Hochachtungsvoll ...«

Einen, dem man den persönlichen Mut nicht bestreiten wird

können, wollen wir nun anführen: Den _Oberarzt_ d. R. Dr. med.

Hermann _Jaffé_, Sohn des Herrn Adolf Jaffé aus Santomischel

(in Berlin, Tile Wardenbergstr. 9, wohnhaft). Jaffé rückte in

den Augusttagen jenes merkwürdigen Jahres voll Begeisterung

als Kriegsfreiwilliger hinaus. Er nahm an den Schlachtplätzen

der Westfront teil. Obwohl Arzt, ward er doch, um seinen

persönlichen Mut besser beweisen zu können, Flieger. Fünfmal

wurde er verwundet, das vierte mal im Januar 1918, kaum von der

Verwundung genesen, eilte er erneut ins Feld, bis er am 17. Mai

1918 den Folgen einer fünften Verwundung im Lazarett in Damaskus

erlag. Eine Reihe von Auszeichnungen (Eisernes Kreuz I. Klasse,

Eiserner Halbmond usw.) könnten angeführt werden. Aber dieses

Soldatenleben spricht wohl ohnedies genügend für sich.

Am 13. Januar fiel durch einen feindlichen Herzschuß der

Fliegerleutnant Max _Pappenheimer_. Es verlohnt sich, seinen

Lebenslauf zu überblicken. Er entstammt einem Lehrerhaus in

Mergentheim und studierte Rechtswissenschaften, gehörte dabei

einer zionistischen Korporation an. Damals hätte ihm sicher

niemand das Horoskop gestellt, daß er in bälde ein deutscher

Fliegeroffizier werden würde, er, der nicht einmal zum Dienst mit

der Waffe eingezogen worden war, da er bei der Untersuchung nur

zum Ersatz-Reservisten tauglich befunden wurde.

Im Kriege kam alles anders. Auf dem Truppenübungsplatz Meiningen

kurze Zeit nach Kriegsausbruch ausgebildet kam er im November

1914 zum W. Inf.-Reg. 127 in die Argonnen, wo er sich durch

Mut und Ausdauer auszeichnete. Im März 1915 wurde er bereits

Offizier, und als solcher zum Regiment 52 versetzt, wo er im

Priesterwalde stand, aber weder als Soldat noch als Mensch

genügend Anerkennung fand, sogar antisemitische Uebergriffe

blieben ihm nicht erspart.

Vom August bis Anfang Dezember 1916 verweilte er in der

Fliegerschule Böblingen in Württemberg und in der Fliegerschule

Großenheim in Sachsen. Von Mitte Dezember 1916 flog er im Westen

und zwar in Flandern, bei Arras und zuletzt bei Cambrai.

Am 27. 4. 17 erhielt er vom Kom. Gen. der Luftstreitkräfte das

Abzeichen für Beobachtungsoffiziere. Zehn Tage später stürzte er

ab, konnte aber bald wieder fliegen und sich das Eiserne Kreuz 1.

Klasse erwerben. Zahlreiche Anerkennung, welche in dieser Zeit

seine Fliegerabteilung erhielt, hatte Pappenheimer reichlich

mitverdient.

Am 15. August lautete der Divisions-Befehl der X.

Res.-Division:

»Ltn. Pappenheimer mit Ltn. Friedrichs als Führer (Flieger

Abt. X) hat gestern unter schwierigsten Verhältnissen

bei ungünstiger Witterung, tiefer Wolkenlage, starkem

feindlichen Beschuß und in niedriger Höhe fliegend eine

Artilleriesperrfeuerprüfung durchgeführt. Für diese

schneidige und gute Leistung spreche ich beiden Offizieren

volle Anerkennung aus.«

Und der Artill.-Kommandeur _persönlich_ am 19. 10. 17.

»Das von Leutnant Friedrichs als Führer und Ltn.

Pappenheimer als Beobachter besetzte Flugzeug der

Feldflieger-Abt. X hat der Artillerie der X. Res.-Division

besonders gute Dienste geleistet. Beide Herren waren bei

jeder Wetterlage zu jedem Fluge bereit, haben sich stets

angeboten und trotz allen entgegenstehenden Schwierigkeiten

für das Einschießen und die Erkundung der Artillerie Großes

geleistet. Sie waren unermüdlich, kaum gelandet, starteten

sie von Neuem, wenn die Aufgabe es erforderte; weder die

feindlichen Flugzeuge noch die Ungunst des Wetters hielt

sie von ihrer erfolgreichen Tätigkeit ab. Die Artillerie

verdankt gerade diesem Flugzeug einen Hauptteil ihres

gelungenen Schießens; seine Tätigkeit ist ganz besonders

anzuerkennen.«

Eine weitere Auszeichnung -- die goldene Militärverdienstmedaille

-- blieb dann nicht aus.

