Im entwickelten Zustande besteht das Periost dem grössten Theile nach

aus sehr dichtem Bindegewebe mit einer überaus grossen Masse von

elastischen Fasern, innerhalb dessen sich Gefässe ausbreiten, um von da

in die Rinde des Knochens selbst hineinzugehen. Wenn nun das Wachsthum

des Knochens in der Dicke beginnt, so nimmt die innerste, gefässreiche

Schicht des Periostes an Dicke zu und schwillt an; dann sagt man, es sei

ein Exsudat geschehen, indem man als ausgemacht annimmt, dass die

Schwellung ein Exsudat voraussetze, und dass hier das Exsudat zwischen

Periost und Knochen liege. Nimmt man aber die Masse vor und analysirt

sie, so zeigt sie keinerlei Aehnlichkeit mit irgend einer bekannten Art

von einfachem Exsudate; die geschwollene Stelle erscheint vielmehr durch

ihre ganze Dicke von aussen bis nach innen organisirt und zwar am

deutlichsten gerade am Knochen, während man nach aussen gegen die

Periost-Oberfläche hin die Structurverhältnisse weniger leicht entwirren

kann. Diese Verdickungen können unter Umständen sehr bedeutend zunehmen.

Bei einer Periostitis sehen wir ja, dass förmliche Knoten gebildet

werden. Man denke nur an die mehr physiologische Geschichte des Callus

nach Fractur. Nach einem Exsudate sucht man hier vergeblich. Verfolgt

man die verdickten Lagen in der Richtung zu dem noch unverdickten

Perioste hin, so kann man sehr deutlich sehen, was =Duhamel= schon sehr

schön zeigte, was aber immer wieder vergessen wird, dass die

Verdickungsschichten endlich alle in die Schichten des Periostes

continuirlich sich fortsetzen. So wenig als das Periost unorganisirt

ist, so wenig sind die Verdickungsschichten ohne Organisation. Die

mikroskopische Untersuchung zeigt in der Nähe der Knochenoberfläche eine

leicht streifige Grundsubstanz und darin kleine zellige Elemente; je

weiter man sich vom Knochen entfernt, um so mehr finden sich Theilungen

der Elemente und endlich die einfachen, aber sehr kleinen

Bindegewebskörperchen des Periostes. Der Gang der Theilung ist derselbe,

wie am Knorpel, nur dass der Wucherungsact an sehr feinen Elementen

geschieht. Je grösser der Reiz, um so grösser wird auch die Wucherung,

um so stärker die Anschwellung der wachsenden Stelle.

Diese aus der wuchernden Vermehrung der Periostkörperchen

hervorgegangenen Elemente geben die Knochenkörperchen genau in derselben

Weise, wie ich es beim Marke beschrieben habe. In der Nähe der

Knochenoberfläche verdichtet sich die Grundsubstanz und wird fast

knorpelartig, die Elemente wachsen aus, werden sternförmig und endlich

erfolgt die Verkalkung der Grundsubstanz. Ist der Reiz sehr gross,

wachsen die Elemente sehr bedeutend, dann entsteht hier wirklicher

Knorpel; die Elemente vergrössern sich so, dass sie bis zu grossen,

ovalen oder runden Zellen anwachsen und die einzelnen Zellen um sich

herum eine kapsuläre Abscheidung bilden. Auf diese Weise kann auch im

Periost durch eine directe Umbildung des wuchernden Periostes Knorpel

entstehen, aber es ist keinesweges nothwendig, dass wirklicher,

eigentlicher Knorpel entsteht; in der Regel erfolgt nur die osteoide

Umbildung, wobei die Grundsubstanz sklerotisch wird und sofort verkalkt.

[Illustration: =Fig=. 139. Verticaldurchschnitt durch die Periostfläche

eines Os parietale vom Kinde. _A_ Die Wucherungsschicht des Periostes

mit anastomosirenden Zellennetzen und Kerntheilung. _B_ Bildung der

osteoiden Schicht durch Sklerose der Intercellularsubstanz. Vergr. 300.]

