des Fettes zur Leber etwas weiter zu verfolgen, und ich glaube danach
allerdings mit Bestimmtheit schliessen zu können, dass ein naher
Zusammenhang der physiologischen und pathologischen Formen besteht. Ich
fand nehmlich[201], dass einige Zeit nach der Digestion, und zwar etwas
später, als die Leberzellen die Fettfüllung zeigen, man einen ähnlichen
Zustand im Laufe der Gallenwege findet, und dass sowohl in den
Gallengängen, als in der Gallenblase das Epithel dieselben Erscheinungen
der Fett-Resorption wahrnehmen lässt, die wir vom Darmepithel kennen.
Man braucht, um sich eine Vorstellung davon zu machen, das Bild von
vorher (Fig. 116) nur umzukehren: anstatt einer Zotte, an welche das
Epithel aussen angelagert ist, denke man sich einen Kanal, welcher innen
mit Epithel ausgekleidet ist. Das feine Cylinderepithel in der
Gallenblase hat denselben streifigen Saum, wie das im Darm (Fig. 15),
und man sieht daran in derselben Weise, dass das Fett von aussen
eindringt, gegen die Tiefe weitergeht und nach einiger Zeit in die Wand
der Gallenwege übergeht. Ich habe diesen Vorgang bei jungen saugenden
Thieren nach der Digestion verfolgt; man kann sich da leicht überzeugen,
dass offenbar das Fett, welches eine Zeit lang in den Leberzellen
enthalten ist, von ihnen in die Gallenwege secernirt, hier aber
allmählich wieder resorbirt wird und so zum zweiten Male in die
Circulation zurückkehrt.
[201] Archiv XI. 574.
Ein solcher =intermediärer Stoffwechsel=, wo das Fett vom Darme in das
Blut, vom Blute in die Leber, von der Leber in die Galle und von da
wieder in Lymph- und Blutgefässe gelangt, welche zum rechten Herzen
zurückführen, setzt natürlich auch, wie die Resorption im Darme, für die
Rückfuhr günstige Verhältnisse voraus; tritt irgend eine Störung ein, so
wird es eben auch hier eine Retention geben und es werden nach und nach
an die Stelle der feinen Körner innerhalb der Zellen grosse Tropfen
treten. Das ist aber der Hergang, wie wir ihn in der Fettleber wirklich
antreffen.
[Illustration: =Fig=. 117. Die aneinander stossenden Hälften zweier
Leber-Acini. _p_ Ein Ast der Pfortader (von Bindegewebe umgeben), mit
Aesten _p_' _p_'', den Venae interlobulares entsprechend. _h_, _h_
Querschnitt der Vena intralobularis s. hepatica. _a_ die Zone des
Pigmentes, _b_ die des Amyloids, _c_ die des Fettes. Vergr. 20.]
In der Regel bemerkt man, wenn man eine Fettleber studirt, dass das Fett
hauptsächlich in derjenigen Zone der Acini abgelagert ist, welche
zunächst an die capillare Auflösung der Pfortaderäste anstösst (Fig.
117, _c_, _c_). Wenn man Durchschnitte des Organes mit blossem Auge
sorgfältig betrachtet, so bemerkt man an vielen Stellen Zeichnungen, wie
wenn man ein Eichenblatt mit seinen Rippen und Buchten vor sich hätte;
hier entspricht die Verbreitung der Pfortaderäste den Rippen, die
Fettzone der Substanz des Blattes. Je stärker die Infiltration wird, um
so breiter wird die Fettzone. Es gibt Fälle, wo das Fett die ganzen
Acini bis zur centralen (intralobulären) Leber-Vene (Fig. 117, _h_) hin
erfüllt, und wo jede einzelne Zelle mit Fett vollgestopft ist. In
seltenen Fällen kommt es freilich vor, dass wir gerade das Umgekehrte
finden, dass das Fett nehmlich in den Leberzellen um die Vena centralis
liegt; wahrscheinlich sind diese Fälle so zu deuten, dass das Fett schon
in der Ausscheidung begriffen ist und nur die letzten Zellen noch etwas
davon zurückhalten. Jedoch muss man sich hüten, eine Art von fettiger,
nekrobiotischer Atrophie, wie sie namentlich bei chronischer Cyanose
(Muskatnussleber) vorkommt, damit zu verwechseln.
