Ueber die durch die Neubildung (Neoplasie) entstehenden Gewebe,

insbesondere über die pathologischen, habe ich früher, namentlich im

vierten Capitel, weitläufiger gehandelt; auch werden wir später darauf

noch weiter zurückkommen. Hier genügt es festgestellt zu haben, dass die

im strengsten Sinne =productive und positive Leistung der Neubildung von

der formativen oder plastischen Thätigkeit der Elemente ausgeht=, nicht

von beliebigen, mit den Ernährungsstoffen mehr oder weniger identischen

Substanzen, die man noch vor Kurzem als =histogenetische= bezeichnete.

Dass auch im Innern der Gewebselemente gewisse Substanzen die Träger der

formativen Reizbarkeit seien, soll damit natürlich nicht ausgeschlossen

sein; der chemischen Forschung ist hier ein gewiss sehr lohnendes Feld

noch vorbehalten. Wir, als Biologen, haben zunächst den Gewinn

festzuhalten, dass es eine =Lebensthätigkeit= der geformten Elemente

ist, neue Elemente hervorzubringen, und zwar eine Thätigkeit, welche an

den Elementen selbst haftet, wenngleich äussere Reize dazu gehören, um

sie in Wirksamkeit zu setzen. Diese =formativen Reize= können sehr

mannichfaltiger Art sein: mechanische, chemische, physikalische. Wie die

Spermatozoiden die Eizelle zu ihrer plastischen Thätigkeit reizen, so

sind es andere Stoffe katalytischer Art, welche andere Zellen zu oft

ebenso wunderbaren Leistungen anregen.

Immer handelt es sich dabei um Akte, welche durchaus gar keine

Verschiedenheit in ihrem Geschehen erkennen lassen, mag der Theil

nervenhaltig oder nervenlos sein, Gefässe führen oder nicht. Demnach

können wir also auch nicht sagen, dass irgend etwas von diesen Vorgängen

mit Nothwendigkeit gebunden erschiene an Nerven- und Gefässthätigkeit;

im Gegentheil, wir werden hier auf die Theile selbst gewiesen. Die

Beziehung der Gefässe ist durchaus nicht in dem Sinne zu deuten, wie man

dies gewöhnlich thut, dass die Zufuhr reichlicheren Materials, die

Exsudation von Plasma das Bestimmende ist; die Aufnahme von Material in

das Innere der Elemente, aus welchem die Vergrösserung und die späteren

Theile hervorgehen sollen, ist vielmehr unzweifelhaft ein Akt der

Elemente selbst. Denn wir haben bis jetzt gar keinen Modus, auf irgend

einem Wege der Experimentation durch eine primär die Gefässe treffende

Einwirkung eine Wucherung der Zellen in dem =gesunden= Körper

hervorzurufen. Man kann die Circulation in den Theilen steigern, so weit

sie zu steigern ist, ohne dass daraus eine Schwellung oder Vermehrung

der Elemente unmittelbar folgte. Gerade die schon früher erwähnten

Experimente mit der Durchschneidung des Sympathicus haben bekanntlich

ergeben, -- ich selbst habe diese Experimente sehr häufig angestellt und

in diesem Sinne verfolgt[180], -- dass ein vermehrter Zustrom von Blut

(Fluxion, Congestion, Hyperämie) Wochen lang bestehen kann, ein Zustrom

von Blut, welcher mit starker Steigerung der Temperatur und

entsprechender Röthung verbunden ist, so gross, wie wir sie irgend in

Entzündungen antreffen, ohne dass dadurch die Zellen des Theiles im

Mindesten vergrössert oder gar an ihnen Vorgänge der Wucherung

herbeigeführt werden (S. 158). Wenn man nicht die Gewebe selbst reizt,

die Irritation in die Theile selbst einbringt, sei es, dass man die

reizenden Stoffe von aussen oder von dem Blute aus wirken lässt, so kann

man nicht auf den Eintritt dieser Veränderungen rechnen. Das ist der

wesentliche Grund, aus welchem ich folgere, dass diese unzweifelhaft

aktiven Vorgänge in der besonderen Thätigkeit der Elementartheile

begründet sind, -- einer Thätigkeit, welche nicht an vermehrten Zustrom

von Blut gebunden ist, welche freilich dadurch begünstigt wird, aber

auch vollständig unabhängig davon vor sich gehen kann, und =welche sich

ebenso deutlich an gefässlosen Theilen darstellt=[181].

