In der Prostata wechseln diese Körper von ganz kleinen, einfachen,

gleichmässig aussehenden Gebilden bis zu hanfkorngrossen Klumpen, an

denen wir stets eine successive Reihe sehr zahlreicher Schichtungen

sehen. Wie die kleinen amylacischen Körperchen des Nervenapparates

häufig zu zweien zusammengesetzt sind, Zwillingsbildungen darstellen, so

kommt es auch in der Prostata sehr häufig vor, dass um getrennte Centren

eine gemeinschaftliche Umhüllung stattfindet (Fig. 123, _d_, _e_). Ja, in

einzelnen Fällen geht das so weit, dass ganze Haufen von kleineren

Körpern von grossen, gemeinschaftlichen Lagen umhüllt und

zusammengehalten werden. Diese ganz grossen, freilich selteneren Formen

können einen Durchmesser von ein Paar Linien erreichen, so dass man sie

leicht aus dem Gewebe isoliren und selbst grober Untersuchung

unterwerfen kann. Es scheint kaum zweifelhaft, dass in diesen Fällen

eine Substanz abgeschieden wird, welche sich nach und nach aussen um

präexistirende Körper ansetzt, dass es sich hier also nicht um die

Degeneration eines bestimmten Gewebes handelt, sondern um eine Art von

Ausscheidung und Sedimentbildung, wie wir sie bei anderen Concretionen

aus Flüssigkeiten erfolgen sehen. Man kann mit Wahrscheinlichkeit

schliessen, dass die Prostata, indem ihre Elemente sich auflösen, eine

Flüssigkeit liefert, welche nach und nach Niederschläge bildet und

dadurch diese besonderen Formen hervorbringt.

Diese Gebilde haben nun das Eigenthümliche, dass sie schon unter der

einfachen Wirkung von Jod (ohne Zusatz von Schwefelsäure) sehr häufig

eine eben solche blaue Farbe annehmen, wie die Pflanzenstärke. Je

nachdem die Substanz reiner oder unreiner ist, ändert sich die Farbe, so

dass sie z. B., wenn viel eiweissartige Masse beigemengt ist, statt blau

grün erscheint, indem die albuminöse Substanz durch Jod gelb, die

amylacische blau wird; was den Totaleffect des Grünen gibt. Je mehr

albuminöse Substanz, um so mehr wird die Farbe braun, und nicht selten

hat man in der Prostata Concretionen, welche nach der Jodeinwirkung die

verschiedensten Farben darbieten. Insofern unterscheiden sich diese

Körper von jenen kleinen Amylonkörperchen des Nervenapparates, welche

sämmtlich eine bläuliche oder blaugraue Färbung durch Jod annehmen. Auch

ist zu bemerken, dass viele im Baue ganz analoge Körper der Prostata

durch Jod nur gelb oder braun werden, sich also chemisch anders

verhalten.

Daraus folgt, dass man sich bei der Anwendung von Reagentien leicht

täuschen kann, dass jedoch ohne die Anwendung derselben eine

Entscheidung überhaupt nicht möglich ist. Ich selbst habe früher (1851)

alle morphologisch der Pflanzenstärke analogen Gebilde im menschlichen

Körper unter dem Namen der Corpora amylacea zusammengestellt[215]; erst

seitdem ich die Jodreaction gefunden habe, war ich in der Lage, nur

diejenigen in diese Bezeichnung einzuschliessen, welche die Reaction

geben. Dabei ist es sehr wohl möglich, dass die amylacische Substanz in

einem geschichteten Körper, der ursprünglich nichts davon enthielt,

nachträglich durch chemische Umwandlung entsteht.

[215] Würzb. Verhandl. II. 51.

