Meistens zwar, da die Gruben nicht breit genug angelegt werden konnten,

sank das schwere Thier wohl etwas ein, rettete sich aber sofort trotz

seiner Plumpheit auf festen Boden und bahnte, den Pfad vermeidend, sich

und seiner Heerde durch das Dickicht einen neuen Weg. Wollte der Zufall

aber, daß der Leiter stürzte und eingezwängt, unfähig war sich wieder

zu erheben und sich herauszuarbeiten, flohen die übrigen Thiere nicht

oder ließen ihn im Stich, sondern die Männchen arbeiteten so lange,

bis sie mit ihren Rüsseln ihren Führer wieder heraus und auf die Beine

geholfen hatten; dagegen, war vorsichtig eine entdeckte Falle umgangen

worden, geschah es mehrfach, daß jüngere Thiere, weniger vorsichtig, zu

Falle kamen, denen aber nie, wenn es nicht ein ganz junges Thier war,

bei dem die Mutter verblieb und es half, die Unterstützung der anderen

zu Theil wurde, und erst dann, sobald sie vollständig ermattet und

jeden Versuch der Selbstbefreiung aufgegeben hatten, konnten sie von

den Jägern mit Speer und Kugel getödtet werden.

Schickt eine Heerde sich an, die Anpflanzungen der Eingebornen zu

zerstören, vertheilt, wie es scheint um der Rarität willen, der Führer

die wohlschmeckenden Pflanzen und Bäumchen, indem er z. B. Bananen

mit seinem Rüssel abbricht und sie den Weibchen hinwirft, die ohne

jegliche Anstrengung die weichen saftigen Stämme in den tiefen Schlund

verschwinden lassen, auch sonst soll er mit großer Fürsorge auf das

Wohl der ihm Anvertrauten bedacht sein. Als das stärkste Thier,

entwurzelt er meistens starke Bäume und bricht sie nieder, deren Laub

den übrigen dann zur Nahrung dienen muß. Beurtheilen kann man es wohl,

wie groß der Schaden sein muß, den eine starke Heerde anzurichten im

Stande ist, obgleich der Elephant nicht mehr zerstört, als er zu seiner

Sättigung bedarf.

Fühlt sich eine Heerde nicht sicher, übernehmen, wie es auch bei

anderen Thierarten der Fall, die stärksten Männchen den Postendienst,

die eine erkannte Gefahr durch Trompetentöne anzeigen und ein

sofortiges Sammeln oder Abziehen aller dadurch veranlassen. An solche

abseits stehenden Thiere schleicht sich nun der schwarze Jäger, sofern

ihm ein Vorderlader zur Verfügung steht, möglichst nahe heran und sucht

das ahnungslose Thier an der tödtlichsten Stelle, im Ohr, zu treffen,

wobei ihm das zu Gute kommt, daß der Elephant, selbst wenn er den

schwarzen Mann entdeckt, von diesem nichts Schlimmes erwartet, weil er

zu selten belästigt wird und von den ihm bekannten Gestalten gewöhnlich

nichts zu fürchten hat.

Geht das getroffene Thier nicht sofort zum Angriff über und sucht

den schnellfüßigen Angreifer zu erreichen, den es in wenigen

Augenblicken mit seinen Füßen zerstampfen würde, nimmt dieser

seinerseits die Verfolgung auf, mit einer Schnelligkeit und Ausdauer,

wie solche nur dem Sohne der Wildniß eigen ist, bis er schließlich

das schwerverwundete Thier erreicht, das verlassen von allen, den

unausgesetzten Angriffen schließlich erliegen muß.