[180] Spec. Pathologie und Ther. I. 274.

[181] Ebendaselbst I. 62, 152.

Schon bei einer früheren Gelegenheit[182] habe ich darauf hingewiesen,

dass Zunahme der Ernährung in dem Sinne, dass damit eine Vergrösserung

und Vermehrung der Elementartheile des Körpers bezeichnet wird, nicht

identisch sei mit Steigerung des Stoffwechsels, welche in einem bloss

vermehrten Umsatz der Gewebstheile bestehen könne. Ein solcher

vermehrter Umsatz mag immerhin in einem Theile stattfinden, zu dem mehr

Ernährungsmaterial strömt, eben so wie in der Regel ein Mensch, der viel

isst, auch mehr umsetzt und ausscheidet, als einer, der wenig Nahrung zu

sich nimmt. Das blosse Vielessen macht aber noch nicht dick und stark.

Ein Organ, welches in Folge einer vermehrten Zuströmung von Blut

(Fluxion) mehr Stoff in sich aufnehmen und =festhalten= (fixiren,

assimiliren) soll, muss in einen gewissen Zustand der Erregung (Reizung)

versetzt werden. Diese Erregung kann durch das zuströmende Blut gesetzt

werden. Entweder enthält dieses Blut besondere Stoffe, welche auf den

Theil erregend einwirken, wie Excretstoffe auf die Excretionsorgane,

oder der Theil befindet sich in einem solchen Zustande von Reizbarkeit,

dass auch das gewöhnliche Blut genügt, um die Erregung wirklich

hervorzurufen. Letzterer Fall führt auf die wichtige, wenngleich in

neuerer Zeit so sehr vernachlässigte Lehre von den =Prädispositionen=,

also auf präexistirende krankhafte oder wenigstens mangelhafte Zustände

der Organe[183]. Diese können uns aber um so weniger bestimmen, für

gesunde Organe eine gleiche Einwirkung zuzulassen, als ja gerade der

krankhafte Zustand der prädisponirten Theile (loci minoris resistentiae)

uns wiederum auf die Frage von der Bedeutung der Theile selbst

hinleitet.

[182] Spec. Pathologie und Ther. I. 327.

[183] Ebendaselbst I. 21, 23, 78, 152, 281, 289, 340.

Ganz ähnlich, wie mit der Einwirkung der Gefässe, verhält es sich mit

der Einwirkung der Nerven, auf welche man früher so grossen Werth legte.

