Sechsundzwanzigstes Kapitel

Der Graf hatte den Imam einvernommen. Des Maurenpriesters Auge

leuchtete sonnenklar in Unschuld. „Ich hätte wohl dem Erlöser die Hand

zur Flucht gereicht, aber ich wußte nicht, wie nah er mir war.“ Bis

spät in die Nacht dauerten die Verhöre bei den Wachen. Man bat um eine

Verdoppelung des Postens beim Fenster, denn es wollte niemand mehr

der Maurenlist zum Opfer fallen. Allgemein war die Meinung, der kühne

Abencerrage sei der Täter.

Die Alguaciles brachten stündlich neue Nachrichten. Bei einem Morisko

wurde ein Zettel mit einem aufreizenden Inhalt gefunden: „Wehrt euch,

sonst ist das Ende da. Ihr werdet in den Bergen die Weidegerechtigkeit

verlieren. Man rühmt eure Geschicklichkeit, doch man wird sie auf

seine Weise ausnützen, eure Genügsamkeit, aber ihr werdet dafür nicht

viel zu essen bekommen, euern Fleiß, dafür wird man euch bis aufs Blut

schinden, eure Bescheidenheit, und man wird euch wirklich nur ein paar

Maravedis im Tag geben, eure Bodenwirtschaft, und ihr werdet sie im

Joch beweisen müssen.“

Don Pedro ließ den Zettel verbrennen -- um des Imams willen, dem er die

Aufreizung zuschrieb.

Es war nach Mitternacht, als man auf den Höhen der Sierra Nevada

kleine Punkte aufleuchten sah, Feuer, wie sie die Mauren zur Zeit der

Sonnenwende auf den Bergen zu entzünden pflegten. Auch bei Gefahr,

Aufstand, als Zeichen der Versammlungen brannten diese Feuer. Der

Graf wurde stutzig. Er hatte die ergebnislose Untersuchung für heute

beendet. Zu Hause angekommen, fiel ihm ein Paket Schriften in die Hand,

das er heute von der Mutter gesandt bekommen hatte. Es waren Dokumente

seines Vaters, Erinnerungen, wie sie der alte Mann, der nicht nur

waffentüchtig, sondern auch gelehrt war, aufgezeichnet hatte. Sie lagen

nun zum erstenmal vor den Augen des Sohnes. Die Mutter fühlte sich

krank und hatte dem Sohn in einer Anwandlung von Sterbensmüdigkeit die

Aufzeichnungen des Vaters geschickt.

