Am Osterheiligabend hat kein Bergstadtjunge Zeit, Abendbrot zu essen.
Der Geruch verbrannter Fichtenhecke und brennenden Fichtenharzes
prickelt ihm in der Nase. Das Osterfeuer wird angesteckt. Da bleibt für
unwichtige Dinge nicht Muße. Jeder hegt zudem in sich die Überzeugung,
daß ohne ihn das Osterfeuer nicht brennen und die ganze Herrlichkeit
nur halb so schön sein würde, wenn seine Fackel nicht dabei wäre. Neben
Ruscheln und Schneeschuhlaufen hat er nicht vergessen, frühzeitig genug
seine Osterfackel herzurichten. Der Vater hat das Fichtenstämmlein
aufgespalten und zersplissen, damit die Fackel ein gutes Feuer gibt.
Sie steht schon lange zum Trocknen am Herd. Sie ist auch schon beim
Bäcker gewesen. Der hat sie, nachdem Brot und Kuchen fertig waren, in
den Backofen geschoben. Nun ist sie ausgedörrt bis aufs Mark und ist
braun und schwarz geworden. Die Rinde will schon abblättern, -- hei,
wird das ein Geflacker werden!
Wenn sich auf den Wiesen die ersten dunklen Stellen zeigen, der Schnee
weggeht und die Berge scheckig werden, schleppen die Bergstadtjungens
die Fichtenhecke für ihr Osterfeuer zusammen. Unermüdlich ziehen sie
in den Bergwald und bis in die entferntesten Hauungen, ihr Bündlein
Hecke zu holen. Das »Heckeschleppen« ist für jeden Harzheimatjungen
Ehrenpflicht. Jeder hat den Ehrgeiz, seinem Ortsteil den Ruhm des
schönsten und größten Osterfeuers erringen zu helfen. So entsteht
zwischen den oberländischen und unterländischen Buben ein Wettstreit,
der friedlicher abgeht, als wenn sie mit wehenden Fahnen und Holzsäbeln
gegeneinander zu Felde ziehen und grimme Schlachten schlagen.
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Am Ostersonnabend wird die Fichtenhecke kunstvoll um den Osterbaum
getürmt. Es ist ein erwartungsfrohes Treiben auf dem Osterfeuerplatz.
Keiner denkt früher an zu Hause, bis es Zeit wird, die Fackel zu holen.
Osterfeuer im Harzheimatland!
In den Straßen des Bergstädtchens liegt die kühle Dämmerung des
Vorfrühlingsabends. Aus Eisschollen und Schneeresten und winterkalter
Erde dampft Nebel. Der Ostervollmond guckt über die Berge. Durch die
Gassen zieht ein Duft wie von tausend Weihnachtsbäumen. -- Ihr Armen
im Flachland! Und wenn ihr noch soviel Strohbündel und Teertonnen und
Pech zuhauf türmt, euer Osterfeuer wird immer ein stinkendes Räuchlein
bleiben. In den Bergen aber ist’s reine Opferflamme, in der nichts
brennt, denn das der Fichtenwald hergegeben hätte.
Braune und gelbe Rauchschwaden quellen aus dem Heckenaltar. Sie
ballen sich zu wogenden Wolken und wachsen wie eine unendliche Säule
in den Nachthimmel. Prasselnd fressen sich Flammen durch Harz und
Fichtennadeln und lecken hinauf in den Osterbaum. Feurige Lohe knattert
durch seine Äste, wirft einen Feuerschein auf Rauch und Menschen und
zerstiebt in sprühenden Funken. Mit Feuer und Rauch wird der Winter von
dannen gejagt. Das Rasen der Flammen ist Erlösungsjauchzen.
Um das Feuer her schwenken die Harzheimatkinder ihre Fackel, rufen
Fitfaat! und ziehen rauschende Flackerfeuerkreise um ihre Köpfe. Über
der Bergwiese tanzen tausend Irrlichter. Der Frühlingsnachthimmel malt
sein Schwarzblau hinter dies Bild der Frühlingsfreude, die in Großen
und Kleinen lebt und bei jedem neuen Osterfeuer neu lebendig wird.
Osterfeuer sind Freudenfeuer, mit denen die Menschen den Sieg des
Lenzes über den Winter feiern. Dem Bergmenschen aber, der die Faust des
Winters am härtesten spürt, sind sie Dankesopfer.
[Illustration]
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