Wesentlich verschieden sowohl von dem Glykogen, als noch mehr von diesen

Ausscheidungen stärkeartiger Substanz sind die =amyloiden Degenerationen

der Gewebe selbst=, wobei Gewebs-Elemente als solche sich direct mit

einer auf Jod reagirenden Substanz erfüllen und nach und nach so davon

durchdrungen werden, wie etwa die Durchdringung der Gewebe mit Kalk bei

der Verkalkung erfolgt. Man kann nicht füglich zwei Dinge besser

vergleichen, als die Verkalkung und die amyloide Entartung. -- Die

Substanz, welche diese eigentliche Degeneration der Gewebe bedingt, hat

die Eigenthümlichkeit, dass sie unter der Einwirkung von blossem Jod für

sich nie blau wird. Bis jetzt ist wenigstens kein Fall bekannt, wo

verändertes Parenchym der Gewebe diese Farbe angenommen hätte. Vielmehr

sieht man eine eigenthümlich gelbrothe Farbe entstehen, welche

allerdings in manchen Fällen einen leichten Stich ins Rothviolette

(Weinrothe) hat, so dass wenigstens eine Annäherung an das Blau der

Stärke-Masse hervortritt. Dagegen bekommt die Substanz häufig eine

wirkliche, sei es vollkommen blaue, sei es violette Farbe, wenn man

=recht vorsichtig= Schwefelsäure oder Chlorzink zufügt. Es gehört dazu

allerdings eine gewisse Uebung; man muss das Verhältniss gut treffen, da

die Schwefelsäure die Substanz gewöhnlich sehr schnell zerstört, und man

entweder sehr undeutliche Färbungen bekommt, oder die Farbe nur momentan

hervortritt und alsbald wieder verschwindet. Es ist also nöthig, das Jod

zuerst und zwar in =diluirten=, wässerigen Lösungen recht vollständig

einwirken zu lassen, was am besten geschieht, wenn man das Object mit

einer Präparirnadel sanft klopft, so dass man gleichsam das Jod in

dasselbe hineinpresst. Sodann entferne man die überflüssige Flüssigkeit

und setze einen ganz kleinen Tropfen =concentrirter= Schwefelsäure zu

und zwar so, dass er ganz langsam eindringt. Man muss zuweilen Stunden

lang warten, ehe die gute blaue Farbe eintritt. Somit steht diese

Substanz der eigentlichen Stärke weniger nahe, sondern nähert sich

vielmehr der Cellulose, die wir früher besprochen haben (S. 6). Allein

sie unterscheidet sich auch wiederum von der Cellulose dadurch, dass sie

durch die Einwirkung von Jod für sich schon eine Färbung erfährt,

während die eigentliche Cellulose durch blosses Jod überhaupt nicht

gefärbt wird. Denn die Cellulose verhält sich darin ganz wie

Cholestearin[216]. Wenn man nehmlich nur Jod zu dem Cholestearin

hinzusetzt, so sieht man keine Veränderung, ebensowenig wie an der

Cellulose; wenn man dagegen zu der jodhaltigen Cholestearinmasse

Schwefelsäure bringt, so färben sich die Cholestearintafeln und nehmen,

im Anfange namentlich, eine brillant indigoblaue Farbe an, welche

allmählich in ein Gelblichbraun übergeht, während die Cholestearintafel

zu einem bräunlichen Tropfen umgewandelt wird. Die Schwefelsäure für

sich verwandelt das Cholestearin in einen fettartig aussehenden Körper,

welcher weder Cholestearin noch eine Verbindung von Cholestearin und

Schwefelsäure, sondern ein Zersetzungsproduct des ersteren ist[217].

Auch die Schwefelsäure für sich gibt sehr schöne Farbenerscheinungen an

dem Cholestearin.

[216] Archiv IV. 418-21. VIII. 141. Würzb. Verhandl. VII. 228.

[217] Würzburger Verhandl. I. 314. Archiv XII. 103.

