eigenthümliche Erscheinung, dass die Eisen- und Silberschmiede wie eine
ausgestossene Kaste betrachtet werden. Kein Tebu darf die Tochter eines
Schmieds heirathen, kein Schmied bekommt die Tochter eines freien Tebu.
Einen Schmied beleidigen gilt schon für Feigheit, weil er eben von den
übrigen Tebu als vollkommen unzurechnungsfähig gehalten wird. Es liegt
hier unwillkürlich der Gedanke nahe: sind die Schmiede bei den Tebu
vielleicht anderen Stammes, vielleicht unter die Teda eingewanderte
Juden? Aber weder in Sprache, Haar, Gestalt noch Hautfarbe unterscheiden
sie sich auch nur im allermindesten von den übrigen Teda, und diese
selbst behaupten, sie seien von ihrem Fleische und Blute, nur das
Handwerk mache sie verächtlich.--Gerade das Gegentheil nun sehen wir in
Bautš i; hier hat der Erste der Zünfte der Schmiede den höchsten Rang
nach dem Lámedo, sein Titel ist "serki-n-ma-kéra", was man durch
Gross-Eisenmeister übersetzen kann. Und wie sehr überhaupt die Handwerke
in diesem Staate, der von Pullo's regiert wird, aber zum grössten Theile
Haussa-Unterthanen hat, in Ansehen stehen, geht daraus zur Genüge
hervor, dass alle Handwerke in Zünfte getheilt sind, an deren Spitze ein
Meister steht, der den Namen Fürst hat, denn "serki" heisst Fürst oder
Prinz. So finden wir unter anderen einen Fürsten der Schneider,
"serki-n-dúmki", einen Fürsten der Schlächter, "serki-n-faua".
Die Stelle, welche in Bornu vom Dig-ma versehen wird und unserem
Ministerium entspricht, versieht in Bautš i der "galadima", aber fast
ebenso wichtig ist die des intimen Rathgebers des Lámedo, der den Titel
"be-ráya" hat; nur dieser darf in die fürstliche Wohnung dringen, falls
der Lámedo sich zurückgezogen hat. Das Harem darf selbstverständlich nur
vom Obersten der Eunuchen Yinkóna betreten werden. Obgleich alle
Pullofürsten für gewöhnlich äusserst einfach gekleidet sind, und sich in
Nichts von den sie umgebenden Grossen unterscheiden, so haben sie doch
ein eigenes Amt für den Mann geschaffen, der sie bei festlichen
Gelegenheiten mit den dann prächtigen Gewändern bekleidet, er heisst
Zoráki. Wichtige mit der Person des Lámedo verknüpfte Aemter sind ferner
das des Obersten der Vorreiter, ma-dáki genannt, des Palastgouverneurs
"uombé" und des Schatzmeisters "adzia". Natürlich ist in diesen Staaten,
wie das ja früher auch bei uns war, der Privatschatz, des Königs
zugleich der des Landes, indem das ganze Land als Eigenthum des Königs
betrachtet wird. Anders verhält es sich mit den Waffen, von denen Bogen,
Pfeile und Säbel in einem eigenen Hause aufbewahrt werden; diese werden
nur als öffentliches Eigenthum betrachtet und der Hüter davon ist immer
ein ansehnlicher Beamter, er hat den Titel "bendóma". Nicht unwichtig
ist der Posten des Obersten der Gefangenen, der zugleich Scharfrichter
ist und "serki-n-ara" heisst.
Wie geordnet auch sonst die Zustände sind, geht ferner daraus hervor,
dass man einen eigenen Marktvogt hat; freilich sind in Bornu diese auch
auf den Märkten, haben jedoch nicht eine so wichtige Stellung, ihr Titel
ist "serki-n-kurmi".
Als Truppengattung finden wir in Bautš i nur Reiter und Infanterie,
letztere mit Bogen und Säbel bewaffnet; Lanzen und Schangermanger
namentlich, sieht man hier gar nicht mehr. Einige wenige der Reiter
haben schlechte Gewehre, die meisten nur Säbel und Bogen. Die Pfeile der
Bogenschützen sind natürlich alle vergiftet, meistens mit Gift aus
Euphorbien. Der Befehlshaber der Fusstruppen heisst "serki-n-yáki", der
der Reiterei "serki-n-dauáki".