Die Methode, den Elephant mittelst vergifteter Pfeile zu erlegen,

erfordert nicht minder Geschicklichkeit, da dem wachsamen Thiere nur

im Hinterhalt beizukommen ist und eine Anzahl gut sitzender Geschosse

erst Erfolg versprechen, welche das Thier sich schließlich, von Schmerz

gepeinigt, durch Wälzen am Erdboden oder Scheuern an Baumstämmen tief

in das Fleisch eindrückt und der Einwirkung des starken Giftes dann

bald erliegen muß. Aeußerst kühne Jäger schleichen sich heran, um mit

einem scharfen Instrument die Hacksehnen der Hinterfüße schnell zu

durchschneiden; das dadurch zum Verfolgen oder Fliehen unfähig gemachte

Thier fällt dann seinen zahlreichen winzigen Feinden zum Opfer, indem

es zusammenbrechend, der geschleuderten Speere sich nicht mehr erwehren

kann.

Solches Tödten durch Hinterlist meinte mein Gewährsmann sei eines

rechten Jägers unwürdig und werde nur von den in den endlosen Urwäldern

Inner-Afrikas lebenden Völkern ausgeführt, wo noch der Elephant in

großen Heerden lebe und nicht so vereinzelt wie in der Gegend des

Schirehochlandes vorkomme. Hier habe er nur zu oft gefunden, daß

Kühnheit und Geschicklichkeit an der Wachsamkeit einer wandernden

Heerde gescheitert sei; an einen einzelnen Elephanten, sogenannten

wilden, der aus dem Verbande einer Heerde ausgestoßen ist und

einsam durch die Niederungen und Wälder streife, sei es nie rathsam

sich heranzuwagen, solch' ein Thier, seine sonstige Gutmüthigkeit

verleugnend, werde zum gefährlichsten Gegner und gehe leicht gereizt

zum Angriff über.

Nach Ankunft der Träger am nächsten Morgen den 19. Dec., nur neun Mann,

konnte ich wenigstens das Nothwendigste, Instrumente, Chronometer

etc. und einen Theil meiner Privatsachen vertheilen, das meiste mußte

zurückbleiben und wurde gelegentlich nach Monaten erst nachgesandt. Es

ist übrigens nichts Seltenes, daß man durch die Verhältnisse gezwungen,

sich mit dem geringsten Gepäck auf lange Zeit behelfen muß, sich also

mit dem Allernothwendigsten zu begnügen hat und noch zufrieden sein

kann, wenn ein Zelt, Bett oder Hängematte zur Verfügung steht, nebst

dem primitivsten Kochgeschirr. Bei der Vertheilung der Lasten weigerten

sich die Träger die sonst übliche Last von sechzig Pfund per Kopf

anzunehmen und mußten alle auf weniger als fünfzig reduzirt werden

weil, wie die Leute wohl nicht mit Unrecht anführten, ein Aufstieg von

nahezu 5000 Fuß, das Tragen schwererer Lasten für alle zu ermüdend

sei; ich sollte es selber auch bald erfahren wie drückend selbst eine

geringe Last, als Gewehr, Patronentaschen etc. auf die Dauer werden

kann, wenn man keuchend die steilen Gebirgsabhänge erklimmen muß.

Der glühenden Sonne ungeachtet, die ihre sengenden Strahlen aus dem

blauen Aether niedersandte, zog ich mit meiner kleinen Kolonne nach

kurzem Abschied, vom Lager seitwärts mich durch die Gebüsche windend,

dem Gebirge zu. Nach zwanzig Minuten vor dem steilansteigenden Abhang

stehend, der als Weg zur Höhe führte, keuchten wir mühselig über

Steingeröll bergan; öfter ließ ich die schweißtriefenden Träger, die

unter ihrer Last und ohne jeglichen Schutz der Sonne ausgesetzt waren

und deshalb nur langsam vorwärts kamen, ausruhen, merkte auch bald wie

äußerst anstrengend solch' ungewohntes Steigen ist und wie leicht unter

der geradezu sengenden Gluth die physische Kraft erlahmt.

