An den Ufern finden sich in den grossen wilden Feigenbäumen und Mimosen

grüne Papageien der kleinen Art, ohne langen Schwanz, Nachtigallen und

viele andere Singvögel. Die wohlriechende weisse einfache Rose, Jasmin,

ächte Aloes bilden dann den Hauptbaumwuchs, während die Berge höher

hinauf gut mit Juniperen, Schirmakazien und Kolkolbäumen bewachsen sind.

Von reissenden Thieren scheint nur die Hyäne am Aschangi-See vorzukommen

und auch diese selten, wenigstens wurden wir Nachts nur wenig gestört.

Antilopen, Gazellen, Hasen, Rebhühner, Perlhühner und verschiedene Arten

von Tauben beleben die Wälder und würden den Eingeborenen eine reiche

Nahrungsquelle abwerfen, wenn sie dieselben zu jagen verstünden; aber

fast ohne Feuerwaffen, nur mit Spiessen, langen, etwas krummen

Schwertern und runden ledernen Schilden versehen, bleibt die Jagd

erfolglos.

Dieser reizende See, den Herr Munzinger mit dem Zuger-See vergleicht,

mit einem ewigen Frühlingsklima wie es eine Höhe von 7000 Fuss in diesen

Breiten mit sich bringt, wird sicher, wenn Abessinien einmal erst ein

stabiles Gouvernement und geregelte Beziehungen zu Europa hat, einen

Hauptanziehungspunkt für Touristen und Jäger bilden. Der gutmüthige

obwohl kriegerische Charakter der Anwohner, die bedeutend offener und

zuvorkommender als die nördlichen Tigrenser sind, wird bald durch eine

längere Berührung mit Europäern gewinnen, in der That konnten wir in der

ganzen Handlungsweise der Eingebornen von Aschangi einen grossen

Umschwung in der Gesinnung der Bevölkerung bemerken, in Tigre blos

Duldung und gezwungene Freundschaft, in Waag von Aschangi an offene

Freundschaft und herzliches Entgegenkommen.

Nach Axum über Hausen und Adua.

In Abessinien gewesen sein ohne Axum gesehen zu haben hiesse, um sich

eines alten Sprichwortes zu bedienen, nach Rom gehen und den Papst nicht

sehen. Und so, obgleich ermüdet von der ganzen englischen Expedition,

die der Anstrengungen und Entbehrungen nicht wenige hatte, noch wie

gerädert von der eben vollendeten Tour nach Lalibala, beschloss ich von

Antalo aus, auf welchen Punkt ich von Lalibala und Sókoto herausgekommen

war, nach Axum zu gehen.

Merkwürdigerweise hatte die englische Expedition bis jetzt gar keine

Veranlassung gegeben zu weiteren geographischen Forschungsreisen,

obgleich das Land und Volk namentlich zu kleineren Reisen gerade jetzt

den günstigsten Augenblick bot. Man hätte von Magdala über den

Dembea-See, über Chartum und über andere Punkte Partien schicken können,

aber von alle dem geschah nichts, und nur dem Zufall verdankte ich es,

von Talanta aus von Sir Robert die Erlaubniss zur Abreise von der Armee

zu bekommen; spätere Gesuche um derartige kleinere Ausflüge zu machen

wurden vom englischen Oberkommando abschlägig beschieden. Möglich auch,

dass sich wenige Leute gemeldet haben würden, von denen man derartiges

gerade hätte erwarten dürfen: Markham war, sobald der letzte Schuss von

Magdala gefallen war, wieder zurückgeeilt, Grant ebenfalls, Blanford der

Geologe hatte nach Gondar zu gehen die Absicht, doch ihm wurde eine

Escorte (die er aber gar nicht nöthig gehabt hätte) vom General en chef

verweigert, ebenso dem Oberst Phayre, der die schönen Wegeaufnahmen für

die englische Arme gemacht hatte, kurz die Armee mit allem was

mitgezogen war, eilte so rasch, wie sie gekommen war, wieder ans Meer.

In Antalo angekommen traf ich einer der ersten ein, von denen, die bei

dem Sturm von Magdala gewesen waren; erst am folgenden Tage kam Oberst

Phayre, Herr Lieutenant Stumm und Abtheilungen von Soldaten, welche die

ehemaligen Gefangenen escotirten. Der General en chef war erst in

Attala, also noch drei bis vier Tagemärsche zurück. Herr Stumm

entschloss sich nun schnell sich mir anzuschliessen, indess wurde

ausgemacht, um von Antalo oder vielmehr Boye, denn hier war das

englische Lager, nach Axum zu gehen, dass wir erst in Gesellschaft von

Oberst Phayre noch einige Etappen weit die Militärstrasse benutzen

wollten. Indem wir die Etappen verdoppelten waren wir am 12. Mai in

Agóla und traten von hier aus unseren Tour nach Axum an.