Betrachten wir nun den Vorgang bei der Bildung der Fettleber im
Einzelnen, so zeigt sich, dass die Art, wie die Leberzellen sich füllen,
genau derjenigen entspricht, wie sich die Epithelzellen im Darme mit
Fett erfüllen. Zuerst finden wir in ihnen zerstreut ganz kleine
Fettkörnchen. Diese werden reichlicher, dichter und nach einiger Zeit
grösser; zugleich werden die Zellen grösser, schwellen an und zeigen
grössere und kleinere Tropfen von Fett (Fig. 29, _B_, _b_). Im höchsten
Grade der Anfüllung bieten sie denselben Habitus dar, wie die Zellen des
Fettgewebes: man sieht fast gar keine Membran und fast nie einen Kern,
doch sind beide immer noch vorhanden. Das ist der Zustand, welchen man
Fettleber im eigentlichen Sinne des Wortes nennt.
Auch hier haben wir, wie bei dem Fettgewebe, die =Persistenz der
Zellen=. Es ist irrig, zu meinen, dass in der gewöhnlichen Fettleber die
Zellen zu existiren aufhörten. Immer sind die Elemente des Organes
vorhanden, nur statt mit gewöhnlicher Inhaltssubstanz, fast ganz mit
Fetttropfen erfüllt. Auch kann es kaum zweifelhaft sein, dass sie in
diesem Zustande immer noch eine gewisse Masse functionsfähiger Substanz
enthalten. Denn bei manchen Thieren, z. B. den Fischen, von denen man
den Leberthran gewinnt, geht die Function des Organs vor sich, wenn auch
noch so viel Thran in den Zellen enthalten ist[202]. Auch beim Menschen
findet man, selbst in dem höchsten Grade der Fettleber, in der
Gallenblase noch Galle. Insofern kann man diese Zustände in Nichts
vergleichen mit den nekrobiotischen Zuständen, wie sie im Laufe der
fettigen Degeneration (Metamorphose) an so vielen Theilen erscheinen, wo
die Elemente zu Grunde gehen. Bei einer fettigen Degeneration im
strengeren Sinne des Wortes treffen wir nachher irgendwo mürbe,
erweichte Stellen, wo Fett in freien Tropfen vorkommt, gewissermaassen
fettige Abscesse. Davon ist hier nichts zu sehen. Es ist daher äusserst
wichtig, und ich halte es für die Auffassung dieser Form in hohem Maasse
entscheidend, dass in der Fettleber immer eine Persistenz der
histologischen Bestandtheile statthat, und dass, wenn ihre Zellen auch
noch so sehr mit Fett erfüllt sind, sie doch immer noch als Elemente
existiren. Daraus folgt, dass eine Fettleber heilbar ist, ohne dass es
dazu besonderer Regenerationsprozesse bedarf. Es gehört dazu nur, dass
die Bedingungen der Retention beseitigt und die Leberzellen wieder frei
von Fett werden. Freilich wissen wir weder das Eine, noch das Andere mit
Sicherheit. Wir kennen die Zustände nicht, welche das Fett festhalten,
noch die Bedingungen, unter welchen es wieder ausgetrieben werden kann.