Zunächst muss man erwägen, dass die neueren Erfahrungen allmählich die

Lehre von den sogenannten =neuroparalytischen Entzündungen= gänzlich

verändert haben[184]. Die beiden Nerven, um die es sich bei der

Discussion der entzündlichen Phänomene fast ausschliesslich gehandelt

hat, sind der Vagus und der Trigeminus, nach deren Durchschneidung man

in dem einen Falle Pneumonie, in dem anderen die berühmten Veränderungen

des Augapfels, namentlich der Cornea, eintreten sah. Diese Erfahrungen

haben sich dahin aufgelöst, dass allerdings nach dem Durchschneiden

Entzündungen eintreten können, dass diese aber so gedeutet werden

müssen, dass sie =trotz der Durchschneidung auftraten=. Vom Vagus ist es

bekanntlich schon vor längerer Zeit durch =Traube= dargethan worden,

dass die Lähmung der Stimmritze, welche das Eintreten von

Mundflüssigkeiten in die Luftwege erleichtert, ein Hauptmittel für die

Entstehung der Entzündung ist. Die genauere Deutung der

pathologisch-anatomischen Befunde hat überdies herausgestellt, dass sehr

Vieles von dem, was man Pneumonie genannt hatte, eben nichts weiter als

Atelectase mit Hyperämie der Theile war; die wirkliche Pneumonie ist

sicher zu vermeiden, wenn die Möglichkeit des Hineingelangens fremder

Körper in die Bronchien abgeschnitten wird. Dasselbe ist für die

Trigeminus-Entzündungen erreicht worden, und zwar durch ein sehr

einfaches Experiment. Nachdem man sich früher auf die mannichfachste

Weise bemüht hatte, die verschiedenen störenden Einwirkungen auf das

seiner Empfindung beraubte Auge zu beseitigen, so ist es endlich in

Utrecht gelungen, ein sehr einfaches Mittel zu finden, um dem Auge

wieder einen empfindlichen Apparat zu substituiren; =Snellen= nähte bei

Thieren, welchen er den Trigeminus durchschnitten hatte, das empfindende

Ohr vor das Auge. Von der Zeit an bekamen die Thiere keine Entzündungen

mehr, indem einerseits ein directer Schutz gegeben, andererseits die

Thiere durch die Anwesenheit einer empfindenden Decke vor traumatischen

Einwirkungen auf das Auge bewahrt wurden. So wie man die Empfindung,

nicht am Auge selbst, sondern nur vor dem Auge herstellte, so war damit

auch die an sich rein traumatische Entzündung beseitigt.

[184] Archiv VIII. 33. Vergl. Spec. Pathol. I. 51.

=Bernard= hat gegen dieses Experiment eingewendet, dass es nicht

constante Resultate ergebe, und dass überhaupt die Nervendurchschneidung

bei =geschwächten= Thieren sehr leicht Ernährungsstörungen und selbst

Entzündungen erzeuge. Dieses kann gewiss nicht geleugnet werden und ist

wenigstens von mir nie geleugnet worden. Im Gegentheil habe ich immer

auf diese =asthenischen Entzündungen=, die ja in der Pathologie stets

anerkannt worden sind und sich der täglichen Beobachtung des Arztes wie

in natürlichen Experimenten darbieten, hingewiesen. »=Die asthenischen

Entzündungen sind als reine Entzündungen in geschwächten Theilen oder

Körpern zu betrachten=«, so habe ich vor 17 Jahren meine Anschauung

formulirt[185]; den Unterschied sthenischer und asthenischer Formen aber

fand ich darin, dass bei den ersteren ein grösserer Bruchtheil der

constituirenden Gewebspartikeln unverändert, noch kräftig bleibe, und

dass damit eine grössere Möglichkeit der Ausgleichung der Störungen

gegeben sei, indem von demjenigen Bruchtheile aus, der seine Integrität

bewahrt hat, die Regulation ausgehen könne.

[185] Spec. Pathologie und Ther. I. 80.

Weiter hin habe ich, wie schon früher =Valentin=, hervorgehoben,

dass »=mit dem Nachlasse der Innervation ein Nachlass der

Widerstandsfähigkeit der Theile oder kurz, eine grössere Prädisposition

zu Erkrankungen hervortrete=«[186]. Ich habe ferner in einer

Vollständigkeit, wie vor mir kein anderer Autor, eine ganze Klasse von

Störungen unter der Bezeichnung der =neurotischen Atrophien= gesammelt

und dadurch den Schluss befestigt, dass unzweifelhaft eine Einwirkung

des Nervensystems auf die Gewebe bestehe[187]. Aber ich muss noch heute,

wie damals, aussagen, dass diese Thatsachen in keiner Weise darthun,

dass es bestimmte Nerven giebt, welche der Ernährung vorstehen, und dass

die Einwirkung dieser Nerven eine directe ist. Jedenfalls ist in allen

Fällen von Neuroparalyse der Mangel an Innervation nur ein Grund der

Schwächung, aber nicht ein Grund der Reizung. Diese geht von anderen

Einwirkungen aus, welche das Gewebe erfährt, aber sie steigert sich

leicht zur Entzündung, weil das Gewebe weniger befähigt zur Regulation

ist und weil also jede Störung dauerhafter und energischer wirkt, als an

einem gesunden Theile. In welcher Ausdehnung diese Entzündung, welche

man immerhin eine neuroparalytische nennen kann, sich ausdehnen und

zerstörend wirken kann, habe ich in der Geschichte der Lepra

anaesthetica dargethan[188].

