wollen; und du hast dir wollen das Geld verdienen für das Haus am
Marktplatz; ^heftig^ und mich habt ihr alle als Köder ausgsteckt; so
springt ihr mit unsereinem um; schamt euch -- alle miteinander; in Boden
hinein. ^Beginnt zu schluchzen.^
Mann
^auf sie zu; rüttelt sie^
Du bist heut ganz auseinander. Und in der Nacht hast ein paarmal
aufgschrien, ganz wild; bin nur so aus dem Schlaf gfahren.
Weib
^trocknet sich die Augen^
Da hast etwa auf dem Tennendach die Märzenkater ghört; die machen jetzt
in der Nacht immer großen Rebell: es ist Frühjahr und Brunftzeit.
Mann
Und die ganze Nacht bist türaus und türein, und im Bett hin und her,
ganz heiß im Dampf.
Weib
Bin ja noch jung; sollt ich schon kalt sein? ^Dann grob^ Überhaupt; muß
ich jetzt schon bald über jeden Schnaufer, den ich tu, Rechenschaft
legen? Ausschaun tuts bald so.
Mann
^der unterdessen das Geld vom Tische in die Lade der Kommode
versperrt, kopfschüttelnd^
Weib; in dir ist eine Unruh, ganz eine gwaltige.
Weib
^hat sich inzwischen wieder zu ihrer Strickarbeit gesetzt; trocken^
So. Ich sitz aber ganz ruhig da und strick; und denk über die Maikäfer
nach. ^Späht durch das Fenster; zuckt zusammen; für sich^ Dort kommt er
um den Wegbug; und den Kopf laßt er hängen. ^Dann laut, in der Absicht,
den Mann baldigst aus der Stube zu bringen; schmeichelnd^ Mann; ich hätt
Appetit auf an Fisch; geh, Manndl, sei nett: Fang mir für heut abend
einen Fisch aus dem Mühlbach.
Mann
^hat eben den Schlüssel von der Kommode abgezogen^
Dann muß ich aber gleich gehn; sonst beißt keiner mehr; die Sonn geht
schon abwärts.
Weib
Ja freilich mußt gleich gehn.
Mann
Wenn der Jäger kommen sollt, dann jag ihn aus mit Spott und Lachen. Was
das Haus am Marktplatz kostet, haben wir. Wir brauchen ihn nimmer.
Weib
Wenn er kommen sollt, dann werd ich schon machen.
Mann
^im Abgehen des Weibes Wange befühlend^
Deine Wang ist brennheiß. ^Eingangtüre ab.^
Weib
Dein Hand ist eiskalt; drum kommt dir meine Wange brennheiß vor. ^Dann^
Aber spioniert wird heut nit. ^Geht durch die Nebentür, die sie hinter
sich offen läßt, ab. Man hört das kräftige Zuschieben eines starken
Riegels. Kommt wieder durch die Nebentüre; befriedigt^ So. Da ist ein
Riegel gschoben. ^Reckt sich^ Jetz lassen wirs grad treiben, wies
treibt.
Jäger
^ist im Rahmen der Eingangtüre aufgetaucht; bleibt an den Pfosten
gelehnt stehen.^
Weib
Na also; haben Sie das Sternl gleich mitgebracht? Ist gut; ich nähs
Ihnen gleich auf. ^Holt das Nähzeug^ Ich freu mich schon; das wird Ihnen
passen. ^Dann^ Aber warum hat man uns noch nit das Haus durchsucht?
^Fädelt eine Nadel ein^ Was schätzen Sie: Wieviel Straf werdn wir
kriegen? ^Tröstet sich^ Na, man wirds ja noch früh gnug erfahrn. ^Dann^
So, jetz nur her mit dem Sternl, Herr Jäger; eingfädelt ist schon.
Jäger ^dumpf^
Ah was. I bin kein Jäger mehr.
Weib
Was sagen Sie da?
Jäger ^ist vorgekommen^
Mein Ehr ist hin.
Weib
Haben Sies am End gar nit angezeigt?
Jäger
Ihr Weiberteufl. So wie man an euch nur anstreift, habt ihr ein; und
habt ihr erst den kleinen Finger, dann habt ihr schon die ganze Hand;
und den ganzen Kerl mit Haut und Haar.
