4. dass er ein Nest bauen kann, in dem er schläft.

Sind dies nun in Bezug auf die asiatischen Anthropoiden sichergestellte

Thatsachen, so wären wir schon nach Analogie berechtigt zu erwarten,

dass die afrikanischen Arten ähnliche Eigenthümlichkeiten zeigen werden,

einzeln oder in gleicher Verbindung; jedenfalls würden jene Thatsachen

die Beweiskraft irgend welcher a priori aufzustellender Gründe gegen die

Sicherheit von Zeugnissen schwächen, die zu Gunsten des Vorhandenseins

jener Eigenthümlichkeiten vorgebracht worden sind. Und wenn gezeigt

werden könnte, dass der Bau irgend eines afrikanischen Affen ihn noch

besser als seine asiatischen Verwandten zur aufrechten Stellung und zu

einem wirksamen Angriff befähigt, so wäre noch weniger Grund vorhanden

zu zweifeln, dass er gelegentlich die aufrechte Haltung annimmt und

aggressiv verfährt.

Von der Zeit Tyson's und Tulpius' an ist die Lebensweise des jungen

=Chimpanze= ausführlich beschrieben und mit erläuternden Bemerkungen

dargestellt worden. Glaubwürdige Zeugnisse über die Manieren und

Gewohnheiten erwachsener Anthropoiden dieser Art in ihren heimathlichen

Wäldern haben aber bis zur Zeit des Erscheinens von Dr. Savage's

Abhandlung, auf welche ich mich vorhin bezogen habe, fast ganz gefehlt;

dieselbe enthält Schilderungen der von ihm gemachten Beobachtungen und

Mittheilungen der Nachrichten aus von ihm für glaubwürdig gehaltenen

Quellen während der Zeit eines Aufenthaltes am Cap Palmas, an der

Nordwestgrenze des Bezirks von Benin.

Die von Dr. Savage gemessenen Chimpanzes überschritten niemals fünf Fuss

in Höhe, die Männchen waren fast genau so hoch.

In der Ruhe nehmen sie gewöhnlich eine sitzende Haltung an. Man sieht

sie gewöhnlich stehen und gehen; werden sie aber dabei entdeckt, so

nehmen sie unmittelbar alle vier und fliehen aus der Gegenwart der

Beobachter. Ihr Bau ist der Art, dass sie nicht ganz aufrecht stehen

können, sondern nach vorn neigen. Wenn sie stehen, sieht man sie daher

die Hände über dem Hinterhaupte zusammenschlagen oder über der

Lendengegend, was nothwendig zu sein scheint, um die Haltung zu

balanciren oder zu erleichtern.

»Die Zehen sind beim Erwachsenen stark gebogen und nach innen gewendet,

und können nicht vollständig ausgestreckt werden. Beim Versuch hierzu

erhebt sich die Haut des Rückens in dicken Falten, woraus hervorgeht,

dass die völlige Streckung des Fusses, wie es beim Gehen nothwendig

wird, unnatürlich ist. Die natürliche Stellung ist die auf allen Vieren,

wobei der Körper vorn auf den Knöcheln ruht. Diese sind bedeutend

verbreitert, mit vorspringender und verdickter Haut wie an der

Fusssohle.

Sie sind geschickte Kletterer, wie man schon aus ihrem Baue vermuthen

kann. In ihren Spielen schwingen sie sich auf grosse Entfernungen von

einem Beine zum andern und springen mit staunenerregender Behendigkeit.

Man sieht nicht ungewöhnlich die >alten Leute< (in der Sprache eines

Beobachters) unter einem Baume sitzen, sich mit Früchten und

freundschaftlichem Geschwätz unterhalten, während ihre >Kinder< um sie

herum springen und sich von Baum zu Baum mit ausgelassener Freude

schwingen.

Wie man sie hier sieht, können sie nicht gesellig oder in Heerden lebend

genannt werden, da man selten mehr als fünf, höchstens zehn zusammen

findet. Auf gute Gewähr sich stützend, hat man erzählt, dass sie sich

gelegentlich bei Spielen in grosser Zahl versammeln. Mein

Berichterstatter versichert, bei einer solchen Gelegenheit einmal nicht

weniger als fünfzig gesehen zu haben, jubelnd, schreiend und mit Stöcken

auf alten Stämmen trommelnd, welches letztere mit gleicher Leichtigkeit

mit allen vier Extremitäten gethan wird. Sie scheinen nie offensiv zu

verfahren und selten, wenn überhaupt, defensiv. Sind sie nahe daran

gefangen zu werden, so leisten sie dadurch Widerstand, dass sie ihre

Arme um ihren Gegner werfen, und ihn in Berührung mit ihren Zähnen zu

bringen suchen« (Savage, a. a. O. S. 384).

In Bezug auf diesen letztern Punkt ist Dr. =Savage= an einer andern

Stelle sehr ausführlich:

»Ihre vorzügliche Vertheidigungsweise ist das Beissen. Ich habe einen

Mann gesehen, der auf diese Weise bedeutend an den Füssen verwundet war.

Die starke Entwickelung der Eckzähne beim Erwachsenen möchte eine

Neigung zu Fleischnahrung anzudeuten scheinen; aber in keinem Falle, mit

Ausnahme der Zähmung, zeigen sie dieselbe. Anfänglich weisen sie Fleisch

zurück, erlangen aber leicht eine Vorliebe für dasselbe. Die Eckzähne

werden zeitig entwickelt und sind augenscheinlich dazu bestimmt, die

bedeutende Rolle der Vertheidigungswaffe zu übernehmen. Kommt das Thier

mit Menschen in Berührung, so ist beinahe das Erste, was das Thier thun

will, =beissen=.