[186] Ebendaselbst I. 276. Vergl. Archiv IV. 275.

[187] Ebendaselbst I. 319, 323. Gesammelte Abhandl. 689. Entwickelung

des Schädelgrundes 109.

[188] Geschwülste II. 528.

Eine ganz andere Gestaltung hat jedoch diese Frage angenommen, seitdem

=Samuel= den Nachweis trophischer Nerven durch Versuche darzuthun

gesucht hat, in denen entzündliche Reizung der Theile durch starke

Erregung der Nerven hervorgebracht werden sollte. Dies wäre also gerade

das umgekehrte der neuroparalytischen Entzündungen, und es ist nur das

Auffällige dabei, dass der Verlauf der Localprozesse genau derselbe sein

soll, wie der früher bei Durchschneidung, also Lähmung der Nerven

beobachtete. Eine genauere Prüfung dieser Versuche ist dringend

nothwendig; sollte sich dabei ihre Richtigkeit herausstellen, so würde

doch daraus nur folgen, wie =Samuel= selbst sehr richtig dargelegt hat,

dass auch von den Nerven aus den Theilen wirkliche Entzündungsreize

zugeführt werden können.

Die Frage von der selbständigen Thätigkeit (Autonomie) der Elemente des

Gewebes wird davon nicht im Geringsten berührt. Denn wir können sowohl

an gelähmten, als an ganz und gar =nervenlosen= Theilen durch directe

Irritamente dieselben Reizungsvorgänge hervorrufen, welche wir an

unveränderten und nervenreichen Theilen erzeugen. Schnelligkeit, Grad

und Ausdehnung der Prozesse mögen verschieden sein, die Prozesse selbst

sind es nicht. Mindestens dürfen wir auch jetzt noch sagen: es ist gar

keine Form von irritativen Störungen bekannt, welche aus der

aufgehobenen Action eines Nerven direct hergeleitet werden könnte. Ein

Theil kann gelähmt sein, ohne dass er sich entzündet; er kann

anästhetisch sein, ohne dieser Gefahr unmittelbar ausgesetzt zu sein. Es

bedarf immer noch eines besonderen Reizes, sei es mechanischer oder

chemischer Art, sei es von aussen oder vom Blute her, um die

eigenthümliche Erregung der an sich autonomen Gewebselemente zu Stande

zu bringen. Auf diese Weise gewinnen wir eine Reihe von Verbindungen

zwischen eminent pathologischen Thatsachen und den nächsten Vorgängen

des physiologischen Lebens, Thatsachen, welche aber nur dann in ihrer

besonderen Bedeutung sich erkennen und definiren lassen, wenn man eben

die Scheidungen macht, welche ich im Anfange dieses Capitels hervorhob,

das heisst, wenn man die Erregungen je nach ihrem functionellen,

nutritiven oder formativen Werthe trennt. Wirft man sie zusammen, wie es

in der Lehre von der Innervation fast immer geschehen ist, sondert man

namentlich nicht die formativen und nutritiven Vorgänge, dann kommt man

auch zu keiner einfachen Erklärung der Erscheinungen.

Dies gilt namentlich für die eigentlich =entzündlichen Reizungen=. Sie

lassen überhaupt nie eine einfache Deutung zu, weil es sich dabei um

keine einfachen (elementaren) Prozesse handelt[189]. In der Entzündung

finden wir neben einander alle möglichen Formen der Reizung. Ja wir

sehen sehr häufig, dass, wenn das Organ selbst aus verschiedenen Theilen

zusammengesetzt ist, der eine Theil des Gewebes sich functionell oder

nutritiv, der andere dagegen sich formativ verändert. Wenn man einen

Muskel ins Auge fasst, so wird ein chemischer oder traumatischer Reiz an

den Primitivbündeln desselben vielleicht in dem ersten Moment eine

functionelle Reizung setzen: der Muskel zieht sich zusammen; dann aber

stellen sich nutritive Störungen (trübe Schwellung) oder formative

Veränderungen (Kernvermehrung) ein. Im Zwischen-Bindegewebe, welches die

einzelnen Muskelbündel zusammenhält, gibt es meist sofort wirkliche

Neubildungen, sehr leicht Eiter. Hier handelt es sich also um eine

wesentlich formative Reizung, während das entzündete Primitivbündel in

sich weder Eiter, noch neue Muskelsubstanz zu erzeugen pflegt; vielmehr

treten hier bei einer gewissen Höhe der Reizung am häufigsten

degenerative nutritive Prozesse ein. Auf diese Weise kann man die drei

Formen der Reizung an einem und demselben Organ von einander trennen.

