Abgesandten mit dem dazu gehörigen Gefolge, alle der Würdigkeit
der Sendung gemäß geschmückt und ein etwas feierliches Gepräge zur
Schau tragend, auf der Werft zu begrüßen. Ich eröffnete hierauf das
Schauri mit der kurzen Frage, welches die Gründe sind, um derenwillen
sie plötzlich eine so feindliche Stellung meinen Leuten gegenüber
eingenommen hätten, sogar mit Waffengewalt gedroht wurde, wenn die
Abtheilung nicht freiwillig das Feld geräumt hätte. Eine lange Rede des
Wortführers war die Antwort, aus der mein Dolmetscher sich nur so viel
zusammen reimen konnte, daß das Ergebniß Unsinn, der Sinn Widerspruch
sei. Ich forderte sie nach einer Stunde unnützen Parlierens auf, mir
eine bestimmte Antwort endlich zu geben, und legte die Fragen so klar
und kurz, daß es unmöglich schien, anders als ein Ja oder Nein darauf
zu erhalten; aber konnten oder wollten sie mir nicht Rede stehen,
ich erreichte nichts und ließ ihnen, als meine Geduld zu Ende ging,
erklären, daß, wenn ein gütiges Verhandeln zwecklos wäre, ich Soldaten
genug habe und viel mehr Gewehre wie sie, um nöthigenfalls der Gewalt
Gewalt entgegenzusetzen; ich würde morgen früh selbst die Truppe führen
und jeden Widerstand zu beseitigen wissen.
Solcher Bescheid war entschieden nicht nach ihrem Sinn und zögernd
schickten sie sich an, die Werft zu verlassen, nachdem ich jedes
weitere Verhandeln abgebrochen hatte, sie konnten sicherlich nicht den
weißen Mann begreifen, der so würdige Abgesandte nicht mal mit dem
üblichen Geschenk bedachte. Hätte ich mich dazu herbeilassen wollen,
würde ich das gewünschte Resultat wohl erzielt haben, aber ich sah
nicht ein, warum ich noch eine Art »Hongo« (Zoll) zahlen und die
schwarze Gesellschaft erst ködern sollte, wenn ich schon mehr als genug
gegeben hatte und nur darauf bestand, daß die früheren Abmachungen zu
Recht bestehen blieben.
Nach reiflicher Ueberlegung aber beschloß ich doch meinen am ersten
Tage gefaßten Vorsatz, den Häuptling persönlich aufzusuchen, zur
Ausführung zu bringen, erstens erschien es mir gerathener auf
friedlichem Wege diese Schwierigkeit zu lösen, zweitens mit Bewaffneten
hätte man mich nicht über den Fluß gesetzt und solche Wichtigkeit legte
ich der Sache noch nicht bei, um weitgehendere Maßregeln zu treffen.
Daher nur in Begleitung von zwei Mann und ohne jegliche Waffen, ging
ich am nächsten Morgen zur Fähre, darauf rechnend, der Fährmann würde
keinen Anstand nehmen uns überzusetzen. Allein vergeblich wartete ich,
kein Fährmann folgte der Aufforderung überzusetzen und ebensowenig ließ
sich etwas von dem im dichten Ufergebüsch versteckten Kanoe entdecken.
Erst nach geraumer Zeit bequemten sich ein paar junge Leute das
Fahrzeug aus dem Uferschilf herauszuschaffen und uns, nachdem sie den
Zweck meines Kommens erfahren hatten, der durch Boten wahrscheinlich
erst ihrem Fumo mitgetheilt wurde, mit vielem Geschick durch die
reißende Strömung am anderen Ufer abzusetzen.
Vertraut mit den Irrgängen eines Negerdorfes, dessen schmale Pfade
labyrinthartig zwischen Hütten, hohem Gras, durch Busch und Unrat
führen, war ich, gefolgt von nur wenigen Bewohnern, durch das Gras zu
dem großen freien Platze gelangt, der als Versammlungsort diente und wo
unter dem Schatten eines gewaltigen Baumes die Berathungen abgehalten
werden. Einer Tenne gleich so fest und meistens sauber ist der Boden
um solchen Baum, eigentlich auch nur der einzige Ort von dem man sagen
kann er werde reinlich gehalten; heute aber und fast zu jeder Tageszeit
befanden sich hier nur Mais und Matama stampfende Weiber, umgeben
von einer Schaar Kinder, die beim Erblicken des weißen Mannes theils
schreiend zu ihren Müttern liefen, theils in den naheliegenden Hütten
verschwanden.