Weib ^brutal^
So. Jetz gings auf mich aus. Ists noch nit gnug, wenn ich Ihnen die
Spitzen hinter das Wams hineinschopp? Hätt ich Sie noch sollen
hinunterführen an der Hand, auf die Wach, wie einen Schulbub? ^Dann^
Marsch; da ist die Tür. Tun Sie Ihr Pflicht. Ich laß mir da vorwinseln;
das könnt mir passen.
Jäger ^schüttelt den Kopf^
Ich bin schon eingezwickt: Heut beim Rapport der Kommandant mich gfragt:
»Jäger. Nichts Neus von dem Fuchsbau da oben?« -- Gott mein Zeug, ich
wollt sagen: Ja. Und gsagt hab ich: Na. Es hat mir das Wort im Maul
verrissen. I kann nimmer, wie ich will; ich ghör nimmer mir selber.
^Reißt das Paket unter dem Rock hervor und schleudert es auf den Tisch^
Da. Hab gmeint, es brennt mir ein Loch durch. ^Wirft sich auf einen
Stuhl^ Ich scham mich -- zum Inbodenversinken.
Weib
^reißt das Paket an sich; wiegt es vor dem Jäger höhnend in der
Hand^
Wenn ich jetz morgen in der Früh auf die Wachstubn geh; und laß mir den
Kommandanten rufen --
Jäger
Dann sag ich: Ein Weib hat mich gfangen; ein durchgeteufeltes,
eingeteufeltes über und über.
Weib ^frohlockend^
Jägerle; jetzt hab i dich. ^Hat das Paket geöffnet; entrollt die Spitzen
vor dem Jäger^ Sein noch ganz warm die Spitzen, von dem langen Liegen
unter der Blusn; ^weist dem Jäger das Spitzengewebe vor^ schau, Jäger;
wie feine Mauszähn schauen sie aus; und die haben dein Ehr zerfressen.
^Schiebt ihm die entrollten Spitzen zu. Dann in streng befehlendem Ton^
Da. Leg mir sie um den Hals; ich schaff dirs. Wirds auf der Stell, oder
ich geh schnurstracks zur Grenzwach.
Jäger
^nimmt wie willenlos die Spitzen in die Hand und legt sie ihr um
den Hals^
Da; ich tu alls; ich bin nimmer ich; nur mehr so ein Tanzbär mit dem
Ring durch die Nasen.
Weib ^frohlockend^
Haha; der Jäger, der stolze. Jägerle; wirst du noch einmal Weiber
fangen? ^Ordnet sich die Spitzen am Hals und läßt die beiden langen
freien Enden beiderseits vorne herunterbaumeln; kokett die Enden über
der Brust glatt streifend, spottend vor dem Jäger^ Steht sie mir gut --
dein Ehr um den Hals? Sie würgt mich nit und druckt mich nit. Haha.
Jäger ^stiert das Weib stumpf an^
Ja, wenn ihr einen habt, dann habt ihr ihn ganz.
Weib ^heftig^
Gelt, jetz winselst um dein Ehr; aber das hätt deiner Ehr keinen Schaden
getan: Mit einem Weib Schindluder treiben, für ein Sternl an deinem
Blusenkragen. ^In hellem Zorn^ Du Mannswolf. ^Nimmt das Papier vom
Tisch, in das die Spitzen gewickelt waren; ballt es zusammen^ Da, das
Papier: Ich wirf dirs unter den Tisch hin, wie einem Hund. ^Wirft das
Papier unter den Tisch; befehlend^ Hebs auf vom Boden; auf der Stell
bring das Apportl.
Jäger
^bebend vor Scham und Zorn^
Weib; ich möcht dich schlagen. ^Drohend auf sie zu^ Soll i dich nit an
die Wand hinaufdrucken, daß man nichts mehr sieht von dir, als ein rotes
Mal?
Weib ^flüchtet gegen die Eingangtüre.^
Jäger
Nur kein Sorg. Ich rühr Sie nicht an. Sie sein mir viel zu schlecht.