Sie vermeiden die Aufenthaltsorte der Menschen und bauen sich ihre

Wohnungen auf Bäumen. Der Bau derselben ist mehr der von =Nestern=, als

von =Hütten=, wie sie irrthümlich von manchen Naturforschern genannt

worden sind. Sie bauen im Allgemeinen nicht hoch über der Erde. Grössere

oder kleinere Zweige werden gebogen oder angeknickt, gekreuzt und das

Ganze durch einen Ast oder einen Gabelzweig gestützt. Manchmal findet

man ein Nest nahe dem Ende eines dicken blattreichen Astes zwanzig oder

dreissig Fuss über der Erde. Kürzlich erst habe ich eins gesehen, das

nicht niedriger als vierzig Fuss sein konnte, wahrscheinlicher aber

fünfzig hoch war. Dies ist aber eine ungewöhnliche Höhe.

Sie haben keinen festen Wohnort, sondern wechseln ihn beim Aufsuchen von

Nahrung und aus Bedürfniss nach Ungestörtheit, je nach der Stärke der

Umstände. Wir sahen sie öfter in hoch gelegenen Stellen; dies rührt aber

von der Thatsache her, dass die dem Reisbau der Eingebornen günstigeren

Niederungen öfter gelichtet werden und daher fast stets Mangel an

passenden Bäumen für ihre Nester eintritt. Es ist selten, dass mehr als

ein oder zwei Nester auf einem und demselben Baume gefunden werden, oder

selbst in derselben Umgebung: einmal hat man fünf gefunden, dies war

aber ein ungewöhnlicher Umstand.«

»Sie sind sehr schmutzig in ihrer Lebensweise. -- Unter den Eingebornen

hier geht eine Ueberlieferung, dass sie einstmals Mitglieder ihres

eigenen Stammes waren, dass sie aber wegen ihrer entarteten Gewohnheiten

von aller menschlichen Gesellschaft verstossen und in Folge ihres

hartnäckigen Beharrens bei ihren gemeinen Neigungen allmählich auf ihren

gegenwärtigen Zustand und zu ihrer jetzigen Organisation herabgesunken

wären. Sie werden indessen von jenen gegessen, und, mit dem Oel und dem

Marke der Palmennuss gekocht, für ein äusserst schmackhaftes Gericht

gehalten.

Sie zeigen einen merkwürdigen Grad von Intelligenz in ihren

Gewohnheiten, und von Seiten der Mutter viel Liebe zu ihren Jungen. Das

zweite der beschriebenen Weibchen war, als es zuerst entdeckt wurde, auf

einem Baume mit seinem Manne und zwei Jungen (einem Männchen und

Weibchen). Sein erster Impuls war, mit grosser Schnelligkeit

herunterzusteigen und mit seinem Manne und dem jungen Weibchen ins

Dickicht zu entfliehen. Bald kehrte es aber zur Rettung seines

zurückgebliebenen jungen Männchen zurück. Es stieg hinauf und nahm es in

seine Arme und in diesem Augenblick wurde es geschossen, die Kugel drang

auf dem Wege zum Herzen der Mutter durch den Vorderarm des Jungen.

In einem neueren Falle blieb die Mutter, nachdem sie entdeckt war, mit

ihrem Jungen auf dem Baume und folgte aufmerksam den Bewegungen des

Jägers. Als er zielte, machte sie eine Bewegung mit ihrer Hand, genau in

der Weise, wie es ein Mensch thun würde, um den Jäger zum Abstehen und

Fortgehen zu bewegen. War die Verwundung nicht augenblicklich tödtlich,

so hat man die Beobachtung gemacht, dass sie das Blut durch Aufdrücken

der Hand auf die Wunde stillen, und wenn dies nicht ausreichte, durch

Auflegen von Blättern und Gras. -- Sind sie geschossen, so stossen sie

einen plötzlichen Schrei aus, nicht ungleich dem eines Menschen, der

plötzlich in grosse Noth kommt.«

Man versichert indess, dass gewöhnlich die Stimme des Chimpanze nicht

sehr laut, rauh, guttural sei, ungefähr wie »whuu-whuu« (a. a. O. S.

365).

Die Analogie zwischen Chimpanze und Orang in Bezug auf die Sitte und die

Art und Weise, ein Nest zu bauen, ist äusserst interessant, während

andererseits die Beweglichkeit dieses Affen und seine Neigung zu beissen

Eigenthümlichkeiten sind, in denen er den Gibbons eher ähnlich ist. Die

Ausdehnung der geographischen Verbreitung der Chimpanzes -- die sich von

Sierra Leone bis Congo finden -- erinnern mehr an die Gibbons als an

irgend einen andern menschenähnlichen Affen; und es scheint nicht

unwahrscheinlich, dass, ebenso wie es mit den Gibbons der Fall ist, auf

diesem geographischen Gebiete mehrere Arten dieser Gattung verbreitet

sind.

Derselbe ausgezeichnete Beobachter, dem ich den vorstehenden Bericht

über die Gewohnheiten des erwachsenen Chimpanze entlehnt habe, hat vor

fünfzehn Jahren[25] eine Beschreibung des =Gorilla= veröffentlicht, die

in ihren wesentlichsten Punkten von späteren Beobachtern bestätigt

worden ist, und der so wenig hat Thatsächliches zugesetzt werden können,

dass ich, um Dr. Savage gerecht zu sein, sie beinahe in ihrer ganzen

Ausdehnung gebe.