Etwa 1500 Fuß über die Ebene hatten wir uns mühsam aufwärts geschleppt,

und im Schatten der Bergwände ruhend, suchte ein Jeder der überkommenen

Ermattung Herr zu werden. Die Luft war hier schon angenehm kühler, auch

die große Schwäche ließ allmählich nach; die Lungen sogen die herrliche

Waldluft in vollen Zügen ein und zu neuer Anstrengung gestärkt, strömte

bald ein wohliges Gefühl erfrischend durch die Adern. --

Hier oben stehend, ließ ich den Blick ringherum in die Weite schweifen,

mag es nun sein, daß ich seit vielen Jahren dergleichen nicht gesehen,

oder war es der eigenthümliche Reiz der Landschaft zu meinen Füßen, der

das Auge wie gebannt darauf niederblicken ließ -- der Anblick war ein

unbeschreiblich großartiger: Fernhin zu den Bergen, welche die Ufer

des Zambesi-Flusses begrenzen, weit hinaus wo das Himmelsgewölbe sich

mit diesen zu vereinen scheint, schaut das Auge durch die klare Luft,

aber näher zu mir, fast greifbar, schlängelt sich das Silberland des

Schireflußes in malerischen Schlangenlinien auf und abwärts, zuletzt

in einen dünnen glänzenden Faden verlaufend. Nahegerückt erscheinen

die Felsenmassen des Schirehochlandes, über welche hinweg der Fluß

sich seinen Weg gebahnt und in stolzen Cascaden über Felsen donnernd

springt und rauscht, bis er in der Tiefe seine Wasser zum ruhigen Laufe

sammelt, auf denen weiter unterhalb, losgetrennte Grasinseln den weiten

Weg zum Ocean antreten; für manchen Segler der Lüfte ein willkommenes

Fahrzeug, das ohne Schwanken sicher von den Fluthen in die Ferne

getragen wird.

Der Sonnenglanz, der auf diesem Bilde strahlende Reflexe wirft,

verschönt es und erhöht den Reiz; in solchem gewaltigen Rahmen gefaßt,

erscheint es als ein Poesiestück der lebenden Natur und wirkt in

diesem durch scharf ausgeprägte Conturen gewaltig, übermächtig. Das

duftige Grün im Flußthale, Busch und Baum zusammengedrängt, lassen

alles von dieser Höhe gesehen, wie einen Garten von endloser Ausdehnung

erscheinen, der in den Vordergrund gerückt zu dem stimmungsvollen Bilde

erst die rechte Staffellage abgiebt und die Schönheit und Großartigkeit

desselben nur vervollständigt. --

Rechts von meinem Standpunkt, das Auge dem Bilde zugekehrt, fallen

die steilen Felsenketten in mannigfacher Formation zum Flusse ab,

so dichtbewaldet von hohen Farrenkräutern, von Gras, Baum und Busch

durchzogen, daß das Auge nirgends die Beschaffenheit des Gesteins

entdecken kann; zur Linken dagegen heben in stolzer Höhe, 5 bis 6000

Fuß und darüber, die Gebirgskegel des Schirehochlandes majestätisch

von den tiefblauen Massen ab, und diese gewaltigen Steinpyramiden

ragen über die weißen Dunstgebilde, welche sich an den Abhängen

wie verhüllende Schleier gesammelt haben, himmelanstrebend empor.

Gespenstigen Schatten gleich fliehen weiße Wolken, bald tief hängend,

bald die höchsten Spitzen verhüllend, vorüber, als scheuche sie die

Lichtfluth, die vom reinen tiefklaren Aether niederströmt vor sich her

und als suchten sie sich vor der zersetzenden Kraft des Sonnenlichtes

irgendwo zu verbergen.

Bis zur höchsten Spitze ist das Gebirge, die Abhänge und Thäler

ausnahmslos mit einer gleichen Art von Bäumen bestanden, untermischt

mit Farren und wenigen anderen Spezien; soviel eine flüchtige

Orientirung ergab, eignen sich die 30 bis 40 Fuß hohen Baumstämme

nur zu Bauholz, indes näher nach Blantyre zu und nachdem ich die

Gebirgspartien durchzogen hatte, wurde ich eines anderen belehrt und

obgleich die gedachte Baumart überall vorherrschend ist, so wird doch

sehr viel Nutzholz aus mächtigen Bäumen gewonnen.

