C. Ein späterer Zustand (nach Kölliker), vergl. Fig. 14. C.]

Aber genau in diesen Beziehungen, in denen der sich entwickelnde Mensch

vom Hunde verschieden ist, gleicht er dem Affen, der wie der Mensch

einen kugeligen Dottersack und eine scheibenförmige, zuweilen theilweis

gelappte Placenta besitzt.

Es ist daher erst in den späteren Entwickelungszuständen, dass das junge

menschliche Geschöpf ausgeprägte Verschiedenheiten vom jungen Affen

darbietet, während der letztere genau so weit in seiner Entwickelung vom

Hunde abweicht, als es der Mensch thut.

So verwunderlich die letzte Behauptung auch klingen mag, so ist sie doch

nachweisbar wahr; und dieser Umstand allein scheint mir hinreichend, die

Einheit im Bau zwischen Menschen und der übrigen thierischen Welt, aber

besonders die nahe Verwandtschaft mit den Affen ausser allen Zweifel zu

setzen.

Wie der Mensch so mit den Thieren, die in der Stufenleiter unmittelbar

unter ihm stehen, identisch ist in den physikalischen Vorgängen, durch

welche er entsteht, identisch in den ersten Zuständen seiner Bildung,

identisch in der Weise seiner Ernährung vor und nach der Geburt, -- so

zeigt er auch, in seinem erwachsenen Zustande mit jenen verglichen, wie

zu erwarten war, eine merkwürdige Aehnlichkeit der Organisation. Er ist

ihnen ähnlich in derselben Weise, wie sie einander ähnlich sind, er

unterscheidet sich von ihnen, wie sie sich unter einander unterscheiden.

Und obgleich diese Aehnlichkeiten und Verschiedenheiten nicht gewogen

und gemessen werden können, so ist doch ihr Werth leicht zu schätzen;

der Maassstab der Beurtheilung mit Bezug auf diesen Werth wird durch das

classificatorische System dargeboten und ausgedrückt, welches jetzt

unter den Zoologen geläufig ist.

Ein sorgfältiges Studium der von den Thieren dargebotenen Aehnlichkeiten

und Verschiedenheiten hat in der That die Naturforscher dahin geführt,

die Thiere in Gruppen anzuordnen oder in gewissen Kreisen zu vereinigen,

wobei alle Glieder einer jeden Gruppe einen gewissen Betrag leicht

bestimmbarer Aehnlichkeit darbieten, und wobei die Zahl der

übereinstimmenden Punkte kleiner wird, je grösser die Gruppe wird und

umgekehrt. So bilden alle Geschöpfe, welche nur in den wenig

unterscheidenden Zeichen der Animalität übereinstimmen, das »Reich«

Thiere, Animalia. Die zahlreichen Thiere, welche nur in dem Besitz der

speciellen Charaktere der Wirbelthiere übereinstimmen, bilden ein

»Unterreich« dieses Reiches. Dann wird weiter das Unterreich

»Wirbelthiere« in fünf »Classen« eingetheilt, Fische, Amphibien,

Reptilien, Vögel und Säugethiere, diese wieder in kleinere Gruppen,

»Ordnungen« genannt, diese in »Familien« und »Gattungen«, während die

letzteren in die kleinsten Vereinigungen aufgelöst werden, die durch den

Besitz constanter, nicht geschlechtlicher Merkmale unterschieden werden.

Diese letzten Gruppen sind die Arten, Species.

Jedes Jahr bringt eine grössere Gleichmässigkeit der Ansichten durch die

ganze zoologische Welt in Bezug auf die Grenzen und Merkmale dieser

grösseren und kleineren Gruppen mit sich. Gegenwärtig hat z. B. Niemand

den geringsten Zweifel in Bezug auf die Merkmale der Classen:

Säugethiere, Vögel oder Reptilien; noch entsteht die Frage, ob irgend

ein durch und durch wohlgekanntes Thier in die eine oder in die andere

Classe gestellt werden sollte. Ferner herrscht in Bezug auf die

Charaktere und Grenzen der Ordnungen der Säugethiere eine allgemeine

Uebereinstimmung, ebenso in Bezug auf die Thiere, welche von ihnen ihrem

Baue nach in die eine Ordnung eingereiht werden müssen, und welche in

eine andere.

Niemand zweifelt z. B., dass das Faulthier und der Ameisenfresser, das

Känguruh und die Beutelratte, der Tiger und der Dachs, der Tapir und das

Rhinoceros beziehentlich Glieder derselben Ordnungen sind. Diese

einzelnen Paare können, und einige werden wirklich unendlich unter

einander verschieden sein, und zwar in solchen Punkten, wie die

Verhältnisse und der Bau ihrer Gliedmaassen, die Zahl der Rücken- und

Lendenwirbel, die Anpassung ihres Baues an die Fähigkeit zu klettern,

springen oder laufen, die Zahl und Form ihrer Zähne, und die Charaktere

ihrer Schädel und des in diesen eingeschlossenen Gehirns. Aber bei all

diesen Verschiedenheiten sind sie in allen bedeutenderen und

fundamentalen Charakteren ihrer Organisation so nahe verwandt, und durch

dieselben Merkmale von anderen Thieren so deutlich unterschieden, dass

die Zoologen es eben für nothwendig halten, sie als Glieder einer

Ordnung zusammenzustellen. Und wenn irgend ein neues Thier entdeckt

würde, das keine grössere Verschiedenheiten vom Känguruh und der

Beutelratte darböte, als diese unter einander haben, so würde der Zoolog

nicht bloss logisch verbunden sein, es mit diesen in dieselbe Ordnung zu

bringen, sondern er würde überhaupt gar nicht daran denken, etwas

anderes zu thun.

Wir wollen einmal, diesen klaren Gang eines zoologischen Raisonnements

vor Augen, versuchen, unsere Gedanken für einen Augenblick von unserer

Stellung als Menschen loszumachen; wir wollen uns einmal in die Stelle

wissenschaftlich gebildeter Bewohner des Saturn versetzen, die

hinreichend mit solchen Thieren, wie sie jetzt die Erde bewohnen,

bekannt sind. Wir wären bei einer Discussion über die Beziehungen dieser

Thierwelt zu einem neuen und eigenthümlichen »aufrechten und federlosen

Zweifüssler«, den irgend ein unternehmender Reisender, der die

Schwierigkeiten des Raumes und der Schwerkraft überwunden hätte, von

jenem entfernten Planeten wohl verwahrt, vielleicht in einem Fasse Rum

zu unserer Betrachtung mitgebracht hätte. Wir würden alle sofort darin

übereinkommen, ihn unter die Wirbelthiere und unter die Säugethiere zu

stellen; und sein Unterkiefer, seine Backzähne und sein Gehirn würden

uns nicht zweifeln lassen, dass die neue Gattung ihre systematische

Stellung unter denjenigen Säugethieren finde, deren Junge während der

Trächtigkeit mittelst einer Placenta ernährt werden, die wir daher

placentale Säugethiere nennen.

