Der Graf hatte den Imam einvernommen. Des Maurenpriesters Auge
leuchtete sonnenklar in Unschuld. „Ich hätte wohl dem Erlöser die Hand
zur Flucht gereicht, aber ich wußte nicht, wie nah er mir war.“ Bis
spät in die Nacht dauerten die Verhöre bei den Wachen. Man bat um eine
Verdoppelung des Postens beim Fenster, denn es wollte niemand mehr
der Maurenlist zum Opfer fallen. Allgemein war die Meinung, der kühne
Abencerrage sei der Täter.
Die Alguaciles brachten stündlich neue Nachrichten. Bei einem Morisko
wurde ein Zettel mit einem aufreizenden Inhalt gefunden: „Wehrt euch,
sonst ist das Ende da. Ihr werdet in den Bergen die Weidegerechtigkeit
verlieren. Man rühmt eure Geschicklichkeit, doch man wird sie auf
seine Weise ausnützen, eure Genügsamkeit, aber ihr werdet dafür nicht
viel zu essen bekommen, euern Fleiß, dafür wird man euch bis aufs Blut
schinden, eure Bescheidenheit, und man wird euch wirklich nur ein paar
Maravedis im Tag geben, eure Bodenwirtschaft, und ihr werdet sie im
Joch beweisen müssen.“
Don Pedro ließ den Zettel verbrennen -- um des Imams willen, dem er die
Aufreizung zuschrieb.
Es war nach Mitternacht, als man auf den Höhen der Sierra Nevada
kleine Punkte aufleuchten sah, Feuer, wie sie die Mauren zur Zeit der
Sonnenwende auf den Bergen zu entzünden pflegten. Auch bei Gefahr,
Aufstand, als Zeichen der Versammlungen brannten diese Feuer. Der
Graf wurde stutzig. Er hatte die ergebnislose Untersuchung für heute
beendet. Zu Hause angekommen, fiel ihm ein Paket Schriften in die Hand,
das er heute von der Mutter gesandt bekommen hatte. Es waren Dokumente
seines Vaters, Erinnerungen, wie sie der alte Mann, der nicht nur
waffentüchtig, sondern auch gelehrt war, aufgezeichnet hatte. Sie lagen
nun zum erstenmal vor den Augen des Sohnes. Die Mutter fühlte sich
krank und hatte dem Sohn in einer Anwandlung von Sterbensmüdigkeit die
Aufzeichnungen des Vaters geschickt.
Die Erinnerungen spielten in eine ferne Zeit hinein, sie sprachen
von Waffenglück und königlichem Dienst, von der Vertiefung in
Glaubenssachen --
Da erblaßte der Graf. Er las seltsame Worte: „Beinahe hätte ich
die Schmach über mich ergehen lassen müssen, von der Inquisition
verfolgt zu werden, weil ich mich infolge eines nächtelangen Studiums
in arabischen Schriften mit den Angriffen der Mohammedaner gegen
die heiligen Dogmen der Kirche befreundet hatte. Besonders das
Dreieinigkeitsdogma machte meinem Geist viel Pein. Nur die Einsprache
eines mächtigen Gönners, des Herzogs von Medina-Sidonia, bewahrte mich
vor dem Ärgsten.“
Mit zusammengepreßtem Herzen sann der Graf in die Schrift. Sein Vater,
der Abgott seiner Jugend -- von der Inquisition verfolgt! Nun erinnerte
er sich des betretenen Schweigens in den Kreisen der Granden, wenn von
der Vergangenheit des Vaters die Rede war. Man wollte ihm, dem Sohn,
des Alten Sünde nicht als erblichen Fluch auf die Schultern laden, aber
man konnte doch nicht vermeiden, ihn mit einem gewissen Mißtrauen zu
behandeln. Die kriegerischen Anlagen des jungen Grafen drängten den
gelehrten Sinn zurück, und erst in den letzten Wochen, da sich sein
Herz gewandelt, hatte auch sein Geist die Spuren der Gelehrsamkeit
in den arabischen Schriften, die ihm Hernando de Rojas verschafft,
aufmerksam verfolgt. Er hatte da plötzlich entdeckt, wieviel die
Spanier den arabischen Gelehrten, und vor allem den Philosophen,
verdanken, wie die Bücher des Averroes über Aristoteles das ganze
christliche Denken umformten, wie die Heilkunst auf Grund arabischer
Erfahrungen ausgeübt wurde, wie Kriegführung und Rittertum im
maurischen Boden wurzelten und die spanische Dichtung sich noch immer
der morgenländischen Blüten bediente. Pulver, Papier, Seidenzucht,
Ackerbau, alles mußte der Spanier den Mauren entwinden, selbst Kolumbus
hätte wahrscheinlich ohne die Erdkarte des Edrisi das neue Land nicht
entdeckt.
