recht gern leben; ja, ich möcht völlig sagen, jetz noch viel lieber als
früher. ^Dann^ Wenn schon gstorben sein muß -- ^näher an den Jäger
heran^ warum denn grad ich und du, zwei gsunde Leut? ^Spielt mit der
Pistole und sieht den Jäger lauernd an^ Sein nit gnug andere da, die
näher dran wärn?
Jäger
^stutzt. Sieht das Weib an^
Was willst damit sagen? ^Steckt die Pistole ein.^
Weib ^trocken^
Nichts. ^Dann harmlos^ Was hast denn du gmeint, was ich sagen will?
Jäger
Ich? Nix. Aber du hast mich jetz so angschaut.
Weib
Ich schau nit anders, als wie sonst.
Jäger ^winkt ab^
Reden wir von was anderm.
Weib
Hast recht. ^Sieht wie von ungefähr gegen das Fenster. Dann^ Jetz
regnets.
Jäger ^sieht zum Fenster^
Ja. Es schüttet.
Weib
Und mein Mann hat kein Schirm mit.
Jäger
Den weichts heut ordentlich ein.
Weib
Er hat sich schon einmal auf die Weis eine Lungenentzündung gholt.
Jäger
So? Hm. Da wärs das zweitemal gfährlich.
Weib
Ja. Er hat ohnedem so einen stillen Atem.
Jäger
Wie das?
Weib
Neulich in der Nacht da hab ich ihn auf einmal nimmer schnaufen hören.
Jäger
Oha.
Weib
Na ja. Gschnauft hat er schon. Sonst läbet er ja nimmer. Ich hab halt
seinen Atem nit ghört.
Jäger
Ja. Ich versteh schon.
Weib
Und da hab ich mir so ausdenkt, wies dann etwa wär: ^Sieht den Jäger
unter den halbgeschlossenen Lidern an^ Da brauchtest nimmer heimlich
einschleichen, wie ein Dieb bei der Nacht; könntest gradaus bei der
Haustür eingehn mit dein schweren Mannstritt. Und dann wär im Haus auch
alls gsund und stark; da gäbs kein Grausen mehr.
Jäger
Na ja; gsund sein wir, Gott sei Dank.
Weib
Weißt, was ich mir noch denkt hab?
Jäger
Na. Das weiß ich nit.
Weib
^näher an ihn heran; ziert sich^
Na; das sag ich nit. ^Dann^ Hab mir denkt, da möchts nit lang dauern,
und es rutschet auf deinem Knie so ein junges Kraftbübl um. Wie ein
jungs Bärl. ^Lacht.^
Jäger ^heftig auffahrend^
Hör einmal auf. Ist alls in die Luft gredt. Er lebt ja.
Weib ^seufzend^
Och, du mein Gott, ja. Da hast wohl recht.
Jäger
^nachdenklich, vor sich hin^
Na ja; aber wenn er immerfort so herumkrankt, könnt er leicht heut oder
morgen einmal -- awas, reden wir von was anderm.
Weib
Bin gestern nachmittag beim Doktor gwesen.
Jäger ^zerstreut^
So? Bist krank?
Weib
Ich nit. ^Dann^ Hab ihn nur gfragt, was er eigentlich meint zu meinem
Mann, und er soll mir die Wahrheit sagen; weil der alle Tag eine andere
Krankheit hat.
Jäger
So. Und was hat er gsagt?
Weib
Er hat gsagt, die ewigen Krankensessel werden alle steinalt; weil sie
sich immerfort halten müssen und dürfen kein Unfug treiben; und so wird
das Gehäus nit viel abgwetzt.
Jäger
So. Na ja, dann wirds schon so sein.
Weib ^trocken^
Ja, er hat mich recht aufgetröstet und beim Gehn noch gsagt: »Da können
Sie ganz ruhig sein. Der wird achzig Jahr alt, wenn ihm nit grad ein
Zieglstein auf den Kopf fallt, oder sonst etwas passiert.«
Jäger ^lacht etwas gezwungen^
Na, mit die Ziegelstein schauts da schlecht aus; in der Gegend sein die
Häuser noch alle mit Holzschindeln gedeckt.
Weib
Na eben. Müßt ihm höchstens ^sieht den Jäger an; stockend^ sonst etwas
passieren.