Das Jahr 1918 begann Pappenheimer mit einem neuen Führer, mit

dem er nur noch wenige Flüge ausführen sollte. Bald fand er vor

dem Feinde den Heldentod. Er liegt auf dem württembergischen

Bezirksfriedhof Unterbalbach zur letzten Ruhe gebettet.

Sein Hauptmann aber weihte ihm über das Grab hinaus folgende

ehrenvolle Worte, die dem Briefe an seinem Vater entnommen sind:

»Am 13. Januar 1918, einem klaren, kalten Wintertag,

hatte Ihr Herr Sohn den Auftrag, eine unserer Batterien

gegen eine feindliche Batterie einzuschießen. Wie immer

erfüllte er in meisterhafter Weise seine Aufgabe, wie

nachträglich aufgenommene Photographien der beschossenen

Batterien zeigen. Kurz vor dem Heimfluge wurde das

Flugzeug von einem englischen Jagdeinsitzer angegriffen.

Die erste Maschinengewehrgarbe traf Ihren Herrn Sohn,

welcher sofort mit Herzschuß leblos zusammensank.

Der Flugzeugführer (Flieger Nolte) landete das stark

beschädigte Flugzeug diesseits unserer Linien bei Lehancourt

nördlich St. Quentin. _Ihr Herr Sohn war einer der besten

Beobachtungsoffiziere, die nicht nur die Abteilung, sondern

die ganze Fliegertruppe zu verzeichnen hatte._ In einem

Jahre war er 228 mal gegen den Feind geflogen und hat 100

Batterien mit Erfolg eingeschossen, _eine Leistung, die wohl

einzig dasteht_ und die belohnt werden sollte durch die

Eingabe zum Ritterkreuz des Kgl. Hausordens von Hohenzollern.

Ihr Herr Sohn nahm eine Sonderstellung in der Abteilung

ein, jeder bewunderte ihn wegen seiner Leistungen und

jeder mochte ihn besonders gerne wegen seiner vornehmen

bescheidenen Gesinnung. Mir persönlich war er der fleißigste

und tüchtigste Mitarbeiter und ein lieber Freund.

Suchen Sie Trost in dem Gedanken, daß Ihr Herr Sohn als ein

für unsere große nationale Sache durch und durch überzeugter

Mann gekämpft und als Held gestorben ist.

[Illustration: Dr. H. Bettsak]

[Illustration: Pappenheimer]

Er geht denn von uns, aber sein Geist wird weiter leben und

die Erinnerung werden wir stets hochhalten.«

Im »Reutlinger Generalanzeiger« (Nr. 16 vom 19. Januar 1918)

gab sein Hauptmann auch noch öffentlich Kenntnis von seinem

Heldentode:

»Am 13. 1. 18 fiel durch Herzschuß im Luftkampf der Leutnant

der Reserve und Beobachtungsoffizier Max Pappenheimer,

Inhaber des Eisernen Kreuzes 1. und 2. Klasse und der

goldenen Verdienstmedaille. Sein Wort: »Es liegt im Wesen

des Soldatenberufes, vor dem Feinde freudig sterben zu

wissen« kennzeichnet diesen tapferen Offizier und lieben

Kameraden. Es war einer unserer Besten. Ehre seinem Andenken.

Sommer

Hauptmann und Führer einer Fliegerabteilung.«

Die Redaktion des Reutlinger Generalanzeigers bemerkt hierzu im

redaktionellen Teile:

