Die Mönche zittern. Leon allein ist furchtlos. „Die Wache!“

Fünf baskische Bären im Panzer stürzen herein und umringen den Grafen.

Die schäumende Kraft des Ebers ist gebrochen. Seine Augen rollen noch

im nachbebenden Zorn, aber im Gefühl der eigenen Machtlosigkeit bricht

sein letztes Wehren zusammen. Verkämpft hängen die Arme an den Lenden

herab, sein Kopf fällt auf die Brust, und durch sein Hirn braust ein

Strom müder Gedanken -- Leon, Reija, Kerker, Teufel, Flammen, Koran,

Jesus, Tanz -- alles wirbelt zu einer zähen, breiigen Masse zusammen

und ergießt sich, Gefühle und Gedanken erstickend, in sein Inneres.

Inmitten der klirrenden Panzer wankt er hinaus. Hinter ihm knarrt

heiser die Tür.

Pater Leon steht bleich, aber gefaßt da. „Ihr habt diese Zunge, das

prahlende Organ eines gottverfluchten Herzens, gehört. Sie könnte

leicht tausend entzündbare Herzen vergiften, zu denen sie spricht.“

„Eine solche Zunge verdient nicht, lebendig zu bleiben,“ entsetzte sich

gehorsam einer der Dominikaner.

„Die Überzeugung unseres göttlichen Rechtes ist ein Festungsbau, den

stärkere Kanonen stürmen müßten,“ sprach siegessicher Pater Leon. „Oder

sollte der heilige Augustinus, der große Leon und die Kirchenväter

unrecht haben, die um der Lehre des alleinseligmachenden Glaubens

willen den Ketzer vertilgt wissen wollten? War nicht Gott selbst der

erste Inquisitor, als er Adam und Eva aus dem Paradiese trieb? War

nicht jenes Tierfell der vertriebnen Menschheit das erste Sanbenito?

Erschreckt nicht vor dem Hochmut der Ketzerzunge. Wer nicht mit

mir ist, der ist wider mich. Und wer nicht in mir bleibt, sagt der

Evangelist Johannes, wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt,

und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, daß sie verbrenne.“ Er

verhüllte in geheucheltem Schmerz sein Haupt und sagte: „So bereitet

denn für morgen die Folter. Doch gebt dem Inquisiten vorher den süßen

Wein von Almontillado zu trinken, daß er sich stärke. Wenn er wieder

tobt, gebt ihm die Mordaza, den Knebel.“

Da erhob sich einer der Konsulatoren. „Vom Standpunkt des königlichen

Gesetzes erachten wir, daß der Inquisit ein Bekenntnis abgelegt und von

der Folter abzusehen wäre.“

„Noch hat er nicht bekannt,“ entgegnete der Inquisitor, und die Mönche

nickten.

„Seine Anklagen und Verunglimpfungen des heiligen Offiziums gleichen

einem Bekenntnis.“

„Wir haben nicht Verunglimpfungen abzuwehren, die Kirche will den

Sünder reuig und geständig wissen. Don Pedro de Solar Graf de Mora muß

bekennen: Christus ist mein Leben, und Sterben mein Gewinn.“

In die Unmenschlichkeit dieser Herzen wehte das heilige Wort, ohne

sie von der Besessenheit zu erlösen. Gnadenlos übergaben sie alle den

‚Feind Gottes‘ der körperlichen Qual.

Granada in Flammen · 第 135 / 190 题