Karl Schönherr
Der Weibsteufel
Der Weibsteufel
Drama in fünf Akten von
Karl Schönherr
Erstes bis drittes Tausend
Leipzig * Verlag von L. Staackmann * 1914
Den Bühnen gegenüber Manuskript.
Übersetzungsrecht für alle Sprachen vorbehalten. Das
Aufführungsrecht ist nur durch den Verlag _L. Staackmann in
Leipzig_, Hospitalstraße 10, Abteilung Bühnenvertrieb zu
erwerben.
Copyright 1914 by L. Staackmann, Leipzig.
Personen:
Der Mann
Sein Weib
Ein junger Grenzjäger
Schauplatz: Eine Stube.
Erster Akt.
^Mann und Weib sitzen am Tisch. Vor ihnen stehen zwei Gläser mit
Wein.^
Mann
^noch jung, aber kränklich und schwach; mit schütterem, rötlichem
Haarflaum. Erhebt sich und nimmt das Glas zur Hand; schmunzelnd^
Weib. Was ist heut für ein Tag?
Weib
Heut vor sechs Jahren haben wir Hochzeit ghabt.
Mann
Stoß an mit mir. ^Stoßen an.^ Weib, du sollst leben.
Weib
^sieht ihm in die Augen^
Und du nit minder. ^Trinken die Gläser leer und küssen sich auf die
Wange.^
Mann ^froh^
Jetzt sag: Haben wir ein einzigsmal gstritten unter alle sechs Jahr?
Weib
Wir sein immer gut auskommen. Ich weiß von kein Streit. ^Räumt die
leeren Gläser vom Tisch.^
Mann ^setzt sich und lacht^
Na also. Grad lachen muß ich, wenn ich zurückdenk, wie sich die Leut da
alle das Maul zerrissen haben: Du sollst mich nit nehmen. Und meine
eignen Brüder gespottet und glacht: So ein blutschwaches Manndl und das
Weib dazu -- das geht nit gut aus. ^Übermütig^ Wo sein sie jetzt alle --
die Prophezeier; die Schwarzseher?
Weib ^schlicht und warmherzig^
Grad weil du schwach bist; und ich hab gsehen, du brauchst wen; und man
kann dir was sein; grad deswegen hab i dich gnommen. ^Dann^ Weißt, so
hab i dich wie ein hilfnotiges Kind, das man hüten und pflegen und um
das man sich sorgen muß.
Mann ^stiller, nachdenklich^
Ja; so ein Krankensessel bin ich schon von kleinauf immer gwesen; ^sieht
nach dem Bild seiner Mutter an der Wand^ gelt, Mutter. ^Dann^ Aber dafür
bin ich schlau. ^Hat sich erhoben und verriegelt von innen die Tür.^
Zieh die Vorhäng zu. ^Während das Weib dem Befehl nachkommt, zieht er
das Stehmesser aus der Hintertasche und hebt mit der Messerklinge ein
Dielenstück des Fußbodens aus dem Falz. Holt aus der Höhlung in Papier
gewickelten Seidenstoff und Spitzen hervor; breitet beides vor dem Weib
auf dem Tische aus. Froh.^ He, Weib. Was sagst? Das ist für dich. Gelt,
da schaust.
Weib ^voll Freude^
Ah, ist das eine Pracht. Die feinen Spitzen und die Seide. ^Probiert den
Seidenstoff als Schürze.^
Mann
^beobachtet befriedigt des Weibes Tun; für sich^
Da hat sie eine Freud, das Kind. ^Dann^ Gelt, Weib; Schmuggelwaar ist
feine Waar. Und Schmuggelwaar tragt Gold. ^Hat der Kommode einen großen
Lederbeutel mit großen^ ^Goldstücken entnommen, die er mit Wohlgefallen
auf dem Tisch Stück für Stück nebeneinander zu legen beginnt.^ Da; und
da; und da; und da; den ganzen Tisch könnt ich pflastern mit Goldfüchs.
Alles für dich.
Weib
^greift nach seinem Arm; mit leuchtenden Augen^
Wenn wir einmal das schöne Haus am Marktplatz haben; mit der großen
Toreinfahrt und den gemalten Fensterbögen; und wenn ich dann am Sonntag
in Spitzen und mit einem seidenen Kittel in die Kirchen rausch -- ah.
Mann
Da werden die Leut hinter uns die Mäuler aufsperren.
Weib
^wiegt den Lederbeutel in der Hand^
Wieviel fehlt denn noch zum Haus?
Mann
^legt die Goldstücke wieder in den Beutel^
Es fehlt nimmer viel; noch ein paar gute Frachten und wir wären so weit.
^Verschließt den Beutel wieder in die Kommode.^
Weib
^legt den Seidenstoff und die Spitzen wieder sorgsam zusammen^
Ist nit heut nacht wieder eine Schmugglfracht kommen?
Mann ^nickt^
Im Keller liegt sie; unter dem doppelten Boden; ^ist dem Weib beim
Glattrollen der Spitzen behilflich^ aber man kann nichts mehr
wegschaffen; nix mehr zu Gold machen; der neue Jäger hat Augen, die
sehen durch Holz und Mauer.
Weib
^hat Spitzen und Seidenstoff wieder in das Papier gewickelt.^
Streicht denn der Tag und Nacht um?
Mann
So. Jetz legs nur wieder hinein. ^Weib legt das Paket in die
Dielenöffnung, Mann paßt das Dielenstück wieder auf die Öffnung.^ Und
die Schmuggler wollen nichts mehr wagen; sie sagen, ich als der Hehler
hätt leicht lachen hinter dem warmen Ofen daheim; aber sie müßten es
ausfressen; sie sagen, der neue Jäger haut und sticht und kennt kein
Pardon; und der laßt sich auch nit abschmiern.
Weib
Am End faßt er uns auch noch.
Mann
^hat sich vom Boden erhoben und tritt das eingepaßte Dielenstück mit
den Füßen fest. Zieht dann das Weib zu einer altertümlichen, großen,
geräumigen Truhe hin^
Jetz sag einmal: Seit wir Mann und Weib sein, haltst du die Truhe da
versperrt; kein Mensch weiß, was drin ist.
Weib ^schroff abschneidend^
Mann, es ist gut; die Truhe laß mir in Ruh.
Mann
Aber die Truhe hetzt uns die Grenzjäger auf den Hals.
Weib
Wie das?
Mann
Jeder Knecht und jeds Dienstmädl, das einmal bei uns gwesen ist, redt
von der Truhe im Dorf herum; da sei eine Heimlichkeit drin. Na, und da
spitzen die Grenzjäger die Ohren. ^Dann^ Sie haben jetzt schon wieder
etwas Neus ausgetiftelt gegen mich.
Weib
Was denn schon wieder?
Mann
Weil ich ihnen zu schlau bin, und sie kommen mir nit an -- jetz wolln
sie dich dazu einspannen.
Weib
Mich?
Mann
Ja; dich -- gegen mich. I weiß alls von einem, der selber dabei war; mit
einem Goldstückl hab ich ihm das Maul aufgsperrt. ^Setzt sich auf die
Truhe und zieht das Weib neben sich nieder. Dann^ Also gestern hat der
Kommandant die Jäger alle zusammgetrommelt und gsagt: »Ist keiner da,
der mir endlich einmal den Kapitalfuchs da oben fangt?« Das wär nämlich
ich. Drauf sagen die Jäger: »Wir tun, was wir können; aber dem kommt man
nit an.« Drauf sagt der Kommandant: »Er soll ja ein saubers Weib daheim
haben. Himmelelement. Und ihr Jäger alls jungfrische Kerl. Na also.
Warum steckt sich denn keiner hinter sie und macht sie ein bißl verliebt
-- die Gans; bis sie zum Schnattern anfangt. ^Weib hat sich erhoben.^ So
ein Weib frißt einem jungen Kerl ja bald aus der Hand; und dann erfahrt
man alls, was man wissen will. Na also: Wer wagts?« Aber es ist
mäuselstill geblieben in der Wachstubn; keiner hat sich grührt.
Weib
Pfui Teufel. Ist das nit ein Spott und Schand, für was der ein Weib
anschaut? Glaubs gern, daß er zu so was keinen Jäger findet. Der soll
sich schamen bis ins letzte Haar.
