+------------------------------------------------------------------+
| Anmerkungen zur Transkription |
| |
| Kursivschrift ist als _kursiv_ dargestellt, gesperrter Test als |
| ~gesperrt~, und Fettschrift als $fett$. Eine Liste der |
| Korrekturen befindet sich am Ende des Buchs. |
+------------------------------------------------------------------+
DAS
~MIKROSKOP~
UND SEINE ANWENDUNG.
EIN
LEITFADEN BEI MIKROSKOPISCHEN UNTERSUCHUNGEN
FÜR
APOTHEKER, AERZTE,
MEDICINALBEAMTE, KAUFLEUTE, TECHNIKER,
SCHULLEHRER, FLEISCHBESCHAUER
ETC.
VON
Dr. HERMANN HAGER.
SECHSTE DURCHGESEHENE UND VERMEHRTE AUFLAGE.
MIT 231 IN DEN TEXT GEDRUCKTEN ABBILDUNGEN.
BERLIN 1879.
~VERLAG VON JULIUS SPRINGER.~
MONBIJOUPLATZ 3.
Vorwort zur ersten Auflage.
Seit ungefähr fünf Jahren hat das Mikroskop aufgehört ausschliesslich
ein Instrument des Naturforschers zu sein. Es hat sich seit dieser
Zeit nicht nur als ein unentbehrliches Hilfsmittel denen erwiesen,
welche in ihren Berufsgeschäften in die Lage kommen, die Güte
der Lebensmittel und der Waaren zu prüfen, oder welche bei ihren
Studien naturwissenschaftliche Kenntnisse sammeln müssen, es hat
sich sogar heutigen Tages in dem gewöhnlichen Verkehrsleben und der
Hauswirthschaft unentbehrlich gemacht, indem nur durch das Mikroskop
trichiniges Fleisch zu erkennen ist und wir uns damit vor der
schrecklichen Trichinosis zu schützen vermögen.
Weil die Beschaffung eines Instruments, welches von ungemein
verschiedener Güte und von niedrigem und hohem Preise in den Handel
kommt, dem Nichtkenner Schwierigkeiten bietet, insofern diesem
jede Beurtheilung abgeht, andererseits der Nichtkenner auch ein
langes, zeitraubendes und anstrengendes Versuchen daran setzen muss,
ehe er mit dem Mikroskop kunstgerecht umzugehen und nutzbringend
zu arbeiten versteht, so habe ich es unternommen, diesen kurzen
Leitfaden zum Kennenlernen, Prüfen und Gebrauch dieses Instruments der
Oeffentlichkeit zu übergeben.
Da im Ganzen dieser Leitfaden nur für diejenigen bestimmt ist, welche
das Mikroskop und dessen Gebrauch noch nicht verstehen und dennoch
zuweilen in die nothwendige Lage kommen, dies Instrument gebrauchen zu
müssen, so empfehle ich denen, welchen voraussichtlich der Gebrauch
des Mikroskops einen Theil ihrer Studien ausmacht, sich mit den
grösseren Werken über dasselbe Thema bekannt zu machen. Dem angehenden
Naturforscher empfehle ich z. B. das ~Mikroskop~, Theorie, Gebrauch,
Geschichte und gegenwärtiger Zustand desselben von _P. Harting_, Prof.
in Utrecht. Deutsche Original-Ausgabe von Dr. _Fr. Wilh. Theile_;
Braunschweig, Verlag von Vieweg und Sohn; -- dem Mediciner: das
~Mikroskop~ und die mikroskopische Technik von Dr. _Heinrich Frey_,
Prof. der Medicin in Zürich; Leipzig, Verlag von Wilh. Engelmann;
-- dem Botaniker: das Mikroskop und seine Anwendung, insbesondere
für Pflanzen-Anatomie, von Dr. _Herm. Schacht_; Berlin, Verlag von
G. W. F. Müller.
Dass die behufs des Kennenlernens mikroskopischer Objecte am
Schlusse dieses Leitfadens gegebenen Beispiele, von denen mehrere
dem praktischen Leben entnommen sind, keineswegs Anspruch auf
wissenschaftlichen Werth machen sollen, darf ich wohl mit Hinweis auf
den geringen Umfang dieser Schrift und ihren sehr geringen Preis nicht
erst versichern.
~Berlin~, im Februar 1866.
$Der Verfasser.$
Vorwort zur sechsten Auflage.
Diese sechste Auflage hat eine nicht geringe Vermehrung erfahren.
Unter anderem wurden den nöthigen Anweisungen zur mikroskopischen
Untersuchung der Nahrungs- und Genussmittel, besonders der Gewürze und
deren Verfälschungsmittel, nebst den dazu gehörigen mikroskopischen
Bildern ein Platz angewiesen, um auch den Anforderungen derjenigen
zu genügen, welche mit der Untersuchung der Nahrungs- und
Genussmittel beauftragt werden. Dadurch erhielt diese Auflage eine
Vervollständigung, welche dem praktischen Werthe des Buches nur dienen
dürfte. In der Erwartung, dass diese Vermehrung des Inhaltes, obgleich
nur im engen Rahmen, dennoch als eine zeitgemässe anerkannt werde,
bitte ich auch für diese neue Auflage um eine nachsichtige Aufnahme.
~Pulvermühle~ bei Fürstenberg a./Oder,
im December 1878.
$Der Verfasser.$
Inhalt.
Seite
Mikroskop, zusammengesetztes, was darunter verstanden wird.
