Es versteht sich von selbst, dass, je mehr Zellen diese Umwandelung

durchmachen, um so mehr der Knorpel sich vergrössern wird, und dass das

Maass von Längenwachsthum, welches das einzelne Individuum erreicht,

abgesehen von dem schon erwähnten interstitiellen Wachsthume, wesentlich

von der Massenzunahme abhängt, welche in den einzelnen Knorpelgruppen

stattfindet. Ob wir gross oder klein bleiben, ist so zu sagen in die

Willkür dieser Elemente gestellt. -- Hat die Knorpelwucherung dieses

Stadium erreicht, so stehen die zelligen Theile ganz dicht zusammen;

zwischen ihnen liegt nur eine verhältnissmässig geringe Quantität von

Zwischensubstanz (Fig. 113, I.). Je weiter die Entwickelung

fortschreitet, um so mehr ändert sich der Habitus des Knorpels: er sieht

fast aus, wie dichtzelliges Pflanzengewebe. Die Zellen selbst sind aber

äusserst empfindlich, sie schrumpfen unter der Einwirkung der mildesten

Flüssigkeiten leicht zusammen und erscheinen dann wie eckige und zackige

Körperchen, fast den Knochenkörperchen analog, mit denen sie jedoch

zunächst nichts zu schaffen haben.

[Illustration: =Fig=. 134. Verticaldurchschnitt durch den

Ossificationsrand eines wachsenden Astragalus. _c_ Der Knorpel mit

kleineren Zellengruppen, _p_ die Schicht der stärksten Wucherung und

Vergrößerung an der Verkalkungslinie. In den Knorpelhöhlen sieht man

theils vollständige Kernzellen, theils geschrumpfte, eckige und körnig

erscheinende Körper (künstlich veränderte Zellen). Die dunkle, in die

Zwischensubstanz vorrückende Masse stellt die Kalkablagerung dar, hinter

welcher hier ungewöhnlich schnell die Bildung von Markräumen (_m_, _m_,

_m_) und Knochenbalken beginnt. Das Mark ist entfernt; an den am meisten

zurückliegenden Räumen sind die Balken von einem helleren Saume jungen

Knochengewebes (aus Mark entstanden) umgeben. Vergr. 300.]

