Die Betrachtung der passiven Prozesse hatte uns zu einer Darstellung der

Vorgänge bei der =Fettmetamorphose= geführt. Ich sage Fettmetamorphose,

einmal weil unter der Bezeichnung der fettigen Degeneration im Laufe der

Zeit zu vielerlei Vorgänge zusammengeworfen sind, andermal weil ich in

der That die Ansicht hege, dass das Fett hier durch eine chemische

Metamorphose aus dem früheren Zelleninhalt, also vielleicht aus

eiweissartiger Substanz erzeugt wird. Jedenfalls geht nicht nur die

normale Struktur der Theile dabei zu Grunde, sondern es tritt auch an

die Stelle der histologischen Elemente, welche zerfallen und sich

auflösen, eine nicht mehr organische, rein emulsive Masse, es bildet

sich, kurz gesagt, ein =fettiger Detritus=. Es macht dabei nichts aus,

ob eine Eiterzelle, ein Bindegewebskörperchen, eine Nerven- oder

Muskelfaser, ein Gefäss die Veränderung erfährt; das Resultat ist immer

dasselbe: ein milchiger Detritus, eine amorphe Anhäufung von Fett- oder

Oeltheilchen in einer mehr oder weniger eiweissreichen Flüssigkeit. Wenn

wir für alle Fälle der Fettmetamorphose diese Uebereinstimmung

festhalten, so folgt daraus doch keinesweges, dass der Werth dieser

Veränderung in Beziehung auf die Krankheitsvorgänge, im Laufe welcher

sie eintritt, jedesmal gleich sei. Man kann das schon daraus abnehmen,

dass, während ich diese Metamorphose unter der Kategorie der rein

passiven Störungen vorgeführt habe, gerade eines der Gebilde, welches

dabei am häufigsten auftritt, die Körnchenkugel, lange Zeit hindurch als

das specifische Element der Entzündung betrachtet worden ist. Jahrelang

sah man die Entzündungskugel für eine wesentliche, pathognomonische und

daher diagnostische Erscheinung des Entzündungsprozesses an, und in der

That, die Häufigkeit, mit welcher man in entzündeten Theilen fettig

degenerirte Zellen findet, beweist genügend, dass im Laufe der

entzündlichen Prozesse, welche wir nimmermehr als einfach passive

Vorgänge betrachten können, solche Umwandlungen geschehen. Es handelt

sich also darum, eine Unterscheidung beider Reihen, der einfach passiven

und der entzündlichen, zu finden.

