Geht man von Zorik nach Westen, so kommt man nach einer halben Stunde an

den kleinen Ort Krendi und hier befinden sich zwischen Krendi und dem

Meere sehr merkwürdige Bauüberreste der Phönizier, Hedjer-Kim oder

Hedjer-Aim[24] von den Maltesern genannt. Kolossale Quadern, welche zu

diesen Bauten benutzt sind, bilden diese meist doppelten Rundtempel, die

Mauern sind gut erhalten, und selbst noch einige Altäre sieht man. Auf

vielen Steinen findet man die äussere Wand mit Sternen bedeckt, andere

zeigen Kreise, ammonsartig in sich selbst gedreht. Mehrere Gegenstände,

auch eine Inschrift, die man durch Nachgrabungen gefunden hat, befinden

sich auf dem kleinen Museum der Bibliothek, jedoch scheinen die

Ausgrabungen nur oberflächlich vorgenommen zu sein.

An anderen Sehenswürdigkeiten hat die Insel Malta noch dicht beim Marsa

Scirocco (Bucht an der Ostküste) einen Tempel, der den Namen

Hercules-Tempel führt, dann das Bosquet, ein Lustgarten der alten

Johanniterritter, zwischen Città notabile und dem Meere gelegen, beide

diese hatten wir nicht Gelegenheit zu sehen.

Da indess noch immer kein Dampfer nach Tripoli abgehen wollte, so wagten

wir es nach Gozzo zu gehen. Ich sage wagen, nicht als ob es gefährlich

sei die enge Strasse zu überfahren, sondern weil möglicherweise während

unserer Anwesenheit auf Gozzo bei der so wechselvollen Winterzeit Sturm

hätte ausbrechen können, und dann vielleicht die Communication

abgeschnitten gewesen wäre, wir also den Dampfer hätten vergessen

können.

Man fährt von Lavalletta am besten bis Marfa dem äussersten

Nordwestpunkte von Malta. Auf dem Wege dahin passirt man Musta, ein

kleiner Ort von einigen Hundert Einwohnern, die sich aber eine so

prächtige und grossartige Kirche erst vor wenigen Jahren erbaut haben,

dass jede Hauptstadt in Europa stolz darauf sein könnte; die grosse

Kuppel, das Ganze ist ein Kuppelbau, ist sicher nicht viel kleiner, als

die der St. Paulskirche, und ganz aus Steinen aufgewölbt.

In Marfa angekommen, welches 14 engl. Meilen von Lavalletta entfernt

ist, fand es sich, dass kein einziges Boot zum Ueberfahren vorhanden

war; ein alter dort stationirter Soldat wusste aber bald Rath; er

machte ein recht qualmendes Feuer und auf dies Signal hin sahen wir von

dem gegenüber liegenden Orte auf Gozzo, Mai-Djiar (Miggiar wie die

Engländer schreiben) bald ein Schiffchen absegeln, welches mit günstigem

Winde schon nach einer halben Stunde in Marfa war. Zurück nach Mai-Djiar

ging es freilich nicht so schnell, da wir Anfangs den Wind nur halb

benutzen und bei Comino und Cominetto angekommen, nur noch durch Rudern

weiter kommen konnten; indess waren wir auch nach anderthalb Stunden in

Gozzo und eine kleine Stunde später im Hauptorte Rabatte, nicht mit dem

Rabatto bei der Stadt città vecchia zu verwechseln, im Hotel Calypso

einquartirt.

Dies Hotel entsprach ganz den Erinnerungen an den Namen Calypso, für

einen so kleinen Ort wie Rabatto war es ein kleiner Zauberort und wir

konnten, es war schon Nacht geworden wie wir ankamen, es hier recht gut

bis zum andern Morgen aushalten.

Mit Tagesanbruch machten wir uns dann auf den Weg um die grösste

Sehenswürdigkeit der Malteser-Inseln, die Riesenthürme zu besuchen. Und

in der That, man fand sich keineswegs getäuscht. Aus Riesenquadern

aufgeführt, befindet man sieh vor zwei runden Tempeln, fast wie eine

Brille jeder gestaltet, doch so, dass je vor der grossen Brille noch je

zwei kleinere sich befinden. Die Aehnlichkeit dieser Bauten mit der von

Hedj-Kim und Mnaidra ist unverkennbar. Auch hier scheinen die Wandungen

inwendig mit Sternen überdeckt gewesen zu sein und mehrere

spiralförmige Zeichen sieht man noch heute. Einige Figuren, durch

Ausgrabungen gewonnen, befinden sich in Lavalletta, in einer hat man

eine Isis erkennen wollen. Didot hat eine genaue Beschreibung des

Thurmes der Riesen gegeben.