Weib ^heftig, in echtem Ton^
Das laß ich nit auf mir sitzen. Wer hat denn angfangen? Bin ich zu Ihnen
kommen, oder Sie zu mir?
Jäger
^hat sich gesetzt. Brütet vor sich hin^
Ja; der Teufel muß einen reiten; dann kommt man weit bei der Nacht: Hab
mir denkt, ein Sternl wär schon gut da her; und dann auch mehr Löhnung
dazu; muß ja jeden Monat meiner Mutter was schicken; sie kann nichts
mehr verdienen; und wenn man dann ein paar Sterndln hat, sich vielleicht
auch ein bissel Familie schaffen; man hat ja sonst auch nix.
^Verzweifelt^ Aber ich hab sie nit kennt, die Weiber; sonst wär ich
schon ausgwichen auf drei Büchsenschuß weit.
Weib ^auf ihn zu^
Ich laß mich jetzt da von Ihnen nit für die Schlechte halten; ich hab
die Mannsbilder auch nit kennt; Gott mein Zeug: Nie wär ich auf so was
kommen; aber mein Mann; ja, schauen Sie mich nur an; der hat alles
ausgetiftelt und gsagt, ich soll Sie fangen.
Jäger ^knirschend vor sich hin^
Der Elendshirsch; die Schneiderfigur.
Weib ^beistimmend^
Ja; sonst ist er um und um zu nichts nutz; aber solche Spitzbübereien
auszuhecken -- ah, da ist er gut. ^Legt dem Jäger die Hand auf den Arm^
Ja, Jäger; es ist so.
Jäger
^zieht seinen Arm von ihrer Hand ab^
Weib, tu dein Hand weg; die macht mir zu warm. ^Sieht das Weib an^ Sonst
vergiß i mich und tapp nach dir.
Weib
^versucht einen strengen Ton anzuschlagen^
Jäger; i bin ein verheirates Weib. Vergessen Sie das nit.
Jäger
I weiß schon, daß Sie beschneidert sein. ^Haßerfüllt^ Wo man sich reckt
oder einen Finger rührt -- überall stoßt man an den Schneider an.
^Schlägt mit der Faust auf den Tisch.^
Weib
^besieht die Stelle des Tisches. Trocken^
Und wieder vier Gruben im Tisch. ^Sieht ihn bewundernd von der Seite an^
Ja, sagen Sie, Mensch: Sie sein ja ganz von Eisen. ^Setzt sich neben
ihn; nimmt ihm sanft die Hand vom Kopf^ Was denken Sie denn jetz?
^Streicht ihm über die Stirn.^
Jäger
^sucht sich seiner Leidenschaft zu erwehren^
Nur nit so nah bei. ^Rückt von ihr etwas ab.^
Weib
^rückt ihm nach; ihre Wangen glühen^
Was stoßen Sie denn allweil mit Ihrem Knie an mir an?
Jäger ^schreiend^
Ich? Sie rucken ja immer nach. ^Springt auf; faßt sie an den Schultern
und rüttelt sie heftig. Heiser.^ Sag, Weib; was willst du mit mir?
Weib
^ohne den geringsten Versuch, sich von ihm frei zu machen^
Gar nichts. Ruh geben sollst. ^Jäger läßt sie los; sie reibt sich die
Schultern^ Grobian, jetzt hat er mir völlig die Achseln auskegelt.
Jäger ^trocken^
Hätten Sie halt gschrien; dann hätt ich früher ausglassen.
Weib
Ah, zum Schreien bringen Sie mich nit; da können Sie schon noch besser
drucken. ^Vor ihm, ganz sachlich^ Wetten wir um an Sechser, daß ich nit
schrei?
Jäger
^aufgestachelt, legt die Arme um sie und preßt sie zusammen^
Soll ich noch fester? Schreist bald?
Weib
^kann kaum atmen; gepreßt kichernd^
Noch lang nit; grad extra nit; och du mein Jäger.
Jäger
^als besänne er sich; läßt sie los und schiebt sie unmutig von sich^
Geh weg. Du bist ja doch nit mein. Laß dich von deinem ^haßerfüllt^
Schneidermanndl drucken um an Sechser.