Freilich hat diese Unterscheidung in einzelnen Fällen ihre sehr grossen

Schwierigkeiten. Meiner Ueberzeugung nach besteht die einzige

Möglichkeit einer Orientirung darin, dass man untersucht, ob der Zustand

der fettigen Degeneration ein primärer oder ein secundärer ist, ob er

eintritt, sobald überhaupt eine Störung bemerkbar wird, oder ob er erst

erfolgt, nachdem eine andere bemerkbare Störung vorangegangen ist. Die

secundäre Fettmetamorphose, bei welcher erst in zweiter Linie diese

eigenthümliche Umwandelung zu Stande kommt, folgt in der Regel auf ein

erstes actives oder irritatives Stadium; eine ganze Reihe derjenigen

Prozesse, welche wir ohne Umstände Entzündungen nennen, verläuft in der

Weise, dass als zweites oder drittes anatomisches Stadium eine fettige

Metamorphose der Gewebe auftritt. Diese entsteht also hier nicht als das

unmittelbare Resultat der Reizung des Theiles, sondern wo wir

Gelegenheit haben, die Geschichte der Veränderung genauer zu verfolgen,

da zeigt sich fast immer, dass dem Stadium der fettigen Degeneration ein

anderes Stadium voraufgeht[234], nehmlich das der =trüben Schwellung=,

in welchem die Theile sich vergrössern, an Umfang und zugleich an Dichte

zunehmen, indem sie eine grosse Menge von neuem Material in sich

aufsaugen. Absichtlich sage ich aufsaugen[235], weil ich es für falsch

halte, dass der Theil etwa von aussen genöthigt worden ist, dieses

Material aufzunehmen, dass er etwa durch Exsudat von den Gefässen aus

überschwemmt worden ist. Dieselben Erscheinungen treten auch an Theilen

auf, die keine Gefässe haben. Aber erst dann, wenn die Ansammlung ein

solches Maass erreicht hat, dass die Constitution in Frage gestellt

wird, leitet sich ein fettiger Zerfall im Inneren der Elemente ein. So

können wir die fettige Degeneration des Nierenepithels als ein späteres

Stadium der Bright'schen Krankheit, oder, wie ich sage, der

parenchymatösen Nephritis bezeichnen; ihr geht ein Stadium der Hyperämie

und Schwellung voraus, wo jede Epithelzelle eine grosse Quantität von

opaker Masse in sich ansammelt, ohne dass im Anfange auch nur eine Spur

von Fetttröpfchen zu bemerken ist[236]. So schwillt der Muskel unter

Einwirkungen, welche nach dem allgemeinen Zugeständniss eine Entzündung

machen, z. B. nach Verwundungen, nach chemischen Aetzungen; seine

Primitivbündel werden breiter und trüber, und in einem zweiten Stadium

beginnt in ihnen dieselbe fettige Degeneration, welche wir andere Male,

z. B. bei Lähmungen, direct auftreten sehen[237].

[234] Archiv I. 149. 165.

[235] Archiv I. 276. III. 460. IV. 379.

[236] Archiv I. 165. IV. 264, 319.

[237] Archiv IV. 266.

Man kann also, wenn man ganz allgemein spricht, allerdings sagen, dass

es eine entzündliche Form der fettigen Degeneration gibt. Allein, genau

genommen, ist diese entzündliche Form nur ein späteres Stadium, ein

Ausgang, welcher den eintretenden Zerfall der Gewebsstruktur anzeigt, wo

der Theil nicht mehr im Stande ist, seine Sonderexistenz fortzuführen,

sondern wo er so weit dem Spiele der chemischen Kräfte seiner

constituirenden Theile verfällt, dass das nächste Resultat seine

vollständige Auflösung ist. Gerade diese Art von Entzündungszuständen

hat eine sehr grosse Bedeutung, weil an allen Theilen, wo die

wesentlichen Elemente in dieser Weise verändert werden, überhaupt keine

unmittelbare, nutritive oder einfach regenerative Restitution möglich

ist. Wenn eine Muskelentzündung besteht, bei welcher die

Muskelprimitivbündel der fettigen Degeneration verfallen, so gehen sie

auch regelmässig zu Grunde, und wir finden nachher an der Stelle, wo die

Degeneration stattgefunden hatte, eine, wenn auch nicht offene, Lücke

(einen Defect) im Muskelfleisch. Die Niere, deren Epithel in fettige

Degeneration übergeht, schrumpft fast immer zusammen; das Resultat ist

eine bleibende Atrophie. Ausnahmsweise kommt vielleicht etwas zu Stande,

was als Regeneration des Epithels gedeutet werden könnte, aber

gewöhnlich ist ein Zusammensinken der ganzen Struktur die Folge.

Dasselbe sehen wir am Gehirne bei der gelben Erweichung, gleichviel, wie

sie bedingt sein mag. Ob Entzündung oder nicht vorherging, es bildet

sich ein Heerd, welcher sich nie wieder mit Nervenmasse ausfüllt.

Vielleicht, dass eine einfache Flüssigkeit die fehlenden Gewebe ersetzt;

von irgend einer Herstellung eines neuen, functionell wirksamen Theiles

kann niemals die Rede sein.