Frühzeitig wie Phayre, dieser unermüdliche Fussgänger, welcher immer um

3 Uhr Morgens seine Märsche antrat, machten auch wir uns um 4 Uhr

Morgens auf den Weg. Im Anfange folgten wir noch dem Militärwege, der

uns in die Dóngolo-Ebene führte, gingen also in N. z. O. R., aber etwa

eine Meile, ehe wir den von Dóngolo kommenden Gonfel-Fluss benutzten,

bogen wir ab und hielten dann N. N. W. R. Die grosse Dóngolo Ebene ist

äusserst fruchtbar und hat herrliche Wiesen, deren Kräuter und Gräser

der letzt gefallene Regen jetzt hervorspriessen machte. Wir liessen

gleich links auf einer kleinen Anhöhe eine halbe Meile[13] vom Wege

entfernt das Dorf Adekau liegen, und von hier an kamen wir in buschiges

Terrain, belebt von einer grossen Anzahl bunter Vögel, Tauben,

Perlhühner, Hasen und von grösserem Wilde, welche hier einen ungestörten

Aufenthalt fanden; aber eine Unmasse kleiner Fliegen, die Begleiterinnen

des weidenden Rindviehs, begannen uns und unsere Pferde auf eine

schreckliche Weise zu quälen, und je heisser es wurde, desto schlimmer

wurden diese Qualen.

Nach einer Weile überschritten wir dann die Grenze von Tará um den

District Eiba zu betreten, hier deutlich gekennzeichnet durch eine tief

von S.O. nach N.W. laufende Schlucht, welche auf den von N. kommenden

Sulloh oder Surohfluss mündet. Dieses stark rieselnde, von buschigen

Ufern eingefasste Wasser verfolgten wir eine Meile nördlich und lagerten

dann unter einem schattigen Oelbaum, um unseren Thieren etwas Ruhe zu

gönnen. Von hier aus biegt der Fluss dann von N. O. kommend ab, wir

selbst aber gingen in N.W. Richtung weiter. Ansteigend kamen wir dann

auf einen Hochkessel von sonderbar geformten Sandsteinfelsen

eingeschlossen; im Westen bilden die Wand hauptsächlich die Berge

Adamesso und Adeitesfei mit Dörfern gleichen Namens. Nach O. zu sind die

Berge weiter entfernt. In der Mitte liegen zahlreiche Dörfer, doch auch

die bevölkerteste Gegend Abessiniens ist arm an Menschen in Vergleich zu

Ländern, die wir gut bevölkert nennen. Wir campirten Abends in Eiba, der

Hauptstadt des Districtes gleichen Namens. Es ist dies ein weitläufiger

Ort aus grossen Gehöften, die oft mehrere Familien einschliessen,

bestehend, die Hälfte, oft zwei Drittel der Häuser sind immer in Ruinen.

Und obgleich hier in Tigre die Häuser jetzt ausschliesslich aus Stein

gebaut sind, so ist doch der Vorrath an Ungeziefer in demselben eben so

gross wie in den südlichen Provinzen. Es unterliegt keinem Zweifel, die

Abessinier sind das schmutzigste Volk von ganz Afrika. Sobald man Tigre

betreten hat, bemerkt man indess eine auffallende Verschiedenheit in der

Construktion der Gebäude, nicht nur dass die Wände alle von Stein gebaut

sind (dies findet man auch auf den hohen südlichen Hochebenen von

Uadela und Talanta), wird die runde Hüttenform mehr und mehr verlassen

und an ihre Stelle tritt das viereckige Haus mit plattem Dache. Meist

nur aus einem Zimmer bestehend, deren innere Möblirung sich in Nichts

von denen der Hütten unterscheidet, sind die Dächer von Balken gebildet,

die ausserdem noch mit Reisern, auf welche man Thon gelegt hat,

überdeckt sind.

In Eiba fanden wir übrigens noch einigermassen gute Aufnahmen, d.h. wir

konnten für Geld etwas haben, und zwar keineswegs billiger als in

Europa.