Es würde uns ferner selbst die oberflächlichste Untersuchung sofort

überzeugen, dass unter den Ordnungen der placentalen Säugethiere weder

die Wale, noch die Hufthiere, noch die Faulthiere und Ameisenfresser,

noch die fleischfressenden Katzen, Hunde und Bären, noch weniger die

nagenden Ratten und Kaninchen oder die insectenfressenden Maulwürfe und

Igel oder die Fledermäuse unsere neue Form »Homo« als Glieder ihrer

selbst beanspruchen können.

Es würde daher nur eine einzige Ordnung zur Vergleichung übrig bleiben,

die der Affen (das Wort im weitesten Sinne gebraucht), und die zu

erörternde Frage würde sich dahin concentriren: -- ist der Mensch von

irgend welchen dieser Affen so verschieden, dass er eine Ordnung für

sich bilden muss? Oder weicht er weniger von ihnen ab, als sie unter

einander abweichen, und muss er deshalb seine Stelle in derselben

Ordnung mit ihnen einnehmen?

Da wir glücklicherweise frei von jedem wirklichen oder eingebildeten

persönlichen Interesse an den Resultaten der so veranstalteten

Untersuchung wären, so würden wir daran gehen, die Gründe der einen wie

der andern Ansicht gegeneinander abzuwägen, und zwar mit so viel Ruhe

des Urtheils, als ob die Frage eine neue Beutelratte beträfe. Wir würden

alle die Merkmale, durch welche unser neues Säugethier von den Affen

abweicht, zu bestimmen versuchen, ohne sie vergrössern oder verkleinern

zu wollen; und wenn wir fänden, dass diese unterscheidenden Merkmale von

geringerem Werthe in Bezug auf den ganzen Bau wären, als die, welche

gewisse Formen der Affen von anderen, nach allgemeiner Uebereinstimmung

zu derselben Ordnung gehörigen Formen unterschieden, so würden wir ohne

Zweifel die neu entdeckte irdische Gattung in dieselbe Gruppe einordnen.

Ich will nun daran gehen, die Thatsachen einzeln durchzugehen, welche

mir keine andere Wahl zu lassen scheinen, als der letzterwähnten

Eventualität zu folgen.

* * * * *

Es ist völlig sicher, dass die Affenform, welche dem Menschen in der

Gesammtheit des ganzen Baues am nächsten kommt, entweder der Chimpanze

oder der Gorilla ist; und da es für den Zweck meines gegenwärtigen

Beweises von keiner praktischen Verschiedenheit ist, welcher zur

Vergleichung einerseits mit dem Menschen, andererseits mit den übrigen

Primaten[27] genommen wird, so wähle ich (so weit seine Organisation

bekannt ist) den letzteren als ein jetzt in Prosa und Poesie so

gefeiertes Thier, dass alle von ihm gehört haben und sich irgend ein

Bild von seiner Erscheinung entworfen haben müssen. Ich werde so viele

von den wichtigsten Differenzpunkten zwischen dem Menschen und diesem

merkwürdigen Geschöpf aufnehmen, als der mir zur Disposition stehende

Raum zu erörtern gestattet und die Beweisbedürfnisse erfordern; ich

werde ferner den Werth und die Grösse dieser Differenzen untersuchen und

mit denen vergleichen, welche den Gorilla von anderen Thieren derselben

Ordnung trennen.

In den allgemeinen Verhältnissen des Körpers und der Gliedmaassen

besteht ein merkwürdiger Unterschied zwischen dem Gorilla und dem

Menschen, der sofort in die Augen springt. Die Schädelkapsel des Gorilla

ist kleiner, der Rumpf grösser, die unteren Extremitäten kürzer, die

oberen länger im Verhältniss als beim Menschen.

Ich finde, dass die Wirbelsäule eines völlig erwachsenen Gorilla, in dem

Museum des königl. Collegiums der Wundärzte, der vorderen Krümmung

entlang 27 Zoll misst, vom obern Rand des Atlas oder ersten Halswirbels

bis zum untern Ende des Kreuzbeins, dass der Arm ohne die Hand 31½

Zoll, das Bein ohne den Fuss 26½, die Hand 9¾ Zoll, der Fuss

11¼ lang ist.

Nehmen wir mit anderen Worten die Länge der Wirbelsäule zu 100 an, so

sind die Arme gleich 115, die Beine 96, die Hände 36, die Füsse 41.

Am Skelet eines männlichen Buschmann in derselben Sammlung sind die

Verhältnisse zur Wirbelsäule, diese auf gleiche Weise gemessen und

wieder zu 100 genommen, wie folgt: Arm 78, Bein 110, Hand 26, Fuss 32.

Bei einer Frau derselben Rasse ist der Arm 83, das Bein 120, Hand und

Fuss wie vorhin. Am Skelet eines Europäers fand ich den Arm 80, das Bein

117, die Hand 26, den Fuss 35.

Das Bein ist daher in seinem Verhältniss zur Wirbelsäule beim Gorilla

nicht so verschieden von dem des Menschen, wie es auf den ersten Blick

scheint, es ist beim erstern unbedeutend kürzer als die Wirbelsäule und

zwischen 1/10 und 1/5 länger als die Wirbelsäule beim letztern. Der Fuss

ist länger und die Hand viel länger beim Gorilla; die grosse

Verschiedenheit beruht aber in den Armen, welche beim Gorilla sehr viel

länger als die Wirbelsäule sind, beim Menschen sehr viel kürzer als die

Wirbelsäule.

Es entsteht nun die Frage, wie verhalten sich die anderen Affen in

dieser Beziehung zum Gorilla, wenn wir die Länge der auf gleiche Weise

gemessenen Wirbelsäule gleich 100 setzen. Bei einem erwachsenen

Chimpanze ist der Arm nur 96, das Bein 90, die Hand 43, der Fuss 39, --

es entfernen sich also Hand und Bein mehr von den menschlichen

Verhältnissen, der Arm weniger, während der Fuss ungefähr dem des

Gorilla gleichkommt.