$Linsen$, Sammellinsen, Zerstreuungslinsen 1
$Brennpunkt$ (Focus), $Brennweite$ (Focaldistanz) 2
Sehwinkel 3
$Accommodationsvermögen$ des Auges. Deutliche $Sehweite$ 4
Vergrösserung eines Gegenstandes durch eine Sammellinse 5
Loupe. $Einfaches Mikroskop$ 6
$Spiegelmikroskop. Zusammengesetztes Mikroskop$ in seiner
einfachen Zusammensetzung und seine Wirkung 7
$Einstellung$, grobe, feine 10
Mikrometerschraube 10
$Aberration$, sphärische 12
$Aberration$, chromatische 13
Doppellinse 13
$Doppellinse$, überverbesserte, unterverbesserte, aplanatische 14
Penetrirende, resolvirende Kraft des Mikroskops 14
$Collectivlinse$, ihre Wirkung 15
$Objectiv$ 16
Centrirung der Linsen 17
$Ocular$, negatives, positives, orthoskopisches 18
$Linsensysteme$, ihre Bezeichnung. Tubuslänge 20
$Beleuchtung$ des Objects 22
Blendungen 23
Drehscheibe 24
Cylinderblenden. Condensor 24
$Mikrometer$ 26
$Objectgläser$ 28
$Deckgläser$ 29
Immersionsverfahren 30
Compressorien, Schiek’s, Hager’s Compressorium 31
Klemmfeder. Zeichnenprisma 33
Mikroskopmodelle 36
Trommelmikroskope 39
Taschenmikroskop. Hager’s Compressor-Mikroskop 39
$Polarisationsmikroskop.$ Stärkemehlkörnchen im polarisirten
Lichte 42
Das Mikroskop als saccharimetrisches Instrument 45
$Ankauf$ und $Prüfung$ eines Mikroskops 48
$Probeobjecte$ 51
$Gebrauch$ des Mikroskops 52
$Luftbläschen$ und $Röhren$ als mikroskopische Objecte 56
Molekularbewegung. Molekularattractionsbewegung. Flimmerbewegung 57
Mouches volantes. Scotomata 58
Reinigung der Mikroskope und ihrer Theile 59
$Darstellung mikroskopischer Objecte$ 61
Präparirgeräthschaften 61
Behandlung der Objecte 63
$Aufbewahrung der Objecte$ 65
Conservationsflüssigkeiten 66
Objecthalter 70
Flüssiger Leim 71
Lacke, Firnisse 71
$Mikroskopische Objecte$ 73
Die Zelle 73
Mehl. Stärkemehlkörnchen 76
Kleberkörnchen 80
Mutterkornpilz 81
Flugbrand 86
Schmierbrand 87
Arrow-root, Marantastärke 87
Getreiderost. Grasrost 90
Mehlmilbe. Weizenschlängelchen 92
Kartoffelpilz 92
Traubenpilz 94
Gespinnstfasern 95
Haare 102
Gewürze, Pfeffer, Piment, Gewürznelken, Zimmt, Senf, Santelholz,
Curcuma 112
Blut 134
Haematin, Haemoglobin, Haemin, Haeminkrystalle,
Haematinhydrochloratkrystalle 138
Blutflecke 139
Schleim. Eiter 141
Lymphkörperchen oder Chyluskörperchen 142
Gährpilz 143
Auswurf bei Lungentuberculosis 143
Sarcinien, Magensarcinie 144
Kopfgrind, Favuspilz 144
Soorpilz. Zungenbelegpilz 145
Vibrionen 146
Einige Oscillariaceen, Spermosireen, Chroococcaceen 146
Diatomaceen 148
Milch. Colostrum 150
Butter 153
Harn (Urin) 154
Samenfädchen, Spermatozoën, Spermaflecke 158
Flimmerzellen. Spermakörperchen 159
Cercomonaden 160
Parasiten des thierischen Körpers. Haarsackmilbe 161
Krätzmilbe 163
Trichinen 163
Miescher’sche Körperchen, Psorospermien 169
Schweinefinne. Bandwurm 171
Räderthierchen 175
Reblaus 176
[Illustration]
Das Instrument, dessen Einrichtung und Behandlung hier beschrieben
und erklärt werden soll, ist dasjenige, welches von dem Physiker
~zusammengesetztes dioptrisches Mikroskop~ genannt wird und im
gewöhnlichen Leben die einfache Bezeichnung „Mikroskop“ erhalten hat.
Mikroskop bedeutet Vergrösserungsglas, ein optisches Werkzeug, mit
welchem man dem Auge Gegenstände, die wegen ihrer Kleinheit nicht
sichtbar sind oder wegen ihrer Kleinheit undeutlich erscheinen,
sichtbar und deutlich macht. Um für die Wirkungen und Leistungen
dieses Instruments und dessen Beziehungen zum Auge, so wie für mehrere
Kunstausdrücke, welche bei Besprechung der Mikroskope öftere Erwähnung
finden, ein Verständniss zu erlangen, müssen wir aus der Optik einige
wenige Punkte heranziehen.
[Illustration: Fig. 1.
$Sammellinsen.$]
[Illustration: Fig. 2.
$Zerstreuungslinsen.$]
Die Linsen werden als ~positive~ oder ~Sammellinsen~ und als ~negative~
oder ~Zerstreuungslinsen~ unterschieden. Zu den Sammellinsen gehören
~biconvexe~ (_a_), ~planconvexe~ (_b_) und der ~convergirende
Meniscus~ (_c_); zu den Zerstreuungslinsen gehören ~biconcave~ (_d_),
~planconcave~ (_e_) und der ~divergirende Meniscus~ (_f_).
Im Folgenden sind unter dem Namen Linsen gemeiniglich biconvexe oder
planconvexe, also Sammellinsen gemeint.
[Illustration: Fig. 3.]
Treffen die Strahlen (_~ac~_, Fig. 3) eines fernliegenden Punktes
parallel mit der optischen Axe _~bp~_ z. B. auf eine planconvexe Linse,
so gehen sie durch diese bis zur convexen Seite ungebrochen hindurch,
werden dann aber an ihrem Austrittspunkte _e_ von dem Einfallslothe
_~le~_ hinweggebrochen und zwar nach der Axe _~bp~_ zu und sie
durchschneiden dieselbe an dem Punkte _o_. Dieser Punkt _o_ heisst
der ~Brennpunkt~ (Focus) der Linse und die Entfernung dieses Punktes
von der Linse, also _~of~_, heisst die ~Brennweite~ (Focaldistanz)
dieser Linse. Die Brennweite wurde bisher von den Optikern nach Pariser
Zollen, jetzt wird sie nach Centimetern oder Millimetern gemessen.
[Illustration: Fig. 4.]
Bei einer biconvexen Linse, wie wir sie in jeder einfachen Loupe vor
uns haben, findet eine zweimalige Brechung der Strahlen statt. Die
parallel mit der optischen Axe _~bp~_ (Fig. 4) auf die Linse fallenden
Strahlen werden beim Eintritt in dieselbe dem Einfallslothe (_le_) zu
gebrochen, und sie würden, erführen sie weiter keine Brechung, die
optische Axe in _r_ durchschneiden, jedoch in _s_ treffen sie auf die
zweite brechende Fläche. Sie werden hier wieder gebrochen und zwar
von dem Einfallslothe _~ms~_ hinweg und durchschneiden die Axe in dem
Punkte _o_, welcher der Brennpunkt dieser Linse ist. Der Abstand des
Punktes _o_ von der Linse ist also die Brennweite derselben.
Das Auge gleicht einer biconvexen Linse. Wenn von einem entfernten
Gegenstande parallele Lichtstrahlen auf dasselbe fallen, so vereinigt
es diese Strahlen mittelst der Krümmung der durchsichtigen Hornhaut,
der Krystalllinse und der zwischen denselben eingeschlossenen
Feuchtigkeiten in einem Brennpunkte auf dem dunklen Hintergrunde, der
Netzhaut, zu einem Bilde des Gegenstandes.
[Illustration: Fig. 5.]
Die scheinbare Grösse eines Gegenstandes beurtheilen wir durch das Auge
nach der Grösse des ~Sehwinkels~, von welchem zugleich die Grösse des
Bildes auf der Netzhaut abhängt. Daher kann eine dicht vor die Augen
gehaltene Nähnadel eben so gross und dick erscheinen, wie eine fern
aufgepflanzte Stange. Befände sich z. B. ein Gegenstand in der Linie
_~ab~_ (Fig. 5), so ist _~aob~_ der ~Sehwinkel~ und das Bild auf der
Netzhaut (_retina_) liegt zwischen _b′_ und _a′_. Bringt man diesen
Gegenstand dem Auge so nahe, dass er sich in der Linie _~AB~_ befindet,
so wird das Bild _~B′A′~_ auf der Netzhaut und der Sehwinkel _~AoB~_ um
so viel mal grösser sein, als der Gegenstand näher gerückt ist.