Die herrlichste Aussicht hat man von hier auf die wunderbar geformten

Felsen Abergale's, welche im W. den Horizont wie ein Wald gothischer

Kirchthürme oder sonstiger eigenthümlicher Gebilde verschliessen. Diese

zackigen Felsen, von denen Gemer-Amba, Dar-Mariam, Korar, Debrar-Abraham

die hervorragendsten sind, tragen sämmtlich, wie das schon der Name

andeutet, Kirchen auf ihren Gipfeln. Nach den Aussagen der Leute von

Eiba sollen dieselben an Pracht und Kunst selbst die in ganz Abessinien

berühmten Kirchen von Lalibala übertreffen. Da unsere Zeit sehr gemessen

war um rechtzeitig bei der Einschiffung der englischen Truppen in Zula

einzutreffen, bedauerten wir beide sehr, diese interessanten

Kirchenberge nicht besuchen zu können, obschon wohl nicht anzunehmen

ist, dass sie auch nur im Entferntesten den Gebäuden Lalibala's gleich

kommen. Die Bewohner in diesem Theile von Abergale sollen ebenfalls

noch heute Troglodyten sein.

Am folgenden Tage hatten wir nur einen kleinen Marsch nach dem 4 Meilen

entfernten Hausen, welches auf einer von O. nach W. streichenden

Sandsteinrippe liegt. Wir mussten dahin zwei kleine Bäche passiren, den

Mai-Gundi und den Abega, die hier von NO. nach SW. laufen. Die zu

passirende Gegend ist gewellt und noch einigermassen der Cultur

zugängig, während nach W. sich bis zu den Bergen Dama Galla ein

unabsehbares Gewirr von steinigen Hügeln erstreckt.

Bei Hausen selbst fliesst ein kleiner Bach, der gleich nördlich am Orte

entspringt, und an seinen Ufern unter schattigen Akazien schlugen wir

unser Lager auf. Der Platz war wirklich reizend, der Rasen fing eben an

auszuschlagen, die Mimosen entwickelten ihre jungen fein ausgezackten

Blätter, im Rücken das Dorf, oder die Stadt wenn man will, auf hohen

Sandsteinblöcken gelegen, welche halb durch einen Wald dichten Rohres

versteckt waren, vor uns das klar rieselnde Wasser und dann die

herrliche Aussicht auf Eiba und die wunderlichen Felsen Abergale's. In

Hausen giebt es freilich nichts Bemerkenswerthes; dazu kam, dass der

Dedjat oder Statthalter abwesend, da er zu Kassai gerufen war, und die

Leute zeigten sich so ungastlich und frech, wie man sie nur in Tigre

finden kann. In der That fanden wir hier die Preise des Korns für uns so

unverschämt hoch, dass wir für unser Vieh, wir hatten zusammen 11 Stück,

an Einem Tage 14 Marien-Theresien-Thaler verausgabten. Hausen war in

früheren Zeiten mehrfach Hauptstadt[14] von Tigre gewesen, jetzt ist es

ein elendes Nest. Auch die Kirche hat nichts Bemerkenswerthes, höchstens

dass der hinterste Theil derselben aus dem Fels ausgehauen ist.

Ursprünglich scheint die ganze Kirche auf diese Art erbaut gewesen zu

sein; später zerstört, hat man dann ein Gebäude abessinischer Art daraus

gemacht, welches sich durch nichts als Geschmacklosigkeit auszeichnet.

Froh diesen ungastlichen Ort verlassen zu können, brachen wir am anderen

Tage früh morgens auf; aber kaum hatten wir einige Schritte gemacht, als

ein Unfall andeutete, dass wir keinen angenehmen Tag haben sollten: mein

bestes Maulthier, welches die beiden schwersten Kisten trug, überstürzte

sich beim Ueberspringen eines Grabens, und ich weiss noch nicht wie es

kam, dass weder Maulthier noch Kisten Schaden litten. Dann ging es

weiter; aber wie trostlos, echt abessinisch war die Gegend, Zum besseren

Verständniss führe ich hier an, dass von Adigrat auslaufend die hohen

Berge in Debra-Zion weit nach S. zu vorbiegen, dann sich

wiederzurückziehend, kommen sie mit der Angoba Amba wieder nach S. Von

diesem Zuge aus laufen nach S. zahlreiche kleine Rippen, aber bald ist

das Ganze ein Gewirr von niedrigen Bergen, von Oben und Weitem gesehen

wie eine Ebene, in der That aber durchschnitten genug, um bei den

schlechten Wegen die Geduld des Reisenden auf eine harte Probe zu

setzen.