Der beschwerliche Weg, den wir verfolgen mußten, war anfänglich mit

Steingeröll so besät und uneben gemacht, daß, abgesehen von dem an

und für sich gerade nicht angenehmen Bergpfad, daß von Stein zu Stein

springen auf die Dauer höchst beschwerlich wurde. Zwischen Bergkegeln

verlief der Weg zeitweise ebener und gerader, obzwar zur Linken

ein tiefer Abgrund und rechts steile Wände sich befanden, die von

Menschenhand bearbeitet, längs denselben erst einen Pfad geschaffen

hatten. Ein solcher war jedoch durch die Regenmassen, welche von den

Höhen niederrauschten, so zerrissen, daß metertiefe Spalten das feste

Gestein zu Tage treten ließen und besondere Vorsicht war erforderlich,

um ein Abgleiten oder Stürzen zu vermeiden.

Tief auf dem Grunde der steilen Abhänge donnerten, unsichtbar durch

die an den Abhängen üppig wuchernde Vegetation, die Waldbäche und das

Brausen der eingeengten Wassermassen drang deutlich vernehmbar bis

hinauf zur Höhe, wo der Weg spiralförmig längs den gewaltigen Massen

eines Bergkegels hinlief. Hier oben in der vielgestalteten Bergregion,

wo in dem tiefen Humusboden vieltausendfältiges Pflanzenleben feste

Wurzel geschlagen hat, der balsamische Odem aus dem unabsehbaren

Waldrevier wie ein belebendes Elexir die Menschenbrust durchzog, fühlte

man die Beschwerlichkeit eines mühseligen Marsches kaum; die Luft

so klar und rein, schien die Last, welche sie auf die Schultern des

Menschen gelegt, abgewälzt zu sein! so leicht, so frei und frohgestimmt

fühlte man sich versucht, das Echo an diesen Felsenwänden zu wecken,

oder mit dem befiederten Sänger um die Wette in die blauen Lüfte

hineinzujauchzen! --

Mittlerweile gelangten wir auch an den eigentlichen Hauptweg, der auf

Veranlassung der englischen Regierung von dem Ingenieurkapitän Schlüter

durch das Gebirge vom Schirefluß bis Blantyre geschlagen worden war

und nach Möglichkeit immer allmählich ansteigend, zur Höhe führte. Der

beträchtlichen Abkürzung wegen hatten wir den steilen Anstieg gewählt,

den eigentlichen seit allen Zeiten von den Eingebornen begangenen

Fußpfad, der, bedeutend verbessert, in der trockenen Jahreszeit auch

nicht so beschwerlich war wie jetzt, dafür aber die ganze gewaltige

Größe und Schönheit der Gebirgswelt dem beobachtenden Wanderer vor

Augen führte. Der Hauptweg, als eine Fahrstraße gedacht, die unsere

deutsche Expedition eigentlich erst durch die Verwendung unserer

zweirädigen Wagen die Einweihung geben sollte, ist nicht allein mit

unendlichen Mühen unter Benutzung aller Vortheile und technisch genauer

Ausführung hergestellt worden, sondern erfordert zur Instandhaltung

einer beständigen Arbeitskraft und nicht unwesentliche Mittel.

Als die Schatten des Abends schon auf den Thälern und Schluchten

ruhten, den Wald die Dämmerung umfing und nur noch die Kuppeln der

höchsten Bergspitzen im goldenen Abendlicht erglänzten, dehnte sich

abwärts steigend vor uns ein kleiner Thalkessel aus, in dessen Tiefe

einige Grashäuser und Hütten zur willkommenen Ruhe winkten. Es war dies

Thal unser Endziel, das wir zu erreichen gestrebt hatten.

