_a_. Vier zusammenhängende Zellen, von der Seite gesehen, mit Kern und
Kernkörperchen, der Inhalt leicht längs gestreift, am freien Rande
(oben) ein dickerer, fein radiär gestreifter Saum. _b_. Aehnliche
Zellen, halb von der freien Fläche (oben, aussen) gesehen, um die
sechseckige Gestalt des Querschnittes und den dicken Randsaum zu zeigen.
_c_. Durch Imbibition veränderte, etwas aufgequollene und am oberen Saum
aufgefaserte Zellen.]
[Illustration: =Fig=. 16. Uebergangsepithel der Harnblase. _a_. Eine
grössere, am Rande ausgebuchtete Zelle mit keulen- und spindelförmigen,
feineren Zellen besetzt, _b_. dasselbe: die grössere Zelle mit zwei
Kernen. _c_. Eine grössere, unregelmässig eckige Zelle mit vier Kernen.
_d_. Eine ähnliche mit zwei Kernen und 9 von der Fläche aus gesehenen
Gruben, den Randausbuchtungen entsprechend (vgl. Archiv f. path. Anat.
u. Phys. Bd. III. Taf. I. Fig 8.)]
Im Gegensatze dazu finden sich ausserordentlich unregelmässige Formen an
solchen Orten, wo die Zellen in unregelmässiger Weise hervorwachsen, so
besonders constant an der Oberfläche der Harnwege (Fig. 16), in der
ganzen Ausdehnung der Schleimhaut von den Nierenkelchen bis zur Urethra.
An allen diesen Stellen trifft man sehr gewöhnlich Anordnungen, wo
einzelne Zellen an dem einen Ende rund sind, während sie an dem anderen
in eine Spitze auslaufen, andere Zellen ziemlich grobe Spindeln
darstellen, andere wieder an einer Seite platt abgerundet, an der
anderen ausgebuchtet sind, oder wo eine Zelle sich so zwischen andere
einschiebt, dass sie eine kolbige oder zackige Form annimmt. Immer
entspricht hier die eine Zelle der Form der Lücke zwischen den anderen,
und es ist nicht die Eigenthümlichkeit der Zelle, welche die Form
bedingt, sondern die Art ihrer Lagerung, das Nachbarverhältniss, die
Abhängigkeit von der Anordnung der nächsten Theile. In der Richtung des
geringeren Widerstandes bekommen die Zellen Spitzen, Zacken und
Fortsätze der mannichfaltigsten Art. Diese Art von Epithel nannte man,
da sie sich nicht recht unterbringen liess, mit =Henle=
Uebergangs-Epithel, weil sie schliesslich gewöhnlich in deutliches
Platten- oder Cylinderepithel übergeht. Zuweilen ist dies aber nicht der
Fall und man könnte ebenso gut einen anderen Namen dafür einführen. Sie
stellt das Vorbild zu der vielbesprochenen =Polymorphie= gewisser
pathologischer Epithelialzellen, z. B. der Krebszellen dar.
An der Oberhaut (Epidermis) haben wir den günstigen Fall, dass eine
Reihe von Zellenlagen über einander liegt, was an vielen Schleimhäuten
nicht der Fall ist. Es lassen sich daher die jungen Lagen (das =Rete
Malpighii= oder die =Schleimschicht= der früheren Autoren) von den
älteren (der =eigentlichen Epidermis=) bequem trennen.