»Man muss im Auge behalten, dass mein Bericht auf die Angaben der

Eingebornen jener Gegend (des Gaboon) sich gründet. Bei dieser

Gelegenheit darf ich auch wohl bemerken, dass ich mich nach

mehrjährigem Aufenthalt als Missionär und einem durch fortwährenden

Verkehr ermöglichten Studium des afrikanischen Geistes und Charakters

für fähig halten darf, die Angaben der Eingebornen zu prüfen und über

ihre Wahrscheinlichkeit zu entscheiden. Da ich ausserdem mit der

Naturgeschichte und der Lebensart seines interessanten Verwandten

(_Troglodytes niger_, Geoff.) vertraut war, war ich auch im Stande, die

Berichte über die beiden Thiere aus einander zu halten, die, weil sie in

derselben Gegend leben und ähnliche Gewohnheiten haben, im Geiste der

Masse verwechselt werden, besonders da nur wenige -- wie Leute, die mit

dem Innern handeln und Jäger -- das fragliche Thier je gesehen haben.

Der Volksstamm, dem wir die Kenntniss des Thieres verdanken und dessen

Gebiet ihm zum Wohnort dient, ist der der _Mpongwe_, die beide Ufer des

Gaboonflusses von seiner Mündung einige fünfzig oder sechszig Meilen

aufwärts inne haben.

Wenn das Wort »Pongo« afrikanischen Ursprungs ist, dann ist es

wahrscheinlich eine Corruption des Wortes _Mpongwe_, des Namens des

Volksstammes an den Ufern des Gaboon, und von diesem auf die von ihm

bewohnte Gegend übertragen. Ihr localer Name für den Chimpanze ist

_Enché-eko_, so gut er sich wiedergeben lässt, von dem wahrscheinlich

der gewöhnliche Ausdruck »Jocko« herrührt. Die Mpongwe-Bezeichnung für

seinen neuen Verwandten _Engé-ena_, mit Verlängerung des Klangs des

ersten Vocals und nur leise den zweiten anklingend.

Der Wohnort des _Engé-ena_ ist das Innere von Nieder-Guinea, während der

_Enché-eko_ näher der Küste lebt.

Seine Höhe ist ungefähr fünf Fuss; er ist unverhältnissmässig breit über

den Schultern, dick bedeckt mit krausem schwarzen Haar, welches in

seiner Anordnung dem des _Enché-eko_ ähnlich sein soll; im Alter wird es

grau, welche Thatsache zu dem Bericht Veranlassung gegeben hat, dass man

beide Thiere in verschiedenen Färbungen finde.

[Illustration: Fig. 10. Der Gorilla, nach Wolf.]

=Kopf=. Die vorstechenden Eigenthümlichkeiten des Kopfes bestehen in der

grossen Breite und Verlängerung des Gesichts, der Höhe der

Backzahngegend (die Aeste des Unterkiefers sind sehr hoch und reichen

weit zurück) und in der verhältnissmässigen Kleinheit des eigentlichen

Schädeltheils. Die Augen sind sehr gross und, wie man sagt, gleich denen

des Enché-eko hellbraun; die Nase ist breit und flach, nach der Wurzel

hin leicht erhoben; die Schnauze breit, Lippen und Kinn vorstehend, mit

zerstreut stehenden grauen Haaren; die Unterlippe ist äusserst beweglich

und, wenn das Thier gereizt wird, einer grossen Verlängerung fähig,

wobei sie über das Kinn herabhängt; die Haut des Gesichts und der Ohren

ist nackt, dunkelbraun, dem Schwarzen sich nähernd.

Der merkwürdigste Zug am Kopfe ist ein hoher Kamm von Haaren im Verlaufe

der Pfeilnaht, welcher vorn mit einem queren Haarkamme zusammentrifft.

Der letztere ragt weniger vor und läuft von einem Ohre ringsum zum

andern. Das Thier hat die Fähigkeit, die Kopfhaut nach hinten und vorn

frei bewegen zu können; wenn es in Wuth geräth, soll es dieselbe stark

über die Stirn zusammenziehen und auf diese Weise den Haarkamm nach

unten und vorn rücken, wobei die Haare nach vorn gerichtet sind, so dass

das Thier einen unbeschreiblich wilden Anblick darbietet.

Der Hals ist kurz, dick, haarig; die Brust und Schultern sind sehr

breit, wie man sagt, noch einmal so breit wie die des Enché-eko; die

Arme sehr lang, etwas über das Knie reichend, der Vorderarm ist bei

weitem am kürzesten; Hände sehr lang, der Daumen viel stärker als die

anderen Finger.

Der Gang ist wackelnd; die Bewegung des Körpers, der niemals aufrecht

steht wie beim Menschen, sondern nach vorn gebeugt ist, ist

gewissermaassen rollend, von einer Seite zur andern. Da die Arme länger

sind als beim Chimpanze, so staucht das Thier beim Gehen nicht so sehr;

wie jener wirft es beim Gehen die Arme nach vorn, setzt die Hände auf

den Boden und giebt dann dem Körper eine halb springende, halb

schwingende Bewegung zwischen ihnen. Bei dieser Handlung soll es nicht

die Finger beugen und sich auf die Knöchel stützen, wie der Chimpanze,

sondern sie ausstrecken und die Hand als Hebel brauchen. Wenn es die

Stellung zum Gehen annimmt, soll der Körper sehr geneigt sein; es

balancirt dann den grossen Körper dadurch, dass es die Arme nach oben

einbiegt.