Unsere Richtung war, die vielen kleineren Biegungen ausgenommen, fast

durchaus WNW. Und so fort kletternd über die unwirtlichen Felsen, ohne

auch für den ganzen Tag auf ein einziges Dorf zu stossen, oder auch nur

von Ferne eines zu sehen, war das einzige Schöne die wunderbaren Formen

der Felsen im Norden. Wer in der That Berge sehen will, muss nach

Abessinien gehen, es giebt keine denkbare Form, die hier nicht zu finden

wäre. Das Gestein, welches wir an diesem Tage erblickten, bestand fast

durchweg aus verschiedenen Schiefern, von denen Thonschiefer und

Glimmerschiefer die vorherrschenden waren, oft marschirten wir indess

über Hügel, die mit kleinen weissen Quarzstücken wie bestreut waren. Die

Vegetation war äusserst spärlich und bestand meist aus verkrüppelten

Mimosen und dem unvermeidlichen Kolkol-Baum. Wir passirten den

Felagelasi, der in den Woreb geht, und hielten dann längere Zeit am

Mai-Metjelorat, der ebenfalls dem Woreb tributär ist Sodann hatten wir

noch den Orei zu passiren, der von dem Tjametfluss durch den

Adergebeto-Berg getrennt ist. Wir hatten den Angeba-Berg endlich

erreicht, aber obschon unser Führer uns gesagt hatte, wir würden ein

Dorf hier finden, sowie Wasser, so erwies sich das als irrig: das Dorf

war hoch am Berge hinauf gelegen, das Wasser eine Stunde weit zurück.

Heftig eintretender Regen nöthigte uns indess unsere Zelte

aufzuschlagen, und in der Nähe fanden wir Hirten, welche aber nichts zu

verkaufen hatten. Das Vieh musste Abends l Stunde weit zum Wasser zurück

geführt werden, und ebendaher mussten wir auch unser Trinkwasser holen;

für uns selbst hatten wir Vorräthe, und ein grossen Haufen Stroh musste

als Viehfutter dienen.

Der folgende Tag war besser, was Gegend und Bevölkerung anbetraf. Aber

wegen des Regens am Tage vorher konnten wir erst um 7 Uhr aufbrechen;

wir umgingen dann den Angeba-Berg und hielten dann im Ganzen NW. z.

N.-Richtung. Grosse Feigenbäume, die hier und da die Gegend beschatten,

Dörfer an den Abhängen der Berge, Viehheerden, welche von singenden,

halbnackten Hirtenburschen durch die Büsche getrieben wurden, lassen die

Zeit rasch verstreichen. Wir passiren um 9-1/2 den von NO. kommenden

Gebre Rhala-Bach mit gutem Wasser, und um 11 Uhr sind wir am Flusse

Fersmai, wo wir in der Nähe eines üppigen Pfefferfeldes einen Halt bis

Nachmittag machen. In gerader W.-Richtung sehen wir von hier den Gipfel

des mächtigen Semaita-Berges über die niedrigen Hügel, die uns umgeben,

hervorragen. Wir gingen denselben Abend noch bis zum Orte Assai, der am

nordöstlichsten Ende des Semaita-Berges selbst liegt. Der Ort hat indess

wie alle eine grosse Ausdehnung woraus es sich erklärt, dass er auf

einigen Karten weit östlich von Semaita verzeichnet ist. Halbwegs

zwischen Semaita und Fersmai liegt östlich vom Wege der Berg und Ort

Gedera.

Wir hatten jetzt nur noch einen Marsch bis Adua, der jetzigen Residenz

von Tigre, wenn von Residenz die Rede sein kann in einem Lande, wo der

Fürst fortwährend im Lager lebt, und heute hier, morgen da campirt. Wir

umgingen nördlich den Semaita-Berg, eine Schlucht übersteigend, die ihn

vom Raya-Berg trennt, und den Gu-Asses, den Gedem-Anharet, endlich den

Aba Gerima links lassend, langten wir nach 3 Stunden vor Adua an.

Obgleich wir von einem unserer Armeedolmetscher, der von Adua war, die

Erlaubniss bekommen hatten, sein Haus zu beziehen, so zogen wir doch

vor, unsere Zelte aufzuschlagen, und fanden auch einen hübschen Platz

unter einem Feigenbaume, welcher Schatten für tausend Menschen bietet.