Indess, nachdem man einmal so weit in der Erkenntniss des Mechanismus
der Fettfüllung ist, so wird es auch wahrscheinlich möglich sein, die
weiteren Thatsachen zu finden. Es wäre denkbar, dass einfach die
Elasticität der Gewebselemente von Bedeutung wäre, in der Art, dass wenn
die Zellmembranen erschlaffen, sie mit Leichtigkeit mehr Inhalt
einlassen und in sich dulden, während bei einer grossen Elasticität der
Membranen (Tonus) eher ein Entfernen, ein Auspressen des Inhaltes
erfolgen könnte. Auch ist gewiss der Zustand der Circulation von
Bedeutung: die verhältnissmässige Häufigkeit der Fettleber bei
chronischen Lungen- und Herzaffectionen ist gewiss nicht wenig dem
vergrösserten Drucke zuzuschreiben, unter dem das Venenblut steht.
[202] Archiv VII. 563.
Doch das sind für unsere jetzige Betrachtung Nebenfragen; worauf es mir
hauptsächlich ankam, das ist, den grossen Unterschied zu zeigen zwischen
dieser Art von fettiger Degeneration und derjenigen, welche wir vorher
bei den Muskeln erörtert haben. Während wir dort zwischen den
eigentlichen, specifischen Organbestandtheilen Fettzellen entstehen
sahen, welche dem Bindegewebe angehören, so sind es hier die
specifischen Drüsenzellen selbst, welche der Sitz des Fettes sind. Auf
der anderen Seite liegt der nicht minder grosse Unterschied von den
nekrobiotischen Prozessen der fettigen Degeneration, wobei die Elemente
als solche verschwinden, auf der Hand. --
Wenden wir uns nun zu der dritten Reihe von fettigen Zuständen, nehmlich
zu der mit Auflösung der Elemente zusammenfallenden nekrobiotischen, so
finden wir für sie, wie schon erwähnt, in der Secretion der Milch und
des Hauttalges die physiologischen Paradigmen. Dass diese beiden Secrete
sich einander analog verhalten, erklärt sich einfach daraus, dass die
Milchdrüse eigentlich nichts weiter ist, als eine colossal entwickelte
und eigenthümlich gestaltete Anhäufung von Hautdrüsen (Schmeer- oder
Talgdrüsen). Der Entwickelung nach stehen sich beide Reihen vollständig
gleich. Beide gehen durch eine progressive Wucherung aus den äusseren
Epidermisschichten hervor (S. 37. Fig. 19, _A_). Ebendahin gehören auch
die Ohrenschmalzdrüsen und die grossen Achseldrüsen. In allen diesen
Fällen entsteht das Fett, welches den Hauptbestandtheil der Milch,
wenigstens für die äussere Erscheinung, darstellt, sowie dasjenige,
welches den Schmeer liefert, zuerst im Innern von Epithelzellen, welche
allmählich zu Grunde gehen und das Fett frei werden lassen, während von
ihnen selbst kaum etwas erhalten bleibt.
[Illustration: =Fig=. 118. Haarbalg mit Talgdrüsen von der äusseren
Haut. _c_ das Haar, _b_ die Haarzwiebel, _e_, _e_ die von der Epidermis
sich in den Haarbalg einsenkenden Zellenschichten. _g_, _g_ Talgdrüsen im
Act der Schmeerabsonderung: das Secret bei _f_ neben dem Haar
heraufsteigend und sich ansammelnd. Vergr. 280.]
Die =Talgdrüsen= liegen im Allgemeinen seitlich an den Haarbälgen in
einiger Tiefe unter der Oberfläche; sie bestehen aus einer gewissen Zahl
von kleinen Läppchen, in welche eine Epithellage als Fortsetzung des
Rete Malpighii continuirlich hineingeht. Die Zellen dieser Epithellage
sind jedoch grösser, als die des Rete, so dass sie eine fast solide
Erfüllung der Drüsensäcke bilden. In dem Innern der ältesten (am meisten
nach innen gelegenen) Zellen scheidet sich das Fett zuerst in kleinen
Körnchen aus, diese werden bald grösser, und nach kurzer Zeit sieht man
schon nicht mehr deutlich die einzelnen Zellen, sondern nur
Zusammenhäufungen grosser Tropfen, welche aus der Drüse in den Haarbalg
hervortreten und endlich das an die Hautoberfläche hervortretende
Secret liefern (Fig. 118). Denken wir uns die Drüse in eine Fläche
ausgebreitet, so würde sich ihr Zellenlager darstellen, wie Rete
Malpighii und Epidermis, nur dass die ältesten, der Epidermis
vergleichbaren Zellen nicht verhornen, sondern durch fettige
Metamorphose zu Grunde gehen. Die jüngeren, dem Rete entsprechenden
Zellen vermehren sich inzwischen durch immer neue Wucherung. Die
Secretion ist also eine rein epitheliale, wie die Samen-Secretion (S.