Bei dieser Mannichfaltigkeit der Reactionen ist es allerdings immer noch

sehr schwer mit Sicherheit zu sagen, wohin die Substanz gehört. =Meckel=

hat mit grosser Sorgfalt den Gedanken verfolgt, dass es sich um eine Art

von Fett handle, welches mit Cholestearin mehr oder weniger identisch

sei, allein wir kennen bis jetzt keinerlei Art von Fett, welches die

drei Eigenschaften, durch Jod für sich gefärbt zu werden, bei Einwirkung

von Schwefelsäure für sich farblos zu bleiben, und durch die combinirte

Einwirkung von Jod und Schwefelsäure eine blaue Farbe anzunehmen, in

sich vereinigte. Ausserdem verhält sich die Substanz selbst keinesweges

wie eine fettige Masse; sie besitzt nicht die Löslichkeit, welche das

Fett charakterisirt, insbesondere kann man bei der Extraction mit

Alkohol und Aether aus diesen Theilen keine Substanz gewinnen, welche

die Eigenthümlichkeiten der früheren besitzt. Nach Allem liegt also

vielmehr eine Uebereinstimmung mit pflanzlichen Formen vor (Verholzung),

und man kann immerhin die Ansicht festhalten, dass es sich hier um einen

Prozess handle, vergleichbar demjenigen, welchen wir bei der

Entwickelung einer Pflanze eintreten sehen, wenn die einfache Zelle sich

mit holzigen Capselschichten (Cellulose) umhüllt, -- ein Vorgang, bei

dem wahrscheinlich stickstoffhaltige Lagen in stickstofflose verwandelt

werden. Dass das thierische Amyloid aus einer stickstoffhaltigen,

möglicherweise eiweissartigen Substanz hervorgehe, ist kaum zu

bezweifeln. Nachdem schon =Kekule= und =Carl Schmidt= bei unserer

Substanz einen Stickstoffgehalt gefunden zu haben glaubten, ist durch

W. =Kühne= und =Rudnew= derselbe sicher nachgewiesen worden. Ausgehend

von der Erfahrung, dass das Amyloid gegen die verschiedenartigsten

Lösungsmittel sich fast ebenso resistent verhält, wie Cellulose,

wendeten sie Verdauungsflüssigkeiten auf amyloid entartete Gewebe an,

und es gelang ihnen so, die veränderten Theile zu isoliren und rein

darzustellen.

Am schönsten kann man diese Veränderungen verfolgen an denjenigen

Theilen, welche überhaupt als der häufigste und früheste Sitz derselben

betrachtet werden müssen, nehmlich an den =kleinsten Arterien=. Diese

erfahren überall zuerst die Umwandlung; erst, nachdem die Umänderung

ihrer Wandungen bis zu einem hohen Grade vorgerückt ist, kann die

Infiltration auf das umliegende Parenchym fortschreiten. Jedoch

geschieht dies keineswegs häufig; im Gegentheil atrophirt nicht selten

das Parenchym der Organe, während die Erkrankung sich von den Arterien

auf die Capillaren ausbreitet. Wenn wir in einer amyloiden Milz eine

kleine Arterie verfolgen, während sie sich in einen sogenannten

Penicillus auflöst, so sehen wir, wie ihre an sich schon starke Wand in

dem Maasse, als die Veränderung fortschreitet, noch dicker wird, und wie

dabei die Lichtung des Gefässes um ein Bedeutendes sich verkleinert.

Hieraus erklärt es sich, dass alle Organe, welche in einem bedeutenderen

Grade die amyloide Veränderung eingehen, überaus blass aussehen; es

entsteht eine Ischämie (S. 153) durch die Hemmung, welche die

verengerten Gefässe dem Einströmen des Blutes entgegensetzen und

wahrscheinlich in Folge davon die erwähnte Atrophie. Jedoch ist die

Verdickung der Gefässe so gross und so verbreitet, dass die befallenen

Organe trotz der Atrophie ihres Parenchyms grösser und schwerer werden.

Untersucht man nun, an welchen Gewebselementen der Gefässe der amyloide

Zustand sich zuerst findet, so scheinen es ziemlich constant die kleinen

Muskeln der Ringfaserhaut zu sein. Dabei tritt an die Stelle einer jeden

contractilen Faserzelle ein compactes, homogenes Gebilde, an welchem man

Anfangs die Stelle des Kernes noch wie eine Lücke erkennt, welches aber

nach und nach jede Spur von zelliger Structur einbüsst, so dass zuletzt

eine Art von spindelförmiger Scholle übrig bleibt, an welcher man weder

Membran, noch Kern, noch Inhalt unterscheiden kann. Bei der Verkalkung

kleiner Arterien findet genau derselbe Vorgang statt; die einzelne

Faserzelle der Muskelhaut nimmt Kalksalze auf, anfangs in körniger,

später in homogener Weise, bis sie endlich in eine gleichmässig

erscheinende Kalkspindel umgewandelt ist. So durchdringt auch die

amyloide Substanz ganze Partien des Gewebes, und die Wand der Arterie

verwandelt sich in einen zuletzt fast vollkommen gleichmässigen,

compacten, bei auffallendem Lichte glänzenden, farblosen Cylinder,

welcher nur nicht die Härte der verkalkten Theile, im Gegentheil einen

hohen Grad von Brüchigkeit besitzt. Die Venen leiden, mit Ausnahme der

mesenterialen und der in der Leber, selten und niemals in solchem Grade,

wie die Arterien. Dagegen kann die Veränderung der Capillaren einen

überaus hohen Grad erreichen.

[Illustration: =Fig=. 124. Amyloide Degeneration einer kleinen Arterie

aus der Submucosa des Darmes, bei noch intactem Stamm. Vergr. 300.]