Die Zellen, welche aus diesen Wucherungen der ursprünglich einfachen

Knorpelzellen hervorgegangen sind, bilden die Muttergebilde für Alles,

was nachher in der Längsaxe des Knochens entsteht, insbesondere für

Knochen- und Markgewebe. Es kann sein, dass durch eine unmittelbare

Umwandelung Knorpelzellen in Markzellen übergehen und als solche

fortbestehen; es kann sein, dass sie zunächst in Knochenkörperchen und

dann in Markzellen übergehen, und es kann sein, dass sie zuerst in Mark-

und dann in Knochenkörperchen übergehen. So wechselvoll sind die

Permutationen dieser an sich so verwandten und doch ihrer äusseren

Erscheinung nach so vollständig aus einander gehenden Gewebe. Geschieht

eine directe Umänderung des Knorpels in Mark[270], so fängt zunächst die

alte Zwischensubstanz des Knorpels an der Grenze gegen den Knochen an,

weich zu werden; gewöhnlich geht dann auch sehr bald ein Theil der

anstossenden Kapseln dieselbe Veränderung ein, so dass die zelligen

Elemente mehr oder weniger frei in eine weichere Grundsubstanz zu liegen

kommen. Mit dem Eintritte einer solchen Erweichung ist auch schon die

chemische Reaction des Gewebes verändert: es zeigt immer deutliche

Mucinreaction. Zugleich beginnen die zelligen Elemente sich zu theilen,

und zwar nicht, wie sie das bisher gethan hatten, indem sie sich gleich

in zwei analoge Zellen zerlegen (Hyperplasie), sondern vielmehr so, dass

in ihnen eine Reihe von kleinen Kernen entsteht (physiologische

Heteroplasie, Granulation). Weiterhin, in dem Maasse als dieser

Umbildungsprozess immer höher und höher in den Knorpel hinein

fortschreitet, als immer neue Theile der Intercellularsubstanz in weiche

schleimige Masse verwandelt werden, theilen sich in der Regel die

Zellen, und es entsteht eine Reihe von kleineren Elementen, die, im

Verhältnisse zu den grossen Knorpelzellen, aus denen sie hervorgegangen

sind, sehr geringfügige Bildungen darstellen. Sie besitzen entweder

einen einzigen Kern mit Kernkörperchen oder auch wohl, wie

Eiterkörperchen, mehrere Kerne[271]. So entsteht nach und nach ein

äusserst zellenreiches Schleimgewebe, =das junge, rothe Mark=, wie wir

es in der Regel in den Knochen der Neugebornen finden. Steht der Prozess

hier still, so bezeichnet die Grösse der transformirten Stelle zugleich

die Stelle des späteren Markraumes. Später können diese kleinen Zellen

Fett in sich aufnehmen, anfangs in feinen Körnern, allmählich in grossen

Tropfen, endlich so, dass sie ganz und gar davon erfüllt werden. Dadurch

verwandelt sich das ursprüngliche Schleimgewebe in Fettgewebe[272]; das

Fett ist aber immer im Inneren der Zellen enthalten, wie in den Zellen

des Panniculus. Allein dies =gelbe, fetthaltige Mark= kommt nicht in

allen Knochen vor. In den Wirbelkörpern finden wir fast immer die

kleinen Elemente. In den Röhrenknochen des Erwachsenen dagegen kommt

normal immer fetthaltiges Mark vor. Allein dies kann unter

pathologischen Verhältnissen sehr schnell sein Fett abgeben, die

Elemente können sich theilen, und dann bekommen wir wieder =rothes, aber

entzündliches Mark=. Bei allgemeiner Atrophie und Osteomalacie wird das

Fett resorbirt und das gesammte Mark geht in =gallertartiges

Schleimgewebe= über, welches die grösste Aehnlichkeit, auch in der

Consistenz, mit dem Glaskörper besitzt, aber sich von ihm dadurch

unterscheidet, dass es stets Gefässe enthält.

[270] Archiv V. 424, 427.

[271] Archiv I. 122. XIV. 60.

[272] Entwickelung des Schädelgrundes 49.

In dieser ganzen Reihe von der ersten Entwickelung des Markes aus

Knorpel bis zu der entzündlichen Störung, wie wir sie bei einer

Amputation entstehen sehen (Osteomyelitis), und bis zu dem

Gallertzustande bei Osteomalacie existirt zu keiner Zeit eine amorphe

Substanz, ein Blastem oder Exsudat; immer können wir eine Zelle von der

anderen ableiten: jede hat eine unmittelbare Entwickelung aus einer

früheren und, so lange der Wucherungsgang fortschreitet, eine

unmittelbare Nachkommenschaft von Zellen. Dabei kann gleichzeitig die

Intercellularsubstanz bald reichlich, bald spärlich, bald fester, bald

weicher sein, und auch darnach ist die äussere Beschaffenheit des

Gewebes sehr veränderlich. --

Die zweite Reihe von Umbildungen in der Längsaxe des Röhrenknochens

betrifft das eigentliche Knochengewebe, die Tela ossea, welche hier

hervorgehen kann aus Mark oder aus Knorpel. In dem einen Falle werden

die Mark-, in dem anderen die Knorpelzellen zu Knochenzellen

(Knochenkörperchen). Dieser Act der eigentlichen Ossification, die

Entstehung der Tela ossea ist überaus schwierig zu beobachten,

hauptsächlich aus dem Grunde, weil das Erste, was bei diesen Vorgängen

erfolgt, nicht die Erzeugung von wirklicher Tela ossea ist, sondern nur

die Ablagerung von Kalksalzen. In der Regel nehmlich geschieht zuerst in

der nächsten Nähe des Knochenrandes eine Verkalkung des Knorpels[273],

welche allmählich höher hinauf schreitet, zuerst an den Rändern der

grösseren Zellengruppen, sodann um die einzelnen Zellen, immer der

Substanz der Kapseln folgend so dass jede einzelne Knorpelzelle von

einem Ringe von Kalksubstanz umgeben wird. Aber das ist noch kein

Knochen, sondern nichts weiter als verkalkter Knorpel, denn wenn wir die

Kalksalze auflösen, so ist wieder der alte Knorpel da, der in keiner

anderen Beziehung eine Analogie mit dem Knochen darbietet, als durch die

Anwesenheit der Kalksalze (S. 454).

[273] Archiv V. 421.

[Illustration: =Fig=. 135. Horizontalschnitt durch den wachsenden

Diaphysenknorpel der Tibia von einem 7monatlichen Fötus. _C c_ der

Knorpel mit den Gruppen der gewucherten und vergrösserten Zellen, _p p_

Perichondrium. _k_ Der verkalkte Knorpel, wo die einzelnen Zellgruppen

und Zellen in Kalkringe eingeschlossen sind; bei _k_' grössere Ringe,

bei _k_'' Fortschreiten der Verkalkung am Perichondrium. Vergr. 150.]

