Die Beziehungen zu einander, welche von Eltz und Kapitän Robertson

verbanden, waren überaus herzliche, und schon in Anbetracht unserer

den Engländern so vielfach geleisteten Dienste, war es wohl kein zu

großes Entgegenkommen, wenn, um uns viel Zeit und Arbeit zu sparen,

der Raddampfer »Dove« unser Schiff bis nach Fort Johnston schleppte.

Zur Abfahrt wurde der 14. Juni festgesetzt; die Zwischenzeit aber

benutzen wir, um mit vieler Mühe den auf Grund liegenden Schlitten

wieder herauszuholen, weniger des Holzes, das immerhin gewissen Werth

besaß, als der eisernen Bolzen und Klammern wegen, die verwendet worden

waren; denn der Werth dieses Metalles wächst je weniger davon vorhanden

ist. Unsere beiden Dampfkessel, der eine noch nicht ganz vollendet,

mußten, da sie durch ihre Schwere das Schiff zu sehr belasten würden,

zurückbleiben und sollten von dem kurz vor dem Stapellauf noch Port

Maguire abgegangenen Leichter später nach Fort Johnston, wo deren

Einsetzen stattfinden sollte, übergeführt werden.

Wesentlich nur leichte Sachen, als vorräthig gebrannte Kohlen etc.

wurden an Bord genommen. Ich war mehr darauf bedacht das leere Schiff,

das hinten 3 Fuß 4 Zoll, vorne 2 Fuß Tiefgang hatte, auf ebenen Kiel zu

bringen, und erreichte dieses auch, weniger durch Anhäufen vorläufig

unnöthiger Gegenstände, als durch eine Anzahl Leute, diese waren

wenigstens eine nach Willkür bewegliche Masse, und auch nöthig, weil

wir über die Stromschnellen nicht mit leichter Mühe würden hinwegkommen

können.

Die Fahrt flußaufwärts, dank des geringen Tiefgangs unseres Schiffes,

ging gut von Statten, erst die Stromschnelle bei Perisi wurde ein

Hinderniß über das hinweg wir nach schwerer Arbeit das leere Schiff

zu schaffen vermochten; wieder in tiefes Wasser gelangt, war die

Kraft der »Dove« nicht ausreichend, den wirbelnden Strom der nächsten

Stromschnelle zu überwinden, und von den Strudeln gefaßt, wurden

beide Schiffe auf die Sandbänke geworfen. Mit Warp- und Buganker die

Schiffe wieder abgeholt, erforderte es am nächsten Morgen die äußerste

Anstrengung mit Dampf und Menschenkraft vorwärts zu kommen, namentlich

lag beim Mißglücken die Gefahr vor, auf die unter Wasser liegenden

Felsblöcke getrieben zu werden, und um nicht Gewonnenes zu verlieren,

mußten mittelst Anker und langen Leinen die gefährlichsten Stellen

passirt werden.

An Lionde vorbei, das von den einst an beiden Ufern des Flußes

liegenden großen Dörfern, nichts mehr aufwies, als nur zerstreute

Hütten, mitten darin die beiden englischen Forts, bot dieses nur den

Anblick einer gewaltsamen Zerstörung. Ungehindert, da auch der Wind

zu unseren Gunsten war, erreichten wir Werra. Am dritten Tage aber im

Malombwe-See, führte Kapitän Robertson, meinend, es müsse eine gerade

Durchfahrt geben, sein Schiff so in den Schlick hinein, daß es Stunden

währte, bis der flachgehende Dampfer wieder frei war, unser Schiff aber

mußte rückwärts aus der zähen Masse geschleppt werden. Am Nordende des

Sees, wo wir einst, durch die vorgelagerten Sandbänke behindert, mit

den Booten der Vorexpedition viel Scherereien gehabt hatten, gelang

die Durchfahrt besser, als ich gedacht. Als wir aber den Schirefluß

wieder erreicht hatten, gaben die Engländer aus Mangel an Feuerholz es

auf, uns weiter zu schleppen, und den ganzen vierten Tag gebrauchte ich

mit unsern langen Bambusstangen das Schiff bis in die Nähe von Fort

Johnston zu bringen.