Das deutliche Sehen eines Gegenstandes hat seine Grenzen je nach der
Entfernung desselben vom Auge. Deutlich sieht man einen Gegenstand
nur dann, wenn die von ihm ausgehenden Lichtstrahlen durch das Auge
so gebrochen werden, dass sie auf der Netzhaut wieder zur Vereinigung
gelangen (auf der Netzhaut ihren Brennpunkt finden) und daselbst
ein Bild construiren. Da das Auge wie eine biconvexe Linse wirkt,
so müsste auch nur bei einer einzigen Entfernung ein scharfes Bild
auf der Netzhaut entstehen. Wie wir aber wissen, so sieht das Auge
verschieden entfernte Gegenstände gleich genau. Hieraus folgt eine
Eigenthümlichkeit des Auges, sein Brechungsvermögen abzuändern, und
zwar nach Bedürfniss die weniger divergirenden Strahlen der entfernten
Körper und die stärker divergirenden der nahen Körper zu einem Bilde
(Brennpunkte) auf der Netzhaut zu vereinigen. Diese Eigenthümlichkeit
des Auges heisst sein ~Accommodationsvermögen~. Das Auge besitzt also
die Fähigkeit, sich der Entfernung, in welcher sich ein Gegenstand
befindet, zu accommodiren, so dass dessen Bild auf der Netzhaut zu
Stande kommt. Diese Eigenschaft hat jedoch ihre Grenzen, und jedes Auge
hat in der That nur eine ~deutliche Sehweite~, die natürlich keine
bestimmte ist, wie wir recht auffallend an kurz- und weitsichtigen
Augen beobachten. Das kurzsichtige Auge bricht die Lichtstrahlen
stärker und vereinigt daher die von einem entfernten Gegenstande
parallel oder wenig divergent kommenden Strahlen zu einem Brennpunkte,
der ~vor~ der Netzhaut liegt. Das weitsichtige Auge bricht die Strahlen
weniger stark und vereinigt die stärker divergenten Strahlen des nahen
Körpers zu einem Bilde, einem Brennpunkte, der ~hinter~ der Netzhaut
liegt. In einem wie im andern Falle entsteht kein scharfes, sondern
ein diffuses Bild. Die deutliche Sehweite eines gesunden Auges wird
verschieden angenommen. Einige nehmen sie zu 20 Centimeter, andere zu
25 Centimeter, wieder andere aber nur zu 15 Centimeter an.
Befindet sich ein kleiner Gegenstand in der deutlichen Sehweite des
Auges, so entsteht von demselben auf der Netzhaut ein scharfes Bild.
Rücken wir den Gegenstand dem Auge sehr nahe, so dass seine Strahlen
sehr divergent zum Auge gelangen, so fällt der Brennpunkt oder das Bild
hinter die Netzhaut. Das Accommodationsvermögen des Auges hat hier also
seine Grenze und vermag nicht das Bild auf der Netzhaut zu Stande zu
bringen.
Diesem Umstande begegnet man auf künstliche Weise und man erzeugt
dennoch ein scharfes Netzhautbild, wenn zwischen Gegenstand und
Auge eine Sammellinse gestellt wird, durch welche die Strahlen des
Gegenstandes weniger divergent das Auge treffen. Dann entsteht auf der
Netzhaut zwar ein kleineres Bild, als das diffuse war, aber es ist um
so reiner, schärfer und daher deutlicher.
[Illustration: Fig. 6.]
Wenn der Pfeil _~AB~_ ein kleiner Gegenstand ist vor der Linse _L_,
so werden die Strahlen beim Austritt aus der Linse gebrochen weniger
divergent das Auge treffen und gleichsam von dem entfernteren Pfeile
_~a′b′~_ herzukommen scheinen. Entspricht die Entfernung dieses Pfeiles
der mittleren Sehweite des Auges, so werden sich die Strahlen auf der
Netzhaut zu einem bestimmten klaren Bilde vereinigen. Der Gegenstand
_~AB~_ scheint also gleichsam in eine grössere Entfernung versetzt
zu sein, und der Sehwinkel _~aob~_ ist ein grösserer geworden. Daher
scheint der Gegenstand vergrössert.
Sammellinsen dieser Art nennt man _~Loupen~_, wenn ihre vergrössernde
Kraft nicht über das 10- bis 20fache hinausgeht. Ist die vergrössernde
Kraft eine stärkere und wird die Sammellinse zum Gebrauch mit einem
feststehenden Gestell verbunden, so ist damit die Construction des
~einfachen Mikroskops~ gegeben.
Das einfache Mikroskop
ist nur noch ein unentbehrliches Instrument für den Naturforscher,
welches er beim Präpariren mikroskopischer Gegenstände anwendet. Das
Gestell kann verschiedene Formen haben, dennoch ist die Construction
im Wesentlichen ziemlich immer dieselbe. An einem Arm, der um ein
Stativ beweglich ist, ist ein Ring zur Aufnahme der Loupe oder Linse.
In Stelle der einfachen Linse kann man auch die gering vergrössernden
Linsensysteme eines zusammengesetzten Mikroskops verwenden. An dem
Stativ, welches auf einem Holzklotz feststeht, befindet sich unter der
Linse eine Platte oder Tisch, welcher durch eine Schraube (Triebwerk)
höher und niedriger gestellt werden kann. Senkrecht unter der Linse ist
in diesem Tische ein Loch und unter dem Tische ein beweglicher Spiegel.
An dem _Zeiss_’schen Instrument hat der Holzklotz zwei Wangen, zwischen
welchen das Stativ steht und auf welche der präparirende Mikroskopiker
die Hände stützt. Die bekanntesten einfachen Mikroskope sind die von
_Chevalier_, _Nachet_, _Pritchard_, _Plössl_, _Körner_, das anatomische
Mikroskop von _Lebaillif_. Das bei uns am meisten gehaltene ist das
_Zeiss_’sche.
Das einfache Mikroskop kann zu einer stärkeren als 40fachen
Vergrösserung kaum verwendet werden. Beim Gebrauch ist es für das
Auge wegen des kleinen Gesichtsfeldes, der verminderten Helligkeit
und des kurzen Abstandes der Linse vom Untersuchungsobjekt äusserst
anstrengend. Seit der grossen Vervollkommnung des zusammengesetzten
Mikroskops ist das einfache fast ganz ausser Gebrauch gekommen und
wird es eben, wie schon bemerkt ist, nur noch als Präparirinstrument
angewendet.
Bei den sogenannten ~Spiegelmikroskopen~ oder ~katoptrischen~
Mikroskopen wird die Vergrösserung durch Hohlspiegel bewirkt. Diese
Mikroskope sind gegenüber jenen ~dioptrischen~, bei welchen die
Vergrösserung durch Glaslinsen geschieht, für jetzt noch theure
Instrumente.
Das zusammengesetzte Mikroskop.