[Illustration: =Fig=. 136. Stärkere Vergrößerung der rechten Ecke von

Fig. 135. _co_ verkalkter Knorpel, _co_' Beginn der Verkalkung, _p_

Perichondrium. Vergr. 350.]

Damit nun aus diesem verkalkten Knorpel wirklicher Knochen werde, ist es

nöthig, dass die Höhle, in welcher je eine Knorpelzelle lag, sich in die

bekannte strahlige, zackige Höhle des Knochenkörperchens verwandele.

Dieser Vorgang ist deshalb so überaus schwierig zu beobachten, weil beim

Schneiden die Kalkmassen allerlei kleine Einbrüche bekommen und Trümmer

liefern, innerhalb deren man nicht mehr ersehen kann, was eigentlich

vorhanden war. Aus diesem Umstände ist es zu erklären, dass bis jetzt

immer noch über die Entstehung der Knochenkörper gestritten ist und

wahrscheinlich auch noch ferner gestritten werden wird. Ich halte die

Ansicht für richtig, dass Knochenkörperchen an gewissen Stellen direct

aus den Knorpelkörperchen entstehen[274], und zwar auf die Weise, dass

zunächst die Kapsel, welche die Knorpelzelle einschliesst, enger wird,

offenbar indem neue Kapselmasse innen abgelagert wird. Allein in dem

Maasse als dies geschieht, beginnt die innere Begrenzung der

Kapselhöhlung ein deutlich gekerbtes Aussehen anzunehmen (Fig. 137,

_c_'); der Raum für die ursprüngliche Zelle wird dadurch bedeutend

verkleinert. In seltenen Fällen gelingt es noch, Gebilde anzutreffen, wo

die spätere Form des Knochenkörperchens als letzter Rest der Höhle

erscheint, in welcher das zellige Element mit dem Kerne steckt. Dann

aber verschwindet die Grenze, welche ursprünglich zwischen den

Knorpelkapseln und der Grundsubstanz bestand; die Kapselsubstanz wird

selbst Intercellularsubstanz und wir treffen in einer scheinbar ganz

gleichmässigen Grundmasse zackige Elemente, mit anderen Worten, ein noch

weiches Gewebe mit knochenartigem Bau (osteoides Gewebe Fig. 137, _o_).

Gewöhnlich wird dieser Vorgang durch die frühzeitige Verkalkung des

Knorpels verdeckt und nur gewisse Prozesse geben uns Gelegenheit, die

osteoide Umbildung auch innerhalb der schon verkalkenden Theile noch in

derselben Weise zu übersehen.

[274] Archiv V. 431. Würzb. Verhandl. I. 137.

Eine besonders günstige Gelegenheit, manche Vorgänge des

Knochen-Wachsthumes zu sehen, die sonst durch die Anwesenheit von

Kalksalzen verdeckt werden, gewährt uns die =Rachitis=[275], auf deren

Besprechung ich um so lieber einen Augenblick eingehe, weil diese

merkwürdige Krankheit noch jetzt meist missverstanden wird.

[275] Archiv V. 409.