Ist nun eine solche Veränderung bis zu einem gewissen Grade

vorgeschritten, so kann eine analoge Veränderung auch in dem Parenchym

der Organe eintreten. Diese Stadien kann man nirgend so deutlich

verfolgen, wie in der =Leber=. Hier geschieht es zuweilen, dass man ein

Stadium trifft, wo in dem ganzen Organe nichts weiter verändert ist, als

nur die kleineren Aeste der Arteria hepatica. Macht man feine

Durchschnitte durch die Leber, wäscht sie sorgfältig aus und bringt Jod

darauf, so bemerkt man zuweilen schon vom blossen Auge die kleinen

jodrothen Züge und Punkte, welche den durchschnittenen Aesten der

Arteria hepatica entsprechen. Von da kann sich der Prozess auf das

Capillarnetz der Acini fortsetzen und die Atrophie der Leberzellen

herbeiführen. Dabei leidet, was wiederum sehr charakteristisch ist,

gerade derjenige Theil der Acini zuerst, der am weitesten sowohl von

den interlobulären als von den intralobulären Venen entfernt ist. Man

kann nehmlich den pathologischen Veränderungen nach, die oft schon vom

blossen Auge zu erkennen sind, innerhalb eines jeden Acinus drei

verschiedene Zonen der Prädilection unterscheiden (Fig. 117). Die

äusserste Zone, welche zunächst den portalen (interlobulären) Aesten

liegt, ist der Hauptsitz der fettigen Infiltration; der intermediäre

Theil, welcher unmittelbar daran stösst, gehört der amyloiden

Degeneration an, und der centrale Theil des Acinus um die Vena hepatica

(intralobularis) ist der gewöhnlichste Sitz für Pigmentablagerung. Jede

dieser Veränderungen kann für sich bestehen, jedoch können sie auch alle

drei gleichzeitig vorhanden sein. In diesem Falle erkennt man schon mit

blossem Auge zwischen der äussersten gelbweissen und der innersten

gelbbraunen oder graubraunen Schicht die blasse, farblose,

durchscheinende und resistente Zone der wächsernen oder amyloiden

Veränderung.

Werden die Leberzellen selbst von dieser letzteren Veränderung

betroffen, so sieht man, dass der früher körnige Inhalt derselben, der

jeder Leberzelle ein leicht trübes Aussehen gibt, allmählich homogen

wird; Kern und Membran verschwinden, und endlich tritt ein Stadium ein,

wo man gar nichts weiter wahrnimmt, als einen absolut gleichmässigen,

leicht glänzenden Körper, so zu sagen, eine einfache Scholle. Auf diese

Weise gehen zuweilen in der beschriebenen Zone sämmtliche Leberzellen in

amyloide Schollen über. Erreicht der Prozess einen sehr hohen Grad, so

überschreitet endlich sogar die Veränderung diese Zone, und es kann

sein, dass fast die ganze Substanz der Acini in Amyloidmasse verwandelt

wird. Es entsteht hier endlich auch eine Art von Amyloidkörpern, nur

dass sie nicht geschichtet sind, wie die vorher besprochenen Corpora

amylacea; sie bilden gleichmässige homogene Körper, an welchen keine

innere Abtheilung, keine Andeutung ihrer eigenthümlichen

Bildungsgeschichte mehr zu erkennen ist.

Wenn man diese Thatsachen zusammennimmt, so erscheint es ziemlich

wahrscheinlich, dass es sich hier um eine allmähliche Durchdringung der

Theile mit einer Substanz handelt, die ihnen, wenn auch nicht fertig,

von aussen her zugeführt wird. Es ist dies eine Auffassung, welche

wesentlich durch die Thatsache unterstützt wird, dass fast immer, wenn

die amyloide Degeneration auftritt, der Prozess sich nicht auf eine

einzige Stelle beschränkt, sondern dass viele Orte und Organe

gleichzeitig im Körper ergriffen werden. Dadurch gewinnt in der That der

ganze Vorgang ein wesentlich dyscrasisches Aussehen.