Weit unterhalb des Forts, an sumpfigen Wiesen hatten wir eine

Anlegestelle angewiesen erhalten, und meine erste Arbeit war es neben

der Herstellung eines Dammes, für Europäer und Schwarze eine Unterkunft

am Lande zu beschaffen. Aber wie schon früher erwähnt, war es nicht

rathsam sich aus dem Bereich des Fort zu entfernen, da die feindlich

gesinnte Bevölkerung in den nicht allzufernen Bergen Gelegenheit

suchte und fand kleinere Trupps zu zerstreuen und abzufangen. Holz

in der weiten Umgegend war nicht erhältlich, so war ich gezwungen

unsern Bedarf vom Fuße der Berge holen zu lassen und die zu diesem

Zwecke ausziehenden Leute zu bewaffnen oder denselben zum Schutz eine

starke Eskorte mitzugeben. Als der Damm dann auf sumpfigen Wiesengrund

fertiggestellt worden war, wurde es noch nöthig, auch für den aus

unsern Masten später aufzurichtenden Bock, mit dem die schweren

Dampfkessel eingesetzt werden sollen, festen Halt und Untergrund zu

schaffen, mußte doch diese schwere Arbeit hier vorgenommen werden,

weil das Seeufer bei unserer Station zu flach war. Schon waren etwa 14

Tage verflossen und noch immer nicht war der Leichter, der zunächst

die Kessel und Schiffsmasten bringen sollte, eingetroffen. Sonst

brauchte Brückner von Mpimbi bis zum See nur 7 bis 8 Tage und jetzt

mußte der heftig wehende Süd-Ost-Passat um so mehr die Reise fördern,

als er auf der ganzen Strecke fast den Gebrauch der Segel gestattete.

Um so auffälliger war es, daß der Leichter, längst nun fällig, nicht

ankam, statt dessen aber traf Ottlich mit einigen Leuten am 16. Tage

ein und brachte die Nachricht, das Fahrzeug sei vorne im Malombwe-See

festgerathen, aber schon, als er mit einem vorüberfahrenden Boote seine

Kameraden verlassen habe, hätten sie es frei gehabt, in spätestens zwei

Tagen müßten sie ankommen. Die Zeit aber verrann und kein Leichter

kam -- am zwanzigsten Tage von Besorgniß nun erfüllt, daß irgend

etwas passirt sein mußte, da auch in den letzten Tagen ein äußerst

stürmischer Wind geweht hatte, machte ich mich mit unseren Booten auf

und fuhr zum Malombwe-See. In heißer Mittagsgluth, um welcher Zeit ich

den See erreichte, brütete eine Dunstmasse über die weite spiegelglatte

Fläche, und daher konnte ich, so weit ich auch mit scharfen Gläsern

die sichtbaren Ufer absuchte, nichts entdecken. Am späten Nachmittag

nach Fort Johnston zurückgekehrt, beschloß ich, mit genügend Proviant

versehen, am nächsten Morgen, wenn es nothwendig werden sollte,

selbst bis zur Station Werra zurückzufahren, um dort Erkundigungen

einzuziehen, denn nun hegte ich nur noch wenig Hoffnung, das Fahrzeug

unversehrt auffinden zu können. Desto überraschender war es für mich,

am nächsten Tage -- noch hatte ich nicht den Malombwe-See erreicht --

den Leichter vom starken Winde getrieben, herankommen zu sehen und auf

demselben alles in guter Ordnung und alle wohl und munter zu finden.

