Don Pedro starrte ihn an. „Mir -- diese Ehre --?“

„Man weiß keinen Bessern. Dazu die Empfehlungen des Ximenes --“

Der Graf zog die Brauen hoch. „Wirklich? Des Ximenes? So werden Heilige

zu Sündern. Laß mich hier Abschied nehmen.“

Da schnellte schon der Vorhang zurück. Reija trat mit angstgelähmten

Augen heraus. Statt der Schleier trug sie einen Seidenstoff, der sie

wie eine Toga umhüllte. Hernando verneigte sich staunend vor der

Schönheit des Mädchens.

„Ich -- habe -- alles gehört,“ sagte Reija. Und sie senkte langsam den

Schild ihrer Wimpern über die Augen. Auf ihren Lippen war jedes Lächeln

erfroren.

Der Graf reckte sich. „Ich werde die Truppen nicht in die Alpujarras

führen.“

Ein Freudenschrei sprang aus der Brust der Moriska. „Alle guten Geister

Gottes mögen über deinem Hause wachen!“

Hernando aber sah bestürzt den Freund an. „Womit willst du vor dem

König die Weigerung rechtfertigen?“

„Das höre der König allein.“ Don Pedro atmete schwer.

Reija hob den Vorhang. „Tretet einen Augenblick hier hinein, Feta. Ihr

werdet hier ein Geschöpf finden, das dieses Geschenk einer glücklichen

Stunde zu würdigen wissen wird.“

Der ritterliche Gelehrte war nicht auf den Kopf gefallen. Er erkannte

auch gleich das spitze Lachen daneben. Wie ein aufgescheuchter Hase

flog er hinein und fiel gleich darauf in weiche, weit geöffnete Arme.

Kaum war Don Pedro mit seiner Geliebten allein, flüsterte ihm diese zu:

„Ich weiß, was du denkst.“ Ihre Worte klangen wie durch einen dichten

Nebel gedämpft. „Bei den Freuden des Paradieses schwöre ich dir: ich

habe hier meine Hände nicht im Spiel.“

Der Graf preßte die Lippen aufeinander, sein Gesicht zeigte Spuren

tiefwühlenden Schmerzes.

„Pedro -- du glaubst mir nicht? Ich liege vor deinen Füßen -- ich

umklammere deine Knie -- ich bin unschuldig -- aber ich ahne, wer es

getan.“

„Eswer!“ stürzte der Graf heraus.

„Er ist tollkühn und hängt schwärmerisch an dem Imam.“

„Weil er an dir hängt!“ kochte das eifersüchtige Herz des Spaniers auf.

„So dankt er für seine Freiheit! Es kann nur ein Blut für deine Liebe

pulsen. Gott gebe, daß ich ihm im ehrlichen Kampf gegenüberstehe.“

„Pedro -- du wirst nicht -- gegen die Mauren kämpfen?“ Ihre Hände

verkrampften sich unter heftigem Schluchzen in seine Arme. „Oh, sprich

mit der Königin -- sie ist mild und gut --!“

„Ihr Wille ist betört durch die Sprache der Priester, gefesselt

durch die Macht der Inquisition. Wer diese Fesseln bräche, gewönne

für Spanien den Atemzug der Freiheit wieder. In Toledo schmachten

Christenritter in den Kerkern des heiligen Gerichts, in Tiara brennen

Scheiterhaufen, Cordoba seufzt unter dem Druck priesterlicher Henker,

und nun soll Granada --? Oh, die Könige wissen nicht, wie die

Dominikaner Dezas und Ximenes arbeiten. Wer ihnen die Augen öffnete für

das Elend der Seelen! Der edle Talavera ist auf meiner Seite, Tendilla,

Osuna, Orgaz -- die Granden empören sich, daß man ihre Besitzungen

infolge der Austreibung maurischer Bauern zugrunde gehen läßt, die

Jünglinge des höchsten Adels zittern vor den Familiares -- o Mädchen,

Mädchen! Die Fackel deiner Liebe hat in mir die der Gerechtigkeit

entzündet, und an ihr soll sich die Barmherzigkeit der Könige

entflammen.“

„Michael bist du, der Engel der Gerechtigkeit!“ schluchzte sie

Freudentränen an seinem Hals. „Wie liebe ich dich, mein Feta!“

Hernando kam mit erhitztem Gesicht. Er packte den seligverstörten

Freund bei den Armen und zog ihn hinaus. Hinter den beiden siedete das

Glück in zwei Mädchenherzen. Herrin und Sklavin -- die Liebe machte

keinen Unterschied mehr.

„Oh! oh! oh! Er küßt so heiß!“ lief Saffanas Herz über. Und sie strich

sich verwirrt das Kleid über dem Busen zurecht.

Reija aber warf sich auf den Gebetsteppich der Länge nach hin und rief

Mohammed und Jesus gleichzeitig um Beistand für ihre Liebesqual an.

Granada in Flammen · 第 116 / 190 题