Gleich darauf brachen wir aber auf, um die Stadt zu besehen. Adua liegt

auf dem linken Ufer eines immer Wasser habenden Rinnsales, der vom

Semaita kommt und Assem heisst. Die Stadt Adua ist ganz verschieden von

allen anderen abessinischen Orten. Mit einer Mauer umgeben macht sie den

Eindruck einer wirklichen Stadt, und die hohen, oft mit einem Stockwerke

versehenen Häuser, welche manchmal sogar kleine maurische Fenster haben,

tragen nicht wenig dazu bei, den städtischen Eindruck zu erhöhen. Aber

selbst die weitläufigen Vorörter mitgerechnet, welche Adua nach Süden

und Osten umgeben, glaube ich nicht, dass die Stadt, wie Ferret und

Gallinier angeben, 4000 Einwohner hat. Wenigstens jetzt glaube ich

nicht zu niedrig zu greifen, wenn ich sie auf circa 2000 Einwohner

schätze.

Unsere Ankunft hatte natürlich eine ungemein grosse Menge neugieriger

und müssiger Menschen versammelt, welche uns lachend und lärmend

nachgingen. Die Strassen sind überdies so eng und schmutzig, dass nur

Menschen passiren können, zwei Maulthiere oder Pferde würden keinen

Platz zum Ausweichen haben. An öffentlichen Gebäuden hat die ummauerte

Stadt (die Vorstädte haben auch Kirchen) nur eine grosse Kirche aus

neuerer Zeit, also im Rotundenstyl gebaut, und mit Stroh gedeckt. Sie

ist der Maria geweiht. Eine grosse Zahl müssiger Priester lagerte im

Hofe, welcher von schönen Oelbäumen beschattet ist. Ueberhaupt zeichnet

sich Adua dadurch aus, dass in den kleinen Höfen, welche bei den Häusern

sich befinden, überall Wein, Granaten, Apfelsinen und Pampelmuse sich

befinden. Offenbar muss der Wein von Deutschen eingeführt sein, die

Aduenser nennen die Weinrebe "Wein". Auch macht die nahe Küste sich hier

bemerkbar, denn Adua ist immer Hauptmittelplatz zwischen dem rothen

Meere und Abessinien gewesen. Hier war der Hauptfabrikort für die feinen

Filigranarbeiten, bis Theodor auf seinem Zuge nach Tigre alle Arbeiter

mit fortführte und dieselben seinem Hofstaate einverleibte. Ein Theil

dieser Leute war eben jetzt wieder zurückgekehrt. Aber auch eine Menge

anderer Handwerker findet man in Adua, welche man in den anderen Orten

Abessinien's vergebens suchen würde. Der Handelsstand und die

Handwerker sind hauptsächlich Mohammedaner, viele von ihnen kommen blos

zeitweise von Massaua nach Adua. Auch einen Griechen trafen wir hier als

Flintenhändler, und ein Araber, der eben erst von Massaua gekommen war,

hatte Cigarren und Wermuth zu verkaufen. Leider hatte ein Engländer, ein

gewisser Lord Adare, Correspondent des Dayly Telegraph während der

Expedition, der gerade einen Tag vor uns nach Adua gekommen war, Alles

aufgekauft, so dass wir uns nichts von diesen Genüssen verschaffen

konnten. Im Uebrigen waren die Aduenser ebenso ungastlich, geizig, frech

und schmutzig wie die übrigen Tigrenser. Es scheint als ob in früheren

Zeiten auch Juden in Adua gewesen seien, welche man in Abessinien unter

dem Namen "Felascha" kennt, heutzutage giebt es keine mehr hier, nur in

einigen Orten in Tembien und in Gondar sollen solche noch vorkommen. Wir

besuchten dann das uns vom Dolmetsch angebotene Haus, aber es war so mit

Wanzen, dieser allgemeinen Plage aller abessinischen Wohnungen,

überfüllt, dass wir gleich jeden Gedanken, uns in Adua selbst

einzurichten, aufgaben. Auch das Haus des Dr. Schimper besuchten wir,

sahen uns aber sehr getäuscht, etwas besseres vorzufinden. Das einzige,

was uns als merkwürdig auffiel, war das Studirzimmer in seiner Hütte,

wie ein Observatorium, oben auf dem platten Dache des Hauses errichtet.