Beim Orang sind die Arme sehr viel länger als beim Gorilla (122),

während die Beine kürzer sind (89); der Fuss ist länger als die Hand (52

und 48) und beide sind viel länger im Verhältniss zur Wirbelsäule.

Bei den anderen menschenähnlichen Affen, den Gibbons, sind diese

Verhältnisse noch weiter verändert; die Länge der Arme verhält sich zu

der der Wirbelsäule wie 19 zu 11; auch sind die Beine um ein Drittel

länger als die Wirbelsäule, so dass sie länger als beim Menschen sind,

anstatt kürzer zu sein. Die Hand ist halb so lang als die

Wirbelsäule; der Fuss, kürzer als die Hand, misst ungefähr 5/11 der

Wirbelsäulenlänge.

Es ist daher _Hylobates_ um so viel länger in den Armen als der Gorilla,

als der Gorilla in den Armen länger als der Mensch ist; während er auf

der andern Seite um so viel in den Beinen länger als der Mensch ist,

als der Mensch in den Beinen länger als der Gorilla ist, so dass er an

sich selbst die extremsten Abweichungen von der mittleren Länge beider

Gliedmaassenpaare vereinigt (s. Titelbild).

Der Mandrill bietet einen mittleren Zustand dar, die Arme und Beine sind

ungefähr in Länge gleich, und beide sind kürzer als die Wirbelsäule,

während Hand und Fuss nahebei dasselbe Verhältniss zu einander und zur

Wirbelsäule haben, als beim Menschen.

Beim Klammeraffen (_Ateles_) ist das Bein länger als die Wirbelsäule,

der Arm länger als das Bein; und endlich ist bei jener merkwürdigen

lemurinen Form, dem Indri (_Lichanotus_), das Bein ungefähr so lang als

die Wirbelsäule, während der Arm nicht mehr als 11/18 ihrer Länge

beträgt; die Hand ist etwas weniger, der Fuss etwas mehr als ein Drittel

der Länge der Wirbelsäule lang.

Diese Beispiele können sehr vervielfältigt werden; die mitgetheilten

reichen für den Nachweis hin, dass, in welchen Verhältnissen der

Gliedmaassen auch der Gorilla vom Menschen abweichen mag, die anderen

Affen noch weiter vom Gorilla abweichen, und dass folglich solche

Verschiedenheiten der Proportionen keinen Ordnungswerth haben können.

Wir wollen zunächst die vom Rumpfe dargebotenen Verschiedenheiten

betrachten, welche aus der Wirbelsäule oder dem Rückgrat und den Rippen

und dem Becken, die mit jenem verbunden sind, bestehen, und zwar

beziehentlich beim Menschen und beim Gorilla.

Beim Menschen hat die Wirbelsäule, zum Theil in Folge der Anordnung der

Gelenkflächen der einzelnen Wirbel, zum grossen Theil in Folge der

elastischen Spannung einiger der faserigen Bänder oder Ligamente, welche

diese Wirbel unter einander verbinden, als ein Ganzes eine elegante

S-förmige Krümmung, sie ist am Halse nach vorn convex, am Rücken concav,

an den Lendenwirbeln convex und endlich wieder concav in der

Kreuzbeingegend, eine Anordnung, die dem ganzen Rückgrat eine grosse

Elasticität giebt und den bei der Bewegung in aufrechter Stellung der

Wirbelsäule und durch diese dem Kopfe mitgetheilten Stoss vermindert.

Unter gewöhnlichen Umständen hat ferner der Mensch sieben Wirbel in

seinem Halse; darauf folgen zwölf, welche Rippen tragen und den obern

Theil des Rückens bilden, weshalb man sie Rückenwirbel (Dorsalwirbel)

nennt; fünf liegen in der Lendengegend und tragen keine freien oder

besonderen Rippen, dies sind die Lendenwirbel (Lumbarwirbel); diesen

folgen fünf zu einem grossen vorn ausgehöhlten, fest zwischen die

Hüftbeine eingekeilten Knochen vereinigte Wirbel, die den Rückentheil

des Beckens bilden und als Kreuz- oder Heiligenbein (sacrum) bekannt

sind; und endlich bilden drei oder vier kleine mehr oder weniger

bewegliche Knochen, ihrer Kleinheit wegen unbedeutend, den Coccyx oder

rudimentären Schwanz.

Beim Gorilla ist die Wirbelsäule ähnlich in Hals-, Rücken-,

Lendenwirbel, Kreuzbein- und Schwanzwirbel eingetheilt, und die

Gesammtzahl der Hals- und Rückenwirbel zusammengenommen ist dieselbe wie

beim Menschen; aber die Entwickelung eines freien Rippenpaares am ersten

Lendenwirbel, die ein ausnahmsweises Vorkommen beim Menschen bildet, ist

beim Gorilla die Regel, und da die Rücken von den Lendenwirbeln durch

die Anwesenheit oder das Fehlen von freien Rippen unterschieden werden,

werden die siebzehn Dorsolumbarwirbel des Gorilla in dreizehn Rücken-

und vier Lendenwirbel getheilt, während beim Menschen zwölf Rücken- und

fünf Lendenwirbel vorhanden sind.

Es besitzt indessen nicht bloss der Mensch gelegentlich dreizehn

Rippenpaare[28], sondern der Gorilla hat auch zuweilen vierzehn Paar,

während andererseits ein Orang-Utanskelet im Museum des königl.

Collegiums der Wundärzte wie der Mensch zwölf Dorsal- und fünf

Lumbarwirbel hat. Cuvier giebt dieselbe Zahl bei einem _Hylobates_ an.

Auf der andern Seite besitzen viele der niederen Affen zwölf Rücken- und

sechs oder sieben Lendenwirbel; der Douroucouli (_Nyctipithecus

trivirgatus_) hat vierzehn Rücken- und acht Lendenwirbel, und ein Lemur

(_Stenops tardigradus_) fünfzehn Rücken- und neun Lendenwirbel.

Die Wirbelsäule des Gorilla als Ganzes weicht von der des Menschen in

dem weniger ausgesprochenen Charakter ihrer Krümmungen ab, besonders in

der geringeren Convexität der Lendengegend. Nichtsdestoweniger sind die

Krümmungen vorhanden und sind an jungen Skeletten des Gorilla und

Chimpanze, die ohne Entfernung der Bänder aufgestellt worden sind, sehr

augenfällig. Bei ähnlich präparirten jungen Orangs ist dagegen die

Wirbelsäule in der ganzen Ausdehnung der Lendengegend entweder gerade

oder selbst nach vorn concav.