Die rachitische Störung erweist sich bei genauerer Untersuchung nicht

als ein Erweichungsprozess des Knochengewebes, wie man sie früher

gewöhnlich betrachtete, sondern als ein Nichtfestwerden neuwuchernder

Schichten, welche erst zu Knochengewebe werden sollten, also genau

genommen, als eine Krankheit der Knorpel und des Periostes. Indem die

alten Schichten von Knochengewebe durch die normal fortschreitende

Markraumbildung verzehrt werden, die neuen aber weich bleiben, wird der

Knochen brüchig. -- Neben diesem wesentlichen Acte der nicht

geschehenden Verkalkung der Theile ergibt sich aber zugleich eine

gewisse Unregelmässigkeit im Wachsthume, so dass Stadien der

Knochenentwickelung, welche in der normalen Bildung spät eintreten

sollten, schon sehr frühzeitig eintreten. Bei dem normalen Wachsthume

bilden an der Verkalkungsgrenze (Fig. 134) die Zacken, mit welchen die

Kalksalze in den Knorpel hinaufgreifen, eine so vollständig gerade Linie

oder genauer gesagt, eine so vollständige Ebene, dass sie fast als

mathematisch regelmässig zu bezeichnen ist. Dieses Verhältniss hört bei

der Rachitis auf, um so mehr, je intensiver der Fall ist; es finden

Unterbrechungen der Verkalkungsebene statt in der Weise, dass an

einzelnen Stellen der Knorpel noch tief herunterreicht, während die

Verkalkung schon hoch hinaufschreitet. Jene einzelnen Stellen werden

bisweilen so vollständig von den übrigen isolirt, dass sie als

Knorpelinseln, mitten in dem Knochen, ringsum von demselben umgeben,

liegen bleiben, dass also Knorpel noch an Punkten sich findet, wo der

Knochen schon längst in Markgewebe umgewandelt sein sollte. Je weiter

der rachitische Prozess vorschreitet, um so mehr finden sich aber auch

isolirte, zersprengte Kalkmassen in dem Knorpel, manchmal so, dass der

ganze Knorpel auf dem Durchschnitte weiss punktirt erscheint. -- Weiter

zeigt sich die Unregelmässigkeit darin, dass, während im normalen Gange

der Dinge die Markräume erst eine kleine Strecke hinter dem

Verkalkungsrande (Fig. 134) beginnen, dieselben hier darüber

hinaustreten und manchmal bis weit über die Verkalkungsgrenze hinaus

eine Reihe von zusammenhängenden Höhlen sich fortzieht, welche mit einem

weicheren, leicht faserigen Gewebe erfüllt sind und in welche auch

Gefässe aufsteigen (Fig. 137, _m_). Markräume und Gefässe liegen also

da, wo normal eigentlich keine einzige Markzelle, kaum ein einziges

Gefäss sich befinden sollte.

[Illustration: =Fig=. 137. Verticalschnitt aus dem Diaphysenknorpel

einer rachitischen wachsenden Tibia vom 2jährigen Kinde. Ein grosser,

nach links einen Seitenast absendender Markzapfen erstreckt sich von _m_

aus in den Knorpel herauf: er besteht aus faseriger Grundsubstanz mit

spindelförmigen Zellen. Im Umfange bei _c_, _c_, _c_ der gewucherte

Knorpel mit grossen Zellen und Zellengruppen; bei _c_', _c_' beginnende

Verdickung und innere Einkerbung der Knorpelkapseln, welche bei _o_, _o_

verschmelzen und osteoides Gewebe bilden. Vergr. 300.]

Auf diese Weise kann an den Stellen, wo der Prozess seine Höhe erreicht

hat, in derselben Ebene neben einander eine ganze Reihe von

verschiedenartigen Gewebszuständen gefunden werden. Während wir sonst in

einer bestimmten Zone Knorpel, in einer anderen Verkalkung, in einer

dritten Knochengewebe und Mark finden, so liegt hier Alles

durcheinander: Vorsprünge von Mark, darüber osteoides Gewebe oder

wirklicher Knochen, daneben verkalkter Knorpel, darunter vielleicht noch

erhaltener Knorpel. Die ganze rachitische Schicht des Diaphysenknorpels,

welche sich beträchtlich weit erstrecken kann, gewinnt natürlich keine

rechte Festigkeit, und das ist einer der Hauptgründe für die

Verschiebbarkeit, welche die rachitischen Knochen zeigen, nicht

innerhalb der Continuität der Diaphysen, sondern an den Enden. Diese ist

in manchen Fällen überaus bedeutend, und bedingt manche Difformität,

z. B. am Thorax (Pectus carinatum) einzig und allein. Die stärkeren

Biegungen in der Continuität der Knochen sind immer Infractionen, die

der Epiphysen gehören der Knorpelwucherung an und stellen einfache

Inflexionen dar; hier ist es leicht zu begreifen, wie ein seiner

regelmässigen Entwickelung so vollkommen beraubter Theil, welcher

eigentlich dicht mit Kalksalzen erfüllt sein sollte, eine grosse

Beweglichkeit bewahren muss.