Wir waren kaum mit der Besichtigung dieser merkwürdigen Denkmäler der

Phönizier fertig, als ein Wagen vorfuhr und der Commandant von Gozzo,

ein junger englischer Offizier, dem ich Abends zuvor ein

Empfehlungsschreiben geschickt hatte, ausstieg um mich abzuholen. Erst

jedoch forderte er mich auf die Calypso-Grotte zu besehen, welche auf

dem nördlichen Theile von Gozzo sich befindet. Wir gingen auch hin, aber

nichts ist unwahrscheinlicher, als dass hier Odysseus sich in den Armen

Calypsos befunden haben soll. Das Hereinklettern in diese Höhle durch

unzählige davorliegende Felsblöcke lebensgefährlich gemacht, nahm fast

eine Viertelstunde in Anspruch, und als wir endlich darin waren, standen

wir, obgleich mit Licht versehen, von jedem weiteren Versuche ab in das

Labyrinth von halbverschütteten Gängen einzudringen.

Unser Weg führte uns nun zu Wagen rasch nach dem kleinen Fort Chambray,

welches die Rhede von Mai-Djaro beherrscht und nachdem wir mit unserm

liebenswürdigen Commandanten noch gefrühstückt hatten, setzte uns die

Barke diesmal mit günstigem Winde in einer halben Stunde nach Malta

über.

Im Hafen von St. Paul fanden wir einen Wagen, so dass wir noch selbigen

Tages, wenn auch etwas spät Lavalletta erreichen konnten und gerade an

dem Tage konnten wir das seltene Schauspiel gemessen den Aetna in seiner

feurigsten Thätigkeit zu sehen: seit 130 Jahren hatten die Malteser

ihrer Aussage nach kein solches Schauspiel erlebt.

Die grosse Bodeneinsenkung in Nordafrika.

Schon vieler Orten hat man die Beobachtung gemacht, dass gewisse

Strecken Landes niedriger als die Meeresoberfläche gelegen sind. Wer

weiss nicht, dass der See Genezareth und das noch tiefere durch den

Jordan mit ihm verbundene todte Meer, oder wie die heutigen Umwohner es

bezeichnend nennen "behar-el-Loth", tiefer gelegen ist als das nahe

Mittelmeer? Die Einsenkung des todten Meeres, welches den bedeutenden

Niveauunterschied von über 1200 Fuss zum Mittelländischen Meere hat,

fällt fast in geschichtliche Zeit, wie die jüdischen Traditionen

berichten. Wenn nun auch die Depression, welche hier beschrieben werden

soll, bei weitem nicht so tief unter das Meeresniveau sinkt, wie das

oben genannte Jordan-Thal, so ist dieselbe doch wegen ihrer grossen

Ausdehnung, einer jetzt bekannten Längenausdehnung von ca. 10

geographischen Graden, von Osten nach Westen gerechnet, dann auch, weil

dadurch zum ersten Male die Bodengestaltung eines grossen Landstriches

von Nordafrika näher festgestellt wird, wichtig genug, um eine nähere

Besprechung zu verdienen.

Falls man den schmalen Küstenstrich durchstechen und das tiefer liegende

Land dem Meere zugänglich machen wollte, würde dies eine tief

eingreifende Einwirkung auf Boden, Pflanzen und animalisches Leben

hervorrufen und es mag daher jetzt, wo bei der nahen Eröffnung des

Suezcanals ganz Nordost-Afrika in viel innigere Beziehungen zu Europa

treten wird, nicht müssig sein, diese Aegypten so nahen Gegenden näher

ins Auge zu fassen.