Waren es Feinde, die den Vater vor das Tribunal geschleppt? Oder hatte
er sich selbst unvorsichtig verraten? So war sein Geschlecht durch des
Vaters Schuld nahe daran gewesen, von allen Ehren ausgeschlossen zu
werden? Und belastete nicht ein von der Inquisition Verurteilter auch
Kind und Kindeskinder?
Er hatte in dieser Nacht tief und ernst zu denken. Und mit umränderten,
müden Augen sah er dem Morgen entgegen. Die innere Unruhe verscheuchte
das Blei von seinen Lidern, und der erste Sonnenstrahl grüßte einen
matten Körper und Geist.
* * * * *
Im Saal der Schwestern, unter der prunkvollen, tropfsteinartigen
Kuppel, die wie ein phantastisches Riesenzellengewebe zu Häupten hing,
inmitten der ornamentalen Pracht der Wände, der farbenstrahlenden
Türbogen und des abwechslungsreichen Spiels der Formen und Muster, des
Goldes und des Dämmerlichts nahmen die Könige die Berichte der Granden
entgegen. Am frühen Morgen waren beunruhigende Nachrichten angelangt.
Christendörfer in den Alpujarras waren von den Mauren überfallen
worden, die Monfis plünderten christliche Hirtenstationen, und man
sprach davon, daß sich große Banden um Orgiva und Guejar sammelten, der
Name Abu Atir fliege von Mund zu Mund, es sei offenkundig, daß man ihn
befreien und zum König ausrufen würde. Die schwere Reiterei, tapfere
Lehensmannen und Adelige aus den ersten Geschlechtern, machte sich
zum Aufbruch bereit, der große Kapitän Gonsalvo de Cordoba sollte das
kleine Heer gemeinsam mit Tendilla gegen die Maurennester führen. Doch
zuvor sollte der Graf de Mora die Stärke der Banden erkunden.
Die Wachen vor dem Löwenhof zogen in dreifacher Stärke auf. Fremde
Gesandte, geistliche Würdenträger und Bittsteller harrten im Hof. Der
Vorsaal der Mozaraber war überfüllt von schimmernden Gestalten, die von
den Sekretären der Königin nach Listen geordnet wurden. Ein Gnadenwort
aus hohem Mund war Erquickung für den ehrgeizigen kastilischen
Ritter. Man witterte Maurenkämpfe und freute sich, denn des Friedens
Tatenlosigkeit drückte auf die spanischen Gemüter.
„Ah -- der Held von Santa Fé!“ sagte der Graf de Cabra zu einem andern
Granden, als sich die Gestalt des königlichen Hauptmanns an der Saaltür
zeigte. „Man spricht viel von der schönen Moriska, die Boabdils Tochter
sein soll. Aber man nennt selten ihren Namen ohne den seinen. Es
scheint da ein Liebesgarten aufzublühen.“
„Ihr meint doch nicht --“
„Was ich meine, wird den Grafen de Mora nicht abhalten, unvernünftig
zu sein. Ich weiß nur, daß er die Hand der schönen Leonore de Uceda
verschmäht hat.“
„Und das sollte ungestraft von ihr geschehen sein?“ lächelte der Grande.
Cabra machte ein Zeichen des Schweigens. Graf de Mora hatte sich
genähert. Er trug das reichgestickte Gewand seines Vaters, den Hut mit
dem Federbusch, das golden eingelegte Schwert und den schwarzen Mantel.