Die Prozedur des Mais- und Matamastampfens wird nur von den Frauen
vorgenommen, die Geräthe sind ein Holzgefäß und zwei Stampfer, ersteres
ist aus einem etwas über zwei Fuß hohem Holzklotz gefertigt, dessen
Aushöhlung oben weit nach unten zu aber spitz zu läuft, der Stampfer
ist ein einfacher Pfahl von hartem Holz an beiden Enden zugespitzt. Ist
ein Quantum des Getreides in ein solches Gefäß geschüttet, wird dieses
dann meistens von zwei Frauen derart bearbeitet, daß, indem sie die
Stampfer abwechselnd in rascher Folge mit aller Kraft hineinstoßen,
die Körner auf diese Weise zermalmt werden. Es erfordert eine gewisse
Ausdauer stundenlang solche Arbeit zu verrichten, und sehr häufig sieht
man, daß die Mütter ihre Säuglinge auf den Rücken gebunden haben, die
mit jedem Stoß in eine hüpfende Bewegung gerathen und mit den Köpfen
gegen den Körper schlagen. Aber der Negerschädel ist fester gebaut, die
Kinder finden in solcher Lage Schlaf und Ruhe, selbst den unbedeckten
kleinen Köpfen schadet nicht mal der glühende Strahl der Sonne.
Sind die Körner fein genug gestampft, und bestimmt zu Mehl verrieben zu
werden, kommen sie unter die Mühle d. h. sie werden in kleineren Mengen
zwischen zwei Steinen gerieben, von denen der größere auf einer reinen
Matte gelegt wird, der kleinere mit den Händen gefaßt, durch Hin- und
Herschieben das Mehl herstellt. Zur Bereitung des Pombe (Bier) genügt
schon das Stampfen; auf ein Quantum zermalmter Körner wird kochendes
Wasser gegossen, dann abgekühlt, geht die Masse in Gährung über und
nach einigen Tagen noch mehrmals aufgekocht, giebt sie ein braunes
ziemlich dickes Gebräu, das, wenn gut und reinlich zubereitet, auch von
Europäern gern getrunken wird und selbstverständlich viel Nährstoff
enthält.
Zerstreute Körner, welche durch die Wucht, mit welcher die Stampfer
aus und eingetrieben werden, herausfallen, dienen der gackernden
Schaar von Hühnern und Tauben, die gierig jedes zur Erde fallende
Körnchen aufpickten, zur Nahrung. Diese Thiere lassen sich nicht
verscheuchen noch zeigen sie irgend welche Scheu vor den herumlaufenden
Kindern. Eigentliche Verschläge für das Federvieh giebt es nicht,
Bäume, Sträucher und Dächer der Hütten dienen diesem zum nächtlichen
Aufenthalt; besser ist es auch, die Thiere sind frei, denn in schlecht
gebauten Ställen gelingt es der Pantherkatze gar leicht einzubrechen
und richtet diese dann gewöhnlich eine starke Verheerung unter den
eingeschlossenen Thieren an; ich habe es zweimal erfahren, wie
unersättlich solche Katze morden kann.