Was nun zuerst die Lage und Oertlichkeit der Einsenkung anbetrifft, so

finden wir dieselbe im Westen beginnend, südlich von der inselartigen

Cyrenaica, unfein vom Ufer des Mittelländischen Meeres, welches hier an

der Nordküste von Afrika eine weite Bucht bildet, die grosse Syrte

genannt. Die erste merkliche Depression wurde beim Bir-Ressam

beobachtet, der in gerader Linie vom Mittelländischen Meere nur ca. 15

deutsche Meilen entfernt ist. Hier wurde die bedeutende Tiefe von ca.

104 Meter constatirt, die bedeutendste, welche überhaupt bemerkt worden

ist. Diese zeigt sich gleichmässig noch einige Stunden nach SSO. weiter

fort. So wurde Nachts und am folgenden Morgen in Gor-n-Nus, welches

einen halben Tagemarsch süd-süd-östlich vom Bir-Ressam liegt, gleicher

Barometerstand beobachtet. Wenn angeführt worden ist, dass bei

Bir-Ressam die Einsenkung im Westen beginne, so ist das natürlich dahin

zu verstehen, dass dieselbe dort zuerst beobachtet wurde; es ist sehr

gut möglich, sogar wahrscheinlich, dass dieselbe noch weiter nach Westen

sich ausdehnt und das ganze Terrain, welches auf den Karten unter dem

Namen "Syrien-Wüste" verzeichnet steht, tiefer als das Meer liegt, von

dem es blos durch ein schmales Küstengebirge oder durch ausgeworfene

Dünen getrennt ist.--Erst das Harudj-Gebirge scheint die eigentliche

Grenze, das Ufer des afrikanischen Continents hier zu sein. Die

Syrten-Wüste ist nie von einem Europäer durchkreuzt worden, längs der

Küste d.h. von Tripolis nach Bengasi zogen nur della Cella, Beechey und

Barth.

Mehrere Tagemärsche süd-süd-östlich von Bir-Ressam stösst man auf die

ersten Oasen Audjila und Djalo, und immerfort befindet man sich unter

dem Spiegel des Meeres; erstere Oase ist ca. 52 Meter, die letztere ca.

31 Meter tiefer als das Mittelmeer gelegen. Einen Tagemarsch weiter von

Djalo nach Nordost zu, kommt man nach Uadi (ausgetrocknetes Rinnsal).

Von einem schrecklichen, mehrere Tage anhaltenden Samum überfallen, der

zu einem achttägigen Aufenthalte zwang, konnte man hier, während der

glühende, widerstandslose Orkan am heftigsten tobte, einen niedrigsten

Barometerstand beobachten. Seinen tiefsten Stand erreichte das Aneroid

mit 756 M. M. Aus 32 während der acht Tage zu verschiedenen Tageszeiten

angestellten Beobachtungen ergab sich, dass Uadi gerade auf gleicher

Höhe mit dem Meere sich befinden müsse, denn diese 32 Beobachtungen

ergaben im Mittel 762 M. M. Aber wenn man bedenkt, dass über die Hälfte

der Beobachtungen während eines widerstandslosen Oceans stattfanden, so

wird man zugeben, dass man den durchschnittlichen Barometerstand auch

hier mindestens auf 765 M. M. annehmen kann, was eine Tiefe von circa 31

Meter ergeben würde.

Von hier bis zur Oase des Jupiter Ammon sind noch zehn bis zwölf

Tagemärsche, wovon die erste Hälfte des Weges jeder Spur von Wasser

entbehrt und durch die trostloseste Wüste verläuft, welche überhaupt

existirt Die Rhartdünen, dann die Gerdobaebene zeigen dem Dahinziehenden

die grössten Feinde der Wüste: gänzlichen Wassermangel und fast immer

absolute Trockenheit der Luft. Gleich beim Eintritt der Rhartdünen lässt

man etwas links gegen vierzig zu Mumien ausgetrocknete Leichen liegen,

welche erst kürzlich in einem heftigem Samum vom Führer irregeleitet und

nachher schmachvoll verlassen wurden. Und merkwürdiger Weise hätte

dieser selbe Führer, Hammeda aus Audjila, welcher unsere Karavane von

Bengasi nach Audjila zu führen hatte, auch uns fast ins Verderben

geleitet, indem er uns durch eine Luftspiegelung getäuscht, freilich

dicht vor Audjila, vom Wege abführte. Es braucht wohl kaum gesagt zu

werden, dass derselbe sofort entlassen wurde. Die Rhartdünen und die

Gerdoba dürften eine durchschnittliche Tiefe von 10 Meter haben, doch

giebt es Dünen, die relativ bedeutend höher, aber auch eben so viele

eigenthümliche, kesselartige Einsenkungen, die 20 oder 30 Meter relativ

tiefer als die eben angegebene allgemeine Tiefe sind.