So geschieht es, dass an der Oberfläche jedes wachsenden Knochens, wie

insbesondere =Flourens= nachgewiesen hat, der neue Knochen sich immer

Schicht auf Schicht ansetzt, und dass die neuen Schichten den alten

Knochen so umwachsen, dass ein Ring, den man um den Knochen legt, nach

einiger Zeit innerhalb desselben liegt, umschlossen von jungen

Schichten, welche sich aussen herum gebildet haben. Letztere stehen mit

dem alten Knochen durch kleine Säulchen in Verbindung, welche dem Ganzen

ein bimsteinartiges Aussehen geben, und auch hier erfolgt die spätere

Verdichtung zu Rindensubstanz dadurch, dass sich in den einzelnen, durch

die Säulchen umgrenzten Räumen concentrische Lamellen von

Knochensubstanz aus dem periostealen Marke bilden[278].

[278] Archiv V. 444.

Nirgends jedoch sieht man die Uebergänge des periostealen Bindegewebes

in die eigentlich osteoide Substanz mit einer so überzeugenden

Deutlichkeit, als an manchen Knochengeschwülsten, namentlich den

=Osteoidchondromen=. Solche finden sich besonders an den Kiefern von

Ziegen[279], und da auch hier die Verkalkung der schon Knochenstructur

besitzenden Theile in grossen Abschnitten nicht erfolgt, so leisten sie

für die Darstellung der Uebergänge des Bindegewebes in osteoide Substanz

etwa dasselbe, was uns für die Umbildung der Knorpel die Geschichte der

Rachitis gelehrt hat. Wobei ich übrigens bemerke, dass die Thierärzte,

ich weiss nicht mit wie viel Recht, solche Zustände auch als Rachitis

bezeichnen. Die Geschwulst, welche oft Ober- und Unterkiefer, aber jeden

für sich befällt, ist so wenig dicht, dass man sie ganz bequem schneiden

kann; nur an einzelnen Stellen findet das Messer einen stärkeren

Widerstand. Macht man feinere Durchschnitte, so sieht man schon vom

blossen Auge, dass dichtere und weniger dichte Stellen mit einander

abwechseln, dass das Ganze ein maschiges Aussehen hat. Bringt man es bei

schwacher Vergrößerung unter das Mikroskop, so bemerkt man sofort, dass

die ganze Anlage vollkommen die eines neugebildeten Knochens ist; eine

Art von Markhöhlen und ein Balkennetz wechseln mit einander ab, genau

so, wie wenn man die Markhöhlen und Balken eines spongiösen Knochens vor

sich hätte. Die Substanz, welche das Balkennetz bildet, ist im Ganzen

dicht und erscheint dadurch schon bei schwacher Vergrösserung leicht von

der zarteren Substanz, welche dazwischen liegt und die Maschenräume

füllt, verschieden. Letztere bietet, wenn man sie stärker vergrössert,

ein fein streifiges, faseriges Aussehen dar. Die Faserzüge laufen zum

Theil parallel den Rändern der Balken. Innerhalb der letzteren sieht

man bei starker Vergrösserung ähnliche Gebilde, wie sie das

Knochengewebe darbietet, zackige Körperchen, ganz regelmässig

verbreitet.

[279] Geschwülste I. 532.

[Illustration: =Fig=. 140. Schnitt aus einem Osteoidchondrom vom Kiefer

einer Ziege: Habitus der Periost-Ossification. Osteoide Balkennetze mit

zackigen Zellen umschliessen primäre Markräume, mit faserigem

Bindegewebe gefüllt. Die dunkeln Stellen verkalkt und fertiges

Knochengewebe darstellend. Vergr. 150.]