Jäger
Was sollt ihm denn passieren?
Weib ^sieht ihn an^
Was du nur heut immer so fragst?
Jäger
^mißt sie mit mißtrauischen Blicken^
Mir kommt vor, deine Reden haben heut alle noch eine Nebentür.
Weib ^zuckt die Achsel. Kalt^
Du findest heut überall ein Haar in der Suppe.
Jäger ^sieht das Weib an^
Weib; sag, was ist das: Wenn ich von dir weg bin, verlangts mich nach
dir; und wenn ich bei dir bin, dann fürcht i mich.
Weib ^erstaunt^
Fürchten? Vor was?
Jäger
Ich weiß nit. Du hast so eine Gwalt.
Weib
O Jäger. Wenn du nur wüßtest, wies mich zu dir hinreißt. Siehst, ich hab
schon bald gar keinen Funken Scham mehr ein. ^Hängt sich an ihn.^ Mein
Jäger.
Jäger
^macht sich heftig von ihr los^
Du bist nit mein. In der Nacht mudelt dich ja doch wieder der andre ab.
Weib
Bist auch so eifersüchtig? Mir gehts grad so. Wenn ich nur von weitem
dran denk, dich könnt einmal eine andere habn, da treibts mir das ganze
Blut zum Kopf.
Jäger ^haßerfüllt^
Der Schneider. ^Fährt unwillkürlich mit der Hand an den Säbelgriff.^
Weib
^das die Bewegung wohl bemerkt hat^
Na, was denn?
Jäger ^beherrscht sich^
Nix.
Weib ^plötzlich unmutig^
Ah was. Schneider hin, Schneider her. Das hat alls kein Griff. Soll ich
deswegen vielleicht auf dem Heustock schlafen? Ich bin einmal sein Weib
und er ist mein Mann. Und es ist sein guts Recht. Und er hat mich ja
insoweit auch immer gut ghalten.
Jäger ^aufgestachelt^
Weib, hör auf jetzt; mir ist grad bald, als müßt ich ihn erschlagen.
Weib
^rasch auf das Wort einschnappend. Mit aufblitzenden Augen, ganz
nahe vor ihm^
Jäger. Erschlag ihn.
Jäger
^starrt das Weib an. Dann tonlos, ruhig^
So. Jetz ists draußen. Das Wörtl hat schon die ganze Zeit her heimlich
in der Stube herumgeistert. Jetz hats auf einmal Fleisch angsetzt. ^In
Furcht, mit aufgerissenen Augen vor sich hin^ Jetzt stehts da auf zwei
Füß.
Weib ^fährt gegen ihn auf^
Hab ichs zuerst gsagt? Du hasts zuerst gsagt.
Jäger ^heftig auffahrend^
A was; ich, du -- du, i. ^Dann ruhig^ Niemand hats gsagt. Es ist von
selber reif vom Baum gfallen. ^Dann trocken^ Siehst, Weib; es ist nicht,
daß i mich besser mach, als ich bin. Aber wenn jetz meine Mutter da wär;
sie müßt es dir selber ins Gsicht sagen, daß ich immer bin ordentlich
gwesen, von meiner jüngsten Bubenzeit an. ^Gepreßt^ Und jetz halten wir
auf einmal bei _dem_. ^Erschütternd ausbrechend^ Ja sag mir nur, Weib:
Wo kommen denn wir zwei noch hin?
Weib
^wischt sich über die Stirn. Nachdenklich^
Mir hat auch nie ein Mensch was Übels nachsagen können. Da kannst
überall fragen. ^Fast traurig, resigniert vor sich hin^ Aber jetz bin
ich ganz eine andere. Und die kenn ich selber bei Haut und Haar noch
nit. ^Plötzlich ausbrechend^ Wer hat mich denn herausgekitzelt, wie die
Grille aus dem Loch? Mein Mann und du. Ja ihr zwei. Und der
Wachkommandant drunten hats ausgheckt. ^Läßt sich im Hintergrund der
Stube auf einem Sitz nieder.^
Jäger
^am Tisch sitzend; reuevoll vor sich hin^
Solang haben wir mit dem Feur gezündelt; das frißt uns noch alle auf.