Bei dem Brunnen Tarfaya tritt man dicht aus libysche Wüstenplateau

heran, welches im Allgemeinen die geringe Höhe von 100 bis 115 Meter

absolut hat. Gleich südlich von diesem Plateau, das mit einem steilen

Ufer aus Kalkstein abfällt, zieht sich nun eine Reihe von Seen hin bis

zur eigentlichen Oase des Jupiter Ammon. Diese Seen, manchmal weithin

von Sebcha (Sand- und Schlickboden, stark mit Salzen untermischt und

manchmal so hart an der Oberfläche getrocknet, dass beladene Kameele

darüber marschiren können, manchmal aber auch so nachgiebig, dass

unvorsichtig sich Hineinwagende rettungslos versinken) eingeschlossen,

liegen 40-50 Meter tiefer als der Spiegel des Meeres. Seit Jahrtausenden

existirend und südlich meist von Sanddünen begrenzt, welche unmittelbar

die Seen böschen, sind ein neuer Beleg, wie wenig man das Versanden des

Kanals von Suez zu befürchten haben wird. Wie gering sind überdies die

Sandanhäufungen auf dem Isthmus, gegen die gewaltigen Dünen der

libyschen Wüste, und seit undenklichen Zeiten wehen sie Sand gegen diese

kleinen Seen, ohne bis jetzt im Stande gewesen zu sein, sie gänzlich in

Sebcha zu verwandeln. Die hauptsächlichsten Seen, von Westen nach Osten

gerechnet, sind: der Faredga oder Sarabub, der Lueschka, der

Nocta-Sauya, der Araschieh und Schiatasee.

Schon vor dem Schiatasee hat man mit dem von Palmen reichlich

bestandenen Gaigab-Sebcha die Ammonsoase erreicht, vielleicht auch

rechneten die Alten Tarfaya dazu. Die weiter östlich liegende Oase mit

See Maragi ist schon bewohnt und die Hypogeen in den Felsen zeugen, dass

die Alten ebenfalls hier Niederlassungen hatten.

Wenn man mit Tarfaya die Schrecken der eigentlichen Wüste glücklich

überwunden hat, und nun von einem tiefblauen See zum andern dahinzieht,

welche von schlanken Palmen umgeben, manchmal auch weithin von

silberglänzenden Salzflächen eingeschlossen sind, so wird diese

bezaubernde Gegend an Wechsel und Schönheit nur noch von der

eigentlichen Oase des Jupiter Ammon übertroffen: Hohe phantastisch

gestaltete Felsen, unzugänglich weil von Geistern gehütet, eine lange

Silberfläche erstarrten Salzes, dunkel bordirt von ehrwürdigen

Palmenbäumen, dann ein langer See auf dem sich Tausende von wilden Enten

und Gänsen herumtummeln, endlich die schön cultivirten Gärten der Oase,

reich an Oelbäumen, Orangen, Granaten und anderen Obstsorten, und

überall gegen die brennende Sonne von den weitästigen Palmenkronen

geschützt; rieselnde Bäche von Süsswasser, grosse aus der Tiefe

aufsprudelnde Quellen, oft wie der berühmte Sonnenquell noch von

künstlichen Quadern umgeben, dazwischen die hochaufsteigenden Städte

Siuah und Agermi, welche letztere die alte Acropolis der Ammonier war

und noch heute die Reste des grossen Tempels des Jupiter Ammon

birgt--das ist in Kürze das Bild dieser berühmtesten aller Oasen.