Mann ^ruhig^
Halt, bin noch nit fertig. ^Fährt fort.^ Wie der Kommandant sieht, es
will keiner dran, hat er noch ein Draufgab geben: »Jäger,« sagt er, »wer
mir den Fuchs da oben fangt, daß man ihm sein Hehlerei beweisen kann --
der avanciert. -- Ist noch keiner da, ders wagt?« ^Dann^ Und jetzt ist
einer vor und schreit: »Hier.«
Weib
Wer?
Mann
Der neue Jäger. Der Wachtmeister fragt ihn noch: »Du blutjunger Jäger.
Bist du bei den Weibern schon so gut beschlagen?« -- Drauf hat der
gsagt: »Hab noch mit keiner was zu tun gehabt; aber so ein Weib ein
bissel karessieren, das wird doch kein Kunst sein. Und avancieren ist
auch kein Dreck.«
Weib
Du Hund.
Mann
^hat inzwischen die verschlossene Türe wieder aufgeriegelt und
schiebt die Vorhänge an den Fenstern zurück; sieht wie ungefähr
durch das Fenster; dann plötzlich^
Weib, dort; schau. ^Weib ist ans Fenster geeilt^ Siehst ihn? Über den
Bergsteig kommt er; gradwegs auf unser Haus zu.
Weib
^sieht hinter dem Fenster scharf zu^
Hund, verruchter. Komm mir nur. Dir fahr ich an die Gurgel.
Mann ^tritt vom Fenster zurück^
Was hättst davon? Der schlenkert dich weg, wie eine Fliegn.
Weib
Wir schlagen ihm die Haustür vor der Nasen zu. ^Will ab.^
Mann ^hält sie am Arm zurück^
Natürlich. Daß wir gleich sein Verdacht aufriegeln. Dann sucht er uns
auf der Stell das ganze Haus von oben bis unten ab und findet am End die
ganze Fracht. Dann adje, Haus am Marktplatz, mit den gemalten
Fensterbögen. ^Zieht sie ganz zu sich heran^ Weib. Schlau muß man sein:
Wenn uns einer eine Grube grabt, dann müssen wir gegengraben.
Weib
Was willst damit sagen?
Mann
Wenn er _dich_ fangen will -- fang ihn du. Wirf ihm ein Hölzl; stell ihm
ein Bein. Tu ihm auch ein bissel schön; halt ihn solang in der Stube,
bis ich mit meinen Helfern die ganze Fracht aus dem Keller hab; solang
er da in meiner Stube sitzt, weiß ich, er kann mit seinem Fernglas nit
irgendwo hinter einem Baum oder Stein versteckt hocken und von der
Weiten mein Haus abspekulieren.
Weib
^starrt den Mann mit weit offenen Augen an^
Aber Mann, was fallt dir denn ein? Ich so was. Ist das dein Ernst?
Mann ^klopft ihr auf die Schulter^
Weib. Schlau muß man sein.
Weib ^sträubt sich heftig^
Na. Bitt dich, Mann. Stell mich zu so was nit an. Was fallt dir denn
ein? Da müßt ich ja schon ganz ausgschamt sein.
Mann ^ungeduldig^
Herrgott noch einmal; brauchst ja nur dazusitzen und ein bissel das Maul
verziehen, wenn er was sagt. Und laß nur die Augen ein bissel spielen;
du hast ja ein Paar gute Augen; nu, wie man halt so einen Gimpel lockt;
das hat doch jeds Weib am klein Finger.
Weib
Aber Mann, i bitt dich, Mann; das kann doch nit dein Ernst sein.
Mann ^abschneidend^
Still jetzt. Er kommt schon. ^Flüstert ihr zu^ Denk an das Haus am
Marktplatz; Spitzen und Seide; es gschieht ja alls nur für dich.
Jäger ^tritt in die Stube^
Guten Tag um und um.
Mann
Auch soviel. ^Dann^ Schau, Weib, wer da ist. ^Zum Jäger^ Sind Sies oder
nit: Der neue Jäger von der Grenz?
Jäger
Ja, der bin ich. ^Sieht sich spähend in der Stube um und faßt das Weib
fest ins Auge, zum Mann^ Sie hausen da herobn wie in einem Geiernest;
ganz weg von den Leuten.
Mann
Ja. Man laßt sich nit gern bei jedem Löffl voll Suppn ins Maul schauen.
Wir wollen aber doch bald ins Tal ziehen, wenn sichs machen laßt; gelt,
Weib. ^Dann^ Herr Jäger, womit kann man dienen?
Jäger ^behält das Weib im Auge^
Es ist mehr Weibssach: Bin da drunten an einer Stauden hängen blieben
und hab mir den Ärmel aufgrissen.
Mann
^wirft dem Weib einen verstohlenen Blick zu; besieht den Ärmel^
Hm, da sein Sie aber ordentlich hängen blieben. Schaut aus, wie mit dem
Messer gschnitten. ^Zum Weib^ Weib. Gleich hol das Nähzeug und flick den
Herr Jäger wieder schön zusamm.
Weib
^holt zögernd widerwillig das Nähkörbchen, wobei ihr der Jäger mit
den Augen folgt.^
Mann
^wirft dem Weib, das das Nähzeug auf den Tisch gestellt hat, einen
vielsagenden Blick zu^
Weib; näh aber gut und fein, daß man nichts merkt. ^Geht der Eingangtüre
zu.^
Weib ^wie von plötzlicher Angst befallen, flehend^
Mann, bleib da. ^Der Türe zu^ Oder wart, i geh auch.
Mann ^ihr zublinzelnd, ärgerlich^
Sei nit so kindisch. Laß den Jäger nit warten; der hat noch andere
Sachen zu tun. Bin gleich wieder da. ^Eingangtür ab.^
Weib
^setzt sich widerwillig an den Tisch und nimmt Nadel und Faden zur
Hand; unwillig zum Jäger^
So ziehen Sie also frisch Ihren Rock aus.
Jäger
Bin im Dienst. Mein Rock und Seitengwehr tu ich nit ab. Da müssen wir
schon zusammenrucken. ^Rückt sich neben dem Weib einen Stuhl zurecht und
setzt sich; legt seinen schweren Arm mit dem zerrissenen Ärmel auf den
Tisch.^
Weib
^mißt den Jäger mit einem scharfen Blick^
Jäger
^von dem Blick befangen und verwirrt, für sich^
Teufel. Die hat Augen mit Widerhakn. ^Dann unschlüssig^ Überhaupt, der
Riß da. Könnts ja auch gut sein lassen. ^Erhebt sich halb zum Gehen.^
Weib
Jetzt hab ich schon eingfädelt.
Jäger ^zögernd^
Na also, gut; wenn schon eingfädelt ist. Aber bitt, nur vorwärts. Ich
will wieder fort. ^Während das Weib zu nähen beginnt, mit erzwungenem
Lachen^ Sie tun ja grad, als ob Sie sich da fürchtn täten mit mir
allein.
Weib ^trocken^
Ich?
Jäger
Na, ich vielleicht? ^Macht sich stramm; lachend^ Ich schreib mich nit
Fürchter.
Weib ^näht^
Ja, die Leut reden schon davon, Sie seien ganz ein Harter im Dienst.
Jäger
Kann schon sein.
Weib
Aber Sterndl seh ich noch keins an Ihrem Kragen.
Jäger
Wird schon kommen.
Weib ^näht^
Na ja; wenn man jung und strebsam ist wie Sie, da kanns nit fehlen.
^Plötzlich innehaltend^ Herrgott; unter dem Ärmel gehts hin und her, wie
gespannte Strick.
Jäger
Naja. Muskeln haben wir schon, Gott sei Dank.
Weib ^befühlt den Arm^
Na, hören Sie; wenn man da hingreift -- das ist grad, als wenn alls voll
steinerne Mäus durcheinand hupfen täten; ^befühlt wieder den Arm^ Brrr;
es ist ganz gruslig.
Jäger ^lacht^
So greifen Sie halt nit hin.