Einen besonderen Titel hat der Commandant der Stadt Uossé, nämlich
"serki-n-dútsi"; dieser hat die Aufgabe, das Vordringen der südlichen
heidnischen Stämme zu verhindern. Ferner der Hauptmann sämmtlicher
_nicht_ Pullovölker, und da diesen in Bautš i eine grosse Zahl von
Stämmen angehören, ist sein Posten ein sehr wichtiger; er heisst
"sénnoa".
Auch in dem Pullo-Staat Nyfe oder Nupe sehen wir das militärische
Element bedeutend mehr hervortreten, und, weil an beiden Seiten des
mächtigen Nigerstromes gelegen, finden wir, da Nupe eine bedeutende
Kriegsflotte hat von Schiffen, die bis mit hundert Matrosen bemannt
sind, die Charge eines Admirals. Gleich nach dem Könige, der "etsu"
heisst, kommt der Admiral der Nigerflotte, betitelt "bargo-n-gioa",
wörtlich "Spiegel der Elephanten"[7]. Die Königin, obgleich dieselbe in
Nupe ganz ohne Einfluss ist, hat denselben Titel wie der König. Mit der
Stelle eines Admirals ist zugleich die des Obersten der Sklaven
verbunden, wohl aus dem Grunde, weil die Ruderer der Schiffe alle aus
Sklaven bestehen.
Es kommen dann der Reihe nach zuerst der "dam-ráki", der erste Rathgeber
des Etsu und in seiner Person das Ministerium vereinigend. Nach ihm
natürlich der Eunuchenoberst, "indatoráki", dann der
Oberpolizeidirector, der zugleich, wie überall dort, die Auszeichnung
hat, Scharfrichter zu sein. Der Titel des letzteren ist
"serki[8]-n-dogáli". Da aber auch in den Nigerländern wie in Yóruba die
Sitte des Pfählens, selbst als gewöhnliche Strafe allgemein ist, und es
nicht leicht ist, einem Menschen einen Pfahl der Art von unten der Länge
nach durch den Körper zu schieben, dass der Pfahl durch Hals und Mund
herauskommt, so hat er natürlich einen ganzen Schwarm von
Helfershelfern. Nach diesem kommt dann zunächst der Fremden Vorführer
"serki-n-fada", eine Charge, die an den übrigen Pullohöfen sich nicht zu
finden scheint. Gleich an Rang stehen der Obervorreiter "sigi", der
Oberkoch "serónia" und der Oberschreiber, der wie immer den arabischen
Namen "liman" hat.
Da der König von Nupe fast immer im Felde ist, so hat er einen
Stellvertreter in der Hauptstadt creiren müssen; oft ist dies sein
vorbestimmter Nachfolger, sein Titel lautet "zitzu". Der Rath um den
König besteht aus den Grossen, "seráki" (pl. von serki) genannt, und das
Heer wird von einem Obergeneral angeführt, der "maiaki" genannt wird.
Die beiden Waffengattungen, Reiter und Fussvolk, heissen "bendoáki" und
"serki-n-kárma". Ganz in der Nähe des englischen Einflusses könnte der
Nupe-Staat einer grossen Zukunft entgegen gehen, und gerade hier, von
der englischen Colonie Lokódža aus, sollten Missionäre dem jetzt
eindringenden Islam Halt zurufen. Für diese Gegenden würden katholische
Geistliche den protestantischen vorzuziehen sein.
Die Art der Begrüssungen bei verschiedenen Neger-Stämmen.
Vom Grüssen eines Volkes auf seinen Charakter oder seine Handlungsweise
im Allgemeinen schliessen zu wollen, würde wohl zu weit gehen, denn wenn
man auch behauptet hat, dass z. B. die Deutsche die vorwärts schreitende
Nation ("wie geht es?"), die Französische die Moden machende ("comment
vous portez-vous?"), die Englische die handelnde und schaffende ("how do
you do?"), die Italienische die still stehende ("come sta ella?") sei,
so hat das doch keinen wahren Grund. Indess bieten der mündliche Gruss
und die damit gebräuchlich verbundenen Ceremonien und Körperbewegungen
so manches Interessante, dass es mir wichtig genug schien, auf meiner
dritten Reise durch den Afrikanischen Continent meine Aufmerksamkeit
auch hierauf zu lenken, und nachstehende Notizen geben Aufschluss über
die verschiedenartigen Grüsse und die Gebräuche, welche damit verbunden
sind, so weit es die Stämme der schwarzen Raçe anlangt, die ich selbst
zu besuchen Gelegenheit hatte.