Da der Weg zur Behausung des Häuptlings vom Berathungsplatze mir
unbekannt war, suchte ich diesen bei den Frauen zu erkundigen, indes
aus Furcht oder Scheu gaben sie keine Antwort auf meine Fragen, bis
sich ein kleiner kouragirter Bursche meldete, der sich erbot uns den
Weg zu weisen. Weiter nun zwischen Hütten und Gras, durch Busch und
über Gräben, vorbei an Maisfeldern, näherten wir uns der Behausung
des Fumo, die in sich selbst abgegrenzt, außerhalb des Dorfes gelegen
war. Eine ausgedehnte Rohrumzäunung umfaßte sowohl das Wohnhaus
des Häuptlings, als auch eine Anzahl Hütten in denen die nächsten
Angehörigen desselben wohnten. Und zwar leben die nächsten Verwandten
immer zusammen, weil es Sitte ist, daß der Schwiegersohn sich stets
an der Hütte oder im Gehöft seines Schwiegervaters ansiedeln muß,
dessen Arbeitskraft und Besitz fortan der ganzen Familie zugehört. Die
Nachfolge in der Häuptlingswürde ist auch hier keine direkte, nicht der
Sohn sondern der Neffe, also dem Schwester- oder Tochtersohn fällt die
Würde zu; es ist auch gleichgültig ob der Mann einer Häuptlingstochter
im gleichen Range steht oder nicht, durch Heirath wird dieser zu dem
Stande der Frau erhoben; auch für die Rangstufe eines Kindes aus
solcher Verbindung entscheidet nur die Abstammung der Mutter. Weil die
Erbfolge eine weibliche ist, haben die Frauen einen gewissen Einfluß,
aber auch nur in dieser Hinsicht, sonst im Uebrigen ist ihre Stellung
eine wenig beneideswerthe.
Den Eingang zum großen Vorhofe hatten wir bald gefunden, und hatte ich
erst die Absicht selbst zum Hause des Häuptlings zu gehen, um nicht
zu lange den glühenden Sonnenstrahlen ausgesetzt zu sein, allein auf
dem ganzen Platze waren so viele große und kleine Pombetöpfe zerstreut
umgeworfen, daß man Mühe hatte hindurchzukommen, wollte man nicht
mit solchen jetzt schmutzigen Gefäßen in näherer Berührung treten.
Zwar gewohnt, die Umgebung einer Negerhütte schmutzig zu finden, zum
mindesten für einen Europäer nicht einladend, war dieser Platz doch
geradezu zu unsauber, dazu der widerlich saure Geruch, der den Töpfen
entströmte, machte ein Verweilen in dessen Nähe unmöglich. Ein großes
Gelage war hier abends vorher gefeiert worden -- die Ngomatrommel hatte
ich bis spät in die Nacht hinein auf der Werft hören können -- dafür
gaben die vielen zum Theil noch mit Bierresten versehenen Thongefäße
beredtes Zeugniß, und dieser üblen Sitte, sich in Unmassen Pombe zu
berauschen, opfern die Eingeborenen oft den besten Theil ihrer Ernten.
Ein weiteres Vordringen oder längeres Verweilen in dieser von üblen
Gerüchen geschwängerten Atmosphäre blieb mir erspart, da auf dem Rufe
des kleinen Führers ein einzelner Mann erschien, der sich nach unserem
Begehr erkundigte; unterrichtet davon, brachte er bald darauf den
Bescheid, der Fumo ließe ersuchen nur ein wenig zu warten.
Hat ein Pomberausch gemeinhin auch keine nachhaltigen Folgen, so ist
es doch erklärlich, daß die Zecher weit in den hellen Tagen hinein
schlafen und sich träger Ruhe überlassen um gestärkt, am Abend
vielleicht schon, die Fortsetzung zu machen; liegt doch kein Bedürfniß
zu irgend einer Arbeit vor, die nicht aus freiem Willen unternommen
wird, denn was häusliche Beschäftigungen oder Feldarbeit anbelangt, so
sind ja die Frauen dazu da; darum konnte es mir weiter nicht Wunder
nehmen, wenn noch um die Mittagsstunde alles im tiefen Schlafe lag.
Ich zog es also vor, außerhalb des Gehöftes die Ankunft des Häuptling
abzuwarten, bis mir schließlich das Verweilen in der heißen Sonne
etwas unbequem wurde und schon hatte ich einem Boten Ordre gegeben den
Fumo zu fragen, ob ich noch lange auf seine Ankunft warten müße, als
derselbe mit seiner Begleitung von einer Seite erschien, von wo ich
ihn nicht erwartet hatte. Etwas überrascht, den Häuptling und seine
männliche Verwandtschaft in halbeuropäischer Kleidung zu sehen, die
freilich nur aus bunten baumwollenen Hemden bestand, konnte ich mir
leicht die Verzögerung dadurch erklären, daß allerdings der Eingeborene
zu solcher Ausstaffirung etwas mehr Zeit gebraucht als der Europäer.