Ob wir nun diese Charaktere nehmen oder solche untergeordnetere, wie die

aus der proportionalen Länge der Dornfortsätze der Halswirbel

abzuleitenden oder ähnliche andere, so kann doch irgend welcher Zweifel

mit Bezug auf die ausgesprochene Verschiedenheit des Menschen und des

Gorilla nicht bestehen; ebensowenig aber darüber, dass gleich scharf

ausgeprägte Verschiedenheiten derselben Art zwischen dem Gorilla und den

niederen Affen obwalten.

Das Becken oder der knöcherne Gürtel an den Hüften des Menschen ist ein

auffallend menschlicher Theil seines ganzen Baues; die verbreiterten

Hüftbeine bieten eine Stütze für seine Eingeweide während seiner

beständig aufrechten Stellung, und Raum zu Ansatz für die grossen

Muskeln dar, die ihn befähigen jene Stellung anzunehmen und zu

behaupten. In dieser Hinsicht weicht das Becken des Gorilla bedeutend

von dem seinigen ab (Fig. 16). Man braucht aber nicht tiefer hinunter zu

gehen, als bis zu dem Gibbon, um zu sehen, wie unendlich mehr dieser

vom Gorilla abweicht, als der letztere vom Menschen, selbst in diesem

Gebilde. Man betrachte nur die platten, schmalen Hüftbeine, den langen

und engen Beckencanal, die rauhen, nach auswärts gekrümmten

Sitzbeinhöcker, auf denen der Gibbon beständig ruht, und die aussen von

den sogenannten Schwielen bekleidet sind, derben Hautstellen, die beim

Gorilla, beim Chimpanze, beim Orang fehlen, wie beim Menschen!

[Illustration: Fig. 16. Ansichten des Beckens vom Menschen, Gorilla und

Gibbon von vorn und von der Seite; nach Zeichnungen von Mr. Waterhouse

Hawkins nach der Natur verkleinert, von derselben absoluten Länge.]

Bei den niederen Affen und den Lemuren wird der Unterschied noch

auffallender; das Becken nimmt hier durchaus den Charakter der

Vierfüsser an.

Wir wollen uns aber jetzt zu einem edleren und charakteristischeren

Organ wenden, -- durch das der menschliche Körper so streng von allen

übrigen geschieden zu werden scheint und wirklich geschieden wird, --

ich meine den Schädel. Die Verschiedenheiten zwischen dem Schädel eines

Gorilla und dem eines Menschen sind in der That ungeheuer (Fig. 17). Bei

dem erstem überwiegt das vorzüglich von den massiven Kieferknochen

gebildete Gesicht über die Gehirnkapsel oder den eigentlichen Schädel,

beim letztem ist das Verhältniss der beiden Hälften umgekehrt. Beim

Menschen liegt das grosse Hinterhauptsloch, durch welches der grosse das

Gehirn mit den Körpernerven verbindende Nervenstrang, das Rückenmark,

durchtritt, unmittelbar hinter der Mitte der Basis des Schädels, welcher

hierdurch in der aufrechten Stellung genau balancirt wird; beim Gorilla

liegt es im hintern Dritttheil jener Basis. Beim Menschen ist die

Oberfläche des Schädels verhältnissmässig glatt und die

Augenbrauenhöcker ragen nur wenig vor, während beim Gorilla ungeheure

Knochenleisten auf dem Schädel entwickelt sind und die Augenbrauenhöcker

die Augenhöhlen wie grosse Wetterdächer überragen.

Durchschnitte durch die Schädel zeigen indessen, dass einige der

scheinbaren Mängel des Gorillaschädels in der That nicht von einer

Kleinheit der Schädelkapsel als vielmehr von einer excessiven

Entwickelung der Gesichtstheile herrühren. Die Schädelhöhle ist nicht

übel gebildet und die Stirn ist nicht wirklich abgeplattet und nicht

sehr stark zurücktretend, ihre in der That wohlausgebildete Wölbung ist

einfach durch die Masse von Knochen, die an sie hinangebaut ist,

maskirt.

Die Dächer der Augenhöhlen steigen aber schräger in die Schädelhöhle auf

und vermindern hierdurch den Raum für den untern Theil der vordern

Lappen des Gehirns, auch ist der absolute Rauminhalt des Schädels viel

kleiner als beim Menschen. So viel mir bekannt ist, ist bis jetzt noch

kein menschlicher Schädel, von einem erwachsenen Manne, mit einem

geringern cubischen Inhalt als 62 Cubikzoll beobachtet worden; der

kleinste unter allen Rassenschädeln, den Morton untersucht hat, enthielt

63 Cubikzoll, während auf der andern Seite der geräumigste

Gorillaschädel, der bis jetzt gemessen worden ist, nicht mehr als 34½

Cubikzoll Inhalt hatte. Wir wollen der Einfachheit wegen annehmen, dass

der niedrigste Menschenschädel einen doppelt so grossen Rauminhalt hat,

als der höchste Gorillaschädel[29].

Dies ist ohne Zweifel ein sehr auffallender Unterschied, er verliert

aber viel von seinem scheinbaren systematischen Werthe, wenn er im

Lichte gewisser anderer gleichfalls unbezweifelbarer Thatsachen betreffs

der Schädelmaasse betrachtet wird.

Die erste derselben ist die, dass die Verschiedenheit im Umfange der

Schädelhöhle bei verschiedenen Rassen des Menschengeschlechts absolut

viel grösser ist, als die zwischen dem niedersten Menschen und dem

höchsten Affen, während sie relativ ungefähr dieselbe ist. Der grösste

von Morton gemessene menschliche Schädel enthielt nämlich 114 Cubikzoll,

das heisst also, hatte sehr nahe den doppelten Inhalt des kleinsten,

während sein absolutes Uebergewicht von 52 Zoll bei weitem grösser ist,

als die Differenz, um welche der niedrigste erwachsene menschliche

männliche Schädel den grössten Gorillaschädel übertrifft (62 - 34½ = 27½).

Zweitens differiren die bis jetzt gemessenen Gorillaschädel

untereinander um beinahe ein Drittel, der grösste Inhalt ist 34,5

Cubikzoll, der kleinste nur 24 Cubikzoll; und drittens sinken, wenn man

selbst die Differenz der Grösse gehörig in Rechnung bringt, die

Schädelinhalte einiger der niederen Affen relativ nahebei so weit unter

die der höheren Affen, wie diese unter die des Menschen.