Mann
^kommt, einen Regenschirm in der Hand, in die Stube. Sieht den
Jäger. Innerlich sehr erregt; zwingt sich aber gewaltsam zur
Ruhe; heiser^
Ein grauer Tag ist heut, Herr Jäger; was?
Weib ^sitzt abseits^
Ja. Katzgrau.
Mann ^barsch^
Dich hat niemand gfragt. ^Stellt den Schirm in die Ecke.^
Weib
Hab gmeint, du hast keinen Schirm mitgnommen; jetz hast doch ein.
Mann
Hab mir einen ausgliehen. ^Verbissen^ Sei ganz ruhig, Weib. Ich gib
schon acht auf mich; daß mir ja nichts gschieht, und daß ich mir das
Leben erhalt. ^Zum Jäger, der aufgestanden ist und sich davon machen
will.^ Bleiben Sie Herr Jäger. Sie sein mir ganz recht da. Wir haben zu
reden. ^Das Weib mit einem Blick streifend^ Die Leut im Dorf reden auch
schon.
Weib ^zuckt die Achsel^
Die Leut reden viel, wenn der Tag lang ist. ^Dann^ Das Türschloß hast
bstellt?
Mann
Ja. Es ist bstellt.
Weib
Bei deinem Bruder vielleicht gar? Und hast ihm auch gsagt, du brauchsts,
um dein Weib einzusperrn?
Mann
^bezwingt sich; vor sich hin^
Nur kaltes Blut. ^Setzt sich zum Jäger an den Tisch^ Jäger; wir zwei
reden es jetz aus. Von Mann zu Mann; aber ganz kalt; wie man redt von
einem Geschäft. Ganz kühl bei Kopf.
Jäger ^trocken^
Um so besser, wenns kalt hergeht.
Mann
^zum Jäger, und auch das Weib mit einem Blick einbeziehend^
Niemand hats vermeint: Da ist mit einmal etwas da gstanden, wie aus dem
Boden heraus; auf das niemand denkt hat; und jetz hats uns auf einmal
alle. ^Zeigt sein Stechmesser vor^ Aber so schwach ich bin -- dasmal
stoß ich zu, Herr Jäger. ^Legt das Messer hart auf den Tisch.^ Ja.
^Heftig^ Mein Weib ist mein Sach; und mein Sach laß ich mir nit nehmen.
^Sich selbst zur Ruhe mahnend^ Nur kühl bei Kopf. ^Dann ruhig zum Jäger^
Aber was hab ich dann davon, wenn ich Ihnen das Messer hineinrenn? Mich
beutelts eiskalt durcheinander, wenn ich nur dran denk. ^Starrt mit
entsetzten Augen vor sich hin.^ Dann hab ich einen Menschen umgebracht.
Ja. Dann hab ich keine gute Stund mehr mein Lebtag. ^Dann sachlich,
ruhig^ Oder Sie mich, Herr Jäger. Sagen wir, Sie geben _mir_ einen
Drucker; Sie haben ja die Kraft. Nur ganz ein klein Drucker, und ich bin
schon weg. Wissen Sie, mich hats gleich. ^Bitter^ Ich hab von daheim nit
viel mitkriegt. ^Dann^ Aber deswegen haben Sie vom Weib dann doch
nichts; ganz kühl gredt. Nix haben Sie. ^Stärker^ Das Zuchthaus haben
Sie. ^Hat sich erhoben.^ Oder gar -- um einen Kopf zuviel. ^Blitzt den
Jäger mit den Augen an.^ Ja. Ganz kühl gredt, Herr Jäger.
Jäger
^von Furcht und Angst gepackt, schreiend gegen den Mann^
Verfluchter Mensch. Was redst da zusamm. So was. Das wär ja bald, als
spüret man schon das kalte Eisen am Hals.
Mann ^ruhig^
Na eben. Das mein i ja auch. ^Dann^ Und da weiß ich ein Mittel, daß alls
wieder ins Gleis kommt.
Jäger
^horcht ebenso wie das Weib auf^
Sags.
Mann
Sie müssen aus der Gegend; und das heut oder morgen.
Jäger
Das steht nit bei mir. Hab zu tun, was der Kommandant mir schafft.
Mann
Es geht schon. Nur schlau muß man sein.