So muss man es sich erklären, dass scheinbar sehr ähnliche Zustände,

welche man vom pathologisch-anatomischen Standpunkte aus als identisch

erklären möchte, vom klinischen Standpunkte aus weit auseinander liegen,

ja dass man an denselben Theilen dieselben Veränderungen trifft, ohne

dass doch der Gesammtprozess, welchem sie angehören, derselbe war. Wenn

ein Muskel einfach fettig degenerirt, so kann das Primitivbündel ebenso

aussehen, als wenn eine Entzündung darauf eingewirkt hat. Die

Myocarditis erzeugt ganz analoge Formen der fettigen Degeneration

innerhalb des Herzfleisches, wie die übermässige Dilatation der

Herzhöhlen. Wenn eine der letzteren z. B. durch Hemmung des Blutstromes

oder Incontinenz der Klappen dauernd sehr ausgespannt wird, so tritt an

dem am meisten gespannten Theile sehr häufig eine fettige Degeneration

des Muskelfleisches ein. Diese gleicht morphologisch so vollständig

einem Stadium der Myocarditis, dass in vielen Fällen überhaupt gar nicht

mit Sicherheit zu sagen ist, auf welche Weise der Prozess entstanden

sein mag.

Versuchen wir, die Methode der Lösung solcher Schwierigkeiten an einer

wichtigen, häufigen und zugleich vielfach missverstandenen Krankheit

darzulegen, nehmlich an dem sogenannten =atheromatösen Prozesse der

Arterien=[238]. Gerade bei ihm ist die Confusion in der Deutung der

Veränderungen vielleicht am grössten gewesen.

[238] Gesammelte Abhandlungen 492 ff.

Zu keiner Zeit im Laufe dieses Jahrhunderts hat man sich vollständig

über das geeinigt, was man unter dem Ausdrucke der atheromatösen

Veränderung an einem Gefässe verstehen wollte. Der Eine hat den Begriff

weiter, der Andere hat ihn enger gefasst, und doch ist er vielleicht von

Allen zu weit gefasst worden. Als nehmlich die Anatomen des vorigen

Jahrhunderts den Namen des Atheroms auf eine bestimmte Veränderung der

Arterienhäute anwandten, hatten sie natürlich einen ähnlichen Zustand im

Sinne, wie derjenige ist, welchen man schon seit dem griechischen

Alterthume an der Haut mit dem Namen des Atheroms, des Grützbalges

belegt hatte[239]. Es versteht sich danach von selbst, dass der Begriff

des Atheroms sich auf einen geschlossenen Heerd, eine Art von

Balggeschwulst (Tumor cysticus) bezieht. Niemand hat etwas an der Haut

Atherom genannt, was offen und frei zu Tage lag. Es war daher ein

sonderbares Missverständniss, als man neuerlich anfing, an den Gefässen

auch solche Veränderungen Atherome zu nennen, welche nicht abgeschlossen

in der Tiefe liegen, sondern ganz und gar der Oberfläche angehören.

Anstatt, wie es ursprünglich gemeint war, einen geschlossenen Heerd

atheromatös zu nennen, hat man damit häufig eine Veränderung bezeichnet,

welche in der innersten Arterienhaut ganz oberflächlich bestand. Als man

anfing, die Sache feiner zu untersuchen, und als man an sehr

verschiedenen Punkten der Gefässwand, sowohl bei Atherom, als ohne

dasselbe, fettige Partikeln fand (Fig. 122), als man sich endlich

überzeugte, dass der Prozess der fettigen Degeneration immer derselbe

und mit der atheromatösen Veränderung nahezu identisch sei, so wurde es

Sitte, alle Formen der fettigen Degeneration an den Arterien in der

Bezeichnung des Atheroms oder der Atherose zu vereinigen. Nach und nach

kam man sogar dahin, von einer atheromatösen Veränderung solcher Gefässe

zu sprechen, welche nur eine einfache Haut haben, denn auch an den

Capillaren stösst man auf fettige Processe.

[239] Geschwülste I. 224.

