Don Pedros Auge verdüsterte sich. „Er tut mir leid, der alte Sid.“

Ihre Wimpern schlossen sich wie in Trauer. „Der Himmel hat einen

Verkünder seiner Seligkeit verloren. Ob sein Stern je wieder aufgehen

wird?“ Als sie sah, wie Don Pedros Stirn umwölkt blieb, lenkte sie ihre

Gedanken auf freundlichere Wege. „Oh, wärest du einer von den Beni Osa!

Sie haben den Wüstensand zum Bett gehabt, sagt Abu Atir. Sie haben

unter buntbewimpelten Zelten geschlafen, Kamele verkauft und getauscht

gegen Waffen und Kleider, haben herrliche Lieder gesungen und Lanzen

verkämpft in Schlachten um Mohammed. Oh, wenn du von ihnen abstammtest!

Und ich wollte von den Rosen von Iram stammen, die König Scheddad in

liebender Glut als das Schönste auf Erden gepflanzt. O sag’, warum hast

du uns Mauren einst so gehaßt?“ Sie kräuselte plötzlich ihren Mund.

„In deiner Liebe sühnte ich mein Unrecht.“ Er bedeckte ihre braunen

Wangen mit Küssen.

„Wir hatten doch soviel für euch getan. Ja, ja, bi nefsi! An unsern

Rittern stärkten die euren ihren Mut, von ihnen lernten sie die

Verehrung des Weibes, und von unsern Baumeistern nahmt ihr die schönen

Formen -- und eure Romanzen und Tänze, sind sie nicht den unsern

abgelauscht?“

Don Pedro fing das Wort auf. „Tanz! Tanz! Du sollst mir die Leila

tanzen!“

„Das geht nicht, Liebling der Freude! Die Leila tanzen wir nur mit dem

Schleier auf dem Leib.“ Sie versteckte schnell ihre Augen.

Der Graf zog sie an sich. „So hüll’ dich in drei Schleier, daß ich

nichts erspähen kann.“

„Meine Brüste müßtest du doch sehen.“ Wieder schloß sie die Augen. Ihre

Wimpernspeere stachen in sein Herz. „Aber weißt du, ich will dir aus

der Hamasa singen. Saffana soll mich begleiten.“ Sie schlug in die Hand.

Die schöne Sklavin holte die Anafine vom Silberhaken. Und Reija hob mit

weicher dunkler Stimme zu singen an. Es war ein arabisches Morgenlied.

„Wenn der Morgensonne Gruß die Berge rötet und das Vogellied erwacht,

wenn auf Blumengrund der goldne Ferge herzieht und vertreibt die letzte

Nacht, weint mein Aug’ um dich, das schon geweint, als die Nacht noch

war dem Morgen feind. Aus den goldnen Mähnen fällt der Tau nieder auf

die buntgeschmückte Au’, Sonnenwagen kreist um alle Erden -- wann wird

mir sein Glanz zur Freude werden?“

Verzückt lauschte Don Pedro. „Hernando weiß viele solcher Lieder, aber

es klang mir keines so schön.“

„Wo ist der Feta?“ fragte die Sklavin schnell.

Der Graf warf ihr einen schelmisch-drohenden Blick zu. „Er ist dir

nicht gleichgültig? Man merkt es wohl.“

Granada in Flammen · 第 112 / 190 题