Die Menschen weichen daher selbst in diesem wichtigen Zuge des

Schädelinhaltes viel weiter untereinander ab, als von den Affen, während

die niedrigsten Affen im Verhältniss ebensoweit von den höchsten

abweichen, wie diese vom Menschen. Der letzte Satz wird noch besser

erläutert durch das Studium der Modificationen, welche andere Theile des

Schädels in der Affenreihe erleiden.

[Illustration: Fig. 17. Durchschnitte der Schädel des Menschen und

verschiedener Affen, so gezeichnet, dass in jedem Falle die Gehirnhöhle

dieselbe Länge hat, wobei das wechselnde Verhältniss der Gesichtsknochen

deutlich wird. Die Linie _b_ giebt die Ebene des Tentorium an, welches das

grosse vom kleinen Gehirn trennt; _d_ die Axe des Hinterhauptsloches des

Schädels. Die Ausdehnung der Gehirnhöhle hinter _c_, welches eine auf _b_

in dem Punkte, wo das Tentorium hinten befestigt ist, errichtete Senkrechte

ist, giebt den Grad an, in welchem das grosse Gehirn das kleine überragt,

der vom letzten eingenommene Raum ist durch die dunkle Schraffirung

bezeichnet. Vergleicht man diese Zeichnungen, so muss man sich daran

erinnern, dass Figuren in einem so kleinen Maassstabe wie diese nur die im

Texte gemachten Angaben beispielsweise zu erläutern bestimmt sind, deren

Beweise in den Schädeln selbst gesucht werden müssen.]

Es ist die bedeutende relative Grösse der Gesichtsknochen und das

bedeutende Vorspringen der Kinnladen, welche dem Gorillaschädel seinen

kleinen Gesichtswinkel und thierischen Charakter verleihen.

Betrachten wir aber die proportionale Grösse der Gesichtsknochen nur zu

dem eigentlichen Schädel, so differirt die kleine _Chrysothrix_ (Fig.

17) sehr weit vom Gorilla, und zwar nach derselben Seite wie der Mensch,

während die Paviane (_Cynocephalus_, Fig. 17) die starken Proportionen

der Schnauze des grossen Anthropoiden noch übertreiben, so dass des

letztern Gesicht im Vergleich mit dem ihrigen mild und menschlich

aussieht. Die Verschiedenheit zwischen dem Gorilla und dem Pavian ist

selbst grösser, als sie auf den ersten Blick scheint; denn bei dem

ersten kommt die grosse Gesichtsmasse zum grossen Theil auf Rechnung

einer Entwickelung der Kinnladen nach unten; dies ist aber eine

wesentlich menschliche Eigenthümlichkeit, die hier zu der wesentlich

thierischen Entwickelung derselben Theile beinahe nur nach vorn

hinzukommt, welche den Pavian charakterisirt, noch merkwürdiger aber den

Lemur auszeichnet.

In ähnlicher Weise liegt das Hinterhauptsloch bei _Mycetes_ (Fig. 17) und

noch mehr bei den Lemuren vollständig auf der hintern Fläche des

Schädels, oder um so viel weiter hinten als das des Gorilla, als das des

Gorilla weiter hinten liegt als das des Menschen; und als ob die

Fruchtlosigkeit des Versuchs, irgend eine grössere classificatorische

Eintheilung auf einen solchen Charakter zu gründen, dargelegt worden

sollte, so enthält dieselbe Gruppe der Platyrhinen oder amerikanischen

Affen (Affen der neuen Welt), zu der der _Mycetes_ gehört, auch die

_Chrysothrix_, deren Hinterhauptsloch viel weiter nach vorn liegt als

bei irgend einem andern Affen, und fast der Lage beim Menschen sich

nähert.

Ferner hat der Schädel des Orang ebensowenig jene excessiven

Augenbrauenhöcker als der des Menschen, obgleich einige Varietäten

grosse Knochenleisten an anderen Stellen des Schädels entwickeln (s.

oben S. 46); und bei manchen Formen der _Cebus_-artigen Affen und bei

_Chrysothrix_ ist der Schädel so glatt und abgerundet wie der des

Menschen selbst.

Was von diesen leitenden Merkmalen des Schädels gilt, gilt ebenso gut,

wie man sich vorstellen kann, von allen untergeordneten Zügen, so dass

für jede constante Verschiedenheit zwischen dem Schädel des Gorilla und

dem des Menschen eine ähnliche constante Differenz derselben Ordnung

(das heisst, in einem Excess oder einem Mangel derselben Eigenschaft

bestehend) zwischen dem Schädel des Gorilla und dem irgend eines andern

Affen gefunden werden kann. Es gilt daher für den Schädel nicht weniger

als für das ganze Skelet der Satz, dass die Verschiedenheiten zwischen

dem Menschen und dem Gorilla von geringerem Werthe sind, als die

zwischen dem Gorilla und manchen anderen Affen.

Im Anschluss an den Schädel will ich noch von den Zähnen sprechen, --

Organe, die einen eigenthümlichen classificatorischen Werth haben und

deren Aehnlichkeiten und Verschiedenheiten an Zahl, Form und

Aufeinanderfolge, als ein Ganzes genommen, gewöhnlich für zuverlässigere

Zeichen der Verwandtschaft betrachtet werden, als irgend welche andere.

Der Mensch wird mit zwei Folgen von Zähnen versehen -- Milchzähne und

bleibende Zähne. Die ersteren bestehen aus vier Incisoren oder

Schneidezähnen, zwei Eck- oder Augenzähnen (Hundszähne, canini) und vier

Backzähnen oder Mahlzähnen in jeder Kinnlade, was zusammen zwanzig

giebt. Die letzteren (Fig. 18) umfassen vier Schneidezähne, zwei

Eckzähne, vier kleine Backzähne, falsche Mahlzähne oder Praemolare

genannt, und sechs grosse Back- oder Mahlzähne in jeder Kinnlade, was in

Allem zwei und dreissig macht. Die inneren Schneidezähne sind grösser

als das äussere Paar im Oberkiefer, kleiner als das äussere Paar im

Unterkiefer. Die Kronen der oberen Mahlzähne zeigen vier Höcker oder

stumpferhabene Spitzen, und eine Leiste geht quer über die Krone vom

innern vorderen Höcker zum äussern hintern (Fig. 18 _m_^2). Die

vorderen unteren Mahlzähne haben fünf Höcker, drei aussen, zwei innen.

Die falschen Backzähne haben zwei Höcker, einen äussern und einen

innern, von denen der äussere höher ist.

In allen diesen Beziehungen kann das Gebiss des Gorilla mit denselben

Worten beschrieben werden wie das des Menschen; in anderen Punkten aber

bietet es viele und bedeutende Verschiedenheiten dar (Fig. 18).