Wenn man der Linse des einfachen Mikroskops ein innen geschwärztes
Rohr aufsetzt, so entsteht im Innern des Rohres von einem nahe dem
Brennpunkte der Linse befindlichen Gegenstande ein Bild und zwar
vergrössert und umgekehrt. Wird nun dem Rohre eine Sammellinse (Ocular)
aufgesetzt, durch welche man dieses Luftbild abermals vergrössert sehen
kann, so ist damit die Construction des zusammengesetzten Mikroskops
gegeben. Durch das einfache Mikroskop oder die Loupe betrachten wir
also den Gegenstand selbst, durch das zusammengesetzte dioptrische
Mikroskop sehen wir aber das vergrösserte (und umgekehrte) Bild des
Gegenstandes.
Es sei _~ab~_ der Durchmesser des Gegenstandes, welcher unterhalb der
Brennweite, aber doch nahe am Brennpunkte der Linse _l_ liegt. Es
werden dann alle von _a_ ausgehenden Strahlen in _A_, und alle von _b_
ausgehenden in _B_, überhaupt alle Strahlen des Gegenstandes _~ab~_
durch die Linse _l_ so gebrochen, dass sie in der Ebene _~AB~_ sich
durchschneiden oder vereinigen und hier ein umgekehrtes vergrössertes
Luftbild von dem Gegenstande erzeugen, welches wir durch die Linse _L_
wiederum so vergrössert sehen, als läge es in der mittleren Sehweite
_w′_. Die Strahlen, welche durch die Linse _L_ gehen, erlangen nämlich
den Grad der Divergenz, den die Strahlen eines in _~b″a″~_ liegenden
Gegenstandes haben würden. Wie aus der Figur 7 hervorgeht, kann nur
der Abschnitt des Bildes, welcher zwischen _~b′a′~_ liegt, übersehen
werden, denn die Strahlen von _~bB~_ und _~aA~_ gehen an den Rändern
der Linse _L_ vorbei.
[Illustration: Fig. 7.]
Fig. 8 stellt den Längsdurchschnitt eines zusammengesetzten Mikroskops
vor. _~ob~_ ist die ~Linse~ oder das $Objectiv$, hier ein aus zwei
Linsen zusammengesetztes Linsensystem, an den unteren Rand des inwendig
geschwärzten Rohres _r_ angeschraubt. _o_ ist das Ocular in Form eines
kurzen Cylinders, eingeschoben in das Rohr _r_. Die mit dem Ocular
verbundene Sammellinse _c_ möge vorläufig ausser Betracht bleiben. Der
kleine Pfeil vertritt den Untersuchungsgegenstand oder das ~Object~ und
liegt auf einem Glasstreifen, dem ~Objectglase~. Wird der Gegenstand
mit einer dünnen Glasplatte bedeckt, so ist diese das ~Deckglas~.
Das Objectglas hat eine Platte oder einen Tisch _t_ zur Unterlage,
~Objecttisch~ genannt, welcher senkrecht unter dem Objective ein Loch
hat. Das Objectglas liegt so auf diesem Tische, dass sich das Object
gerade über dem Loche befindet. _s_ ist ein hohlgeschliffener Spiegel,
dem beim Gebrauch des Mikroskops eine solche Stellung gegeben wird,
dass sein Brennpunkt über dem Objecte zu liegen kommt, oder mit anderen
Worten, dass sich die von ihm zurückgeworfenen Lichtstrahlen über dem
Objecte durchschneiden. Dadurch wird das Object beleuchtet, natürlich
wenn dieses durchsichtig ist oder doch einen gewissen Grad von
Durchsichtigkeit hat. Undurchsichtige Objecte werden durch besondere
Vorrichtungen von Oben, z. B. durch einen _Lieberkühn_’schen Spiegel
oder durch Linsen, beleuchtet.
[Illustration: Fig. 8.
$Ein zusammengesetztes Mikroskop im Durchschnitt.$]
Diese wesentlichen Theile eines Mikroskops sind mit einer Säule mit
Fuss in der Art verbunden, dass das Rohr oder der Tubus _r_ in einer
sich ihm dicht anschliessenden (federnden) Metallhülse gehalten wird,
dass der Tisch _t_ mit dem Objecte dem Objective _~ob~_ beliebig
genähert und der Spiegel _s_ in Lagen gebracht werden kann, in welchen
er das Object beleuchtet. Letzteres wird in der Weise ausgeführt, dass
man in das Ocular schauend den Spiegel gegen das Fenster oder ein
Licht gekehrt so lange wendet, bis sich dem Auge ein helles Lichtfeld
darbietet.
Das Objectiv und das Untersuchungsobject müssen je nach Erforderniss
der optischen Verhältnisse des Auges und des Objectivs einander
genähert oder von einander entfernt werden können. Jedes
zusammengesetzte Mikroskop hat hierzu eigene Vorrichtungen,
~Einstellungsvorrichtungen~. Man unterscheidet eine ~grobe~ und eine
~feine Einstellung~. Die grobe besteht in Verschiebung und zwar darin,
dass der Tubus _r_ in der Hülse, die ihn hält, aus freier Hand auf-
und abwärts geschoben wird. Man stellt hiernach das Object grob ein,
wenn man den Tubus _r_ in der Hülse langsam so lange abwärts schiebt,
bis das Auge von dem Objecte, welches über dem Tischloche liegt und
von dem Spiegel beleuchtet ist, ein undeutliches Bild gewinnt. Hierauf
folgt die feine Einstellung des Objectes, d. h. der Objecttisch wird
um unbedeutende Distanzen dem Objective oder das Objectiv dem Objecte
näher gerückt oder von demselben entfernt, bis das Auge ein scharfes
Bild des Objectes erblickt.
Diese letzteren Bewegungen geschehen vermittelst eines
Schraubengetriebes, ~Mikrometerschraube~ genannt, welches entweder
den Tisch unverändert in seiner horizontalen Lage hebt und senkt, oder
der Tisch besteht aus zwei übereinander liegenden Platten, welche
beide an der einen Kante durch eine angenietete Leiste fest mit
einander verbunden sind, die obere Platte kann aber durch ein auf der
entgegengesetzten Kante der Nietung befindliches Schraubengetriebe
gehoben und gesenkt werden; oder endlich der Objecttisch sitzt
beweglich wie eine Klappe an der Säule des Stativs und ist unterwärts
mit einer Hervorragung versehen, gegen welche ein Schraubengetriebe
stösst, so dass durch letzteres der Tisch gehoben werden kann. In den
beiden letzteren Fällen wird der Tisch in eine schiefe Ebene verlegt,
was sich allerdings für den vorliegenden Zweck theoretisch nicht
vertheidigen lässt, in der Praxis aber völlig genügt.
Bei den grösseren Mikroskopen geschieht die grobe Einstellung in der
Regel durch Zahn und Trieb, wodurch der Tubus sammt seiner Hülse
auf- und abwärts geschoben werden kann, die feinere aber in vorher
angegebener Weise, oder es befindet sich ein Schlitten am Tubus,
welcher durch eine Mikrometerschraube und Feder gehoben und gesenkt
wird. Ueberhaupt soll sich an jedem besseren Mikroskope unter allen
Umständen eine feinere Einstellungsvorrichtung befinden. Bei den
kleineren und billigeren Instrumenten ist man gewöhnlich nur auf eine
grobe Einstellung angewiesen.