In seinen Zügen waltete tiefer Ernst. Man erinnerte sich nicht, ihn
je so dunklen Gesichts gesehen zu haben. Er gab kurze, aber höfliche
Antworten.
„Wer eröffnet die Audienz?“ fragte er den Grafen Gonzalez de Lara,
einen würdigen Greis.
„Wer anders als Ximenes und Pater Leon? Die Inquisition hat den
Vortritt vor den Granden.“
„Das war nicht immer so,“ sagte Mora mit verfalteter Stirn.
„Man kann zu Euch freier sprechen. Die Cortes sollten die Augen offen
halten. Wenn Könige in den Händen der Priester sind, ist es fast
schlimmer, als wenn ein König in den Händen eines Weibes ist.“
Der Graf de Mora drückte dem Alten beziehungsvoll die Hand. „Ihr denkt,
wie es ist. Wenn’s not tut, erinnert Euch meiner.“
„Auch Ihr, junger Freund, sollt an mir nicht vorübergehen.“
„Gewiß nicht, Lara. Man spricht, höre ich, von Übergriffen der
Inquisition.“
„Man spricht wahre Worte. Aber still -- da drüben bei der Säule steht
ein Familiare der Inquisition. Die Leute bewachen jedes Wimpernzucken.“
„Wird man die Königin allein sprechen können?“
„Schwer. Ximenes horcht die Seelen der Untertanen aus.“
„Man muß doch vor ihr Herz kommen können?“
„Meist nur vor ihr Antlitz. Um ihr Herz legt Ximenes seine Dornenhecke.
Doch Ihr habt ein alt Geschlecht, vielleicht zeichnet Euch die Königin
aus. Ihr habt Gewichtiges --?“
Er kam nicht weiter. Der große Kapitän Gonsalvo trat mit dem glänzenden
Gefolge seiner Hausmannschaft in den Löwenhof, der Gobernador schritt
durch die Reihen der Edlen, die alten Geschlechter Mendoza, Villena,
Castro, Cifuentes, Ureña, Cabra und andere hoben sich von dem jüngern
Adel ab, gekennzeichnet durch die Geschlechtswappen ihrer Herolde,
während die hohe Geistlichkeit und die verdienstvollen Mönche getrennt
von den Granden eine Insel um die Brunnenschale in der Hofmitte
bildeten. Vor dem Eingang zum Saal der Schwestern, der durch einen
großen Vorhang abgeschlossen war, standen die Edelknaben der Königin
unter der Führung ihres Alcayden Diego von Cordoba.
„Der König ist aufgeräumt und gnädig,“ sagte der Graf Alvaro Nuñez de
Castro, der eben herauskam. „Er hat mir einen Teil der Besitzsteuer
erlassen.“
„Und die Königin?“ fragte de Mora ungeduldig.
„Sie spricht nur mit Ximenes. Ich konnte keinen Gnadenblick erhaschen.“
Name für Name wurde gerufen, Stunde auf Stunde verrann. Graf de Mora
wurde ungeduldig. Der Löwenhof leerte sich, viele Granden wurden für
den nächsten Tag bestimmt, und endlich nannten die Sekretäre nur mehr
drei Edelnamen: Tendilla, Gonsalvo und Mora.
Bald darauf standen die drei Ritter gleichzeitig vor dem Herrscherpaar.
Ihre hohen Gestalten umspielte dämmriges Licht aus der Kuppel.
Seitwärts der Königin saß Ximenes, während Leon an einer der herrlichen
Holztüren stand, die zu den kleinern Seitengemächern führten. Sechs
Granden hielten Wache beim Eingang in den Saal der Ajimezes, durch
dessen Erkerfenster man den Strahl des Springbrunnens im Patio de
Daraxa in der Sonne blitzen sah.
Der König enthüllte seine Absicht, wie notwendig es sei, den Mauren
Ernst zu zeigen. Er wies auf die Vorgänge der letzten Nacht hin, teilte
mit, daß die Monfis schon bis zum Hügel von Padul schwärmten, und
Gonsalvo legte einen Plan für den Marsch in die Berge vor und erbot
sich, das nahegelegene Maurenschloß von Guejar zu stürmen. Auch Graf
Tendilla unterstützte den Antrag. Der Graf de Mora wurde beauftragt,
Lanjaron, das stark befestigte Bergnest in den Alpujarras, zu nehmen.