Kühl, fast kalt, wallende Nebel im Thal und auf den Höhen, brach der

nächste Morgen an. Wir stiegen wieder steil bergan und erst als die

Höhe von 4000 Fuß erreicht war, verlief der Weg ebener, wir hatten

zur Linken meistens die hohen steilanstrebenden Berge, zur Rechten

einen sehr langgestreckten Thalkessel, dessen Grund wegen der dichten

Bewaldung an den Abhängen nicht zu erschauen war; aus der Tiefe nur

drang das Geräusch tosender Wildbäche, die durch die Regenmassen

hochgeschwollen, wild brausend in ihr enges Bette vorwärts schossen.

Die Aussicht zu den waldgekrönten Berggipfeln wurde heute durch

tiefhängende Wolkenmassen verhindert, schwarz und regenschwer hingen

diese über uns, als wollten sie sich niedersenken, um alles in Nacht

und Dunst zu hüllen. Kein freundlicher Sonnenstrahl wollte sich zeigen

-- mit all' ihrer Gluth konnte die Sonne nicht die Gebilde zerstreuen

und auf diesen Höhen die Temperatur schnell erwärmen -- bis etwa

um elf Uhr in die drohenden Massen Bewegung kam und mit dem ersten

zuckenden Blitzstrahl, dem laut wiederhallenden Donner, eine Regenfluth

herniederbrauste, daß absolut nichts in der weiten Umgebung dagegen

schützen konnte. Mit Gleichmuth mußte das Unabänderliche ertragen

werden; schließlich aber machte die intensive Kälte der Regentropfen

doch den Körper zittern, sodaß widerwillen die Zähne zusammenklappten,

als schüttelte arger Fieberfrost die Glieder. Unter dichtbelaubten

Bäumen hockten die Leute wohl zusammen und ertrugen stillschweigend,

bebend vor Kälte, das uns zugefallene Loos, als aber die Blitze wie

Feuergarben umher sprühten, die Kälte für mich auch unerträglich wurde,

jagte ich die völlig in Apathie versunkenen Träger auf, und nichts

achtend, nur an Bewegung denkend, liefen wir mehr als wir gingen den

Weg entlang, der an manchen Stellen einem rauschenden Bache glich.

Gerne wäre ich zur Rechten, durch dick und dünn thalwärts abgebogen,

wenn nur die Aussicht vorhanden gewesen wäre, den geringsten Schutz zu

finden, um diesem kaum noch erträglichen Zustand ein Ende zu machen.

Mir war es, als hätte das wildeste Fieber mich gepackt und wolle den

Körper aus allen Fugen rütteln, solche furchtbare Wirkung übten die

kalten Regenschauer auf die höchst empfindliche Haut aus, dazu konnte

ich mir denken, wenn dies nicht bald ein Ende nehme, die Folgen gewiß

nicht ausbleiben würden. Bis zu einer am Wege liegenden Grashütte

mußte geduldig ausgehalten werden -- eine andere Zuflucht wußten meine

Leute nicht -- die endlich nach halbstündigem Laufen auch erreicht

wurde, aber von mehr als vierzig anderen Trägern schon mit Beschlag

belegt worden war, die hier gemächlich an Feuern auf provisorischen

Blechpfannen ihren Mais rösteten.