Als Grund der Verzögerung und des langen Ausbleibens erfuhr ich nun

Folgendes: Nochmals inmitten des Sees festgekommen, hatte die Besatzung

mit hereinbrechender Nacht die Versuche, das Fahrzeug wieder aus dem

Schlick herauszubringen, aufgeben müssen; eine Sturmböe von langer

Dauer habe den Leichter dann in der Dunkelheit abgetrieben und,

machtlos gegen die Gewalt des Windes, wären sie immer weiter, dem

südöstlichen Ufer zu, fortgedrängt worden und hätten am nächsten Morgen

nicht mehr gewußt, wo sie sich eigentlich befanden. Nun, gänzlich

vom Schlammmeer umgeben, war selbst der starke günstige Wind nicht

im Stande, den Leichter fortzubringen, und was das Schlimmste, auf

solche unliebsame Verzögerung nicht rechnend, wäre ihnen der schon

knappe Proviant ausgegangen. Um nun die beträchtliche Zahl der Soldaten

und der Besatzung bei Kräften zu erhalten, hatten sie sich aus den

Schiffsmasten, den Deckplanken etc. ein Floß herstellen müssen und

damit versucht, das nicht allzuferne Land zu erreichen. Nach gelungener

Landung sei dann eine Zahl Bewaffneter aufgebrochen und habe, von der

Noth getrieben, in der weiten Wildniß nach menschlichen Wohnstätten

gesucht, und in einem am Fuß der östlichen Berge aufgefundenen Dorfe

zum Glück reichlichen Proviant aufkaufen können.

Nach der Rückkehr der Ausgesandten hatten sie dann soviel Lasten

als das Floß zu tragen fähig gewesen auf dieses geschafft, um ihr

Fahrzeug zu erleichtern, und am Abend vorher erst, nach vieler Mühe,

sei es gelungen, tiefes Wasser aufzufinden; dann die Nacht hindurch,

mit günstigem Winde segelnd, hätten sie alles daran gesetzt, um nur

vorwärts zu kommen. Zufrieden, daß meine Besorgniß, der Leichter

könne mit seiner werthvollen Ladung eventuell verloren gegangen sein,

unbegründet gewesen war, sandte ich sofort nach unserer Ankunft einen

Eilboten zum Lager, der die Anzeige zu machen hatte, der Leichter sei

angekommen, denn dessen langes Ausbleiben hatte auch dort bei allen

schon Besorgniß erregt.

Die Aufrichtung und Auftakelung des aus den beiden Masten hergestellten

Bockes, mit dem die schweren Kessel nun eingesetzt werden sollten,

erforderte große Umsicht, da an diesem ein Gewicht von über 80 Centner

mit starken Flaschenzügen (Taljen) hochgezogen und in das Schiff

niedergeführt werden mußte. In nahezu senkrechter Stellung mußte dem

Bock ein starker Stützpunkt vom Lande aus gegeben werden und, da nichts

in der Nähe war, woran die Drahttaue befestigt werden konnten, sah ich

mich genöthigt, den gewünschten Halt durch einen vergrabenen Anker

herzustellen. Da das Schiff nicht nahe genug an das Ufer heranzubringen

war, mußte ich, wenn erst ein Kessel aufgehißt sein würde, dem Bocke

eine beträchtliche Neigung geben können, wodurch aber auch eine sehr

straffe Anspannung der nach dem Lande führenden Taue verursacht wurde,

und es lag die Gefahr vor, der Anker könne in dem losen Wellsand, der

hinter dem sumpfigen Uferstreifen angehäuft lag, nachgeben. Dies zu

verhüten, ließ ich so tief graben, bis fester Grund gefunden war und

hier durch Einrammen von Pfählen eine Art Verhau herstellen, hinter

welchem der schwerste Buganker einen starken Halt finden konnte.

Mit großer Vorsicht und dem vorhandenen Material, wie ich solches

seinerzeit zu diesem besonderen Zweck beordert hatte, wurde die Arbeit

beendet; das Einsetzen der Kessel begann und war nach zwei Tagen,

verzögert nur durch die ungünstige Lage des Schiffes, glücklich, ohne

besondere Zwischenfälle, ausgeführt.