Wie bereits gesagt ist, entsteht das zusammengesetzte Mikroskop aus
dem einfachen Mikroskop, wenn man dem Objectiv oder dem Linsensystem
(einem aus 2 oder 3 Linsen combinirten Objectiv) einen Tubus mit
Ocular aufsetzt. Diese Zusammensetzung bietet jedoch so viele
Unvollkommenheiten und Mängel, dass sie Verbesserungen erfordert, um
brauchbar zu sein. Die beiden hauptsächlichsten Unvollkommenheiten sind
die ~sphärische~ und ~chromatische Aberration~.
Unter $Oeffnungswinkel$ oder ~Oeffnung~ einer Linse versteht man
den Winkel, welcher sich aus ihrem Brennpunkte mit den beiden Enden
des Linsendurchmessers ergiebt. _~xrv~_ ist der Oeffnungswinkel. So
lange der Oeffnungswinkel der Linse klein ist, gelangen die Rand- und
Centralstrahlen in einem Punkte zur Vereinigung. Ist er aber grösser,
so vereinigen sich die um und durch das Centrum der Linse gehenden
Lichtstrahlen (_c_, _e_, _d_) in dem Brennpunkte _R_, während die am
Rande durchgehenden Strahlen eine stärkere Brechung erfahren und schon
in _r_ ihren Brennpunkt erreichen. In Folge dieser stärkeren Abweichung
der Randstrahlen und der ~sphärischen Aberration~ (Abweichung der
Strahlen wegen Kugelgestalt der Linse) sehen wir das Bild eines
Körpers, welches mit der Linse aufgefangen wird, in _R_, aber nicht
deutlich und scharf, sondern von einem durch die Randstrahlen der Linse
erzeugten Bilde undeutlich umschimmert. Bringt man die Randstrahlen
durch eine Blendung, z. B. durch einen Blechring _B_ in Wegfall, so
wird das Bild in _R_ deutlich. Eine solche ringförmige Blendung zur
Beseitigung der Randstrahlen finden wir jetzt in den Mikroskopen immer
und zwar im Ocular angebracht, wie in Fig. 8 mit _~bb~_ angedeutet ist.
Zuweilen findet man ausserdem noch in dem Tubus eine ähnliche Blendung.
[Illustration: Fig. 9.
$Sphärische Aberration.$]
Ein Strahl des weissen Lichtes wird beim Durchgang durch eine
Sammellinse nicht als Ganzes gebrochen, sondern in verschiedene
farbige Strahlen zerlegt, welche eine verschiedene Ablenkung in
der Richtung der Brechungsebene erleiden. Der violette Strahl _i_
(Fig. 10) wird stärker gebrochen als der rothe _k_. (Zwischen _i_
und _k_ liegen die übrigen farbigen Strahlen des Spectrums.) Daher
erscheint der Gegenstand nicht nur nicht scharf begrenzt, sondern
auch farbig umsäumt. Diesen Uebelstand der ~chromatischen Aberration~
zu beseitigen, gebraucht man ~achromatische~ Linsen, d. h. solche,
bei welchen die verschiedenen farbigen Strahlen in nur einem
Brennpunkte zusammenfallen. Man combinirt dergleichen Linsen aus
verschiedenem Material, wie z. B. aus Kron- (Crown-) und Flintglas,
weil bei verschiedenen strahlenbrechenden Medien Brechungsvermögen
und Farbenzerstreuung einander nicht parallel gehen und Linsen aus
zwei verschiedenen Medien sich in der Art combiniren lassen, dass die
rothen und violetten Strahlen genau im mittleren Brennpunkte der Linse
zusammenfallen. In der nachstehenden Fig. 11 ist eine Sammellinse (_s_)
mit einer Zerstreuungslinse (_z_) verbunden. _s_ ist das Kronglas, _z_
das Flintglas, beide zusammengekittet durch Canadabalsam. Eine solche
engere Combination zweier Linsen wird ~Doppellinse~ genannt. Sie kann
nicht nur fast achromatisch gemacht werden, sie erlaubt auch, wenn
sie aus einer Sammellinse und einer Zerstreuungslinse zusammengesetzt
wird, die sphärische Aberration abzuschwächen. Die Linsen in den
Objectiven sind immer bei guten Mikroskopen in der Art combinirt, dass
die Aberration der einen Linse zu der Correction der entgegengesetzten
Aberration der anderen Linse dient. Ein vollständiger Achromatismus
der Linsen ist übrigens nicht zu erreichen. Ist die Vereinigung der
rothen und violetten Strahlen in einem Brennpunkte erzielt, so ist
dies nicht der Fall für die anderen farbigen Strahlen, welche zwischen
jenen liegen. Daher erhält man bei achromatischen Doppellinsen Bilder,
an deren Rändern Spuren der mittleren Farben sichtbar sind und welche
einen grünlichgelben Ton haben. Weil diese Farbe dem Auge weniger
angenehm ist, als lichtblau, so giebt man in den Objectivlinsen der
Flintglaslinse ein geringes Uebergewicht, wodurch der Rand des Bildes
von einem zarten hellblauen Saume umfasst wird. Eine solche Doppellinse
nennt man ~überverbesserte~, dagegen heisst diejenige, welche Bilder
mit einem röthlichen Saume giebt, ~unterverbesserte~.
[Illustration: Fig. 10. $Chromatische Aberration.$]
[Illustration: Fig. 11.
$Doppellinse.$]
Eine Doppellinse, bei welcher im möglichst erreichbaren Grade die
sphärische und chromatische Aberration aufgehoben ist, heisst eine
~aplanatische~.
Es sind zwei Methoden in der Combination der Objectivlinsen
gebräuchlich. Nach der älteren sind die einzelnen Doppellinsen mit 1,
2, 3, 4 etc. numerirt, und sie werden so auf einander geschraubt, dass
1 und 2, 1 und 2 und 3, 2 und 3 und 4 etc. Linsensysteme bilden. Jetzt
verbinden die Optiker die Linsen zu fest zusammenhängenden Systemen, in
welchen die Linse mit der kleinsten Oeffnung zu unterst, die anderen
Linsen je nach der Zunahme ihrer Durchmesser darüber folgen. Durch
diese letztere Zusammensetzung der Linsensysteme und durch Verwendung
aplanatischer Linsen erreichen unsere jetzigen Mikroskope jene
~penetrirende~ oder ~resolvirende~ Kraft genannte Eigenschaft, durch
welche bei möglichst grossem Oeffnungswinkel die feinsten Details,
wie Strichelchen und Pünktchen, sehr minutiöser Objecte, wahrnehmbar
werden, z. B. die Längs- und Querstreifen auf den Schuppen der
Schmetterlinge.
[Illustration: Fig. 12.
$Wirkung der Collectivlinse.$]
Ist nun das zusammengesetzte Mikroskop schon durch achromatische Linsen
und durch Blendung bedeutend verbessert, so ist dennoch das Gesichts-
oder Sehfeld (die mit dem Ocular zu übersehende Fläche) zu klein und
zu dunkel, und das Bild zeigt sich dem Auge in einer krummen Fläche.