[Illustration: Fig. 18. Seitenansicht der Oberkiefer verschiedener Primaten

von gleicher Länge. _i_ Schneidezähne, _c_ Eckzähne, _pm_ falsche

Backzähne, _m_ Backzähne. Durch den ersten Backzahn des Menschen,

_Gorilla_, _Cynocephalus_ und _Cebus_ ist eine Linie gezogen, und die

Kaufläche des zweiten wahren Backzahnes ist bei jedem besonders gezeichnet,

wobei der vordere und innere Winkel gerade über dem _m_ in der Bezeichnung

»_m_^2« steht.]

So bilden die Zähne des Menschen eine regelmässige und ebene Reihe, ohne

irgend eine Unterbrechung und ohne irgend ein merkliches Vorspringen

eines Zahnes über die Reihe der übrigen, eine Eigenthümlichkeit, welche,

wie Cuvier schon vor langer Zeit bemerkte, von keinem andern Thier

getheilt wird, mit Ausnahme eines einzigen, und zwar eines vom Menschen

so verschiedenen Geschöpfes, als man sich nur einbilden kann, nämlich

von dem längst ausgestorbenen _Anoplotherium_. Die Zähne des Gorilla

zeigen dagegen eine Unterbrechung oder einen Zwischenraum, _Diastema_

genannt, in beiden Kinnladen: im Oberkiefer vor dem Augen- oder Eckzahn

oder zwischen ihm und dem äussern Schneidezahn, im Unterkiefer hinter

dem Augen- oder Eckzahn oder zwischen ihm und dem vordersten falschen

Backzahn. In diese Unterbrechung der Reihe passt in jedem Kiefer der

Eckzahn des entgegengesetzten Kiefers ein; dabei ist die Grösse des

Eckzahns beim Gorilla so gross, dass er wie ein Stosszahn weit über das

Niveau der andern Zähne vorragt. Ferner sind die Wurzeln der falschen

Backzähne beim Gorilla complicirter als beim Menschen und die relative

Grösse der Backzähne ist verschieden. Der Gorilla hat am hintersten

Mahlzahn des Unterkiefers eine complicirtere Krone, und die Reihenfolge

des Durchbrechens der bleibenden Zähne ist verschiedener; die bleibenden

Eckzähne erscheinen vor den zweiten und dritten Backzähnen beim

Menschen, beim Gorilla aber nach ihnen.

Während daher die Zähne des Gorilla denen des Menschen in Zahl, Art und

in der allgemeinen Form ihrer Kronen sehr ähnlich sind, bieten sie in

untergeordneten Punkten, wie der relativen Grösse, Zahl der Wurzeln und

Reihe des Auftretens ausgeprägte Verschiedenheiten dar.

Werden nun aber die Zähne des Gorilla mit denen eines Affen verglichen,

der nicht weiter von ihm entfernt ist als ein _Cynocephalus_ oder

Pavian, so wird man finden, dass Verschiedenheiten und Aehnlichkeiten

derselben Ordnung leicht zu beobachten sind, dass aber gerade viele von

den Punkten, in denen der Gorilla dem Menschen ähnlich ist, solche sind,

in denen er vom Pavian abweicht, während verschiedene Beziehungen, in

denen er vom Menschen abweicht, beim _Cynocephalus_ viel stärker

ausgeprägt sind. Die Zahl und Art der Zähne bleiben beim Pavian

dieselben wie beim Gorilla und dem Menschen. Die Form der Kronen der

oberen Backzähne beim Pavian ist aber von der oben beschriebenen völlig

verschieden (Fig. 18); die Eckzähne sind relativ länger und mehr

messerähnlich; der vordere falsche Backzahn des Unterkiefers ist

besonders modificirt; der hintere Backzahn des Unterkiefers ist noch

grösser und complicirter als beim Gorilla.

Wenden wir uns von den Affen der alten Welt zu denen der neuen Welt, so

begegnen wir einer Veränderung, die eine noch grössere Bedeutung hat als

irgend eine der genannten. Bei einer solchen Gattung, wie z. B. _Cebus_

(Fig. 18), wird man finden, dass, während in untergeordneten Punkten,

wie in dem Vorspringen der Eckzähne, dem Diastema, die Aehnlichkeit mit

den grossen menschenähnlichen Affen noch bewahrt ist, die Bezahnung in

anderen und äusserst wichtigen Punkten völlig verschieden ist. Anstatt

20 Milchzähne sind hier 24 vorhanden; anstatt 32 bleibender Zähne sind

hier 36, da die Zahl der falschen Backzähne von acht auf zwölf gestiegen

ist. In ihrer Form sind die Kronen der Backzähne denen des Gorilla sehr

unähnlich und weichen noch weiter von der menschlichen Form ab.

Auf der andern Seite zeigen die Sahui's oder Marmosette (_Hapale_)

dieselbe Zahl von Zähnen wie der Mensch und der Gorilla; aber

nichtsdestoweniger ist ihr Gebiss doch sehr verschieden; sie haben vier

falsche Backzähne mehr, wie die übrigen amerikanischen Affen; da sie

aber vier wahre Backzähne weniger haben, bleibt die Zahl dieselbe. Gehen

wir dann von den amerikanischen Affen zu den Lemuren, so wird die

Bezahnung noch vollständiger und wesentlicher von der des Gorilla

verschieden. Die Schneidezähne fangen in Zahl und Form zu variiren an.

Die Backzähne erhalten immer mehr und mehr den vielspitzigen Charakter

der Insectenfresser, und in einer Gattung, dem Aye-Aye (_Cheiromys_),

verschwinden die Eckzähne, und die Zähne gleichen völlig denen eines

Nagethieres (Fig. 18).

Hieraus ist denn ersichtlich, dass das Gebiss des höchsten Affen, so

weit es auch von dem des Menschen verschieden ist, doch noch viel weiter

von dem der niederen und niedersten Affen abweicht.

Welchen Theil des thierischen Baues, welche Reihe von Muskeln, welche

Eingeweide wir auch immer zur Vergleichung auswählen möchten, das

Resultat würde immer dasselbe sein, die niederen Affen und der Gorilla

würden verschiedener von einander sein als der Gorilla und der Mensch.