Donnerstag, den 6. Juli, nachdem unser kleines Lager bei Fort

Johnston aufgegeben war, brach ich ganz früh mit dem Schiffe auf, um

es zum Südufer des Nyassa-Sees, nach unserer Station Port Maguire

überzuführen. Das Fort passirt, streckte sich zur Rechten das mächtige

Dorf Mponda längs dem hier höher gelegenen Ufer aus, zur Linken

hingegen nur sumpfige Niederung mit Schilf, Busch und Rohr bestanden,

die landeinwärts bis zum Fuße der Berge zu einem mächtigen Dickicht

überging über das hinweg nur zahlreiche Fächerpalmen ihre stolzen

Kronen in den Lüften wiegten. Bald lag die letzte Krümmung des Schire

hinter uns, und noch ehe wir die Barre erreicht, öffnete sich schon

ein Ausblick auf den See. Ein Bild voll Schönheit und Eigenart lag vor

unseren Augen ausgebreitet; erhebend wirkte die weite, nach Norden zu

unbegrenzte Wasserfläche. Als sähe man den Spiegel eines gewaltigen

Meerbusens im Sonnenglanz und tiefster Ruhe vor sich liegen, eingefaßt

von gewaltigen Bergmassen, die in weiter Ferne verschwindend, wie

Inseln auf den Fluthen des Sees erschienen. So weit das Auge reicht,

sieht man noch die Ufer an beiden Seiten; die hohen Bergketten, höher

und höher anstrebend, treten scheinbar zurück, und am Horizont, wie

Punkte verschwindend, scheint ein Meer ohne Grenzen ausgedehnt zu

liegen.

Und in der That, hunderte englische Meilen weit erstreckt sich diese

Wassermasse -- den Wunsch, auf diesen Fluthen gewiegt unbekannten

Fernen zuzustreben, erweckt der Anblick jener gewaltigen Bergformen,

wie die Natur sie hier aufgebaut hat -- unabsehbar verschmelzen Land

und Wasser, und lassen ahnen, daß dieses +terra incognita+ für uns

noch Schönheiten aufzuweisen hat, die bei weitem das übertreffen, was

hier vor unseren Augen ausgebreitet liegt.

Am Ausfluß des Sees fand ich die vorgelagerte Barre flach und schwer

passirbar, daher mußten sämmtliche Leute in das Wasser, theils um

das Schiff zu erleichtern, theils um es mit Leinen an aufgefundenen

tieferen Stellen durchzubringen. Nach viel Mühen und stundenlanger

Arbeit gelang auch dies, und darauf längs dem Seeufer hinziehend,

erreichten wir am selben Tage die deutsche Station.

Unsere Station Port Maguire in 14° 24´ 26´´ S. Br. und 35° 23´ 30´´

Östl. Länge, dicht am Südufer des Sees gelegen, macht, wenn man die

Verhältnisse, unter denen sie erbaut worden, in Betracht zieht, einen

guten Eindruck; entschieden besser als das Fort der Engländer, Fort

Johnston. Die nach Norden gelegene hohe Bastion, die tiefen Gräben,

welche zum Schutz aufgeworfen und deren Ränder dichte Dorngebüsche

einschließen, sowie der hohe künstlich aufgeführte Wachtthurm sind

ganz imposant. Ein hoher breitästiger Tamarindenbaum mitten im Fort,

in dessen Schatten Zelte und Hütten aufgebaut sind, trägt auch

viel dazu bei, das Fort einladend zu machen. Ringsum, namentlich

landeinwärts, ist der dichte Busch niedergehauen, selbst lange Wege in

diesem gelichtet, um freie Aussicht zu haben. Da die Fächerpalme hier

in bedeutenden Mengen vorhanden ist, deren schlanker astloser Stamm

(eigentlich nur ein dichtes Zellengewebe, umgeben von harter Rinde)

sich besonders zu den Bauten eignet, so wurden solche für die Bastionen

so verwendet, daß Stamm an Stamm aufgerichtet einer Mauer glich, hinter

welcher die Sandmassen angeschüttet und mit Dornhecken gekrönt wurden

und selbst dem verwegensten Feinde das Eindringen verwehrt hätten; denn

die scharfen Stacheln halten fest was sie gefaßt und zerreißen dem

die Haut der hindurchzudringen wagt, wofür die nackten Eingeborenen

natürlicherweise berechtigte Scheu haben.