In Siuah und Agermi ergaben drei und zwanzig zu verschiedenen

Tageszeiten angestellte Beobachtungen eine Tiefe von ca. 52 Meter. Noch

zehn Tagemärsche weiter, bis zum Brunnen Morharha, wurde die Depression

verfolgt, und überall blieb hier eine gleichmässige Tiefe von circa 50

Meter. Vom Brunnen Morharha nördlich gehend, kommt man dann gleich auf

das aus Kalkstein bestehende libysche Wüstenplateau, welches auch hier

kaum breiter als zwölf deutsche Meilen ist und die Einsenkung vom

Mittelmeere trennt. Wie weit sich diese nun nach Osten erstreckt, ist

heute noch nicht bekannt, jedenfalls nicht weit, da sie von Unterägypten

durch die den Nil im Westen einschliessenden Gebirge getrennt wird. Noch

weniger ist festzustellen oder auch nur zu muthmaassen, wie weit die

Depression nach Süden hinzieht, noch nie ist es einem Eingebornen

gelungen, von der Jupiter-Ammon-Oase aus nach Süden vorzudringen,

geschweige denn einem Europäer, und wenn man von Audjila und Djalo

südwärts nach Kufra und Uadjanga geht, so wissen doch die Eingeborne

wenig über die Bodenverhältnisse zu sagen. Kufra ist von Audjila durch

eine Sherir (mit kleinen Steinen bedeckte Ebene) getrennt, die aber nach

den Aussagen der Modjabra, so nennen sich die Bewohner von Djalo,

keineswegs höher gelegen ist als ihre Ortschaften, und Kufra geben sie

geradezu als tiefer liegend an. Wir wissen indess durch Aussagen, dass

in Uadjanga Felsen sind, aber alles Land östlich von Kufra und Uadjanga

bis an die Uah Oasen ist für uns vollkommen terra incognita. Dass

übrigens den Alten, obschon ihnen keine Messinstrumente zu Gebote

standen, der Umstand nicht unbekannt war, dass die Jupiter-Ammon-Oase

tiefer als das Meer gelegen war, wissen wir aus Aristoteles, welcher

aussagt, dass die Oase durch Austrocknung des Meeres entstanden und

niedriger als Unter-Aegypten gelegen sei. Ferner ersehen wir aus Strabo,

dass Eratosthenes von Cyrene auf die grosse Zahl von Schneckengehäusen,

Muscheln und Salzablagerungen auf dem Wege nach dem Tempel der Ammonier

den Schluss zog, dieser ganze Landstrich sei vom Meere bedeckt gewesen,

und derselbe behauptet sogar, dass das Zurückweichen des Meeres und die

Hebung des Bodens in naturhistorischer Zeit stattgefunden habe, er nimmt

schliesslich an, dass die Oase einst am Mittelländischen Meere gelegen

haben müsste.[25] Strabo scheint hierin derselben Ansicht gewesen zu

sein. Die heutigen Bewohner, Berber ihres Ursprungs und ihrer Sprache

nach, obschon stark untermischt mit Arabern und Negern, wissen von einer

solchen Einsenkung nichts, jedoch hat in der Neuzeit der Franzose

Caillaud auf die Tiefe der Jupiter-Ammon-Oase aufmerksam gemacht. Im

Jahre 1819 beobachtete er dort einen Barometerstand von 766 M.M.,

während unsere 23 Beobachtungen das Mittel von 767 M.M., also eine

Tiefe von circa 10 Meter mehr, ergeben haben.

Auf dieser ganzen Strecke beobachtet man auch heute noch zahlreiche

Spuren des Meeres, die genannten Seen enthalten heute noch die Cardium

und Crithium-Muscheln, ebenfalls im Mittelmeere heimisch, und der Boden

ist überall mit Muscheln, besonders Ostreaarten, wie bedeckt. Wir können

aber hier ganz deutlich zwei Perioden nachweisen. Wie man nun auch

feststellen mag, ob sich der Boden hier gesenkt hat und dann das Meer

verdunstet ist, oder ob sich der Küstensaum, der von Unter-Aegypten nach

Cyrenaica als Kalkrippe sich hinzieht, aus dem Meere herausgehoben und

erst dann das Hinterland, vom Meere abgeschnitten, sein Wasser

verdunstet hat--so viel beweisen die Millionen Meeresüberreste, dass

hier einst das Meer gewesen ist. Aber zu einer noch früheren Periode

muss der Grund auch bewachsen gewesen sein, denn überall trifft man

versteinerte Baumstämme, oft ganze Wälder, und zwar gerade von den

Bäumen, die in der Nordwüste noch jetzt am häufigsten sind, Palmen und

Tamarisken.

