„Das Amt kann dir helfen, dir die Eroberung meines Herzens zu
erleichtern.“ Sie knetete unruhig das herabtropfende Wachs einer Kerze
zwischen den Fingern.
Der Vikar ging nach der Tür und horchte hinaus. Die nächtliche Stille
drückte wie Blei auf sein Gemüt. Alle seine Fibern waren gespannt.
„Sprich frei!“
„König Fernando hat mich auszeichnen wollen,“ schleuderte Doña Leonore
ihren Grimm von sich. „Es winkte mir ein klingender Name. Ich sollte
mit einem Mann vermählt werden, den nicht nur der Verstand wählte,
nein, dem auch mein Herz seit einiger Zeit insgeheim entgegenschlug.
Stattliche Männlichkeit, ein tadelloser Charakter, eine fast
tempelherrenartige Gesinnung gegenüber den Frauen -- unter solchen
Sternen hoffte ich eine Läuterung meiner eigenen Verworfenheit.“
„Ich sehe es kommen,“ lächelte der Pater unzart.
Der Fächer der schönen Frau zitterte über der Wange. „Weh dem
Weib, das sich, verschmäht von dem Heißbegehrten, nur mit Wünschen
begnügen muß. Ich habe mit den Augen um ihn geworben, mit der ganzen
Koketterie meines Wesens um seine Standhaftigkeit gerungen, ich
habe mit überströmenden Worten der Liebe um sein Herz gekämpft. Die
Antwort schmeckte bitter wie Wermut. Mit dem Panzer ewiger Keuschheit
umhüllte sich der Prahlende, mit der Miene des Kostverächters warf er
meine Liebe von sich, ohne auch nur daran zu nippen. Hörst du, Juan?
Eine Uceda wegwerfen wie eine unnütze Schale, deren Trank man nicht
benötigt. Dominikaner! Von vornherein wegwerfen und keine Träne nach
ihr weinen! Alles unter dem Vorwand klösterlicher Tugend! Ein Mann, ein
Ritter, ein Hauptmann des Königs!“
„Ah! Die Sonne taucht aus Wolken!“ fuhr der Mönch auf. „Es ist Don
Pedro de Solar Graf von Mora.“
„Daß dir der Name Flammen ins Herz würfe, die für meine Rache glühten!“
schlug es wie eine böse Lohe in ihr auf. „Und ich mußte an dem Eis
seines Herzens abgleiten! Soll ich die Spottgeburt einer Dulderin sein,
ich, die Malagueña, die Geliebte eines Königs? Die geträumt hatte,
mit einem Augenzwinkern Throne erzittern zu machen? Siehst du, Juan,
ich hätte die beleidigende Abweisung erduldet, wenn ihre Beweggründe
wahrhaftig die unselige Unverletztheit seiner Tugend gewesen wären.
Und fast schien es so. Aber dann ließ ich meine Spione hinter dem
täglichen Gang seiner Füße schleichen, ließ sein Treiben beobachten
und von bezahlten Leisetretern jeden Seufzer seiner schönen Augen auf
der Straße auffangen, und dann -- o über den Tag! Mit diesen meinen
Blicken riß ich ihm das Geheimnis aus der Brust. Der Himmel muß oft
eine merkwürdige Wollust haben, das Herz einer Frau in Qual erzittern
zu machen! Die beleidigte Liebe hat scharfe Augen, und diese sahen -- o
Priester, weißt du es noch nicht? Damals vor deinen Füßen geschah es --
die Maurin mit dem Koran --“
„Wirf deine schönen Funken in den Brand!“ freute sich der Vikar
unverhohlen.
„Eine Maurin!“ pfeilte der Hohn von dem schönen Mund. „Dunkelleibig,
zart und glatt. Darin hat er sich verbissen!“
„Ich sehe ihn noch, wie er in hellem Zorn den Degen zwischen mich und
sie -- oh, sie ist gewachsen wie eine Spindel aus der Guadarrama.“
Sie zischte vor Zorn über die Kränkung. „Eine Maurin, in Gottes Namen!
Eine, deren Wollust für die kurze Dauer einer Fastnacht beglückt, die
nicht mehr die Anmut des Errötens kennt, wenn sie halb ihre Kleider
wegwirft! Eine Schwärmerei für die arabische Seltsamkeit, sei’s denn!
Aber Liebe, herzaufwühlende Liebe? Dieses Schauspiel den Spaniern?
Und den Spanierinnen? Wenn Christenritter einst Maurinnen ins Ehebett
nahmen, geschah es um Länder, Burgen, Grenzen. Aber aus Liebe? Wie
soll ich nicht das Opfer meiner Eifersucht werden, wenn ich stückweise
Proben seiner zerfallenden Keuschheit zu kosten bekomme? Er führte sie
zur Taufe, seine Augen verschlangen sie, die Lippen, die mir Worte des
schmerzlichen Abschieds logen, brannten nach ihr -- ich sah es mit
diesen meinen Augen --“
Der Vikar runzelte die Stirn. „Der Eifer wird zum Vulkan, aber man muß
gestehen, er sprüht um einen liebenswerten Gegenstand. Aber Liebe,
sagst du?“
Sie fuhr hoch. „Liebe!! Seine Blicke sprachen Liebe! Soll ich sie
beide im mondlichen Garten im zärtlichsten Geflüster belauschen?
Meine Eifersucht würde vorschnell der Verräter sein. Oh, wie er mich
behandelte! Vor meinen Damen, von oben herab! Vor den Damen, die sonst
nur Zeugen der schmeichelnden Verehrung kastilischer Granden waren
-- mich wegzuwerfen -- vor diesen Damen!“ Ihre frauliche Empörung
machte sie fast ersticken. Dann raffte sie ihre Glieder zusammen und
ihre Augen stielten sich. „Sie ist eine Cava -- so heißen sie ihre
Hexenweiber -- ach, Juan -- räche mich!“