[Illustration: Fig. 11. Gorilla gehend (nach Wolf).]

Sie leben in Gruppen, sind aber nicht so zahlreich wie die Chimpanzes:

die Weibchen sind in der Regel in der Mehrzahl. Meine Berichterstatter

stimmen alle in der Angabe überein, dass bei jeder Gruppe nur ein

erwachsenes Männchen ist; dass beim Heranwachsen der jungen Männchen ein

Kampf um die Herrschaft beginnt und das stärkste nach Tödtung oder

Forttreiben der anderen sich als Oberhaupt der Gemeinde aufthut.«

Dr. =Savage= weist die Geschichten zurück, nach denen die Gorillas

Weiber entführen und Elephanten besiegen sollen, und fährt dann fort:

»Ihre Wohnungen, wenn man sie so nennen kann, sind denen der Chimpanzes

ähnlich, sie bestehen nur aus wenig Stäben und blätterigen Zweigen, die

durch Aeste und Gabelzweige derselben gestützt werden; sie bieten keinen

Schutz dar und werden nur eine Nacht benutzt.

Sie sind äusserst wild und stets offensiv in ihrem Verhalten, sie

fliehen nie vor dem Menschen, wie es der Chimpanze thut. Sie sind

Gegenstände des Schreckens für die Eingebornen und werden von ihnen nie

angegriffen, ausser zur Vertheidigung. Die wenigen, die gefangen wurden,

wurden von Elephantenjägern und eingebornen Handelsleuten getödtet, als

sie plötzlich auf ihrem Wege durch die Wälder über sie kamen.

Es wird erzählt, dass das Männchen, sobald es gesehen wird, einen

schreckenerregenden Schrei ausstösst, der weit und breit durch den Wald

klingt, ungefähr wie =kh--eh=! =kh--eh=! schrillend und gedehnt. Seine

enormen Kinnladen öffnen sich bei jeder Expiration, die Unterlippe hängt

über das Kinn herab, und der Haarkamm und die Kopfhaut sind über die

Augenbrauen zusammengezogen, einen Anblick unbeschreiblicher Wildheit

darbietend.

Die Weibchen und Jungen verschwinden schnell beim ersten Schrei. Das

Männchen geht dann in grosser Wuth auf seinen Feind los, wobei es seine

schrecklichen Schreie in schneller Aufeinanderfolge ausstösst. Der Jäger

erwartet seine Annäherung mit angelegter Flinte; wenn er nicht sicher

zielen kann, so lässt er das Thier den Lauf erfassen und feuert ab, wenn

es denselben zum Munde führt (was es gewöhnlich thut). Sollte das Gewehr

nicht losgehen, so wird der Lauf (einer gewöhnlichen Jagdflinte, welcher

nicht stark ist) zwischen den Zähnen zermalmt, und der Zweikampf endet

bald für den Jäger tödtlich.

Im wilden Zustande ist ihr Verhalten im Allgemeinen wie das des

_Troglodytes niger_; sie bauen ihre Nester lose auf Bäumen, leben von

ähnlichen Früchten und ändern ihren Aufenthaltsort, durch die Umstände

gezwungen.«

Dr. =Savage's= Beobachtungen werden durch die des Mr. =Ford= bestätigt

und erweitert, welcher eine interessante Abhandlung über den Gorilla im

Jahre 1852 der Akademie der Naturwissenschaften in Philadelphia

mittheilte. In Bezug auf die geographische Verbreitung dieses grössten

von allen menschenähnlichen Affen bemerkt Mr. =Ford=:

»Das Thier bewohnt den Gebirgszug, welcher das Innere von Guinea

durchsetzt, von Cameroon im Norden his nach Angola im Süden und ungefähr

100 Meilen landeinwärts, und der von den Geographen die Krystallberge

genannt wird. Die Grenze, bis zu welcher im Süden und Norden das Thier

vorkommt, bin ich nicht im Stande zu bestimmen. Doch liegt diese Grenze

ohne Zweifel eine ziemliche Strecke weit nördlich von diesem Flusse

(Gaboon). Ich konnte mich selbst auf einer neulichen Excursion in das

Quellgebiet des Morney-Flusses (des »gefährlichen«), der einige sechzig

Meilen von hier in das Meer mündet, von dieser Thatsache überzeugen. Mir

wurde berichtet (und ich denke, glaubwürdig), dass sie auf den Bergen,

von denen dieser Fluss entspringt, und weit nördlich davon zahlreich

seien.