»Max Pappenheimer gefallen. Heute erreichte uns die

schmerzliche Kunde, daß Max Pappenheimer, der der

Schriftleitung des Reutlinger Generalanzeigers in den Jahren

1912 und 1913 angehörte und noch lange in engen Beziehungen

zu ihr stand, als Fliegerleutnant den Tod fürs Vaterland

gestorben ist. Ein Herzschuß hat im Luftkampfe seinem Leben

ein jähes Ende bereitet. Für die breitere Oeffentlichkeit

ist der Gefallene einer von den vielen Tausenden, die

ihr Leben für den Schutz des Vaterlandes in die Schanze

schlagen; uns war er mehr: ein treuer, schaffensfroher

und wertvoller Mitarbeiter, ein Mensch vorbildlichen

Charakters nach jeder Richtung. Wir können auch für

uns nur wiederholen, was Major Sommer in der amtlichen

Trauerkundgebung zum Tode Pappenheimers sagt: Er war einer

unserer Besten.«

Die Anführung der Daten und Taten, die Betonung der äußerlichen

Anerkennung, die Verleihung von Rang, Orden und Ehrenzeichen --

diese Summation von objektiven Erscheinungen bleibt das Primäre

unserer Darstellung. Ohne diese lauten Gunstbezeichen der großen

Welt, fehlt dem Helden die offizielle Charakterisierung. Aber

so sehr die starken Ereignisse das erste und letzte Wort haben,

es gibt Imponderabilien, die Gewicht haben: seine gemütliche

Stimmungen und seelische Regungen, welche einen so starken

Wert haben, daß sie als Erinnerung über den Kreis der nächsten

Freunde hinauswirken. Solche #documents humaines#, die wir

einzeln nicht mit den gewöhnlichen Maßstäben, mit Scheffeln

messen können, erschließen uns erst recht das Innerste und

Tiefste, die psychische Verfassung der jüdischen Jugend. Daß wir

im Nachlaß der anerkannten Matadoren auf Zeugnisse ausgeprägter

Persönlichkeit, auf prächtigen Humor und Geistesgröße stoßen,

versteht sich am Rande; aber auch der Nachwuchs, dem es

nicht vergönnt war, den höchsten Lorbeer zu pflücken, zeigt

kerngesunde, männliche und opferwillige Art.

Einer von ihnen war _Heinz Bettsak_. Mit 21 Jahren, zu Beginn

des Weltkrieges, bereits Referendar und Doktor der Rechte in

Berlin, trat er am 1. August 1914 als Kriegsfreiwilliger bei

den Zietenhusaren ein. Wie viele andere konnte auch er es nicht

erwarten, bis er die »endlose« Ausbildungszeit hinter sich hatte

und ran an den Feind durfte.

Am 20. November 1914 kommt er aus der Garnison ins Feld. Schon am

22. schreibt er seinen Eltern folgenden unruhigen Brief:

»Ich muß gestehen, daß mich die Tatenlosigkeit, zu der

wir hier vorläufig verdammt sind, schon jetzt zu quälen

beginnt. Die wilde Romantik der Vogesenberge, der Donnerhall

der Geschütze, so manche kreuzgeschmückte Infanteriebrust

stimmen uns junge Burschen naturgemäß kampflustig. Es ist

auch ein eigenes Gefühl, den Feind kurz vor sich zu wissen

und nicht an ihn heranzukommen. Freilich haben die Bayern

und Badenser, die hier oben in sichern Stellungen liegen,

sich ihre Ruhe teuer erkaufen müssen. Die Geschichte der

Vogesenkriege ist vielleicht dereinst -- das habe ich

schon mit eigenen Augen sehen können und von den alten

Leuten, die die Sache von Anfang an mitgemacht haben,

des weiteren erfahren -- das blutigste und grausigste

Kriegserlebnis, von dem der Chronist zu berichten hat.

Hier steht auf grünen Matten Grabmal an Grabmal. Hier ist

das ruhmreiche Regiment der Chasseurs alpins, eines der

besten französischen Regimenter, fast völlig von den maßlos

wütenden Bayern, die nur noch mit Stilett und Gewehrkolben

gearbeitet haben, aufgerieben worden. Auch auf unserer

Seite sind ganze Kompagnien verschwunden. Ich bin sozusagen

nach der Mahlzeit hierher gekommen. Wir sowohl wie die

Franzosen haben uns derartig raffiniert verschanzt und

eingegraben, daß wir nicht mehr rückwärts, aber auch nicht

_vorwärts_ können. Wir halten hier nur die Wacht, um den

Elsaß vor neuen Einfällen zu bewahren. Gewiß werden auch

noch jetzt hier und da größere Patrouillen gemeldet, um die

Wälder nach Versprengten abzusuchen, aber alles in allem

haben wir hier doch Frieden im Krieg. Doch der Kriegsgott

ist wetterwendisch, vielleicht kommen wir irgendwie bald

vorwärts ...«

Laitre (Vogesen), 4. 12. 14.