Jäger
Ich wüßt nit, wie.
Mann
^behält den Jäger fest im Auge^
Bin heut auch auf der Grenzwach gwesen. ^Jäger starrt den Mann an^ Hab
mich zum Kommandanten führn lassen. Hab den Kommandanten gfragt, ob Sie
nit von uns da ein Paketl Konterband, Spitzen und Seide, abgliefert
haben. ^Jäger hält die Augen, ohne mit der Wimper zu zucken auf den Mann
gerichtet.^
Weib
^vom Sitz auf; heftig gegen den Mann^
Was? Du hasts anzeigt?
Mann
^ohne seine Augen vom Jäger zu lassen^
Kusch, Weib; wenn Männer reden. ^Dann fortfahrend, zum Jäger^ Da hat der
Kommandant große Augen gemacht und gsagt: »Da ist kein Paketl und keine
Anzeig einglaufen.« Und er wird Sie auf der Stell zum Rapport nehmen,
sagt er. ^Bohrt seine Augen in die Augen des Jägers^ Wenn er Sie jetzt
dann zum Rapport nimmt, was werden Sie dann sagen, Herr Jäger?
Jäger ^voll Scham^
Jetz bin ich dann offen angnagelt. Vor allen Kameraden; als einer, der
sein Ehr verweibert hat. ^Wendet sich gegen die Wand.^
Weib ^zum Mann, trocken^
Wer hat ihm denn ein Paketl geben? Hast du ihm eins geben?
Jäger ^sich gegen das Weib wendend^
Weib, streng dich nit an. Ich steig dir nimmer weiter in die Lug hinein.
^Zum Manne^ Ich werd haarklein alls sagen, wies wahr ist; und ich hab
von der da ein Paketl kriegt; und wie alls kommen ist. Dann sollen sie
mit mir machen, was sie wollen. Versetzt werd ich auf der Stell; das ist
schon das wenigste.
Mann ^zum Jäger; befriedigt^
So hab ich mirs denkt.
Weib ^springt auf^
Jäger. Das wirst nit tun.
Jäger ^gegen das Weib^
Ja, Weib: Jetz tu ich so. Und ists auch gallenbitter; ich tus. Ich tus.
Weib ^kalt^
Ich habs schon ghört. Brauchst es nit sechsmal zu sagen. ^Setzt sich.^
Jäger
Ah na. Ganz mit Haut und Haar hat mich der Teufel noch nit auf der Mühl.
Mann ^zum Jäger^
Also dann wär ja insoweit alls gut, Herr Jäger. Aber sehen Sie: Auf so
einen balzenden Hahn ist ein schlechter Verlaß. Wenn Sie bei der Tür
draußen sein, fallts Ihnen am End wieder anders ein; und Sie sagen dann
auf der Wach, sie hätten nichts kriegt und nichts gsehen. Das vergeßne
Weib da hat Ihnen ja gleich schon auf das hin ein Brückerl gebaut. Drum
ists besser, ich setz gleich über das eine Schrift auf, und Sie
unterschreiben; dann steht die Sach fest. Ists gut so?
Jäger ^entschieden^
Ja. Es ist gut. Nur fort aus dem Fuchsloch; je eher, je lieber.
Mann
Also ich schreibs gleich. ^Geht auf die Nebentüre zu.^
Jäger
Nur schreiben. Nur schreiben. Und wenn i da auch einen Fetzen Ehr und
eine blutige Pfote zurücklaß -- nur heraus aus dem Fangeisen. ^Setzt
sich an den Tisch und stützt den Kopf in die Hände.^
Mann
^schon bei der Nebentüre, wendet sich noch einmal um; gegen das
Weib^
Weib. Mit dir werd ich dann schon fertig. Dir leg ich den Zaum schon
enger an. ^Nebentüre ab.^
Weib
^sieht dem Manne nach. Ruhig, in kaltem Haß^
Manndl. Du sperrst ein Weib noch lang nit ein; in deine Totengruft.
^Steht auf und setzt sich zum Jäger an den Tisch. Mit dem Kopfe nach der
Nebentür deutend^ Was der Maulmacher da vom Zuchthaus redt; oder gar um
einen Kopf zuviel; zum Lachen.