Nach der üblichen Begrüßung konnte ich die mehrfache Aufforderung des
Fumo, ihn zum Berathungsplatz zu folgen, als besondere Höflichkeit
ansehen, aber mich zu einem Schauri zu bequemen, damit war mir nicht
gedient und lehnte ich solches Ansinnen entschieden ab, aus dem Grunde
schon, weil mir zur Genüge bekannt war, welche Bewandtniß es damit
hat und auch, wenn erst das halbe Dorf sich dazu eingefunden, erstens
viel Zeit verloren gehe, zweitens, ich nur wenig oder nichts erreichen
würde. Darum den Zweck meines Kommens mit wenig Worten erklärend,
drang ich darauf, mir die Gründe anzugeben, warum meinen Leuten der
Durchzug durch das Dorf verwehrt worden sei und die Fährleute, die
doch reichlich bezahlt würden, uns Schwierigkeiten bereiteten! Die
Verlegenheit, in welcher der Häuptling durch diese bestimmten Fragen
versetzt wurde, war natürlich groß, als er mit der Wahrheit, das
Auftreten der Dorfbewohner ist nur eine Agitation gegen die Europäer
gewesen, nicht herausrücken konnte, wußte sich aber zu helfen und gab
mir den unerwarteten Bescheid, daß allein nur deshalb seine Leute, ohne
seinen Befehl nebenbei, so gehandelt haben, weil sie einen geschlagenen
Weg im Urbusch gefunden hätten, der vermuthen ließ, daß doch in ihrem
Todtenhain der Europäer Bäume schlagen wolle und einige bereits
zertretene Grabstätten gesehen haben wollten. Daß diese Angaben unwahr
sind, wußte ich, hatte ich doch seinerzeit selbst, unter Wahrung der
mir bekannten Gewohnheit der Eingeborenen, ihre vornehmeren Todten am
Fuße der schönsten Bäume zu begraben, alle Anordnungen getroffen und
war überzeugt, gegen diese ist nicht verstoßen worden.
Es war das zweite Mal, daß in gleicher Weise vorgegangen und die
gleichen Beschwerden vorgebracht wurden; darum ließ ich den Häuptling
fragen, warum er denn zur Selbsthilfe geschritten und den Anschein
aufkommen lasse, als suche er Streit mit den Europäern, er wisse doch
was ich mit ihm abgemacht hätte, und wirkliche Ungehörigkeiten durch
eine Anzeige seinerseits sofort abgeholfen wären? Darauf wußte er aber
nichts zu antworten. Meine Meinung, sagte ich ihm, hätte ich gestern
seinen Abgesandten zu verstehen gegeben, komme er aber nicht mit vielen
Gewehren und drohe wie seine Leute, sondern ganz allein, obgleich ich
viele Waffen und viele Soldaten (Askaris) habe. Die Wege durch sein
Dorf wolle ich nur benutzen, weil sie bequem und gut sind und auch
keine anderen durch das Dickicht führen; ferner wiederhole ich es, kein
Weißer noch Schwarzer soll das anrühren, was ihnen heilig ist, kein
Baum noch Grab soll berührt werden. Wir sind nur hier, um unser Schiff
zu bauen, ist das vollendet gehen wir zum Nyassa-See und kehren nie
mehr hierher zurück, wir sind keine Engländer und unser Dorf erbauen
wir sehr weit von hier, viel weiter noch als Makangilas Land -- diesen
aufrührischen Häuptling am Nyassa erwähnte ich deshalb, weil dessen
Name wohlbekannt war und um klar zu machen, wie weit fort von hier wir
gehen würden. --
Unsere gute Absicht schien dem Fumo schließlich einzuleuchten, er gab
wiederholt seine Zustimmung zu erkennen mit der Zusicherung, daß ich
überall Bäume schlagen könne, so weit sein Gebiet reicht, wenn nur die
Grabstätten verschont bleiben. Zufrieden mit dieser Zusage schieden wir
dann im besten Einvernehmen und da von unserer Seite streng auf die
Abmachungen gehalten wurde, kamen auch weiter keine Mißhelligkeiten vor.