Hier fanden wir den leeren Schrank einer schwäbischen Kukuksuhr, welche

uns der jetzige Inwohner mit vielem Respect als etwas ganz

Aussergewöhnliches zeigte. Dieser Schrank aus Bambus und Leder

verfertigt sah höchst komisch aus, und anfangs wussten wir gar nicht was

wir daraus machen sollten, bis zuletzt der Kopf, worin die Uhr selbst

gewesen sein musste, uns zeigte, wozu er gedient haben müsste.

Dr. Schimper wurde in Adua zurück erwartet, einige seiner alten

ehemaligen Diener lebten dort noch. Es scheint übrigens, dass Dr.

Schimper durch seinen langen Aufenthalt in Abessinien selbst ganz

Abessinier geworden ist, und weil er seit Jahren nichts Anderes gesehen

hat, ausser Stande ist, Vergleiche anstellen zu können; so schien es mir

höchst übertrieben, wenn er behauptete, dass Abessinien über 10,000,000

Einwohner habe; ich mochte dem Lande kaum ein und eine halbe Million

zuschätzen, und Adua ein irdisches Paradies zu nennen, einen Ort, dessen

Umgegend des Baumschmuckes entbehrt, zeigt deutlich genug, wie einseitig

seine Meinung von Abessinien ist.

Zu unseren Zelten zurückgekehrt fanden wir eine ungeheuere Menschenmenge

versammelt, theils neugierige Gaffer, theils Leute, welche allerlei

Gegenstände natürlich zu den unverschämtesten Preisen zum Verkauf

anboten. Auch ein Musikus hatte sich eingestellt, der auf einem

Instrumente spielte und arg seinen Körper dabei verdrehte, unter

Gesängen; kurz es etablirte sich ein vollkommener Jahrmarkt. Ein

Priester, halb angetrunken, brachte uns einige Eier und eine kleine

Flasche mit Araki, in Adua selbst destillirt; wir wollten ihm ein

Gegengeschenk machen, aber er wollte nichts annehmen. Später kam er noch

ein Mal und zwar nüchtern, und wir bekleideten ihn dann mit einem

grossen Fliegennetz, in das wir ein Loch hineingeschnitten hatten, um

den Kopf hindurch zu stecken. Herr Stumm und ich konnten uns des Lachens

kaum enthalten, als wir den Pfaffen so mit einem Bettfliegennetz

bekleidet sahen, und wie er sich vergebens abmühte Aermel zu finden, um

seine Hände frei zu bekommen. Als wir ihm dann sagten, dass unsere Abuna

ähnliche Mäntel trügen, beruhigte er sich und schritt stolz von allen

Aduensern bewundert und angestaunt der Stadt zu. Nachher sollte aber das

Lachen auf seiner Seite sein, er hatte uns nämlich dringend eingeladen,

sein Haus, seinen Garten, seinen Springbrunnen zu besehen, und neugierig

gemacht gingen wir, obschon es spät Abends war, mit nach der Stadt

zurück. Wir fanden ein Haus schmutzig wie alle anderen und von derselben

Einrichtung, einen kleinen Hof, wo in der That Granaten, Orangen und

Weinreben waren, statt des Springbrunnens indess einen einfachen

Ziehbrunnen, der jedoch als etwas Wunderbares gezeigt wurde. Dann

brachte der Priester, und dies war seine Hauptabsicht, ein Löwenfell

hervor, um es Herrn Stumm zu verkaufen, und wusste es so einzurichten,

dass dieser es wirklich für 45 Thaler kaufte; ich denke der Priester

hatte in seinem Leben nie ein so gutes Geschäft gemacht, er war so

entzückt, dass er uns am folgenden Morgen noch sechs Eier zum Geschenk

brachte.

Also am anderen Tage sollten wir das berühmte Axum sehen, die alte

Capitale des Landes, wo nach den Aussagen der Abessinier die Königin

Saba ihren Thron hatte und von wo aus sie die Reise nach Jerusalem

unternahm, um Salomon als Beisteuer zum Tempelbau Gold und Ebenholz zu

bringen. Der Weg von Adua nach Axum ist verhältnissmässig gut, nur zwei

oder drei kurze Strecken sind schlecht. Nachdem man gleich bei Adua den

Assem überschritten, kreuzt man noch die kleinen Flüsse Mai-Goga und

Mai-Schugurti. Die Gegend ist kahl aber stellenweise gut cultivirt.

Rechts hat man nach 3 Meilen auf einem Hügel den Ort Bit Johannes, dann

später dicht vor Axum eine einsame Kirche auf einem hohen Berge,

Pantalem genannt.

Land und Volk in Afrika, Berichte aus den Jahren 1865-1870 · 第 10 / 14 段