VI.

»Arrivé!« sagte Monsieur Durand, als das Kratzen und Scharren aufgehört

hatte.

»In der Tat angekommen!« meinte Doktor Müller. »Auf diesem hohen

Gebirgskamm liegen wir ganz gut. Die Waldungen beginnen erst fünfhundert

Meter tiefer, und selbst wenn der Mars bewohnt wäre, brauchten wir seine

Bewohner hier nicht zu fürchten. Bevor wir aber versuchen, unser Raumschiff

zu öffnen, schlage ich vor, daß wir erst einmal Außentemperatur und

Luftdruck messen. Dann wollen wir eine Probe der Außenluft untersuchen und,

wenn das alles stimmt, dann wollen wir aussteigen.«

Alsbald brachten die Reisenden ein Barometer und ein Thermometer aus dem

Raumschiff ins Freie. Das Thermometer zeigte zehn Grad Celsius, das

Barometer nur einen Druck von fünfhundert Millimetern.

»Die Temperatur geht, die Luft wird uns ein wenig dünn vorkommen, und ich

fürchte, wir werden Sauerstoffapparate nötig haben,« meinte Doktor Müller,

während er die Zusammensetzung der Luft untersuchte. Aber schon nach

wenigen Minuten richtete er sich befriedigt auf. »Die Luft hat vierzig

Prozent Sauerstoff und sechzig Prozent Stickstoff, da geht es auch ohne

Apparat, und nur mit dem verringerten Druck müssen wir vorsichtig sein. Wir

dürfen nicht plötzlich hinaustreten, sondern müssen die Luftschleuse

benutzen.« Darnach traten die beiden Reisenden durch eine Tür in die Kammer

der Luftschleuse und schlossen die Tür wieder luftdicht hinter sich.

»Nun also!« sprach Doktor Müller und drehte einen Hahn in der Außenwand

auf. Man vernahm ein Zischen. Die Luft in der Schleusenkammer, welche noch

unter dem Druck der irdischen Atmosphäre stand, strömte in die leichtere

Marsatmosphäre ab.

Da stieß Monsieur Durand einen lauten Schrei aus, während ihm einige

Blutstropfen aus der Nase flossen. Der verminderte Luftdruck war die

Ursache eines leichten Nasenblutens für ihn gewesen. »Es ging wohl etwas zu

schnell,« meinte Doktor Müller, »aber nun ist es wohl vorüber, und wir

können die äußere Schleusentür öffnen.« Ein Druck und die Tür schlug auf.

Die beiden Reisenden standen zum ersten Male, seitdem sie irdischen Boden

verlassen hatten, wiederum außerhalb ihres Raumschiffes, standen auf

marsischem Boden. Sie schritten über steiniges Gebirgsland, wie es auch

unsere Alpen zeigen, und sie sahen grüne Kräuter und Bäume, sahen die ihnen

wohlbekannten Formen der Glockenblumen, der Lippenblütler und der

Doldenblüten. Sie sahen Pilze, Moose und Farne, sahen die allbekannten

Gestalten von Würmern, Käfern und Schmetterlingen, während ihre Lungen die

Lebensluft des Mars einatmeten.

»Man könnte es für einen Nachmittag im Berner Oberland halten,« meinte

Doktor Müller.

»Ich mag gar nicht mehr in das Raumschiff hinein,« sagte Monsieur Durand.

»Aber wir müssen,« erwiderte Doktor Müller. »Wir müssen erst einen

ausgedehnten Kriegsrat halten, bevor wir etwas Weiteres unternehmen können,

also vorläufig noch einmal zurück in das Raumschiff.«

Die Reise zum Mars · 第 6 / 9 题