In Moussey hat's mich nicht lange gelitten. Immer nur hinter

dem Feind zu sein, seine Granaten und Schrapnells über

dem Kopf zu hören, ohne an ihn ran zu können, im Felde zu

stehen, ohne jemals einen Franzosen gesehen zu haben, ist

auf die Dauer nerventötend. Ein seltsamer Zwischenfall hat

mich aus dieser reizlosen Lage befreit. Wir saßen gerade

Mittwoch beim Abendtisch, als die Regimentsordonnanz mit

der Meldung eintrat, daß unsere jungen Husarenoffiziere,

die hinter der Front in Ruhe und Wohlleben sich ergingen,

schon am nächsten Morgen zur Front aufzubrechen hätten,

um an die einzelnen Infanteriebrigaden, die auf den

Vogesenkämmen in Schützengräben den französischen Stellungen

gegenüber liegen, zugeteilt zu werden. Sofort bat ich

einen der Herren, Leutnant Gropius, der sich im übrigen

als Architekt einen hervorragenden Namen geschaffen hat,

sich auch im Kriege äußerst tüchtig auf Patrouillenritten

bewährt hat und ein sehr feinsinniger Mensch ist, mich

als Ordonnanz mitzunehmen. Er ging sofort zum Rittmeister

aufs Schloß und dieser erteilte mir freundlichst seine

Erlaubnis. Die Sache hat mir, nebenbei gesagt, die Knöpfe

eingebracht. In der Nacht packte ich also in Ruhe meine

Sachen in die Packtaschen, und Donnerstag früh begann der

Aufbruch zur Front. Ich habe an diesem Tage prächtige,

mir unvergeßliche Eindrücke gehabt. Die imposantesten

Kriegsbilder sind an meinen Augen vorbeigezogen. Es war

ein finsterer gewitterschwerer Tag. Ueber die Vogesenkämme

ging der Ritt durch zerschossene Dorfschaften hindurch. An

den Seiten überall verlassene französische Schützengräben,

Granatlöcher, Waffenstücke. Stellenweise mußten wir

absitzen, da die Chaussee von franz. Mitrailleusen

beschossen wurde. Durch enge Hohlwege mußten wir unsere

ängstlich zitternden Gäule führen. In ...... hatten wir

uns beim Brigadekommandeur zu melden. Mein Lt. erhielt

den Auftrag, zunächst nach Ch. zu reiten und dort bei

Ausbruch der Dunkelheit in unsere Stellung hier oben

hinaufzugehen. So ritten wir also nach Ch. weiter. Der Ort

bot einen ebenso unheimlichen wie reizvollen Anblick. Er

besteht eigentlich nur noch aus Löchern, die unsere und die

französischen Granaten, lauter Volltreffer, in die Häuser

dieser Aermsten geschossen haben. In Ch. mußten wir unsere

Pferde zurücklassen. Damit habe ich aufgehört, Kavallerist

zu sein. Nun bin ich Infanterist geworden, und -- wie ich

gleich verraten will -- mit Leib und Seele. Als der Abend

dunkelte, wurde ein Wagen angespannt, der uns und unser

Gepäck in die Berge zur Stellung fahren sollte. Es war

ein wundervoller Abend. Silberner Mondschein überspielte

die Abhänge und Waldungen. Ab und zu fiel ein Schuß von

den französischen Posten jenseits des Waldes, der wohl

das Knarren der Wagenräder gehört hatte, zu uns herüber.

Vor einem verfallenen Hause machte der Wagen halt und lud

uns aus. Eine Ordonnanz empfing uns und führte uns durch

geheimnisvolle Unterschlüpfe und überdeckte Wege hinauf nach

L., zum Standquartier meines Bataillons. Hier empfing uns

der Major, ein äußerst liebenswürdiger Bayer und behielt uns

gleich zum Abendessen bei sich. Ganz besonderes Interesse

wandte er mir zu, weil er Gefallen daran fand, daß ich

mich als Kavallerist freiwillig zur Infanterie gemeldet

hatte. Er nennt mich immer nur den »kleinen Doktor«,

erkundigt sich fast täglich, ob mir meine Mutter auch schon

geschrieben hat usw. Die Nacht brachte ich dann in einem der

grandios hergestellten Unterstände zu, jenen unterirdischen

Bretterhäusern, die gegen Wind und Wetter wie feindliches

Feuer vollkommen geschützt sind.