Dieser Habitus entspricht vollständig dem, was bei der Entwickelung des

Knochens vom Periost aus geschieht[280]; es ist, kurz gesagt, das Schema

des Dickenwachsthums des Knochens. Ueberall, wo man junge

Periost-Auflagerungen untersucht, findet man innerhalb des maschigen

Netzes, welches die osteoide Substanz bildet, faseriges Mark, nicht

zelliges, wie in der späteren Zeit. Es sind die Reste des gewucherten

Periostes selbst, welche noch nicht einer weiteren Metaplasie unterlegen

haben. Die osteoide Umbildung erfolgt in die Periostwucherung hinein

ursprünglich immer in der Weise, dass sich von der Knochenoberfläche aus

das Fasergewebe in gewissen Richtungen verdichtet; dadurch entstehen

härtere, zuerst senkrecht und säulenartig auf dem Knochen aufsitzende

Zapfen, welche sich durch quere, der Knochenoberfläche parallele Züge

oder Bogen verbinden und so jenes Maschenwerk herstellen. Lässt man

Essigsäure auf diese Theile einwirken, so sieht man alsbald, dass die

ganze fibröse Masse, welche die Alveolen erfüllt, die wundervollsten

Bindegewebs-Elemente enthält, und zwar in der Anordnung, dass dieselben

am Umfange der Balken mehr spindel- oder linsenförmig sind und in

concentrischen Streifen liegen, während sie in der Mitte der

Maschenräume sternförmig sind und unter einander anastomosiren. Dass um

die Alveolen herum aber wirklich schon Knochenbalken vorhanden sind,

davon kann man sich an den Stellen sehr schön überzeugen, wo Kalksalze

darin abgelagert sind. Während die Peripherie solcher verkalkten Balken

(Fig. 140) ein glänzendes, fast knorpelartiges Aussehen hat, tritt mehr

nach innen in denselben schon eine trübe, feinkörnige, in Säuren

lösliche Masse auf, welche die Intercellularsubstanz durchsetzt und

gegen die Mitte der Balken hin in eine fast gleichmässige, kalkige

Schicht übergeht, in der von Strecke zu Strecke die Knochenkörperchen

hervortreten. Hier haben wir also schon ein vollständiges Knochennetz,

zugleich das regelrechte Bild für das Dickenwachsthum des Knochens.

[280] Archiv V. 454.

[Illustration: =Fig=. 141. Ein Stück aus Fig. 140, stärker vergrössert,

nach Einwirkung von Essigsäure. _o_, _o_ die osteoiden Balken; _m_, _m_,

_m_ die primären Markräume mit Spindel- und Netzzellen. Vergröss. 300.]

Betrachtet man aber recht sorgfältig die Stellen, wo der Rand dieser

Balken und Knochenzüge mit der fibrösen Substanz der Maschenräume

zusammenstösst, so sieht man hier keine vollkommen scharfe Grenze; im

Gegentheil, die osteoide Substanz verstreicht nach und nach in das

fibröse Gewebe, so dass hier und da einzelne der Bindegewebselemente des

fibrösen Gewebes schon in die sklerotische Substanz der Balken

miteingeschlossen werden. Daraus kann man abnehmen, dass die Bildung der

eigentlichen Knochensubstanz wesentlich erfolgt durch die allmähliche

Veränderung von Intercellularsubstanz, und zwar so, dass diese aus ihrem

ursprünglich faserigen Bindegewebs-Zustande in eine dichte, glänzende,

sklerotische, knorpelartige Masse übergeht, welche sich jedoch sowohl

durch Structur, als durch Mischung von Knorpel unterscheidet. Hier ist

nie ein Stadium, welches den bekannten Formen des gewöhnlichen Knorpels

entspräche, sondern es geht direkt aus Bindegewebe die osteoide Form

hervor, dieselbe Form, welche auch im Knorpel und Mark erst entsteht,

wenn aus ihnen Knochen wird. Es ist diese Erfahrung insofern sehr

wesentlich, als man durch sie die Ueberzeugung gewinnt, dass es falsch

ist, von Knochenknorpel in dem Sinne zu sprechen, als ob gewöhnlicher

Knorpel die organische Grundlage des Knochengewebes bilde. Der Knorpel

als solcher kann nur verkalken; wenn er Knochen werden soll, so muss

eine Umsetzung seines Gewebes stattfinden: es muss sich die

chondrinhaltige Grundsubstanz verdichten und, wenigstens zum grössten

Theile, in eine leimgebende Intercellular-Masse umwandeln (S. 453).

Die Ossification aus Bindegewebe ist die Regel für die =pathologische

Neubildung von Knochen=, insbesondere für die =Callusbildung= nach

Fractur, über welche ich noch ein Paar Worte hinzufügen will, da es ein

viel discutirter und chirurgisch sehr wichtiger Prozess ist.