Nach Süden breitet sich diese Art bis zum Congoflusse aus, wie mir

eingeborne Kaufleute erzählt haben, welche die Küste zwischen dem Gaboon

und jenem Flusse besucht haben. Jenseits desselben fehlen mir

Nachrichten. In den meisten Fällen findet sich das Thier nur in einiger

Entfernung vom Meere, und kommt ihm nach meinen besten Nachrichten

nirgends so nahe, als an der Südseite dieses Flusses, wo sie zehn Meilen

vom Meere gefunden worden sind. Dies ist indessen erst neuerdings

vorgekommen. Einige der ältesten Mpongwe-Männer theilten mir mit, dass

es früher nur an den Quellen dieses Flusses gefunden worden sei, dass

man es aber jetzt schon einen halben Tagemarsch von seiner Mündung

finden könne. Früher bewohnte es nur den gebirgigen Kamm, den nur

Buschmänner bewohnten, jetzt nähert es sich aber dreist den

Mpongwe-Pflanzungen. Dies ist ohne Zweifel der Grund für die dürftigen

Nachrichten aus früheren Zeiten, da die Gelegenheiten, Kenntniss von dem

Thiere zu erlangen, nicht gefehlt haben; Kaufleute haben seit hundert

Jahren diesen Fluss besucht, und Exemplare, wie sie innerhalb eines

Jahres hierher gebracht wurden, würden nicht können gezeigt worden sein,

ohne die Aufmerksamkeit selbst der Einfältigsten zu fesseln.«

Ein Exemplar, das Mr. =Ford= untersuchte, wog ohne die Brust- und

Baucheingeweide 170 Pfund und maass vier Fuss vier Zoll um die Brust.

Dieser Schriftsteller beschreibt den Angriff des Gorilla so minutiös und

malerisch -- obgleich er nicht einen Augenblick vorgiebt, Zeuge der

Scene gewesen zu sei --, dass ich versucht werde, diesen Theil seiner

Abhandlung zur Vergleichung mit anderen Erzählungen ausführlich zu

geben:

»Er stellt sich stets auf seine Füsse, wenn er einen Angriff macht,

obgleich er seinem Gegner in gebückter Stellung sich nähert.

Obgleich er nie auf der Lauer liegt, so stösst er doch unmittelbar, wenn

er einen Menschen hört, sieht oder spürt, seinen charakteristischen

Schrei aus, bereitet sich zu einem Angriff vor und verfährt stets

offensiv. Der Schrei, den er ausstösst, gleicht mehr einem Grunzen als

einem Brummen und ist dem Schrei des Chimpanze ähnlich, wenn dieser

gereizt wird, nur unendlich viel lauter. Er soll auf grosse Entfernungen

hörbar sein. Seine Vorbereitung besteht darin, dass er die Weibchen und

Jungen, von denen er gewöhnlich begleitet wird, in eine geringe

Entfernung wegbringt. Er selbst kehrt indessen schnell zurück mit

aufgerichtetem und vorstehendem Kamme, erweiterten Nasenlöchern und nach

unten geworfener Unterlippe; zu gleicher Zeit stösst er seinen

charakteristischen Schrei aus, gewissermaassen um seinen Gegner zu

erschrecken. Wenn er nicht durch einen gutgezielten Schuss unfähig

gemacht wird, so macht er sofort einen Anlauf und streckt den Gegner

durch einen Schlag mit der flachen Hand, oder nachdem er ihn erst mit

einem Griff gefasst hat, von dem kein Entkommen ist, zu Boden und

zerreisst ihn mit seinen Zähnen.

Man sagt, er ergreift eine Flinte und zermalmt augenblicklich den Lauf

zwischen seinen Zähnen. -- Die wilde Natur dieses Thieres zeigt sich

sehr gut in der nicht zu besänftigenden Verzweiflung eines

hierhergebrachten Jungen. Es wurde sehr jung gefangen und vier Monate

lang gehalten, auch viele Mittel angewendet, es zu zähmen; es war aber

unverbesserlich, so dass es mich noch eine Stunde vor seinem Tode biss.«

Mr. =Ford= bezweifelt die Geschichten von dem Häuserbauen und dem

Elephantenverjagen und sagt, dass kein gut unterrichteter Eingeborner

sie glaubt. Es sind Geschichten, die man Kindern erzählt.

Ich könnte noch andere Zeugnisse beibringen, die auf Aehnliches

hinauskommen, aber, wie mir scheint, weniger sorgfältig abgewogen und

gesichtet sind; solche finden sich in den Briefen der Herren =Franquet=

und =Gautier Laboullay=, die der bereits erwähnten Abhandlung J. G. St.

=Hilaire's= angehängt sind.

Erinnert man sich dessen, was mit Bezug auf den Orang und den Gibbon

bekannt ist, so scheinen mir die Angaben des Dr. =Savage= und Mr. =Ford=

gerechter Weise keiner Kritik nach a priori Gründen ausgesetzt zu sein.

Wir sahen, dass die Gibbons gern die aufrechte Stellung annehmen, der

Gorilla ist aber viel besser zu dieser Stellung durch seine Organisation

geschickt als die Gibbons; wenn die Kehlsäcke der Gibbons, wie es

wahrscheinlich ist, von Bedeutung für den Umfang ihrer Stimme sind, die

man eine halbe französische Meile weit hört, so kann der Gorilla,

welcher ähnliche Säcke, nur stärker entwickelt besitzt und dessen

Körpermasse das Fünffache eines Gibbons beträgt, wohl auf eine doppelt

so grosse Entfernung gehört werden. Wenn der Orang mit seinen Händen

kämpft, die Gibbons und Chimpanzes mit ihren Zähnen, so kann der Gorilla

wahrscheinlich genug eins von beiden oder beides thun; auch ist nichts

dagegen zu sagen, dass der Chimpanze oder Gorilla ein Nest baue, wenn

bewiesen ist, dass der Orang-Utan diese Leistung beständig ausführt.