Weib
^nimmt die Näharbeit am Ärmel wieder auf^
Mit zwei solche Arm können Sie freilich leicht den wilden Grenzjäger
spielen. ^Dann^ Na ja; bis Sie einmal Weib und Kinder haben, dann werden
Sie schon zahm werdn.
Jäger
^besonders energisch, als wollte er sich gegen sich selbst in
Schutz nehmen^
Mir hat noch keine warm gmacht.
Weib
^sieht ihn spöttisch lächelnd an^
Nur nix verreden. Sie sein noch jung gnug; Sie wird bald eine auf der
Leimrutn habn.
Jäger ^lacht^
Etwa Sie vielleicht?
Weib ^scherzend^
O, ich geh nit aufs Fischen aus; dank, ich bin schon bemannt.
Jäger ^spaßt^
Schad; hätts völlig ein bissel scharf auf Sie.
Weib ^nähend; lacht.^
Ja, da sein Sie zu spät. Da kann man nichts machen.
Jäger
Sie sagen: Bemannt. Hm. ^Hält wie spottend die Hand ans Ohr als wollte
er lauschen; dann^ I hör aber keine Kinder schreien.
Weib
^gibt es einen Ruck. Dann sich zum Lächeln zwingend^
Meinen Sie etwa, wir könnten nit gnug Kinder haben, wenn wir möchtn?
Weil wir keine haben wolln -- drum hörn Sie keine schreien.
^Achselzuckend^ Was hätt man weiter von so ein paar Fratzen. Nehmen
einem Weib grad noch das bissel Schönheit weg.
Jäger
Pfui; ein schieche Red das, für ein Weib. Da wär ich anders.
Weib
Na, wie wären denn Sie?
Jäger
Ah ja; wenn ich oft so allein auf Posten sitz, oder nachts auf der
Pritschen lieg -- da mal ich mirs oft so aus, wie ich einmal als
verheirater Wachtmeister neben meinem Weib gemütlich in der Stube sitz
und mein lange Pfeifn rauch; ^lachend^ und so ein kleiner Reißteufel
rutscht mir auf dem Knie herum, und langt mit seine Batschhanderln nach
den weißen Sterndln an mein Blusenkragen. ^Lacht.^
Weib ^ärgerlich^
Ah was. Jetz hören Sie einmal auf zu schnattern. Und halten Sie sich
ruhig. Wie soll ich denn da nähn?
Jäger
No, no. ^Dann das Weib betrachtend^ Aber viel schöner sein Sie, wenn Sie
so ein bissel in die Rasch kommen. Da kriegen die Augn so ein Funkel;
das gfallt mir. ^Will sie in die Wange kneipen.^
Weib
Rühren Sie mich nit an. ^Holt zum Schlag aus.^
Jäger
^fängt ihren Arm lächelnd auf und hält ihn fest; wie zu einem Kind^
Halt; nit schlagen. ^Drückt ihren Arm langsam herunter; ganz gemütlich^
Schlagen leid ich nit. ^Läßt ihren Arm los.^
Weib
Jesus, hat der einen Griff. ^Reibt sich den Arm^ Der Arm ist ganz lahm.
^Setzt sich wieder^ Jetz geben Sie Ihren Ärmel her, daß ich fertig werd.
^Jäger setzt sich wieder neben sie^ Bin froh, wenn Sie bald weiter
kommen. ^Näht.^
Jäger ^lacht^
Da haben Sies halt bei Ihrem Mannl gut; was? Bei dem gschieht Ihnen nit
weh.
Weib ^näht^
Warum?
Jäger
Weil er nix wert ist; das sieht man ihm doch übers Gwand her an. Der ist
ja nur so ein Schneider.
Weib
Er sagt schon allweil, seine Brüder hätten der Mutter die ganze Kraft
ausgsutzelt; ihn hat sie gar nimmer selber stillen können; er ist mit
der Saugflaschn aufzogen.
Jäger ^lacht^
Na also; haben Sie halt so ein Saugflaschen-Manndl.
Weib
Jetz fangen Sie mir noch an, über mein Mann schimpfen, ja? Da können Sie
zehnmal der Stärkere sein; deswegen steckt Sie der Meinige noch zehnmal
in Sack; ^spottend^ Sie Grenzjäger -- Sie schlauer; der das Gras wachsen
hört. ^Näht.^
Jäger
Au. Jetzt haben Sie mich gstochen.
Weib ^trocken^
So? Ich hab mir denkt, so ein Kraftmensch spürt das gar nit. ^Dann
befehlend^ Halten Sie sich still. Oder i stich Sie gleich wieder.
Jäger
^geht auf den Scherz ein^
Ich bin schon mäuselstill.
Weib
^mit aufblitzenden Augen^
Ah. Sehen Sie -- mit Ihrer Kraft. Und müssen doch parieren; vor einem
Weib. ^Sieht ihn an.^
Jäger
^plötzlich ernst, befangen^
Was schauen Sie mich denn so an?
Weib ^näht^
Ich schau halt, wie ich schau.
Jäger
^ungeduldig; wie von einer geheimen Angst befallen^
Sein Sie bald fertig?
Weib
Gleich sein wir so weit. ^Ist mit dem Nähen eben zu Ende gekommen^ Nur
zuerst noch einen Knopf machen. ^Beißt den Faden ab^ So. Jetzt sein Sie
wieder ganz. ^Hat sich eben so wie der Jäger erhoben.^
Jäger
Also. Was bin ich denn schuldig?
Weib
^mit heuchlerischem Augenaufschlag^
Das Wiederkommen.
Jäger
^streift sich die Bluse zurecht; für sich, schmunzelnd^
Aha; mir scheint, die brandelt schon. ^Seine Augen bleiben, wie schon
früher während der Näharbeit des Weibes öfters, wieder an der
altertümlichen Truhe haften; tritt näher an die Truhe heran^ Eine schöne
Truhe haben Sie da.
Weib ^für sich^
Aha. Er tappt schon auf die Truhe. ^Zum Jäger^ Ja. Hab sie als
Heiratsgut mitkriegt.
Jäger ^lauernd^
Was ist drin?
Weib
Was stehn Sie denn jetzt noch da herum? Ich hab gmeint, Sie habn es so
eilig.
Jäger
^versucht den Truhendeckel zu heben^
Aha; zugsperrt.
Weib ^trocken^
Ja. Und den Schlüssel hab ich in Bach gworfen.
Jäger
So. Hm. ^Setzt sich rittlings auf die Truhe^ Da sitzt sichs ganz gut.
^Sieht vor sich hin, als überlege er, was zu tun sei. Trommelt mit den
Fingern auf dem Deckel einen kräftigen Marsch.^
Weib ^höhnend^
Da können Sie lang klopfen; sagt niemand herein.
Jäger ^aufbrausend^
Ah, wenns auf das geht; Eingang verschaff i mir schon. Der Deckel ist
mir nit zuviel. ^Schlägt mit einem wuchtigen Fausthieb den Truhendeckel
entzwei. Greift rasch mit gieriger Hast durch die Öffnung in die Tiefe
der Truhe, um nach verbotener Ware zu fahnden. Zieht endlich ein
Kleinkinderhäubchen und eine Kinderfasche hervor; besieht die
Gegenstände; enttäuscht^ Ein Kinderhäubl; und eine Fatschn; und
Spinnwebn drum herum; das ist alls.
Weib
^das ganz perplex über den Vorgang dagestanden ist, springt auf den
Jäger zu, reißt ihm wortlos die Gegenstände aus der Hand und versperrt
sie hastig, wie, um sie profanen Blicken zu entziehen, im Stehkasten;
zieht den Schlüssel ab und steckt ihn zu sich; lehnt sich tief atmend an
die Kastentüre; zornbebend^ Den Truhendeckl werden Sie mir noch zahlen;
ich steh Ihnen gut; und wenn Ihre ganze Monatslöhnung draufgeht.
Jäger
^steht bei der Truhe und sieht das Weib an; dann in echtem Ton^ Sie sein
auch ein armer Teufel da heroben. Das steht.
Weib
^schaut auf; beißt sich auf die Lippen. Dann hart auflachend^
Ich? Wer sagt Ihnen das?
Jäger
Es ist einmal so.