Nun auf diese Weise das alte Verhältniß wieder hergestellt worden
war, ließ ich auch sofort die schon drei Tage unterbrochene Arbeit
wieder aufnehmen, mit der Absicht, sobald mir nur erst unser Boot zur
Verfügung stehen würde, lieber selbst einen Weg durch das Dickicht zu
hauen, sei es auch mit noch so großen Schwierigkeiten, als noch länger
gewissermaßen von dem guten Willen der Eingeborenen abhängig zu sein
und meine werthvolle Zeit zur Schlichtung von Streitigkeiten opfern zu
müssen, denn nur der Mangel eines Bootes hatte mich gezwungen, solche
Maßregeln zu ergreifen, und der Zeitverlust, der entstanden wäre, hätte
ich mir ohne genügende Mittel einen meilenlangen Weg durch Gebüsch und
Rohr hauen wollen.
Indes ehe ich an die Ausführung dieser Arbeit denken konnte, mußten die
Erdarbeiten nahezu beendet, auch von Katunga der erste Wagentransport
eingetroffen sein, da ich mit zwei derselben die schweren Balken
aus dem Dickicht herauszuschaffen gedachte; namentlich mir leichter
Wege bahnen konnte, wenn ich, wo es angängig war, mit den Wagen
durch Dick und Dünn fuhr. Auf der Werft ging alles seinen geregelten
Gang, soweit es mit den vorhandenen Kräften möglich war, auch jedes
Unternehmen hatte sichtlichen Fortgang und im Anfang März waren
schon die Schmiedeschuppen mit Haus, sowie das große Lagerhaus nebst
der Umzäunung beendet. Jetzt aber, wo schon die Feldschmieden und
Handwerkszeug, Schiffsrippen und viel anderes Material durch immer
zahlreicher eintreffende Wangoni-Träger herbeigeschafft wurden, galt
es auch daran zu denken möglichst bald mit dem Zusammennieten der
einzelnen losen Theile zu beginnen und die Frage, wie nun Kohlen
beschaffen, drängte sich immer unabweislicher auf. Jeder Versuch, den
ich hatte unternehmen lassen, war bisher mißglückt, zum wenigsten nicht
dem entsprechend, daß wir hätten reichlich auf Vorrath rechnen können
und der auch unter der beständigen Aufsicht eines Europäers hätte
ausgeführt werden müssen.
So suchte ich denn nun selber eine Methode zur Ausführung zu bringen,
die ich mir als praktisch ausgedacht, und die auch schon ein Handwerker
früher im Lager ausführen sollte, aber verfuscht hatte, nämlich in
Erdlöchern Kohlen zu brennen. Der feste thonhaltige Boden auf der Werft
schien mir besonders dazu geeignet den Versuch zu wagen, nebenbei
der letzte, da mir sonst keine bessere Idee kommen wollte; Steine
brennen und mit Mühe einen Hochofen erbauen, dazu hatten wir kein
genügend gutes Material, erst dann hätte ich von Blantyre Ziegelsteine
herbeischaffen lassen müssen, verbunden mit vieler Mühe und bedeutenden
Geldkosten, wenn dieser Versuch auch mißglückt und sich als unpraktisch
erwiesen hätte.
Zuversichtlich ging ich ans Werk mit der Ueberzeugung es müsse gehen
und ließ an jener Stelle, wo zwischen Ufer und der Grabstätte, die ich
hatte von der Werft ausschließen müssen, noch reichlich Platz vorhanden
war zuerst ein mannstiefes Loch graben, das oben eine möglichst kleine
Oeffnung hatte, auf zwei Fuß Tiefe aber so erweitert wurde, das es
die Form eines richtigen Kessels erhielt; damit dem Feuer aber der
genügende Luftzug nicht fehle, ließ ich anfänglich einige Fuß davon
noch ein kleineres gerade herunterführen und unten beide in Verbindung
setzen, da letzteres als Luftzufuhr jedoch nicht genügte, so wurde noch
ein zweites ausgehoben.