Jäger
Schon gut. Mir wars nit zum Lachen, wie er davon gredt hat.
^Erschauernd^ Hab schon das kalte Eisen gspürt. Weib. Das kühlt ab. Ich
bin nüchtern.
Weib
Da weiß ich als Mädl daheim einen Fall im Nachbardorf: Da hat einer ein
Weib ghabt. Und einen jungen Knecht; stark, wie du; wie Milch und Blut.
Und jung.
Jäger
^mit sich selbst beschäftigt; stiert vor sich hin^
Was kümmerts mich.
Weib
Der Mann war auch so ein dürrer Baum; so, wie der meine. ^Dann^ Und da
hat man den Mann einmal gfunden; tot; mit seinem eignen Messer im Leib.
^Jäger beginnt mit halbem Ohr hinzuhorchen^ Es ist beinah so ein Messer
gwesen, wie das da; ^spielt mit dem Messer des Mannes, das auf dem
Tische liegt^ grad mit so einem Hirschhorngriff.
Jäger
Und was weiter?
Weib
Nichts weiter. Die Leut haben gsagt: Der hat sich selber erstochen; es
hat ihn das Leben nimmer gfreut. Dann haben sie ihn begraben, und aus.
Kein Mensch hat weiter nach dem Dürrling gfragt. ^Dann^ Und der junge
Knecht und das Weib haben ein halbes Jahr drauf geheirat. Und jedes Jahr
zu Allerseelen haben sie vor dem Dürrling seinem Grab gebetet und die
Kinder mitgnommen; jedes Jahr um eins mehr; so daß es bald um das Grab
herum nur so gewurlt hat. So lebendig hats der zu seinen schönsten
Lebzeiten nie ghabt.
Jäger ^hat sich erhoben^
Weib; mich schüttelts vor dir.
Weib
^hat sich ebenfalls erhoben^
Ich weiß nur, daß mich graust.
Jäger
Werd nüchtern.
Weib
Wenn er aus mir hätt eine Mutter gmacht, wies Recht und Brauch ist, dann
könnt man ihn leichter ertragen und wär alls ein Teil besser.
^Haßerfüllt^ Aber so hat mich der ^haßerfüllt^ Unnutz betrogen -- um
alls. ^Plötzlich auf den Jäger zu. Hängt sich leidenschaftlich an ihn^
Jäger; so wie mich vor ihm graust, so verlangts mich nach dir. ^Klammert
sich an ihn.^
Jäger ^sucht sich von ihr loszumachen^
Weg. Ich hab mit mir selber zu tun, daß mich der Wind nit verreißt. ^Da
sich das Weib an ihn klammert^ Weg, sag ich. Komm zu Verstand und werd
nüchtern.
Weib
^das nicht von ihm lassen will^
Jäger. Ich möcht ein Kind von dir haben.
Jäger
^schüttelt sie mit Gewalt von sich ab, daß sie taumelt^
Geh weg. Du brünstige Hündin.
Mann
^steckt den Kopf durch die Nebentür^
So, Herr Jäger. Bitt unterschreiben.
Jäger
^durch die Nebentür ab, die er hinter sich schließt.^
Weib ^vor sich hin^
Werd nüchtern. ^Tritt ans Fenster; preßt einen Augenblick den Kopf an
die Scheiben. Dann^ Ihr Mannderln. Geht euch jetz der Grausen an? Zuerst
habt ihr mich aufgehackt bis auf den Grund; und jetz möchts ihr mich
wieder zudrehn, wie einen Wasserhahn. Aber mich fangts ihr nimmer ein.
Jetz habt ihr mich aufgezwirbelt; ^mit einem gewaltigen Ruck^ und jetz
bin ich da. ^Da sie die Männer aus dem Nebengemach kommen hört, setzt
sie eine gleichmütige, ruhige Miene auf.^
^Jäger und hinter ihm der Mann kommen aus der Nebentür.^
Mann
^faltet im Gehen die Schrift zusammen und steckt sie befriedigt in
die Tasche^
So. Wir Männer sind handeleins; ^mit einem geringschätzigen Blick nach
dem Weib^ und Weibersach renkt sich von selber ein.