Wenn man einen senkrechten Durchschnitt der Hautoberfläche betrachtet,
so erblickt man zumeist nach aussen ein sehr dichtes, verschieden dickes
Stratum, welches aus lauter platten Elementen besteht, die von der Seite
her wie einfache Linien aussehen. Man könnte sie bei dieser Betrachtung
für Fasern halten, welche übereinander geschichtet mit leichten
Niveau-Verschiedenheiten die ganze Oberhaut zusammensetzen. Von der
Fläche aus gesehen, erweisen sie sich jedoch als rundlich-ovale
Plättchen, die bei Einwirkung von Alkalien sich zu dickeren,
linsenförmigen Körpern aufblähen. Unterhalb dieser Lagen folgt in
verschiedener Mächtigkeit das sogenannte Rete Malpighii, welches
unmittelbar bis an die Papillen der Haut (Lederhaut, Cutis, Corium)
reicht. Untersuchen wir nun die Grenze zwischen Epidermis und Rete, so
ergibt sich fast bei allen Arten der Betrachtung, dass fast plötzlich an
die innerste Lage der Epidermis sich Elemente anschliessen, die zunächst
noch immer platt sind, aber doch schon einen grösseren Dickendurchmesser
haben, innerhalb deren man sehr deutlich Kerne erkennt, welche in den
Plättchen der Epidermis fehlen. Diese ziemlich grossen Elemente stellen
den Uebergang dar von den ältesten Schichten des Rete Malpighii zu den
jüngsten der Epidermis. Hier ist der Punkt, von wo aus sich die
Epidermis regenerirt, welche ihrerseits eine träge Masse darstellt die
an der Oberfläche durch Reibung und Abblätterung allmählich entfernt
wird. Und hier ist im Allgemeinen auch die Grenze, wo die pathologischen
Processe einsetzen. Je weiter wir gegen die Tiefe hin untersuchen, um so
kleiner werden die Elemente; die letzten stehen als kleine Cylinder auf
der Oberfläche der Hautpapillen (Fig. 17, _r_, _r_).
[Illustration: =Fig=. 17. Senkrechter Schnitt durch die Oberfläche der
Haut von der Zehe, mit Essigsäure behandelt. _P_. _P_. Spitzen
durchschnittener Papillen, in denen man je eine Gefässschlinge und
daneben kleine spindelförmige und an der Basis netzförmige
Bindegewebselemente bemerkt: links eine Ausbiegung der Papille,
entsprechend einem nicht mehr dargestellten, tiefer gelegenen
Tastkörperchen. _R_. _R_. Das Rete Malpighii, zunächst an der Papille eine
sehr dichte Lage kleiner cylinderförmiger Zellen (_r_, _r_), nach aussen
immer grösser werdende polygonale Zellen. _E_. Epidermis, aus platten,
dichteren Zellenlagen bestehend. _S_. _S_. Ein durchtretender
Schweisskanal. -- Vergröss. 300.]
Im Grossen ist das Verhältniss der verschiedenen Schichten an der ganzen
Hautoberfläche überall dasselbe, so mannichfaltig auch im Einzelnen die
Besonderheiten sein mögen, welche sie in Beziehung auf Dicke, Lagerung,
Festigkeit und Zusammenfügung darbieten. Ein Durchschnitt z. B. des
Nagels, der seiner äusseren Erscheinung nach gewiss weit von der
gewöhnlichen Oberhaut abweicht, zeigt doch im Allgemeinen dasselbe Bild,
wie diese; er unterscheidet sich nur in einem Punkte wesentlich,
nehmlich dadurch, dass sich an ihm zwei verschiedene epidermoidale
Gebilde übereinanderschieben. Dadurch entsteht eine Complication, die,
wenn man sie nicht erkennt, zu der Annahme gewisser specifischer
Verschiedenheiten des Nagels von anderen Theilen der Epidermis führen
kann, während sie doch nur durch eine eigenthümliche Verschiebung
gewisser Epidermislagen gegen andere bedingt ist. Die äusserst dichten
und festen Plättchen, welche den frei zu Tage liegenden Theil, das
sogenannte =Nagelblatt=, zusammensetzen, lassen sich auf verschiedene
Weise wieder in Formen zurückführen, in denen sie das gewöhnliche Bild
von Zellen darbieten; am deutlichsten durch Behandlung mit einem Alkali,
wo ein jedes Plättchen zu einer grossen, rundlich-ovalen Blase
anschwillt.
In den oberen Schichten der Oberhaut werden die Zellen überall platter,
und in den äussersten findet man, wie gesagt, gar keine Kerne mehr.