Es ist nicht abzustreiten, dass auf die nördlichen Neger-Stämme der
Islam, namentlich was die Begrüssungsart anbetrifft, einen bedeutenden
Einfluss ausgeübt hat, denn das essalámu aléikum und aléikum essalam ist
eine religiöse Vorschrift, und so finden wir diesen mohammedanischen
Gruss vom Atlantischen Ocean bis an den Indischen durch zwei Continente
hin verbreitet.
Aber auch nur diese Formel ist von den nördlichen Neger-Stämmen
angenommen, im Uebrigen stehen sie im Allgemeinen selbstständig und
unabhängig vom Arabischen Einfluss da.
Der am meisten nach Norden vorgeschobene Neger-Stamm ist die
Tebu-Familie, welche sich selbst Teda nennen und eng mit den Kanúri und
Búdduma verwandt sind. Die Wohnsitze der Teda sind in der Wüste nördlich
vom Tsad-See, dann im fruchtbaren Central-Afrika, westlich und östlich
vom genannten Wasserbecken.
Als kriegerisches Volk sind sie immer auf einen Angriff gerüstet,
vielleicht kann auch Vorsicht dabei zu Grunde liegen, dass zwei sich
begegnende Tebu auf zehn Schritt und mehr Entfernung von einander Halt
machen, sich in die Hucke setzen, den langen Spiess aufrecht in der Hand
haltend: _Lahin kénnaho_ ruft der Erste, worauf der Andere _getta inna
dǚnnia_ hinüber antwortet. Nun ergiessen sich beide in unzählige
_Lahá, Lahá, Lahá_, welche, je höflicher man sein will, man um so mehr
repetirt. Nachdem sie sich so einer Untersuchung unterworfen und nichts
Verdächtiges gefunden haben, nähern sie sich; man giebt sich mit den
Fingern einen leichten Druck, ohne jedoch die Hand wie bei den Arabern
und Berbern hernach zum Munde zu führen, und der zuerst Angeredete
wiederholt dann _getta inna dǚnnia_, worauf der Andere _Lahin
kénnaho_ antwortet.
Sind die Leute mit einander bekannt, so fragt man sich nun gegenseitig
nach Familie, Frau, Kind, Vieh, Marktpreisen, seinen gemeinsamen
Freunden und Bekannten, welche einzelne Fragen immer durch viele
killahá, _killahénni, killa Allaha_ unterbrochen sind; man fragt, ob
Feinde am Wege lauern, ob der Weg oder ein anderer vorzuziehen sei, ob
die Brunnen nicht verschüttet seien etc., immer eben angeführte Worte
untermischend.
Die Weiber grüssen sich ganz auf ähnliche Weise, was die Worte
anbelangt, nur unterlassen sie natürlich die Vorsichtsmassregel, sich
auf weite Entfernung von einander niederzusetzen. Eine Frau redet indess
nie den Mann zuerst an, sondern erwartet den Gruss, wobei sie dann
niederkniet, während die Männer blos hocken; Frauen unter sich pflegen
indess auch nur zu hocken, in Gegenwart von Männern jedoch nehmen sie
immer eine knieende Stellung ein.
Tritt man in ein Haus, so ist der gewöhnliche Gruss _labáraka_ (aus dem
Arabischen) und die Antwort _lábara Lahá_ (aus dem Arabischen). Kinder,
Verwandte und Freunde, letztere jedoch sehr ausnahmsweise, küssen sich
zärtlich, jedoch küssen Kinder einem heimkehrenden Vater, oder kommen
sie selbst von einer Reise zurück, nur die Hand.
Beim Abschiednehmen sagt man _temésches_ (aus dem Arabischen), während
der Bleibende _killaháde_ nachruft. Jederzeit kann man dann noch
_killahá, killahénni, killa Allaha_ sagen.
Der Gruss der Tebu gegen einen König oder Maina (Prinz) ist ganz auf
gleiche Weise.