Weib
^plötzlich ein paar Schritte auf den Jäger zu; innerlich erregt^
Aber niemandem sagen das -- von dem Kinderhäubl und der Fatschn; hörn
Sie. Meinem Mann auch nit, hörn Sie. Er tät sich nur kränken. ^Dann^ Ich
hör ihn schon kommen.
Jäger ^sich umsehend^
Wo kann i mich denn verstecken?
Weib ^erstaunt^
Warum verstecken?
Jäger ^stiert das Weib wirr an^
Was? ^Fährt sich wie benommen über die Stirn; gezwungen lachend^ Was
schwatz ich da zusamm. Unsinn. ^Versucht sich stramm zu machen^ Ah was.
Ein rechter Grenzjäger muß man sein. Alls andere hol die Katz. ^Rückt
Riemen und Seitengewehr zurecht; macht sich zum Gehen fertig.^
Mann
^kommt aufgeräumt durch die Eingangtüre. Verschmitzt, mit leisem Hohn^
Gehn Sie schon, Herr Jäger? Aber Sie suchen uns doch wieder einmal heim,
was?
Jäger
Hab nix zu suchen in dem Fuchsloch da. ^Zerstreut, wie benommen^ Adje
allseits. ^Ab.^
Mann
^wartet, bis der Jäger das Haus verlassen hat; dann^
Bravo. Gut hast ihn hinghalten. ^Schlägt eine Lache auf^ Hahaha.
Währenddem er da bei dir gehockt ist, haben meine Helfer die ganze
Schmuggelfracht ihm unter dem Sitzfleisch wegzogen. Bis auf dein Stückel
da drin ^trippelt mit den Füßen auf dem versetzbaren Dielenstück herum^
ist jetzt alls aus dem Haus; an die Kundschaften unterwegs. Weib, es
kommt wieder Gold. ^Schlägt die Füße aneinander^ Aber kalte Füß hab ich
jetz kriegt, von dem Herumstehn im Keller.
Weib
^das ans Fenster getreten ist, sich vom Fenster wendend. Dünn^
Mußt halt bald schlafen gehn. Ich füll dir dann gleich eine Wärmflaschn
für die Füß; sonst kriegst wieder dein Katarrh. ^Seufzend^ Und der
dauert dann immer so lang.
Mann
^ist der Truhe ansichtig geworden^
Was ist denn da gschehen?
Weib
Na ja; der Jäger.
Mann ^hastig^
Na also; was hab ich gsagt? Auf die Truhe haben sie es alle scharf.
^Fährt mit dem Arm neugierig durch die Öffnung und tastet in der Tiefe
herum; dann ganz enttäuscht die leere Hand herausziehend; sieht das Weib
an^ Was hast denn jetz da die ganzen Jahr her immer für ein Wesen gmacht
mit der Truhe? Da ist ja nix drin -- ^besieht die Hand^ als Spinnwebn.
Weib
Na ja.
Mann
^reinigt die Hand von dem Spinngewebe^
Überhaupt. Wo hat denn der einen Hammer oder eine Hackn hergnommen?
Weib ^lacht trocken^
Der -- eine Hackn? Mit der bloßen Faust hat er draufghaut; dann sein die
Spelten gflogen. ^Mann starrt das Weib an^ Gelt, Mannl; da schaust. ^In
bewunderndem Ton^ Ja, der Jäger hat Holz bei der Wand.
Mann
^starrt schmerzlich wehmütig auf die Truhe^
Meine Brüder, drunten im Tal: der Schmied und der Schlosser und der
Binder -- sein auch nit schlecht beim Zuschlagen; ^schmerzlich^ nur ich
kann nit einmal an Brennspan über dem Knie abbrechen.
Weib
Mach dir nix draus. Wenn du auch keine Bäum ausreißest -- aber dafür
bist schlau.
Mann ^wird wieder aufgeräumt^
Und grad die Kraftlackl -- das sein die Dummen. Hab ich nit recht?
Weib
Ja, die gehn leicht auf den Leim.
Mann
Hast ihn schon ein bissel eingfädelt?
Weib
^macht sich zaghaft und mutlos^
Ach, du mein Gott. I hab kein Gschick zu so was.
Mann ^ärgerlich^
Jetz hör mir aber auf. So einen Lackl dann und wann auf ein Stündl in
der Stube da verhalten -- das trifft doch jedes Weib also blinder.
Weib
Also gut. Wenn du schon meinst, dann will ichs probieren.
Mann ^froh^
So oft er sich da versitzt, werden draußen die Schmuggler lebendig; und
blüht unser Weizen. Dann ist das Haus am Marktplatz nimmer weit.
Weib
Ah. Da wird dann mein seidener Kittel rauschen, wenn ich am Sonntag zur
Kirchen geh.
Mann
Und meine fleischklotzigen Brüder -- ah; der Neid muß sie noch alle
fressen: Ich, der Schwächste, das schönste Haus und das schönste Weib.
^Faßt das Weib und beginnt mit ihr in der Stube herumzutanzen^
Hopstrallala. Hopstrallala.
Weib
^hält nach einigen Schritten inne und macht sich von ihm los^
Halt, Mann; jetz ists schon gnug. Sonst hast gleich wieder kein Atem
mehr. ^Geleitet ihn zu einem Sitz und drückt ihn darauf nieder^ So. Mußt
immer bedenken: Du bist nit so ein dummer Kraftlackl, wie der Jäger.
Zweiter Akt.
Weib
^steht vor dem Spiegel und schmückt sich; wendet sich nach dem Manne
um^
Mann. Steht mir die Masche gut?
Mann
^mustert das Weib mit Wohlgefallen^
Gar seitdem du jetz noch ein bissel mehr auf dich haltst, wirst mit
jedem Tag schöner.
Weib ^befriedigt schmunzelnd^
Ja; mir kommt schon selber vor, ich steig jetzt erst so langsam in Saft.
^Beginnt vor dem Spiegel sorgsam ihr Haar zu ordnen.^
Mann
^hinter ihr stehend, sieht ihr mit Gefallen zu^
Und der Hals, so weiß und frisch; grad zum Dreinbeißen. ^Tippt mit den
Fingern liebkosend ihren freien Hals.^
Weib
^lacht gekitzelt und schüttelt sich zugleich fröstelnd^
Uh; deine Finger haben eine Kälte. ^Dann^ Ja, sag nur, Mann: Hast du
schon bald gar keinen Tropfen warmes Blut mehr im Leib? ^Wendet sich vom
Spiegel ab zu ihm.^ Stehn mir die Haar so gut?
Mann ^winkt verdrießlich ab^
Was nutzt dein ganzer Aufputz; der Fuchs geht uns ja doch nit ins Eisen.
^Dann zum Weib, das sich längst^ ^wieder dem Spiegel zugewendet hat^ Wie
lang ists her, seit du ihm den Riß an der Bluse gflickt hast? Gwiß schon
eine Woche.
Weib
^wendet sich um. Unwirsch^
Was weiß denn ich? Meinst, i schreib mir das auf?
Mann
Und er ist seitdem nit wiederkommen?
Weib
Wenn er nit gern kommt, soll ers bleiben lassen. Ich hab ihn nit grufen.
^Wendet sich wieder zum Spiegel und ordnet ihr Haar.^
Mann
Jetzt wird er schon wieder Tag und Nacht auf der Grenzwach hocken.
^Aufgebracht, vor der Truhe^ Nit einmal den Truhendeckl hat er noch
gezahlt. Kerl, der.
Weib ^vor dem Spiegel^
Hol mir den Steckkamm. In der Schlafkammer liegt er; auf dem kleinen
Tisch.
Mann ^seufzend^
Ja, ja, Weib; wir zwei und das Haus am Marktplatz kommen auch sobald nit
zusammen. ^Geht durch die Nebentür ab, die er hinter sich halb offen
läßt.^
Weib
^vor dem Spiegel beschäftigt, zuversichtlich froh^
Ja, mein lieber Jäger; geschlagene vier Tag ists jetzt schon her; und du
bist seitdem nit wiederkommen. ^Befriedigt^ Aber gestern in der
schlafenden Nacht hats dich doch zum Haus herzogen, wie die Muggen zum
Licht. Hab dich ganz deutlich gsehen hinter dem alten Holunderbaum; und
wie ein verliebter Kater zu meinem Schlafkammerfenster hinaufgschaut.