Es sollen nach Aussage, als Doktor Röver dieses Fort anzulegen begann,

anfänglich von den feindlich gesinnten Bergbewohnern, mehrere Versuche

unternommen worden sein, den Anbau hier zu verhindern. In größeren

Trupps zum Angriff vorgegangen, gelang es ihnen auch, einige der

angeworbenen Arbeiter abzufangen, natürlich um solche armen Teufel

als Sklaven zu verkaufen; sonst aber war die anwesende Militairmacht

stark genug sie immer zurückzuschlagen, bis sie durch Verluste klug

gemacht weitere Belästigungen aufgaben und sich in ihre Gebirgsheimath

zurückzogen, wohin ihnen zu folgen bis jetzt noch kein Europäer gewagt

hat und vorzudringen vermochte. Es wäre auch wohl nicht rathsam

gewesen, ohne eine starke Macht hinter sich zu haben, die kriegerischen

Stämme anzugreifen. Die Engländer nach der Besitzergreifung dieses

weiten Gebiets haben es unternommen, sind aber gründlich mit Verlust

von einem Geschütz und Waffen zurückgeschlagen worden; selbst einige

Europäer sind zeitweilig gefallen und seither alle weiteren Versuche,

die Gebirgsstämme unter Botmäßigkeit zu stellen, aufgegeben worden,

wenigstens so lange, bis die Engländer kräftig genug sein werden, die

Feinde zu Paaren zu treiben und ihre Macht zu brechen. Für jetzt ist

Fort Johnston der einzige Stützpunkt, über dessen Umkreis hinaus die

englische Macht aber illusorisch.

Zur Sicherheit, solange die Besatzung noch schwach war, hielt Dr.

Röver seine kleine Macht im Fort, um aber in dieser entlegenen wilden

Gegend nicht gänzlich des Amüsements zu entbehren, hatte er und Herr

Franke sich mit einheimischen Hausthieren umgeben, als Hühner, Ziegen,

Tauben und Hunden, sowie verschiedene Arten zahmer Affen. Alle diese

Thiere im Fort in Freiheit gesetzt, waren es die Affen, die immer die

unglaublichsten Dinge ausführten, und durch ihre Possirlichkeiten eine

ganze Gesellschaft unterhalten konnten. Spielten die Hunde zusammen,

waren auch bald die Affen dazwischen, sie entrissen flink und gewand,

diesen ihre Spielsachen, als Stücke Zeug oder Papier, um dann damit von

den Hunden verfolgt, auf einen erhöhten Gegenstand zu springen, wohin

diese ihnen nicht folgen konnten. Aus dem Bereich der bellenden Hunde

gekommen, kehrten die Affen diesen ihr Hintertheil zu und kratzten

sich, sprangen aber sofort, sobald die Hunde sich abwandten, auf deren

Rücken und die Balgerei ging von Neuem los; lief einer der Hunde, hing

sich ein Affe an dessen Schwanz und ließ sich mitschleppen, bis der

Hund wüthend gemacht den Affen zu fassen versuchte, aber gewand sprang

dieser über und unter dem Hunde und spottete dessen Bemühen.

Wollten die Hunde sich nicht zum Spielball der unbegreiflichen

Affenlaunen hergeben, begnügten die Affen sich mit den Hühnern; ganz

leise heranschleichend, faßten sie die Schwanzfedern derselben und

ließen sie erst los, wenn die Hühner Zeter schrien. Auch die Tauben,

die auf dem Baume nisteten und sich gerne zwischen den Hühnern

aufhielten, verschonten sie nicht.

Aber nicht genug damit, war niemand in der Nähe, holten die Affen

sich von unserm im Freien unter dem Baume aufgeschlagenem Tische

alles mögliche herab oder rissen gar das Tischtuch sammt allem was

darauf war in den Sand. Wurden kleine Flaschen, Saucen, oder Pickels

vermißt, konnten wir sicher sein, daß einer der Affen diese irgend

wohin verschleppt hatte. Unangenehmer aber noch war es, wenn es einem

der Affen einfiel in einem Zelt oder Behausung Unordnung zu schaffen;

nichts war vor ihrer Neugierde sicher, und hatte ein Affe Zeit und Muße

gehabt, sich mit den Habseligkeiten eines Europäers vertraut zu machen,

dann ade Gemüthlichkeit, der Betroffene war zum Mindesten fuchswild und

schwor dem Uebelthäter das Genick zu brechen, wenn er ihn nur hätte

bekommen können!