Schon aus meiner bisherigen Darstellung ist leicht ersichtlich, dass der

Wege der Neubildung von Knochengewebe mehrere sind, und dass die alte

Voraussetzung, als müsse ein Modus als der allein gültige betrachtet

werden, nicht richtig ist. Eine Präexistenz von eigentlichem Knorpel vor

der Knochenbildung ist durchaus nicht nothwendig, vielmehr bildet sich

viel häufiger durch eine direkte Sklerose der Intercellularsubstanz aus

Bindegewebe osteoides Gewebe und aus diesem Knochengewebe; ja die

Ossification kommt so eigentlich leichter und einfacher zu Stande, als

aus gewöhnlichem Knorpel. Gerade in der Geschichte der Callustheorien

hat es sich auf das Deutlichste gezeigt, dass das Bestreben, eine

einfache Formel aufzufinden, das grösste Hinderniss für die Erkenntniss

der Callusbildung gewesen ist, und dass, trotz der grossen

Verschiedenheit der Meinungen, eigentlich Alle Recht gehabt haben, indem

in der That der neue Knochen sich aus dem verschiedensten Material

aufbaut.

Unzweifelhaft werden, wenn der Fall günstig ist, die bequemsten Wege für

die Neubildung betreten, und der allerbequemste Weg ist der, dass das

Periost den übergrossen Theil des Callus hervorbringt. Es geschieht dies

in der Weise, dass das Periost gegen den Rand des Bruches hin sich

verdickt und hier unter fortschreitender Proliferation nach und nach

anschwillt, so zwar, dass man nachher ziemlich deutlich einzelne sich

übereinander schiebende Lagen oder Schichten (Lamellen) daran

unterscheiden kann. Diese werden immer dicker und zahlreicher, indem

fortwährend die innersten Theile des Periostes wuchern und durch

Vermehrung ihrer Elemente neue Lagen bilden, welche sich zwischen dem

Knochen und den noch relativ normalen äusseren Theilen des Periostes

aufhäufen. Diese Lagen können zu wirklichem Knorpel werden, aber es ist

dies nicht nothwendig und nicht die Regel. Ja es findet sich sogar, dass

bei den meisten Fracturen, wo Knorpel entsteht, nicht die ganze Masse

des Periostcallus aus Knorpel hervorgeht, sondern ein mehr oder weniger

grosser Theil sich immer aus Bindegewebe bildet. Die Knorpelschichten

liegen gewöhnlich dem Knochen zunächst; je weiter man nach aussen kommt,

um so mehr herrscht die direkte Umbildung des Bindegewebes vor.

Die Neubildung von Knochengewebe beschränkt sich aber bei Fracturen

keineswegs auf das Periost; sehr häufig geht sie nach aussen über

dasselbe hinaus, und nicht selten reicht sie in Form von Stacheln,

Knoten und Höckern sehr weit in die benachbarten Weichtheile hinein. Es

versteht sich von selbst, dass hier keinesweges eine nach aussen gehende

Wucherung des Periostes stattfindet, sondern dass aus dem Bindegewebe

der benachbarten Theile ossificationsfähiges Gewebe hervorgeht. Man kann

sich davon leicht überzeugen, da man in solche Massen die Ansätze von

Muskeln verfolgen kann. Ja, nicht selten findet man an den äusseren

Theilen Stellen, wo subcutanes Fettgewebe mit in die Ossification

eingeschlossen worden ist. Man kann also nicht sagen, dass die

Callusbildung im Umfange der Fracturstücke nur eine periosteale Bildung

sei; jedesmal, wenn sie eine gewisse Reichlichkeit gewinnt,

überschreitet sie die Grenzen des Periostes und geht in das Bindegewebe

der umliegenden Weichtheile hinein. Diesen Theil des äusseren Callus

nenne ich =parosteal=.

Vollständig verschieden von dieser äusseren Callusbildung ist diejenige,

welche mitten im Knochen aus dem Mark erfolgt: die =medulläre= oder

besser =myelogene=.

[Illustration: =Fig=. 142. Querbruch des Humerus mit Callusbildung, etwa

14 Tage alt. Man sieht aussen die poröse Kapsel des aus Periost und

Weichtheilen hervorgegangenen Callus, dessen innerste Lage rechts noch

knorpelig ist. Links liegt frei ein abgesplittertes Stück der

Knochenrinde. Die beiden Bruchenden sind durch eine (dunkelrothe)

hämorrhagisch-fibröse Schicht verbunden, das Mark beiderseits (durch

Hyperämie und Extravasat) sehr dunkel, im unteren Bruchstücke mehrere

poröse Callusinseln, aus der Ossification des Markes hervorgegangen.]