Weib
^trägt eine ergebene Miene zur Schau^
Mann; du kannst schon recht haben. Ich hab mir jetzt auch alls überlegt;
und ich mein schon, wenn man es beim Licht betrachtet -- du triffst
immer das Rechte.
Mann
Zeit wärs; daß es wieder hell wird in dem Weiberhirn.
Weib
Naja. Wir Weiber sein ja nur halbe Leut. ^Dann^ Ich weiß überhaupt nit,
was ich eigentlich will. Mir geht ja bei dir nix ab. Aber die dummen
Weiberleut kriegen halt oft so einen Rabbl, wenns ihnen zu gut geht. Ein
Pferd sticht auch der Haber, wenns zu lang leer im Stall steht. Aber ich
spür schon, es renkt sich wieder ein.
Mann
Was ich immer sag: Weiber sein wie Kinder. Heut so und morgen so. Da
darf man nur nit nachgeben.
Weib
Es wird schon so sein, wie du sagst. Du kennst sie ja vom Grund aus, die
Weiber.
Jäger
^macht sich gehfertig. Mit den Zähnen knirschend^
Ich machs jetzt mit dem Kommandanten richtig. Werd bald mein Order
haben. Dann fort mit Schaden. ^Verabschiedet sich flüchtig^ Adje
allseits. Auf Nimmerwiedersehn. ^Will ab.^
Weib ^verstellt ihm die Türe^
Halt, Jäger. Grad wie vom nächstbesten Küchentrampel brauchen Sie jetz
deswegen nit von mir zu gehn. Zu dem ists doch ein bissel zu tief
gangen.
Mann ^barsch^
Was soll er denn noch?
Weib ^zum Mann^
Man laßt ja einen See auch langsam ausrinnen, und nit auf einmal; damit
er kein Unheil anstiftet. ^Zum Jäger^ Morgen, bevor Sie marschieren,
müssen Sie noch kommen auf einen Abschiedstrunk. Noch einmal mit dem
Glas anstoßen alle drei; daß alles ruhig ausklingt und still ins Wasser
fallt. Ich mein, das ist nit zuviel verlangt.
Jäger ^fest^
Ich schlief nimmer ein in den Fuchsbau.
Weib
^sieht dem Jäger fest ins Gesicht, als wollte sie ihn mit den Augen
bannen^
Jäger. Auf zwei Minuten. Es ist ja das letztemal. Wir sehn uns dann nie
mehr.
Jäger ^statt einer Antwort^
Adje hab ich gsagt. Jetzt ein Strich unter alls, und wieder frisch
angfangen ganz von vorn. ^Ab.^
Mann
^schließt hinter dem Jäger erleichtert aufatmend die Türe. Dann^
Weib; und wir löschen auch alls aus, was gwesen.
Weib
Auch den Schlag ins Gsicht? Alls auslöschen?
Mann
Hab ich da nit recht ghabt? Wenn du mir so kommst.
Weib ^in blutigem Hohn^
Ja. Tausendmal recht. Ich sehs ein. Aber nit einmal -- zweimal hättest
schlagen sollen. Na. Dreimal. Also sagen wir, ich habs noch zweimal auf
das nächstemal gut.
Mann
Ich hoff, es wird nie mehr dazu kommen. ^Reicht ihr die Hand.^
Weib
^mit verhaltener Wut; sich recht demütig stellend^
Wir wolln es hoffen. Und ich werd gwiß mein Möglichstes tun.
Fünfter Akt.
^Es ist Abend. Die Hängelampe brennt über dem weißgedeckten Tisch.^
Weib
^stellt eine große Flasche Rotwein mit drei Gläsern auf und rückt
drei Stühle zurecht^
Jäger, du kommst noch. Dich ziehts da her, wie den Bär zum
Honigschlecken. ^Dann^ Zum Schuttwegräumen bist mir noch gut; weiter
brauch i dich nimmer: Wenn ich das Haus am Marktplatz hab und drin sitz
als junge Wittib -- da fang ich mir so junge Kraftkerl her, grad nach
Lust. Ich weiß jetz schon, wie mans macht. ^Übersieht noch einmal den
Tisch. Hält die Flasche Rotwein vor das Licht^ Der Wein ist rot, wie
frisches Blut. Na, ist recht.
Mann ^kommt durch die Eingangtüre.^
Weib
Mann, bist da?