Bei all diesen, nun zehn bis fünfzehn Jahre alten, in aller Welt Besitz

befindlichen Zeugnissen ist es nicht wenig zu verwundern, dass die

Behauptungen eines neuern Reisenden, der, soweit sie den Gorilla

betreffen, in der That wenig mehr thut, als auf seine Autorität die

Angaben =Savage's= und =Ford's= zu wiederholen, so viel und so heftigen

Widerspruch gefunden haben. Wenn man das abzieht, was schon vorher

bekannt war, so ist die Summe und der Inhalt dessen, was =Du Chaillu=

als einen Gegenstand seiner eigenen Beobachtung über den Gorilla

behauptet, das, dass beim Vorgehen zum Angriff das grosse Thier seine

Brust mit den Fäusten schlägt. Ich gestehe, ich sehe nichts sehr

Unwahrscheinliches, oder eines Streites Werthes in dieser Angabe.

In Bezug auf die anderen menschenähnlichen Affen Afrikas sagt uns =Du

Chaillu= absolut nichts vom Chimpanze nach eigener Beobachtung; er

berichtet aber von einer kahlköpfigen Art oder Varietät, dem _Nschiego

mbouve_, welche sich ein Obdach baut, und von einer anderen seltenen

Form mit einem verhältnissmässig kleinen Gesicht, grossem Gesichtswinkel

und einem eigenthümlichen, wie »Kuuluu« klingenden Tone.

Da sich der Orang durch eine rohe Decke von Blättern schützt und der

gewöhnliche Chimpanze nach der Angabe des so äusserst glaubwürdigen

Beobachters, Dr. =Savage=, einen Laut von sich giebt wie »Whuu-whuu«, so

ist der Grund für die summarische Zurückweisung, die =Du Chaillu's=

Angaben über diesen Gegenstand gefunden haben, nicht einzusehen.

Wenn ich trotzdem davon abgesehen habe, =Du Chaillu's= Werk zu citiren,

so ist es nicht, weil ich in seinen Angaben bezüglich der

menschenähnlichen Affen irgend welche innere Unwahrscheinlichkeit

gefunden hätte, noch weil ich irgend welchen Verdacht auf seine

Wahrhaftigkeit zu werfen wünschte, sondern weil meiner Meinung nach

seine Erzählung, so lange sie in ihrem gegenwärtigen Zustande

unerklärter und scheinbar unerklärlicher Confusion sich befindet, keinen

Anspruch auf originale Autorität betreffs irgend welchen Gegenstandes

machen kann.

Es mag Alles wahr sein, es ist aber kein Beweis.

Fußnoten:

[1] =Regnum Congo=: hoc est =Vera Descriptio Regni Africani quod tam ab

incolis quam Lusitanis Congus appellatur=, per Philippum Pigafettam,

olim ex Edoardo Lopez acroamatis lingua Italica excerpta, nunc Latio

sermone donata ab August. Cassiod. Reinio. Iconibus et imaginibus rerum

memorabilium quasi vivis, opera et industria Joan. Theodori et Joan.

Israelis de Bry, fratrum exornata Francofurti, MDXCVIII.

[2] »Ausgenommen dass ihre Beine keine Waden hatten.« -- (Ed. 1626.) Und

in einer Randnote: »Diese grossen Affen werden Pongo's genannt.«

[3] =Purchas' Anmerkung=. -- Cap Negro ist 16 Grad südlich von der

Linie.

[4] =Purchas' Randbemerkung=, p. 982: -- »Der Pongo, ein riesiger Affe.

Er erzählte mir bei einer Besprechung, dass einer dieser Pongos einen

seiner Negerknaben wegnahm, der einen Monat mit ihnen lebte. Denn sie

verletzen die nicht, die sie unvermuthet überraschen, ausgenommen sie

sehen sie an, was jener vermied. Er sagte, ihre Grösse wäre die eines

Mannes, ihre Dicke wäre zweimal so gross. Den Negerknaben habe ich

gesehen. Was das andere Ungeheuer wäre, hat er zu schildern vergessen;

auch kamen diese Papiere erst nach seinem Tode in meine Hände, sonst

würde ich es bei unsern häufigen Besprechungen erfahren haben.

Vielleicht meint er die erwähnten Pigmy Pongo-tödter.«

[5] Archives du Muséum, Tome X.

[6] Ich danke es dem Dr. Wright von Cheltenham, dessen palaeontologische

Arbeiten so wohl bekannt sind, dass er diese interessante Reliquie zu

meiner Kenntniss brachte. Tyson's Enkelin, wie es scheint, heirathete

Dr. Allardyce, einen genannten Arzt in Cheltenham, und brachte ihm als

Theil ihrer Mitgift das Skelet des »Pygmie« zu. Dr. Allardyce schenkte

es dem Cheltenham Museum, und durch die freundlichen Bemühungen meines

Freundes Dr. Wright liehen mir die Vorstände des Museums seine

vielleicht merkwürdigste Zierde.

[7] »Mandrill« scheint »ein menschenähnlicher Affe« zu heissen, da das

Wort »Drill« oder »Dril« vor Zeiten in England gebraucht wurde, um einen

Affen oder Pavian zu bezeichnen. So finde ich in Blount's

»Glossographia, or a Dictionary interpreting the hard words of

whatsoever language now used in our refined English tongue ... very

useful for all such as desire to understand what they read«, 1681

erschienen: »Dril: Werkzeug eines Steinarbeiters, womit er kleine Löcher

in Marmor bohrt etc. Auch ein grosser ausgewachsener Affe oder Pavian

wird so genannt.« In demselben Sinne wird »Drill« in Charleton's

»Onomasticon Zoicon«, 1688, gebraucht. Die eigenthümliche Etymologie,

die Buffon von dem Worte giebt, scheint kaum wahrscheinlich.