Zur Beseitigung dieser Uebelstände ist dem Ocular eine zweite Linse,
~Collectivlinse~ oder $Collectiv$ genannt, in einer solchen Entfernung
von der Ocularlinse angefügt, dass das Bild des Objects zwischen
dem Ocular und dieser anderen Linse entsteht. Das Collectiv bietet
nun folgende Vortheile. Zunächst bricht es die von dem Objecte her
gelangenden Strahlen nach der Axe zu, und das Bild des Objects, welches
ohne Collectiv in _~c′a′b′~_ entworfen werden würde und zu ausgedehnt
wäre, um durch das Ocularglas _o_ übersehen zu werden, erscheint nun
in _~c″a″b″~_. Das Object liegt daher in dem Sehfelde, es wird ganz
gesehen, und nicht nur ein Theil desselben, wie bei Abwesenheit des
Collectivs. Ferner vermehrt das Collectiv die Helligkeit des Bildes,
denn die Strahlen von der Ausdehnung _~c′a′b′~_ erleuchten jetzt den
kleineren Raum _~c″a″b″~_. Endlich bewirkt das Collectiv ein ebenes
Sehfeld, indem sich das Bild _~c″a″b″~_ in entgegengesetzter Krümmung
von dem Bilde _~c′a′b′~_ zeigt, und die Krümmungen des Oculars und des
Collectivs damit in ein gewisses Verhältniss gesetzt werden können.
Dieser und noch einiger anderen optischen Vortheile halber fehlt jetzt
das Collectiv in keinem der zusammengesetzten Mikroskope, nicht einmal
in den schlechteren.
[Illustration: Fig. 13.
$Längendurchschnitt eines Linsensystems oder Objectivs.$]
Das $Objectiv$ besteht aus einer Linse oder aus mehreren einfachen
oder Doppellinsen. Je kürzer die Brennweite des Objectivs ist oder je
näher der Brennpunkt desselben liegt, um so stärker vergrössert es.
Da es nun schwierig ist, eine Doppellinse mit sehr kurzer Brennweite
herzustellen, man aber denselben Zweck durch Combination mehrerer
Doppellinsen mit längerer Brennweite erreicht, andererseits mit dieser
Linsencombination ein grösserer, die Helligkeit des Bildes vermehrender
Oeffnungswinkel gewonnen wird und endlich auch damit die sphärische und
chromatische Aberration geschwächt werden kann, so sind an den neueren
Mikroskopen die Objective durch Linsensysteme, d. h. durch Combination
von 2 oder 3 aplanatischen Linsen vertreten. In einem solchen
Linsensystem (Objectivsystem), gewöhnlich in einen kleinen messingenen
Tubus gefasst, befindet sich die kleinste und stärkste Linse zuunterst,
die grössere und schwächere oberhalb. Die flachen Seiten der Linse
sind dem Objecte zugekehrt.
Während man jetzt den Objectiven aus mehreren Linsen in fester
Verbindung, d. i. den Linsensystemen, den Vorzug giebt, bestand früher
das Objectiv aus mehreren einzelnen Doppellinsen, jede in besonderer
Fassung und mit Schraubenwindung versehen, so dass eine Linse der
anderen durch Schraubung aufgesetzt wurde und man die Systeme selbst
zusammensetzte. Diese einzelnen Linsen sind, wie weiter oben schon
erwähnt ist, mit 1, 2, 3 etc. bezeichnet und nach einem Schema wird 1
mit 2, 1 mit 2 und 3 etc. zu Systemen für verschiedene Vergrösserungen
verbunden. Nicht selten findet man beide Einrichtungen, Linsensystem
und einzelne Linsen, bei einem und demselben Mikroskop angewendet. An
einigen älteren Mikroskopen findet man weniger vortheilhaft nur ein
System und die verschiedenen Vergrösserungen werden durch zwei und
mehrere Oculare bewirkt.
Uebersehen darf man nicht, dass die Helligkeit des Sehfeldes mit
der Zunahme der Vergrösserung abnimmt, denn die Objectivlinse lässt
um so mehr Licht hindurch, je grösser ihre Oberfläche oder ihre
Oeffnung (Oeffnungswinkel) ist. Die Objectivlinsen der stärkeren
Vergrösserungen, die gemeiniglich einen geringen Durchmesser
haben, können auch nur wenig Licht empfangen. Ferner muss dieselbe
Lichtquantität, welche zur Erleuchtung des kleineren Bildes genügt, für
das vielfach grössere Bild ausreichen. Es ist immer ein Vortheil für
das Mikroskop, wenn dessen Objective bei guter Leistung eine möglichst
grosse Oeffnung haben.
Ein sehr wichtiger Punkt in der Zusammensetzung des Mikroskops
ist die genaue ~Centrirung~ der einzelnen Linsen, wie auch aller
Linsen unter sich, d. h. die optische Axe muss genau durch die Mitte
beider Oberflächen einer Linse gehen und die Axen aller Linsen
eines Mikroskops müssen in einer einzigen geraden Linie (Fig. 8
_~xx~_) liegen. Sind die Linsen eines Mikroskops nicht möglichst
genau centrirt, so wird es nicht nur kein scharfes Bild, es wird
auch ein mehr oder weniger verzerrtes Bild geben. Das Centriren
ist eine der schwierigsten Arbeiten des Optikers und daher bei den
billigen, sogenannten Dutzendmikroskopen gewöhnlich mit der wenigsten
Sorgfalt ausgeführt. Die genügende Centrirung prüft man, indem man
das Mikroskoprohr um seine Axe dreht. Bei richtiger Centrirung muss
hierbei das Bild in der Mitte des Sehfeldes stehen bleiben. Im andern
Falle beschreibt es einen excentrischen Kreis, welcher bei starken
Vergrösserungen ausserhalb des Sehfeldes tritt. Eine vollkommene
Centrirung hängt meist vom Zufalle ab, und man muss sich begnügen, wenn
sie das Prädicat ~ziemlich~ verdient.
[Illustration: Fig. 14.
$Durchschnitt eines negativen oder Huyghens’schen Oculars.$]
Das $Ocular$. Durch diesen Theil des Mikroskops erfahren die
divergenten Strahlen des Objectivbildes eine solche Lenkung, dass sie
sämmtlich durch die Pupille des beobachtenden Auges aufgefangen werden.
Fig. 14 (und Fig. 8 _o_) ist das gebräuchlichste Ocular, das sogen.
~negative~ oder _Huyghens_’sche (spr. heugens) oder _Campani_’sche. Es
besteht aus einem innen geschwärzten Metallrohr, welchem am oberen Ende
die Ocularlinse _a_ eingesetzt oder in ihrer Fassung aufgeschraubt,
und welchem am unteren Ende die Collectivlinse _c_ angeschraubt ist.