Trotzdem besteht kein ursprünglicher Unterschied zwischen der Epidermis
und dem Rete Malpighii; das letztere ist vielmehr die Bildungsstätte
(Matrix) der Epidermis oder die jüngste Epidermislage selbst, insofern
von hieraus immer neue Theile sich ansetzen, sich abplatten und in die
Höhe rücken, in dem Maasse, als aussen durch Waschen, Reiben u. s. w.
Theile verloren gehen. Auch zwischen der untersten Schicht des Rete und
der Oberfläche der Cutis gibt es keine weitere Zwischenlage mehr, keine
amorphe Flüssigkeit, kein Blastem, das in sich Zellen bilden könnte; die
Zellen sitzen direct auf der Bindegewebspapille der Cutis auf. Es ist
hier nirgends ein Raum, wie man noch vor Kurzem dachte, in welchen aus
den Papillen und den in ihnen enthaltenen Gefässen Flüssigkeit
transsudirte, damit aus und in derselben neue Elemente durch freie
Urzeugung entständen und hervorwüchsen. Eine blosse Schleimschicht,
welche als Cytoblastem für die neuen Zellen diente, ist absolut nicht
wahrnehmbar. Durch die ganze Reihe der Zellenlagen des Rete und der
Epidermis besteht dasselbe Continuitätsverhältniss, wie man es an der
Rinde eines Baumes kennt. Die Rindenschicht einer Kartoffel (Fig. 2)
zeigt in gleicher Weise aussen korkhaltige epidermoidale Elemente und
darunter, wie im Rete Malpighii, eine Lage kernhaltiger Zellen, das
Cambium, welches die Matrix des Nachwuchses für die Rinde darstellt.
Sehr ähnlich verhält es sich am Nagel. Betrachtet man den Durchschnitt
eines Nagels, quer auf die Längsrichtung des Fingers, so sieht man
dieselbe Anordnung, wie an der gewöhnlichen Haut, nur entspricht jede
einzelne Ausbuchtung der unteren Fläche nicht einer zapfenförmigen
Verlängerung der Cutis, einer Papille, sondern einer Leiste, welche über
die ganze Länge des Nagelbettes hinläuft und welche mit den Leisten zu
vergleichen ist, die an der Volarseite der Finger zu sehen sind. Auf
diesen Leisten des Nagelbettes befinden sich sehr niedrige und
verkommene Papillen, an deren Oberfläche das mehr cylindrisch gestaltete
jüngste Lager des Rete Malpighii aufsitzt; daran schliessen sich immer
grössere Elemente an, und endlich folgt eine hornig-blätterige Schicht,
welche der Epidermis entspricht.
Es ist jedoch, um dies gleich vorweg zu nehmen, da wir auf den Nagel
nicht wieder zu sprechen kommen werden, seine Zusammensetzung deshalb
schwierig zu ermitteln gewesen, weil man sich ihn als einheitliches
Gebilde gedacht hat. Daher hat sich der Streit hauptsächlich um die
Frage gedreht, wo die Matrix des Nagels sei, ob er von der ganzen Fläche
wachse, oder nur von dem kleinen Falz, in welchem er hinten steckt. Die
eigentliche feste Masse, das compacte =Nagelblatt=, wächst allerdings
nur von hinten her und schiebt sich über die Fläche des sogenannten
=Nagelbettes= hinweg, aber das Nagelbett erzeugt seinerseits eine
bestimmte Masse von Zellen, die als Aequivalente einer Epidermislage zu
betrachten sind. Macht man einen Durchschnitt durch die Mitte eines
Nagels, so kommt man zu äusserst auf das von hinten gewachsene
Nagelblatt, dann auf die losere Substanz, welche von dem Nagelbett
abgesondert ist, dann auf das Rete Malpighii, und endlich auf die
Leisten, auf welchen der Nagel ruht[6]. Es combiniren sich also in der
Nagelbildung zwei Epidermoidalstrata: ein äusseres oder oberes, dessen
Matrix das Rete im Falz ist, und ein inneres oder unteres, dessen Matrix
das Rete des Bettes ist.