Bedacht darauf nur hartes trockenes Holz zu verwenden, mußten für
einen Tag sämmtliche Atonga in die Berge und nach Möglichkeit Stämme
herbeischaffen, die zerkleinert im Hauptloch aufgestapelt und in
Brand gesetzt wurden. Sobald die Gluth groß genug war, wurde schnell
jede Oeffnung mit Aesten, Gras und Erde zugedeckt damit kein Rauch
mehr entweichen konnte, und die große Hitze noch nicht durchgebrannte
Kloben als Kohle zurücklassen mußte. Der erste Erfolg entsprach noch
nicht der Erwartung, die gewonnene Kohle wenigstens nicht der Menge
des verbrannten Holzes, aber so viel war gewiß, ich hatte mit der
Herstellung eines solchen Ofens keinen Fehlgriff gethan. Die Erfahrung
zeigte mir bald, worin der Fehler lag, für die Folge konnte ich denn
aber auch mit dem Ergebniß sehr zufrieden sein. Die Nothwendigkeit,
noch einen zweiten und später einen dritten Ofen herzustellen, erwies
sich als unabweisbar und zwar deshalb, weil die Abkühlung 36 Stunden
dauerte, ehe sich ein Mann hineinwagen und die Kohlen herausschaffen
konnte, in Folge also umschichtig jeden Tag einer geöffnet und wieder
angezündet wurde, um den Bedarf an Kohlen zu decken.
Sehr gelegen kamen mir in diesen Tagen eine Abtheilung Wangoni 21 Mann
und eine Frau, die um Arbeit anfragten; unter anderen seien hier einige
Namen derselben genannt: Angola, Singano, Aligara, Tarejenji, Kamalami
und die Frau Njapine. Diese Leute, die stets fleißig und bescheiden,
hatte ich viele Wochen im Dienst, aber ob sie auch täglich Brennholz
herbeischafften reichte ihre Zahl mitunter doch nicht aus, den Bedarf
für die Oefen zu decken. Unter diesen Wangoni fand ich zuerst Leute
mit spitzgefeilten Zähnen, die ihr sonst wirklich prächtiges Gebiß,
auf diese Weise verunziert hatten; übrigens wird dies bei den Wangoni
als eine Zierde betrachtet, und erfordert es gewiß eine gute Portion
Geduld, wenn man bedenkt, mit welchen einfachen Mitteln diese Prozedur
ausgeführt wird.
Das Leben auf der Werft war gewissermaßen für mich ein recht
eintöniges, sofern ich als einziger Europäer dort lebte und jeder
Gesellschaft entbehrte, denn auch Spenker, der anfänglich mit mir
übergesiedelt war, wurde durch den Höllenlärm, den die Eingeborenen
jede Nacht mit ihren Ngomas machten, vertrieben. Nach des Tages
schwerer Arbeit, wenn ich müde und marode geworden, hatte ich auch
kaum mehr Lust, den Weg zum Lager zu machen um dort Unterhaltung zu
suchen, schon der weite Weg zurück in dunkler Nacht zwischen mannshohem
Grase, durch tiefen Schlamm, abgesehen davon, daß um Lager und Dorf
nächtlicher Weile der Panther und die Hyäne schlich, wog das Vergnügen
nicht auf. Gewöhnlich nach einem erfrischendem Bade, dem frugalen
Abendessen, das mein Koch und Diener bereitete, suchte ich schon früh
das Lager auf, denn das Feldbett in Ermangelung von Stühlen, bot den
bequemsten Ruhesitz, arbeitete ich denn meistens noch stundenlang bei
flackerndem Kerzenlicht, bis die Abspannung den Schlaf herbeiführte.
