Den Priester erfaßte Entsetzen. „In den alten Glauben zurück?“

Wieder flog das Rohr über das Papier.

„Ich beschwöre Euch bei dem, was auf Salomonis Siegel geschrieben

steht --“

„Das ist der Schwur des Irrglaubens! Weh Euch! Ihr seid verloren!“

„Hinter Eurer Marter lächelt kein Gott -- siebenfaches Elend ist mein

Glaube, er wurzelt nicht in meiner Brust -- aber Ihr seid schuld daran

-- Euer Christus ist nicht der, den wir Christus nennen -- ja, Ihr

zwingt mich, wieder zu beten mit dem Gesicht nach Mekka gewendet --“

„Unselige! So wohnst du nicht mehr in der geheimnisvollen Arche der

Kirche, und dich begraben die Gewässer des Unglaubens? Du neigst dich

dem Propheten wieder zu, willst Christum nicht erkennen und begehrst

den Barrabas los? Das ist Ketzerei de vehementi!“ Seine Kutte flatterte

nach der Tür, die er aufriß. „Alguaciles! Bringt Doña Maria de

Calabreña in den Kerker der Inquisition!“

Wie aus einem Nichts heraus schnellten zwei schwarzgekleidete hagere

Gestalten ins Zimmer. Sie hatten leichte Arbeit, denn sie trugen

eine ihrer Sinne Beraubte auf den starken Händen hinaus. Über ihre

zermarterte Seele wehte der Hauch des Entsetzens.

Aus der priesterlichen Brust schienen Dämpfe zu steigen, das Gift

seiner Seele enthaltend. Der Triumph glühte in seinen tückischen

Blicken. Sein Hirn sprang aufgeschreckt in einen Gedanken hinein: Der

Inquisitor von Toulouse, Fulco de Saint Georges, hatte einst Frauen im

Gefängnis verführt und wurde gestäupt. Was warf sich diese Erinnerung

plötzlich in seinen brennenden Jubel?

„Den Fiskal der Inquisition, Pater Juan Collades!“ befahl er einem

Mönch. Er sollte die förmliche Verhaftung der neuen Ketzerin

vornehmen, die durch den Inquisitor selbst entlarvt wurde. Ihre Worte

glichen einem Bekenntnis.

Pater Collades kam. Ein Mensch mit kühlem Herzen, ruhevoll in seinen

Gebärden, gleichgültig in den Mienen. Er setzte sofort die förmliche

Clamosa auf, den Antrag auf Verhaftung. Man arbeitete bis spät in

die Nacht, wiewohl der Fall einfach lag, da die Äußerungen vor dem

Inquisitor selbst gefallen waren. In den nächsten Tagen mußte die

Summaria, das Ermittlungsprotokoll, den Konsultoren vorgelegt werden,

die als weltliche Richter nur beratende Stimmen hatten.

„Glaubt Ihr, daß dieses Mädchen die Aussagen widerrufen wird?“ fragte

Pater Collades.

„Ich werde sie zum Bekennen zwingen. Und am Ende“ -- er dämpfte die

Stimme und sein Herz klopfte gewaltig --, „wir haben das Mittel der

Tortur. Jedenfalls werde ich Doña Maria de Calabreña noch einmal

sprechen. Ich erinnere mich da der Worte des heiligen Bernardus: ‚Wenn

du etwas Böses hörst, verurteile deinen Nächsten nicht sogleich,

entschuldige ihn lieber. Vielleicht hat er es aus Unwissenheit oder

Übereilung getan.‘ Ich will ihr den Weg aus dem Kerker nicht ganz

verrammeln.“

„Das ist aber, soviel ich weiß, nicht die Gepflogenheit in Cordoba,“

sagte der Fiskal augenzwinkernd.

„Wir aber leben in Granada,“ entschied Pater Leon selbstbewußt. Er fand

in seiner Verworfenheit noch den Mut zu einer heuchlerischen Verbrämung

seiner Missetat.

Granada in Flammen · 第 133 / 190 题