Bedeutend ceremoniöser in ihren Grüssen sind die Kanúri-, die Mándara-
und Búdduma-Völker, obgleich sie unter sich, sowohl was Worte als
Handlung anbetrifft, wenig oder gar nicht von einander abweichen. Da die
Höfe und Grossen dieser Stämme mit Ausnahme der Búdduma Mohammedaner
sind, so wird auch eben nur von den Höflingen das _essalámu aléikum_
gebraucht, während das Volk sich bei seinen nationalen Grüssen hält.
Als Eingangsgruss bedienen sich diese Stämme gewöhnlich der Worte
_Lalē, Lalē, Lalē_ und erkundigen sich dann nach dem Zustand
der Dinge im Allgemeinen mittelst der Worte _afi l'abar_ (l'abar kommt
aus dem Arabischen, von _el-achbar_, die Neuigkeit, während afi echt
Kanúri ist). Dies wiederholen sie mehrere Mal, indem sie sich oft die
Hand dabei reichen, oft auch nicht. Gleich darauf--und dies ist sehr
bezeichnend für die empfindlichen Neger--erkundigen sie sich nach dem
Zustande der Haut: _ṅda tégē_, wie ist die Haut?, und schalten hin
und wieder, namentlich wenn sie Mohammedaner sind, ein _Hamd alláhi_
ein. Sehr gebräuchlich ist auch der bei allen Sudan-Negern eingebürgerte
Gruss _l'áfia_, der jedoch auch aus dem Arabischen entnommen ist und so
viel wie Friede bedeutet.
Das eben Angeführte gilt beim Grüssen zwischen Gleichen, sobald indess
ein Niederer einen Höheren antrifft oder besucht, gestalten sich die
Verhältnisse ganz anders; der Niedere wirft sich vor dem Höheren auf die
Erde, berührt mit der Stirn den Sand und untermischt die gewöhnlichen
_Lalē, Lalē_ mit häufigen _Alla-ká-bondjo_, Gott sei dir gnädig,
oder _ṅgúbbero degá_, (Gott) lasse Dich lange Zeit (leben). Dies
Letzte entspricht also wörtlich dem Arabischen Allah ithol amreck. Will
man sehr höflich und unterthänig sein--und namentlich geschieht das vor
dem Sultan--, so streut man sich etwas Staub auf sein Haupt oder macht
wenigstens die Miene, als ob man es thäte. Es gehört überdies zum guten
Brauch, einer höheren Person nicht ins Gesicht zu sehen, sondern beim
Reden den Kopf seitwärts zu drehen. In Mándara, wo am Hofe die alten
Sitten noch reiner bewahrt sind, bemerkte ich sogar, dass sämmtliche
Höflinge und Anwesende dem König den Rücken zudrehten, selbst wenn sie
mit Seiner schwarzen Majestät sich unterhielten, als ob sie die Macht
und Herrlichkeit des Königlichen Antlitzes nicht ertragen könnten; auch
selbst am schon civilisirteren Hofe von Bornu pflegen die alten kognáua
(Plural von kógna, welches Wort Barth so treffend durch unser Deutsches
"Hofrath" übersetzte) noch eine gleiche Sitte zu beobachten.
Die Frauen, welche in Bornu, ob mislemata oder Heiden, alle
unverschleiert gehen, überhaupt eine den Männern vollkommen gleich
berechtigte Stellung sich zu bewahren gewusst haben, grüssen sich unter
einander auf ganz gleiche Weise; falls sie mit Männern zusammenkommen,
erwarten sie indess, wie das ja auch bei uns der Fall ist, dass man sie
zuerst grüsst.
Andere Redensarten der Kanúri, welche sie jedoch mit anderen um sie
herum wohnenden Neger-Stämmen gemein haben, sind: _ṅdáni, adak ke
l'áfia--adak ke l'áfia, ke l'áfia lē_. Letztere Redensart ist sehr
gebräuchlich und bedeutet ungefähr unser "wie geht es?" Endlich haben
sie für "Willkommen" die aus dem Haussa herüber bekommene Redensart
_usse-usse_; dieser letzte Ausdruck kann auch für "danke" benutzt
werden, obgleich die Kanúri für "ich danke" das echte, aber fast nie
angewandte Wort _gode-ṅgin_ haben.
