»Arrivé!« sagte Monsieur Durand, als das Kratzen und Scharren aufgehört
hatte.
»In der Tat angekommen!« meinte Doktor Müller. »Auf diesem hohen
Gebirgskamm liegen wir ganz gut. Die Waldungen beginnen erst fünfhundert
Meter tiefer, und selbst wenn der Mars bewohnt wäre, brauchten wir seine
Bewohner hier nicht zu fürchten. Bevor wir aber versuchen, unser Raumschiff
zu öffnen, schlage ich vor, daß wir erst einmal Außentemperatur und
Luftdruck messen. Dann wollen wir eine Probe der Außenluft untersuchen und,
wenn das alles stimmt, dann wollen wir aussteigen.«
Alsbald brachten die Reisenden ein Barometer und ein Thermometer aus dem
Raumschiff ins Freie. Das Thermometer zeigte zehn Grad Celsius, das
Barometer nur einen Druck von fünfhundert Millimetern.
»Die Temperatur geht, die Luft wird uns ein wenig dünn vorkommen, und ich
fürchte, wir werden Sauerstoffapparate nötig haben,« meinte Doktor Müller,
während er die Zusammensetzung der Luft untersuchte. Aber schon nach
wenigen Minuten richtete er sich befriedigt auf. »Die Luft hat vierzig
Prozent Sauerstoff und sechzig Prozent Stickstoff, da geht es auch ohne
Apparat, und nur mit dem verringerten Druck müssen wir vorsichtig sein. Wir
dürfen nicht plötzlich hinaustreten, sondern müssen die Luftschleuse
benutzen.« Darnach traten die beiden Reisenden durch eine Tür in die Kammer
der Luftschleuse und schlossen die Tür wieder luftdicht hinter sich.
»Nun also!« sprach Doktor Müller und drehte einen Hahn in der Außenwand
auf. Man vernahm ein Zischen. Die Luft in der Schleusenkammer, welche noch
unter dem Druck der irdischen Atmosphäre stand, strömte in die leichtere
Marsatmosphäre ab.
Da stieß Monsieur Durand einen lauten Schrei aus, während ihm einige
Blutstropfen aus der Nase flossen. Der verminderte Luftdruck war die
Ursache eines leichten Nasenblutens für ihn gewesen. »Es ging wohl etwas zu
schnell,« meinte Doktor Müller, »aber nun ist es wohl vorüber, und wir
können die äußere Schleusentür öffnen.« Ein Druck und die Tür schlug auf.
Die beiden Reisenden standen zum ersten Male, seitdem sie irdischen Boden
verlassen hatten, wiederum außerhalb ihres Raumschiffes, standen auf
marsischem Boden. Sie schritten über steiniges Gebirgsland, wie es auch
unsere Alpen zeigen, und sie sahen grüne Kräuter und Bäume, sahen die ihnen
wohlbekannten Formen der Glockenblumen, der Lippenblütler und der
Doldenblüten. Sie sahen Pilze, Moose und Farne, sahen die allbekannten
Gestalten von Würmern, Käfern und Schmetterlingen, während ihre Lungen die
Lebensluft des Mars einatmeten.
»Man könnte es für einen Nachmittag im Berner Oberland halten,« meinte
Doktor Müller.
»Ich mag gar nicht mehr in das Raumschiff hinein,« sagte Monsieur Durand.
»Aber wir müssen,« erwiderte Doktor Müller. »Wir müssen erst einen
ausgedehnten Kriegsrat halten, bevor wir etwas Weiteres unternehmen können,
also vorläufig noch einmal zurück in das Raumschiff.«