Der einzige Ort, wo bis jetzt wenigstens eine ganz unabhängige

Entwickelung dieser Veränderung von mir bemerkt worden ist, und wo mit

einiger Wahrscheinlichkeit ein ursprünglicher Sitz der Bildung

angenommen werden kann, ist der =permanente Knorpel=[218]. Namentlich

bei älteren Leuten nehmen die Knorpel an verschiedenen Stellen, z. B. an

den Sternoclavicular-Gelenken, an den Symphysen des Beckens, an den

Intervertebral-Knorpeln, eine eigenthümlich blassgelbliche

Beschaffenheit an; dann kann man ziemlich sicher sein, dass, wenn man

die Jodreaction mit ihnen versucht, man auch die eigenthümliche Färbung

erlangen wird. Diese Farben kommen an den Knorpelzellen, jedoch noch

viel mehr an der Intercellularsubstanz vor, und da solche Fälle nicht

etwa mit Erkrankungen grosser innerer Organe zusammentreffen, sondern

ganz unabhängig bei Individuen eintreten, welche übrigens am Körper

nichts der Art zu erkennen geben, so scheint es, dass hier in der That

eine unmittelbare Transformation vorliegt, und dass es sich beim Knorpel

nicht um eine Einfuhr von aussen her handelt.

[218] Würzb. Verhandl. VII. 277. Archiv VIII. 364.

Alle anderen Formen der amyloiden Entartung haben ein constitutionelles,

mehr oder weniger dyscrasisches Ansehen. Allein vergeblich habe ich mich

bis jetzt bemüht, eine bestimmte Veränderung im Blute zu erkennen, aus

welcher man etwa schliessen könnte, dass das Blut wirklich der

Ausgangspunkt der Ablagerungen sei. Es existirt bis jetzt nur eine

einzige Beobachtung, welche auf die Anwesenheit analoger Elemente im

Blute hindeutet, und diese ist so sonderbar, dass man von ihr aus nicht

wohl eine Erklärung versuchen kann. Ein Arzt zu Toronto in Canada hatte

nehmlich auf den Wunsch eines Kranken, welcher an Epilepsie litt, das

Blut desselben untersucht und eigenthümliche blasse Körper im Blute

gesehen. Als er nun von meinen Beobachtungen über die Jodfärbung der

Corpora amylacea im Gehirne las, kam ihm der Kranke wieder in den Sinn,

und, ich glaube nach Verlauf von fünf Jahren, nahm er wieder Blut von

ihm und fand auch wieder die Körper, welche in der That Stärke-Reaction

gegeben haben sollen. Dieser Beobachtung gegenüber ist es sonderbar,

dass Niemand sonst jemals etwas der Art gesehen hat, und da es sich hier

um eine überaus dauerhafte Dyscrasie handeln müsste, so würde am

wenigsten aus dieser Beobachtung ein Schluss auf unsere Fälle gezogen

werden können, wo die Erkrankung offenbar in viel kürzerer Zeit sich

ausbildet und wo wir wenigstens im Blute nichts der Art haben entdecken

können. Ueberdies ist es mit jener Beobachtung eine missliche Sache.

Stärkekörner können sehr leicht in verschiedene Objecte hineinkommen, so

dass man (bei allem Respect gegen den Beobachter), so lange es sich um

eine ganz solitäre Beobachtung handelt, noch die Möglichkeit zulassen

muss, dass vielleicht eine Täuschung obgewaltet habe. Ist doch neuerlich

eine ähnliche Täuschung vorgekommen, als =Carter= und =Luys=

Stärkekörner als normalen Bestandtheil der menschlichen Hautabsonderung

gefunden zu haben glaubten. =Rouget= hat dargethan, dass es sich hier

immer um äussere Verunreinigung durch wirkliche pflanzliche Stärke

handelt. Und so bin ich bis jetzt viel mehr geneigt, anzunehmen, dass

das Blut in dieser Krankheit eine einfach chemische Veränderung in

seinen gelösten Bestandtheilen erfährt, als dass es die pathologischen

Substanzen in körniger Form enthält.

Jedenfalls ist es unzweifelhaft, dass die amyloide Veränderung für die

Pathologie einen ausserordentlich hohen Werth beansprucht. Es kann gar

nicht anders sein, als dass diejenigen Theile, welche der Sitz derselben

werden, ihre specielle Function einbüssen, dass z. B. Drüsenzellen,

welche auf diese Weise verändert werden, nicht mehr im Stande sind, ihre

besondere Drüsenfunction zu versehen, dass Gefässe nicht mehr der

Ernährung der Gewebe oder der Absonderung der Flüssigkeiten, für welche

sie sonst bestimmt sind, dienen können.