Mann
Ja; wie du siehst.
Weib
Hab schon um dich Sorg ghabt, wies gefinstert hat, und du warst noch nit
da.
Mann ^froh^
Weib; das hör ich gern bei der Tür herein. Ich seh, du bist
ausgnüchtert.
Weib
Oh, es ist alls längst wieder gut.
Mann
^hat sich gesetzt und entledigt sich der Schuhe; vor sich hin^
Man kennt sie ja, die Weiber.
Weib
^hat ihm die Hausschuhe besorgt und stellt sie zu seinen Füßen hin^
Da wären die Hausschuh. ^Da der Mann laut aufatmet^ Bist müd?
Mann
Ja; da herauf machts einen schnaufen. ^Schlüpft in die Hausschuhe.^
Weib
Solang man schnauft, lebt man.
Mann ^lachend^
Das stimmt. ^Bemerkt den gedeckten Tisch^ Was hast da vorgrichtet?
Weib ^trocken^
Den Abschiedstrunk, wenn der Jäger kommt.
Mann ^ärgerlich^
Hat er nit selber gsagt, er kommt nit?
Weib ^achselzuckend^
Naja, für den Fall. Man weiß bei so einem Mannsbild ja nie, wies ihm
grad in Kopf kommt.
Mann
Er hat sich schon schuldig geben; ich hab nachgfragt.
Weib
So. Kommst von unten?
Mann
Ja.
Weib ^lauernd^
Und was ist mit dem Haus am Marktplatz? Heut früh hast gsagt, du kaufst
es.
Mann ^selig, tief Atem holend^
Es ist schon mein.
Weib ^mit aufblitzenden Augen^
Du hasts erstanden? Ah.
Mann ^erhebt sich; frohlockend^
Mein ists. Mein. Ah, das war ein Müh und Plag viel Jahr lang. Siehst
Weib; jetz hab ichs doch ermacht.
Weib
Na ja, schlau muß man sein.
Mann ^reckt sich vor dem Bildnis der Mutter^
Mutter. Als Elendmannderl hast mich in die Welt gsetzt. Aber ich habs
doch ermacht. ^Froh lachend^ Haha; meine Brüder mit ihren breiten
Achseln; ja, Schlosser; Schmied; und Binder -- euch wirds vor Neid
schnaufen und blasen machen: Ich, das Flaschenmanndl -- das schönste
Haus und das schönste Weib. ^Faßt das Weib um die Taille.^
Weib
^fährt bei der Berührung mit einem Schrei des Abscheus zurück.^
Mann ^verdutzt^
Was hast?
Weib ^faßt sich^
Ein Fischbein ist von meinem Mieder los; das hat mich jetzt in die Seite
gstochen. ^Dann forschend^ Na, und hast den Kaufbrief?
Mann
^greift in die innere Tasche und reicht ihr ein gefaltetes Blatt
Papier^
Da ist er.
Weib
^besieht den Schein; dann sehr kühl^
Hm ja; da steht ^enttäuscht^ dein Namen. Auf dich ists gschrieben.
^Plötzlich unwirsch den Schein hinwerfend^ Will nix mehr hören von der
Hüttn da unten; da hab ich schwer draufzahlen müssen. ^Da sie der Mann
anstarrt, heftig^ Wegen dem Haus hast du dein Weib dem Grenzjäger als
Köder hingschmissen.
Mann ^heftig^
Fang nit mit alten Sachen an. Das haben wir ausglöscht.
Weib
^funkelt ihn mit den Augen an^
Ausglöscht? Das ganze Weib mit Haut und Haar und Fleisch und Blut? ^Dann
mit künstlicher Ruhe^ Du mußt mirs nit übelnehmen: Dort und da züngelts
noch auf. Jetzt ists schon wieder gut. ^Dann sanft, schmeichelnd^ Du,
Mann.
Mann
Ja. Was ist?
Weib
Du hast früher immer gsagt, das Haus am Marktplatz wirst _mir_
zuschreiben.
Mann
Ich halts auch.
Weib
Ja freilich. Wie die Männer schon sein mit dem Worthalten. Geh, geh.
Euch kennt man schon.