Natürlich kann dabei auch gleichzeitig noch eine Exsudation und eine

Reizung der Nerven bestehen, aber letztere hat (zumal wenn man von der

Function des Organs absieht) mit den Prozessen im eigentlichen Gewebe

keinen Zusammenhang von Ursache und Wirkung, sondern sie ist ein

Collateraleffect der ursprünglichen Störung. Für den Krankheitsprozess

im Ganzen mag sie eine grosse Bedeutung erlangen, sei es, dass der

Schmerz als ein hervorstechendes Symptom sich fühlbar macht, sei es,

dass directe oder reflektorische Veränderungen an den Gefässen dadurch

herbeigeführt werden. Letztere können einen grossen Einfluss auf die

eintretenden Transsudationen ausüben und so eine neue Complication

darstellen. Aber es ist leicht ersichtlich, dass mit jeder neuen

Complication das Krankheitsbild eben auch ein mehr zusammengesetztes

wird, und dass man sich nicht einem einheitlichen Prozesse, sondern

vielmehr einem Collektivprozesse gegenüber sieht. Die Entzündung als

solche aber bedarf weder der Nerven, noch der Gefässe, weder des

Schmerzes, noch der Exsudation: sie kann als einfach nutritiver oder

formativer Vorgang bestehen, von anderen ähnlichen nur ausgezeichnet

durch den Charakter der Acuität und namentlich der Gefahr[190].

[189] Archiv IV. 279.

[190] Handb. der spec. Pathologie und Therapie. I. 76.

Diese Erfahrung ist meines Erachtens als der für die ärztliche

Anschauung wichtigste Erwerb meiner speciellen histologischen

Untersuchungen anzusehen, und er ist um so sicherer, als man ihn sowohl

durch das Experiment, als durch physiologische und pathologische

Erfahrung controliren kann. Später werde ich zeigen, wie das Studium der

entzündlichen Prozesse dadurch eine klarere Auffassung gewinnt.

Siebzehntes Capitel.

Passive Vorgänge. Fettige Degeneration.

Die passiven Vorgänge in ihren beiden Hauptrichtungen zur

Degeneration: Nekrobiose (Erweichung und Zerfall) und Induration.

Die fettige Degeneration. Histologische Geschichte des Fettes im

Thierkörper: das Fett als Gewebsbestandtheil, als transitorische

Infiltration und als nekrobiotischer Stoff.

Das Fettgewebe. Polysarcie. Fettgeschwülste. Die interstitielle

Fettbildung. Fettige Degeneration der Muskeln.

Die Fettinfiltration und Fettretention. Darm: Structur und Function

der Zotten. Resorption und Retention des Chylus. Leber:

intermediärer Stoffwechsel durch die Gallengänge. Fettleber.

Die Fettmetamorphose. Drüsen: Secretion des Hautschmeers und der

Milch (Colostrum). Körnchenzellen und Körnchenkugeln.

Entzündungskugeln. Fettmetamorphose des Lungenepithels. Gelbe

Hirnerweichung. Corpus Inteum des Eierstocks. Arcus senilis der

Hornhaut. Morbus Brightii. Optisches Verhalten der fettig

metamorphosirten Gewebe. -- Muskeln: Fettmetamorphose des

Herzfleisches. Fettbildung in den Muskeln bei Verkrümmungen. --

Arterie: fettige Usur und Atherom. Fettiger Detritus.

Bis jetzt habe ich fast nur von den Thätigkeiten der Zellen gehandelt

und von den Vorgängen, welche an ihnen eintreten, wenn sie ihre

Lebendigkeit auf irgend eine äussere Einwirkung hin zu erkennen geben.