In dem Augenblicke, wo der Knochen bei dem Bruche zertrümmert wird,

werden natürlich viele kleine Markräume oder gar die grosse centrale

Markhöhle eröffnet. In der Nähe der Bruchstelle füllen sich nun fast

constant bei regelmässigem Verlaufe die noch unversehrten Markräume mit

Callus, indem sich an die innere Fläche der sie umgrenzenden

Knochenbalken neue Knochenlamellen aus dem Marke ansetzen, wie bei dem

gewöhnlichen Dickenwachsthum des Knochens die ursprünglich

bimsteinartigen äusseren Lagen durch die Einlagerung concentrischer

Lamellen compact werden. Auf diese Weise geschieht es, dass nach einiger

Zeit eine mehr oder weniger grosse neue Knochen-Schichte sich findet,

welche continuirlich durch die Markhöhle hindurchzieht und eine

Abschliessung derselben zu Stande bringt. Diese innere Callusbildung hat

mit der äusseren in Beziehung auf die Ausgangspunkte gar nichts

gemeinschaftlich; sie geht von einem ganz anderen Gewebe aus und liefert

auch im Groben ein anderes Resultat, insofern sie innerhalb der Grenzen

des alten Knochens eine Verdichtung desselben an der Bruchstelle

hervorbringt. Selbst in dem Falle, dass die Knochenenden vollständig

aufeinander passen, gestaltet sich in beiden Markhöhlen eine solche

innere Knochenbildung, welche für eine gewisse Zeit eine Unterbrechung

der Markhöhle erzeugt.

Diese beiden Arten der Callusbildung sind die gewöhnlichen und normalen.

Im Umfange der beiden Bruchenden geschieht die Anschwellung, im Innern

die Verdichtung. Allmählich treten die neugebildeten Massen sich näher,

ringsherum bildet sich aus der Ossification der Weichtheile eine

brücken- oder capselartige Verbindung. Die übrige Vereinigung der

getrennten Knochentheile geschieht endlich aus dem alten Knochengewebe

selbst, welches an gewissen Theilen in weiches Gewebe übergeht,

proliferirt, verschmilzt und von Neuem ossificirt. Es ist also wenig

Grund zu fragen, ob der Callus aus einer freien Exsudat- oder

Extravasatmasse hervorgehe. Allerdings erfolgt anfänglich eine

Extravasation in den Raum zwischen die Bruchenden, allein das

ausgetretene Blut wird in der Regel ziemlich vollständig absorbirt, und

es trägt für die Constituirung der Verbindungsmassen verhältnissmässig

sehr wenig bei. Ist viel Blut zwischen den Bruchenden, so bildet es eher

ein Hinderniss, als eine Begünstigung für die Consolidation. --

Ergibt sich demnach die Ossification aus Knorpel als ein

verhältnissmässig seltener Fall, so bleibt doch die Erfahrung von der

Umwandlung einzelner Knorpelkörperchen in Knochenkörperchen überaus

lehrreich. Denn das Knorpelkörperchen steht dem Bindegewebskörperchen

parallel und seine Kapsel repräsentirt die zuletzt von ihm

hervorgebrachte Intercellularsubstanz, deren Grenze sich in dem

Bindegewebe sofort verwischt. Aber sicherlich ist sie vorhanden und für

die Ernährungsverhältnisse von bestimmender Wichtigkeit. Ja wir müssen

sagen, dass die alte Grenze immerfort den Bezirk bezeichnet, welcher von

dem Knochenkörperchen beherrscht wird, und, wie ich das schon am

Eingange (S. 18) gerade für diesen Punkt hervorgehoben habe, unter

pathologischen Verhältnissen tritt dieser Bezirk (Territorium) nicht nur

wieder in Kraft, sondern auch in's Gesicht. In diesem Kreise macht das

Knochenkörperchen seine besonderen Schicksale durch. Wird ein Knochen

auf irgend eine Weise zu neuen Transformationen oder Productionen

bestimmt, so geht ein Knochenkörperchen nach dem anderen innerhalb

seiner Gebietsgrenzen in die Veränderung ein. Bildet sich im Umfange

nekrotischer Stücke eine Demarcationslinie (reactive Entzündung), so

bekommt die Oberfläche des Knochens, vom Rande her gesehen,

Ausbuchtungen, deren Umfang den alten Zellterritorien entspricht[281].