Ich kann es an dieser Stelle nicht versuchen, alle diese Vergleichungen

im Einzelnen durchzuführen, und es ist auch in der That nicht nöthig,

dies zu thun. Es bleiben aber noch gewisse wirkliche oder nur

gemuthmaasste anatomische Verschiedenheiten zwischen dem Menschen und

den Affen übrig, auf welche so viel Gewicht gelegt worden ist, dass sie

eine sorgfältige Betrachtung verdienen. Der wahre Werth der wirklich

vorhandenen muss nachgewiesen, die Leere und Haltlosigkeit derer, welche

nur in der Einbildung bestehen, aufgedeckt werden. Ich beziehe mich hier

auf die Charaktere der Hand, des Fusses und des Gehirns.

Der Mensch ist charakterisirt worden als das einzige Thier, welches zwei

Hände, in die die Vordergliedmaassen ausgehen, und zwei Füsse besitze,

in denen die Hintergliedmaassen enden, während angegeben worden ist,

dass alle Affen vier Hände haben; ferner ist versichert worden, dass der

Mensch in den Charakteren seines Gehirns fundamental von allen Affen

differire, welches allein, wie wunderbar genug immer und immer wieder

behauptet wurde, die Gebilde haben soll, die dem Anatomen als hinterer

Lappen, hinteres Horn des Seitenventrikels und Hippocampus minor bekannt

sind.

Dass der erstgenannte Satz allgemeine Annahme hat finden können, ist

nicht überraschend, -- es ist in der That auf den ersten Blick der

Schein ganz zu seinen Gunsten: aber in Bezug auf den zweiten kann man

nur den alles übertreffenden Muth seines Verkünders bewundern, da doch

bewiesen werden kann, dass es eine Neuerung ist, die nicht bloss

allgemein und mit Recht angenommenen Lehren widerspricht, sondern die

durch das Zeugniss aller selbständigen Beobachter, die den Gegenstand

besonders untersucht haben, verneint wird, und dass sie durch kein

einziges anatomisches Präparat unterstützt worden ist noch je werden

kann. Sie würde in der That keiner ernstlichen Zurückweisung werth sein,

wäre es nicht des allgemeinen und natürlich sich aufdrängenden Glaubens

wegen, dass wohl überlegte und wiederholt ausgesprochene Behauptungen

irgend welchen Grund haben müssen.

* * * * *

Ehe wir den ersten Punkt mit Vortheil erörtern können, müssen wir den

Bau der menschlichen Hand und den des menschlichen Fusses mit

Aufmerksamkeit betrachten und mit einander vergleichen, so dass wir

davon klare Vorstellungen erhalten, was eine Hand und einen Fuss

ausmache.

Die äussere Form der menschlichen Hand ist Jedermann hinlänglich

bekannt. Sie besteht aus einem starken Handgelenk, auf das eine breite

aus Fleisch, Sehnen und Haut bestehende Handfläche folgt, in der vier

Knochen verbunden sind, und welche sich in vier lange, biegsame Finger

theilt, von denen jeder auf dem Rücken seines letzten Gliedes einen

breiten abgeplatteten Nagel trägt. Der längste Spalt zwischen irgend

zwei Fingern ist etwas weniger als halb so lang als die Hand. Von dem

äussern Rande der Handfläche geht ein starker Finger ab, der nur zwei

Glieder hat statt drei; er ist so kurz, dass er nur wenig über die Mitte

des ersten Gliedes des nächsten Fingers reicht; ferner ist er durch

seine grosse Beweglichkeit ausgezeichnet, in Folge deren er nach aussen

gerichtet werden kann, fast unter einem rechten Winkel zu den übrigen.

Dieser Finger wird »pollex« oder Daumen genannt, und wie die übrigen

trägt er einen platten Nagel auf dem Rücken seines Endgliedes. In Folge

der Verhältnisse und der Beweglichkeit des Daumens wird er, wie man sich

ausdrückt, gegenüberstellbar; mit anderen Worten, seine Spitze kann mit

grösster Leichtigkeit mit den Spitzen aller übrigen Finger in Berührung

gebracht werden, eine Eigenschaft, auf der zum grossen Theile die

Möglichkeit beruht, die Ideen, die wir uns bilden, praktisch ausführen

zu können.

Die äussere Form des Fusses ist weit von der der Hand verschieden; und

doch bieten beide, wenn näher betrachtet, einige eigenthümliche

Aehnlichkeiten dar. So entspricht gewissermaassen die Ferse dem

Handgelenk, die Sohle der Handfläche, die Zehen den Fingern, die grosse

Zehe dem Daumen. Die Zehen, oder Finger des Fusses, sind aber im

Verhältniss viel kürzer als die Finger der Hand, und weniger beweglich;

dieser Mangel an Beweglichkeit fällt besonders bei der grossen Zehe auf,

welche wiederum im Verhältniss zu den übrigen Zehen viel grösser ist als

der Daumen zu den übrigen Fingern. Bei Betrachtung dieses Punktes dürfen

wir indess nicht vergessen, dass die von Kindheit an eingeengte und

gezwängte civilisirte grosse Zehe sehr unvortheilhaft zu sehen ist, und

dass sie bei uncivilisirten und barfüssigen Völkern einen grossen Theil

ihrer Beweglichkeit, selbst eine Art Gegenüberstellbarkeit beibehält.

Mit ihrer Hülfe sollen die chinesischen Bootsleute rudern können, die

bengalischen Handwerker weben, die Carajas Angelhaken stehlen; nach

Allem muss man indess sich daran erinnern, dass der Bau ihrer Gelenke

und die Anordnung ihrer Knochen nothwendig ihre Fähigkeit zum Greifen

viel unvollkommener macht als die des Daumens.

[Illustration: Fig. 19. Das Skelet der menschlichen Hand und des

menschlichen Fusses nach Dr. Carter's Zeichnung in Gray's Anatomie

verkleinert. Die Hand ist in einem grössern Maassstab gezeichnet als der

Fuss. Die Linie _aa_ in der Hand giebt die Grenze zwischen Handwurzel und

Mittelhand an, _bb_ die zwischen der letztern und den nächsten

Fingergliedern; _cc_ giebt die Enden der letzten Phalangen an. Die Linie

_a'a'_ im Fusse giebt die Grenze zwischen Fusswurzel und Mittelfuss, _b'b'_

die zwischen letzterm und den nächsten Zehengliedern an; _c'c'_ verbindet

die Enden der letzten Glieder; _ca_ Fersenbein, _as_ Astragalus oder

Sprungbein, _sc_ Kahnbein oder Scaphoid in der Fusswurzel.]

Um indessen eine genaue Vorstellung von den Aehnlichkeiten und

Verschiedenheiten der Hand und des Fusses und von den unterscheidenden

Merkmalen beider zu erhalten, müssen wir unter die Haut blicken und in

beiden das knöcherne Gerüst und den motorischen Apparat vergleichen.