Höchst possirlich und zum Lachen reizend, waren die Vorstellungen,

häufig aber doch die Dreistigkeit der Affen lästig, stand z. B. jemand

vom Stuhle auf, so lag derselbe entweder im nächsten Moment umgeworfen

im Sande oder der Sitz der Feldstühle war verzerrt. An Strafen und

Greifen war kaum zu denken, die Thiere sind zu gewand und schnell,

sie lesen auch im Auge des Menschen was dieser für Absicht hat; kein

Schmeicheln, kein Locken hilft, sobald der Affe etwas merkt, was ihm

nicht geheuer scheint, und keinem gelang es, eines der Thiere zu

fassen, wenn die Absicht vorlag, für ausgeführte Streiche ihnen das

Fell zu gerben.

Die Arbeiten am Schiffe wurden nach der Ueberführung sogleich wieder

aufgenommen und sobald die Aufrichtung der Verschanzung beendet

war, konnte ich mit dem Einlegen des Decks beginnen, während

Maschinenmeister Spenker mit seiner Kolonne ausschließlich die Maschine

und Kessel montirte. Wochen harter rastloser Arbeit waren es, bis alles

soweit vollendet, daß ich mit dem Einsetzen der Masten anfangen konnte,

und ohne jegliche seemännische Unterstützung auch die Auftakelung

beendete, wobei nur ein ehemaliger schwarzer Matrose mir nennenswerthe

Hilfe zu leisten im Stande war.

Der Auf- und Ausbau der Kajüten, die vielen hundert Theile, die zur

Ausrüstung eines Schiffes gehören, dies alles an seinen Platz gebracht,

nahm auch viel Zeit in Anspruch; doch einer Arbeit, das Abdichten des

Deckes, wurden wir durch die Gefälligkeit von Kapitän Robertson, der

seine schwarzen Zimmerleute uns zur Verfügung stellte, überhoben. Die

Ausführung aller dieser Arbeiten nach Gebühr zu beurtheilen vermag

nur ein Fachmann und kann ich es füglich unterlassen in Details näher

einzugehen, da hier nicht mehr wie es in Mpimbi der Fall war, große

Nebenarbeiten auszuführen waren, obwohl auch diese nicht minder

Besonnenheit erforderten und an Mühen gewiß kein Mangel war. Die

Temperatur während der Monate Juli, August am Lande glühend heiß,

wurde auf dem See theils durch das Wasser, theils durch zeitweilig

abwechselnde Winde in etwas abgekühlt, namentlich wenn die frische

Brise von den Bergen herabwehte. Aber auch sehr heftige Böen, die

plötzlich über die sonst ruhige Wasserfläche hinfegten, wirbelten

die Fluthen auf und an Deck des Schiffes, wo die Feldschmieden in

Thätigkeit waren, fegte der Wind die glühenden Holzkohlen herab und

versetzten die nackten Arbeiter in nicht geringer Aufregung, sobald die

heißen Kohlentheilchen ihnen auf der Haut brannten.

Die Luftströmung, (Passatwinde) die vom indischen Ocean herüberwehte,

wurde hier schon durch die fast parallel laufenden hohen Gebirgszüge,

die den großen Nyassa-See einfassen, abgedrängt und nahm schließlich

eine Süd-Nord-Richtung an, so daß die zu Zeiten sehr heftigen Winde,

längs dem ganzen See fegten und die Fluthen gleich Meereswogen

aufwühlten. Seltener nur in dieser Zeit, wenn für ein oder zwei Tage

heftiger Nord-Ostwind geweht hatte, trat gegen die Regel, nachts keine

Stille ein, sondern der Wind sprang nach Norden über, der dann die

Wassermassen gegen das südliche Ufer warf, und langrollende weißköpfige

Wogen brausten heran. Hätte jemals der Nordwind solche Stärke erreicht

wie aus süd- und nordöstlicher Richtung, alle unsere vom Ufer bis zum

Fort errichteten Bauten würden unter Wasser gesetzt und vernichtet

worden sein. Schon gegen die im Verhältniß doch nur schwachen Wellen

waren wir nicht imstande unsere mit Mühe hergestellte Werft, die bis

zum tieferen Wasser hinausgebaut worden war, zu schützen; in den drei

eingetretenen Fällen wurde diese jedesmal theils ganz oder theilweise

zerstört d. h. die Sandmassen zwischen den eingerammten Pfählen wurden

weggewaschen. Gleich beim ersten Auftreten dieser ungewöhnlichen Winde,

mußte das Schiff weiter vom Lande verankert werden, da es durch die

Wellen gehoben, den Grund berührte.