Als vor Kurzem zuerst über diese grosse Einsenkung berichtet wurde, las

man in verschiedenen französischen Blättern, Lesseps ginge damit um, den

Nil in diese Depression abzuleiten, um das Land zu befruchten, noch

andere wollten ihn gar einen Kanal machen lassen, von der grossen Syrte

aus direct nach dem Rothen Meere. Es ist wohl kaum nöthig zu sagen, dass

Lesseps an solche unsinnige Projecte nicht denkt. Ein Kanal von der

grossen Syrte aus würde, abgesehen davon, dass der Suezkanal jetzt

fertig ist, kaum den Weg abkürzen. Und wie wurden die Projectenmacher

denn den Nil vermeiden? Würde man darüber oder darunter schiffen oder

vielleicht den Nil in den Kanal münden lassen? Man würde damit den

fruchtbarsten Theil von Unterägypten, das Delta, zur Wüste machen.

Ebenso lächerlich ist die Idee, den Nil zur Befruchtung in diese

Niederung ableiten zu wollen, mehrere Nil würden nicht ausreichen, um

dies von Salz durchtränkte Terrain süss zu machen, und der Nil hat nun

eben nicht überflüssig Wasser, als dass man nur daran denken könnte,

einen so grossen Theil der Wüste damit zu entsalzen.

Ganz anders verhält es sich, falls man die Dämme durchstechen wollte,

welche jetzt das Mittelländische Meer von dieser grossen Niederung

trennen, und am leichtesten könnte dies von der grossen Syrte aus

geschehen. Man denke sich Cyrenaica als Insel oder nur durch einen

schmalen Isthmus mit Aegypten zusammenhängend, im Süden ein Meer welches

die grössten Schiffe bis Fesan, vielleicht bis Uadjanga würde bringen

können. Welche Umwälzung! Damit würde Innerafrika erschlossen sein,

Innerafrika, welches an Naturproducten weder hinter Indien noch den

fruchtbarsten Provinzen von Amerika zurücksteht. Natürlich müsste vor

der Hand erst festgestellt werden, wie weit die Depression nach Süden

geht, die Syrtenwüste und die libysche Wüste müssten einer genauen

Untersuchung und Messung unterzogen werden. Denn nur, wenn man einen

grossen See bis an das Harudjgebirge, bis Kufra oder Uadjanga bilden

könnte, würde ein Durchstich lohnend sein. Vergeblich aber ist es, blos

um einen schmalen Arm zu füllen, einen Durchstich zu beginnen, kaum

würden die Wasser Kraft genug haben, durch die Ausdünstung an beiden

Seiten der Wüstenufer eine spärliche, unnütze Vegetation hervorzurufen

und für Handel und Schifffahrt gar kein Gewinn dabei herauskommen. Aber

auch ohne menschliches Zuthun wird mit der Zeit diese Gegend wieder

unter Wasser sein, die grossen Wellenbewegungen der harten Erdkruste

sind nirgends deutlicher zu beobachten, als an diesem Theile des

Mittelländischen Meeres, seit 30 Jahren hat sich von Tripolis bis nach

Bengasi das Ufer fast um einen Fuss gesenkt, die alten Quais von Oea

(Tripolis) Leptis magna und Berenice (Bengesi) sind längst unter Wasser,

und während vor 25 Jahren ein für Jedermann passirbarer Weg ausserhalb

der Mauern von Tripolis längs des Meeres ging, ist heute selbst bei

niedrigstem Wasserstande dort keine Passage mehr.

FUSSNOTEN:

[1] Mit Ausnahme der Spanier, welche in der Provinz Oran angesiedelt

sind und die, weil im beständigen Rapport mit ihrem Vaterlande, Sprache,

Sitten und Tracht Spaniens treu beibehalten haben.

[2] Ich dachte wahrscheinlich, dass ich dummes Zeug niederschrieb, denn

zu lesen war mir unmöglich.