Die Vergrösserung und Vermehrung der einzelnen Zellen geschieht bei der

Rachitis in derselben Weise, wie wir sie früher beschrieben haben; indem

aber weiterhin in dem Knorpel einzelne Theile nicht verkalken, die

eigentlich schon Knochen sein sollten, indem namentlich die

Markraumbildung oft weit bis über die Verkalkungsgrenze herauf

erfolgt, so liegt an manchen solchen Stellen häufig die ganze

Entwickelungsgeschichte des Knochens im Zusammenhange klar zu Tage. Man

sieht grosse, oft sehr gefässreiche Zapfen von faserigem Mark

(Fig. 137, _m_) sich vom Knochen her in den Knorpel herauferstrecken und

kann sehr deutlich erkennen, dass nicht etwa diese Zapfen sich in den

Knorpel hineinschieben, sondern dass sie durch eine strichweise

Umbildung der Knorpelsubstanz selbst und Sprossenbildung der Gefässe

entstehen. Hauptsächlich in ihrem Umfange ist es, wo sich auch die

osteoide Umbildung der Knorpel am besten sehen lässt, wo man

insbesondere sehr deutlich wahrnehmen kann, wie ein Knorpelkörperchen

sich nach und nach in ein Knochenkörperchen umwandelt. Aus dem

Knorpelkörperchen, dass eine mässig dicke Kapselmembran hat, geht

nehmlich ein mit immer dickerer Kapsel versehenes Gebilde hervor,

innerhalb dessen der Raum für die Zelle immer kleiner wird, und das auf

einer gewissen Höhe der Ausbildung nach innen hin Einkerbungen bekommt,

ähnlich den sogenannten Tüpfelkanälen der Pflanzenzellen. So ist schon

die erste Erscheinung des Knochenkörperchens angelegt, worauf sehr

gewöhnlich eine Verschmelzung der Kapseln mit der Grundsubstanz erfolgt

und mit der Herstellung anastomosirender Höhlenfortsätze die Bildung des

Knochenkörperchens abgeschlossen wird. Zuweilen verkalken einzelne

osteoide Knorpelkörper für sich, ohne dass die Verschmelzung erfolgt

ist; während ringsum noch die gewöhnliche Knorpel-Intercellularsubstanz

liegt, erfüllt sich die Kapsel des osteoiden Körperchens schon

vollständig mit Kalksalzen. An anderen Stellen dagegen erfolgt die

Verschmelzung der Kapseln mit der Grundsubstanz sehr frühzeitig (Fig.

137, _o_), und man sieht innerhalb einer glänzend erscheinenden Masse,

welche sich um manche Zellgruppen anhäuft, schon überall die zackigen

Knochenkörperchen. Da ist aber keine scharfe Grenze im Gewebe, sondern

die verdichtete und glänzende Substanz, welche die zackigen Körper

umgibt, geht unmittelbar in die durchscheinende Substanz über, welche

den gewöhnlichen Knorpel zusammenhält. Im Wesentlichen ist es derselbe

Bau.

[Illustration: =Fig=. 138. Inselförmige Ossification in rachitischem

Diaphysenknorpel. _c_, _c_ der gewöhnliche wachsende (wuchernde) Knorpel,

_c_' zunehmende Verdickung der Kapseln mit Bildung zackiger Höhlen

(osteoide Knorpelzellen), _co_' Verkalkung solcher, noch isolirter

Knorpelzellen, _co_ beginnende Verschmelzung der Kapseln verkalkter

Knorpelzellen, _o_ Knochensubstanz. Vergr. 300. (Vergl. Archiv für

pathologische Anatomie. Bd. XIV. Taf. I.)]

Am wichtigsten für die cellulare Theorie überhaupt ist offenbar die

isolirte Umbildung einzelner Knorpelzellen zu Knochenkörperchen. In

einem Objecte (Fig. 138) übersieht man bei der Rachitis zuweilen die

ganze Reihe dieser Vorgänge. Da, wo das vollständig knöcherne Stück, in

welchem die Knochenkörperchen ganz regelmässig entwickelt sind, an den

Knorpel stösst, findet sich eine Zone, wo man den Uebergang der

Knorpelkörperchen in vollkommene Knochenkörperchen in ganz kurzen

Strecken überblickt. An der Uebergangsstelle findet sich eine Reihe von

Körperchen dicht an einander gelagert, wie Haselnüsse, die durch ihre

dunkeln Contouren, ihr hartes Aussehen, ihren ungewöhnlich starken Glanz

sich von den gewöhnlichen Knorpelkörperchen unterscheiden, und die in

einer kleinen zackigen Höhle eine kleine Zelle umschliessen: das sind

die noch isolirten Knochenkörperchen mit verkalkten Kapseln, welche

ihnen noch von ihrer früheren Zeit als Knorpelkörperchen anhaften. Es

ist desshalb besonders wichtig, diese Körper in ihrer Isolirung in loco

zu sehen, weil man ohne ihre Kenntniss jene anderen Prozesse nicht

begreift, bei welchen innerhalb des Knochens diese Territorien wieder

ausfallen (Fig. 143).