Weib ^lebhaft einstimmend^
Ja; das wird er wohl sein; _so_ ein Kripperlspiel. ^Jäger ergreift ihre
Hand und will sie wie liebkosend streicheln; sie entzieht ihm die Hand
heftig^ Laß mich; ich bin nit dein; ich hab an Mann. ^Verzweifelt^ Ich
hab ihn einmal und ich muß mit ihm leben; und da hilft einmal nichts.
^Hat sich abgewendet und schluchzt.^
Jäger ^nicht ohne Schadenfreude^
Ah; hats dich jetzt? ^Höhnend^ Gelt, mich hast fangen wollen; und jetzt
bist selber drin. Haha.
Weib
Wer ist drin? Jäger, so weit haben Sie mich noch lang nit, daß ich etwa
wegen Ihnen eine Dummheit mach. Bilden Sie sich nur das nit ein. ^Sich
selbst zuredend^ Mein Gott, wenn er halt einmal nit besser geraten ist
-- denk i mir halt, er ist wie mein Kind und pfleg ihn weiter.
Jäger
Bis es Ihnen verleidet. Das Kind.
Weib
Oh na. Erst voriges Jahr hab ich ein krankes Hundl aufzogen; den ganzen
Tag müssen mit dem Fetzen hinter ihm in der Stube her sein und
aufwischen; und Medizin eingeben und futtern. Und hab alls gemacht mit
Geduld. Hat mir gar nit verleidet. ^Immer sich selbst zusprechend, ohne
es innerlich selbst zu glauben^ Na also; werd ichs mit mein Mann, mit
dem ich jetzt sieben Jahr leb, auch noch weiter ermachen. ^Gegen den
Jäger^ Ah na. Noch weiß ich schon, was Brauch ist. Gehn Sie. Und kommen
Sie nimmer. Da wachsen für Sie keine Birnen.
Jäger ^zerrissen^
Der Teufel hat mich hergführt.
Weib
Na, so soll er Sie auch wieder wegführen. Da ist die Tür.
Jäger ^macht sich zum Gehen fertig.^
Weib ^horcht gegen den Flur^
Halt. Jetz hör ich ihn grad beim Haus hereinschlurfen; jetz können Sie
nit zugleich bei der Tür aus, wenn er hereinkommt; das fallt zu viel
auf; ^rückt ihm einen Stuhl an den Tisch^ Setzen Sie sich noch ein
bissel, damits nit so ausschaut. Aber ja nix anmerken lassen.
Jäger ^setzt sich^
Wenn ichs nur kann. ^Trommelt mit den Fingern auf den Tisch.^
Weib
^ist zum Wandschrank geeilt, entnimmt ihm eine halbvolle Flasche
Rotwein nebst Trinkglas und stellt beides vor dem Jäger auf den
Tisch^
Tun Sie grad, als ob Sie ganz gemütlich ein Glasl Wein trinken täten.
^Richtet sich zurecht.^
Jäger
Ich brauch ja nit nur so zu _tun_; ich kann ja _wirklich_ ein trinken.
^Schenkt sich ein Glas voll und leert es mit einem Zug.^
Mann
^tritt währenddem, einen Fisch in der Hand, in die Stube. Sieht den
Jäger trinken. Spottend^ Zum Wohlsein, Herr Jäger; schmeckt der Wein?
Jäger
^nimmt keinerlei Notiz von dem Mann; setzt das leere Glas heftig
auf den Tisch; steckt beide Hände in die Hosentaschen und sitzt vor
sich hinstarrend, breitspurig da^
Mann ^auf das Weib zu, leise^
Der trinkt meinen Wein und redt nix.
Weib
Er trinkt noch aus und kommt nie mehr.
Mann ^befriedigt^
Gut so. ^Weist den Fisch vor. Laut^ Da schau, einen Fisch hab i dir
gfangen.
Weib ^besieht den Fisch flüchtig^
Mhm. Ist noch dazu ein großer. ^Nimmt einen Zinnteller von der Wand und
wirft den Fisch hinein.^
Mann
Ja. ^Mit einem Blick nach dem Jäger^ Je größer, desto lieber beißen sie.
^Tritt zum Jäger vor^ Nu, Herr Jäger; jetz werden Sie dann etwa doch
wieder einmal müssen auf die Grenzwach gehn. Man hört, die Schmuggler
sollen es arg treiben.