Da verneigte sich Don Pedro de Solar vor dem König. „Ich will nach
Lanjaron -- zum letztenmal meinem König und meiner Königin im Kampf
gegen die Mauren zu dienen.“
Unter den Anwesenden entstand eine Bewegung. Fernando blickte aus
seiner kühlen Haltung auf. „Hispaniola lockt Euch noch immer?“
Der Graf schüttelte den Kopf. „Darf ich mit meinem König allein
sprechen?“ fragte er mit beinahe feierlich gespannter Seele.
Der König blickte verwundert. „Das ist nicht Sitte. Die Königin zum
mindesten --“
„Ihr Herz wird meine Sprache segnen,“ sagte de Mora mit leuchtendem
Auge.
„Mein Primas wird nicht fehlen wollen,“ bemerkte Fernando, indem er
Ximenes einen beziehungsvollen Blick zuwarf.
Der Erzbischof nickte kühl. Leon trat zu ihm und flüsterte ihm etwas
zu. Der Königin aber wurde ängstlich zumute. Was hatten sie für
Geheimnisse? „Erzbischof, was darf ich nicht wissen?“
Ximenes kräuselte unmutig die Lippen. „Pater Leon bat mich, die Worte
des Grafen hören zu dürfen.“
Graf de Mora flehte kühn: „Mein Wort ist nur für die königlichen
Hoheiten bestimmt.“
Da entschied der König kurz: „Erwartet mich im Saal der Ajimezes.
Ximenes bleibe, der Vikar entferne sich.“
Graf de Mora trat in den Nebensaal. Pater Leon ging verstimmt in den
Löwenhof, wo er wie ein lauernder Marder um die Säulen schlich. Alles
wich dem Gefürchteten aus, Granden und Kleriker hatten Ursache, mit ihm
nicht allzu bekannt zu werden.
Der König ließ sich noch von Gonsalvo Bericht über die verfügbaren
Streitkräfte erstatten. Als er dann von den Sekretären hörte, daß für
heute nur mehr der Besuch des Hospitals und zweier Klöster geplant war,
verabschiedete er die beiden Granden.
Ximenes lehnte beim Fenster und starrte in das Grün der Zypressen. Der
König rief ihn nun heran. „Ihr kennt den Grafen de Mora?“
Der Kanzler nickte. „Sein Vater ist nicht ganz ohne Makel ins Grab
gestiegen. Aber man hat damals -- es sind schon an die fünfzehn Jahre
her -- noch Gnade mit manchen Zweiflern geübt. Wir schreiben eine andre
Zeit.“
Die Königin geriet in Eifer. „Soll der Sohn die Sünden der Väter büßen?
Wie soll der Sohn zur Tapferkeit rüsten, wenn er weiß, daß sie um
seines Vaters Fehler willen nicht belohnt wird?“
„Und dennoch macht man so die Väter vorsichtig,“ sagte Ximenes. „Auch
liegt es im beschworenen Gesetz enthalten. Im übrigen muß man Don Pedro
de Solar hören. Er hat sich Verdienste erworben, er hat auch meinen
Salzedo aus maurischen Händen befreit, er war ein eifriger Verfolger
der Mauren, die Bewachung des Imams lag in seinen Händen. Ob sie immer
gut war -- hm -- wer will es sagen? Auch der Abencerrage flüchtete
unter seiner Bewachung. Aber noch scheint der Graf pflichttreu und
gewissenhaft zu sein. Nur eins trübt sein gutes Bild. Pater Leon macht
mich aufmerksam, daß der Graf nahe daran sei, sein Herz an eine Maurin
zu verlieren --“
Der König machte eine jähe Wendung. Er dachte an die herbstliche
Abendstunde, da er diesen viel gelobten und nie verliebten Grafen mit
Leonore de Uceda verloben wollte. Er hatte den Grafen seither nicht
wiedergesehen.