[6] Vgl. meine Abhandlung zur normalen und pathologischen Anatomie der
Nagel und der Oberhaut, insbesondere über hornige Entartung und
Pilzbildung an den Nägeln. Vgl. Würzb. Verhandl. 1854. V. 83.
So begreift man, dass das Nagelblatt bis zu einem gewissen Maasse locker
liegt und sich leicht vorwärts bewegen kann, indem es sich auf einer
beweglichen Unterlage vorschiebt. Aber es ist auch sofort zu verstehen,
wie leicht man sich in der Deutung des Bildes, welches senkrechte
Durchschnitte durch den Nagel gewähren, täuschen kann, und wie nahe es
liegt, anzunehmen, auch das Nagelblatt beziehe seine Elemente wenigstens
zum Theil aus der Matrix des Bettes. Es fügen sich jedoch die von
letzterer gelieferten Elemente nur lose der unteren Fläche des
Nagelblattes an. Diese Fläche besitzt daher, entsprechend den erwähnten
Leisten, seichte Ausbuchtungen, so dass der wachsende Nagel, indem er
über die Leisten fortgleitet, seitliche Bewegungen nur innerhalb
beschränkter Grenzen machen kann. Man kann daher sagen: es bewegt sich
das von hinten wachsende Nagelblatt über ein =Polster= von lockerer
Epidermismasse nach vorn (Fig. 18, _a_) in Rinnen, welche zwischen den
längslaufenden Leisten oder Falten des Nagelbettes gelegen sind. Das
Nagelblatt selbst, frisch untersucht, besteht dagegen aus einer so
dichten Masse, dass man einzelne Zellen daran kaum zu unterscheiden im
Stande ist, ja, dass man ein Bild bekommt, wie an manchen Stellen im
Knorpel. Aber durch Behandlung mit Kali, welches die Zellen aufquellen
macht und von einander trennt, kann man sich überzeugen, dass er überall
nur aus Epidermiszellen besteht.
[Illustration: =Fig=. 18. Schematische Darstellung des
Längsdurchschnittes vom Nagel. _a_. Das normale Verhältniss: leicht
gekrümmtes, horizontales Nagelblatt, in seinem Falze steckend und durch
ein schwaches Polster von dem Nagelbette getrennt. _b_. Stärker
gekrümmtes und etwas dickeres Nagelblatt mit stark verdicktem Polster
und stärker gewölbtem Nagelbette, der Falz kürzer und weiter. _c_.
Onychogryphosis: das kurze und dicke Nagelblatt steil aufgerichtet, der
Falz kurz und weit, das Nagelbett auf der Fläche eingebogen, das Polster
sehr dick und aus übereinander geschichteten Lagen von lockeren Zellen
bestehend.]