Hatte ich aber die Ruhe im traumlosen Schlaf gefunden und war trotz der
durch die Stille der Nacht herübertönenden Ngomaschläge aus anderen
Orten, fest eingeschlafen, dann antwortete im Dorfe bald eines, bald
mehrere dieser dumpf dröhnenden Instrumente und rief an mehreren
Plätzen zugleich die träge vor ihren Hütten sitzenden Einwohner zum
Tanz und Spiel, und nur zu willig folgt Jung und Alt der lockenden
Trommel und jeder nimmt Theil am nächtlichen Reigen, unbekümmert darum,
ob sie die Ruhe anderer stören oder nicht.
Der eintönige Gesang, von der Ngoma begleitet, schwillt mehr und mehr
an -- man kann füglich, wer die Tanzweise der Eingebornen kennt, an
den rascheren und lauten Schlägen, sowie an dem Gesange erkennen,
in welchem Stadium der Aufregung sich die Tänzer befinden -- bis
ohrbetäubend, in schrillen Mißtönen plötzlich der wilde Tumult
abbricht, um nach kurzer Pause in anderer Tonart, aber in gleicher
Weise, als Reigentanz wieder zu beginnen. Wie bei den Volksstämmen am
unteren Schire, so ist auch hier das Singen kein eigentlicher Gesang,
also wirkliche Lieder, sondern ein Vorsänger leiert irgend eine Idee
oder einen Vorgang, eigentlich mehr Erzählung, in roher Versform
ummodelirt in singendem Tone her; ein Improvisator also, zu dessen
Sing-Sang der Chorus mit Ngomaschlag und Händeklatschen Takt hält und
entweder den Vorsang immer wiederholt, oder einen passenden Refrain
dazu anstimmt.
Die Ngoma ist ein ausgehöhlter Holzblock mit Ziegenhaut überspannt
und giebt einen weittönenden Klang; wunderbare Fertigkeit besitzen
die Eingebornen im Schlagen derselben, sowie einen nie fehlenden
Takt; durch dieselbe sprechen sie auf große Entfernungen, sie ist der
Telegraph, der jede Kunde durch die Lande trägt und man kann sich nicht
mehr wundern, wie so sehr schnell Nachrichten unter den Eingebornen
verbreitet werden, wenn die Ngoma in Betracht gezogen wird. Es ist ein
Instrument, womit sich die Völker zum Krieg und Frieden rufen, sowie
zum Klagen und Weinen, zur Freude und Lustbarkeit.
Anfänglich hielt der Lärm fast bis zur frühen Morgenstunde an und
kann ich sagen, daß ich kaum eine Nacht habe ruhig schlafen können,
wenigstens nicht eher, als bis der Skandal aufhörte oder mich die
Müdigkeit übermannte; im Laufe der Zeit jedoch habe ich mich auch daran
gewöhnt und waren diese nächtlichen Aufführungen auch unangenehm mit
anzuhören, so hatten sie doch nicht mehr den unleidlichen Klang wie im
Anfang.
Sehr oft aber, in mondhellen Nächten, in denen die Eingebornen am
liebsten ihre Tänze aufführen, übertrieben sie es derart, daß schon
lange Gewohnheit oder recht kräftige Nerven dazu gehörten, um solchen
Höllenlärm zu ertragen, namentlich, wenn sie unvermuthet in meiner
Nähe ihre Ballerbüchsen abfeuerten, die sie hervor holten, sobald ihre
Lustigkeit den Höhepunkt erreicht, oder wenn das in Mengen getrunkene
Bier ihnen zu Kopf gestiegen war. Wurde mir der Spektakel zu bunt,
dachte ich öfter, solchen durch die Wachtposten verbieten zu lassen,
aber ich unterließ es stets, denn mit welchem Rechte hätte ich die
Freude dieser Naturmenschen stören dürfen? Zeigten sie sich uns
gegenüber auch nicht sehr freundlich, so hinderten sie uns auch nicht,
und sehr lieb war es mir, daß ich nur allein auf der Werft wohnte, denn
die Handwerker hätten doch Anlaß zu Klagen gegeben, und ich wäre dann
genöthigt gewesen, um den Leuten die nöthige Ruhe zu verschaffen, die
in unmittelbarer Nähe der Werft stattfindenden nächtlichen Aufführungen
zu verbieten.