Die Erinnerungen spielten in eine ferne Zeit hinein, sie sprachen

von Waffenglück und königlichem Dienst, von der Vertiefung in

Glaubenssachen --

Da erblaßte der Graf. Er las seltsame Worte: „Beinahe hätte ich

die Schmach über mich ergehen lassen müssen, von der Inquisition

verfolgt zu werden, weil ich mich infolge eines nächtelangen Studiums

in arabischen Schriften mit den Angriffen der Mohammedaner gegen

die heiligen Dogmen der Kirche befreundet hatte. Besonders das

Dreieinigkeitsdogma machte meinem Geist viel Pein. Nur die Einsprache

eines mächtigen Gönners, des Herzogs von Medina-Sidonia, bewahrte mich

vor dem Ärgsten.“

Mit zusammengepreßtem Herzen sann der Graf in die Schrift. Sein Vater,

der Abgott seiner Jugend -- von der Inquisition verfolgt! Nun erinnerte

er sich des betretenen Schweigens in den Kreisen der Granden, wenn von

der Vergangenheit des Vaters die Rede war. Man wollte ihm, dem Sohn,

des Alten Sünde nicht als erblichen Fluch auf die Schultern laden, aber

man konnte doch nicht vermeiden, ihn mit einem gewissen Mißtrauen zu

behandeln. Die kriegerischen Anlagen des jungen Grafen drängten den

gelehrten Sinn zurück, und erst in den letzten Wochen, da sich sein

Herz gewandelt, hatte auch sein Geist die Spuren der Gelehrsamkeit

in den arabischen Schriften, die ihm Hernando de Rojas verschafft,

aufmerksam verfolgt. Er hatte da plötzlich entdeckt, wieviel die

Spanier den arabischen Gelehrten, und vor allem den Philosophen,

verdanken, wie die Bücher des Averroes über Aristoteles das ganze

christliche Denken umformten, wie die Heilkunst auf Grund arabischer

Erfahrungen ausgeübt wurde, wie Kriegführung und Rittertum im

maurischen Boden wurzelten und die spanische Dichtung sich noch immer

der morgenländischen Blüten bediente. Pulver, Papier, Seidenzucht,

Ackerbau, alles mußte der Spanier den Mauren entwinden, selbst Kolumbus

hätte wahrscheinlich ohne die Erdkarte des Edrisi das neue Land nicht

entdeckt.

Waren es Feinde, die den Vater vor das Tribunal geschleppt? Oder hatte

er sich selbst unvorsichtig verraten? So war sein Geschlecht durch des

Vaters Schuld nahe daran gewesen, von allen Ehren ausgeschlossen zu

werden? Und belastete nicht ein von der Inquisition Verurteilter auch

Kind und Kindeskinder?

Er hatte in dieser Nacht tief und ernst zu denken. Und mit umränderten,

müden Augen sah er dem Morgen entgegen. Die innere Unruhe verscheuchte

das Blei von seinen Lidern, und der erste Sonnenstrahl grüßte einen

matten Körper und Geist.

* * * * *

Im Saal der Schwestern, unter der prunkvollen, tropfsteinartigen

Kuppel, die wie ein phantastisches Riesenzellengewebe zu Häupten hing,

inmitten der ornamentalen Pracht der Wände, der farbenstrahlenden

Türbogen und des abwechslungsreichen Spiels der Formen und Muster, des

Goldes und des Dämmerlichts nahmen die Könige die Berichte der Granden

entgegen. Am frühen Morgen waren beunruhigende Nachrichten angelangt.

Christendörfer in den Alpujarras waren von den Mauren überfallen

worden, die Monfis plünderten christliche Hirtenstationen, und man

sprach davon, daß sich große Banden um Orgiva und Guejar sammelten, der

Name Abu Atir fliege von Mund zu Mund, es sei offenkundig, daß man ihn

befreien und zum König ausrufen würde. Die schwere Reiterei, tapfere

Lehensmannen und Adelige aus den ersten Geschlechtern, machte sich

zum Aufbruch bereit, der große Kapitän Gonsalvo de Cordoba sollte das

kleine Heer gemeinsam mit Tendilla gegen die Maurennester führen. Doch

zuvor sollte der Graf de Mora die Stärke der Banden erkunden.

Die Wachen vor dem Löwenhof zogen in dreifacher Stärke auf. Fremde

Gesandte, geistliche Würdenträger und Bittsteller harrten im Hof. Der

Vorsaal der Mozaraber war überfüllt von schimmernden Gestalten, die von

den Sekretären der Königin nach Listen geordnet wurden. Ein Gnadenwort

aus hohem Mund war Erquickung für den ehrgeizigen kastilischen

Ritter. Man witterte Maurenkämpfe und freute sich, denn des Friedens

Tatenlosigkeit drückte auf die spanischen Gemüter.

„Ah -- der Held von Santa Fé!“ sagte der Graf de Cabra zu einem andern

Granden, als sich die Gestalt des königlichen Hauptmanns an der Saaltür

zeigte. „Man spricht viel von der schönen Moriska, die Boabdils Tochter

sein soll. Aber man nennt selten ihren Namen ohne den seinen. Es

scheint da ein Liebesgarten aufzublühen.“

„Ihr meint doch nicht --“

„Was ich meine, wird den Grafen de Mora nicht abhalten, unvernünftig

zu sein. Ich weiß nur, daß er die Hand der schönen Leonore de Uceda

verschmäht hat.“

„Und das sollte ungestraft von ihr geschehen sein?“ lächelte der Grande.

Cabra machte ein Zeichen des Schweigens. Graf de Mora hatte sich

genähert. Er trug das reichgestickte Gewand seines Vaters, den Hut mit

dem Federbusch, das golden eingelegte Schwert und den schwarzen Mantel.