Das Skelet der Hand zeigt in der Gegend des Handgelenks, die technisch

_Carpus_, Handwurzel, genannt wird, zwei Reihen dicht zusammengefügter

vieleckiger Knochen, vier in jeder Reihe und nahezu gleich an Grösse.

Die Knochen der ersten Reihe bilden mit den Knochen des Unterarms das

Handgelenk und sind einer zur Seite des andern angeordnet, keiner die

übrigen bedeutend überragend oder umfassend.

Die vier Knochen der zweiten Reihe der Handwurzel tragen die vier langen

Knochen, welche die Handfläche stützen. Der fünfte Knochen derselben Art

ist in einer viel freiern und beweglichern Art als die übrigen an seinem

Handwurzelknochen eingelenkt und bildet die Basis des Daumens. Diese

fünf Knochen heissen Mittelhand- oder _Metacarpal_-Knochen, und sie

tragen die Phalangen oder knöchernen Fingerglieder, von denen zwei im

Daumen, in den übrigen Fingern drei vorhanden sind.

In manchen Beziehungen ist das Skelet des Fusses dem der Hand sehr

ähnlich. So hat jede der kleineren Zehen drei Phalangen, die grosse

Zehe, die dem Daumen entspricht, nur zwei. Für jede Zehe ist ein langer

Knochen, ein sogenannter _Metatarsal_-Knochen oder Mittelfussknochen

vorhanden, der dem Mittelhand- oder Metacarpalknochen entspricht; und

der _Tarsus_, die Fusswurzel, der dem Carpus oder der Handwurzel

entspricht, zeigt vier kurze vieleckige Knochen in einer Reihe, die sehr

nahe den vier Handwurzelknochen der zweiten Reihe entsprechen. In

anderen Beziehungen weicht der Fuss sehr weit von der Hand ab. So ist

die grosse Zehe die zweitlängste, und ihr Mittelfussknochen weit weniger

beweglich mit der Fusswurzel eingelenkt, als der Mittelhandknochen des

Daumens mit der Handwurzel. Ein viel wichtigerer Unterschied wird aber

durch die Thatsache gegeben, dass anstatt vier weiterer

Fusswurzelknochen nur drei vorhanden sind, und dass diese drei nicht

einer zur Seite des andern oder in einer Reihe angeordnet sind. Einer

derselben, das Fersenbein (_ca_), liegt nach aussen und schickt

rückwärts den grossen Fersenfortsatz ab; ein andrer, der Astragalus oder

das Würfel- oder Sprungbein, ruht mit einer Fläche auf jenem, mit einer

andern bildet er mit den Unterschenkelknochen das Knöchelgelenk, eine

dritte Fläche endlich, die nach vorn gerichtet ist, wird von den drei

inneren Fusswurzelknochen der zweiten, dem Metatarsus nächsten Reihe

durch einen, Kahnbein oder Scaphoid genannten Knochen (_sc_) getrennt.

Vergleicht man die Fusswurzel und die Handwurzel mit einander, so

besteht also hier ein fundamentaler Unterschied zwischen dem Bau der

Hand und des Fusses; ferner beobachtet man gradweise Verschiedenheiten,

wenn die Verhältnisse und die Beweglichkeit der Mittelfuss- und

Mittelhandknochen mit ihren Zehen und Fingern mit einander verglichen

werden.

Dieselben Classen von Differenzen treten zu Tage, wenn man die Muskeln

der Hand mit denen des Fusses vergleicht.

Drei Hauptgruppen von Muskeln, die Flexoren oder Beuger, beugen die

Finger und den Daumen, wie beim Ballen der Faust, und drei Gruppen, die

Extensoren oder Strecker, strecken dieselben, wie beim geraden

Ausstrecken der Finger. Diese Muskeln sind alle »lange Muskeln«, das

heisst, der fleischige Theil eines jeden liegt und ist befestigt an den

Knochen des Arms, setzt sich aber am andern Ende in Sehnen, rundliche

Stränge, fort, welche in die Hand eintreten und endlich an den zu

bewegenden Knochen befestigt werden. Wenn daher die Finger gebeugt

werden, so ziehen sich die im Arme liegenden fleischigen Theile der

Beugemuskeln der Finger kraft ihrer besonderen Eigenschaften als Muskeln

zusammen; da sie hierdurch an den sehnigen Strängen ziehen, die mit

ihren Enden zusammenhängen, so veranlassen sie diese, die Fingerknochen

nach der Handfläche herunterzuziehen.

Es sind nicht bloss die Hauptbeuger der Finger und des Daumens lange

Muskeln, sondern sie bleiben auch in ihrer ganzen Länge völlig von

einander geschieden.

Am Fusse giebt es auch drei Hauptbeuger der Zehen, ebenso wie drei

Hauptstreckmuskeln; der eine Beuger aber und der eine Strecker sind

kurze Muskeln, das heisst, ihr fleischiger Theil liegt nicht im

Unterschenkel (der dem Unterarm entspricht), sondern am Rücken und an

der Sohle des Fusses, Gegenden, welche dem Rücken und der Fläche der

Hand entsprechen.

Ferner bleiben die Sehnen des langen Zehenbeugers und des langen Beugers

der grossen Zehe, wenn sie die Fusssohle erreichen, nicht von einander

getrennt, wie es die Beugemuskeln in der Handfläche thun, sondern sie

werden verbunden und in einer sehr merkwürdigen Weise vermengt, während

ihre vereinigten Sehnen einen accessorischen Muskel erhalten, der am

Fersenbein entspringt.

Das vielleicht absoluteste Unterscheidungsmerkmal bei den Fussmuskeln

ist aber die Existenz des sogenannten langen Wadenbeinmuskels, des

_Peronaeus longus_, eines langen, an dem äussern Röhrenknochen (dem

Wadenbein) des Unterschenkels befestigten Muskels, der seine Sehne an

den äussern Knöchel schickt, hinter und unter dem sie vorübergeht, den

Fuss in einer schrägen Richtung kreuzt, um sich an der Basis der grossen

Zehe anzuheften. Kein Muskel an der Hand entspricht diesem genau, der

also vorzugsweise Fussmuskel ist.

* * * * *

Fassen wir das Gesagte zusammen, so unterscheidet sich der Fuss des

Menschen von seiner Hand durch die folgenden absoluten anatomischen

Unterschiede:

Zeugnisse für die Stellung des Menschen in der Natur · 第 14 / 17 题