Seit Langem hat es ferner Beobachter gegeben, welche die Ossification

der Gefässe als eine mit dem Atherom zusammengehörige Veränderung

betrachteten. =Haller= und =Crell= glaubten, dass die Ossification aus

der atheromatösen Masse hervorginge, und dass die letztere ein Saft sei,

welcher ähnlich, wie man es von dem unter dem Periost des Knochens

ausschwitzenden Safte annahm, fähig sei, aus sich Knochenplatten zu

erzeugen. Später erkannte man freilich, dass Atheromatie und

Ossification zwei parallele Vorgänge seien, welche aber auf einen

gemeinschaftlichen Anfang hinwiesen. Es wäre nun wohl logisch gewesen,

wenn man sich zunächst darüber geeinigt hätte, welches dieser

gemeinschaftliche Anfang wäre, von dem die atheromatöse Veränderung und

die Ossification ausgingen. Statt dessen gerieth man in die Bahn der

fettigen Entartungen und dehnte den atheromatösen Prozess über eine

Reihe von kleinen Gefässen aus, an denen die Bildung irgend eines

wirklich dem atheromatösen Heerde der Haut vergleichbaren geschlossenen

Sackes oder Balges überhaupt unmöglich ist.

Nun liegt aber die Sache auch hier sehr einfach so, dass man an den

Gefässen zwei, ihrem endlichen Resultate nach sehr analoge Prozesse

trennen muss: zuerst die =einfache= (=passive=) =Fettmetamorphose=,

welche ohne ein weiter erkennbares Vorstadium eintritt, wo die

vorhandenen Elemente unmittelbar in fettige Degeneration übergehen und

zerstört werden, und wodurch eben nur ein mehr oder weniger ausgedehnter

Verlust (Usur) von Bestandtheilen der Gefässwand zu Stande kommt; sodann

eine zweite Reihe von Vorgängen, wo wir vor der Fettmetamorphose =ein

Stadium der Reizung= unterscheiden können, welches übereinstimmt mit dem

Stadium der Schwellung, Vergrösserung, Trübung, das wir an anderen

entzündeten Stellen sehen. Ich habe daher kein Bedenken getragen, in

dieser Frage mich ganz auf die Seite der alten Anschauung zu stellen,

und als den Ausgangspunkt der sogenannten atheromatösen Degeneration

eine Entzündung der Gefässwand zuzulassen (Endoarteriitis); und ich habe

mich weiterhin bemüht zu zeigen, dass diese Art von entzündlicher

Erkrankung der Gefässwand in der That genau dasselbe ist, was man

allgemein an den Herzwandungen eine Endocarditis nennt. Zwischen beiden

Prozessen besteht kein anderer Unterschied, als dass die Endocarditis

häufiger acut, die Endoarteriitis häufiger chronisch verläuft.

Mit einer solchen Scheidung der Prozesse an den Arterien in einfach

degenerative (passive) und entzündliche (active) erklärt sich sofort

der verschiedene Verlauf. Trügerisch ist nur der Umstand, dass beide

Prozesse sich gelegentlich in demselben Falle gleichzeitig finden. Neben

den charakteristischen Umwandlungen der chronisch entzündlichen Theile

in der Tiefe finden sich an der Oberfläche nicht selten einfach fettige

Veränderungen.

[Illustration: =Fig=. 128. Verticalschnitt durch die Aortenwand an einer

sklerotischen, zur Bildung eines Atheroms fortschreitenden Stelle. _mm_'

Tunica media, _i_ _i_' _i_'' Tunica intima. Bei _S_ die Höhe der

sklerotischen Stelle gegen die Gefässlichtung, _i_ die innerste, über

den ganzen Heerd fortlaufende Lage der Intima, _i_' die wuchernde,

sklerosirende und schon zur Fettmetamorphose sich anschickende Schicht,

_i_'' die schon fettig metamorphosirte, bei _e_, _e_ direkt erweichende,

zunächst an die Media anstossende Lage. Vergr. 20.]

Betrachten wir nun die Atheromatie etwas genauer, z. B. an der Aorta, wo

der Prozess am gewöhnlichsten ist. Im Anfange (d. h. eigentlich zu einer

Zeit, wo noch nichts Atheromatöses vorhanden ist) entsteht an der

Stelle, wo die Reizung stattgefunden hat, eine Anschwellung, kleiner

oder grösser, nicht selten so gross, dass sie als wirklicher Buckel über

das Niveau der inneren Oberfläche hervorragt. Diese Hervorragungen

unterscheiden sich von der Nachbarschaft durch ihr durchscheinendes,

hornhautartiges Aussehen. In der Tiefe sehen sie mehr trübe aus. Hat die

Veränderung eine gewisse Dauer gehabt, so zeigen sich die weiteren

Umwandelungen nicht an der Oberfläche, sondern unmittelbar da, wo die

Intima die Media berührt, wie das die Alten sehr gut beschrieben haben.