[3] Man hat dabei verschiedene Ausdrücke; ein Back ist ein geflochtener

Korb oder Sack, der 10,000 Muscheln enthält, ein Head sind 2000

Muscheln. Die Muscheln werden von den Europäern Cowries, von den

Haussa-Negern Kurdi, von den Kanúri-Negern Kúngena, von den Arabern

El-Oda genannt. Während die meisten Neger sie einfach zählen, theilen

sie die Kanúri-Neger in sogenannte Pfunde zu je 32 Muscheln, indem ein

Mar.-Ther.-Thlr. dann durchschnittlich zu 150 Pfund gerechnet wird.

[4] Dies ist eine blos wörtliche Uebersetzung, die Kanúri oder Bewohner

Bornus haben indess auch eigene Namen für die drei Stadttheile:

Weststadt = _Kuka-gárfote_, Mittelstadt = _Kuka-ṅgimsegeni_, Oststadt

= _Kuka-gérgedi_.

[5] Die meisten grösseren Geschenke, welche der Sultan Omar von Bornu

besitzt, sind von der Königin Victoria: ein Wagen, sehr schöne Waffen,

Uhren, Zelte, Teppiche, und dergleichen mehr. Als _Gegengeschenk_ sandte

Sultan Omar einst einen _Elephantenschwanz_ und einen _Giraffenschwanz_

als _höchstes Freundschaftszeichen_, welches der Bornukönig giebt. Unser

"König von Norddeutschland" ward nicht so glücklich bedacht; er musste

sich mit einem silbernen Pferdegeschirr und einigen Thierfellen,

darunter ein gesprenkeltes Löwenfell, begnügen, weil gerade keine

Elephanten und Giraffen in der Nähe der Hauptstadt waren.

[6] Barth giebt in seinem Vocabularium dies Wort unter den zwölf grossen

Hofämtern von Bornu, er specificirt aber dieselben nicht und aus ihm

können wir nicht erfahren, was yéri-ma ist; mir wurde es als der Titel

des Thronfolgers genannt von einem Manne, der selbst Höfling war und gut

arabisch sprach.

[7] Obschon weder im Crowther noch in meinem eigenen Vocabularium diese

Wörter zu finden sind, halte ich sie doch für richtig, da sie mir von

einem ganz zuverlässigen Manne, dem ehemaligen Diener Barth's, der jetzt

in Lokódza ist, übersetzt wurden.

[8] Der Name ist serki und die Genitivform ist aus dem Haussa in diese

Sprache übergegangen.

[9] Als ich die englische Expedition nach Abessinien begleitete und mit

der vordersten Recognoscirungs-Abtheilung nach Magdala gekommen war,

trennte ich mich dort eine Zeit lang von der Armee, um auf dem Rückweg

ein noch unbekanntes Stück des Landes zu durchziehen, indem ich mich

nördlich über Lalibala nach Sokota wandte, und von letzterem Orte der

von Beke 1843 begangenen Route über Samre nach Antalo zu folgen, wo ich

mich wieder dem englischen Expeditionscorps anschloss.

[10] Sir Robert Napier hatte also Unrecht, als er dem Fürsten Kassai von

Tigre bis Hausen entgegen ging, und durch diesen Beweis vom Mangel an

Kenntniss der Sitten dieser Völker kühn gemacht, konnte Kassai dann die

Unverschämtheit haben, den Besuch Napier's in Hausen in seinem Zelte

zuerst zu erwarten, was jedoch nicht Statt fand; dem Rechte nach aber

hätte Kassai auf die englische Militärstrasse selbst kommen und Sir

Robert Napier aufsuchen müssen, denn dieser war als Repräsentant der

Königin von England vollkommen gleich mit ihr oder dem Negus Negassi,

also höher stehend als Kassai von Tigre.

[11] alga ist Amharisch, arat Tigrisch.

[12] Das Z. ist immer wie das deutsche S auszusprechen.

[13] Bei Meilen sind immer englische gemeint.

[14] In Dapper's "Beschreibung von Afrika" wird angeführt, dass Alvares

selbst Tigre und Ausen, d.h. unser Hausen, als gleichbedeutend nehme.

[15] Dapper nennt sie Makeda oder Makaada und den Sohn Melilech.

Land und Volk in Afrika, Berichte aus den Jahren 1865-1870 · 第 13 / 14 段