Geht man von Bornu westwärts, so stösst man zunächst auf die grosse
Nation der Haussa, augenblicklich von den Fulan oder Fellata beherrscht.
Ehedem auch unter grossen nationalen und despotischen Dynastien stehend,
sind ihre Begrüssungen auch natürlich sehr ceremoniös. Eine Frau
begrüsst z.B. einen Mann nur knieend und unterwegs kniet sie so lange
nieder, bis der Mann vorüber ist; tragen sie dabei eine Bürde auf dem
Kopfe, so setzen sie dieselbe ab. Der männliche Theil der Bevölkerung
macht weniger Umstände, namentlich wenn es sich um Gleiche dreht; eine
einfache Berührung der Finger, die man hernach zum Munde führt, mit dem
auch in Bornu eingeführten Ausruf _Ssünno, ssünno_ oder _l'áfia_ reicht
gewöhnlich hin. Als Zeichen der Freude, namentlich bei einem frohen
Zusammentreffen, haben die Haussaer _etjau-etjau_.
Sind sich zwei Individuen näher bekannt, so erkundigen sie sich
specieller nach dem gegenseitigen Befinden: "_Akekéke_", "wie bist Du?",
"_kol l'áfia_", "mit dem Frieden", d.h. sehr gut, oder "_kenna l'áfia_",
"wie geht's?", was der Andere mit "_ranka schidéde tol amrek_" ("ich
danke, Gott verlängere deine Existenz", wovon die letzte Hälfte Arabisch
ist) erwiedert. "_Allah schibáka ioreih_" ist der den Segen Gottes auf
das Haupt eines Freundes erflehende Schlussgruss.
Vor einer höheren Person oder einem Könige werfen sich die Haussaer wie
die Kanúri in den Staub und streuen sich etwas Sand auf das Haupt oder
machen doch die Bewegung nach. Allgemein ist auch die Sitte, dass ein
Niederer, falls er vor einem höher Gestellten sich zeigt, die Tobe von
den Schultern zurückzieht, und fast alle Negerstämme einschliesslich die
Kanúri haben in ihrer Sprache einen besonderen Ausdruck für dies
Zurückschlagen.
Ganz anders in ihrem Auftreten sind die Fulan oder Fellata, die sich
selbst Pullo nennen und in Sókoto und Gando zwei der mächtigsten und
grössten Reiche in Centralafrika gegründet haben. Dies räthselhafte
Volk, nach dessen Ursitzen man bis jetzt vergeblich gesucht hat und von
dem man nicht weiss, ob man es zu den Negern, zu der Malayischen oder
der weissen Raçe rechnen soll, und das hauptsächlich zwei Hauptstämme
bildet, die sogenannten Bornu-Fulan und die Melē-Fulan, ist zum
Theil, und namentlich die Melē-Fulan, schon vor Zeiten zum Islam
übergetreten, während auch noch Viele und namentlich die, welche dem
Nomadenleben treu geblieben, Heiden sind. Sie haben durch ihre lange
Praxis der mohammedanischen Religion Vieles aus dem Arabischen entlehnt.
"_Allah rhina, Allah rhina_" rufen sie sich beim Begegnen zu und es
entspricht dies unserem "grüss' Dich Gott", das l'áfia haben sie
ebenfalls wohl aus dem Arabischen bekommen und ihr _mad' Allah, mad'
Allah_, welches bei ihnen einen besonderen Grad von Zufriedenheit
bedeutet und für "danke" gebraucht wird, lässt sich auf das Arabische
zurückführen. Immer freies, nie geknechtetes Volk haben die Fellata gar
keine besonderen Ceremonien beim Grusse und in Garo-n-Bautschi (Jakoba)
hatte ich Gelegenheit zu sehen, wie bei den öffentlichen Audienzen, die
der Sultan oder, wie die Pullo ihn tituliren, Lámedo gab, Jeder ohne
Umstände sich nähern konnte.
Um "guten Morgen" auszudrücken, bedienen sich die Fulan des Wortes
_ualidjim_, um "guten Abend" zu sagen, des Wortes _infinidjim_;
ausserdem schalten sie überall _uódi, dumbódi_ ein, Worte, die sich
nicht genau übersetzen lassen, aber einen besonderen Grad von
Zufriedenheit und Freude ausdrücken sollen.