Auf alle Fälle, wenn man ein Object dieser Art einmal genau verfolgt

hat, kann man darüber nicht mehr in Zweifel kommen, dass aus

Knorpelkörperchen Knochenkörperchen werden können, und ich begreife

nicht, wie noch bis in die allerletzte Zeit sorgfältige Untersucher die

Frage aufwerfen konnten, ob nicht das Knochenkörperchen =jedesmal= eine

auf Umwegen gewonnene Bildung sei, welche mit dem Knorpelkörperchen

keinen unmittelbaren Zusammenhang habe. Allerdings ist es richtig, dass

bei dem normalen Längenwachsthum der Knochen die meisten

Knochenkörperchen nicht direct aus Knorpelzellen, sondern zunächst aus

Markzellen hervorgehen und nur mittelbar von Knorpelzellen abstammen,

aber ebenso richtig ist es, dass auch die Knorpelzelle geraden Weges in

ein Knochenkörperchen sich umbilden kann. Schon vor langer Zeit habe ich

auf einen Punkt besonders aufmerksam gemacht, wo man die Umbildung des

Knorpels zu osteoidem Gewebe sehr deutlich übersehen kann, nehmlich die

Uebergangsstellen vom Knorpel zum Perichondrium in der Nähe der

Verkalkungsgrenze. Hier verwischen sich die Grenzen der Gewebsformen

vollständig, und man sieht alle Uebergänge zwischen runden

(knorpeligen), spindel- oder linsenförmigen (bindegewebigen) und

zackigen (osteoiden) Zellen[276].

[276] Archiv V. 453. XVI. 11.

Gerade so, wie aus dem Knorpelkörperchen ein Knochenkörperchen werden

kann, so kann auch aus der Markzelle ein Knochenkörperchen werden. In

den Markräumen des Knochens nehmen in der Regel diejenigen Markzellen,

welche am Umfange liegen, späterhin eine mehr längliche Beschaffenheit

an, richten sich parallel der inneren Oberfläche der Markräume, und das

Mark selbst erlangt hier eine mehr faserige Intercellularsubstanz,

weshalb man es eben als Markhaut betrachtet hat. Aber diese sogenannte

Haut ist nicht von den centralen Theilen zu trennen; sie stellt nur die

festeste und zugleich äusserste Schicht des Markgewebes dar. Sobald nun

Tela ossea entstehen soll, so ändert sich die Beschaffenheit

der Grundsubstanz. Dieselbe wird fester, sklerotisch, knorpelartig,

die einzelnen Zellen scheinen in Lücken der Grund- oder

Intercellularsubstanz zu liegen. Schon früh werden sie zackig, indem sie

kleine Ausläufer treiben, und nun ist weiter nichts mehr nöthig, als

dass sich in die dichte Grundsubstanz Kalksalze ablagern; dann ist der

Knochen schon fertig. So bildet sich auch hier wieder durch eine ganz

directe Transformation (Metaplasie) das Knochengewebe, und indem sich

eine solche osteoide Schicht nach der anderen aus dem Marke ablagert, so

entsteht dadurch compacte Knochensubstanz, welche jedesmal bezeichnet

ist durch die lamellöse Ablagerung von Tela ossea im früheren Markraume

(Fig. 38 u. 39). Der ursprüngliche Knochen ist immer bimsteinartig,

porös; seine Höhlungen erfüllen sich, indem aus Marklamellen Lagen von

Knochensubstanz bis zu dem Punkte nachwachsen, wo das Gefäss allein

übrig bleibt, welches die Ossification nicht zulässt. --

Was nun die Entwickelung der Knochen =in der Dicke= d. h. aus dem

Perioste[277] anbetrifft, so ist diese an sich viel einfacher, aber sie

ist auch viel schwieriger zu sehen, weil die Ossification hier sehr

schnell vor sich geht und die wuchernde Periostschicht so dünn und so

zart ist, dass eine überaus grosse Sorgfalt dazu gehört, sie überhaupt

nur wahrzunehmen. Im Pathologischen haben wir für ihr Studium ungleich

bessere Gelegenheit, als im Physiologischen. Denn es ist ganz gleich, ob

der Knochen in der Dicke physiologisch oder (durch eine Periostitis)

pathologisch wächst; dies ist nur eine quantitative und zeitliche

Differenz (Heterometrie, Heterochronie).

[277] Archiv V. 437.

Die Cellularpathologie in ihrer Begründung auf physiologische und pathologische Gewebelehre · 第 47 / 54 段