Jäger
^tut, als wäre der Mann nicht da; zum Weib^
Haben Sie da einen Kanarivogl? Ich hör alleweil was piepsen.
Mann ^gibt es zurück^
Na; aber wir tun uns einen Gimpel ein; die werden viel zahmer und
fressen bald aus der Hand; gelt, Weib.
Weib ^trocken^
Ich mein, wir haben schon einen.
Mann
Gut geben; bravo. ^Lacht aus vollem Hals.^
Jäger ^dem Weib zunickend^
Gut geben; bravo. ^Lacht ebenfalls^
Mann
^geht auf das Weib zu, die den Zinnteller auf dem Schoß, im
Hintergrund sitzt und mit dem Abschuppen des Fisches beschäftigt
ist^
Sag, ist der übergschnappt?
Weib ^gleichmütig^
Mir nix bekannt. ^Dann^ Es geht schon auf Abend; Herr Jäger, gute Nacht.
Mann ^höhnisch^
Gute Nacht, Herr Jäger. ^Dann zum Weib^ Meine Filzbatschen mußt mir
bringen und frische Strümpf; sonst krieg ich wieder mein Huster; hab
nasse Füß.
Weib
Wie kommst zu nasse Füß?
Jäger
^der sich bereits zum Gehen erhoben hat, kann sich nicht mehr
halten; höhnend^
Der Fisch hat ihn in Bach verrissen; ^lacht^ ja, so ein Fischschwanzl
hat eine Kraft.
Mann ^erbost gegen den Jäger^
Wer spottet mich da?
Jäger
^kann seinen Haß kaum mehr bändigen; vor sich hin^
Laß dich einfatschen; Schneider.
Weib ^energisch^
Herr Jäger, gute Nacht.
Mann ^in steigender Wut^
Wer ist ein Schneider?
Weib
Mann, sei still und frag nit lang.
Jäger ^äußerlich ruhig^
Jetz piepst schon wieder was.
Mann
^kommt nach Art schwächlicher Menschen in rasch ansteigende Wut^
Wer piepst?
Jäger ^ruhig^
Der Schneider.
Mann
Wer ist ein Schneider?
Jäger
Immer, der fragt.
Mann ^in höchster Wut^
Wer ist ein Schneider? ^Zieht ein Stehmesser aus der Hintertasche.^
Weib
^beinahe stolz auf ihren Mann^
Herr Jäger, geben Sie acht. Sie könnten sich doch ein bissl irren in
meinem Mann. ^Dann zum Mann^ Mann. Bist du nit bei Trost? Steck dein
Messer ein.
Jäger ^zum Weib^
Aber lassen Sie dem Schneider die Freud. ^Stellt sich ruhig vor den Mann
hin.^ Da; Schneiderle, stich. Du bringst mirs ja gar nit durch die
Rippen ein. ^Da der Mann in seiner Schwäche zitternd unschlüssig mit dem
Messer dasteht, zum Weib.^ Halten Sie ihn; sonst fallt er um. ^Es sieht
einen Augenblick aus, als wollte er sich in ausbrechendem Haß auf ihn
stürzen. Bezwingt sich^ Ich muß grad laufen, sonst zerdruck ich ihn noch
mit mein Augendeckl; ^in der offenen Eingangtüre sich noch einmal
umwendend, haßerfüllt^ den Schneider. ^Ab.^
Weib
^enttäuscht zum Mann, der am ganzen Leib zitternd dasteht^
Jetz steck nur deinen Feitel ein und setz dich; du bist ja weiß wie ein
Leintuch. ^Geleitet ihn zu einem Sitz.^ Er ist schon weg. Brauchst dich
nimmer zu fürchten.
Mann ^fährt herum^
Wer fürcht sich? ^Sitzt^ Sag, Weib: Warum hat denn der so eine Wut auf
mich?