^Frohlockend^ Jägerle. Ich mein, ich mein -- du hängst schon mit einem
Bratzl; auf der Leimrutn.
Mann
^kommt aus der Nebentür und reicht ihr den Kamm, den sich das Weib
vor dem Spiegel sorgsam ins Haar steckt^
Was ich noch sagen will; hab dir heut in der Früh nit gleich Angst
machen wollen: In der Nacht bin ich aufgwacht und hab lang nimmer
einschlafen können; steh ich auf und schau zum Fenster hinaus; weißt,
wen i da gsehn hab?
Weib
^hat den Kamm aufgesteckt; wendet sich hastig zum Mann^
Wen?
Mann
Den Jäger. Und wie er meinen Kopf am Fenster sieht -- auf und davon wie
ein Gspenst.
Weib
Laß dich nit auslachen. Das hast geträumt.
Mann
So wach bin ich gwesen, wie jetzt. Und hab ihn im Mondschein gut
ausgnommen.
Weib ^winkt ab^
Aber geh. Da hast etwa wieder einmal von deine kalten Füß her ein bissel
Fieber ghabt. ^Dann^ Was sollt denn der Jäger bei stockgschlagner Nacht
an unserm Haus herum zu tun haben.
Mann ^verwundert^
Da fragst noch? ^Dann^ Spionieren. Damit er uns endlich fassen kann. Er
will sich doch an uns zwei ein Sterndl verdienen.
Weib
^steht ganz verdutzt mit offenem Munde da; vor sich hin^
Auf das hab ich gar nit denkt. ^Dann^ Mann. Am End hast doch recht.
^Nachdenklich vor sich hin^ Und er ist nur _deswegen_ ums Haus
herumgschlichen.
Mann
^sieht das Weib verwundert an^
Ja, wegen was denn sonst? Was hast denn du gmeint?
Weib ^etwas unwirsch^
Ich? Was soll ich denn gmeint haben? Nix hab ich gmeint. ^Dann erbost^
Wart nur, Kerl: Dir wird man schon noch das Sterndl geben. ^Auf den Mann
zu^ Mann. Den fang i dir noch; an der Angel muß er hängen, wie ein
dummer Karpf. Dir wird man schon geben, den Weiberfang. ^Ballt die
Faust^ Am liebsten möcht ich ihn soweit bringen, daß er gar kein Jäger
mehr sein könnt und ganz weg müßt aus dem Dienst. Dann hätt er sein
Sterndl. ^Tritt erregt ans Fenster.^
Mann
Das wär freilich das allerbeste: Wenn die Katz aus dem Haus wär, dann
hätten die Mäus Kirchtag. ^Seufzend^ Aber was nutzt das alls; er geht
uns nimmer zu. Der hat den Braten schon grochen.
Weib ^plötzlich vom Fenster her^
Du. Dort geht er ja; mit Stiefel und Sporn.
Mann
^ist ans Fenster geeilt; sieht nach der Richtung^
Ja; im vollen Dienst auf dem Weg zur Grenzmark. Er schaut nit rechts und
nit links. ^Wendet sich enttäuscht vom Fenster ab.^
Weib
^das nach dem Jäger spähend am Fenster steht; plötzlich sich nach
dem Manne wendend^
Jetz bleibt er stehn; ^zieht den Mann ans Fenster und zeigt, hinter ihm
stehend, nach der Richtung^ siehst ihn? Dort, wo der Weg zu unserm Haus
abbiegt. ^Zieht ihn plötzlich vom Fenster ab^ Geh zurück; er schaut her.
^Nachdem sie einen Augenblick in gedeckter Stellung ausgespäht hat,
enttäuscht^ Er geht schon wieder weiter. ^Tritt vom Fenster zurück.^
Mann
^der spähend am Fenster geblieben ist, plötzlich^
Halt. Er macht wieder Kehrtum. ^Zum Weib, das wieder ans Fenster eilt^
Dort steht er wieder am Wegbug. Siehst ihn?
Weib ^scharf zusehend^
Jetz reißts ihn. ^Dann in froher Erregung ihre Finger in den Arm des
Mannes krallend^ Er biegt ein. Direkt auf unser Haus zu. ^Vom Fenster
zurück. Streicht sich die Frisur zurecht; wirft einen Blick in den
Spiegel.^
Mann
^am Fenster, das Näherkommen des Jägers verfolgend; mit grimmiger
Lust^
Jetzt Karpf, beiß an. ^Auf das Weib deutend^ Da ist der Anbiß.
Weib ^am Fenster^
Jägerle, komm. ^Wie man einen Vogel lockt^ Ziwui, ziwui. Komm nur, mein
Gimperl; du hängst bald im Netz. ^Unwirsch zum Mann^ Jetz geh. Laß mich
allein. Oder fang dir ihn selber.
Mann
I geh schon. ^Auf dem Weg zur Eingangtüre.^
Weib ^dirigiert ihn zur Nebentür^
Da geh; und dann hinten aus; sonst begegnest ihm.
Mann
^an der Nebentür sich noch einmal umwendend^
Weib; schön bist.
Weib ^kalt, ungeduldig^
Ist schon gut. Geh nur. ^Schließt hinter dem Manne die Nebentür. Nimmt
ihr Strickzeug zur Hand und setzt sich.^
Jäger
^kommt durch die Eingangtür, bleibt einen Augenblick unsicher in der
offenen Tür stehen; dann sich strammend^
Ein guten Tag.
Weib
^stellt sich erschrocken, fährt vom Sitz auf^
Gott steh mir bei, ein Mannsbild. ^Stellt sich, als erkenne sie ihn
nicht^ Wer sein denn Sie? ^Faßt ihn näher ins Auge; dann spottend^ Hab
einmal so einem jungen Grasteufel sein Rockärmel ausgflickt; der hat
Ihnen ähnlich gschaut. ^Dann^ Oder sind Sies am End selber? Na hören
Sie: Leben Sie noch? ^Setzt sich und strickt.^
Jäger ^ist näher getreten^
Warum lauft denn Ihr Mann immer davon, wenn ich komm? Grad hab ich ihn
wieder da hinten hinauspfitschen sehen.
Weib
Oh, der ist nit eifersüchtig. ^Dann trocken^ Womit kann man dienen, Herr
Jäger?
Jäger
^ganz in dem Anblick des Weibes versunken, überhört die Frage; vor
sich hin^
Heut ist sie noch viel schöner.
Weib ^strickend^
Jetz weiß ich noch immer nit, was Sie da wollen.
Jäger
^fährt wie aus dem Traum; greift sich an den Kopf^
Ah ja so. Ja. Na, was werd ich denn wollen. Den Truhendeckl zahlen.
Weib
Oh, wegen dem Truhendeckl lassen Sie sich nur kein graus Haar wachsen;
wir zwei kommen schon noch zum Abrechnen, Herr Jäger. ^Dann ihm neben
sich Platz machend^ Nehmen Sie ein bissel Platz; tun Sie uns nit den
Schlaf austragen.
Jäger ^bleibt stehen^
Hab keine Zeit; bin im Dienst. ^Dann^ Hab neulich schon vom Kommandant
meinen Rüffel kriegt, den ersten. Weil i mich bei Ihnen verhockt hab.
Weib ^strickt^
Uje. Dann werd ich jetzt bei Ihnen wohl ganz ausgspielt haben: Das
vergißt einem ein richtiger Grenzjäger nie mehr, wenn ihm auf so dumme
Weis vielleicht ein wichtiger Fang auskommt. ^Dann lachend^ Wenn Sie
erst einmal eine richtige Liebschaft hättn -- wie schauets etwa da erst
aus mit dem Dienst? ^Sieht ihn an.^
Jäger ^fährt auf^
Meinen Sie denn, ich bin ein Weiberlapp?
Weib
Sagen Sie einmal, Herr Jäger: so ein Rüffel -- das muß nit gar fein
sein, was?
Jäger
Ich glaubs: Dastehn müssen mit einem brennroten Kopf und man darf sich
nit mucksen.