Gewöhnlich nennt man die Verbindung von Ocularlinse und Collectivlinse
~Ocular~. Die Collectivlinse hat, wie weiter oben erklärt ist, den
Zweck, das Zustandekommen des Bildes innerhalb der Brennweite der
Ocularlinse zu bewirken, und durch die Ocularlinse betrachtet man das
Bild wie mit einer Loupe.
Die ebene Fläche der Ocularlinse ist dem Auge zugekehrt, so auch
die der Collectivlinse. Durch diese Anordnung unterscheidet sich
das _Huyghens_’sche von dem _Ramsden_’schen (spr. rämmssd’n) oder
~positiven~, bei welchem die convexen Flächen beider Linsen einander
zugekehrt sind und beide Linsen gegenseitig näher liegen. Hier
erscheint das Bild nicht zwischen Ocular und Collectiv, sondern
unterhalb des letzteren, also zwischen Collectiv und Objectiv. Das
_Ramsden_’sche Ocular bietet ein grösseres Gesichtsfeld, und da es
auch eine vollkommenere Ebnung dieses letzteren gestattet, so ist es
besonders für den Gebrauch der Ocularmikrometer geeignet.
Den besseren Mikroskopen sind zwei und mehrere negative Oculare
von verschieden vergrössernder Kraft beigegeben. Die schwächer
vergrössernde Ocularlinse hat ein längeres Ocularrohr als die stärker
vergrössernde. Die zu einem Mikroskope gehörenden Oculare sind mit
Buchstaben oder mit römischen Zahlen bezeichnet.
Zu erwähnen ist das _Kellner_’sche ~orthoskopische~ Ocular, an welchem
das Collectiv aus zwei mit einander verbundenen Linsen besteht und
die Ocularlinse stärker (8- bis 12mal) vergrössernd ist. Der Zweck
dieses Oculars ist, das Bild des Objects in seiner natürlichen Lage
zu entwerfen, denn mit den negativen Ocularen erhält man stets das
Bild umgekehrt und man muss das Object bei der Musterung stets nach
der entgegengesetzten Richtung schieben. Einen wesentlichen optischen
Nutzen scheint das orthoskopische Ocular nicht zu gewähren, jedoch
behaupten Einige, dass es eine sehr ebene Bildfläche liefere, also eine
sehr gleichmässige Vergrösserung gebe. Im Uebrigen ist man von der
Verbindung starker Oculare mit schwachen Objectiven ganz abgekommen.
Die stärkeren Oculare lassen zwar das Bild grösser erscheinen, doch
sehr auf Kosten der Deutlichkeit und Schärfe. Sehr stark vergrössernde
Oculare sind zu einem Mikroskop häufig sogar eine ganz werthlose Zugabe.
Man hat auch ~knieförmige Oculare~, und zwar zur Bequemlichkeit für den
Zeichner, welcher durch ein solches Ocular horizontal in das Mikroskop
sehen kann.
Die Linsensysteme oder Objective sind, wie bemerkt ist, mit arabischen
Ziffern, die Oculare mit Buchstaben oder römischen Zahlen bezeichnet
und unterschieden. Die verschiedenen Vergrösserungen entstehen nun
durch Combination der Oculare und Objective. Ocular II. giebt z. B.
mit Linsensystem 4 eine 350fache Vergrösserung, dagegen Ocular I. mit
dem stark vergrössernden System 4 eine nur 280fache Vergrösserung. Ein
übersichtliches Schema der Combination nebst den damit erreichbaren
Vergrösserungen findet man den Mikroskopen beigelegt. Z. B.
++=========++======================++
|| || Oculare ||
|| Systeme ++----------+-----------++
|| || I. | II. ||
++---------++----------+-----------++
|| 1 || 20 | 25 ||
++---------++----------+-----------++
|| 4 u. 2 || 40 | 50 ||
++---------++----------+-----------++
|| 4 || 180 | 225 ||
|| || 280 | 350 ||
++=========++==========+===========++
Man unterscheidet eine ~Linear-~ und eine ~Flächenvergrösserung~.
Die lineare Vergrösserung bezieht sich auf das Maass der Länge
oder der Breite des Objects. Eine 10fache Linearvergrösserung
eines Körpers, dessen natürliche Länge = 1 Millimeter ist, wird
denselben 1 Centimeter (0,001 × 10 = 0,010) lang erscheinen lassen,
seine Flächenvergrösserung ist in diesem Falle eine 100fache
(10 × 10 = 100). Die Flächenvergrösserung ergiebt sich durch
Multiplikation der Zahl der linearen Vergrösserung mit sich selbst.
Eine 30fache Linearvergrösserung z. B. ist gleich einer 900fachen
Flächenvergrösserung.
Einige Optiker pflegen nur die Flächenvergrösserung anzugeben, weil
dieselbe in grösseren Zahlen lautet und grosse Zahlen imponiren. Unter
„~Vergrösserung~“, ohne nähere Bezeichnung ihrer Art, versteht man
immer nur eine Flächenvergrösserung.
Will man mit dem Mikroskope, zu welchem obiges Schema gehört, eine
350fache Linearvergrösserung bewirken, so würde man das Objectiv oder
System 4 mit dem Ocular II. verbinden müssen.
Hier auf diesem Schema finden sich ausnahmsweise über den grösseren
Zahlen des Vergrösserungsmaasses auch kleine Zahlen verzeichnet. Die
grossen Zahlen beziehen sich auf den völlig ausgezogenen Tubus, die
kleineren Zahlen dagegen geben das Vergrösserungsmaass des völlig
zusammengeschobenen Tubus an, wenn nämlich der Tubus des Instruments
eine solche Einrichtung hat.
Die Länge des Tubus, des Rohres (_r_, Fig. 8), welches das Objectiv mit
dem Ocular verbindet, ist von Einfluss auf das Vergrösserungsmaass.
Deshalb construiren einige Optiker die Röhren der besseren Mikroskope
aus zwei Theilen, die wie beim Fernrohr in einander geschoben werden,
so dass sich der Tubus beliebig verlängern und verkürzen lässt. Wenn
man das Ocular vom Objective entfernt, man also den Tubus verlängert,
so wächst die vergrössernde Kraft im gleichen Verhältnisse. Die
Einrichtung gewährt viele Vortheile. Da zu einem Mikroskope mehrere
Oculare und Objective gehören, und für alle Combinationen derselben die
Tubuslänge in wenigen Fällen die völlig optisch richtige sein wird, so
ist in der beliebigen und dem Auge zupassenden Tubusverlängerung ein
Mittel gegeben, die vergrössernde Kraft des Instrumentes zu vermehren,
jedoch aber nicht die Schärfe des Bildes. Im anderen Falle wird durch
Verkürzung des Tubus die Vergrösserung gemindert und die Schärfe
des Bildes vermehrt. Ferner lässt sich durch eine entsprechende
Verlängerung des Tubus die Vergrösserung selbst auf eine bestimmte
Zahl bringen. Es ist also in mancher Beziehung ein Vorzug, wenn an dem
Mikroskop eine solche Einrichtung vorhanden ist. Im Uebrigen übersehe
man nicht, dass das Vergrösserungsmaass eines Mikroskops nie an eine
bestimmte Zahl gebunden sein kann, weil diese erstens von der Sehweite
des betrachtenden Auges und zweitens von dem Accommodationsvermögen
desselben gewissermaassen abhängig ist. Dem kurzsichtigen Auge wird
z. B. das Objectivbild stets kleiner erscheinen als dem weitsichtigen.