39).
[Illustration: =Fig=. 119. Milchdrüse in der Lactation und Milch. _A_
Drüsenläppchen der Milchdrüse mit der hervorquellenden Milch. _B_
Milchkügelchen. _C_ Colostrum, _a_ deutliche Fettkörnchenzelle, _b_
dieselbe mit verschwindendem Kern. Vergr. 280.]
Dieser Hergang liefert uns zugleich ein genaues Schema für die
=Milchbildung=[203]. Man braucht sich nur die Gänge mehr verlängert, die
End-Acini mehr entwickelt zu denken; der Prozess bleibt im Wesentlichen
derselbe: die Zellen vermehren sich durch Wucherung, die gewucherten
Zellen gehen die fettige Metamorphose ein, zerfallen endlich und zuletzt
bleibt fast nichts Körperliches von ihnen übrig, als Fetttropfen. Am
meisten stimmt mit der gewöhnlichen Art der Schmeersecretion die
früheste Zeit der Lactation überein, welche das sogenannte =Colostrum=
liefert. Das Colostrumkörperchen (Fig. 119, _C_) ist die noch
zusammenhaltende Kugel[204], welche aus der fettigen Degeneration einer
Epithelialzelle hervorgeht. Die Colostrum- und die Schmeerbildung
unterscheiden sich nur dadurch, dass die Fettkörner bei der ersteren
kleiner bleiben. Während beim Schmeer sehr bald grosse Tropfen
auftreten, enthalten beim Colostrum die letzten Zellen, welche noch
bemerkt werden, gewöhnlich nur feine Fettkörnchen, ganz dicht gedrängt.
Hierdurch bekommt das ganze Element ein etwas bräunliches Aussehen,
obwohl das Fett selbst nur wenig gefärbt ist. Das ist das körnige
Körperchen (Corps granuleux) von =Donné=, die =Fettkörnchenkugel=.
[203] Archiv I. 182.
[204] Archiv I. 165 Note.
Die Entdeckung der allmählichen Umbildung von Zellen zu
Fettkörnchenkugeln haben wir =Benno Reinhardt= zu verdanken. Allein er
scheute sich noch, die wichtige Erfahrung von der Colostrumbildung auf
die Geschichte der Milch überhaupt auszudehnen, weil in der späteren
Zeit der eigentlichen Lactation granulirte Körperchen nicht mehr
vorkommen. Es ist aber unzweifelhaft, dass zwischen der früheren Bildung
der Colostrumkörper und der späteren Milchbildung kein anderer
Unterschied besteht, als der, dass bei der Colostrumbildung der Prozess
langsamer erfolgt und die Zellen länger zusammenhalten, während bei der
Milchsecretion der Prozess acut ist und die Zellen eher zu Grunde gehen.
Recht vollkommenes Colostrum enthält eine überaus grosse Masse von
granulirten Körpern, die Milch dagegen nichts weiter, als
verhältnissmässig grosse und kleine, durcheinander gemengte Tröpfchen
von Fett, die sogenannten =Milchkörperchen= (Fig. 119, _B_). Letztere
sind nichts als Fetttropfen, die, wie die meisten Fetttropfen, welche in
dem thierischen Körper vorkommen, von einer feinen Eiweisshaut, der von
=Ascherson= benannten Haptogenmembran, umschlossen sind. Die einzelnen
Tropfen (Milchkörperchen) entsprechen den Tropfen, welche wir bei der
Schmeerabsonderung antreffen; sie entstehen aus der Confluenz der feinen
Körnchen, welche bei der Colostrumabsonderung durch eine caseinöse
Zwischenmasse getrennt erscheinen.