Wie oft haben sie mit Bestimmtheit behauptet, dass man die innere Haut

über die veränderte Stelle hinweg abziehen könne! Daraus ging die

Schilderung von =Haller= hervor, dass die breiartige, atheromatöse Masse

in einer geschlossenen Höhle, wie eine kleine Balggeschwulst, zwischen

Intima und Media läge. Nur das war falsch, dass man die Geschwulst als

einen besonderen, von den Gefässhäuten trennbaren Körper betrachtete,

über welchen die sonst unveränderte Intima einfach hinwegliefe. Es ist

vielmehr die stark verdickte Intima selbst, welche ohne Grenze in die

Geschwulst übergeht. Je weiter der Prozess fortschreitet, um so mehr

bildet sich aus der Erweichung und dem Zerfalle der tiefsten Lagen der

Intima ein geschlossener Heerd, während die oberflächlichen Schichten

sich noch unversehrt erhalten; zuletzt kann es sein, dass der Heerd

fluctuirt und beim Einschnitte eine breiige Materie sich entleert, wie

der Eiter beim Einschnitte in einen Abscess.

Untersucht man nun die Masse, welche am Ende des Prozesses vorhanden

ist, so sieht man zahlreiche Cholestearinplatten, welche oft schon für

das blosse Auge als glitzernde Scheibchen hervortreten: grosse

rhombische Tafeln, welche meist zu vielen nebeneinanderliegen, sich

decken und im Ganzen einen Glimmerreflex erzeugen. Neben diesen Platten

finden sich die unter dem Mikroskope bei durchfallendem Lichte schwarz

erscheinenden Körnchenkugeln, innerhalb derer die einzelnen Fettkörnchen

zuerst ganz fein sind. Die Kugeln sind gewöhnlich in grosser Masse

vorhanden; einzelne sieht man zerfallen, sich auseinander lösen und

Partikelchen davon, wie in der Milch, umherschwimmen. Daneben mehr oder

weniger grosse amorphe Gewebsfragmente, welche noch zusammenhalten und

durch die Erweichung der übrigen, nicht fettig veränderten

Gewebssubstanz entstehen; in sie sind hie und da Körnerhaufen

eingesetzt. =Diese drei Bestandtheile zusammen, das Cholestearin, die

Körnchenzellen und die Fettkörnchen, endlich grössere Klumpen von

halberweichter Substanz, sind es, welche den breiigen Habitus des

atheromatösen Heerdes bedingen=, und welche zusammengenommen in der That

eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Inhalte eines Grützbeutels der

äusseren Haut erzeugen.

[Illustration: =Fig=. 129. Der atheromatöse Brei aus einem Aortenheerde.

_a a_' Flüssiges Fett, entstanden durch Fettmetamorphose der Zellen der

Intima (_a_), welche sich in Körnchenkugeln (_a_' _a_') umbilden, dann

zerfallen und kleine und grosse Oeltropfen frei werden lassen (fettiger

Detritus). _b_ Amorphe körnig-faltige Schollen erweichten und

gequollenen Gewebes. _c c_' Cholestearinkrystalle: _c_ die grossen

rhombischen Tafeln, _c_' _c'_ feine, rhombische Nadeln. Vergr. 300.]

Was das Cholestearin anbetrifft, so ist es keineswegs ein specifisches

Product, welches dieser Art von fettiger Umwandelung für sich zugehörte.