Kennt man diese Entwickelung, so lassen sich die Krankheiten des Nagels
in leicht fasslicher Weise von einander scheiden. Es gibt nehmlich
Krankheiten des Nagelbettes, welche das Wachsthum des Nagelblattes
nicht ändern, aber Dislocationen desselben bedingen. Wenn auf dem
Nagelbette eine sehr reichliche Entwickelung von Polstermasse
stattfindet, so kann das Nagelblatt in die Höhe gehoben werden (Fig. 18,
_b_), ja es kommt, namentlich an den Zehen, nicht selten vor, dass es,
statt horizontal, senkrecht in die Höhe wächst und der Raum unter ihm
von dicken Anhäufungen des blätterigen Polsters erfüllt wird (Fig. 18,
_c_). Selbst Eiterungen können auf dem Nagelbette stattfinden, ohne dass
die Entwickelung des Nagelblattes dadurch gehindert wird. Die
sonderbarsten Veränderungen zeigen sich bei den Pocken. Wenn eine
Blatter auf dem Nagelbett sich bildet, so bekommt der Nagel nur eine
gelbliche, etwas unebene Stelle; entwickelt sich dagegen die Pocke im
Nagelfalze, so sieht man Wochen nachher das Bild der Pocke in einer
kreisförmig vertieften, wie ausgeschnittenen Stelle des sich allmählich
vorschiebenden Nagelblattes, als einen Beweis des Ausfalls von
Elementen, gerade wie auf der Epidermis. Denn jede Krankheit, welche den
Nagelfalz (die Matrix) trifft, ändert auch das Nagelblatt, und wenn der
Falz zerstört wird, so kann ein wirkliches Blatt nicht mehr nachgebildet
werden; das Bett bedeckt sich dann nur mit einer hornigen, unregelmässig
geschichteten Masse, wie sie sich zuweilen auch auf grossen Narben
anderer Hautstellen, namentlich nach partiellen Amputationen des Fusses,
erzeugt. --
Wie am Nagel, so erfahren auch an anderen Orten unter besonderen
Verhältnissen die epidermoidalen Elemente besondere Umwandlungen,
wodurch sie ihrem ursprünglichen Habitus ausserordentlich unähnlich
werden und allmählich Erscheinungsformen annehmen, die es jedem, welcher
die Entwickelungsgeschichte nicht kennt, unmöglich machen, ihre
ursprüngliche Epidermis-Natur auch nur zu ahnen. So ist es mit den
=Haaren=. Die am meisten abweichende Entwickelung findet sich jedoch an
der =Krystallinse= des Auges, welche ursprünglich eine reine
Epidermis-Anhäufung ist. Sie entsteht bekanntlich dadurch, dass sich ein
Theil der Haut von aussen sackförmig einstülpt. Anfangs bleibt durch
eine leichte Membran die Verbindung mit den äusseren Theilen erhalten,
durch die Membrana capsulo-pupillaris; später atrophirt diese und lässt
die abgeschlossene Linse im Innern des Auges liegen. Die sogenannten
Linsenfasern sind also weiter nichts, wie schon =Carl Vogt= zeigte, als
epidermoidale Elemente mit eigenthümlicher Entwickelung, und die
Regeneration derselben z. B. nach Extraction der Cataract, ist nur so
lange möglich, als noch Epithel an der Capsel vorhanden ist, welches den
Neubau übernimmt und gleichsam ein dünnes Lager von Rete Malpighii
darstellt. Dieses reproducirt in derselben Weise die Linse, wie das
gewöhnliche Rete Malpighii der Haut die Epidermis; nur ist die
Regeneration der Linse gewöhnlich unvollständig, da die sich
vermehrenden Rete-Zellen hauptsächlich am Umfange der Linsenkapsel
liegen. Die neu gebildete Linse ist daher in der Regel ein Ring, der in
der Mitte nicht ausgefüllt ist.
Unter den sonstigen Modificationen epithelialer Gebilde werden wir noch
gelegentlich die eigenthümlichen =Pigmentzellen= zu erwähnen haben, die
an den verschiedensten Punkten aus der Umwandlung von Rete- oder
Epithelial-Elementen hervorgehen, indem sich der Inhalt der Zellen
entweder durch Imbibition färbt oder in sich durch (metabolische)
Umsetzung des Inhalts Pigment erzeugt. So entstehen Pigmentzellen in dem
Rete gefärbter Hautstellen oder gefärbter Racen, bei Naevi und
Bronzekrankheit; so bilden sich die dunkle Zellenschicht der Chorioides
oculi (Fig. 6), gewisse pigmentirte Zellen in den Alveolen der Lunge
(Fig. 8). --
[Illustration: =Fig=. 19. _A_. Entwickelung der Schweissdrüsen durch
Wucherung der Zellen des Rete Malpighii nach innen. _e_. Epidermis, _r_.
Rete Malpighii, _g g_ solider Zapfen, der ersten Drüsenanlage
entsprechend. Nach =Kölliker=.
_B_. Stück eines Schweissdrüsenkanals im entwickelten Zustande, _t t_
Tunica propria. _e e_ Epithellagen.]