Weib
Hättst ihn gfragt; ich steck nit in seiner Haut drin. ^Dann^ Also was
willst? Ah ja, richtig: Die Filzbatschen und frische Strümpf. ^Zieht die
Filzschuhe unter einer Bank hervor und stellt sie etwas unwirsch zu
seinen Füßen hin. Geht zur Kommode und entnimmt der untersten Schublade
ein Paar Strümpfe.^
Mann
^noch immer außer Atem; keuchend^
So ein Lümmel.
Weib
Laß den Lümmel Lümmel sein und denk nimmer dran. ^Ist mit den Strümpfen
zum Mann hingetreten und richtet sie ihm gebrauchsfertig.^ Aber Kraft
hat er; wie er jetzt so dagstanden ist und hat seine Brust hergreckt,
gradaus auf dein offnes Messer hin -- ja, vor dem Jäger müssen wir noch
alle kuschen.
Mann ^etwas gereizt^
Ja, ja; jetz hör nur einmal auf. Wir reden nimmer davon.
Weib
^hat sich vor ihn hingekniet, um ihm beim Anziehen der Strümpfe
behilflich zu sein^
Zieh dir die Strümpf aus; hilf auch ein bissel mit; soll denn alls ich
machen?
Mann
^streift sich die Strümpfe herunter^
Einreiben mußt mich dann auch noch mit Ameisgeist; ich spür wieder ein
Rheumatismus im Arm.
Weib ^trocken registrierend^
So. Nasse Füß und Rheumatismus steht heut im Kalender. Kopfweh und
Bauchweh hast gestern ghabt.
Mann
Das Herz klopft mir noch bis zum Hals herauf.
Weib ^hilft ihm in die Strümpfe^
Aber sonst bist gsund. ^Dann^ Ja, mit solche Kraftlackel soll man halt
nichts anfangen; da ist man allemal hinten dran. ^Hat ihm in Strümpfe
und Filzschuhe geholfen; erhebt sich vom Boden; nimmt von der Wandstelle
eine Flasche; vor dem Mann^ Da wär der Ameisgeist; ^unwirsch^ streck dir
den Ärmel auf; oder soll alles ich machen? Das wär wirklich bald so, daß
man dich noch fatschen müßt.
Mann
Hast du heut ein Grant. ^Streckt sich den Hemdärmel auf.^
Weib ^besieht den Arm^
Mein Gott, ist das ein Arm. Um kein Kreuzer Fleisch dran.
Mann
Siehst ihn denn heut zum erstenmal? ^Schreiend^ Ich hab ja nichts
Bessers mitkriegt von meiner Mutter.
Weib ^trocken^
Deswegen mußt aber jetzt nit mit mir so schreien. Ich bin nit dein
Mutter. ^Reibend. Mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt. Vor sich hin^
Ich mein, wenn der Jäger einmal Kinder kriegt -- das gibt lauter junge
Bären ab.
Mann ^erbost^
Jetzt hör mir bald auf mit dem Jäger. Wir reden nimmer davon. ^Pause.
Plötzlich sich besinnend^ Richtig. Jetzt hätt ich bald die Hauptsach
vergessen. Also, was ist? Hat ers anzeigt?
Weib
Wer?
Mann
Wer. Der Jäger.
Weib ^energisch^
Jetzt wird nimmer gredt davon.
Mann ^erbost aufspringend^
Ob ers anzeigt hat.
Weib ^unwirsch^
Was anzeigt.
Mann
Das Paketl mein ich; mit den Spitzen.
Weib ^grob^
Ah was, Paketl. Leg dich ins Bett und schlaf dein Schrecken aus; ist
gscheiter.
Mann ^ganz perplex^
Wie redst denn du auf einmal mit deinem Mann?
Weib ^achselzuckend^
Ich red halt, wie ich red. Überhaupt, wo ist denn ein Mann?
^Hohnlachend^ Das wär mir ein Mann: Im Frühjahr voll Katarrh, im Sommer
Kopfweh; im Winter die Wärmflaschn im Bett; und wenn er am besten ist,
ist er umundum nix nutz. ^Heftig ausbrechend^ Und das soll mein Leben
sein? ^Wirft das Flanelltuch, mit dem sie die Einreibung vorgenommen,
von sich^ Laß dich von der Katz einreiben. Mir graust. Ja, grausen,
grausen tut mir vor dir; du Saugflaschenmanndl.