Es gibt aber im Körper auch eine ziemlich grosse Reihe von =passiven

Vorgängen=[191], welche verlaufen, ohne dass dabei eine besondere

Thätigkeit der Elemente nachweisbar wäre, ja welche häufig unmittelbar

durch eine Hemmung der Thätigkeit bedingt werden. Es wird nützlich sein,

bevor wir in der Darstellung der activen Prozesse weiter gehen, diese

passiven Vorgänge etwas genauer zu besprechen. Denn die

Leidensgeschichte der Zellen, von welcher die Pathologie den Namen

trägt, ist zusammengesetzt aus Vorgängen, welche der activen, und

solchen, welche der passiven Reihe angehören; ja, das grobe Resultat,

der sogenannte Krankheitsausgang, hat trotz des verschiedenen Charakters

der Prozesse in vielen Fällen eine so grosse Uebereinstimmung, dass die

endlichen Veränderungen, welche wir nach einer gewissen Zeitdauer des

Prozesses antreffen, in beiden Reihen nahezu dieselben sein können. Aus

diesem Grunde ist es eine Zeit lang sehr schwer gewesen, Grenzen

zwischen den zwei Reihen zu ziehen, und ein grosser Theil der

Verwirrung, welche die Anfangsperiode der mikroskopischen Bestrebungen

bezeichnete, ist bedingt gewesen durch die ausserordentliche

Schwierigkeit, die activen und passiven Störungen auseinander zu

bringen.

[191] Archiv IX. 51. XIV. 8. Spec. Pathol. u. Ther. I. 10.

Passive Störungen nenne ich diejenigen Veränderungen der Elemente, wobei

sie in Folge äusserer ungünstiger Bedingungen sofort entweder bloss

Einbusse an Wirkungsfähigkeit erleiden, oder vollständig zu Grunde

gehen, in welchem Falle natürlich ein Substanzverlust, ein Defect, eine

Verminderung der Summe der Körperbestandtheile entsteht. Beide Reihen

von passiven Vorgängen zusammengenommen, diejenigen, welche sich durch

Schwächung zu erkennen geben, und diejenigen, welche mit vollständigem

Untergange der Theile endigen, bilden das Hauptgebiet der sogenannten

=Degenerationen=, obwohl, wie wir späterhin noch genauer betrachten

müssen, auch in der Reihe der activen Prozesse ein grosser Theil

desjenigen unterzubringen ist, was man degenerativ nennt.

Es ist natürlich ein wesentlicher Unterschied, ob ein Element überhaupt

als solches bestehen bleibt, oder ob es ganz und gar untergeht, ob es am

Ende des Prozesses, wenn auch in einem Zustande sehr verminderter

Leistungsfähigkeit, noch vorhanden ist, oder ob es überhaupt ganz

zerstört ist. Darin liegt für die praktische, namentlich für die

prognostische Auffassung die grosse Scheidung, dass für die eine Reihe

von Prozessen die Möglichkeit einer Reparation der Zellen besteht

(=nutritive Restitution=), während in der anderen eine direkte

Reparation unmöglich ist und eine Herstellung nur geschehen kann durch

einen Ersatz vermittelst neuer Elemente von der Nachbarschaft her

(=regenerative= oder =formative Restitution=). Denn wenn ein Element zu

Grunde gegangen ist, so ist natürlich von ihm aus keine weitere

Entwickelung oder Neubildung möglich[192].

[192] Spec. Pathologie und Therapie. I. 21.

Diese letztere Kategorie, wo die Elemente unter dem Ablaufe des

Prozesses zu Grunde gehen, habe ich vorgeschlagen (S. 335) mit einem

Ausdrucke zu bezeichnen, welcher von K. H. =Schultz= für die Krankheit

überhaupt gebraucht worden ist, mit dem der =Nekrobiose=[193]. Immer

nehmlich handelt es sich hier um ein Absterben, um ein Zugrundegehen,

man möchte fast sagen, um eine Nekrose. Aber der gangbare Begriff der

Nekrose bietet doch gar keine Analogie mit diesen Vorgängen, insofern

wir uns bei der Nekrose den mortificirten Theil als in seiner äusseren

Form mehr oder weniger erhalten denken. Hier dagegen verschwindet der

Theil, so dass wir ihn in seiner Form nicht mehr zu erkennen vermögen.