Weib
^legt die Strickerei in den Schoß; blinzelt mit halbgeschlossenen
Augen den Jäger an^
Na, so haben Sies halt mir zulieb glitten -- was?
Jäger ^beinahe erschrocken^
Ihnen zulieb? Was reden Sie da; und außerdem sein Sie ja ein verheirates
Weib.
Weib
^ungehalten, nimmt die Strickerei wieder auf^
Na, jetzt kanzeln Sie mich etwa noch ab, ja? Es geht einem wohl öfter
der Schnabl durch; das hab ich nit gwußt, daß Sie jedes Wort gleich auf
die Goldwag legen. ^Sieht den Jäger fest an; gedehnt, in beinahe
drohendem Ton^ Sie brächten es ja gar bald heraus, als wenn ich verliebt
wär in Sie.
Jäger
^hält den Blick nicht aus, polternd^
Euch Weibern soll der Teufel was zulieb tun.
Weib
Oh. Es wird über Sie schon auch einmal kommen; auf so einen jungen
Kraftkerl gehn ja die Weibsleut los, wie die Fliegn auf den Zucker.
^Sieht ihn an^ Aber dann Gnadgott; ich mein, bei Ihnen gehts grob her.
^In wohligem Erschauern^ Hu. Mich beutelts.
Jäger
Dann ists ja nur _mein_ Sach; deswegen brauchts ja _Sie_ nit zu beuteln.
^Dann^ Überhaupt; was steh ich da. Ich hab mein Dienst. ^Will ab.^
Weib ^sitzt und strickt^
Wissen Sie, daß Sie mir da neulich blaue Fleck aufdruckt haben?
Jäger ^kommt näher^
Ich? Wo?
Weib
^legt die Strickerei in den Schoß; streift sich den Ärmel weit über
den Ellbogen hinauf und weist ihren schönen runden Arm vor^
Da, wenn Sies nit glauben. Heut noch sieht man Ihre Fingermal. Und wie
das brennt.
Jäger ^ist herzugekommen und besieht mit begehrlichen Augen den Arm^
Meiner Seel, ja; es ist wahr.
Weib
Und wie i mich nachts beim Schlafengehn wenden und drehn muß vor meinem
Mann, daß er nur die Tapper am Arm nit sieht; sonst gäbs Feuer am Dach.
Jäger
^mit verächtlicher Handbewegung^
Awas, der. ^Dann^ Eine Haut habn Sie, grad wie Sammet. ^Beginnt ihren
Arm mit schüchterner täppischer Zärtlichkeit zu streicheln^ Das laßt
sich fein angreifen.
Weib ^läßt ihn kokett lächelnd gewähren^
Ah, da schau her; jetz hab ich immer gmeint, der Jäger kann nur so grob
zutappen. ^Ganz verwundert^ Und jetz kann der fein streicheln auch. ^Mit
halbgeschlossenen Augen^ Ah, das tut wohl gegen das Brennen.
Jäger ^vor Erregung stotternd^
Ich kann schon ein bissel blasen auch, wenns brennt.
^Nähert seinen Mund ihrem Arm und bläst auf die Stelle; drückt dann
seine Lippe flüchtig scheu auf die Stelle^
Weib ^zieht ungehalten ihren Arm zurück^
Sie. Was glauben denn Sie. Mudeln Sie wen andern ab; ich bin ein
verheirats Weib. ^Streift sich den Ärmel herunter; drohend^ Gleich ruf
ich mein Mann.
Jäger ^mit rotem Kopf; spottend^
Da fürcht i mich aber, wenn der Herkules kommt. ^Lacht^ Ist er
eifersüchtig, der Schneider?
Weib
^hat wieder das Strickzeug zur Hand genommen^
Sonst schon; aber auf Sie nit. Das weiß er schon, daß ich von Ihnen
nichts haben will.
Jäger ^erbost^
Will ich vielleicht von Ihnen was? Sie wärn die Letzte, von der ich was
möcht.
Weib ^ruhig^
Wenn der Traubstock zu hoch ist, dann sagt der Fuchs: I mag keine
Trauben.
Jäger ^in zornigem Spott^
So hat die Fuchsin neulich auch gsagt: »Wir haben keine Kinder, weil wir
keine haben wollen.« Und in der Truhe schon brav fleißig das Häubl und
die Fatsche vorgrichtet; daß nur alles gleich da ist, wenn etwas kommt.
^Schlägt eine Lache auf^ Aber es ist halt nix kommen.
Weib
^zu innerst getroffen gegen den Jäger auf^
Sie, Kerl; Sie ganz brutaler. ^Kann das Weinen kaum unterdrücken; stellt
sich abseits mit dem Kopf an die Wand.^
Jäger
So. Jetzt haben Sie auch eins am Schädl. Ihnen kommt man schon auch noch
aufs Nackte. Sie werden noch lang nit einen Grenzjäger foppen. ^Da er
einen unterdrückten Schluchzer hört, geht er auf das Weib zu^ Jetzt hab
ich Ihnen weh getan. Aber Sie haben zuerst angfangen. Sonst hätt ich das
gwiß nit gsagt.
Weib
^hebt den Kopf und trocknet sich die Augen; dann sich gegen den
Jäger wendend^
Und wenns schon so ist mit dem Häubl und der Fatschn? Bin ich dran
schuld? Muß _ich_ mich da schamen? ^Reckt sich vor dem Jäger in ihrer
ganzen wüchsigen Kraft und Jugend^ Ist mein Leib so krepierlich? ^Weist
ihre Brust^ Oder hab ich da vorn eine Bretterwand, daß etwa ein Kind nix
zum Lutschen hätt?
Jäger
^hat das Weib mit den Augen verschlungen; dann^
Ihr Mann soll sich schamen; das ist ja kein Mann; ^verächtlich^ nur so
ein Schneider.
Weib
Ach was; lassen Sie mir meinen Mann in Ruh, Sie junger Grasbeißer. ^Lobt
auffällig ihren Mann, in der Absicht, den Jäger aufzustacheln^ Und grad,
weil er so schwach ist und Hilf braucht -- ja, Herr Jäger, mit Verlaub;
grad darum hab ihn gern; und nur ihn mag ich; und sonst gar niemand; und
er ist, wie mein Kind: Wenn er krank ist, tu ich ihn pflegen; und wenn
ihm in der Nacht die Decke vom Bett rutscht, dann deck ich ihn wieder
zu, damit er sich nit verkühlt.
Jäger
^aufgestachelt; kann sich nicht mehr halten^
Meintwegen setzen Sie ihn auch noch aufs Topferl. ^In aufwallendem Zorn^
Was kümmert denn mich das Klappermanndl; das zaunmarterdürre? ^Schlägt
mit der Faust auf den Tisch.^
Weib ^stellt sich harmlos^
Herr Jäger; warum haben denn Sie so eine Wut auf mein Mann? Er hat Ihnen
doch gar nix getan. ^Dann^ Und schlagen Sie mir den Tisch da auch noch
zu Brocken, ja? So einen, wie Sie sollt man gar nit frei umlaufen
lassen; ^sieht ihn an; mit grausamer Lust^ an die Kette sollt man Sie
legen, wie einen Tanzbär; ja, und Ihnen die Händ mit wollenen Fetzen
einbinden, daß Sie kein Unglück anrichten. Das sollt man.
Jäger ^stiert sie an^
Ich mein, da wären Sie schon ein gfährlicheres Tier. ^Hat den Kopf auf
die Hände gestützt und starrt vor sich hin.^
Weib ^ganz unschuldig^
Herr Jäger; was ist denn jetz mit Ihnen?
Jäger
^hebt den Kopf; sieht das Weib mit traurig-hilflosem Ausdruck an^
Ich weiß nit, was mit mir ist; ich möcht grad am liebsten flennen, wenn
ichs zuweg brächt.
Weib ^harmlos^
Und was ist mit dem Dienst? Sie verhocken sich schon wieder bei mir da.