Mann
^steht wie erstarrt; dann^
Ah. Jetz geht mir ein Licht auf. ^Erschütternd aufschreiend^ Mein Haus
brennt.
Weib ^brutal^
Wer hats denn angezunden?
Vierter Akt.
Weib
^sitzt am Morgen zusammengekauert in einem Winkel der Stube und
brütet vor sich hin.^
Mann
^kommt zum Gehen gerüstet aus der Nebentür. Innerlich tief erregt.
Bezwingt sich^
Weißt du nit, wo du bei Nacht hinghörst?
Weib
Mir muffelts zuviel in der Schlafkammer.
Mann
^hält sich gewaltsam ruhig^
Weib, ich sag dir nur das: Was _mir_ ghört, das halt ich mir. ^Kommt ihr
mit der Hand zu nahe.^
Weib
^fährt wie angeekelt zurück^
Rühr mich nit an. Deine Hand ist kalt, wie eine Totenhand.
Mann
^kann sich nicht mehr halten. Schreiend^
Dem Jäger seine -- ist die wärmer? ^Sich selbst zur Ruhe mahnend^ Nur
kaltes Blut.
Weib ^vor sich hin^
Sorg dich nit. Das wird eh nit warm.
Mann
^hält sich mühsam ruhig^
Ich geh jetz ein neues Türschloß bstellen. Das alte taugt nichts.
Weib
Du hast die ganze Suppe selber eingebrockt -- jetz löffel sie auch aus.
Gib mir soviel Geld, daß ich nit Not leiden muß. Dann geh ich heut noch
von dir weg.
Mann
^keuchend vor verhaltener Wut^
Zum Jäger.
Weib
Gleich wohin. Denk dir grad, ich bin gstorben. Ein schöns Begräbnis
spendierst mir doch; und dann das Totenmahl und ein schönen Grabstein.
Gib mir, was das alls kostet, also lebendiger, dann hab ich was davon.
Mann
Und der Jäger auch.
Weib ^verzweifelt ausbrechend^
Ich kann mit dir nimmer leben. ^Kniet vor dem Manne^ Laß mich aus. Du
erhebst mich ja doch nimmer.
Mann ^kochend vor Wut^
Ah; mein Weib mir davon; das Lachen dann und Spotten bei meinen Brüdern.
Wenn du mir so kommst -- da hast. ^Schlägt sie auf die Wange; im
Abgehen^ Mein Sach halt i mir noch. ^Eingangtüre ab.^
Weib
^erhebt sich vom Boden^
Mannl; du sperrst ein Weib nit ein. ^Man hört plötzlich ein mächtiges,
dumpfes Pochen an der Haustür. Das Weib horcht auf; da es neuerdings
pocht, froh^ Ja. Das ist seine Faust. ^Eilt ab, um die Haustür zu
öffnen. Kommt gleich wieder in die Stube zurück; hinter ihr,
vernachlässigt in der Kleidung, mit wirrem Haar, wie übernächtig, der
Jäger^ Grad hab i auf dich denkt. Und jetz bist da. Als wenn i dich
herzaubern könnt. ^Dann^ Wie kommst du jetz her?
Jäger
^wirft die Mütze auf den Tisch; wischt sich mit dem Ärmel über die
Stirn; achselzuckend^
Bin halt da. Er ist ja weg.
Weib
Ja. Grad ist er fort. Bist ihm begegnet?
Jäger
Na. Hab mich versteckt ghabt und gwartet, bis er geht.
Weib
Ich kanns nimmer aushalten neben ihm in der Kammer. Bin heut die halbe
Nacht da in der Stube herumgsessen.
Jäger
Hab schon dein Schatten gsehen; ^deutet mit dem Kopf nach dem Fenster^
hinter dem Vorhang.
Weib ^verwundert^
Schleichst denn du Tag und Nacht da um? Machst du kein Dienst mehr?
Jäger
^dumpf, resigniert; zuckt die Achsel^
Ich will auf die Grenzwach gehn, und auf einmal bin ich da. Ich lieg im
Wachzimmer auf der Pritschn, und auf einmal bin ich da. ^Wischt sich
über die Stirn^ Kenn mich selber nimmer; bin von oben bis unten
aufgrissen.