Am nächsten Morgen meldete ich mich bei meinem Hauptmann

Nagelsbacher. Laßt Euch sagen, daß dieser Mensch, dem ich

erst zwei Tage lang in seine blauen Kinderaugen geschaut

habe, der Inbegriff aller Mannestugenden ist. Auf einem

hochgewachsenen Körper sitzt ihm ein edles vollendet schönes

Gesicht, glattrasiert, stark an Matkowsky erinnernd. Das

ist der Mann, von dem mir seine Bayern erzählten, daß er im

ärgsten Kugelregen sich gemütlich seine Pfeife angezündet

hat, der in grenzenloser Wut über die Rothosen hergefallen

ist. Das ist aber auch der Mann mit dem Kinderherz, der

es nicht über sich gewinnt, seinen Leuten die kleinste

Bequemlichkeit zu verweigern. Mit hervorragender Intelligenz

verbindet sich bei ihm eine feinsinnige Bildung. Die

Stellung, die er hier oben hat anlegen lassen und die

von eminentem strategischen Wert ist, weil wenn sie

durchbrochen wird, die Franzosen wieder im Elsaß stehen,

ist ein Meisterwerk. Sie besteht nicht etwa aus offenen

Schützengräben, sondern aus überdeckten Erdwällen, lauter

kleinen Sandhäusern, in denen immer zwei Mann Deckung haben.

Alles habe ich besichtigt: die fast undurchdringlichen

Stacheldrahtverhaue, Läutewerke usw.

Gleich am ersten Tage meines Hierseins bin ich mit auf

Patrouille gewesen bis 10 m an den Feind heran. Nur eine

kleine Waldlichtung trennte uns von der ersten französischen

Schützenlinie. Das war ein Feuerregen! Ein Glück für alle

deutschen Mütter, daß die Franzosen so gemein schlecht

schießen. Seit den acht Wochen, wo die Bayern hier sind,

ist von ihnen trotz des täglichen Schußwechsels nur ein

Mann durch eigene Unvorsichtigkeit abgeschossen worden.

Gestern hat die Blase mit Gebirgsartillerie in unsere

Stellung hineingefunkt. Wir saßen gerade beim Kaffee, als

der Spektakel losging. Was ist geschehen? Der Erdboden ist

um einige Granatlöcher reicher geworden! Ein Vivat unserer

deutschen Befestigungskunst!

Das Schießen gehört bei den Franzosen zum täglichen Leben.

Während auf unserer Seite tagelang kein Schuß fällt, weil

nur geschossen werden darf, wenn vom Feinde etwas zu sehen

ist, funken die Kerle uns ununterbrochen in die Bude. Wir

haben ausgerechnet, daß einer vom Walde her jeden Tag um die

nämliche Nachmittagsstunde in die blaue Luft hineinpufft. Er

ist von den Bayern allgemein der »Sepp vom Walde« geheißen.

Laitre, 11. 12. 14.

Nun bin ich erst wenige Tage hier oben bei den Bayern, und

doch habe ich soviel erlebt und mitgemacht, wie ein alter

Krieger. Schleichpatrouillen an den Feind, Beschießungen

durch franz. Gebirgsartillerie, Nachtgefechte. Und alles

gut und heil überstanden. Meine persönliche Stellung im

Regiment ist eine fast _märchenhafte_. Während andere

Kriegsfreiwillige sich wie jeder gemeiner Soldat abplagen

müssen, behandelt man mich hier ganz unverdientermaßen

chevaleresk. Wenn ich mich nicht von selbst zu diesem

oder jenem Dienst erböte, man ließe mich von jeder Arbeit

unbehelligt. Ich rangiere unter den jüngsten Offizieren in

dem kleinen Kasino, das der Bataillonsstab unten im Dorfe

gegründet hat und wo ein Regensburger Koch uns ausgezeichnet

verpflegt. Man zollt mir für jedes kleinste Wagestück

reiche Anerkennung, insbesondere mein Hauptmann, zu dem ich

eine innige Zuneigung gefaßt habe, läßt keine Gelegenheit

außer acht, mich dem inspizierenden Regiments- oder

Brigadekommandeur vorzustellen.

Belval, 30. 12. 14.

Liebste, beste Eltern!

Vom Regimentskommandeur selbst zum Unteroffizier und Ritter

des Eisernen Kreuzes für »vorbildliches, tapferes und

schneidiges Verhalten« vorgeschlagen. Bin leicht verwundet

und liege z. Zt. hinter der Front in B. Näheres folgt. Seid

ohne Sorge.

Euer treuer Heinz.

Ein Brief von fremder Feder zeigt, wie stark der Eindruck war,

den der junge Kriegsfreiwillige auf seine Vorgesetzten hinterließ

und wie lebenswahr der Inhalt seiner Briefe ist. Wir lassen zum

Beweis einen dieser Dokumente folgen:

Jüdische Flieger im Kriege, ein Blatt der Erinnerung · 第 15 / 16 题