[8] Histoire naturelle, Suppl. Tome 7. 1789.

[9] Camper, Oeuvres, I, p. 56.

[10] Camper, Oeuvres, I, p. 64.

[11] Verhandelingen van het Bataviaasch Genootschap. Tweede Deel. Derde

Druk. 1826.

[12] Briefe des Herrn v. Wurmb und des Herrn Baron v. Wollzogen. Gotha

1794.

[13] Vergl. Blumenbach, Abbildungen naturhistorischer Gegenstände, Nr.

12. 1810; und Tilesius, naturhistorische Früchte der ersten kaiserlich

russischen Erdumsegelung, S. 115. 1813.

[14] In der weiteren Bedeutung des Wortes Orang und ohne die Frage

vorher zu entscheiden, ob es mehr als eine Art Orang gebe.

[15] Vergl. »Observations on the external characters and habits of the

Troglodytes niger« von Thom. N. Savage, »and on its organization« von

Jeffries Wyman, in: Boston Journal of Natural History, Vol. IV. 1843-4;

und »External characters, habits and osteology of Troglodytes Gorilla«,

von denselben ebenda. Vol. V. 1847.

[16] »Man and monkies«, pag. 423.

[17] Wanderings in New South Wales. Vol. II. chap. VIII. 1834.

[18] Boston Journal of Natural History, Vol. I. 1834.

[19] Der grösste von Temminck erwähnte Orang-Utan maass im aufrechten

Stehen vier Fuss; er erwähnt aber, so eben die Nachricht von dem Fange

eines Orang erhalten zu haben, der fünf Fuss drei Zoll hoch war.

Schlegel und Müller sagen, dass ihr grösstes altes Männchen aufrecht

1,25 niederländische Elle mässe, vom Scheitel bis zur Zehenspitze

1,5 Elle, der Umfang des Körpers ungefähr 1 Elle. Das grösste alte

Weibchen war im Stehen 1,09 Elle hoch. Das erwachsene Skelet im

Museum des College of Surgeons würde, wenn es aufrecht stände, drei Fuss

sechs bis acht Zoll vom Scheitel bis zur Sohle messen. Dr. Humphry giebt

drei Fuss acht Zoll an als mittlere Höhe von zwei Orangs. Von siebzehn

von Wallace untersuchten Orangs war der grösste vier Fuss zwei Zoll hoch

von der Ferse bis zum Scheitel. Mr. Spencer St. John erzählt indess in

seinem »Life in the Forests of the Far East« von einem Orang, der fünf

Fuss zwei Zoll vom Kopfe zur Ferse, 15 Zoll Gesichtsbreite und 12 Zoll

um das Handgelenk gemessen habe. Es scheint indess nicht, dass Mr. St.

John diesen Orang selbst gemessen hat.

[20] Vergl. Wallace's Beschreibung eines Orangsäuglings in den »Annals

of nat. Hist. für 1856«. Mr. Wallace gab seinem interessanten Pflegling

eine künstliche Mutter von Büffelhaut, die Täuschung war aber zu

gelungen. Die Erfahrung des Kindes lehrte es Haare mit Zitzen zu

associiren, und da es die ersteren fühlte, verbrachte es sein Leben im

vergeblichen Bemühen, die letzteren zu entdecken.

[21] »Sie sind die langsamsten und wenigst beweglichen von dem ganzen

Affengeschlecht, und ihre Bewegungen sind überraschend ungeschickt und

plump.« Sir James Brooke in dem »Proceedings of the Zoological Society«,

1841.

[22] Mr. Wallace's Beschreibung der Bewegungen des Orang stimmt fast

genau hiermit überein.