Aus solchen Erwägungen erklärt es sich leicht, dass physiologische

(klinische) Störungen so regelmässig mit diesen anatomischen

Veränderungen zusammentreffen. Wir finden einerseits ausgesprochene

Zustände der Kachexie, andererseits die überaus häufige Erscheinung von

Hydropsie mit der ganzen Complication von Veränderungen, wie sie

gewöhnlich unter dem Bilde der Brightschen Krankheit zusammengefasst

wird. Fast jedesmal, wo eine solche Erkrankung eine gewisse Höhe

erreicht, befinden sich die Kranken in einem hohen Grade von

Marasmus und Anämie. Es gibt Fälle, wo die ganze Ausdehnung des

Digestionstractus von der Mundhöhle bis zum After keine einzige feinere

Arterie besitzt, welche nicht in dieser Erkrankung sich befände, wo

jeder Theil des Oesophagus, des Magens, des Dünn- und Dickdarmes die

kleinen Arterien der Schleimhaut und der Submucosa in dieser Weise

verändert zeigt.

Es ist dies gerade in sofern eine äusserst bemerkenswerthe Thatsache,

als diese Art von Umwandelung am Darm, die für die Function so

entscheidend ist (Mangel an Resorption, Neigung zu Diarrhoe), für das

blosse Auge fast gar nicht erkennbar ist. Die Theile sind blass

(anämisch) und haben ein graues durchscheinendes, zuweilen leicht

wachsartiges Aussehen; allein dies ist doch so wenig charakteristisch,

dass man daraus nicht mit Sicherheit einen Rückschluss auf die inneren

Veränderungen machen kann, und dass die einzige Möglichkeit einer

Erkenntniss, wenn man kein Mikroskop zur Hand hat, in der directen

Application des Reagens besteht. Man braucht nur etwas Jod auf die

Fläche aufzutupfen, so sieht man schon vom blossen Auge sehr bald eine

Reihe von dicht stehenden, gelbrothen oder braunrothen Punkten

entstehen, während die zwischenliegende Schleimhaut einfach gelb

erscheint. Diese rothen Punkte sind die Zotten des Darmes; nimmt man

eine davon unter das Mikroskop, so sieht man die Wand der kleinen

Arterien und selbst der Capillaren, welche sich in ihr verbreiten,

zuweilen auch das Parenchym jodroth gefärbt. Ganz ähnlich lässt sich

auch an anderen Organen die Veränderung für dass blosse Auge durch Jod

sichtbar machen, sobald sie einmal einen höheren Grad erreicht hat.

Wendet man bloss Jodlösung an, so verschwindet die Färbung gewöhnlich

sehr bald oder sie tritt sehr schwer ein. Es scheint dies von der so

häufigen ammoniakalischen Zersetzung herzurühren, welche Leichentheile

so leicht eingehen. Daher empfiehlt es sich, nach der Jodanwendung etwas

Säure zuzusetzen, um die Alkalescenz des Gewebes aufzuheben. Dazu genügt

schon Essigsäure.

Nahezu die wichtigste Art der Amyloid-Erkrankung, welche wir bis jetzt

kennen, ist diejenige, welche in der Niere entsteht. Ein grosser Theil,

namentlich der chronischen Fälle von Brightscher Krankheit, gehört

dieser Veränderung an, muss also von vielen anderen ähnlichen Formen als

eine besondere, ganz und gar eigenthümliche Form abgelöst werden. Auch

diese Nieren hat man in Wien zu einer Zeit, wo die chemische Reaction

noch nicht bekannt war, Specknieren genannt. Ich muss aber wiederum

bemerken, dass es unmöglich ist, mit blossem Auge unmittelbar zu

erkennen, ob gerade diese Veränderung stattgefunden hat oder eine

andere, und dass ein Theil der sogenannten Specknieren nichts anderes

als indurirte Nieren waren. Von dieser Verwechselung einfach indurativer

Zustände (fibröser Degeneration) mit amyloiden schreibt sich nicht bloss

für die Nieren, sondern auch für Milz und Leber manche Verwirrung in den

Angaben der Schriftsteller her. Gerade an der Niere kann man eine

sichere Diagnose erst nach Jodanwendung machen, und auch da muss man

sich sorgfältig bemühen, zuerst so viel als möglich das Blut aus den

Gefässen auszuwaschen. Denn ein mit Blut gefülltes Gefäss zeigt nach

Anwendung des Jods genau dieselbe Farbe, welche ein mit Jod behandeltes,

amyloid degenerirtes Gefäss darbietet.

Die Cellularpathologie in ihrer Begründung auf physiologische und pathologische Gewebelehre · 第 41 / 54 段