Zu den Epithelien gehört noch eine andere, ganz besondere Art von
Elementen, die bei dem Zustandekommen gewisser höherer Functionen des
Thiers eine sehr bedeutende Rolle spielen, nehmlich die =Drüsenzellen=.
Die eigentlich activen Elemente der gewöhnlichen, mit Ausführungsgängen
versehenen Drüsen sind wesentlich epitheliale. Es ist eines der grössten
Verdienste von =Remak=, gezeigt zu haben, dass in der normalen
Entwickelung des Embryo von den bekannten drei Keimblättern das äussere
und innere hauptsächlich epitheliale Gebilde hervorbringen, von denen
unter Anderem durch allmähliche Wucherung die Drüsengestaltung ausgeht.
Schon andere Forscher hatten ähnliche Beobachtungen gemacht,
insbesondere =Kölliker=. Gegenwärtig kann man es als allgemeine Doctrin
hinstellen, dass die Drüsenbildung überhaupt als ein directer
Wucherungsprocess von Epithelial-Gebilden zu betrachten ist. Früher
dachte man sich Cytoblastem-Haufen, in denen unabhängig Drüsenmasse
entstände; allein mit Ausnahme der Lymphdrüsen, welche in ein ganz
anderes Gebiet gehören, entstehen sämmtliche Drüsen in der Weise, dass
an einem gewissen Punkte in ähnlicher Art, wie ich von den Auswüchsen
der Pflanzen angegeben habe (S. 25), epitheliale Zellen anfangen sich zu
theilen, sich wieder und wieder theilen, bis allmählich ein kleiner
Zapfen von zelligen Elementen entstanden ist (Fig. 19, _A_). Dieser
wächst nach innen und bildet, indem er sich seitlich ausbreitet und im
Innern aushöhlt, einen Drüsengang (Fig. 19, _B_), welcher demnach sofort
ein Continuum mit äusseren Zellenlagen darstellt. So entstehen die
Drüsen der Oberfläche (die Schweiss- und Talgdrüsen der Haut, die
Milchdrüse), so entstehen aber auch die inneren Drüsen des
Digestionstractus (Magendrüsen, Lieberkühnsche Darmdrüsen, Leber), der
Eierstock u. s. w. Die einfachsten Formen, welche eine Drüse darbieten
kann, kommen beim Menschen nicht vor. Es sind dies =einzellige Drüsen=,
wie sie in neuerer Zeit bei niederen Thieren vielfach gefunden sind. Die
menschlichen Drüsen sind stets Anhäufungen von vielen Elementen, die
jedoch genetisch auf ziemlich einfache Anlagen zurückführen. Freilich
gehen ausser den epithelialen Elementen in unsern zusammengesetzten
Drüsen noch andere nothwendige Bestandtheile (Bindegewebe, Gefässe,
Nerven) in die Zusammensetzung ein, und man kann nicht sagen, dass die
Drüse, als Organ betrachtet, bloss aus Drüsenzellen bestehe. Jedoch ist
man darüber gegenwärtig ziemlich einig, dass das bestimmende Element in
der Zusammensetzung die Drüsenzelle ist, ebenso wie bei den Muskeln das
Muskelprimitivbündel, und dass die specifische Thätigkeit der Drüse
hauptsächlich in der Natur und eigenthümlichen Einrichtung dieser
Elemente begründet ist.