Jäger ^zerrissen, weinerlich-hilflos^
Ich weiß nit, was mit dem Dienst ist; ^verzweifelt^ ich weiß nit, was
mit mir ist; mich ist etwas angflogen. ^Schlägt mit dem Kopf auf die
Tischplatte.^
Weib
^für sich, heimlich frohlockend^
Hängen tust, du Gimpl; mit beiden Bratzeln auf der Leimrutn; _das_ ist
mit dir. ^Umschleicht ihn argwöhnisch lauernd^ Oder treibt er noch immer
sein Schindluderspiel? ^Dann^ Aber wart; dir setz ich Spitz und Knopf
schon noch besser zusamm. ^Auf den Jäger zu; rüttelt ihn derb. Mit
schneidendem Hohn^ Jäger. Wenn Sie jetz dann der Wachkommandant fragt,
wie weit Sie mich haben -- was können Sie ihm da sagen? Friß ich Ihnen
schon bald aus der Hand? ^Da sie der Jäger verwundert über ihre Kenntnis
anstarrt^ Ja, Herr Jäger; wenn man auch einsam da heroben haust --
deswegen hört man schon doch, was die Wachglocken im Tal drunten läuten.
Jäger
^ist aufgestanden und hält wie beschämt den Arm vor das Gesicht.
Schickt sich zum Gehen an^
Überhaupt; ich hab da nix verlorn.
Weib
Aber suchen tun Sie was. Sie suchen da immer ein Sterndl und finden
keins. ^Dann^ Aber warten Sie: Ich hilf Ihnen aus der Not. ^Dann^ Leihen
Sie mir nur auf einen Augenblick Ihr Transchiermesser da. ^Zieht ihm den
Säbel aus der Scheide. Da der Jäger unwillkürlich nach seinem Säbel
greifen will^ Nur keine Sorg: Ich stich Sie nit ab. ^Schwingt den Säbel
vor dem Jäger^ Das ist die Wünschelrutn; mit der suchen wir jetzt ein
Sterndl für den Jäger; aber nit vom Himmel herunter; aus dem Boden
heraus, wo die Erdäpfl wachsen. ^Beginnt an verschiedenen Stellen des
Stubenbodens mit der Säbelspitze zu tippen^ Da ist nichts. ^An einer
anderen^ ^Stelle^ Da ist auch nichts. ^Ist zum losen Dielenstück
gekommen; tippt mit der Säbelspitze hin; dann^ Halt; aber da. Herr
Jäger; da zuckt die Wünschelrutn. ^Stemmt die Säbelspitze in den
Bodenspalt und hebelt das Dielenstück aus dem Falz; dann^ Da greifen Sie
hinein; da drunten muß für Sie ein Sterndl liegen. ^Wirft den Säbel auf
den Tisch und steht zuwartend.^
Jäger
^hat sich niedergebückt; fährt in die Dielenöffnung und zieht ein
Stück Seidenstoff und eine Rolle Spitzen hervor; mit funkelnden
Augen die Stücke aufrollend und besehend^
Ah. Spitzen; Seide -- Konterband. ^Legt die Beweisstücke auf den Tisch;
greift hastig nach dem Säbel und klopft gierig an verschiedenen Stellen
den Stubenboden ab, ob es noch irgendwo einen hohlen Klang gäbe.^
Weib
Und wenn Sie das ganze Haus auf den Kopf stellen -- mehr finden Sie nit.
Sie können mirs glauben.
Jäger
^wirft den Säbel in die Scheide; froh^
Viel oder wenig -- jetzt hat man euch; schwarz auf weiß. Ihr Hauptfüchs.
^Schickt sich an, die ausgebreiteten Spitzen und Seidenstoffe zu rollen
und zu falten.^
Weib ^abseits stehend^
Jetz können Sie mich dann ausfoppen und spotten, wenn Sie mit Ihren
Kameraden im Wachzimmer auf der Pritsche liegen; und noch vor dem
Einschlafen schlechte Späß machen über die dummen Gäns, die Weiber. ^Als
könnte sie das Weinen nur mühsam verhalten^ Ist weiter eine Kunst, das:
Da kommt ein junger, baumstarker Jäger daher und wirft sein Netz; wie
soll da ein schwaches Weib lang Widerpart halten. Der hat ja schon
gwonnen, bevor er noch den Mund auftut.
Jäger
^starrt das Weib mit großen, beinahe furchtsamen Augen an; fährt
sich verwirrt an den Kopf^
Sie spult mich auf, wie einen Zwirnknäuel; und wieder ab und wieder auf;
^höhnt sie^ schwachs Weib, ja. Du wirfst ein Dutzend Reiter um mit Roß
und Wagen. ^Schreiend, als wollte er sich gewaltsam aus der drohenden
Umklammerung befreien^ Du Teufelshex. Ich zeig dich an. Vor einem Weib
steht noch mein Ehr nit zruck; vor zwei so Teufelsaugen. ^Bemüht sich,
mit plumpen, ungeübten Händen Seidenstoff und Spitzen zusammenzurollen.^
Weib
Ehr muß beim Mann vorangehn; sonst wären Sie kein richtiger Jäger. ^Da
sie sieht, wie er sich mit seinen ungefügen Händen um Seidenstoff und
Spitzen müht^ Geben Sie her; ich legs Ihnen schön zusamm und wickl es
Ihnen ein. ^Während sie Spitzen und Seidenstoff kunstgerecht faltet^
Freilich -- Weiber denken da anders; sonst hätt ich auch mein und mein
Manns Ehr besser bedacht und Ihnen nichts gsagt; ich hätt ja nit müssen.
^Schlägt die Augen nieder; wie verschämt^ Aber da hilft nichts; ein Weib
kann ihr Lieb und Gunst nit verstecken; da ist der Mantel gleich überall
zu kurz; Sie sollen avancieren und Ihr Sterndl kriegen. ^Hat Spitzen und
Seide flach gefaltet; wickelt die Sachen in Papier^ Nur sagen Sie meinem
Mann nichts, daß ichs verraten hab; sonst der brächt mich um. Sagen Sie
nur, Sie haben es selber gfunden; das ist auch fürs Sterndl besser. ^Hat
das Paket in Papier gewickelt^ So; das können Sie jetz ganz kommod unter
dem Rock tragen; Seide und Spitzen machen keinen Bauschen. ^Öffnet ihm
rasch ein paar Rockknöpfe und steckt ihm das flache Paket resolut
dahinter^ So. ^Bewundernd^ Mein Gott, ist das ein Brustkorb; wie ein
Roß. Ja, da hat einmal eine was.
Jäger
^der von einem heftigen inneren Kampf durchrüttelt, dasteht, zuckt
bei der Berührung heftig zusammen^
Herrgott, Weib; rühr mich nit an. Wo du an mir ankommst, da brenn ich.
^Schließt seinen Rock.^
Weib
^stellt sich tief gekränkt^
Das können Sie jetz leicht sagen: Rühr mich nit an. Aber gelt; früher
haben Sie auch ganz fleißig meine Arm abgriffen; ^weinerlich^ aber jetzt
haben Sie mich ja soweit, als Sie mich brauchen; weiter brauchen Sie
mich nimmer. ^Dem Weinen nahe^ Augen haltet das Wasser zrück; flennen
könnt ihr noch gnug, wenn der Jäger dahin ist. ^Beginnt zu flennen.^
Jäger
^steht unschlüssig; macht einen Schritt auf sie zu und macht mit den
Händen eine täppische, schwerfällige Bewegung, als wollte er ihr die
Hände vom Gesicht lösen; dann sich mit einem Ruck härtend^
Awas. Rotz und flenn zu; anzeigt wirst doch.
Weib
^trocknet sich die Augen; gegen den Jäger^
Wenn Sie es nit täten -- da wären Sie wohl ein trauriger Tropf. ^Dann^
So; jetz gehn Sie nur, Herr Jäger. Ich wünsch Ihnen viel Glück und ein
schöns Avancieren; gehn Sie, machen Sie ein End; damit s endlich aus ist
mit uns zwei. Denn sehen, mein lieber Jäger, wirst mich dann nie mehr,
wenn ich meine bürgerliche Ehr nimmer hab; da möcht ich mich lieber in
ein Mausloch verkriechen. Aber immer noch besser, mein Bürgerehr ist
hin, als mein Weibsehr. Denn vor dir könnt ich mich als braves Ehweib
sowieso nicht mehr halten.