Auf der Fläche bemerkt man Lücken, welche hier und da zusammenfliessen

und Gruben darstellen. Das Knochenkörperchen, welches früher an der

Stelle der Grube lag, hat in dem Maasse, als es sich selbst veränderte,

auch die umgebende Intercellularsubstanz bestimmt, in die Veränderung

einzugehen.

[281] Archiv IV. 301. XIV. 33.

[Illustration: =Fig=. 143. Demarkationsrand eines nekrotischen

Knochenstückes bei Paedarthrocace. _a_, _a_, _a_ der nekrotische Knochen

mit sehr vergrösserten Knochenkörperchen und Knochenkanälchen; hier und

da Andeutungen von Gruben auf der Fläche. _b_, _b_ die Lacunen, welche

an die Stelle der Zellenterritorien des Knochens (vgl. Fig. 138)

getreten sind, im seitlichen Abfalle des etwas dicken Präparates

gesehen; hier und da noch vergrößerte Knochenkörperchen durchscheinend.

_c_, _c_ die vollständig leeren Lücken. Vergr. 300.]

Von dieser, den lebenden Knochen treffenden Veränderung ist eine andere,

der äusseren Erscheinung nach oft sehr ähnliche wohl zu unterscheiden,

welche auch an todten (nekrotischen) Knochen vorkommt. Viele Jahre

hindurch ist es streitig gewesen, ob todte Knochen durch den Eiter

angegriffen werden. Zahlreiche Versuche mit fast regelmässig negativem

Ergebniss hatten zuletzt die Ueberzeugung allgemein gemacht, dass der

todte Knochen inmitten des Eiters unverändert bleibe. Erst Erfahrungen,

welche Herr =von Langenbeck= an Elfenbeinstücken machte, die in lebende

menschliche Knochen eingesenkt wurden, haben dargethan, dass, wenn auch

nicht der Eiter als solcher, so doch die Granulationen das todte Gewebe

»anfressen«. Ich habe mich durch eigene Untersuchung an solchen Stiften

überzeugt, dass sowohl kleine, als ganz grosse Gruben an der Oberfläche

früher ganz glatter Stifte entstehen, und es kann hier um so weniger

zweifelhaft sein, dass diese Gruben mit Zellenterritorien nichts zu thun

haben, als das Elfenbein solche Territorien gar nicht besitzt. Nicht

alle Gruben und Löcher am Knochen sind also durch Einschmelzung von

Zellenterritorien entstanden; das Gesagte gilt nur von solchen Gruben,

welche wirklich der Form und Grösse nach den Zellenterritorien

entsprechen. Solche kann man sowohl an der compacten Knochenrinde, als

auch an den Bälkchen des Markes wahrnehmen.