Platz war unter dem elenden Dache nicht mehr vorhanden, indes dem

weißen Manne und den athemlosen Ankömmlingen machten Alle willig

Raum, sodaß bald, nachdem trockene Kleider ein behaglicheres Gefühl

hervorgerufen, ich mir einen in heißer Asche gerösteten Maiskolben

wohl schmecken ließ, denn meine vom Regen aufgeweichten Biscuits waren

kaum noch zu genießen, wurden aber von den Leuten als ein besonderes

Geschenk unverzüglich verzehrt. Mir war es nichts Neues zwischen

halbwilden Völkerstämmen, an deren Feuern gelagert, selbst mit dem

Einfachsten vorlieb nehmen zu müssen, hatte auch häufig genug die

Gastfreundschaft schwarzer, brauner und gelber Männer in Anspruch

genommen. In diesem Falle lagen die schwarzen nackten Gestalten wie

eine Heerde Schafe auf- und nebeneinander, um nur etwas Schutz zu

finden gegen die Unbill der Witterung. Mancher Europäer würde sich

durch herrisches Auftreten Platz verschafft, in Regen und Kälte die

Kerle hinausgejagt haben und hätte das Lästige der Umgebung von sich

abgewiesen, wer aber die eigene Unbehaglichkeit in solcher Lage auf

das Mitempfinden ebenso fühlender Geschöpfe in Betracht zieht, handelt

nicht so -- man redet sich zu leicht nur empfindliche Nervosität

ein, um solches Handeln vor dem Gewissen zu rechtfertigen, die dann

auch entschuldbar sein soll, im Grunde genommen ist es nur eine

unüberwindliche Abneigung gegen tiefer stehende Wesen, denen doch gewiß

das gleiche Fühlen und Empfinden innewohnt -- menschlich handeln und

denken wird stets auch in unbehaglichster Lage und Stimmung viel edler

sein, als einer gespannten Empfindlichkeit die Zügel schießen zu lassen.

Nach längerer Zeit hörte denn auch der Massenregen auf, und wiewohl

düster und drohend neue Gebilde heraufzogen, einen neuen schweren

Ausbruch verkündend, brach ich doch auf, in der Hoffnung, durch

schnelles Vorwärtseilen einem gleichen Bade zu entgehen; auch war nicht

viel Zeit zu verlieren, wollte ich bei früher Abendstunde noch Blantyre

erreichen. Es währte indes keine halbe Stunde, als sich abermals die

Schleusen des Himmels öffneten und wahre Ströme kalten Wassers auf

uns ausgossen; in wenig Sekunden war der frühere Zustand völligen

Durchnäßtseins wiederhergestellt und die Folge davon, das peinlichste

Kältegefühl.

Am ganzen langen Wege wird der gänzliche Mangel an menschlichen

Wohnstätten, auch nur der provisorischen Grashütten, bei solchen

Wettererscheinungen bitter empfunden, ist man doch deswegen vollständig

der Willkür der Witterung preisgegeben und muß auf den schlüpfrigen

Wegen mit großer Achtsamkeit vorwärts gehen, um nicht hart am Abgrund

abzugleiten, und, wenn auch wegen des dichten Gehölzes keinen tiefen

Fall, so doch Verletzungen schmerzhafter Art sich zufügen kann. Mit

klappernden Zähnen und zitternd schritten wir dennoch rüstig fürbass,

durch ausgedehnte Wasserlachen watend, die weithin eine Senkung des

Weges ausfüllten, grollenden Sinnes gegen das widerwärtige Geschick.

Ich hatte mich schon mehrfach nach einem Dorfe oder Hütten rechts

unten im Thal erkundigt, aber immer das gleiche »+sejni bwana+«

(ich weiß nicht Herr) hören müssen, bis ich schließlich alle Träger

aufkommen ließ und nun von einem der besser orientirt war erfuhr,

daß hier ganz auf der Thalsohle ein kleines Dorf liegen müsse, wo

jedenfalls in einer Hütte Unterkunft zu finden sei.

Ohne Besinnen, nur darauf bedacht mich und die Leute aus diesem

peinvollen Zustand herauszubringen, schlug ich den steilen Felspfad

ein, welchen ich entdeckt und der steil abwärts zur Tiefe führte. War

aber schon der Hauptweg ein rauschender Bach, stürzten auf diesem

die Wassermassen mit solcher Gewalt bergab, daß die Füße auf dem

schlüpfrigen Gestein kaum Halt finden konnten und die Umklammerung der

Baumstämme vor bösen Sturz uns behüten mußten. Langsam und vorsichtig

ging es thalabwärts, bis etwa tausend Fuß tiefer auf ebenerem Terrain,

zwischen dünner gesäten Bäumen, an der gegenüberliegenden Bergwand ein

größeres Dorf zum Vorschein kam.