In seinen Zügen waltete tiefer Ernst. Man erinnerte sich nicht, ihn

je so dunklen Gesichts gesehen zu haben. Er gab kurze, aber höfliche

Antworten.

„Wer eröffnet die Audienz?“ fragte er den Grafen Gonzalez de Lara,

einen würdigen Greis.

„Wer anders als Ximenes und Pater Leon? Die Inquisition hat den

Vortritt vor den Granden.“

„Das war nicht immer so,“ sagte Mora mit verfalteter Stirn.

„Man kann zu Euch freier sprechen. Die Cortes sollten die Augen offen

halten. Wenn Könige in den Händen der Priester sind, ist es fast

schlimmer, als wenn ein König in den Händen eines Weibes ist.“

Der Graf de Mora drückte dem Alten beziehungsvoll die Hand. „Ihr denkt,

wie es ist. Wenn’s not tut, erinnert Euch meiner.“

„Auch Ihr, junger Freund, sollt an mir nicht vorübergehen.“

„Gewiß nicht, Lara. Man spricht, höre ich, von Übergriffen der

Inquisition.“

„Man spricht wahre Worte. Aber still -- da drüben bei der Säule steht

ein Familiare der Inquisition. Die Leute bewachen jedes Wimpernzucken.“

„Wird man die Königin allein sprechen können?“

„Schwer. Ximenes horcht die Seelen der Untertanen aus.“

„Man muß doch vor ihr Herz kommen können?“

„Meist nur vor ihr Antlitz. Um ihr Herz legt Ximenes seine Dornenhecke.

Doch Ihr habt ein alt Geschlecht, vielleicht zeichnet Euch die Königin

aus. Ihr habt Gewichtiges --?“

Er kam nicht weiter. Der große Kapitän Gonsalvo trat mit dem glänzenden

Gefolge seiner Hausmannschaft in den Löwenhof, der Gobernador schritt

durch die Reihen der Edlen, die alten Geschlechter Mendoza, Villena,

Castro, Cifuentes, Ureña, Cabra und andere hoben sich von dem jüngern

Adel ab, gekennzeichnet durch die Geschlechtswappen ihrer Herolde,

während die hohe Geistlichkeit und die verdienstvollen Mönche getrennt

von den Granden eine Insel um die Brunnenschale in der Hofmitte

bildeten. Vor dem Eingang zum Saal der Schwestern, der durch einen

großen Vorhang abgeschlossen war, standen die Edelknaben der Königin

unter der Führung ihres Alcayden Diego von Cordoba.

„Der König ist aufgeräumt und gnädig,“ sagte der Graf Alvaro Nuñez de

Castro, der eben herauskam. „Er hat mir einen Teil der Besitzsteuer

erlassen.“

„Und die Königin?“ fragte de Mora ungeduldig.

„Sie spricht nur mit Ximenes. Ich konnte keinen Gnadenblick erhaschen.“

Name für Name wurde gerufen, Stunde auf Stunde verrann. Graf de Mora

wurde ungeduldig. Der Löwenhof leerte sich, viele Granden wurden für

den nächsten Tag bestimmt, und endlich nannten die Sekretäre nur mehr

drei Edelnamen: Tendilla, Gonsalvo und Mora.

Bald darauf standen die drei Ritter gleichzeitig vor dem Herrscherpaar.

Ihre hohen Gestalten umspielte dämmriges Licht aus der Kuppel.

Seitwärts der Königin saß Ximenes, während Leon an einer der herrlichen

Holztüren stand, die zu den kleinern Seitengemächern führten. Sechs

Granden hielten Wache beim Eingang in den Saal der Ajimezes, durch

dessen Erkerfenster man den Strahl des Springbrunnens im Patio de

Daraxa in der Sonne blitzen sah.

Der König enthüllte seine Absicht, wie notwendig es sei, den Mauren

Ernst zu zeigen. Er wies auf die Vorgänge der letzten Nacht hin, teilte

mit, daß die Monfis schon bis zum Hügel von Padul schwärmten, und

Gonsalvo legte einen Plan für den Marsch in die Berge vor und erbot

sich, das nahegelegene Maurenschloß von Guejar zu stürmen. Auch Graf

Tendilla unterstützte den Antrag. Der Graf de Mora wurde beauftragt,

Lanjaron, das stark befestigte Bergnest in den Alpujarras, zu nehmen.