Wir haben am Ende des Prozesses kein nekrotisches Gewebe, keine Art von

gewöhnlichem Brand, sondern eine Masse, in welcher von den früheren

Geweben absolut gar nichts mehr wahrnehmbar ist. Die nekrobiotischen

Prozesse, welche von der Nekrose völlig getrennt werden müssen, haben im

Allgemeinen als Endresultat eine =Erweichung= im Gefolge. Dieselbe

beginnt mit Brüchigwerden der Theile; diese verlieren ihre Cohäsion,

zerfliessen endlich wirklich, und mehr oder weniger bewegliche, breiige

oder flüssige Producte treten an ihre Stelle. Man könnte daher geradezu

diese ganze Reihe von nekrobiotischen Prozessen Erweichungen nennen,

wenn viele von ihnen nicht verliefen, ohne dass für die grobe

Anschauung, d. h. für das unbewaffnete Auge, die Malacie jemals zur

Erscheinung kommt. Wenn nehmlich innerhalb eines zusammengesetzten

Organs, z. B. eines Muskels, ein solcher Vorgang eintritt, so entsteht

allerdings jedesmal eine grobe Myomalacie, sobald an einem bestimmten

Punkte alle Muskelelemente auf einmal getroffen werden, aber weit

häufiger geschieht es, dass innerhalb eines Muskels nur eine gewisse

Zahl von Primitivbündeln getroffen wird, während die anderen unversehrt

bleiben. Freilich tritt dann auch eine Malacie ein, aber eine so feine,

dass sie für die grobe Betrachtung gar nicht zugänglich wird und nur

mikroskopisch nachzuweisen ist. In diesem Falle spricht man fälschlich

von einer Muskelatrophie, obgleich der Vorgang, welcher die einzelnen

Primitivbündel getroffen hat, sich seiner Natur nach gar nicht von den

Vorgängen unterscheidet, welche man ein anderes Mal Muskelerweichung

nennt.

[193] Ebendaselbst I. 273, 279.

Das ist der Grund, warum man nicht einfach den Ausdruck der Erweichung,

der für die grobe pathologische Anatomie vorbehalten werden muss, auf

die histologischen Vorgänge anwenden kann, und warum es besser ist,

Nekrobiose zu sagen, wo es sich um diese feineren Vorgänge handelt. Das

Gemeinschaftliche aller Arten von nekrobiotischen Prozessen besteht aber

darin, dass der getroffene Theil am Ende des Prozesses und durch den

Prozess zersetzt, untergegangen, vernichtet ist.

Eine zweite Reihe von passiven Prozessen bilden die =einfach

degenerativen Formen=, wo am Ende des Vorganges der getroffene Theil

zwar vorhanden ist, aber sich in irgend einem weniger oder gar nicht

mehr actionsfähigen Zustande befindet, wo er in der Regel starrer

geworden ist. Man könnte daher diese Gruppe im Gegensatze zu der vorher

erwähnten als =Verhärtungen= (=Indurationen=) bezeichnen, und damit eine

schon äusserlich von den nekrobiotischen Prozessen trennbare Gruppe

bilden. Allein auch der Ausdruck der Induration würde leicht

missverständlich sein, insofern auch hier wieder viele Zustände

vorkommen, wo wenigstens die Härte des Organes im Ganzen nicht

bedeutender ist, sondern wo nur einzelne kleinste Theile sich verändern,

so dass für das Tastgefühl keine auffallenden Veränderungen bemerkbar

werden.

Ich hebe aus der Reihe der passiven Prozesse einige als Typen hervor,

und zwar diejenigen, welche die grösste Wichtigkeit für die praktische

Anschauung haben.

* * * * *

Die Cellularpathologie in ihrer Begründung auf physiologische und pathologische Gewebelehre · 第 37 / 54 段