Das sind Vorgänge, ohne deren Verständniss man die Geschichte der Caries

gar nicht begreifen kann. Die Caries beruht eben darin, dass der Knochen

sich in seine Territorien auflöst, dass die einzelnen Elemente, und zwar

sowohl die des Knochengewebes, als auch die des Markes, in neue

Entwickelung gerathen, und dass die Reste von alter Grundsubstanz als

kleine, dünne Scherben in der weichen Substanz liegen bleiben. Ich habe

dies wiederholt an Amputationsstümpfen verfolgt, an denen sich bald nach

der Operation eine Periostitis mit leichter Eiterung, der Anfang von

Caries peripherica, fand. Wenn man in einem solchen Falle das verdickte

Periost abzieht, so sieht man in dem Moment, wo das Periost sich von der

Oberfläche entfernt und die Gefässe sich aus der Knochenrinde

hervorziehen, nicht, wie bei einem normalen Knochen, einfache Fäden,

sondern einen kleinen Zapfen, eine dickere Masse; hat man sie ganz

herausgezogen, so bleibt ein unverhältnissmässig grosses Loch zurück,

viel umfangreicher, als unter normalen Verhältnissen. Untersucht man den

Zapfen, so findet man, dass um das Gefäss herum eine gewisse Quantität

von weichem Gewebe liegt, dessen zellige Elemente sich in fettiger

Degeneration oder in zelliger Wucherung befinden. An den Stellen, wo das

Gefäss herausgezogen ist, erscheint die Oberfläche nicht eben, wie beim

normalen Knochen, sondern rauh und porös, und wenn man dieselben unter

das Mikroskop bringt, so bemerkt man jene Ausbuchtungen, jene

eigenthümlichen Löcher, welche den einschmelzenden Zellenterritorien

zugehören. Fragt man also, auf welche Weise der Knochen im Anfange der

Caries porös wird, so kann man sagen, dass es sicherlich nicht so

geschieht, dass sich Exsudate bilden, denn dazu ist kein Raum

vorhanden, da die Gefässe innerhalb der Markkanäle (Fig. 38, 39, 41)

unmittelbar die Tela ossea berühren. Vielmehr bilden sich Lücken, welche

sofort gefüllt sind mit einer weichen Substanz, die ein leicht

streifiges Bindegewebe mit fettig degenerirten oder gewucherten Zellen

darstellt. Schmilzt im Umfange eines Markkanals ein Knochenkörperchen

nach dem anderen ein, so wird man nach einiger Zeit den Markkanal von

einer lacunären Bildung umgrenzt finden. Mitten darin steckt immer noch

das Gefäss, welches das Blut führt, aber die Substanz herum ist nicht

Knochen oder Exsudat, sondern degenerirtes Gewebe, in welches

möglicherweise aus den Gefässen ausgewanderte farblose Blutkörperchen

eindringen. Der ganze Vorgang ist eine =degenerative Ostitis=, wobei die

Tela ossea ihre chemische und morphologische Haltung einbüsst, und an

ihre Stelle ein weiches, nicht mehr kalkführendes Gewebe tritt. Dieses

kann je nach Umständen sehr verschieden sein, einmal eine fettig

degenerirende, zerfallende Masse, in einem anderen Falle ein

zellenreiches Gewebe mit zahlreichen jungen Elementen. Die neu

entstehende Substanz verhält sich wieder, wie Mark. Unter Umständen kann

sie so wachsen, dass, wenn wir das Beispiel wiederum von der Oberfläche

des Knochens nehmen, wo sich ein Gefäss hineinsenkt, die junge Markmasse

neben dem Gefässe herauswuchert und als ein Knöpfchen erscheint, welches

eine Grube der Oberfläche erfüllt und unter Umständen sogar über sie

hervorragt. Das nennen wir eine =Granulation=.

Untersucht man Granulationen im Vergleiche mit rothem Mark, so ergibt

sich, dass keine zwei Arten von Gewebe mehr mit einander übereinstimmen.

Das Knochenmark eines Neugebornen könnte man jeden Augenblick chemisch

und mikroskopisch für eine Granulation ausgeben. Die Granulation ist

nichts weiter, als junges, weiches, schleimhaltiges Gewebe, analog dem

Mark. Es gibt eine entzündliche Osteoporose, welche nur darin beruht,

dass eine vermehrte Markraumbildung eintritt und der Prozess, welcher an

der Markhöhle ganz normal ist, sich auch aussen in der compacten Rinde

findet. Diese Osteoporose (Osteomalacie) unterscheidet sich von der

granulirenden Caries peripherica nur durch ihren Sitz. Geht man einen

Schritt weiter und lässt man die Zellen, welche bei der Osteoporose in

mässiger Menge vorhanden sind, reichlicher und reichlicher werden,

während die Grundsubstanz dazwischen immer weicher und spärlicher wird,

so haben wir =Eiter=. Dieser entsteht nicht aus einem Blastem durch

einen besonderen Act, nicht durch eine Schöpfung de novo, sondern er

entwickelt sich regelrecht von Generation zu Generation nach vollkommen

legitimer Art, gleichviel, ob seine Elemente aus den Elementen des

früheren Gewebes hervorgehen[282], oder ob sie direkt aus dem Blute in

das Gewebe einwandern.

[282] Archiv XIV. 60.

Die Cellularpathologie in ihrer Begründung auf physiologische und pathologische Gewebelehre · 第 48 / 54 段