Mann ^entschlossen^
Hol mir Papier und Schreibzeug. ^Setzt sich an den Tisch.^
Weib
^stellt sich beinahe beleidigt^
Aber, was dir nit einfallt. Du wirst doch noch ein Spaß verstehn. ^Hat
sich aber trotzdem gleich erhoben und geht durch die Nebentüre ab.^
Mann ^vor sich hin^
Weiber. Zuerst wollen sie etwas haben, dann wieder nit; ja ja, grad wie
die Kinder.
Weib
^kommt mit Papier und Schreibzeug aus der Nebentür^
Und grad heut, wo du so müd bist. Laß es doch gut sein. ^Stellt das
Schreibzeug auf den Tisch und schiebt es ihm bequem zu^ So. Aber mach
mir aufs weiße Tischtuch kein Tintenfleck. ^Setzt sich abseits.^
Mann
^beginnt zu schreiben. Läßt ein Weilchen die Feder über das Papier
kratzen. Hält dann inne und legt die Feder weg. Wischt sich über
die Stirn^
Es ist doch was Spaßiges ums Testamentmachen. ^Zum Weib^ Jetz ist mir
ein eiskalter Grusler über den Rücken glaufen.
Weib
Was du nit sagst. ^Erhebt sich und tritt an den Tisch. Sieht über die
Schulter des Mannes auf das Blatt und liest^ »Für den Fall meines Todes
vermache ich meinem ^stellt sich gerührt^ lieben Eheweib ...« ^dann^ na,
so was; ich glaubs, daß es einen da gruselt. Das ist ja grad, als wenn
einem der Klapperhans schon hinten über die Achsel hereinschauet. ^Nimmt
das Blatt an sich^ Weg mit dem Wisch. Ich laß dich nit weiterschreiben.
Zu was sollst dich da lang martern?
Mann
Hast recht; bin heut auch zu müd. Leg das Blatt in Kasten. Ich schreibs
morgen fertig.
Weib
^hält das Blatt in der Hand; unwirsch^
Na also. Wenn ich schon immerfort sag: Laß es gut sein. ^Dann mit dem
Blatt in der Hand zögernd, als käme ihr ein Bedenken^ Ja, aber sag Mann;
du bist doch sonst so ein gscheiter Mensch; ist denn das schlau?
Mann
Was?
Weib
Ich mein halt so: Für den Fall meines Todes, oder wies da heißt -- so
was schreibt niemand gern; jetz hättst es eigentlich schon überstanden;
und da sollst dich dann morgen wieder auf und neu in den Tod hinein
denken? -- Na. Ich laß mir meinen Mann nit doppelt und dreifach martern.
^Legt ihm das Papier wieder vor^ Da; schreibs zu End. Man laßt sich
einen Zahn auch auf einmal reißen; und nit portionenweis.
Mann
Du hast recht. Und was du da sagst, das zeigt auch von Gemüt. ^Beginnt
wieder zu schreiben.^
Weib
Na eben. ^Setzt sich abseits.^
^Man hört jetzt und auch in der Folge durch das geschlossene Fenster
dann und wann sehr gedämpft die Klänge einer Ziehharmonika; keine
eigentliche Melodie; es erweckt den Anschein, als ob jemand
Akkorde üben würde^
Mann
Aha. Unser alter Knecht spielt wieder auf seiner Harmonika. Da kriegen
wir ein anders Wetter.
Weib
Das kann schon sein.
Mann ^schreibt^
^hält im Schreiben inne; wendet sich nach dem Weibe um^
Was hat das Haus für eine Nummer? ^Ungeduldig^ Marktplatz Nummero?
Weib
^hält sich die Ohren zu, als täte ihr der ganze Vorgang wehe^
Bitt dich, Mann, frag mich nix; ich werd dir nit bei der Arbeit noch den
Handlanger machen. ^Dann^ Nummero sieben hats, fallt mir grad ein.
^Während der Mann schreibt^ Oder meinst, für ein Weib ist das gar so
eine Freud, wenn der Mann da beim Tisch sitzt und schreibt: Für den Fall
meines Todes. ^Ist aufgestanden und tritt ans Fenster^ Och Gott, ja; man
steht sich schon was aus. ^Sieht durch die Scheiben.^
Mann ^schreibend; froh vor sich hin^