehbar. Der Tisch (_t_), welcher etwas sehr
klein ist, hat zwei festsitzende Federklammern.
[Illustration: Fig. 35.
$Aufgestelltes Taschenmikroskop.$]
Die Vergrösserungen reichen bis zum 50- bis 60fachen. Die Bilder sind
klar und befriedigend scharf. Da diese Taschenmikroskope fabrikmässig
dargestellt werden, so kommen darunter natürlich auch einige wenig
brauchbare Exemplare vor. Diese muss man selbstverständlich nicht
kaufen.
Ein Fehler an diesen Taschenmikroskopen, welche für wandernde Botaniker
und Naturforscher, sowie für den Hausgebrauch ganz zweckmässig sind,
ist der zu kleine Objecttisch.
[Illustration: Fig. 36.
$Hager’s patentirtes Compressor-Mikroskop.$
_c_ Quetschring, _f_ Druckfeder, _d_ Druckhebel.]
$Compressor-Mikroskop.$ Dieses ist hauptsächlich für den Fleischbeschau
construirt, es eignet sich aber auch sehr gut für die mikroskopische
Untersuchung der vegetabilischen Gewebe. Es ist ein Mikroskop in
Verbindung mit einem Compressorium. Letzteres besteht in einem
Metallringe (_c_ Fig. 36), welcher durch eine Metallfeder (_f_) auf
den Objecttisch aufgedrückt wird. Durch einen Druckhebel (_d_) kann
der Metallring beliebig gehoben werden. Das weiche Object (eins
oder mehrere) wird zwischen 2 Objectgläser gegeben und zwischen den
gehobenen Ring und den Objecttisch geschoben, der Ring dann sanft auf
die Gläser niedergelassen. Um die Objectgläser zu schieben, wird der
Ring entsprechend gehoben[2].
Polarisationsmikroskop.
[Illustration: Fig. 37.
$Nicol’sches Prisma.$]
Das mikroskopische Bild im polarisirten Lichte zu betrachten bietet
manche Vortheile für den Naturforscher, dem Dilettanten eine angenehme
Unterhaltung. Im polarisirten Lichte entwickeln sich in dem Bilde
Zeichnungen, welche beim gewöhnlichen Lichte nicht zum Vorschein
kommen. Jedes Mikroskop lässt sich in ein polarisirendes umwandeln. Das
beste und vollkommenste Mittel hierzu sind zwei _Nicol_’sche Prismen
(aus dem doppelt lichtbrechenden isländischen Kalkspath), welche man
in Messingrohre eingeschlossen (Fig. 37) mit dem Mikroskop in der Art
verbindet, dass man (nach _Talbot_) das eine Prisma als ~Polarisator~
unter den Objecttisch zwischen Object und Spiegel, das zweite als
~Analysator~ über das Ocular stellt. Diese Anordnung macht jedoch das
Sehfeld beträchtlich kleiner. Besser ist es (nach _Chevalier_), den
Analysator entweder unmittelbar über dem Objectiv einzustellen, oder
noch besser (nach _Harting_) an den untersten Rand des Ocularrohres
anzusetzen. In jedem dieser Fälle müssen die Axen der Prismen mit
der optischen Axe des Mikroskops in einer Linie liegen. Zum Gebrauch
werden die beiden Nicols so gestellt, dass ihre Polarisationsebenen
mit einander parallel laufen, also das Sehfeld erleuchtet ist. Stehen
die Polarisationsebenen rechtwinkelig auf einander, so ist das Sehfeld
dunkel. Dreht man den Polarisator (oder auch den Analysator) um einen
Winkel von 90°, so erfolgt abwechselnd ein helles und dunkles Sehfeld
mit dazwischen liegenden lichttragenden Uebergängen. Je dunkler und je
heller sich das Sehfeld zeigt, um so vollkommener ist die Polarisation.
Ist die gegenseitige Stellung der Nicols gleich 90 oder 270°, so
zeigt das Gesichtsfeld das Minimum der Helligkeit, dagegen bei 0°
und 180° das Maximum derselben. Zur Beleuchtung wählt man hierbei
gern helles Sonnenlicht oder Lampenlicht. Das Bild des durchsichtigen
Objectes zeigt sich bei diesen Drehungen in allen Farben, aus denen
das weisse Licht zusammengesetzt ist, und in dem Punkte, wo die
Flächen der Prismen unter sich parallel laufen, also das Sehfeld hell
ist, zeigt das Object die complementäre Farbe zu jener, die es im
schwarzen Sehfelde zeigt. Sehr dünne und durchsichtige Objecte, denen
das depolarisirende Vermögen abgeht, soll man auf Quarz-, Gyps- oder
Glimmerblättchen legen, welche sich in den verschiedenen lebhaften
Färbungen zeigen und dadurch das Object in einer anderen Farbe sichtbar
machen. Solche polarisirende Platten aus Glimmer, Quarz, Selenit sind,
in Messingring gefasst, dem Polarisationsmikroskope beigegeben, mit der
Einrichtung, sie oben auf den Polarisator aufzuschrauben. Während der
Polarisation ist grelles Licht vom Objecttisch fern zu halten. Der
Gebrauch der Vorrichtungen, das eine der Prismen zu drehen, ergiebt
sich von selbst, wenn man sie an dem Mikroskop antrifft. Ist der
Analysator an den unteren Rand des Ocularrohres angesetzt, so dreht
man das Ocular um seine Axe, steht er über dem Objectiv, so muss man
den Polarisator mit den Fingern drehen, wenn eine für diesen Zweck
geeignete mechanische Vorrichtung nicht vorhanden ist.
[Illustration: Fig. 38.
$Stärkemehlkörnchen im polarisirten Licht.$
Ein dunkles Kreuz durchzieht die Schichten vom Kerne, dem organischen
Centrum, aus.]
Es giebt Substanzen, welche die Polarisationsebene entweder ~nach
rechts~ oder ~nach links~ drehen. Wenn man eine solche Substanz in
ihrer Lösung in einem Polarisations-Apparate bei gelbem Lampenlichte
betrachtet, und man muss den Analysator, um sie zuerst grün, dann blau
und endlich roth gefärbt dem Auge erscheinen zu lassen, von der rechten
zur linken Seite um seine Axe drehen, so nennt man die Substanz
~rechtsdrehend~ oder man sagt, sie ~dreht die Polarisationsebene
nach rechts~, im entgegengesetzten Falle bei Drehung des Analysators
nach links ist die Substanz ~linksdrehend~ oder man sagt, sie ~dreht
die Polarisationsebene nach links~. Im Falle die Substanz die
Polarisationsebene nicht verändert, so heisst sie _optisch inactiv_.
~Rechtsdrehend~ sind z. B. Rohrzucker, Traubenzucker (Glykose),
Harnzucker, Dextrin, Kampfer (in weingeistiger Lösung).
~Linksdrehend~ sind z. B. Levulose, Gummi, Terpentinöl, Citronenöl,
Kirschlorbeerwasser.
Das Drehungsvermögen ist bei den verschiedenen Substanzen auch
ein verschieden grosses und die Grösse desselben ist für eine
Substanz meist charakteristisch. Deshalb hat man in neuerer Zeit das
Polarisationsmikroskop zur Bestimmung des Zuckers in seinen Lösungen,
besonders des Harnzuckers im diabetischen Harn benutzt.