Nachdem wir die physiologischen Typen der Fettmetamorphose besprochen
haben, so hat die Darstellung der pathologischen Vorgänge keine
Schwierigkeit mehr. Mit Ausnahme ganz weniger Gebilde, wie der rothen
Blutkörperchen, der Ganglienzellen und Nervenfasern in den
Central-Organen[205], können fast alle übrigen zelligen Theile unter
gewissen Verhältnissen eine ähnliche Umwandlung erfahren. Diese stellt
sich genau in derselben Weise dar: in dem Zelleninhalte erscheinen
einzelne feinste Fettkörnchen, werden reichlicher und erfüllen
allmählich den Zellenraum, ohne jedoch zu so grossen Tropfen
zusammenzufliessen, wie dies bei der Fettinfiltration und der
Fettgewebsbildung der Fall ist. Gewöhnlich tritt die Entwickelung von
Fettkörnchen zuerst in einiger Entfernung vom Kerne auf; sehr selten
beginnt sie vom Kerne aus. Das ist die Zelle, welche man seit längerer
Zeit =Körnchenzelle= genannt hat. Dann kommt ein Stadium, wo allerdings
noch Kern und Membran zu sehen sind, wo aber die Fettkörnchen so dicht
angehäuft sind, wie bei den Colostrumkörperchen; nur an der Stelle, wo
der Kern lag, findet sich noch eine kleine Lücke (Fig. 75, _b_). Von
diesem Stadium ist nur noch ein kleiner Schritt bis zum vollkommenen
Untergange der Zelle. Denn in dem Zustande der Körnchenzelle erhält sich
eine Zelle niemals längere Zeit; wenn sie einmal in dieses Stadium
eingetreten ist, so verschwinden gewöhnlich alsbald der Kern und die
Membran, soweit ersichtlich, durch Auflösung oder Erweichung. Dann haben
wir die einfache =Körnchenkugel=, oder wie man früher nach =Gluge= zu
sagen pflegte, die =Entzündungskugel= (Fig. 75, _c_).
[205] Archiv X. 407.
=Gluge= verfiel bei dieser Gelegenheit in einen der Irrthümer, wie sie
die Anfangsperiode der Mikrographie mehrfach gebracht hat. Er sah solche
Kugeln zuerst bei Untersuchung einer Niere im Innern eines Kanals, den
er für ein Blutgefäss hielt. Damals, wo die Lehre von der Stase die
Grundlage der Entzündungstheorie bildete, schien es ihm unzweifelhaft,
dass er ein Gefäss mit stagnirendem Inhalt vor sich habe, in welchem der
Inhalt (das Blut) zerfallen sei und die Entzündungskugeln erzeugt habe.
Leider war, wie wir jetzt bestimmt behaupten können, das Gefäss ein
Harnkanälchen, das, was er für Theile zerfallender Blutkörperchen ansah,
Fett, das, was er Entzündungskugeln nannte, fettig degenerirtes
Nierenepithel. Man hätte sich diesen Irrweg leicht ersparen können,
allein es gab damals wenige Leute, welche wussten, wie Harnkanälchen
aussehen, und wie sie sich von Gefässen unterscheiden, und so hat es
etwas lange gedauert, ehe jene Entzündungstheorie überwunden worden ist.