Jäger
^knirschend, im Kampf mit sich^
Falsche Katz; du biegst mich nit um: Ich zeig dich an und ohne Pardon.
Weib ^heftig^
Und wenn Sie es nit täten -- ich speiet Sie an. Sie sollen und müssen
Ihr Sterndl kriegen. Wenn Sie dann ein jung verheirater Wachtmeister
sein, und nach dem Dienst daheim ihre lange Pfeife rauchen; und es
rutscht schon ein junges Jägerle auf Ihrem Knie herum und greift mit
seinen Handerln nach Ihrem Blusenkragen um die weißen Sterndln -- Herr
Jäger, ich wünsch Ihnen nichts Schlechtes; aber dann denken Sie dran,
durch was für ein Luderspiel mit einem Weib Sie zum ersten Stern kommen
sein; ^näher an ihn heran^ da könnt schon sein, daß Gott Sie straft --
an Ihrem Kind; daß ihm die Hand abfault, wenns nach dem Sterndl greift.
Jäger ^erschaudernd^
Weib; hat dich die Höll ausgspien?
Weib ^stampft mit dem Fuße^
Was stehn Sie noch da? Marsch fort. Ich will anzeigt sein.
Jäger
^steht durchschauert; dann innerlich zerrissen; verzweifelt^
Höllteufel; bin noch immer ein ehrlicher Jäger gwesen. ^Eingangtüre ab.^
Weib ^befriedigt^
So; jetzt zeigs an, wenn du kannst. ^Sieht ihm hinter dem Fenster
stehend nach.^
Mann
^stürzt aus der Nebentüre, die ein kleines, rundes mit Glas
versehenes Guckfensterchen trägt; froh in die Hände klatschend^
Weib; den hast aber gut aufgepulvert; der brennt ja schon.
Weib ^fährt herum^
Hast du mich jetzt erschreckt. ^Ungehalten^ Kommst du aus dem Uhrkasten
heraus? Oder gar wie die neunundneunzig Schneider aus dem Schlüsselloch?
^Mustert ihn geringschätzig^ Dünn gnug wärst dazu.
Mann
^deutet nach der Nebentüre^
Hab ein kleines bissel durch das Guckfenster glauscht. ^Weib zieht die
Stirn kraus^ Den hast schon fest an der Halfter. ^Reibt sich vergnügt
die Hände^ Und wie er zappelt und umschlagt. ^Klopft ihr auf die
Schulter^ Weib, das hast gut gmacht.
Weib
^setzt sich und nimmt die Strickerei wieder auf^
Hm; das ist weiter eine Kunst: Die Mannsbilder sein ja so dumm; man
könnt damit Türen einrennen.
Mann ^hebt den Finger^
Halt. Bin auch ein Mannsbild.
Weib ^strickt^
Aber Manndl; i mein doch nur den andern; den Kraftlackl da; du zählst
doch nit mit. ^Da sie der Mann liebkosend streicheln will, abwehrend^
Geh laß das; reg dich nit auf; es könnt dir nit gut tun: Könntst auf Ja
und Na wieder deinen Herzklopfer kriegen. ^Legt das Strickzeug beiseite,
dann ernst^ Du, Mann. Was i dir noch sagen will: ^deutet mit dem Kopf
nach der Nebentür^ Das Herumspionieren leid ich nit. Merk dirs.
^Murrend^ Das schauet ja bald aus, als -- trauetst du mir nit.
Mann
^sieht sie ganz verdutzt an^
Was nit trauen? ^Stutzig^ Wie kommst jetzt auf das?
Weib
^zuckt die Achsel, strickt^
Nit spionieren sollst. Mehr sag ich nit.
Mann
^sieht das Weib an. Dann etwas kühl^
Jetzt haben wir ihn soweit, wie wir ihn brauchen: Zeigt ers an, dann
macht das kleine Paketl nit viel Straf aus; und zeigt ers _nit_ an, dann
zeigen _wir_ ihn beim Kommando an; dann ist er gliefert. ^Dann resolut
abschneidend^ Wir lassen es jetzt gut sein -- das ganze Spiel.
Weib
Halt. Nur nix überstürzen. ^Legt das Strickzeug weg und steht auf. Sieht
den Mann mit beinahe drohenden Augen an^ Das werd dann schon _ich_
sagen, wenns gut ist; verstanden.
Mann
Aber Weib; mach nit solche Augen. Man möcht sich bald fürchten.
Weib
^lenkt wieder ein; kraut ihm wie einem Knaben lachend den Kopf^
Aber Manndl; wer wird sich denn fürchten. Sei froh; jetzt hast doch
endlich ein richtiges Weib: Bis jetzt bin i nur so ein leerer Teigbatzen
gwesen; aber jetzt ist im Teig Hefel drin. ^Reckt sich mächtig^ Mir
scheint, jetzt geh ich erst auf.
Dritter Akt.
Mann
^sitzt am Tisch, der zum Teil mit hoch aufgetürmten Rollen von Gold-
und Silberstücken bedeckt ist. Zählt und macht sich mit dem
Bleistift auf einem Blatt Papier Notizen.^
Weib
^sitzt, die Hände im Schoß, in der Nähe des Fensters. Späht immer
wieder, als ob sie jemand erwarte, heimlich durch die Scheiben. Nur
um etwas zu sagen, gleichgültig^
Wieviel fehlt jetz noch zum Haus am Marktplatz?
Mann
^mit Zählen und Rechnen beschäftigt, vor sich hin^
Neuntausend und da tausend wär zehntausend; ^nimmt einen vollen
Lederbeutel und entleert seinen Inhalt auf den Tisch^ jetz käm noch das
dazu. ^Nachdem er flüchtig den Inhalt übersehen; froh^ Vielleicht langts
schon. ^Zählt. Im Zählen innehaltend; zurücksprechend^ Was meinst, hat
ers angezeigt, der Jäger?
Weib
Was kümmerts mich. Wir werdens wohl noch früh gnug erfahren, wenn die
Hausdurchsuchung kommt.
Mann
Im Haus finden sie nix. Und mein Geld können Sie mir nit nehmen. ^Zählt
emsig für sich und setzt die Münzen in Rollen auf^ Die Schmuggler sein
wieder gut an der Arbeit; sie sagen, der Jäger geh um, als hätt er einen
Kugelschuß im Leib.
Weib
So?
Mann
Ja. ^Zählt; befriedigt^ Das Gschäft kommt wieder in Saft; ich merks an
meinem Zuwachs. ^Zählt hastig weiter; dann freudezitternd^ Weib; jetzt
halt mir die Daumen -- ich mein, es langt. ^Zählt mit großer freudiger
Hast und steigernder Spannung fort; plötzlich mit einem Freudenschrei
aufspringend; auf das Weib zu^ Weib; es langt. Morgen, wenn du willst,
kann ichs kaufen. ^Lacht vor Freude aus vollem Hals^ Was sagst dazu?
Weib ^gleichgültig^
Na ja; dann ists ja gut.
Mann ^verdutzt^
Ist das dein ganze Freud?
Weib
Na ja, ich kann doch jetz wegen dem Haus am Marktplatz nit gleich
aufhupfen, daß ich den Kittl verlier.
Mann
^sieht sie argwöhnisch an^
Weib, du gfallst mir nit; was ist mit dir?
Weib ^mürrisch^
Mir gfallt auch viel ganz und gar nit, und muß es erleiden. ^Plötzlich
heftig gegen den Mann ausbrechend^ Es ist nit recht, einen Menschen so
hineinzuhetzn; und _du_ hast mich dazu angstellt; ja, du.
Mann
Hat nit er dich fangen wollen?
Weib
Ja; das ist wahr.
Mann
Und hättest nit ebenso gut _du_ können Feuer fangen anstatt ihm?
Weib
Ja, Mann; da hast recht. Hätt auch sein können. Schau, auf das hätt ich
jetz ganz vergessen.
Mann
Und er hätt dich dann brav ausglacht. Na also; jetz ist _er_ im
Schnappsack drin; jetz lach du _ihn_ brav aus. ^Befriedigt^ Es hat schon
den Rechten erwischt; er ist der Anstifter gwesen.
Weib