Die $Beleuchtung$ der Untersuchungsobjecte ist ein sehr wesentlicher
Theil der mikroskopischen Technik.
[Illustration: Fig. 15.
$Beleuchtungslinse.$]
An den grösseren Mikroskopen findet man eine Beleuchtungslinse
oder eine Vorrichtung, mit welcher man das Object, wenn es nicht
durchsichtig ist, auch von oben beleuchten kann. Fehlt die
Beleuchtungslinse an dem Mikroskope, so kann man sie durch ein
gewöhnliches sogenanntes Brennglas, _a_ Fig. 15, (eine schwach
biconvexe Linse) ersetzen, welche man an irgend einem Stativ (_c_)
befestigt zwischen Mikroskop und das Licht setzt. Gewöhnlich geschieht
die Beleuchtung des mehr oder weniger durchsichtigen Objectes
mittelst durchfallenden Lichtes, welches von dem concav geschliffenen
Spiegel _s_ Fig. 8 durch das Loch des Objecttisches geworfen wird.
Bei grösseren Mikroskopen ist der Spiegel auf der einen Seite concav,
auf der anderen eben. Die schwächere Beleuchtung mittelst des ebenen
Spiegels wendet man entweder nur bei den geringen Vergrösserungen oder
bei sehr grellem Lichte an.
[Illustration: Fig. 16.]
Der concave Spiegel oder Hohlspiegel kommt bei den stärkeren
Vergrösserungen in Anwendung. Er bewirkt eine stärkere Beleuchtung,
indem er die auf seine concave Fläche fallenden Lichtstrahlen in
einem Punkte (seinem Brennpunkte) vereinigt. Die Lichtstrahlen
_a b c d e f g h i_, welche ihn senkrecht treffen, muss er nothwendig
in der Richtung zurückwerfen, dass sie sich in _K_ durchschneiden.
In _K_ erlangt das Licht die Intensität, welche gleich der Summe der
Lichtstrahlen _a_ bis _i_ ist.
Eine verschiedene und zugleich sorgsame Beleuchtung des Objectes
ist ein wichtiger Stützpunkt der Beobachtung. Sehr zarte Objecte
erfordern, um ihre Umrisse klar und scharf im Bilde zu erlangen, eine
geschwächte Beleuchtung, andere Objecte eine stärkere. Um nun einen
Theil der Lichtstrahlen beliebig abschneiden zu können, finden sich an
guten Mikroskopen ~Blendungen~ oder ~Diaphragmen~. An den kleineren
Mikroskopen findet man die ~Drehscheibe~ oder ~Blendscheibe~, an
grösseren die ~Cylinderblende~ als Blendvorrichtung.
Die $Drehscheibe$ (Fig. 17) ist mittelst eines Knopfes (_k_) dicht
unterhalb des Objecttisches befestigt und hat mehrere Oeffnungen, von
denen die grösste der Weite des Loches im Objecttische entspricht, die
anderen aber das Licht mehr oder weniger abschneiden, je nachdem man
die Scheibe dreht und die eine oder die andere kleinere Oeffnung unter
das Loch des Tisches schiebt.
[Illustration: Fig. 17.
$Drehscheibe.$]
Die $Cylinderblenden$ sind kurze offene Röhren, auf deren oberes
Ende man eine runde Scheibe mit einem Loche von verschiedener Weite
aufsetzt. Eine solche Röhre (Fig. 18) mit aufgesetzter Blendscheibe
wird in das Loch des Objecttisches entweder unmittelbar eingesetzt
oder durch eine geeignete Leistenfugung (Schlitten Fig. 19) unterhalb
des Objecttisches unter das Loch geschoben und dann durch einfaches
Verschieben darin hoch oder niedrig gestellt, je nachdem man bei
mässigem oder starkem Lichte arbeitet.
[Illustration: Fig. 18.
$Cylinderblende.$]
Die kleinen Oeffnungen der Blendungen kommen nur bei starker
Vergrösserung und sehr zarten Objecten in Gebrauch.
[Illustration: Fig. 19.
$A. Objecttisch$
mit eingesetzter Cylinderblendung von unten gesehen.]
[Illustration: Fig. 20.
$B. Objecttisch$
mit eingesetzter Cylinderblendung im Höhendurchschnitt.
_aa_ Falze für den Schlitten, _b_ Schlitten, _c_ Hülse am Schlitten,
_d_ Cylinder, _e_ Blende.]
Für sehr starke Vergrösserungen benutzt man den $Condensor$ als
Lichtverstärkungsapparat. Derselbe ist eine Blendvorrichtung,
construirt aus einer oder mehreren achromatischen Linsen. Der Condensor
wird in das Loch des Objecttisches gesetzt und das Abschneiden der
Lichtstrahlen am Rande oder im Centrum durch eine Drehscheibe bewirkt.
Ein einfacher Condensor (Fig. 21) besteht aus einer planconvexen
Linse, in das Rohr einer gewöhnlichen Cylinderblendung eingesetzt. Das
Abschneiden der Rand- oder auch der Axenstrahlen geschieht gewöhnlich
in der Weise, dass man die Linse mit einem schwarzen Ringe (Fig. 21)
bedeckt, damit nur das Centrum derselben den Durchgang des Lichtes
gestatte, oder dass man zur Erlangung einer schiefen Beleuchtung das
Centrum der Linse mit einer schwarzen Scheibe bedeckt, um den Rand der
Linse für den Lichtdurchgang frei zu lassen.
[Illustration: Fig. 21.
$Einfacher Condensor.$]
Die Beleuchtung des Untersuchungsobjectes ist entweder eine
~centrische~ oder eine ~schiefe~. Erstere ist die gewöhnliche an den
kleineren Mikroskopen, wo der Spiegel nur um seinen Durchmesser drehbar
ist. Die schiefe Beleuchtung bietet viele Vortheile und lässt an den
Objecten oft Details erkennen, welche bei centrischer Beleuchtung
nicht oder kaum zur Entwickelung gelangen. Es wird aber dadurch nur
ein Theil des Objectes erhellt, während der andere Theil von einem
Halbdunkel umhüllt bleibt. Dadurch treten eben die Details hervor,
welche bei centrischer Beleuchtung nicht oder nur zum Theil sichtbar
werden. Zur Erzeugung der schiefen Beleuchtung ist der Spiegel in der
Art angebracht, dass seine Stellung nach verschiedenen Richtungen hin
möglich wird. Ausser dieser Bewegbarkeit des Spiegels haben viele der
besseren Mikroskope eine Einrichtung, durch welche der Objecttisch um
seine Axe drehbar ist, damit die auf das Object fallenden schiefen
Strahlen des Spiegels das Object in jeder beliebigen Stellung treffen
können. Beim Gebrauch der schiefen Beleuchtung beseitigt man stets die
Blendvorrichtungen.
[Illustration: Fig. 22.
$Ocularmikrometer.$]