Da verneigte sich Don Pedro de Solar vor dem König. „Ich will nach

Lanjaron -- zum letztenmal meinem König und meiner Königin im Kampf

gegen die Mauren zu dienen.“

Unter den Anwesenden entstand eine Bewegung. Fernando blickte aus

seiner kühlen Haltung auf. „Hispaniola lockt Euch noch immer?“

Der Graf schüttelte den Kopf. „Darf ich mit meinem König allein

sprechen?“ fragte er mit beinahe feierlich gespannter Seele.

Der König blickte verwundert. „Das ist nicht Sitte. Die Königin zum

mindesten --“

„Ihr Herz wird meine Sprache segnen,“ sagte de Mora mit leuchtendem

Auge.

„Mein Primas wird nicht fehlen wollen,“ bemerkte Fernando, indem er

Ximenes einen beziehungsvollen Blick zuwarf.

Der Erzbischof nickte kühl. Leon trat zu ihm und flüsterte ihm etwas

zu. Der Königin aber wurde ängstlich zumute. Was hatten sie für

Geheimnisse? „Erzbischof, was darf ich nicht wissen?“

Ximenes kräuselte unmutig die Lippen. „Pater Leon bat mich, die Worte

des Grafen hören zu dürfen.“

Graf de Mora flehte kühn: „Mein Wort ist nur für die königlichen

Hoheiten bestimmt.“

Da entschied der König kurz: „Erwartet mich im Saal der Ajimezes.

Ximenes bleibe, der Vikar entferne sich.“

Graf de Mora trat in den Nebensaal. Pater Leon ging verstimmt in den

Löwenhof, wo er wie ein lauernder Marder um die Säulen schlich. Alles

wich dem Gefürchteten aus, Granden und Kleriker hatten Ursache, mit ihm

nicht allzu bekannt zu werden.

Der König ließ sich noch von Gonsalvo Bericht über die verfügbaren

Streitkräfte erstatten. Als er dann von den Sekretären hörte, daß für

heute nur mehr der Besuch des Hospitals und zweier Klöster geplant war,

verabschiedete er die beiden Granden.

Ximenes lehnte beim Fenster und starrte in das Grün der Zypressen. Der

König rief ihn nun heran. „Ihr kennt den Grafen de Mora?“

Der Kanzler nickte. „Sein Vater ist nicht ganz ohne Makel ins Grab

gestiegen. Aber man hat damals -- es sind schon an die fünfzehn Jahre

her -- noch Gnade mit manchen Zweiflern geübt. Wir schreiben eine andre

Zeit.“

Die Königin geriet in Eifer. „Soll der Sohn die Sünden der Väter büßen?

Wie soll der Sohn zur Tapferkeit rüsten, wenn er weiß, daß sie um

seines Vaters Fehler willen nicht belohnt wird?“

„Und dennoch macht man so die Väter vorsichtig,“ sagte Ximenes. „Auch

liegt es im beschworenen Gesetz enthalten. Im übrigen muß man Don Pedro

de Solar hören. Er hat sich Verdienste erworben, er hat auch meinen

Salzedo aus maurischen Händen befreit, er war ein eifriger Verfolger

der Mauren, die Bewachung des Imams lag in seinen Händen. Ob sie immer

gut war -- hm -- wer will es sagen? Auch der Abencerrage flüchtete

unter seiner Bewachung. Aber noch scheint der Graf pflichttreu und

gewissenhaft zu sein. Nur eins trübt sein gutes Bild. Pater Leon macht

mich aufmerksam, daß der Graf nahe daran sei, sein Herz an eine Maurin

zu verlieren --“

Der König machte eine jähe Wendung. Er dachte an die herbstliche

Abendstunde, da er diesen viel gelobten und nie verliebten Grafen mit

Leonore de Uceda verloben wollte. Er hatte den Grafen seither nicht

wiedergesehen.