Gegenwärtig nennen wir das Ding eine Körnchenkugel und betrachten es als
das Product der vollendeten Degeneration, wo die Zelle nicht mehr als
Zelle erhalten ist, sondern wo bloss noch die rohe Form übrig ist, nach
vollständigem Verlust der die eigentliche Zelle constituirenden Theile,
der Membran und des Kernes. Von diesem Zeitpunkte an tritt je nach den
äusseren Verhältnissen entweder ein vollständiger Zerfall ein, oder die
Theile können sich noch im Zusammenhange erhalten. In weichen Theilen,
in denen von Anfang an viel Flüssigkeit (Saft) vorhanden ist, fallen
die Körnchen bald aus einander. Der Zusammenhang, in dem sie sich
ursprünglich befanden und Kugeln bildeten, welche durch einen Rest des
alten Zelleninhaltes zusammenklebten, löst sich allmählich; die Kugel
zerfällt in eine bröcklige Masse, welche oft noch an einzelnen Stellen
etwas zusammenhält, aus welcher sich aber ein Fetttropfen nach dem
andern ablöst. Der pathologische =Detritus= zeigt daher eine grosse
Uebereinstimmung mit der Milch.
Sehr schön sieht man diese Vorgänge am =Lungenepithel=[206] in den
späteren Stadien catarrhalischer Pneumonie, wo zuweilen die
Fettmetamorphose so reichlich ist, dass man die Lungen von weisslichen
Punkten oder Figuren, einer Art von fettigem Reticulum, durchsetzt
findet. Diese Stellen bieten eine besonders günstige Gelegenheit dar,
den Unterschied der Fettkörnchenzellen (Fig. 75) von anderen Formen der
Körnchenzellen kennen zu lernen. Gerade unter den Zellen, welche die
Alveolen solcher Lungen erfüllen, findet man sehr oft Pigmentzellen;
auch werden letztere bei solchen Leuten durch den Auswurf zuweilen in so
grosser Menge zu Tage gefördert, dass derselbe dadurch die bekannten
rauchgrauen Flecke bekommt (Fig. 8, _b_). Auf den ersten Blick ist es
ziemlich schwierig, einen Unterschied zwischen Fettkörnchen- und
Pigment-Zellen zu machen. In beiden Fällen liegt scheinbar dasselbe Bild
vor. Man sieht runde, mit kleinen dunklen Körnchen gefüllte und auch im
Ganzen dunkel (schwärzlich) erscheinende Kugeln. Denn auch bei
feinkörniger Fettmetamorphose erscheinen die veränderten Zellen im
durchfallenden Lichte als gelbbraune oder schwärzliche Körperchen, aber
ihre einzelnen Theilchen besitzen keine positive Farbe und das farbige
Aussehen ist nur ein Interferenzphänomen. Die Pigmentkörnchenzellen
dagegen enthalten unzweifelhaften braunen, grauen oder schwarzen
Farbstoff, der an den einzelnen Körnern haftet.
[206] Beiträge zur experim. Pathologie. 1846. Heft II. 83. Gesammelte
Abhandl. 280. Archiv I. 145, 461.
Die Unterscheidung der gewöhnlichen Körnchenzellen, womit man nach dem
angenommenen Sprachgebrauche die Fettkörnchenzellen meint, ist aber sehr
wesentlich, da wir auch an anderen Punkten, z. B. am =Gehirn=, beide
Arten von Körnchenzellen, Fett haltende und Pigment haltende,
nebeneinander finden, und, wenn es sich um die Veränderung kleinerer
Stellen handelt, es für die Deutung des Fundes entscheidend ist, zu
wissen, ob es sich um Fett oder um Pigment handelt. Auch am Gehirn kann
die Anhäufung vieler kleiner Fetttheilchen durch die Vervielfältigung
der lichtbrechenden Punkte für das blosse Auge eine intensiv gelbe Farbe
bedingen, und so eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Aussehen
apoplektischer Stellen erzeugen, bei denen die Farbe von verändertem
Blutpigment abhängt (S. 177). Der verschiedene Gehalt an Fett und der
Grad der Zertheilung desselben erzeugt eine überaus grosse Reihe von
Farben-Verschiedenheiten, welche sich auch für die gröbere Anschauung
sehr deutlich zu erkennen geben. Je feiner und dichter gelagert die
fettigen Theile sind, um so mehr entsteht auch für das blosse Auge ein
rein gelbes oder bräunlich-gelbes Aussehen. Was wir gelbe Hirnerweichung
nennen, ist nichts weiter, als eine Form der Fettmetamorphose, wo das
gelbe Aussehen der Heerde durch die Anhäufung feinkörnigen Fettes
bedingt ist[207]. Sobald dieses entfernt wird, so verschwindet auch die
Farbe, obgleich das extrahirte Fett gar nicht so gefärbt ist, wie die
Stelle, von welcher es herstammt. Die Lichtbrechung zwischen den
kleinsten Partikeln ist die Hauptbedingung für dieses Farbenphänomen.
