_=Der Hinweis auf das Leiden gehört naturgemäss zur eschatologischen
Verkündigung.=_ Eine Zeit unerhörter Drangsal muss dem Kommen des
Reiches vorhergehen. Aus diesen Wehen wird der Messias herausgeboren.
Das war eine überall verbreitete Ansicht: anders konnte man sich die
Ereignisse der Endzeit nicht denken.
Danach muss man die Worte Jesu deuten. Es zeigt sich dann, dass er bei
seiner Reichspredigt den Gedanken der Enddrangsal scharf hervorgehoben
hat. Wir nehmen immer an, dass, wenn er von Verfolgungen, welchen die
Seinen entgegengehen, spricht, damit das gemeint sei, was sie nach
seinem Tode allein und verwaist auf Erden durchmachen müssten. Das
ist vollständig falsch. Nach seinem Tode wird Jesus Messias durch
die Auferstehung, und dann bricht die Reichsherrlichkeit an. Nicht
was sie nach seinem Tode ausstehen müssen, sondern was sie im Reich
sein werden, das beschäftigt die Gedanken der Jünger auf dem Weg nach
Jerusalem.
Wo er von Leiden und Verfolgung spricht, handelt es sich um
Drangsale, die seine Anhänger _=mit ihm=_ erdulden müssen _=vor dem
Reichsanbruch=_. Gemeint ist der letzte Ansturm der widergöttlichen
Weltmacht, der über diejenigen hereinfluten wird, welche in der
Erwartung des Gottesreiches die Repräsentanten der göttlichen Macht in
der widergöttlichen Welt sind. Darum bildet Jesus den Mittelpunkt, auf
den hin sich die Drangsal konzentriert. Er ist der Fels, der die Wogen
aufbranden lässt. Wer von der grossen Weltflut nicht mitgerissen werden
will, muss sich an ihn anklammern.
Wenn er sagt, dass seine Mission nicht sei, den Frieden zu bringen,
sondern das Schwert, wenn er von dem Aufruhr redet, den er heraufführt,
wo die heiligsten irdischen Bande sich lösen müssen, wo man mit dem
Kreuz beladen ihm nachfolgen muss und das eigene Leben für nichts
achten (Mt 10 _-34-42-_), -- dann meint er die grosse Verfolgung der
Endzeit. Wer das Reich Gottes herbeinötigt, der führt auch jene herauf,
denn das Reich und der Messias erstehen ja aus ihr.
Darum überall der grelle Akkord in den messianischen Harmonien! Er
beschliesst die Seligpreisungen mit dem Hinweis, dass sie selig sind,
wenn sie gehasst und verfolgt werden und alles Böse um seinetwillen
über sie geredet wird. Dann haben sie gerade Grund zur Freude und
zum Jubel, denn in dem, was sie erdulden müssen, offenbart sich ihre
Zugehörigkeit zum Gottesreich. Während sie von der Weltmacht noch
drangsaliert werden, ist der Lohn schon im Himmel bereitet (Mt 5 _-11-_
u. _-12-_).
»Verkündet, dass das Reich nahe herbeigekommen ist«, sagt er den
Jüngern bei der Aussendung. Zugleich aber bereitet er sie eindringlich
auf die Enddrangsal vor, denn der Zeiger der Weltuhr steht nahe an
der grossen Stunde. Sie müssen es wissen, damit sie nicht meinen,
es widerfahre ihnen etwas Fremdes, wenn sie von der Weltmacht zur
Verantwortung gezogen werden, wenn sich um sie her Aufruhr und
Verfolgung erhebt und ihrem Leben Gefahr droht. Sie müssen es wissen,
damit sie nicht irre an ihm werden und ihn verleugnen und an ihm
Aergernis nehmen, wenn er in der Menschen Gewalt gegeben wird, denn
er selbst als machtvoller Verkündiger des Reiches hat diesen Aufruhr
angeregt. Wenn aber die Weltmacht zu siegen scheint, dann steht Gott
mit seiner Allmacht darüber. Nicht die, welche den Leib töten, muss man
fürchten, sondern den allmächtigen Herrn, welcher beim Gericht Seele
und Leib verdammen kann in die Hölle. In diesem letzten Aufruhr richtet
die Weltmacht sich selbst; nach dem Gericht kommt das Reich. Das ist
der Grundgedanke der Aussendungsrede.
Auch die Botschaft an den Täufer schliesst mit einem solchen Hinweis.
Das Reich ist nahe, lässt er ihm sagen; meine Predigt, Zeichen und
Wunder bekräftigen es: und zur Seligkeit kommt, wer sich nicht an mir
ärgert, d. h. wer in der vormessianischen Drangsal zu mir steht.
Am eindringlichsten aber ergeht das Wort von der schweren Zeit an die,
welche sich auf die Predigt der Jünger hin in gläubiger Reichserwartung
um ihn versammelt haben. Bei einbrechender Dämmerung hat er mit ihnen
das grosse Abendmahl am See gefeiert. Als der, welcher sich als Messias
weiss, hat er ihnen feierlich Speise dargereicht und sie damit, ohne
dass sie es ahnen, zu Teilnehmern am messianischen Mahle geweiht. Am
folgenden Morgen aber ruft er sie zu Bethsaida um sich und ermahnt sie
zur Hingabe des Lebens in der Drangsal. Wer sich seiner und seiner
Worte schämt in der Erniedrigung, welche durch die ehebrecherische
und sündige Welt über ihn kommen wird, den wird auch der Menschensohn
nicht anerkennen, wenn er in der Herrlichkeit seines Vaters, von seinen
Engeln umgeben, erscheinen wird (Mk 8 _-35-38-_).