Entgegen dem Anschein, hatte das langgestreckte Thal eine beträchtliche

Breite und durch fließende Wasser, durch kleine Bäche, nicht achtend

des Gestrüpps und triefenden Grases eilten wir vorwärts und plötzlich

in einer Senkung eine Anzahl Hütten entdeckend, schickte ich einen

Boten schnell voraus, der dem Aeltesten, wenn ein solcher zu finden

sei, um die Ueberlassung einer Hütte angehen sollte, in welcher für

kurze Zeit einem Europäer Unterkunft geboten werden könnte, auch ließ

ich die etwas vertheilten Leute sich erst wieder sammeln. Trotz des

noch immer strömenden Regens hockten doch neugierige Gestalten unter

den überhängenden Dächern der Hütten, oder lugten aus den kaum zwei Fuß

hohen Zugängen hervor, um den neuen Ankömmlingen nachzuschauen, denn

gewiß war es eine seltene Ausnahme, daß der Fuß eines Europäers sich

bis hierher verirrte.

Ich kam gerade noch zurecht mit ansehen zu können, wie die Bewohner

einer Hütte, Mann, Frau und zwei Kinder, ihre ganze Habseligkeiten,

zwei Speere, einen Thontopf, ein Wassergefäß und ein Bündel

Maiskolben aus der mir zugewiesenen Behausung heraustrugen und

nachdem der Eigenthümer in mir unklaren Worten vielleicht noch seine

Bereitwilligkeit ausgedrückt hatte, in eine der nächsten Hütten

vorläufig sich einquartierten.

War die Luft hier im tiefen Thal auch etwas wärmer, so fror ich doch

noch entsetzlich; deswegen suchte ich auch schnell ins Trockene zu

kommen und war bemüht, diesem äußerst nachtheiligen Zustand ein Ende

zu machen. Aber ob ich auch die Augen zukniff, die der beißende Rauch,

im Innern der Hütte angesammelt, thränen machte und mit Gewalt an mich

hielt, keine tiefen Athemzüge zu thun, trieb ein Hustenanfall mich

doch wieder ins Freie und in den Regen hinaus! Unwillkürlich fragte

ich mich, wie können blos Menschen in solcher Athmosphäre athmen und

existieren! Kein Abzug für den Qualm, kein frischer Luftzug mochte

jemals diese rauchgeschwärzte Höhle durchweht haben, bis ich durch

kurzes Nachdenken des Räthsels Lösung fand. Nicht aufrecht stehend,

wie ich es gethan, sondern immer in liegender, höchstens sitzender

Stellung, kauert sich der Bewohner am Feuer nieder und der benöthigte

Sauerstoff, der das Feuer unterhält, giebt auch durch den kleinen

Eingang zuströmend, den menschlichen Lungen die nothwendige Nahrung.

Nothgedrungen that ich dasselbe und nachdem erst die glimmenden

Holzscheite in den Regen geworfen worden waren, war der Aufenthalt

in der Hütte wenigstens einigermaßen erträglich. Solche Hütten sind

meistens kreisförmig gebaut, die Wände bestehen aus eingegrabenen

Pfählen zwischen denen Gras und Rohr geflochten wird, sie werden innen

und außen mit einer Thonschicht belegt, um Wind und Regen am Eindringen

zu hindern; auch fast überall findet man eine Art Thonpflasterung,

mit welcher der Boden um und in der Hütte erhöht ist, zum Zwecke,

daß häufig bei schweren Regenfällen aufgestaute Wasser aufzuhalten.

Das Dach ist mit einem bienenkorbartigen Geflecht zu vergleichen,

auf welchem übereinander gelegte Grasschichten befestigt sind, es

wird auf den Pfählen wie eine ausgeweitete Tüte aufgesetzt und

reicht über die Wände noch weit hinaus. Gleich einer runden Pyramide

geformt, widersteht solches Dach dem stärksten Regen; kann aber der

Wassertropfen auch nicht von außen durchdringen, der Rauch und Qualm

innerhalb muß sich durch das dichte Geflecht doch einen Ausweg suchen,

und geben häufig die feinen Rauchgebilde, die überall durchdringen den

Anschein, als schwele das Gras.

Die deutsche Dampfer-Expedition zum Nyassa-See. · 第 16 / 51 段