Alte Steinbrücken

Geht mir doch fort mit ~T~-Trägern und Betonkleisterei!

Baut eure Betonbrücken über Kanäle, wo sie als Kunsterzeugnis

zum Kunsterzeugnis taugen. Sooft ihr aber eine Betonbrücke über

einen Harzbach legt, möge euch das schlechte Gewissen zwacken,

ihr Gotteslästerer und Naturverschandeler! Könnt ihr euch zu einem

Bergwasser voll Leben einen betrüblicheren Gegensatz denken als solchen

langweiligen Betonbatzen?

Seht euch die Steinbrücken der Alten an.

Es schmiegt sich alles in die Umgebung hinein. Die Brücke wächst

aus dem Bach heraus. Das Steingebröckel des Flußbettes ist zu einem

Bogen gebändigt. Ist kein Stein darin frisiert und mathematisch

zurechtgestutzt. Die Vielfältigkeit des Baches lebt lustig in der

Brücke weiter. Sie ist ein Teil von ihm geworden. Es ist nichts

Fremdes, Störendes, Langweiliges in die Landschaft gekommen. Alles ist

so einfach und kunstlos, und doch sind diese Steinbrücken Kunstwerke

und Meisterstücke der Alten ...

Heute bauen sie Betonbrücken. Beton ist billiger, geht schneller und

erfüllt denselben Zweck. Zivilisation hat viel Kultur erdrosselt.

Was wissen Pfennigfuchser und Bürokraten von dem goldenen Gesetz des

Handwerks, das neben dem Zweckmäßigen das Bodenständige, Echte und

Schöne fordert!

Das Schöne ...

Du lieber Gott, schicke doch endlich deinen Geist hernieder. Gib

den Berufenen Einsicht und ein wenig Sinn für die Schönheit des

Harzheimatlandes. Laß sie die Bergbäche, -- deine lustigen Kinder!

-- nicht mit Betonklötzen verschandeln. Tue ein Wunder, und laß alle

Zementsäcke, die sie an ein Harzbächlein schleppen, steinhart und

unbrauchbar werden. Schlag alle Betonbrücken zusammen!

Die steinernen aber behüte noch tausend Jahr.

[Illustration]

Harzheimat: Das Heimatbuch eines Malers · 第 23 / 33 题