Jedesmal beim Wechsel des Mondes, Voll- oder Neumond, traten in der

Atmosphäre Veränderungen ein, und zwar wehte der Passatwind, der

vorher von Windstillen unterbrochen gewesen, zu diesen Zeiten stets

sehr heftig auf, oder wurde durch ebenso starken Gegenwind aufgehoben.

Die Wissenschaft hat in Abrede gestellt, daß auf noch so großen

Binnengewässern die Erscheinung von Ebbe und Fluth möglich sei, ich

kann aber auf meinen Beobachtungen fußend, die positive Behauptung

aufstellen, der Nyassa-See weist zu den angeführten Perioden Fluth

und Ebbe auf! Die Fluthwelle stieg und fiel während 2 bis 3 Tagen

regelmäßig, das Niveau des Sees am Südufer hob und senkte sich 6 Zoll

in 12 Stunden, es trat die Fluth stets um 3/4 Stunden später ein, und

zwar in dem Verhältniß später, als der Mond um diesen Zeitunterschied

später im Zenith eintrat; nur das Auffallende war bei dieser

Erscheinung, daß, wenn der Zeitpunkt des direkten Zusammenwirkens von

Sonne und Mond gekommen, erst genau sechs Stunden später Hochwasser

war, also eine Verspätung eintrat, die ihre Erklärung darin finden

würde, daß die bekannte Einwirkung der Sonne und namentlich die des

Mondes auf der Erdoberfläche, die Wassermassen des unergründeten Sees

in der Mitte, wo derselbe die größte Breite hat, aufhielte und deren

Zurückfluthen dann, namentlich am Südende, die Fluthwelle erzeugte, um

wiederum nach Verlauf von 6 Stunden Ebbe eintreten zu lassen.

Ich war bei dem ersten beobachteten Auftreten dieser Erscheinung

geneigt, den stark wehenden südlichen Winden solche Einwirkung

zuzuschreiben, da diese naturgemäß die Wassermassen nordwärts treiben

mußten und eine Zurückfluthung derselben erst nach eingetretener

Windstille, also mit Sonnenuntergang, gestatteten. Längeres Beobachten

aber, und nicht immer zu diesen Zeiten mitwirkende Winde zeigte, daß

diese Vermuthung falsch war; und sofern noch nicht bekannte Ursachen

diese auffällige Erscheinung einer Ebbe und Fluth hervorbringen, muß

der Einwirkung der Sonne und des Mondes diese zugeschrieben werden,

als sich schlechterdings keine andere Erklärung dafür finden läßt,

so auffällig es auch ist und mit der Annahme, daß ein Binnengewässer

von beschränkter Ausdehnung keine Flutherscheinungen haben kann,

in Widerspruch steht. Einmal aufmerksam darauf geworden, sind von

englischer Seite an verschiedenen Punkten die gleichen Beobachtungen

gemacht und wenn später die englischen Kanonenboote wegen ungenügender

Wassertiefe auf der Barre ein Einlaufen in den Schire unmöglich fanden,

wurde der Eintritt des Voll- oder Neumondes abgewartet, dann machte die

für zwei, selbst drei Tage zu bestimmter Zeit auftretende Fluthwelle

erst ein Passiren möglich.

Wie sich übrigens bei der Beschreibung des Sees ergeben wird, zeigt

dieser in seiner ursprünglichen Bildung sowohl, wie auch noch in seiner

heutigen Beschaffenheit soviel Auffälliges, daß er jedem ernsten

Beobachter zu tiefem Nachdenken Veranlassung geben muß.

Die deutsche Dampfer-Expedition zum Nyassa-See. · 第 38 / 51 段