Isabella ereiferte sich. „Eine Maurin? Moriska? Und er will den Raub
der losen Liebesfrüchte vor dem Altar heiligen?“
„Man munkelt es.“
„Er hätte seinen Wert für ein würdigeres Herz aufsparen sollen. Die
Moriskas machen leicht ihr Herz zum Spielball. Man wird sich hüten
müssen, ihn gnädig zu behandeln. Wer ist das Weib?“
„Die natürliche Tochter Boabdils,“ meldete Ximenes eindrucksvoll.
Fernando wurde von seinem Gewissen bedrängt. Er dachte des Mannes als
eines, den er oft getäuscht. „Wie kommt die Tochter her?“
„Geheimnisvoll genug. Ihre Mutter, die Gräfin Calabreña, flüchtete
vor vielen Jahren an den Maurenhof und verliebte sich in Boabdil. Die
Frucht ist dieses Mädchen. Sie wurde vom Vater in Spanien belassen
und der Erziehung eines Ratgebers des Königs übergeben, eben jenem
ehrwürdigen Imam Abu Atir. Sie ist erst seit vorigem Herbst in Granada.
Sie wehrte sich bei der Bücherverbrennung um den Koran ihres Vaters,
und es mußte ihr das Buch ausgeliefert werden, damit wir Salzedo dafür
unversehrt erhielten. Es war ein erbärmlicher Handel, vom Grafen de
Mora vorgeschlagen und nur durch die Not entschuldigt. Damals schon
wunderte man sich über die Verteidigung des Mädchens durch den Grafen.
Das Kind ist unterdessen Christin geworden. Sie ist wirklich kaum mehr
als ein Kind.“
Die Königin wurde nachdenklich. „Warum bekomme ich die Moriska nie zu
sehen?“
„Sie lebt sehr zurückgezogen, fast noch auf maurische Art. Sie besucht
nur mit unserer Erlaubnis täglich den Imam. Aber man wird von nun an
vorsichtiger sein müssen. Die Befreiungsversuche der Mauren scheinen in
der Alcazaba eine Stütze zu finden, und wenn mich nicht alles täuscht,
hat diese schöne Moriska allen Grund, sich von einem gewissen Verdacht
zu reinigen. Pater Leon ist der Beichtvater des Königskindes.“ Der
Kanzler machte hinter halbgeschlossenen Lidern kleine Augen.
„Sonderbar!“ sagte Isabella leise. „Aber hören wir den Grafen. Kommt!“
Die Granden öffneten den Vorhang im Türbogen. Prachtvoll fiel das
Licht aus dem Patio de Daraxa in den zierlichen Mirador, der den Saal
abschloß.
Graf de Mora stand bei einem der Fenster. Nun verneigte er sich tief,
ließ sich aufs Knie und küßte die Hand der Königin. Der Vorhang schloß
sich wieder.
Die heißersehnte Stunde hatte geschlagen. Der Sonnenschein in den
Blicken der Königin trieb den Grafen an, offen zu sprechen, wenn er
auch in Fernandos undurchdringlichem Gesicht keine Ermutigung las. Auch
das wächserne Antlitz des Primas war keine freundliche Einladung.
„Ihr seid nicht in der Liste der Familiares?“ fragte der König.
„Nein.“
„Warum?“
„Es ist ein Amt, das andre Männer fordert, die weniger Mann sind als
ich.“
Ximenes zog die weißen Brauen hoch. „Es stehen die ersten Namen auf den
Listen.“
„Doch auch die letzten von ganz Spanien, die man nur in verrufnen
Ventawinkeln nennt.“
„Ketzer sind eben in allen Schichten zu suchen. Sie aufzufinden,
braucht man die Hilfe eines jeden.“
„Zur Sache,“ warf der ungeduldige König ein. „Ihr wollt nicht nach
Hispaniola?“
„Meine Güter verlangen nach dem Herrn. Ich will meinen Herden, den
Feldern und der Seidenzucht leben.“
„So jung und schon soviel Sinn für Behaglichkeit?“ verwunderte sich die
Königin. „Da werden die andalusischen Schönen trauern, wenn ein Mann
wie Ihr sein Licht unter den Scheffel stellt. Ihr seid unbeweibt?“