Isabella ereiferte sich. „Eine Maurin? Moriska? Und er will den Raub

der losen Liebesfrüchte vor dem Altar heiligen?“

„Man munkelt es.“

„Er hätte seinen Wert für ein würdigeres Herz aufsparen sollen. Die

Moriskas machen leicht ihr Herz zum Spielball. Man wird sich hüten

müssen, ihn gnädig zu behandeln. Wer ist das Weib?“

„Die natürliche Tochter Boabdils,“ meldete Ximenes eindrucksvoll.

Fernando wurde von seinem Gewissen bedrängt. Er dachte des Mannes als

eines, den er oft getäuscht. „Wie kommt die Tochter her?“

„Geheimnisvoll genug. Ihre Mutter, die Gräfin Calabreña, flüchtete

vor vielen Jahren an den Maurenhof und verliebte sich in Boabdil. Die

Frucht ist dieses Mädchen. Sie wurde vom Vater in Spanien belassen

und der Erziehung eines Ratgebers des Königs übergeben, eben jenem

ehrwürdigen Imam Abu Atir. Sie ist erst seit vorigem Herbst in Granada.

Sie wehrte sich bei der Bücherverbrennung um den Koran ihres Vaters,

und es mußte ihr das Buch ausgeliefert werden, damit wir Salzedo dafür

unversehrt erhielten. Es war ein erbärmlicher Handel, vom Grafen de

Mora vorgeschlagen und nur durch die Not entschuldigt. Damals schon

wunderte man sich über die Verteidigung des Mädchens durch den Grafen.

Das Kind ist unterdessen Christin geworden. Sie ist wirklich kaum mehr

als ein Kind.“

Die Königin wurde nachdenklich. „Warum bekomme ich die Moriska nie zu

sehen?“

„Sie lebt sehr zurückgezogen, fast noch auf maurische Art. Sie besucht

nur mit unserer Erlaubnis täglich den Imam. Aber man wird von nun an

vorsichtiger sein müssen. Die Befreiungsversuche der Mauren scheinen in

der Alcazaba eine Stütze zu finden, und wenn mich nicht alles täuscht,

hat diese schöne Moriska allen Grund, sich von einem gewissen Verdacht

zu reinigen. Pater Leon ist der Beichtvater des Königskindes.“ Der

Kanzler machte hinter halbgeschlossenen Lidern kleine Augen.

„Sonderbar!“ sagte Isabella leise. „Aber hören wir den Grafen. Kommt!“

Die Granden öffneten den Vorhang im Türbogen. Prachtvoll fiel das

Licht aus dem Patio de Daraxa in den zierlichen Mirador, der den Saal

abschloß.

Graf de Mora stand bei einem der Fenster. Nun verneigte er sich tief,

ließ sich aufs Knie und küßte die Hand der Königin. Der Vorhang schloß

sich wieder.

Die heißersehnte Stunde hatte geschlagen. Der Sonnenschein in den

Blicken der Königin trieb den Grafen an, offen zu sprechen, wenn er

auch in Fernandos undurchdringlichem Gesicht keine Ermutigung las. Auch

das wächserne Antlitz des Primas war keine freundliche Einladung.

„Ihr seid nicht in der Liste der Familiares?“ fragte der König.

„Nein.“

„Warum?“

„Es ist ein Amt, das andre Männer fordert, die weniger Mann sind als

ich.“

Ximenes zog die weißen Brauen hoch. „Es stehen die ersten Namen auf den

Listen.“

„Doch auch die letzten von ganz Spanien, die man nur in verrufnen

Ventawinkeln nennt.“

„Ketzer sind eben in allen Schichten zu suchen. Sie aufzufinden,

braucht man die Hilfe eines jeden.“

„Zur Sache,“ warf der ungeduldige König ein. „Ihr wollt nicht nach

Hispaniola?“

„Meine Güter verlangen nach dem Herrn. Ich will meinen Herden, den

Feldern und der Seidenzucht leben.“

„So jung und schon soviel Sinn für Behaglichkeit?“ verwunderte sich die

Königin. „Da werden die andalusischen Schönen trauern, wenn ein Mann

wie Ihr sein Licht unter den Scheffel stellt. Ihr seid unbeweibt?“

Granada in Flammen · 第 117 / 190 题