Weib
I muß auch immer an dich denken. Kann nimmer schlafen und essen. Immer
nur an dich und dein Kraft; ^angeekelt^ neben dem Fliegenmanndl da.
Jäger ^winkt haßerfüllt ab^
Red mir nit von ihm.
Weib
Siehst Jäger; mir graust so vor ihm; ich kann dir nit sagen, wie. Wie
vor einer halbtoten Fliegn, die im Kaffee herumschwimmt.
Jäger
^hat das Weib aufmerksam angesehen; deutet auf ihre Wange^
Was hast denn da? Bist ganz brennrot.
Weib
^zuckt zusammen. Dann kurz^
Bin früher beim Fenster glehnt und hab die eine Hand da ^auf die Wange
deutend^ aufgstützt. Davon wirds wohl sein.
Jäger
Wo ist er denn jetz hingangen?
Weib
Er?
Jäger
Ja.
Weib
Zum Schlosser. Ein neues Türschloß will er machen lassen, das man von
innen nimmer aufbringt. Und die Fenster sein sowieso vergittert.
Jäger
Will er dich einsperren?
Weib
Er probierts einmal. ^Dann^ Wenn du morgen kommen wärst, hätt ich dir
gar nimmer die Tür aufmachen können.
Jäger ^aufbrausend^
Teufel. Meinst, ich möcht das? ^Verächtlich^ Warten, bis die Katz aus
dem Haus ist; dann einkriechen, wie ein Einbrecher. Das wär mir viel zu
minder. Frisch ganz oder gar nit. Halb und halb ist nit mein Art.
Weib
Bitt dich, Jäger: Verlaß mich nur nit.
Jäger
^nagt an seiner Lippe. Plötzlich^
Gehn wir miteinander durch.
Weib
Da dran hab i auch schon denkt. Aber was tun wir dann? Ich hab kein
Kreuzer; alls ghört ihm; und du hast auch nix. Und von der Lieb können
wir nit abbeißen. Da schaust du mir nit darnach aus. ^Dann^ Soll ich
dann vielleicht in Dienst gehn, als Kuchelmädl? Dank dafür. Und ich
mein, da wär i dir auch bald zuwider.
Jäger ^seufzend^
Es ist ja bei mir auch nur so gredt; wie man halt redt ohne Kopf. Ich
hupfet nit weit; sie können mich jede Stund wieder holen. Und meine
Reputation und die Mutter, und alls. A was, ich hab ja kein Kopf mehr.
^Sitzt brütend da und stützt den Kopf in die Hand.^
Weib ^nahe an ihn heran^
Jäger; was tun wir?
Jäger ^äfft sie^
Was tun wir; was tun wir; ^verzweifelt gegen das Weib ausbrechend^ Nit
einfangen hättst mich sollen.
Weib ^auffahrend^
Hab _ich_ mir wollen ein Sternl verdienen oder du? ^Höhnt ihn^ Hast
jetzt dein Sterndl? Hängst jetzt?
Jäger
Hängst du vielleicht nit?
Weib ^dumpf aufstöhnend^
Ja. Wir sein jetz beide drin. ^Wirft sich ihm an den Hals^ Sag nur, mein
Jäger: Was fangen wir an.
Jäger
Überall wo man hinschaut -- alls ist verrammelt. ^Preßt das Weib an
sich.^
Weib ^macht sich unwirsch los^
Laß mich. Ich ghör ja doch nicht dir. ^Dann, unter den halbgeschlossenen
Lidern nach dem Jäger sehend^ Ja, wenn ich kein Mann hätt -- dann wärs
leicht.
Jäger ^beinahe rauh abschneidend^
Jetzt hast aber ein. ^Plötzlich unsicher; zögernd^ Ich wüßt ein Mittel.
Weib
^lauernd, mit aufblitzenden Augen^
Sags.
Jäger
^zieht seine doppelläufige Dienstpistole hervor und legt sie hart
auf den Tisch^
Da sein zwei gute Schuß drin. Einer dir und einer mir. Dann ist ein Ruh.
Wir lebens ja doch nit aus.
Weib
^enttäuscht über den Vorschlag; schiebt die Pistole weg^