Fast ganz fremd vom Einflusse des Arabischen sind die Grüsse der am
Bénuē ansässigen Stämme der Afo- und Bassa-Neger. Obschon sie von den
Haussaern das _Ssünno-ssünno_ und _l'áfia-l'áfia_ herübergenommen haben,
wenden sie es jedoch selten unter sich an, alle Fremde dagegen
bewillkommen sie mit dem Arabischen Grusse _mábah-mábah_
(zusammengezogen aus marabah), der ihnen jedoch auch nur durch
Vermittelung von Haussa zugekommen ist. Vollkommene und echte
Fetischanbeter haben sie aber sonst von den religiösen Grüssen der
Araber gar keine und beim Begegnen unter sich haben sie den
eigenthümlichen Gebrauch, dass sie sich den Vorderarm an einander legen,
der Art, dass einer dem anderen den Ellenbogen umfasst, dabei äussern
sie dann ihre nationalen Grüsse _kundo-kundo kundore, kundokora_, die
sie je nach den Umständen längere oder kürzere Zeit wiederholen. Da sie
nur kleine, von einander unabhängige Staaten bilden, so ist bei ihnen
von Hoch und Niedrig keine Rede.
Die, welche hauptsächlich den Schiffsverkehr auf dem unteren Bénuē
besorgen, rufen sich im Vorbeifahren die einfachsten Vokale zu, und wenn
sie ihr Kanoe nicht anhalten, um mit dem Führer des entgegenkommenden
Baumstammes einige Züge aus der langen Pfeife, die Alle immer bei sich
haben, zu rauchen, so lassen sie es von Weitem bei Eïa, o, a, o, o, a,
eïa, o, a, o etc. bewenden. Sie rufen sich dies so lange zu, wie sie
ihre Stimme hören können.
Die am Niger ansässigen Nyfe-Völker, welche Theil eines mächtigen
Königreiches sind, haben viel ausgebildetere Formen und Worte, um den
Gruss auszudrücken, als die eben genannten Bassa- und Afo-Neger.
Beim Begegnen machen sie eine knixende Verbeugung, ja untergeordnete
Leute bleiben so lange in knixender Stellung, bis der ganze Gruss
vorüber ist. Dabei nehmen sie den Hut nach Art der Europäer ab, sowohl
wenn sie sich als Gleiche grüssen als wenn ein Untergebener sich vor
einem Höheren befindet. "Guten Tag" drücken sie durch _beléni_ aus,
worauf der Angeredete mit _madjiobú_, ich danke, oder _aku-beni_, wie
geht es? antwortet. Beim Weggang sagt man _meeda_, ich gehe, und erhält
dann ein _ssassamidji_, grüsse zu Hause, mit auf den Weg. Abends bietet
man _aku-be-gédi_, guten Abend, und bekommt _odjilo-suáni_ zurück. Beim
Aufstehen fragt man _uanáni_, hast du gut geschlafen?, oder
_aku-bolósun_, hast du die Nacht gut zugebracht?
Vor ihrem Fürsten--in diesem Augenblick ist es König Massaban--sind die
Nyfenser sehr demüthig. Ich bemerkte, dass, so oft der König einem der
Anwesenden etwas Schmeichelhaftes sagte oder ihm einige Kola-Nüsse,
welche überall in Central-Afrika bei den Negern unseren Kaffee
vertreten, gab, der so beglückte Neger an die Thüre eilte, sich
prosternirte, indem er dem König den Rücken zuwandte, und Sand auf sein
Haupt warf, ohne weiter Etwas dabei zu reden.
Leider gingen mir beim Uebersetzen von Ikoródu nach Lagos, wo einer der
fürchterlichsten Tornados noch am Schlusse der Reise uns fast alle durch
Schiffbruch dahin gerafft hätte, meine Papiere, welche die interessanten
Aufzeichnungen über die Grussformen der Yóruba-Neger enthielten,
verloren. Durch die zahlreichen Missionen, dann durch die vielen Bücher,
welche über die Yóruba - Sprache durch den gelehrten Bischof Crowther
(ein ehemaliger Sklave und jetzt ein tüchtiger Verbreiter des
Christenthums und der Civilisation unter den Negern) herausgekommen
sind, lassen sich indess Details leicht bekommen.