[23] Sir James Brooke sagt in einem in den Proceedings of the Zoological

Society für 1841 abgedruckten Briefe an Mr. Waterhouse: »So weit ich zu

beobachten im Stande gewesen bin, kann ich über die Gewohnheiten der

Orangs so viel bemerken, dass sie so langsam und träge sind, wie man

sich nur vorstellen kann, und bei keiner Gelegenheit bewegten sie sich,

als ich sie verfolgte, so schnell, dass ich nicht hätte in einem

einigermaassen lichten Walde mit ihnen Schritt halten können; und selbst

wenn Hindernisse von unten (wie das Waten halstief) sie eine Strecke

vorausliessen, so hielten sie sicher an und liessen uns wieder

herankommen. Ich habe nie den geringsten Versuch zur Vertheidigung

gesehen, und das Holz, was um unsere Ohren raschelte, war durch ihr

Gewicht abgebrochen, aber nicht geworfen, wie es von Manchen dargestellt

wird. Wird der Pappan indessen zum Aeussersten getrieben, so muss er

fürchterlich sein, und ein unglücklicher Mensch, der mit mehreren

anderen einen grossen lebendig zu fangen versuchte, verlor zwei Finger,

wurde auch ausserdem bedeutend ins Gesicht gebissen, während das Thier

schliesslich seine Verfolger abschlug und entfloh.«

Auf der andern Seite behauptet Mr. Wallace, dass er mehreremale

beobachtet habe, wie sie verfolgt Zweige herabgeworfen hätten. »Es ist

wahr, dass er sie nicht =nach= einer Person wirft, sondern senkrecht

herab; denn es leuchtet ein, dass ein Zweig nicht weit vom Gipfel eines

hohen Baumes geworfen werden kann. In einem Falle unterhielt ein

weiblicher Mias auf einem Durianenbaum für wenigstens zehn Minuten einen

continuirlichen Schauer von Zweigen und den schweren dornigen Früchten,

so gross wie ein 32-Pfünder, der uns äusserst wirksam von dem Baume

entfernt hielt. Man konnte ihn dieselben abbrechen und herabwerfen sehen

in scheinbar voller Wuth, in Zwischenräumen einen lauten grunzenden Ton

ausstossend und augenscheinlich Ernst machend.« »On the habits of the

Orang-Utan,« Annals of nat. hist. 1856. Diese Angabe wird man in

völliger Uebereinstimmung mit dem oben citirten Briefe des Residenten

Palm finden (s. S. 18.)

[24] On the Orang-Utan, or Mias of Borneo. Annals of natural history,

1856.

[25] Notice of the external characters and habits of Troglodytes

Gorilla. Boston Journal of Natural History, 1847.

Afrikanischer Cannibalismus im sechszehnten Jahrhundert.

Beim Durchblättern von Pigafetta's Uebersetzung der Erzählung des Lopez,

die ich oben citirt habe, traf ich auf eine so merkwürdige und

unerwartete, um zwei und ein halbes Jahrhundert voraus gemachte

Bestätigung eines der wunderbarsten Theile von Du Chaillu's Erzählung,

dass ich nicht umhin kann, in einer Anmerkung die Aufmerksamkeit darauf

zu lenken, obgleich ich bekennen muss, dass der Gegenstand streng

genommen mit den behandelten Fragen in keiner Beziehung steht.

[Illustration: Fig. 12. Fleischerladen der Anziquen, Anno 1598.]

Im fünften Capitel des ersten Buches der »Descriptio«, »über den

nördlichen Theil des Königreichs Congo und seine Grenzen« wird ein Volk

erwähnt, dessen König »Maniloango« heisst, und das unter dem Aequator,

westlich bis zum Cap Lopez lebt. Dies scheint das Land zu sein, was nach

Du Chaillu jetzt von den Ogobai und Bakalai bewohnt wird. -- »Jenseits

desselben wohnt ein anderes Volk, die »Anziquen« genannt, von

unglaublicher Wildheit; denn sie essen einander und schonen weder

Freunde noch Verwandte.«

Diese Menschen sind mit kleinen, dicht mit Schlangenhaut umwickelten

Bogen bewaffnet, die mit Schilf oder Binsen bespannt sind. Ihre Pfeile,

aus hartem Holz, kurz und dünn, werden mit grosser Schnelligkeit

geschossen. Sie haben eiserne Aexte, deren Griffe mit Schlangenhaut

umwunden sind, und Schwerter mit Scheiden aus demselben Stoff; zu

Vertheidigungsschildern gebrauchen sie Elephantenhaut. In der Jugend

schneiden sie ihre Haut ein, so dass Narben entstehen. »Ihre

Fleischerläden sind mit Menschenfleisch gefüllt, statt mit Ochsen- oder

Schaffleisch; denn sie essen die Feinde, die sie im Kampfe gefangen

nehmen. Sie mästen, schlachten und verzehren auch ihre Sklaven, wenn sie

nicht glauben, einen guten Preis für sie zu erhalten; überdies noch

bieten sie sich zuweilen aus Lebensmüdigkeit oder Ruhmsucht (denn sie

halten es für etwas Grosses und für das Zeichen einer edlen Seele, das

Leben zu verachten) selbst als Speise an.

Es giebt allerdings viele Cannibalen, wie in Ostindien, in Brasilien und

anderswo, aber keine solche wie diese; denn die anderen essen nur ihre

Feinde, diese aber ihre eigenen Blutsverwandten.«

Die sorgfältigen Zeichner der Illustrationen zu Pigafetta haben ihr

Möglichstes gethan, den Leser in den Stand zu setzen, sich nach diesem

Bericht von den »Anziquen« ein lebhaftes Bild zu machen, und der

beispiellose Fleischerladen in Fig. 12 ist das Facsimile eines Theils

von ihrer Plate XII.

Du Chaillu's Bericht über die Fans stimmt eigenthümlich mit dem überein,

was Lopez hier von den Anziquen erzählt. Er spricht von ihren kleinen

Bogen und Pfeilen, von ihren Aexten und Messern, »sinnreich mit Scheiden

aus Schlangenhaut versehen.« »Sie tättowiren sich mehr als irgend ein

anderer Stamm, den ich nördlich vom Aequator angetroffen habe.« Und alle

Welt weiss, was Du Chaillu von ihrem Cannibalismus sagt: -- »Unmittelbar

darauf begegnete uns eine Frau, die alle Zweifel löste. Sie trug ein

Stück eines menschlichen Schenkels, genau so wie wir zu Markte gehen und

von dort einen Braten oder Beefsteak mitbringen würden.« Du Chaillu's

Zeichner kann im Allgemeinen nicht des Mangels an Muth bei der

Verkörperung der Angaben seines Verfassers angeklagt werden, und es ist

zu bedauern, dass er bei so gutem Vorwande uns nicht mit einem passenden

Gegenstück zu der Skizze der Gebrüder De Bry versehen hat.

Zeugnisse für die Stellung des Menschen in der Natur · 第 12 / 17 题