Vielmehr sehen wir überall, wo fettige Producte innerhalb einer

abgeschlossenen Höhle, welche dem Stoffwechsel wenig zugänglich ist,

längere Zeit stagniren, dass das Fett Cholestearin abscheidet, z. B. in

der Flüssigkeit alter Hydrocelen, Strumen, Eierstockscysten. Fast alle

Fettmassen, die wir im Körper antreffen, enthalten eine gewisse

Quantität von Cholestearin gebunden. Ob das freiwerdende Cholestearin

vorher schon vorhanden war, oder ob an den Stellen eine wirkliche

Neubildung desselben erfolgt, darüber kann man bis jetzt nichts sagen,

da bekanntlich noch gar keine chemische Thatsache ermittelt ist, welche

über den Hergang bei der Bildung des Cholestearins und über die Stoffe,

aus welchen Cholestearin sich bilden mag, irgend einen Aufschluss gäbe.

Soviel muss man festhalten, dass das Cholestearin ein spätes

Abscheidungsproduct stagnirender, namentlich fetthaltiger Theile ist.

Wenn man nun die erste Entwickelung der atheromatösen Stellen der

Arterien histologisch erforscht, so stösst man vor der Zeit, wo breiige

Substanz in dem Heerde des Atheroms liegt, auf ein Stadium, wo man

nichts weiter findet, als eine Fettmetamorphose, durch welche

Körnchenzellen in der gewöhnlichen Weise aus den Elementen des Gewebes

hervorgehen, und man überzeugt sich deutlich, dass der Vorgang in diesem

Stadium absolut nicht verschieden ist von dem, welchen wir bei dem

Herzen und bei der Niere in dem Stadium der fettigen Metamorphose

vorfanden (S. 425, 427). In dieser Zeit, unmittelbar vor der Bildung des

Heerdes, stellt sich das Verhältniss bei starker Vergrösserung so dar:

Auf einem Durchschnitte (Fig. 130, _a_, _a_') sehen wir die eingestreuten

fettig degenerirenden Elemente gegen die Mitte hin grösser werden und

dichter liegen, aber im Allgemeinen noch die Form von Zellen bewahren;

gegen den Umfang des Heerdes hin sind sie kleiner und spärlicher. Alle

diese Zellen sind mit kleinen, das Licht stark reflectirenden, fettigen

oder öligen Körnchen gefüllt. Dadurch entsteht für das blosse Auge auf

einem Durchschnitte ein weisslicher oder weissgelblicher Fleck. Zwischen

diesen Körnchenzellen befindet sich eine maschige Grundsubstanz, die

eigentlich faserige Intercellularsubstanz der Intima, welche wir

deutlich nach aussen in die normale Intima sich fortsetzen sehen.

[Illustration: =Fig=. 130. Verticaler Durchschnitt aus einer

sklerotischen, sich fettig metamorphosirenden Platte der Aorta (Tunica

intima, nahe der Oberfläche): _i_ der innerste Theil der Haut mit

einzelnen und zu mehreren gruppirten (getheilten), runden Kernen. _h_

die Schicht der sich vergrössernden Zellen: man sieht Maschennetze mit

spindelförmigen Zellen, welche durchschnittene knorpelartige Körperchen

umschliessen. _p_ Wucherungsschicht; Theilung der Kerne und Zellen.

_a a_' die atheromatös werdende Schicht: _a_ der Beginn des Prozesses,

_a_' der vorgerückte Zustand der Fettmetamorphose. Vergr. 300.]

