„Du willst nicht nach Haiti? Willst du hier immer Hammelfett riechen
und Olla potrida essen?“
„Lege dich auf den Diwan -- er ist maurische Arbeit --“
„Von Mauren willst du, glaube ich, nichts hören.“
Der Graf drückte den Freund mit einem kräftigen Arm in die üppigen
Polster. „Wir haben Eswer Ben Zerragh gefangen.“
„Die Stadt spricht davon. Man soll seine Berge nicht zu früh verlassen,
sagt der vorsichtige Hirte.“
Graf de Mora zog die Zettel aus seinem Brustlatz. „Der junge Ritter
trug das bei sich. Worte des Aufruhrs -- aber seines Herzens. Du kennst
dich in Canzonieros aus.“
Hernando buchstabierte geläufig die Schrift und lachte. „Das wellt wie
Wüstensand unter Samumfittichen. Verse aus einer verliebten Seele.
Gazalun -- die Gazelle -- und er selbst ist Asadun, der Löwe. Er
verliert seine Wildheit beim Anblick der schönen Reija --“
„Heißt das wirklich Reija?“ fiel der Graf dem Freund gereizt ins Wort.
„Reija, gewiß -- und sie wirft braune Beine im Tanz beim Mondenlicht --
und da ist von einer königlichen Abstammung die Rede -- und da: Unter
Hüterflügeln eines weißen Adlers sitzend --“
„Abu Atir! Es liegt am Tag!“ Der Graf schlug heftig mit dem Degenknauf
auf seinen Schenkel.
„Es ist eine Muwaschaha, wie sie die Hirten in den Bergen singen.“
„Ich weiß, wen er meint. Die Perle des Alkazars, die Agarenos nennen
sie Ward.“
„Ward? Das ist die Rose. Ei, ist es die, welche dein Degen --“
„Laß das,“ unterbrach ihn der Graf hastig. „Es hätte jeder Kastilier an
meiner Stelle ebenso gehandelt.“
Hernando de Rojas wurde nachdenklich. „Das Schicksal nimmt sich oft
seltsame Anwälte. Du hast also Salzedo gefunden?“
„Ich verdanke den Fund dem sonderbaren Mädchen -- eben dieser Ward.“
Und er erzählte dem Freund den Hergang.
„So ist Salzedo einen Koran wert. Hm -- Don Pedro war früher nicht
leicht zu einem Handel mit Mauren geneigt. Er befahl und es geschah.
Vielleicht weil er immer nur mit Mauren und nicht mit Maurinnen zu
tun hatte.“ Er lächelte listig. „Und diesen gefährlichen Ritt in die
Alcazaba wagtest du um Salzedo, um Ximenes willen? Man muß sagen, da
hast ein Herz für deine Spanier.“
Mora drehte das Gesicht nach der zart gemusterten Stuckatur der Wand.
Hernando ließ nicht locker. „Dein Entschluß, Hispaniola untreu zu
werden, steht also fest?“
„Das Land lockt mich nicht mehr,“ sagte der Graf geringschätzig. „Mein
Degen sehnt sich nach maurischen Brüsten. Der Glaube ist bedroht. Der
König hat recht: in diesem Augenblick gehören alle spanischen Ritter
nach Spanien.“
„Und um das zu erkennen, mußte zuerst eine Maurin vor deinen Augen
ihren Koran verteidigen?“ Er zielte mit einem prüfenden Blick nach dem
Freund.
Dieser entzog sich wieder dem lauernden Auge. „Du mengst Dinge hinein,
die nicht dazu gehören.“ Er vermurmelte ein paar grollende Worte.
Da legte ihm Hernando die Hand auf die Schulter. „Du bist nicht
aufrichtig.“
Von den Minars erklang das Selam in feierlich gezogenen Tönen. Aus den
Gassen scholl der Lärm der Empörer herauf. Don Pedro de Solar fuhr
gequält auf: „Es gibt einen kleinen Fisch, er heißt Remora. Er soll das
größte Schiff der Welt aufhalten können. Siehst du, so kann ein kleines
Ereignis die größten Entschlüsse zum Stocken bringen.“
„Das ist auf Hispaniola gemünzt?“
Der Graf wurde plötzlich von weichen Gefühlen bewegt. „Ich möchte
wieder in Mora sein, in meinem Carmen bei der Stadt, möchte den
arabischen Springbrunnen rauschen hören. Meine Mutter hatte so viele
arabische Märchen im Kopf.“ Er blickte verloren in das weiße Blenden
der Albaycin-Häuser, während sein Fuß auf der Espartomatte ungeduldig
spielte.