Im Allgemeinen bestehen also die Drüsen aus Anhäufungen von Zellen,
welche in der Regel offene Kanäle bilden. Wenn man von den Drüsen mit
zweifelhafter Function (Schilddrüse, Nebennieren) absieht, so gibt es
beim Menschen nur die Eierstöcke, welche eine Ausnahme machen, indem
ihre Follikel nur zu Zeiten offen sind; aber auch sie müssen offen sein,
wenn die specifische Secretion der Eier stattfinden soll. Bei den
meisten Drüsen kommt freilich bei der Secretion noch eine gewisse Menge
transsudirter Flüssigkeit hinzu, allein diese Flüssigkeit stellt nur das
Vehikel dar, welches die Elemente selbst oder ihre specifischen Produkte
wegschwemmt. Wenn sich in den Hodenkanälen eine Zelle ablöst, in welcher
Samenfäden entstehen, so transsudirt zugleich eine gewisse Menge von
Flüssigkeit, welche dieselben fortträgt, aber das, was den Samen zum
Samen macht, was das Specifische der Thätigkeit gibt, ist die
Zellenfunction. Die blosse Transsudation von den Gefässen aus ist wohl
ein Mittel zur Fortbewegung, gibt aber nicht das specifische Produkt der
Drüse, das Secret im engeren Sinne des Worts. Wie am Hoden, so geht im
Wesentlichen an allen Drüsen, an denen wir mit Bestimmtheit das Einzelne
ihrer Thätigkeit übersehen können, die wesentliche Eigenthümlichkeit
ihrer Energie von der Entwickelung, Umgestaltung und Thätigkeit
epithelialer Elemente aus. --
* * * * *
Die zweite histologische Gruppe bilden die Gewebe der =Bindesubstanz=.
Es ist dies diejenige Gruppe, welche gerade für mich das meiste
Interesse hat, weil von hier aus meine allgemein-physiologischen
Anschauungen zu dem Abschlusse gekommen sind, den ich im Eingange kurz
darstellte. Die Aenderungen, welche es mir gelungen ist, in der
histologischen Auffassung der ganzen Gruppe herbeizuführen, haben mir
zugleich die Möglichkeit gegeben, die Cellulardoctrin zu einer gewissen
Abrundung zu bringen.
Die Hauptglieder dieser Gruppe sind das =Bindegewebe=, das
=Schleimgewebe=, der =Knorpel=, das =Knochengewebe=, das =Zahnbein=, die
=Neuroglia= und das =Fettgewebe=. Betrachten wir zuerst das Bindegewebe
als das für die Auffassung der übrigen mehr oder weniger bestimmende.
Bis in die neueste Zeit hiess es fast allgemein Zellgewebe (tela
cellulosa), weil man annahm, dass es regelmässig kleinere Räume
(cellulae, areolae) enthalte. Erst =Johannes Müller= führte den Ausdruck
Bindegewebe (tela conjunctoria s. connectiva), freilich nur für eine
gewisse Art, ein; er meinte damit, was wir gegenwärtig =interstitielles
Gewebe= zu nennen pflegen, nehmlich dasjenige »Zellgewebe«, welches
Organe oder Organtheile mit einander verbindet. Sehr langsam, zum Theil
aus blossem Widerwillen gegen den schlechten Namen Zellgewebe, ist die
Bezeichnung Bindegewebe auf alles Zellgewebe und auf alle daraus
zusammengesetzten Theile (Lederhaut, Sehnen, Fascien) ausgedehnt worden.
Gegenwärtig muss man sich fast in Acht nehmen, nicht noch weiterzugehen
und auch die übrigen Glieder dieser Gruppe dem Bindegewebe zuzurechnen.
»Bindesubstanz« soll diesem weiteren Klassenbegriff entsprechen.
[Illustration: =Fig=. 20. _A_. Bündel von gewöhnlichem lockigem
Bindegewebe (Intercellularsubstanz), am Ende in feine Fibrillen
zersplitternd.
_B_. Schema der Bindegewebs-Entwickelung nach =Schwann=. _a_.
Spindelzelle (geschwänztes Körperchen, fibroplastisches Körperchen
=Lebert=) mit Kern und Kernkörperchen. _b_. Zerklüftung des Zellkörpers
in Fibrillen.
_C_. Schema der Bindegewebs-Entwickelung nach =Henle=. _a_. Hyaline
Grundsubstanz (Blastem) mit regelmässig eingestreuten, nucleolirten
Kernen. _b_. Zerfaserung des Blastems (directe Fibrillenbildung) und
Umwandlung der Kerne in Kernfasern.]