Für die Deutung der Vorgänge ist es aber ganz besonders wichtig, dass

man sich unmittelbar davon überzeugen kann, dass die Faserlage, welche

über dem Heerde liegt, ebenso in die oberflächliche Faserlage der

benachbarten normalen Intima übergeht, wie die Faserlage der

degenerirten Stelle in die tieferen Faserlagen der normalen Intima. Auf

diese Weise wird die, auch von =Rokitansky= längere Zeit vertheidigte

Ansicht widerlegt, dass es sich ursprünglich um eine Auflagerung auf die

Fläche der inneren Haut handele. Man sieht auf einem Durchschnitte ganz

evident, wie die äussersten Schichten in einem Bogen über die ganze

Schwellung hinweglaufen, aus der Intima hervorkommen und in sie

zurückkehren. Die Alten hatten also ganz Recht, wenn sie in dem Stadium,

wo die Bildung des Atherom-Heerdes schon vorgerückt ist, sagten, man

könne die Intima über den Heerd herüber im Zusammenhange abziehen. Nur

ist das nicht die ganze Intima, vielmehr überzeugt man sich, dass die

unteren Schichten des Heerdes jenseits der Grenze desselben ebenfalls in

die tieferen Schichten der normalen Intima fortgehen, dass also hier

nicht, wie die Alten annahmen, eine Zwischenlagerung zwischen Intima und

Media stattfindet, sondern das Ganze, was wir vor uns haben, degenerirte

Intima ist.

In einzelnen besonders heftigen Fällen erscheint auch an den Arterien

die nekrobiotische Erweichung nicht als Folge einer rein fettigen

Metamorphose, sondern als directes Entzündungsproduct. Während im

Umfange ein fettiger Zerfall stattfindet, tritt im Centrum der

Veränderungsstelle ein gelbliches, trübes Wesen auf, unter welchem die

Substanz fast unmittelbar in ein Gemisch grober Bröckel (Fig. 128, _e_,

_e_. Fig. 129, _b_) erweicht und zerfällt.

Es fragt sich in letzter Instanz, wo eigentlich der Sitz der fettigen

Degeneration ist. Man kann sich auch hier wieder denken, dass das Fett

in Zwischenräume (Interstitien) zwischen den Lamellen der Intima

abgelagert werde; und es gibt noch heute einen kleineren Theil von

Histologen, welche nicht anerkennen, dass das Bindegewebe nur Zellen,

aber keine einfachen Lücken enthält. Untersucht man die veränderten

Stellen nach der Oberfläche hin, so sieht man, dass dasselbe Gefüge,

welches an den fettigen Theilen hervortritt, sich auch an den bloss

hornigen oder halbknorpeligen Lagen erkennen lässt. Faserzüge, zwischen

welchen von Strecke zu Strecke kleine linsenförmige Lücken erscheinen,

finden sich hier, wie auch an der normalen Intima; in den Lücken und in

den Faserzügen liegen aber zellige Theile (Fig. 130, _h_, _p_). Die

Vergrösserung, welche die Stelle erfahren hat, und welche wir =Sklerose=

nennen, beruht darauf, dass, während die faserige Intercellularsubstanz

dicker und dichter wird, die zelligen Elemente sich vergrössern und eine

Vermehrung ihrer Kerne eintritt, so dass man nicht selten Räume findet,

in denen ganze Haufen von Kernen liegen. Damit leitet sich der Prozess

ein. Weiterhin kommen Theilungen der Zellen vor, und man trifft eine

grosse Masse von jungen Elementen. Diese sind es, welche nachher der

Sitz der fettigen Degeneration werden (Fig. 130, _a_, _a_') und dann

wirklich zu Grunde gehen. Demnach haben wir auch hier wieder einen

activen Prozess, der wirklich neues Gewebe hervorbringt, dann aber durch

seine eigene Entwickelung dem Zerfalle entgegeneilt.

Kennt man diese Entwickelung, so begreift es sich, dass eine zweite

Möglichkeit des Ausganges neben der fettigen Degeneration besteht,

nehmlich die =Ossification=. Denn es handelt sich hier wirklich um eine

Ossification, und nicht, wie man in neuerer Zeit behauptet hat, um eine

blosse Verkalkung: die Platten, welche die innere Wand des Gefässes

durchsetzen, sind wirkliche, wenn auch etwas rohe Knochenplatten. Da sie

aus derselben sklerotischen Substanz sich bilden, aus der in anderen

Fällen die fettige Masse wird, und da ein wirkliches Gewebe nur aus

einem früheren Gewebe hervorgehen kann, so folgt von selbst, dass wir

auch beim Ausgange in Fettmetamorphose nicht eine einfache Ausstreuung

von Fett annehmen können, welche in beliebige Zwischenräume erfolgte.

Die Cellularpathologie in ihrer Begründung auf physiologische und pathologische Gewebelehre · 第 43 / 54 段