Die Yóruba sind das höflichste und demüthigste Volk der Welt. Niemand
begegnete uns in den dichten Urwäldern, der nicht sein _aku-aku_ oder
_aku-abo_ gerufen hätte; unter sich beknixten sich die Männer und
blieben oft in knixender Stellung, bis sie sich ausgegrüsst hatten. Vor
ihren Häuptlingen und Königen werfen sie sich platt auf den Bauch und
legen oft noch die rechte und dann die linke Wange in den Staub. Erst
auf einen Wink oder ein Wort vom König erheben sie sich, um in hockender
Stellung zu reden.
Bei den Idjebu (s. Grundemann's Missions-Atlas), die eigentlich nur ein
Zweig der Yóruba sind, ist ebenfalls das sich auf den Bauch Werfen
gebräuchlich, nur wird es noch, sobald das Individuum sich auf die Erde
geworfen hat, mit einem eigenen Schnalzen der Finger der rechten Hand
begleitet, indem sie den rechten Arm dabei rechts seitwärts vor sich her
schleudern. Es machte einen ganz komischen Eindruck, wenn König Tapper
in Lagos, der jetzt von den Engländern pensionirt ist, in die
O'Swald'sche Faktorei kam, um mit uns zu frühstücken, wie sämmtliche
Sklaven, sobald sie denselben erblickten, aus alter Ehrfurcht wie auf
Kommando sich auf die Erde warfen und mit den Fingern der Rechten ein
Schnippchen schlugen bei fortwährendem Rufen von _aku-aku_.
Nachstehende Negergrüsse verdanke ich den freundlichen Mittheilungen der
Herren Wiedmann und Locher, die, an der Westküste von Afrika als
Missionäre der Basler Gesellschaft stationirt, ihrer Gesundheit halber
nach Europa herübergekommen sind.
Die Akkra-Neger (an der Goldküste) begrüssen sich des Morgens mit
_Awuo_, ausgeschlafen?, worauf der Angeredete erwidert _miwuo djogba_,
ich habe gut geschlafen. Beim Begegnen rufen sie _henni odje_, wo kommst
Du her?, und der Angeredete sagt _Ble-o_, Friede, oder auch _eiko_,
Glück auf, und _yae_, ich danke. Letzteres sagt man besonders, wenn man
Leuten begegnet, die eine Last tragen oder beim Arbeiten sind. Die
Akkra-Völker nehmen den Hut ab und machen eine Verbeugung; sind sie mit
einer Tobe bekleidet, so muss dieselbe zurückgeschlagen werden,
namentlich vor Höheren streift man sie von den Schultern.
Betreten sie ein Haus, so fragen sie _Teoyoteng_, wie geht es?, und
erhalten _miye-djogba_, ich bin wohl, zur Antwort. Beim Abschiede des
Abends sagen sie _miya wúo_, ich gehe schlafen, und der Andere erwidert
_ya wúo djogba_, geh', schlafe wohl.
Ausserdem haben die Akkra eine Menge Redensarten, um sich nach
Abwesenden zu erkundigen: _Djeïbi_, wie geht's den Leuten dort?
_Ameye-djogba_, sind sie wohl? _Yeikebukeho_, wie geht's den Weibern,
den Kindern und den Schwangeren? (nach Herrn Locher liegt dies Alles in
dem Einen Wort). _Ame fe ame ye djogba_, sie alle sind wohl. Ueberdies
bemerkt Herr Locher, dass bei den Akkra-Negern jetzt überall das
Englische _good morning_ eingebürgert sei, wie das überhaupt wohl an der
Küste von Guinea der Fall ist.
Noch complicirter gestaltet sich nach Herrn Wiedmann bei den Tji-Negern
(Otji-tribes, Grundemann) das Grüssen. Für "guten Morgen" haben sie
_magye_, für "guten Tag" _mahao_, für "guten Abend" _madyo_. Im
Allgemeinen ist der Gegengruss _Ya-aherar_ oder _Ya-adyo_. Dann aber
richtet sich, was merkwürdig genug ist, Gruss und Gegengruss nach dem
Tage der Geburt; so ist Frage und Antwort z. B. ganz verschieden, ob ein
Individuum Montags, Dienstags oder an einem anderen Wochentage geboren
ist. Ein Montags Geborner z.B. bekommt _ya eisi_ zum Gruss.