[207] Archiv I. 147, 323, 355, 358, 454. X. 407.
Besonders ausgezeichnet ist diese Färbung an dem =Corpus luteum= des
Eierstocks[208]. Ich führe letzteres hauptsächlich deshalb an, weil man
daran ersehen kann, wie grobe Resultate die Fettmetamorphose für die
grobe Anschauung darbieten kann. Macht man einen Schnitt in das Ovarium
senkrecht von der Oberfläche hinein an der Stelle, wo eine kleine
Prominenz und eine kleine Lücke der Albuginea den Ort bezeichnen, wo der
Follikel geborsten und das Ovulum ausgetreten ist (Fig. 120, _B_), so
sieht man, wenn das Corpus luteum frisch ist, um einen rothen Klumpen
die sehr breite, gelbweisse Schicht (Fig. 120, _A_, _a_), von welcher der
Körper seinen Namen hat. Bei einem puerperalen Corpus luteum hat diese
Schicht eine sehr grosse Dicke und eine mehr gelbröthliche Farbe; bei
dem menstrualen ist sie schmäler und nach innen sehr scharf abgesetzt
gegen den frisch extravasirten Inhalt, welcher das durch den Austritt
des Eichens entleerte Bläschen gefüllt hat. Diese innere rothe Masse
ist ganz und gar Thrombus, Blutgerinnsel. Die äussere Schicht dagegen
besteht wesentlich aus fettig degenerirten Zellen, und die gelbe Farbe,
welche sie besitzt, ist bedingt durch die Brechung des Lichtes, welche
die vielen kleinen Partikelchen des Fettes hervorbringen. Auch dies ist
kein eigentliches Pigment, sondern eine Interferenzfarbe.
[208] Archiv I. 411, 446.
[Illustration: =Fig=. 120. Bildung des Corpus luteum im menschlichen
Eierstock. _A_ Durchschnitt des Eierstockes: _a_ frisch geplatzter und
mit geronnenem Blut (Extravasat, Thrombus) gefüllter Follikel, an dessen
Umfange die dünne gelbe Schicht liegt; _b_ ein schon gefalteter, mit
verkleinertem Thrombus und verdickter Wand versehener, früher
geborstener Follikel; _c_, _d_ noch weiter vorgerückte Rückbildung. _B_
Aeussere Oberfläche des Eierstockes mit der frischen Rupturstelle des
Follikels, aus dessen Höhle der Thrombus hervorsieht. Natürliche
Grösse.]
Es versteht sich von selbst, dass an jedem Punkte, wo die fettige
Degeneration einen hohen Grad erreicht, zugleich eine grosse Opacität
sich einstellt. Durchsichtige Theile werden ganz undurchsichtig, wenn
sie fettig entarten; das sieht man am besten an der =Hornhaut=, deren
fettige Trübung im Arcus senilis (Gerontoxon) so stark werden kann, dass
eine ganz undurchsichtige Zone entsteht[209]. Selbst an solchen Organen,
wo die Theile von vornherein nicht durchsichtig, sondern nur
durchscheinend waren, tritt in dem Maasse, als der Prozess der fettigen
Degeneration vorrückt, eine vollkommene Trübung ein.
[209] Archiv IV. 288.